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Full text of "Zeitschrift für Numismatik"

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I 




s 



ZEITSCHRIFT 



FÜR 



NUMISMATIK 



• 



HERAUSGEGEBEN VON : 



ALFRED VON SALLET. 



NEUNZEHNTER BAND. 



BERLIN 

WEIDMANN8CHE BUCHHANDLUNG. 

1895. 
GfHMNV 



Inhalt des neunzehnten Bandes. 



Alterthum. 

Seite 

Bahrfeldt, M., Untersuchungen über die Chronologie der Münzen der 

Domitii Ahenobarbi aus der Zeit der römischen Bepublik .... 53 

Bahrfeldt, M., Überpr&gte Münzen aus der Zeit der römischen Bepublik 72 

8tückelberg, E. A., Nobilissimatsmünzen 106 

Drexler, W., Zur antiken Münzkunde 128 

Kinch, K. F., iaton 135 

Seitmann, Über einige seltene Münzen von Himera (Tafel III) . . . 165 
Ganter, F. L , Die Diktaturen Caesars und die Münzen der fünf ersten 

mi viri a. a. a. f. f. 183 

Lambropoulos, A., Beitrage zur griechischen Numismatik (Taf. Uli) . . 204 
Weil, B., Zur Geschichte des Studiums der Numismatik. (Darin auch 

Mittelalter.) 245 

Seitmann, £. J., Interessante Beizeicben auf Münzen von Tarent und Aenus 283 

Mittelalter u. a. 

Buchenau, H., Der Bremer Fund (Tafel I und II) 1 

Hartmann, Martin, Mittheilungen aus der Sammlung Hartmann .... 97 
Stickel, D., Über einen sehr merkwürdigen Dinar des Abassidiscben 

Chalifen al-Watsik-billah 103 

Bardt, Fr., Der Denarfund von Zweinert 113 

Bardt, Fr., Über das Münzrecht der Bischöfe von Lebus 117 

Voigt, H., Schulmünzen, Rechenpfennige 144 

Scheuner, R , Eine Gemeinschaftsmünze der Städte Sommerfeld und Guben 235 

Scheuner, R , Zwei Bücher aus der Görlitzer Münze , . 263 

Cahn, J., Ein neuer Denar Yolquins III, Grafen von Schwalenburg . . 279 

Kleinere Mitteilungen. 

Notizen über eine sehr seltene englische Münze 289 

Bechenpfennig des Hans Schultes 290 

Münzenfand 291 



H-oHqso 



IV Inhalt des neunzehnten Bandes 

Seite 

Literatur. 

Dannenberg, H 91 

v. Saurma-Jeltsch, Hugo Freiherr 94 

Congres international de nnmismatique a BruzeUes 152 

Fiala, E 160 

Dannenberg, H 239 

Oheetret de Haneffe, J. de 242 

Engel, A 293 

Engel, A. und B. Serrnre 294 

Dannenberg, H 307 

Nekrologe. 

Werner Wippe 164 

Dr. jur. Jakob Dirks 316 

Jakob Hoffmeister 317 

Theodor Stenzel 317 

Adolf Meyer 817 

W. H Waddington 318 

Register 322 

Verhandlungen der Numismatischen Gesellschaft in Berlin 1894. 



Der Bremer Fond. 

(Hierzu die Tafeln I und II.); 



Am 17. October 1887 wurde auf der ehemaligen Bremer 
Bürgerweide bei der Anlegung einer Schwimmhalle ein brauner 
glasirter Thonkrug gefunden, der etwa 1300 kleine Silbermünzen 
und einen plumpen silbernen Ring von etwas mehr als Daumens 
Durchmesser enthielt. Der Fund wurde für das Bremer 
Staatsarchiv erworben und soll dort in seiner Oesammtheit auf- 
bewahrt bleiben. 

Die Bearbeitung des Fundes, die mir in zuvorkommendster 
Weise von dem Herrn Staatsarchivar Senatssecretär Dr. von 
Bippen gestattet wurde, ergab, dass derselbe einen inter- 
essanten Beitrag zur Eenntniss des Münz- und Geldwesens 
im nordöstlichen Niedersachsen und im angrenzenden nordöst- 
lichen Westfalen liefert. Die Hauptmasse des Fundes besteht 
aus den im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts in diesen 
Gegenden üblichen Dickpfennigen, den in den derzeitigen Ur- 
kunden oft genannten „nyen quaden Swaren" (vgl. Grote, Münz- 
stud. III S. 71, 75), die durch ihr leichtes Gewicht bewirkten, 
dass der Turnosgroschen, „der Groten u , nicht mehr zu 4 sondern 
zu 5 Swaren gerechnet wurde. 

Solcher Dickpfennige fanden sich vor: der Stadt Bremen 
(seit 1369 geprägt): 324 Stück; des Grafen Erich von Hoya- 
Nienburg (1377—1427): 38; des Grafen Otto von Hoya-Hoya 
(1383 — 1428): 39, ausserdem ein unbestimmter Hoyischer Denar 
oder Hälbling; des Edelherrn Johann von Diepholz (1377 — 
1421): 29; der bischöflich münsterschen Herrschaft Yechte 
(Vechta): 33; der erzbischöflich .bremischen Vogtei Wildes- 

Zeitschrift für Wumiimatik. XIX 1 



2 H. Bochenau: 

hausen (z. T. mit dem Namen des Vogtes Friedrich von Schagen 
— 1360—1386 — ): 54; Oldenburger: 109, darunter 3 bisher 
unbekannte mit dem Namen des Grafen Eonrad (1342—1401). 

Abgeschlossen wird diese eine Hauptgruppe des Fundes durch 
dieDenarederBischöfevonMünster:Florenz(1364— 1379): 14 Stück, 
dazu gehörig ein Viertelspfennig (Vierling von demselben Bischof); 
Heidenreich (1381—1392): 4 Stück; der Bischöfe von Osnabrück: 
Johann (1349—1366): 1 Stück; Dietrich (1376-1402): 9 Stück; 
Bielefelder Denare des Grafen Wilhelm von Kavensberg 
(1360—1397): 52 Stück; Denare des Bischofs Otto von Minden 
(1384—1398): 1 Stück; des Bischofs Heinrich von Paderborn 
(1361—1380): 3 Stück; es schliessen sich noch an: Herforder 
Denare der Äbtissin Hildegund (1374—1412?): 12; andere 
Herforder Denare, z. T. mit dem Namen einer Äbtissin 
„Godera* 7, Herforder Hälblinge: 2 Stück; ein Denar vermuthlich 
des Grafen Dietrich von der Mark zu Dinslaken (1368—1406), 
ein muthmasslich Emdener, ein Denar von Dortmunder Typus, 
ein wahrscheinlich lippischer und neben einem weniger genau 

bestimmbaren ein älterer hessischer Denar nach westfälischer Art. 

«« 

Schon diese Übersicht zeigt, dass nur die wenigsten Stücke 
des Fundes vor die Mitte des 14. Jahrhunderts zurückgehen, 
sogar von den bekannten zwischen Weser und Ems massenhaft 
gefundenen Dickpfennigen des Bischof Ludwig von Münster 
(1310—1357) hat sich auch nicht ein einziges Stück gefunden. 

Auffallend ist auch, dass das mittlere und südliche Nieder- 
sachsen nur durch einige abgenutzte hannoversche Helmpfennige 
in dem Funde vertreten ist, und es scheint demnach mit diesen 
Gegenden damals an der Unterweser wenig Verkehr gewesen 
zu sein. 

Als zweiter Hauptbestandtheil des Fundes stehen den 
Münzen aus der Landschaft zwischen Ems und Weser die Geld- 
sorten des lübischen Münzfusses gegenüber, nämlich Witten, 
Dreilinge, zweiseitige Pfennige (V des Witten), Hohlpfennige und 
deren Hälften (Scherfe), ausgegangen von Hamburg, Lüneburg, 
Lübeck, Mecklenburg, Parchim, Rostock, Wismar; einige pom- 



Der Bremer Fund. 3 

mersche Scherfe und andere Münzen aus den Ostseegegenden 
schliessen sich daran an. Zur lübischen Währung gehört auch 
der vorgefundene Witte des Häuptlings von Jever Edo 
Wieneken (1353—1410). Als versprengtes Stack fand sich 
noch ein schlecht erhaltener Denar von fränkischer Fabrik. 

Für die Frage nach der Zeit der Vergrabung des Fundes 
sind diese Gepräge der lübischen Währung ausschlaggebend, da 
die nachweisbar jüngsten Gepräge des Fundes die Hamburger 
und Lüneburger Witten nach dem Rezess von 1403 (Nr. 94 
und 103) und die gleichzeitig in Umlauf gesetzten Hamburger, 
Lüneburger, Wismarer und Lübecker Dreilinge (Nr. 95, 104, 108 
und 126), sowie der vermuthlich gleichzeitige Wittenpfennig von 
Wismar sind, während unter den zahlreich vorgefundenen Ham- 
burger Münzen keiner der nach dem Rezess von 1410 ge- 
münzten Witten sich befand. Alle diese um 1403 geprägten 
Münzen lübischer Währung sind durchschnittlich weit besser er- 
halten als die vorhin erwähnten Dickpfennige des bremisch- 
westfälischen Münzfusses. Höchstwahrscheinlich ist somit der 
Fund bald nach 1403 vergraben worden. 

Wie gesagt, sind schon durchgängig sehr abgenutzt die vor- 
gefundenen seit der 1369 erfolgten pfandweisen Erwerbung der 
Münze geprägten Schwären der Stadt Bremen mit dem liegenden 
Schlüssel neben dem Kopfe des hl. Petrus und dem Bischofsbilde 
des hl. Willehad (25 Stück), die so die Münsterschen Denare des 
Bischof Ludwig fast ununterscheidbar nachahmten und hierdurch 
eine 1371 erfolgte Beschwerde des Bischofs Florenz veran- 
lassten. Vielleicht bewirkte diese Beschwerde, dass zur deut- 
licheren Unterscheidung der Bremer Gepräge von den Münsterschen 
der Schlüssel senkrecht neben das Haupt des Apostels gestellt 
wurde, während das Bischofsbild der Bückseite unverändert blieb. 

Die 265 Exemplare dieser zweiten Sorte mit stehendem 
Schlüssel sind meist besser erhalten. Später kam in Bremen 
ein eigener Typus für die Denare auf: der dreieckige Stadt- 
schild und der hl. Petrus im Brustbild mit Tiara, Schlüssel und 

Schwert 

l* 



2 H. Buchenan: 

hausen (z. T. mit dem Namen des Vogtes Friedrich von Schagen 
— 1360—1386 — ): 54; Oldenburger: 109, darunter 3 bisher 
unbekannte mit dem Namen des Grafen Konrad (1342—1401). 

Abgeschlossen wird diese eine Hauptgruppe des Fundes durch 
dieDenarederBischöfevonMünster:Florenz(1364— 1379): 14 Stück, 
dazu gehörig ein Viertelspfennig (Vierling von demselben Bischof); 
Heidenreich (1381—1392): 4 Stück; der Bischöfe von Osnabrück: 
Johann (1349—1366): 1 Stück; Dietrich (1376-1402): 9 Stück; 
Bielefelder Denare des Grafen Wilhelm von Ravensberg 
(1360—1397): 52 Stück; Denare des Bischofs Otto von Minden 
(1384—1398): 1 Stück; des Bischofs Heinrich von Paderborn 
(1361—1380): 3 Stück; es schliessen sich noch an: Herforder 
Denare der Äbtissin Hildegund (1374—1412?): 12; andere 
Herforder Denare, z. T. mit dem Namen einer Äbtissin 
„Godera* 7, Herforder Hälblinge: 2 Stück; ein Denar vermuthlich 
des Grafen Dietrich von der Mark zu Dinslaken (1368—1406), 
ein muthmasslich Emdener, ein Denar von Dortmunder Typus, 
ein wahrscheinlich lippischer und neben einem weniger genau 
bestimmbaren ein älterer hessischer Denar nach westfälischer Art. 

Schon diese Übersicht zeigt, dass nur die wenigsten Stücke 
des Fundes vor die Mitte des 14. Jahrhunderts zurückgehen, 
sogar von den bekannten zwischen Weser und Ems massenhaft 
gefundenen Dickpfennigen des Bischof Ludwig von Münster 
(1310—1357) hat sich auch nicht ein einziges Stück gefunden. 

Auffallend ist auch, dass das mittlere und südliche Nieder- 
sachsen nur durch einige abgenutzte hannoversche Helmpfennige 
in dem Funde vertreten ist, und es scheint demnach mit diesen 
Gegenden damals an der Unterweser wenig Verkehr gewesen 
zu sein. 

Als zweiter Hauptbestandtheil des Fundes stehen den 
Münzen aus der Landschaft zwischen Ems und Weser die Geld- 
sorten des lübischen Münzfusses gegenüber, nämlich Witten, 
Dreilinge, zweiseitige Pfennige (V des Witten), Hohlpfennige und 
deren Hälften (Scherfe), ausgegangen von Hamburg, Lüneburg, 
Lübeck, Mecklenburg, Parchim, Rostock, Wismar; einige pom- 



Der Bremer Fand. 3 

mersche Scherfe und andere Münzen aus den Ostseegegenden 
schliessen sich daran an. Zur lübischen Währung gehört auch 
der vorgefundene Witte des Häuptlings von Jever Edo 
Wieneken (1353—1410). Als versprengtes Stück fand sich 
noch ein schlecht erhaltener Denar von fränkischer Fabrik. 

Für die Frage nach der Zeit der Vergrabung des Fundes 
sind diese Gepräge der lübischen Währung ausschlaggebend, da 
die nachweisbar jüngsten Gepräge des Fundes die Hamburger 
und Lüneburger Witten nach dem Rezess von 1403 (Nr. 94 
und 103) und die gleichzeitig in Umlauf gesetzten Hamburger, 
Lüneburger, Wismarer und Lübecker Dreilinge (Nr. 95, 104, 108 
und 126), sowie der vermuthlich gleichzeitige Wittenpfennig von 
Wismar sind, während unter den zahlreich vorgefundenen Ham- 
burger Münzen keiner der nach dem Rezess von 1410 ge- 
münzten Witten sich befand. Alle diese um 1403 geprägten 
Münzen lübischer Währung sind durchschnittlich weit besser er- 
halten als die vorhin erwähnten Dickpfennige des bremisch- 
westfälischen Münzfusses. Höchstwahrscheinlich ist somit der 
Fund bald nach 1403 vergraben worden. 

Wie gesagt, sind schon durchgängig sehr abgenutzt die vor- 
gefundenen seit der 1369 erfolgten pfandweisen Erwerbung der 
Münze geprägten Schwären der Stadt Bremen mit dem liegenden 
Schlüssel neben dem Kopfe des hl. Petrus und dem Bischofsbilde 
des hl. Willehad (25 Stück), die so die Münsterschen Denare des 
Bischof Ludwig fast ununterscheidbar nachahmten und hierdurch 
eine 1371 erfolgte Beschwerde des Bischofs Florenz veran- 
lassten. Vielleicht bewirkte diese Beschwerde, dass zur deut- 
licheren Unterscheidung der Bremer Gepräge von den Münsterschen 
der Schlüssel senkrecht neben das Haupt des Apostels gestellt 
wurde, während das Bischofsbild der Bückseite unverändert blieb. 

Die 265 Exemplare dieser zweiten Sorte mit stehendem 
Schlüssel sind meist besser erhalten. Später kam in Bremen 
ein eigener Typus für die Denare auf: der dreieckige Stadt- 
schild und der hl. Petrus im Brustbild mit Tiara, Schlüssel und 

Schwert. 

l* 



4 H. Buchenao: 

Dieser Typus kann erst kurze Zeit vor der Vergrabung des 
Fundes in Aufnahme gekommen sein , da er nur durch 34 meist 
gut erhaltene Exemplare vertreten war« Da jedoch die erste 
Verpfändung der Münze an den Rath zu Bremen nur bis zum 
Tode des Erzbischof Albert (1395) dauerte, und erst 1409 eine 
neue Verpfändung erfolgte, so muss dieser Typus schon vor 1395 
in Aufnahme gekommen sein. 

Der Typus mit dem Stadtschilde wurde dann für die 
Schwären von 1409 bis 1454 beibehalten, in welch letzterem Jahre 
die wieder erneute Verpfändung der Münze an den Rath ablief 
und von da ab nicht erneuert wurde. 

In der Zeit dieser zweiten Verpfändung wurden diese noch jetzt 
massenhaft vorhandenen Schwären mehr und mehr im Gewichte ver- 
ringert, während die Exemplare unseres Fundes, also offenbar die 
der ersten Emission dieser Sorte, sich im Gewichte (durchschnitt- 
lich 0,99 gr.) noch genau an die älteren Wilhadus Denare an- 
schliessend und auch das Gewicht von 0,974 gr. nur unwesentlich 
übertreffen, welches 1412 dem Münzmeister Johann von Soltstede 
vorgeschrieben wurde (Jungk, Bremisches Münzwesen S. 69). 

In seiner oben erwähnten Zusammensetzung giebt nun der 
Bremer Fund ein deutliches Bild von dem zu Beginn des 
15. Jahrhunderts an der Unterweser herrschenden Geldwesen, 
welches den Begriffen genau entspricht, das die derzeitigen 
Urkunden und namentlich die Rechnungen über den 1405 — 1407 
erfolgten Bau des Bremer Rathhauses davon gegeben haben, 
(Brem. Jahrbuch II, 1866). Es sind diese Münzverhältnisse ausführ- 
lich besprochen in den ausgezeichneten Abhandlungen von H. Grote 
über die oldenburgische und hoyische Münzgeschichte und danach 
bei Jungk, die bremischen Münzen. Nach den von Grote und 
Jungk angestellten Berechnungen galten zur Zeit des Bremer 
Bathhausbaues die münsterschen und osnabrückschen (und somit 
wohl auch die übrigen westfälischen) Dickpfennige soviel wie ein 
Bremer Sware; der lübische Witte galt = 2 Swaren, der Drei- 
ling = 1% Swaren, der Pfennig = einem halben Swaren; von 
den Scherfen (Hälblingen) lübischer Währung wurden fünf auf 



Der Bremer Fand. 5 

einem Swaren gerechnet, während deren zwei auf einen 
lübischen Pfennig kamen. 

Bemerkenswert!! ist, dass unter den speciell bremischen 
Geprägen des Fundes jegliche Hohlpfennige fehlen, zu deren 
Ausprägung sich doch 1387 der Münzmeister Heinrich von 
Romunde verpflichtet hatte (s. Jungk S. 139), während die um 
1400 geprägten Hohlpfennige des lübischen Fusses mit dem 
Strahlenrande und deren Hälften, die Scherfe, ziemlich zahlreich 
vertreten sind: ganze Hohlpfennige: Hamburg Nr. 98, Lüne- 
burg Nr. 106, Lübeck Nr. 111, Mecklenburg Nr. 115, Wismar 
Nr. 127, Dänemark Nr. 132, auch Greifswald Nr. 129: im Ganzen 
94 Stück; daneben einige ältere Hohlpfennige mit glattem Rande; 
halbe Hohlpfennige (Scherfe): Hamburg Nr. 99, Lübeck Nr. 112, 
Mecklenburg Nr. 116, auch Deutsch- Orden Nr. 131: im Ganzen 
12 Stück.) 

Durch diese Erscheinung bestätigt sich die von Jungk aus- 
gesprochene Vermuthung, dass diese Hohlpfennige in Bremen 
entweder gar nicht oder nur in sehr geringen Quantitäten aus- 
gemünzt worden sind. Dasselbe gilt für die 1387 vorgeschriebenen 
Wittenpfennige, und man begnügte sich also für diese beiden 
Münzsorten die entsprechenden Gepräge von der Unterelbe und 
Ostsee cursiren zu lassen. 

Hohlpfennige übrigens, wie sie die erzbischöfliche Münze in 
Bremen in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts massenhaft 
lieferte, deren uns namentlich aus den Funden von Lozstedt 
und St Magnus vorliegen, hatten sich zur Zeit der Vergrabung 
unseres Fundes im Verkehr völlig verloren, auch war das Halbiren 
der Hohlpfennige nicht mehr Sitte, da man damals wenigstens 
an der Ostsee dem Bedürfniss nach Scheidemünze niedrigsten 
Werthes, wie es dem gesteigerten Verkehr und grösseren Auf- 
blühen des Städtewesens entsprach, durch das Ausprägen der 
Hälften des Hohlpfennigs, der oft genannten Scherfe, entgegen 
gekommen war. Den im Bremer Funde befindlichen in der 
Form von Hohlmünzen geprägten Scherfen haben im Geldwerthe 
die vorgefundenen flachen und meist zweiseitigen Scherfe 



g H. Buchenau: 

(eigentlich ganze Pfennige stark reducirten Gewichtes; vgl. 
Lüneburg (?) Nr. 107, Mecklenburg Nr. 113 und 117, Pommern 
Nr. 128: im Ganzen 20 Stück) offenbar entsprochen. Die Er- 
haltung dieser flachen Scherfe ist eine durchweg sehr schlechte, 
so dass sich nach der Zusammensetzung unseres Schatzes als ihre 
Entstehungszeit etwa die Mitte des 14. Jahrhunderts an- 
nehmen lässt. 

Über die nachfolgende Beschreibung der Münzen ist zu be- 
merken, dass genau und mit Gewichtsangaben nur die west- 
fälisch-niedersächsische Gruppe beschrieben ist, da nur hier 
sich eine namhafte Anzahl von erst theilweise oder überhaupt 
unbekannten Münzen vorgefunden hat. Zu den trefflichen in 
den Münzstudien enthaltenen Arbeiten H. Grote's über die Geld- 
und Münzgeschichte von Oldenburg, Hoya, Diepholz und Herford, 
liefert unser Fund eine Menge von Ergänzungen oder Be- 
richtigungen. 

Besondere Sorgfalt wurde darauf verwandt, bei diesen Ge- 
prägen die Abweichungen in der Verzierung der Gewandung 
festzustellen, die das auf den meisten dieser westfälischen Dick- 
pfennige erscheinende Bischofsbild trägt. Wie erwähnt, hat in 
den letzten Decennien des vierzehnten Jahrhunderts das zwischen 
Ems und Unterweser am meisten beliebte Gepräge' mit dem 
Kopfe und Bischofsbilde seinen Ausgang genommen von dem 
jüngeren Typus der Denare des Bischof Ludwig von Münster 
(1310—1357), dessen genaue Beschreibung ich folgen lasse. 

Die Vorderseite zeigt das Haupt des hl. Paulus, streng 
stilisirt, mit Haarlocken an der Schläfe und je zwei Bartlocken 
auf jeder Seite des Gesichts ; unter dem Haupte befindet sich 
ein Stück Gewand, den Halskragen andeutend, mit vertieften 
Kreuzchen verziert, links neben dem Haupte die Hand des 
Heiligen mit dem Schwerte; ein Bogen innerhalb des um- 
schliessenden Perlenkreises deutet den Heiligenschein an; Um- 
schrift: SANCTVS PAVLVS. Die Rückseite zeigt den Bischof 
im Kniestück, sitzend, mit hoher einspitziger Mitra rechts 
segnend, links ein geschlossenes Buch haltend, auf der Brust 



Der Bremer Fund. 7 

eine grosse Rosette, die aus 4 Halbkreisbögen mit einem Kreuz- 
chen in der Mitte besteht; der Gewandstreifen, welcher senkrecht 
von dieser Rosette nach unten läuft, ist mit drei übereinander- 
stehenden Kreuzchen verziert; neben den Knieen des Bischofs 
deuten zwei nach oben gekrümmte Linien, die mit Schräg- 
kreuzehen besteckt sind, das Subsellium an. Umschrift: 
+ LODEVICVS = EPISCOPVS. 

Es war von Wichtigkeit die beschriebenen Einzelheiten dieses 
Typus genau festzustellen: ihm sind mit veränderter Umschrift 
(„MONETA = BREMENSIS" und „SANT WIL = LEHAD EPS") 
zunächst die seit 1369 geprägten Bremer Swaren genau nach- 
geahmt, nur dass ausser dem Schwerte noch der Pfetrus- 
schlüssel neben dem Heiligenhaupte erscheint, und an dies 
Bremer Gepräge lehnen sich dann genau die vielen ähnlichen 
Denare von Hoya, Oldenburg, Wildeshausen, Diepholz und 
auch Vechte an, jedoch mit dem Unterschiede, dass der 
Schlüssel meist mit einem Wappenschildchen vertauscht wird, 
und dass besonders der Typus des segnenden Bischofs in 
allerlei Kleinigkeiten variirt. Neben der Mitra sind am meisten 
die Verzierungen des Gewandes diesen anscheinend unwesentlichen 
Veränderungen unterworfen. Doch durch die Feststellung dieser 
kleinen Unterschiede gelang es, bis auf den letzten Rest selbst 
die Masse der schlecht erhaltenen oder in Folge des diesen 
Denaren eigenen Missverhältnisses zwischen Schrötling und 
Stempel ohne Inschrift gebliebenen Stücke zu bestimmen. 

Ausserdem liess sich beobachten, dass dieselben Ver- 
änderungen dieser Ornamentik bei den Münzen von Nieder-Hoya 
(Münzstätten Hoya und Bassum), Diepholz (Münzstätten Diepholz 
und „Wester"), Wildeshausen und theilweise auch bei denen 
von Vechta und Oldenburg gleichmässig wiederkehren, so dass 
sich bei diesen untereinander nahe benachbarten Münzstätten 
zeitlich parallel laufende Reihen bilden. Insbesondere haben die nur 
drei Wegstunden von einander entfernten Münzen von Wildes- 
hausen und Bassum auch den wunderlichen Heiligennamen 
^Svenoier tt gemeinsam. Dieselbe Übereinstimmung liess sich an 



8 



H. Buchenan: 



der Form der Buchstaben beobachten, so besonders an dem 
runden oder geradlinigen M (JR oder H) und an dem ge- 
schweiften oder geradlinigen A (9 oder K). Es wird hierdurch 
der Gedanke nahe gelegt, derselbe Stempelschneider möge 
während längerer Zeit für alle diese Münzstätten gearbeitet 
haben. Und anscheinend hält auch die Verminderung des Ge- 
wichtes der Denare gleichen Schritt mit dieser Veränderung 
der Gepräge. Überhaupt sinkt das Gewicht der aus den eben 
erwähnten Territorialmünzen hervorgegangenen Gepräge in auf- 
fälliger Weise mehr und mehr unter das der gleichzeitigen 
Bremer Sware, zugleich verräth die oft röthliche Färbung 
der Münzen einen schlechten Feingehalt, Umstände, die auf 
einen wenig soliden Betrieb des Münzwesens in diesen beiderseits 
der Hunte gelegenen Territorien hindeuten. 

Zur besseren Orientirung über 
die erwähnten Münzstätten diene 
nebenstehende Skizze. 

Einige Räthsel giebt der 
Bremer Fund auf, deren Lösung 
mir nicht gelungen ist, so die 
„Godera abatissa u von Herford, 
die Münzstätte „Wester" der 
Edelherren von Diepholz, die 
Heiligennamen „Svenoier" und 
„Reigneus" auf den Bassumer 
und Wildeshäuser Denaren. Diese Fragen sind im einzelnen 
besprochen bei der Beschreibung der betreffenden Münzen. 




Stadt Bremen« 

Swaren (seit 1369 geprägt) mit dem Kopfe des hl. Petrus 
zwischen Schlüssel und Schwert und dem sitzenden Bilde des 
hl. Willehad, auf der Brust des Heiligen eine Rosette aus 
vier Bögen, die in der Mitte in einem Punkte zusammenlaufen, 
unter der Rosette ein Gewandstreifen mit drei übereinander 
stehenden Kreuzchen. 



Der Bremer Fund. 9 

1. Älteste Sorte mit liegendem Schlüssel (Jungk 380). 

25 Stück, meist stark vernutzt, zusammen 24,8 gr. 

Auf den folgenden Sorten steht der Schlüssel senkrecht 
neben dem Haupte des Heiligen. 

a) Swaren mit Beizeichen über dem Schlüssel: 

2. Ein Schrägkreuzehen über dem Schlüssel. 

5 Stück, zusammen 4,9 gr. (Jungk, Brem. Münzen 383.) 

3. Ein Punkt über dem Schlüssel (Jungk 382). 

5 Stück, zusammen 4,8 gr. 

4. Ein Halbmond über dem Schlüssel, nicht bei Jungk. 

22 Stück, zusammen 21 gr. 

5. b) Swaren ohne Beizeichen über dem senkrecht stehenden 
Schlüssel (Jungk 381). 233 Stück, zusammen 220,4 gr. 

6. Swaren mit dem Brustbilde des hl. Petrus und dem Schlüssel 
im dreieckigen Wappenschilde, das sich zwischen drei 
Schrägkreuzehen befindet (jüngeres Gepräge der stadt- 
bremischen Swaren, Jungk 394—397) 

34 Stück, zusammen 33,8 gr. 

Es Hessen sich bei diesen 34 Stück folgende neun Varietäten 
feststellen, deren Anzahl bei diesem wohl erst kurz vor der 
Vergrabung angenommenen Gepräge auf einen gleich Anfangs 
sehr starken Umfang der Ausprägung schliessen lässt: 

11/. a) *SÄ = ßdTVS = PQTRVS* 

b) *SÄ = ROTS* = PQTRVS" 

c) "SÄ (geschweiftes Ä) = HOTS i = PBTRVS" 

Auf a, b, c ragt ein sehr langer Schlüssel trennend in die 
Inschrift hinein. 

d) "SmiaTVS" = "PflTRVS* 

e) . . HOTS* « 

Auf d und e ist der Schlüssel kurz, so dass die Umschrift 
ungetrennt bleibt. 

Auf a, b, c, d, e beginnt die Umschrift oben über dem Kopfe 
des Heiligen. 

f) «sraaonrs 



10 H. Buchenau: 

Auf f beginnt die Inschrift unten neben der rechten Hand 
mit dem Schwerte. 

Zu a— f gehört die Rückseite : + HOK8TÄ $ BRQHOßSIS®, 
diese Inschrift beginnt über der (im heraldischen Sinne) linken 
Seite des Schildes. 

g) Ilf wie a oder b, Bf: +HOßaTÄ®BRaHaKSIS&*; 
Beginn der Inschrift der Bf wie bei a— f. 

h) Bf SZmaTS RVS $*; Beginn der Inschrift 

wie bei f, langer Schlüssel. 

i) Ilf SÄ = — P8TRVS; Beginn der Inschrift 

wie bei a— e, langer Schlüssel. 

Bf von h: + H0ß8TÄ& SUSIS®, hinter der Rose 

anscheinend: * oder 5. 

Bf von i: + HÖHST 18«. 

Auf der Bf von h und i (nur je ein Ex.) beginnt die In- 
schrift oben über der (im heraldischen Sinne) rechten Spitze des 
Schildes. 

Hoya (Ober -Grafschaft Hoya- Nienburg). 

Erich (1377— H27). 

7. S waren aus der Münzstätte Nienburg an der Weser. 

Bf. Kopf des hl. Paulus zwischen der Hand mit dem Schwerte 
und dem Schilde mit den Bärentatzen. 

Bf Bischof mit der Mitra, sitzend, zwischen zwei mit den 
Schrägkreuzehen besteckten Bogenlinien, rechts segnend, links ein 
geschlossenes Buch hoch haltend, Gewandverzierung wie auf den 
Bremer Wilhadusswaren (Nr. 1—5), unter der Figur nebenein- 
ander 7 Kreuzchen. 

Hf a) amavssao* - *was;iiOi* 

b) ama - • • i&n&oi* 

c) aRiavs- ao - Mas:ßhoi* 

d) amavsriOM**** - *i*(«a)s;i«iOi* 

e) S:IOI sieben Punkte Id : 

f) m*noi*ima***- - dm*tvi:* 

g) OMIHa* • • • = DHI*TVI* 



Der Bremer Fund. 11 

Rf a) MOIiGTÄ = nV6QM:OI* 

b) MOßeTÄ - M68ßB0 * 

c) MOßÖTÄ ß = VGaßM* 

Die Stempel a, b, c der Rückseite sind abwechselnd mit den 
verschiedenen Stempeln der Hauptseite a, b, c, d verbunden. 

d) MOßÖTÄ = MGOßBV* 

d ist die Rückseite für die Stempel der Hf e, f, g. 
Die Münzen e, f, g sind ungeschickter angefertigt als die 
vorhergehenden, der Heiligenschein endet bei diesen Stempeln 
auf der Hj. in einem derben Punkt, auf der Rückseite zeigt sich 
die Gewandverzierung unter der Rosette bereits zu getrennten 
Kreuzchen aufgelöst (Übergang zu der Rf. der folgenden 
Nummer, welche später geprägt sein muss). 

Im Ganzen 27 Stück; Dm. 15 mm; Gewicht: zusammen 
27,65 gr. Siehe Abbildungen von a, c, d und e. 
8. Derselbe Typus wie auf Nr. 7, doch fehlen bei der bischöf- 
lichen Figur die Schrägkreuzehen zu Seiten der Kniee, und 
unter der Spange des Gewandes befinden sich zwei Kugel- 
kreuzchen; auf b ausserdem ein derber Punkt zwischen Kopf 
und Schwert auf der Hf 
Hf. a) IÄ*»OMI»a* DM*TVI * * 

b) m . »OMina**** = *aai*Tvi* 
Rf. a) jMOiiaTÄ = meani •:• v * 

b) MOHaTTS « RK?aß(ligiert)BV* 

Auf einem Exemplare ist der Stempel der Hf b mit dem 
der Rf a verbunden. 

Im Ganzen 11 Stück; Dm. 15 mm; Gewicht: zusammen 
10,07 gr. Siehe Abbildungen von zwei Exemplaren von 8a. 

Die Legende der Hf. von No. 8 wie auch schon der Haupt- 
seiten von Nr. 7 f und g, scheinbar „in nomine domini tui u 
bedeutend, scheint aus der Corrumpierung des „Ericus comes 
in Hoi" (s. vorhergehende Nummer) hervorgegangen zu sein, 
wie denn auch im Typus die allmählige Entwicklung dieses Ge- 
präges aus den ersten Varianten der vorhergehenden Nummer 
sich verfolgen lässt. Hieraus, wie aus der vortrefflichen Er- 



12 H. Buchenau: 

haltung aller dieser Stücke geht hervor, dass auch diese Münze 
für weit jünger zu halten ist, als Grote, Münzstudien IV S. 244, 
annimmt. 

Hoya (Niedergrafschaft zur Hoya). 

Denare des Grafen Otto IV. (1383—1428). Unmöglich 
lässt sich irgend eins der nachfolgenden Stücke mit Grote, 
Münzstud. Bd. I, dem Grafen Otto IL (1290—1324) zuertheilen: 
neben ihrem starken Vorkommen in unserem Funde, dessen Inhalt 
im ganzen nicht vor die Mitte des 14. Jahrhunderts zurückgeht, 
widerspricht schon das leichte Gewicht aller dieser Denare dieser 
Annahme, und auch die zwei von Grote beschriebenen Stücke 
sind dem Grafen Otto III. zuzuertheilen. 

A. Münzstätte unbestimmt. 

9. Hf. Kopf des hl. Paulus zwischen der Hand mit dem Schwerte 
und dem Schilde mit den Bärentatzen, links über und rechts 
unter dem Schilde ein Schrägkreuzehen. 

Rf. Bischöfliche Figur, sitzend, rechts schwörend, links ein 
geschlossenes Buch haltend, die Mitra mit Knöpfchen an 
den Ecken; Linien mit Schrägkreuzehen zu Seiten der Knie 
dieser Figur, das Gewand unter der Rosette ist mit zwei 
senkrechten Kreuzchen verziert. 

a) Hf ÄSIß = 

Rf = aSülÄüIiOYÄ; 

Die Wiedergabe des dritten Buchstaben in dem Worte „Hoya" 
machte typographische Schwierigkeiten: es ist ein gotisches V, 
ebenso unten bei Nr. 10 und 11. 

2 Ex. Dm.: 15— 16 mm, Gewicht 1,96 gr. 

b) Hf. JBOßeTÄ S . . . = i 

Rf. = . . . ti\j • . • 

Bei der Variante b fehlen die Linien mit den Schräg« 
kreuzchen, die Kreuzchen unter 4er Rosette auf dem Bischofs- 
bilde stehen schräg. 

1 Ex. Dm.: 15— 16 mm, Gewicht: 0,89 gr. 

c) Hf. am; = . . . sc?) . . . 



Der Bremer Fand. 13 

Das Kreuzchen unter dem Schilde fehlt, vielleicht fehlt 
auch das obere Kreuzchen. 

rj. . . . emiim = 

Gewandverzierung unter der Rosette undeutlich, die Schräg- 
kreuzehen an den Knieen fehlen. 

1 Ex. Dm.: 15— 16 mm, Gewicht; 0,96 gr. 

Auf Variante c fehlt also anscheinend der Name des Grafen, 
doch gehören diese 3 Varianten nach Feinheit der Zeichnung, 
nach Art der Buchstaben, Gewicht und Durchmesser eng zu- 
sammen, Inschriftreste auf a und c scheinen auf die Münzstätte 
Bersen (Bassum) zu deuten. Siehe Abbildung von 9a. 

10. Derselbe Typus: Hfl ein Schrägkreuzehen über dem Schilde. 

OTTo;co$ß ühovsn 

Rf. Darstellung des Bischofs, Verzierung des Gewandes 
dieselbe wie auf den Bremer Wilhadus- Seh waren; neben den 
Knieen Bogenlinien mit Schrägkreuzehen besteckt. 

. . ßcnra • = sw 

3 Ex. Dm.: 15 mm, Gewicht: 2,64 gr. 
Über den Heiligennamen „Sancte Swenoier u s. u. bei 
Wildeshausen. 

B. Denare des Grafen Otto IV. mit dem Namen der 

Münzstätte Bassum. 
Der Flecken Bassum (früher Bircsinum, Bersen oder Barssen) 
mit der alten gleichnamigen Benedictiner Frauenabtei liegt 
wenige Meilen südlich von Bremen und gelangte 1384 durch die 
Erwerbung der Grafschaft Neubruchhausen in den Besitz der 
Grafen von Hoya. Die nachstehenden Denare können also erst 
seit 1384 geprägt sein. 

11. Derselbe Typus. HJ. Stehendes Kreuzchen über dem Schilde. 
Bf. Enöpfchen an der Mitra, unter der Rosette bildet das 
Brustgewand eine bauschige Falte mit 2 nach oben ge- 
richteten Spitzen, der ganze Typus der Rf. dem von Wildes- 
hausen Nr. 44, Oldenburg Nr. 54, Diepholz Nr. 28—29 
(Twistringen?) aufs genaueste entsprechend (cf. auch Vechta 
Nr. 37). 



14 H. Buchenau: 



X 
X 



x 
x 



a) Hf a) OTTOiaO . . = xlßJfcOVÄ 

ß) otto ; ao VÄ 

Rf a) Sa -5 BQRSaß 

ß) sßonaTÄ x = x BaRsana 

Im Ganzen 4 Ex. Dm.: 15 mm, Gewicht zusammen: 3,52 gr. 
Siehe Abbildung eines Exemplars von Haß. 

b) Hf. Schrägkreuzehen über dem Schilde. 
Hf. a) = Iß;hO . . . 

ß) - I»x 

r) = +mjhO . . . 

Rf a) MOttOTÄ = . . . ; aHx 

ß) m - BaRsauax , 

r) JBOIiaT . = , « 

Im Ganzen 3 Ex. Dm.: 15 mm; Gewicht zusammen: 2,91 gr. 

c) Hf Kein Kreuzchen über dem Schilde. 

a) . . . . COfltta . = 

ß) - IßxhOm 

Rf. a) Zwei senkrechte Kreuzchen unter der Brust- 
rosette des Bischofsbildes 

= BaRsana 

ß) Zwei Schrägkreuzehen an derselben Stelle 

BaRsa . . 

Im Ganzen 2 Ex. Dm.: 15mm; Gewicht zusammen : 1 ,79 gr. 

C. Münzstätte Bassum, ohne den Namen des Grafen. 

12. Derselbe Typus. Hf Kein weiteres Beizeichen über dem 
Schilde. 

Rf. Gewandverzierung wie auf den Bremer Wilhadus- 
Schwaren; Linien mit Schrägkreuzehen zu den Seiten der 
Kniee des sitzenden Bischofsbildes. 

Hf. HOtt . . . = B8RGMS* 

Rf. SKaaTa = . . aßoia 

3 Ex. Dm.: 15 mm, Gewicht: 2,95 gr. Siehe Abbildung. 

13. Derselbe Typus wie 12, doch auf der Brust des Bischofs 
nur eine vierblättrige Rosette, darunter Gewandfalten. 



Der Bremer Fund. 15 

Hf. . . . GTÄ = B6R .... 

rj. SÄKcrra « svano . * 

2 Ex. Dm.: 15 mm, Gewicht: 1,55 gr. 

14. Derselbe Typus wie 12, doch auf der Brust des Bischofs ein 
kleines Kreuzchen, worunter ein grosses, genau so wie auf 
den leichten Oldenburger Swaren Nr. 51. 

Hf. a) HOIiaTÄ = .... MS * 

b) flx = 

Rf a und b SÄttCITa - SVaUOB 
5 Ex. Dm.: 15 mm, Gewicht zusammen: 4,64 gr. Siehe 
Abbildung eines Ex. von a. 

15. Derselbe Typus wie 14, doch ist auf der Rf. bei einem 
Exemplare die Mitra mit Knöpfchen versehen; die Linien mit 
den Schrägkreuzehen fehlen. 

Bf. = xPBVIi . . . 

Rf. Hoaa . . = BaRsana * 

3 Ex. Dm.: 15 mm, Gewicht zusammen: 2,38 gr. Siehe 
Abbildung. 

16. Derselbe Typus; auf der Brust des Geistlichen eine vier- 
blättrige Rosette, darunter eine bauschige Falte mit 2 Spitzen 
nach oben, genau so wie auf Wildeshausen Nr. 44, Oldenburg 
Nr. 54, Diepholz Nr. 24, 28—30 (Twistringen?); auf 
Stempel a befinden sich keine mit Schrägkreuzen besteckte 
Linien neben der Bischofsfigur, auf b sind dieselben vorhanden. 

Hf. a) S2HCTVS - « PHVIiVS : S 
b) S = „PSVIiVS; 

Rf. a) Moaa . . = BORsea: 

b) . . IiaTffx = 

a) 4 Ex. Dm.: 15 und 14—15 mm; Gewicht zusammen: 
3,17 gr.; b) 1 Ex. Dm.: 15 mm; Gewicht 0,73 gr. s. Abb. von a. 

17. Derselbe Typus wie 16, doch an Stelle der Rosette auf dem 
Gewände des Bischofs ein Kreuzchen. 

Hf. . . . . TVS - 

Rf. B* « 

1 Ex. Dm.: 15mm; Gewicht: 0,74 gr. 



16 H. Buchenau: 

18. Auf beiden Seiten der Name der Münzstätte. 

a) derselbe Typus wie 16. 

Hf. HOttöTÄ 

rj. flioiiaT . - BaRsane 

b) Kreuzchen auf dem Gewände des Bischofs an Stelle der 
Rosette. 

Hf HOttaTÄ 

Rf HO .... = BaRsaaa. 

a) 2 Ex. Dm.: 15 mm; Gewicht zusammen 1,73 gr.; b) 1 Ex. 
Dm.: 15 mm; Gewicht: 0,83 gr. Siehe Abbildung einer Hf. 
und zweier Rf von a. 

Die Hf von a und b ist anscheinend der Stempel von 13 u. 14. 

Unbestimmter Hoyischer Denar oder Hälbling. 

19. II f Bärtiges Bildniss des Grafen, rechts ein Schwert, links 
einen Zweig haltend CO(?hO?) . . . 

Rf Schild mit den Bärentatzen von 3 Rosen umgeben und 
mit einem Vierpasse umschlossen, in den Winkeln desselben 

Ringel R & (?)... . 

1 Ex. Dm.: 14 mm; Gewicht: 0,555 gr. Siehe Abbildung. 
Nach Gewicht und Durchmesser anscheinend ein Hälbling; 
die ganzen Denare des Grafen Erich zu Nienburg mit theilweise 
entsprechendem Typus der Hf (Grote, Münzstd. I, Nr. 6 und 7) 
sind im Dm. grösser und wiegen 0,87 bis 0,72 gr. Trotz dieser 
Ähnlichkeit der Typen muss es dahin gestellt sein, ob diese 
bisher unbekannte Münze nicht von der Niedergrafschaft Hoya 
ausgegangen ist, da die drei Rosen auf der RJ, vielleicht wie 
auf dem Witten des Grafen Otto zur Hoya (1383—1428), 
Münzst. IV, S. 248, das Wappen der 1384 vom Grafen Otto er- 
worbenen Grafschaft Neubruchhausen bedeuten sollen, welches 
von den Grafen von Hoya zu Nienburg nicht geführt worden ist. 

Edelherrschaft Diepholz. 
Johann H. (1377—1421). 

20. Hf. Kopf des hl. Paulus, daneben die rechte Hand mit dem 
Schwerte; an das untere Ende des Heiligenscheins ist ein 



Der Bremer Fand. 17 

nach aussen geführter Bogen angesetzt, wie auf den Denaren 
von Vechta Nr. 31 und 36. 

Rf. Bischöfliche Figur mit der Mitra, sitzend, rechts 
segnend, links ein geschlossenes Buch hoch haltend, auf der 
Brust ein Schildchen mit den Diepholzer Hirschstangen. 

Hf. a) Ä.D***a Da 

b) MOHa hOIi . 

Rf. a) . . (h) . DOMIß = 

b) = xDGQPIiOIi . . 

2 Ex. Dm.: 15 mm; Gewicht zusammen: 2,02 gr. Siehe 
Abbildung von a. 

21. Derselbe Typus ohne den Ansatzbogen an dem Heiligen- 
scheine. 

Hj. iohrcnnas - *do . . . . s.s 

Rf. 5 - DaPhO . . . 

2 Ex. Dm.: 15 mm; Gewicht: 1,73 gr. Siehe Abbildung. 

22. Derselbe Typus wie 21. 

Hf. - DOHIKVSx 

It x = xD8 

2 Ex. Dm.: 15 mm; Gewicht: 1,76 gr. Siehe Abbildung. 

Nr. 20, 21, 22 ähneln in der Rf. augenfällig den Denaren von 

Vechta Nr. 31, 32, 33; dieselbe ausgebogene und unschöne 

Zeichnung des Heiligenkopfes wie auf Nr. 22 findet sich auf 

den Denaren von Vechta Nr. 31, 33, 33; Wildeshausen Nr. 38. 

23. Derselbe Typus wie Nr. 21 und 22. 

Hf. SÄROTVSS x = x SS 

Rf. . onaTÄ = oapiiOiiT 

2 Ex. Dm.: 15 mm; Gewicht zusammen 1,88 gr. Siehe 

Abbildung. 

24. Hf. Kopf des hl Paulus, rechts die Hand mit dem Schwerte, 
links ein Schildchen mit den Hirschstangen. 

smaaTvss - pävlv . . 

Rf. Geistlicher mit Mitra, sitzend, rechts segnend, links ein 
geschlossenes Buch hoch haltend, auf der Brust eine vier- 
blättrige Rosette, darunter eine Gewandfalte mit zwei 

Zeitschrift fftr ftomUmfttik. XIX. 2 



18 H. Buchen au: 

scharfen Spitzen oben, wie auf Wildeshausen Nr. 44, Olden- 
burg Nr. 54, Hoya (Bassum) Nr. 11 und 16, Twistringen (?) 
Nr. 28 bis 30. 

jbo . . . . = joapiiOiiT;. 

3 Ex. Dm.: 15 mm; Gewicht zusammen 2,82 gr. 

25. Derselbe Typus wie 24, doch auf der Rf auf dem Gewände 
zwei senkrechte Kreuzchen unter der Rosette. 

Hf. SSßOT . . - PSVLVSx 
Rf. IOIi = DOSRIßVS . x 

1 Ex. Dm.: 15 mm; Gewicht: 0,89 gr. Siehe Abbildung. 

26. Derselbe Typus wie 25, doch unter der Rosette nur ein Kreuz- 
chen. Die Mitra ist mit Knöpfchen an den Seiten besetzt. 

Hf IOIiSUßÖSS = i DOffllßVS i 

Rf. moßöTirc s . . - DapitOiiTa * 

2 Ex. Dm.: 15 mm; Gewicht zusammen: 1,65 gr. Siehe 
Abbildung. 

27. Derselbe Typus wie 25, doch auf der Rf unter der Rosette 
eine Gewandfalte in der charakteristischen Form wie auf 
Nr. 24. 

Hf . . . ffi&RaSS« «= *DOffi 

Rf jßoaaTÄ x - x oapitOiiT x 

2 Ex. Dm.: 15 mm; Gewicht: 1,67 gr. Siehe Abbildung. 

Denare aus der Münzstätte „Wester". 

28. Derselbe Typus wie 24, doch auf der Hf. ein Kleeblättchen 
zwischen Kopf und Schwert; auf der Rf. ist die Mitra an 
den Seiten mit Knöpfchen versehen. 

Hf. SBUaTVSS (Kleeblättchen?; = « PHVIiVS S 

Rf. jMoaaTa x - wasTaR n 

6 Ex. Dm.: 15 mm; Gewicht: 4,98 gr. Siehe Abbildung 
der Hf. und zweier Exemplare der Rf 

29. Derselbe Typus, doch mit einem Kreuzchen an Stelle des 
Kleeblättchens. 

Hf. 1) S - . SVLVS x 

2) . . »aTVVSx = 

3) - 



Der Bremer Fund. 19 

4) sancnr . . . . = s . 

5) =* kPSVLVSk 

Rf. 1) . OHäTS x = x (?) 

2) JßOß. ...» GR. 

3) jßonaTa; = 

4) = w x 

5) = ;(?)WÖSTGR 

Dm.: 15mm; Gewicht dieser 5 Ex. zusammen: 4,70 gr. 
Siebe Abbildung von 5. 

30. Derselbe Typus, doch ohne das Wappenschildchen neben 
dem Heiligenkopfe, anscheinend ein Kreuzchen als Beizeichen 
zwischen Kopf und Schwert 

HJ. a) - 

b) Sx= 

ä/ a) - . wasrax. 

b) . . . BTB - 

Auf a befindet sich ein undeutlicher Buchstabe noch hinter 
dem „Wester*, vielleicht I»? 

2 Ex. Dm.: 15mm; Gewicht: 0,67 und 0,73 gr. Siehe 
Abbildung. 

Die 3 letzten Nummern werden durch das Schildchen mit 
den Hirschstangen auf Nr. 28 und 29 sicher als diepholzisch 
gekennzeichnet 

Die Bedeutung der Inschrift „Honeta Wester" oder wie 

auf Nr. 30 zu stehen scheint, „Moneta Westen' " ist räthselhaft, 

und das von W. von Hodenberg veröffentlichte Diepholzer 

Urkunden-Buch liefert keine ausreichende Erklärung. Vielleicht 

ist mit , Wester" der Flecken Twistringen an der Nordgrenze 

der ehemaligen Edelherrschaft Diepholz gemeint Dass die Edel- 

herren von Diepholz hier Gerechtsame hatten, folgt aus Dieph. 

U.-B. Nr. 23 (1326). Die Schreibweise dieses Ortes wechselt 

in den Urkunden. Im Hoyer Urk.-B. findet sich der Ort als 

„Twysteringhe c. 1370; Twistringen c. 1371; Twisteringhe c. 1375; 

Twieseringe c. 1380; Zwestring c. 1526. 

Ausserdem finde ich : Tuisterine (Osnabr. Geschichtsverein 

2» 



20 H. Buchenau: 

1878, S. 280), Thuistringhe 1352 (Bremer U.-B. III Nr. 29), 
Zwestring 1526 (Dieph. U.-B. 23), und endlich auf den Homann- 
schen Karten des 1 7. Jahrhunderts heisst der Ort mit Weg- 
lassung des Anfangsconsonanten : Wessringen. 

Die beiden letzteren Formen sind hochdeutsch und würden 
allerdings dem „Wester " auf unseren Denaren am meisten ent- 
sprechen, doch ist es wenig wahrscheinlich, dass eine solche 
Übertragung des niedersächsischen „Twistringen" ins Hoch- 
deutsche bereits um 1400 vorgekommen sein sollte. 

Vorübergehend hatten die Diepholzer Edelherren auch im 
Oldenburgischen Besitzungen; vergl. Dieph. U.-B. Nr. 22: Die 
Grafen von Oldenburg verpfänden dem Edlen Herrn Rudolf von 
Diepholz ihre Güter in Mittelhamelwarden , drei Häuser in 
Dinkstede, zwei in Grambergen, zwei in Astensteda und zwei 
in Westersteda; 16. Dezember 1324. 

Wann diese Güter wieder eingelöst wurden, ist mir unbe- 
kannt; es wäre jedoch immerhin möglich, dass die Edelherren 
von Diepholz in Westerstede eine Winkelmünze gehabt hätten, 
in der diese schlechten Denare entstanden sind. Mehr Wahr- 
scheinlichkeit scheint mir die Zuweisung an Twistringen zu 
bieten; einen anderen Ort, dessen Anfangssilben auf „moneta 
Wester tt passten, giebt es in der Edelherrschaft Diepholz nicht. 

Herrschaft Vechta im Niederstift Münster. 

31. Hf. Kopf des hl. Paulus, daneben die Hand mit dem Schwerte. 
Dem unteren Ende des Bogens, welcher den Heiligenschein 
andeutet, ist ein kleiner gegen den äusseren Rand der Münze 
geführter Bogen angesetzt wie auf Nr. 20 (Diepholz). 

Rf. Bischöfliche Figur, sitzend, die Rechte zum Segnen er- 
hoben, in der Linken den Krummstab haltend, dessen Curvatur 
nach innen gerichtet und mit Eügelchen besetzt ist. Auf der 
Brust des Geistlichen ein Schildchen mit drei Schrägkreuzehen. 
Hf.SKÜ . . . . ««» (diese drei Schrägkreuzehen unter 

dem Kopfe) = * PäVJjVS i . 
RJ. . OttäTÄ : ♦ = n Vaa&TÄ . . Es ist nicht zu er- 



Der Bremer Fund. 21 

kennen, ob die Trennungskreuzchen auch in der zweiten 
Hälfte der Inschrift doppelt waren. 
Dm.: 15 mm; Gewicht von 7 Ex.: 6,6 gr. Siehe Abbildung 
einer Hf und zweier Rf 

32. Derselbe Typus, doch sind auf der Rückseite die vordere 
und die hintere Spitze der Mitra deutlich unterschieden und 
mit Enöpfchen versehen; über dem Schildchen auf der Brust 
des Bischofs drei Punkte (/.). 

Hf. = P2f 

Rf. M = veafcTQiis 

Dm.: 15 mm; 1 Ex.; Gewicht: 1,0 gr. Siehe Abbildung. 

33. Derselbe Typus, doch ohne die erwähnten Punkte auf der 
Brust des Bischofs. Die Curvatur des Stabes endigt in ein 
Ereuzchen. 

Hf S7TOCTVS. = «PTSVIiVS:. 

Rf = msvaa .... 

# Dm.: 15 mm; 3 Ex.; Gewicht zusammen: 3,0 gr. Siehe 
Abbildung. 

Die Inschriften dieser drei ersten Nummern sind zierlich ge- 
zeichnet, der Kopf des Apostels hat auf allen eine auffallend 
hohe Stirn erhalten. Die Stempel zu diesen Stücken sind 
offenbar von demselben Arbeiter angefertigt wie die des Edel- 
herrn Johann IL von Diepholz (1377—1421) Nr. 20—23. An- 
scheinend jünger sind die folgenden Typen. 

34. Derselbe Typus wie Nr. 33, doch besteht auf der Hf der 
Heiligenschein nur in einem Halbkreisbogen ohne den unteren 
Ansatz, die Mitra ist doppelspitzig gezeichnet wie auf Nr. 32. 

Hf 8 - . ffVLVS n» . 

Rf MO 

Dm.: 15 mm; 1 Ex.; Gewicht: 0,85 gr. Siehe Abbildung. 

35. Derselbe Typus; Hauptseite anscheinend wie Nr. 34, doch in 
völlig abweichender Zeichnung des Hauptes (sehr niedrige 
Stirn, schief); Rf. ganz wie Nr. 31. 

Hf VS . = . 

Rf. MOnGTÄ 



22 H. Buchenau: 

Dm.: 15 mm; Gewicht von 3 Ex.: 2,79 gr. Siehe Ab- 
bildung. 

Charaktere der Legende wie auf Nr. 31 bis 33, wahrscheinlich 
bildet dieser Typus den Übergang von 31 bis 33 zu 34 und ist 
älter als 34. Auf den sämmtlichen drei schlecht erhaltenen 
Exemplaren ist die untere Hälfte der Hauptseite verwischt. 

36. Derselbe Typus, auf der Hf. wieder der bogenförmige An- 
satz an den Heiligenschein, unter dem Haupte des Apostels 
ein Schildchen mit den drei Schrägkreuzehen; das Gewand- 
stuck, welches links daneben erscheint, ist ebenfalls mit drei 
Schrägkreuzehen verziert. 

Rf Neben den Enieen des Bischofs die mit den Schräg- 
kreuzehen besteckten Bogenlinien zur Andeutung des Sub- 
selliums. Die Curvatur des mit derben Perlen besetzten 
Stabes ist nach aussen gerichtet. Variante b hat ein 
Pünktchen zu jeder Seite der Mitra. 

Hf a) SÄRCTe,* - PÄVIiö.S 
b) SlßCÄÖ . - S 

Rf. a) MonaTK = Da veonrirc 
b) . oneTÄ - . . . . am . 

Dm.: 15mm; im Ganzen 8 Exemplare, je vier von jeder 
Variante; Gewicht zusammen: 7,53 gr. 

Die Buchstaben sind gross und derb gezeichnet; siehe Ab- 
bildung von a und b. 

37. Derselbe Typus. Hf. Der Eopf mit dem einfachen Heiligen- 
scheinbogen, unter dem Haupte drei Schrägkreuzehen neben- 
einander. 

Rf Der Bischofsstab glatt, mit der Curvatur nach innen, 
die Mitra an den seitlichen Ecken und an der Spitze mit 
einem Knöpfchen versehen, die Kreuzchen neben den Knieen 
fehlen. 

hj. ssmcTvss . . . = . psviivs . 

Rf. ffiOß . . . = svaaRTHs 

Dm.: 15 mm.; 10 Ex.; Gewicht zusammen: 8,58 gr. Siehe 
Abbildung. 



K 
II 



M 

X 



Der Bremer Fand. 23 

Dieselben Buchstabencharaktere (H, ffl), sowie die Ver- 
doppelung des S in „Sanctuss* finden sich auf den offenbar ganz 
gleichzeitig geprägten Denaren: Diepholz Nr. 23, 24 (auch 26, 
27), 28 (Twistringen?), Wildeshausen Nr. 44. 

Der bei Grote, Münzst. I, Taf. 18 Nr. 17 abgebildete und dem 
Bischof von Münster, Johann von Yirneburg (1363—64), zuge- 
wiesene Denar ist ein Exemplar von diesem Typus (jetzt im 
Berliner Gabinet). 

Das Städtchen Vechta oder Vechte an dem gleichnamigen 
in die Haase mündenden Flüsschen gehört jetzt zum Gross- 
herzogthum Oldenburg. 

Die Münze zu Vechte wird urkundlich 1224 erwähnt, in 
welchem Jahre König Heinrich die Gräfin Sophie von Oldenburg 
damit belehnt (Eindlinger, Münst. Beitr. 3. Bd. S. 158). 

Daselbst unter dem Grafen Otto von Bavensberg-Ealvelage 
(1226—45) geprägte Denare mit Sterlingstypus, aus dem 
wichtigen Brümmerloher Fund stammend, s. bei Erbstein, 
Schellhass'sche Sammlung, S. 53. Die Erbtochter dieses Grafen 
Otto verkaufte Vechte dem Bischof von Münster 1252. 

Die vorstehend beschriebenen Vechter Denare sind also 
unter Münsterscher Herrrchaft geprägt und schliessen sich im 
Typus an die Münsterschen Denare des Bischof Florenz 
(1364—79) an, — am meisten Nr. 36 — , denselben entsprechen 
jedoch im Gewicht nur die ersten drei augenscheinlich ältesten 
Nummern, die sämmtlichen anderen von 34 bis 37 sind durch- 
schnittlich etwa um % leichter und demnach vermuthlich jünger. 

Ein Denar dieser Art ist bereits im Catalog der Schell - 
hass'schen Sammlung (Nr. 2438) beschrieben, und daselbst wegen 
der drei vermeintlichen Mühleneisen im Wappenschilde mit 
Unrecht nach dem niederländischen Vianen verwiesen worden. 

Der Schild mit den drei Schrägkreuzehen ist nach Grote's 
mündlicher Mitteilung das Wappen der Burgmänner von Vechta. 
Dieselben bildeten eine Ganerbenschaft, deren Schutzheiliger Pau- 
lus, der Patron von Münster war. Zu denselben gehörten u. a. 
ausser den Herren von Schagen, welche zeitweise Vogtei und Münze 



24 H. Buchenau: 

zu Wildeshausen inne hatten, auch die von Dinklage, deren 
Wappen noch heute im Schildesfusse unter den Dinklagischen 
Rosen die drei Schrägkreuze der Vechteschen Ganerben zeigt. 

Mit diesem Hausmarken ähnlichen Zeichen siegelt z. B. auch 
1347 der Münstersche Drost zur Yechte, Johann von Sudholz 
(Nieberding, Gesch. d. Niederstifts Münster I, pag. XXX). 

Die erste urkundliche Erwähnung der „Burgmannen (castellani) 
zur Vechte a geschieht nach Nieberding (a. a. 0. III, S. 7) im 
Jahre 1269. Später ist das Burgmannenschild mit den drei Schräg- 
kreuzen von Vechta in das bischöflich Münstersche Wappen 
mit aufgenommen worden. 

Vogtei Wildeshausen. 
Friedrich von Schagen, erzbischöflich bremischer Vogt 

(— 1360—1386—). 
38. Hf Kopf des hl. Paulus im Heiligenschein, daneben rechts 
die Hand mit dem Schwerte, links ein leeres Schildchen. 

HRaoeR . . . . = HHias : DO' s . 

Rf. Bischöfliches Bild, sitzend zwischen den mit Kreuzchen 
besteckten Bogenlinien, rechts segnend, links ein geschlossenes 
Buch haltend, Verzierung des Brustgewandes wie auf den 
Bremer Willehadus - Schwären , der Halskragen ist mit 
Pünktchen verziert, wie das Bild des Bischofs auf den 
Denaren des Bischof Heidenreich von Münster (1381—92 
Nr. 66); beide Spitzen der Mitra sind sichtbar und mit 
Knöpfchen verziert. SÄßdTa " = SVeüftOIGOR + . 
4 Ex. Dm.: 15 mm; Gewicht zusammen: 3,75 gr. Siehe 
Abbildungen zweier Hf und einer Rf 

Zierliche Buchstaben und dieselbe Zeichnung des Hauptes 
wie auf den drei ersten Nummern der Denare von Vechte. 

Die Inschrift der Hf von Nr. 38 erklärt sich als „Fre- 
dericus miles dominus "; urkundlich erscheint Vogt Friedrich als 
„Her Frederik van Scaghen riddere, amptman to Wildeshusen u 
(Brem. U.-B. III, 529). Der Stammsitz der Schagen liegt bei 
Pente in der Gemeinde Bramsche, nördlich von Osnabrück, wo- 



Der Bremer Fund. 25 

selbst noch heute Reste der Borg vorhanden sein sollen, (cf. 
Mitt. des Vereins f. Gesch. des Hasegaus 1887, 1 Heft.) Auch 
gehörten die von Schagen zu den Burgmannen von Vechta. 

In einer Urkunde des eben erwähnten Vogtes Friedrich 
von 1360, 18. Januar, werden erwähnt: 82 Mark „guder Zwaren 
penninge alze to Wildeshusen ghinge un gheue sint, twelf 
Schillinge vor ene Mark to rekene a . (Sudendorf, Br.-L. U.-B. 
VII, 271.) 

Für den räthselhaften Heiligennamen „Suenoier* (oder 
„Sw "wie auf Nr. 10, oder „Suenoe" wie Nr. 14) ver- 
mochte ich auch mit Hälfe eines namhaften Eirchenhistorikers 
keine Erklärung zu finden. Ebenso ging es mir mit dem 
Namen „Reigneus" auf Nr. 42. „Reygnerus" als Vorname 
(wohl das altdeutsche Reginar) findet sich 1352, Bremer 
U.-B. III, Nr. 29. 

39. Derselbe Typus, doch auf der Hf ein Kreuzchen zwischen 
dem Schwerte und dem Kopfe, das Schildchen ist schräg 
gegittert. HOttaTÄ . = VIIiD . . . (VS) * 

Rf genau derselbe Typus wie Nr. 38. S7maT'=SVeiiOI6R. 
2 Ex. Dm.: 15 mm; Gewicht zusammen : 1,93 gr. Siehe 

Abbildung. 

40. Derselbe Typus. Hf wie 39, mit einem Kreuzchen zwischen 
Kopf und Schwert; das Schildchen ist mit einer Arabeske 
verziert. HOIi8T2t « = VILDaShVS * . 

Rf genau wie 37. SÄIiaTÖ = SVÖttOIBR ♦ 
10 Ex. Dm.: 15 mm; Gewicht zusammen : 9,14 gr. Siehe 
Abbildung zweier Hf und einer Rf 

41. Derselbe Typus. Hf Leeres Schildchen; der Raum zwischen 
Kopf und Schwert ist leer Ti = 

Rf Derselbe Typus, doch in anderer Zeichnung, z. B. fehlt 
die Piinktchenverzierung auf dem Halskragen. STCßdT . = 

. venoi . . . 

1 Ex., schlecht erhalten und dem Aussehen nach von 
schlechterem Gehalte als die vorstehenden drei Nummern. 
Dm.: 15mm; Gewicht: 0,86 gr. 



* 

26 H. Buchenau: 

42. Derselbe Typus. Auf der Hf ein leeres Schildchen, das 
Bild der Rückseite genau wie auf Nr. 38—40. 

a) Hf. HÖH, ... = ... DÖSVS * . 
Rf SÄ .... = .. . 6R8VS + 

b) H/. horotäu = viiiDesvsa * 
Rf simonta = rbigrövs + 

c) Hf = . WILDQSh . 

Rf = ReiGnevs. 

a (und auch b?) haben auf der Hf ein feines Schräg- 
kreuzehen zwischen Schwert und Kopf, die Buchstaben sind ge- 
formt wie auf Nr. 38 — 40, c ohne das Kreuzchen und mit kurzen 
rundlichen Buchstaben. 

Im Ganzen 10 Ex. Dm.: 15 mm; Gewicht zusammen: 8,86 gr. 
Siehe Abbildung von 42c. 

43. Derselbe Typus. Hf Das Schildchen mit unbestimmtem 
schräg von links nach rechts gezogenen und theilweise in 
entgegengesetzter Richtung schräg durchschnittenem Muster. 
HRQD6R. = . . . DI(?)S* 

Rf. Bischöfliche Figur wie auf den Bremer Willehadus- 
Sch waren, doch ist die Rosette auf der Brust derartig durch- 
brochen gezeichnet, dass sie in der Mitte ein vertieftes 
Kreuz erscheinen lässt. HORÖTK = WHiDöSh * . 
9 Ex. Dm.: 15 mm; Gewicht zusammen: 8,29 gr. cf. Sallets 
Ztschr. Bd. XV, S. 278, Nr. 11. Siehe Abbildung. 

Die Zeichnung der Figuren ist auffallend plump, die Buch- 
staben sehr gross wie auf den Denaren von Vechta Nr. 36. 

44. Derselbe Typus. Hf Kleines leeres Schildchen neben dem 
Haupte. Rf Dieselbe bischöfliche Figur, doch ohne die 
Linien mit den Kreuzchen neben den Knieen. Die Mitra 
ist an den Ecken mit Kügelchen versehen, auf der Brust 
eine vierblättrige Rosette, darunter eine bauschige Falte mit 
zwei Spitzen nach oben, alles grösstenteils genau so wie 
auf den leichten und offenbar jüngeren Denaren: Vechta 
Nr. 37, Oldenburg Nr. 54, Diepholz Nr. 28-30 (Twistringen?), 



Der Bremer Fund. 27 

Bassum Nr. 1 1 und 1 6. Auch die Buchstabencharaktere und 
die Zeichnung des Hauptes entsprechen sich auf alle diesen 
Stücken, die ferner nur ein geringes Durchschnittsgewicht 
haben. Da die Bassumer Denare erst von 1384 ab geprägt 
sein können, so werden auch alle die eben erwähnten Ge- 
präge keinesfalls älter sein. 

Hf a) . . . . TVS . . . = PflVLV . . 

b, c, d, e) SflßCITVSS l = « PHVLVS S 

Rf a) . . . ÖTH S = S 

b) sßOßaTH : = : wiLDasii . 

c) $B = S WILDQS « 

d) i-ioneTfl : = 

e) . . neTH«. = 

Von a: 1 Ex., Dm.: 15 mm, Gewicht: 0,94 gr; von b, c, d, e: 
zusammen 15 Stück, Dm.: 15 und 14—15 mm, Gewicht: zusammen 
12,65 gr. Siehe Abbildung von 44c (zwei Hf und eine Rf.). 

45. Derselbe Typus wie Nr. 44, doch ohne den Namen des 
hl. Paulus. 

Hf HO» .... = .... fcVSQ* 
Rf = WILD .... 

1 Ex. Dm.: 15 mm; Gewicht: 0,72. Siehe Abbildung. 

46. Derselbe Typus wie Nr. 44, doch auf der Brust des Bischofs 
unter der grossen Rosette zwei stehende Kreuzchen unter- 
einander. 

Ilf JBOIiGTÄ I HR = WHiDQSIi ♦ 

Rf (H) = iavssjßmas 

2 Ex. Dm.: 14—15 mm; Gewicht zusammen: 1,58 gr. 
Siehe Abbildung von zwei Hf und einer Rf 

47. Derselbe Typus wie Nr. 46, doch ohne Knöpfchen an den 
Seiten der Mitra und ohne den Namen des Vogtes. 

Hf SflßdTVS » . . = . PSVIiVS : 
Rf JBOnQTÄ : = WILDOSb: n 

11 Ex. Dm.: 14—15 und 15 mm; Gewicht zusammen: 9,47 gr. 
Siehe Abbildung einer///", und zweier Rf 



28 H. Buchenau: 

Grafschaft Oldenburg. 

A. Denare mit infulirtem Haupte, segnendem Bischofs- 
bild nnd Wappenschild auf beiden Seiten, ohne den 

Namen des Münzherrn, 

(wie Grote, Münzstndien III, Taf. 1, Fig. 7). 

48. Hf. Kopf des hl. Lambert mit der Mitra, die „in campo" mit 
zwei stehenden Ereuzchen verziert ist, neben dem Kopfe 
die rechte Hand mit dem Schwerte, darunter der olden- 
burgische Bindenschild. 

Rf. Bischöfliche Figur mit der Mitra, zwischen den mit 
Kreuzchen besteckten Linien sitzend, rechts segnend, links 
dasselbe Schildchen haltend, das Brustgewand ist mit zwei 
senkrechten Kreuzchen verziert, das obere derselben meist 
grösser. 

Verschiedene Varianten: 

a) Das Schildchen hat auf beiden Seiten drei erhabene 
Querstreifen. 

Hf. SßOßeTÄ = OIi0e«BOR6 + 
Rf. SÄßCTVS = ÜWDBeRTVS + 

b) Derselbe Typus mit denselben Umschriften, nur dass 
hier wie auf allen folgenden Varianten das Schildchen 
auf beiden Seiten nur zwei Querbalken hat. 

c) Derselbe Typus wie b. 

Hf. . . . . 6TÄ = BORG . 

Rf. STiUC . . . = RTÄS + 

d) Derselbe Typus wie b; vor dem oberen Ende des Hei- 
ligenscheinbogen s der Hf. ein Kreuzchen. 

Hf. ffiO . . T2t . = OL36RBOR6 + 
Rf. SraiOTVS = HMßB€RTVS + . 

e) Derselbe Typus wie d; ein Punkt an der Stelle des 
erwähnten Kreuzchens. 

' Hf. a) $BOtt€TÄ + = OL 

ß) = OLoenBORe + 

r) 



Der Bremer Fond. 29 

i) : = BOR.. 

«) = n Owen 

. . neTÄ = 

n) flaonoTK = ol . . . borg + 

r/. a) sraacTvs = . I7MHB6rtvs + 

ß ) = 

r) * = 

d) = TVS + 

s) SKÜC ... = 

k = «ircjß 

fl) SÄßCT . . = . . JBB6RTVS + 

Ein Exemplar von r\ ist zweimal beprägt, einmal mit dem 
Stempel „monota", zum zweiten Male mit „moneta". 

Durchmesser aller dieser Varianten: 15 und 15 — 16 mm. 
Gewicht von 74 Ex.: 73,99 gr. Siehe Abbildung von 48a, 
d, e a. Vergl. Grote, Münzstudien Bd. III, Taf. I, 7. 

Der Charakter der Buchstaben auf diesen Stücken (nament- 
lich das offene D) findet sich aufs Genaueste ebenso auf den drei 
gut geprägten und gutwichtigen Turnosen des Grafen Eonrad von 
Oldenburg (1342 bis 1401), welche Grote, Münzstud. III, S. 100 
beschreibt; offenbar sind diese Schwären des Bremer Fundes 
und die erwähnten Turnosen gleichzeitig. 

Dieser Graf Eonrad regiert übrigens nicht 1368 bis 1386, 
wie Grote angiebt, sondern von 1342 bis 1401: die Genealogie 
der Grafen von Oldenburg ist im IX. Bande des bremischen Jahr- 
buchs durch Dr. v. Bippen klargestellt worden, und die Datirun- 
gen bei Grote sind danach im völlig abweichenden Sinne zu ver- 
bessern. 

49. Derselbe Typus wie Nr. 48, doch sind die beiden Seiten- 
ecken der Mitra auf beiden Seiten mit Kügelchen versehen 
ferner befindet sich auf der Rf. ein feines Sternchen über 
dem Wappenschilde, 
a) Der Heiligenschein auf der HJ. endet oben in einen 
Punkt, unten in ein Schrägkreuz. 



30 H. Buchenau: 



K 
M 



Hf. JKOnQTK : - = . . . . IMBO' 
Rf SJmdTVSS ! = . . fl*B8RTVs * 
b) Der Heiligenschein endet nnten in einen Funkt. 
Hf. . . liBTÄ = . . DQRBO . . . 

. . .aTvss:= . .«iBaRTVs. 

Im Ganzen 6 Ex. Dm.: 15— 16 mm; Gewicht zusammen: 
5,97 gr. 

Zierliche, runde Buchstaben, ähnlich wie auf den Denaren 
von Vechta Nr. 31, und mit denselben Trennungszeichen ver- 
sehen. Siehe Abbildung zweier Hf. und einer Rf von 49a. 

50. Derselbe Typus mit dem Sternchen wie Nr. 49 a, doch ist 
das Heiligenbild auf der Rf. erheblich anders gezeichnet; 
auf der Brust desselben oben ein kleines unten ein grösseres 
Ereuzchen, die Kügelchen an der Mitra nur auf der 
Vorderseite. 

Hf. JfiOßaTTCS« = Oli 

Rf SÄßonrvs = uraßaRTYS + 

7 Stück. Dm.: 15mm; Gewicht zusammen: 6,70 gr. Siehe 
Abbildung. 

51. Derselbe Typus wie Nr. 50, doch fehlen die Kügelchen an 
der Mitra auf beiden Seiten. 

a) Der Heiligenschein endet unten in einen Punkt. 

Hf. MOttöTÄ = OliDaßBORÖ + 
Rf SÄßdTVS = IiKHB6RTYS + . 

b) Der Heiligenschein endet oben in ein Kreuzchen, unten 
in einen Funkt. 

= OLDaiiBORa . 

= LÄHBa 

Im Ganzen: 5 Ex. Dm.: 15 mm; Gewicht zusammen: 4,54 gr. 
Siehe Abbildung von 51b. 

B. Denare mit dem Namen des Grafen Eonrad 

(1342—1401). 

52. Hf Vom Heiligenschein umgeben das Brustbild des hl. 
Lambertus mit einer spitzen Mitra, die „in campo tt mit zwei 
stehenden Ereuzchen verziert ist. Neben dem Haupte die 



Der Bremer Fund. 31 

rechte Hand mit dem Schwerte, unter dem ersteren erscheint 
das oldenburgische Bindenschildchen, das Gewandstück links 
daneben ist mit drei stehenden Kreuzchen verziert. 

Bf. Bischöfliches Bild mit der Mitra, sitzend, rechts 
segnend, links ein Buch haltend, auf der Brust wiederum 
der Oldenburger Schild. 

a) Bf Inschrift unten an der rechten Seite des Hauptes 
beginnend (ebenso bei b): 

erstes Exemplar: dOttRHIiVS . dOHQS 

zweites Exemplar: + GO 

Hinter dORRSßVS hatte der Stempel vermutlich zwei 
Schrägkreuzehen, von denen der Schrötling nur das untere ge- 
fasst hat. 

RJ. Inschrift ebenfalls unten an der rechten Seite der 
Figur beginnend (ebenso bei b): 

HOB8T COHIS OL? 

OL. 

b) Bf. COH 

Rf. HORB 

Die Legende der Rückseite von a bedeutet demnach an- 
scheinend: „Moneta Conradi comitis Oldenburg 8 . 

3 Exemplare dieses bisher unbekannten Denars. Dm.: 15 mm, 
dieselben sind schlechter erhalten als sämmtliche anderen Olden- 
burger Münzen und geringer an Gewicht als die meisten der- 
selben (zusammen 2,82 gr.). Die Zeichnung des Hauptes ist 
zerfahren. Siehe Abbildung von a (besseres Exemplar) und von b. 

Der Charakter der Buchstaben dieses Stückes scheint (wenig- 
stens was das geschlossene Q anlangt) denen des von Grote unter 
Nr. 11 d beschriebenen geringwichtigen und schlecht geprägten 
Tumosen zu entsprechen. Da dieselben Eigenschaften auch für die 
vorstehend beschriebenen Denare zutreffen, so dürfte vielleicht 
die von Grote erwähnte Beschwerde der Oldenburger (1380), 
dass ihre Grafen Konrad und Christian andere Münzen schlügen 
als ihre Eltern, wodurch sie grossen Schaden hätten, sich im 
besonderen auf diese Stücke gerichtet haben. 



32 H. Buchenau: 

C. Denare ohne den Namen des Grafen, mit unbe- 
decktem Heiligenhaupte und Bischofsbild; an Stelle des 
Wappenschildchens Sterne oder Ringel. 

Die nachfolgenden vier Oldenburger Denartypen (53—56) 
werden mit Ausnahme des unvollständig erhaltenen Denars 55 nur 
durch die Inschrift „Sanctus Lambertus" als Oldenburgisch be- 
stimmt und lehnen sich, im Gegensatz zu Nr. 48 — 53, eng an 
den Typus der Münsterschen Ludwigsdenare an. 

53. Hf Kopf des hl. Paulus mit dem Heiligenscheine, rechts 
daneben die Hand mit dem Schwerte, links ein sechs- 
strahliger Stern. 

Rj. Bischöfliche Figur, rechts segnend, links ein ge- 
schlossenes Buch haltend, auf der Brust ein sechsstrahliger 
Stern. 

Hf SÄRCTVS « = PÄVL VS * 
Rf SJmCTVS = ÄSßBeRTVS + 
5 Ex. Dm.: 15mm; Gewicht zusammen: 4,44 gr. Siehe 
Abbildung, vgl. Münzstudien III, Taf. 1, Fig. 8. 

54. Derselbe Typus, doch ist auf der Rf. die Mitra an den 
Seiten mit Knöpfchen versehen, unter dem Sterne eine 
bauschige Gewandfalte, oben in zwei scharfe Spitzen aus- 
laufend, beides wie auf den offenbar ganz gleichzeitigen und 
verhältnissmässig spät geprägten Denaren Vechta Nr. 37, 
Diepholz (Twistringen?) Nr. 28 und 29, Bassum Nr. 11, 
Wildeshausen Nr. 44. Die Übereinstimmung mit dem er- 
wähnten Bassumer Denar lässt vermuthen, dass auch 54 
erst seit 1384 geprägt sein kann. 

Hf s) (S) = . . . . VS + 

b) SS . . .VS.= PHVIiVS «. 
Rf a und b) Sflßd . . . = : IiSflttB6R (ligirt) T . . . 
a: 1 Ex. Dm.: 15 mm; Gewicht: 0,92 gr. 
b: 2 Ex., auffallend in Grösse und Volumen unterschieden, 
1. Gewicht: 0,94 gr.; Dm.: 15 mm; 2. Gewicht: 0,73 gr.; 
Dm.: 14— 15 mm. Siehe Abbildung von 2. 



Der Bremer Fund. 33 

55. Derselbe Typus, doch erscheint auf der R/. der Bischof 

zwischen den das Subsellium andeutenden Linien mit den 

Schrägkreuzehen; „in campo" der Mitra zwei Pünktchen. 

Hf. HOßaTÄ = + 

Rf. = liftHB 

1 Ex. Dm.: 15 mm; Gewicht: 0,80 gr. Siehe Abbildung. 

Die vorstehend beschriebenen Münzen mit dem Sterne auf 
beiden Seiten lassen sich nicht vor oder hinter die Münzen mit 
dem Lambertuskopfe einreihen, vielmehr scheinen dieselben eine 
eigene zeitlich gleichlaufende Reihe zu bilden. Wenigstens zeigt 
die bischöfliche Figur der Rückseite auf Nr. 53 dieselbe Auffassung 
wie auf Nr. 48, und finden sich auf beiden Geprägen dieselben 
Buchstabencharaktere ; in demselben Sinne zeigt Nr. 54 so grosse 
Ähnlichkeit mit Nr. 50, 51, dass man denselben Stempelschneider 
als Verfertiger annehmen möchte. Da das Oldenburger Haus 
seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts sich in zwei getrennte 
Linien gespalten hatte, die zu Oldenburg und die Delmenhorster, 
so könnte man vermuthen, dass die eine der beiden vorliegenden 
Münzreihen, vermuthlich die mit dem Sterne, für die Delmen- 
horster Grafschaft geprägt ist. 

Grafen von Delmenhorst sind in der zweiten Hälfte des 
14. Jahrhunderts: Christian (—1367) und Otto (—1418). Für 
den ersteren ist wahrscheinlich der bei Grote, Münzst. HI, Taf. 1, 5 
abgebildete Turnose mit „ Kerstianis comis" geprägt, da der gleich- 
namige jüngere Bruder (—1399) des Grafen Konrad II. zu Olden- 
burg kaum hierfür als Münzherr in Betracht kommen kann. 

Ob dagegen die 0- förmigen Ringel neben dem Pauluskopfe 
auf der nachfolgenden Nummer auf den Namen des eben er- 
wähnten Grafen Otto von Delmenhorst gedeutet werden dürfen, 
ist äusserst fraglich, da diese Ringel auch auf gleichzeitigen 
und völlig ähnlichen Diepholzer Dickpfennigen erscheinen, vgl. 
Münzstud. IV, Taf. 9, 4. 
5ß. Hf. Kopf des hl. Paulus zwischen zwei Ringeln, daneben die 

rechte Hand mit dem Schwerte, auf c befindet sich nur ein 

Ring links neben dem Haupte. 

Zeitschrift fQr Numismatik. XIX. 3 



34 H. Buchenau: 

Rf. Bischöfliche Figur zwischen den Linien mit den 
Schrägkreuzehen (auf c fehlen dieselben), rechts segnend, 
links ein geschlossenes Buch haltend, das Brustgewand ist 
mit der bekannten vierblättrigen Rosette verziert, auf b 
unter derselben noch ein Kreuzchen. 

HJ. a) SAß .... = . KVIiVS + . 

b) S.. CTVS. = 

c) SÄ = PSVIiVS + . 

Rf a) SÄßCTVS ** = m . . . RTVS + 

b) . H = . 3Hß 

c) . . . CTS = HHBBa 

Im Ganzen: 6 Ex. Dm.: 14—15 und 15mm; Gewicht zu- 
sammen: 5,74 gr. Siehe Abbildung von 56b. 
57. Den aus den Gegenden zwischen Weser und Hunte ent- 
stammenden Denaren schliesst sich noch ein vorläufig un- 
bestimmbares Stück an. 

Hf Kopf des hl. Paulus, daneben die rechte Hand mit 
dem Schwerte, auf der anderen Seite anscheinend ein 
Schildchen. 

SS - «PSVIiVS: 

Rf. Geistlicher mit der Mitra, sitzend, rechts segnend, 
links ein geschlossenes Buch haltend, auf der Brust ein 
kleines Kreuzchen. 

.... (T)S- = ;h(?R?ß?)Äli(?) 

Dm.: 11mm; Gewicht: 1,02 gr. Siehe Abbildung. 
Das mit ziemlicher Sicherheit neben dem Haupte erkennbare 
Schildchen, welches in dieser Stellung auf den sicher olden- 
burgischen Münzen nicht erscheint, wie überhaupt seine Fabrik 
lassen den vorliegenden Denar aufs engste zusammengehören 
mit denen der Gruppe Bassum, Wildeshausen, Diepholz und 
„ Wester tt (Twistringen?). 

Es ist mir so der allerdings durchaus unmassgebliche Gedanke 
gekommen, ob nicht vielleicht in dem nicht unbedeutenden gräflich 
hoyischen Flecken Harpstedt sich vorübergehend eine Winkel- 
münze wie in dem benachbarten Bassum befunden haben sollte. 



Der Bremer Fund. 35 

Die Inschriftsreste neben dem Bischofsbilde würden sehr wohl 

auf: nioneTÄ=HSR passen: das ff ist deutlich und 

je auf den ersten und dritten Buchstaben scheint mir nur h, R 
oder ß zu passen. Das auffallend gute Gewicht lässt diesen 
Denar als einen der älteren in der erwähnten Gruppe erscheinen. 

Jever. 

Edo Wieneken der Ältere, Häuptling von Wangerland und 

Rüstringen (1353—1410). 

58. Wittenpfennig. 

Hj. Aufrechter, ungekrönter Löwe. 

MOttET (Ä) . : HREDOMS : W + . 
Rf. Kreuz, durchbrochen von einem Vierpass, in den 
Schenkeln des Kreuzes H = R = D = 0, äussere Umschrift: 

oäpitäri ; in : wärge + 

1 Ex. Dm.: 19 mm; Gewicht: 1,1 gr. Siehe Abbildung. 

Ein anderes Exemplar dieser Münze wurde veröffentlicht in 
der Revue de la num. beige Ser. II, Th. III, S. 244. 

Merkwürdig ist die Form des Namens „Fredo", während 
der Münzherr in den Urkunden stets nur „Ede" heisst, und 
während auch dessen Sohn als „Sybet Edense" bezeichnet wird 
(1421, Friedl. Fries. U.-B. 299). Es bedarf keiner Künsteleien, 
um die Aufschrift „Fredo* zu erklären, denn diese Münze be- 
weist, dass „Ede tt nur ein Kosenamen für das gleichfalls aus 
„Frederich" abgekürzte „Fredo" ist. 

Denar von Emden? 

59. ff/. Kopf eines Heiligen, daneben die Hand mit dem Schwerte. 
S(?).flI(T?)0 

Rf. Bischöfliche Figur mit der Mitra zwischen Schräg- 
kreuzehen, rechts segnend, links ein geschlossenes Buch 
haltend, auf der Brust eine Rosette aus vier ins Kreuz ge- 
stellten Ringeln bestehend, darunter ineinander geschoben 
eine unbestimmte Zahl von Schrägkreuzehen. Inschrift un- 
deutlich. 

3» 



36 H. Buchenau: 

1 Ex. Dm.: 15 mm; Gewicht: 0,87 gr. Siehe Abbildung. 

Plumpe Zeichnung, deren Charakter aufs Auffälligste den 
bei Tergast (Münzen Ostfrieslands S. 33) abgebildeten Emdener 
Denaren mit den Aufschriften „Sanctus Paulus", „moneta eme- 
densis a gleicht. 

Für die Inschriftsreste des vorliegenden Stückes vermag 
ich eine befriedigende Erklärung nicht zu geben. Dasselbe 
dürfte in Anbetracht des schlechten Gewichts ins dritte Viertel 
des 14. Jahrhunderts zu verlegen sein. 

Bisthum Osnabrück. 

60. Johann Houth (1349—66), Osnabrücker Denar, 1 Ex., schlecht 
erhalten; Gewicht: 0,95 gr. 

Dietrich von Hörne (1376—1402). 

61. Denar wie Grote, Osnabr. Münzgeschichte 63. 

Inschriftsreste der H/r. TWD6R 

9 Ex. Dm.: 14 mm; Gewicht zusammen: 9,2 gr. 

Bisthum Münster. 

Florenz von Wewelinghofen (1364 — 79). 

62. Denar mit Pauluskopf und dem bischöflichen Bilde. Grote, 
Münzst. I. Nr. 56; Cappe Taf. IV, 56. 

13 Ex. Dm.: zwischen 14 ! / 2 — 16 ! / a mm; Gewicht zusammen : 
13,32 gr. Das Gewicht dieser „Wewelinghöfer* übertrifft also 
das der im Funde befindlichen, ihnen gleichzeitigen und also 
ältesten Sorten der Bremer Swaren nur um ein ganz Unwesent- 
liches. 

63. Denar mit dem Pauluskopf und dem Krummstab vor dem 
Münsterschen Schilde (Grote Nr. 58, Cappe Taf. IV, 55). 

lEx. Dm.:. 16J^mm; Gewicht: 0,94 gr. 

64. ^Denar. Bf. Kopf des hl. Paulus mit dem Schwerte, darunter 
Spuren eines Schildchens. Rf. Der Wappenschild von 
Münster. 

Keine Inschrift. 1 Ex. Dm.: 11 mm; Gewicht: 0,2 gr. 
Grote unter „ Florenz von Wewelinghofen" Nr. 59 (Cappe 
Taf. IV, 59). 



Der Bremer Fund. 37 

Heidenreich Wolf von Lüdinghausen (1381—92). 

65. Denar mit dem Pauluskopf und dem Wulfschen Wappen- 
schilde vor dem Bischofsstäbe (Grote 63, Gappe Taf. IV, 65). 

Hf V = h + . 

rj. haroeoaR 

2 Ex. Dm.: 14mm; Gewicht derselben zusammen: 1,72 gr. 

66. Denar mit dem Brustbilde des Bischofs und dem des Apostels, 
darunter die schräg gelehnten Wappenschilder. 

Hf. • haiDQRICI = GGPISCOPI • 
Rf. • MOßQT = HÖH 

2 Ex. Dm.: 14 — 15 mm; Gewicht derselben zusammen: 
1,79 gr. 

Grafschaft Ravensberg. 

Wilhelm II., Graf von Berg und Ravensberg (1360—80), Herzog 
von Berg (1380—1408); er tritt Ravensberg 1397 seinem Sohne 

Adolf ab. 

Bielefelder Denare, anscheinend sämmtlich nur mit dem 
gräflichen Titel bezeichnet; Durchmesser bei sämmtlichen: 
14— 15 mm; im Ganzen: 52 Stück; Gesammtgewicht : 46,86 gr., 
den Bremer Swaren ungefähr entsprechend. 

67. Hf. Gekröntes Brustbild mit Vollbart und langen Locken, 
Lilienscepter und Reichsapfel haltend, im Felde zwei Rosen. 

WHihOLM SÄÄ 

Rf. Der Ravensberger Schild mit den Sparren zwischen 
drei Rosen; das Ganze umschlossen von einer aus vier Bogen 
und vier Spitzen (Nasen) gebildeten Einfassung. 

BBueve 

12 Ex. Siehe Abbildung. 

68. Derselbe Typus. Auf der Hf. von b fehlen die Rosen im 
Felde, auf der Rf. finden sich an Stelle der vier Nasen die 
gleiche Anzahl Rosen. 

Hf. a) WILhaiiM 

b) WILhaLMV 



38 H. Buchenau: 

Bf. a) 

b) MO Ii + Ä 

a: 1 Ex., b: 2 Ex. Siehe Abbildung von b. 

69. Derselbe Typus in zwei Varianten. Auf der Ilf die zwei 
Rosen im Felde, bei a ausserdem ein Ringel mit Punkt in 
der Mitte neben dem Kopfe des Gekrönten, bei b kein 
Ringel. Auf der Bf. bei beiden Varianten Kreuzchen an 
Stelle der auf Nr. 68 ausserhalb der Einfassung befindlichen 
Rosen. 

a) IiMVS dO . . S + . . . 

+ MOß8 . . BIIi6V . . . . S 

b) IiMVS aOMV .... 

+ MOR8T 

a: 4 Ex., b: 5 Ex. Siehe Abbildung von 69 a. 

70. Derselbe Typus. Auf der Rf der Schild zwischen vier 
Kreuzchen, vier doppelte Einfassungsbogen um den Schild 
herum; in den Winkeln, die von den Bogen gebildet 
werden, befinden sich Nasen wie auf Nr. 67. 

Hf a) im Felde rechts ein Röschen sichtbar, W 

b) im Felde drei Ringel mit Punkten in der Mitte, 
W COMQS + M . . 

c) im Felde vier derbe Punkte, MVS COMG . . . 

Bf a) 

b) . . nern + 

c) Mona äs+ 

a: 1 Ex.; b: 3 Ex.; c: 2 Ex. Siehe Abbildung von c. 

71. Derselbe Typus wie Nr. 70, doch befindet sich auf der Rf 
der Schild zwischen nur drei Kreuzchen. 

a) Auf der linken Seite des Gekrönten ein Kleeblatt, auf 
der rechten zwei grosse Punkte. 

Inschriftsreste der Rf: , . . STÄ 

4 Exemplare. 

b) Das Bild des Gekrönten zwischen drei Ringeln, die in 
der Mitte mit je einem Punkte versehen sind. 

Hf WTUheWWS aOM . . . 



Der Bremer Fand. 39 

Rf. MOßöTft . . IiöVeiiDÄ & 
6 Stück. 

c) Das Bild des Gekrönten zwischen vier kugelförmigen 
Punkten. 

Hf MV + 

Rf. MOH ÄSM(?) + . 

1 Ex. Siehe Abbildung. 

d) Das Bild des Gekrönten in einer Bogeneinfassung. 

Hf. DÖ 

Rf. M TP BIL + (?)• 

1 Exemplar. 
72. Dasselbe Gepräge wie Nr. 71, nur dass die Kreuzchen neben 
und Ober dem Schilde schräg gestellt sind; auf der Haupt- 
seite bei Variante a das Bild des Gekrönten zwischen 
Ringeln mit Punkten in der Mitte, bei dem Exemplar b ein 
Kreuzchen auf der rechten Seite des Gekrönten, bei dem 
Exemplar c ist nur ein Röschen unter dem linken Arme des 
Gekrönten sichtbar, 
a) + WRi ÖOMVS + M . 

MOßQT . Biiiiiava . . . 

b) 

. o»a 

c) 

evaiiM . . . 

a: 3 Ex., b und c: je 1 Ex. Siehe Abbildung der Rf. 

von b. 

73 wie 71 und 72. Die Kreuzchen neben nnd über dem Schilde 
stehen senkrecht und bestehen aus 5 Pünktchen, auf der 
Hf das gekrönte Bild zwischen Ringeln mit Punkten. 

IiMVS 

+ MOHG aVGßMS (vgl. Umschrift von 72 c). 

2 Ex. Siehe Abbildung. 

74. Hf. Gekröntes Bild mit Scepter und Reichsapfel ohne Bei- 
zeichen im Felde, auf der Brust eine fünfblättrige Rose; 
RJ Der Sparrenschild in einem Vierpasse aus Zwillings- 



40 H. Buchenau: 

faden, über dem Schilde ein grosses senkrechtes Kreuz, 
zu den zwei Seiten je ein fünfblättriges Röschen, in den vier 
Winkeln des Yierpasses je ein Ringel. 

COHQS . . 

BUiQVGüüDQ • . 

1 Exemplar. Siehe Abbildung. 

75. Derselbe Typus wie Nr. 67, nur dass auf der HJ. die zwei 
Rosen im Felde fehlen. 

HJ. Nur die unteren Hälften von Buchstaben sichtbar, 

: + R (oder ß, Ii?) I S(?)0(?)ßda .... 

RJ +RIÖ (oder a?) W(?)QSÄ . . Ä (?) 

I Exemplar. 

Die Inschriften weichen völlig von denen der Nummern 67 
bis 74 ab und bezeichnen vielleicht eine andere Prägstätte. 
Siehe Abbildung. 

Abtei Herford. 

76. Hildegunde von Otgenbach (1374—1409). Denare. 

HJ. WliliQGVßD = ÄBÄTISS + . Äbtissin im Schleier 
in ganzer Figur, sitzend, rechts ein geschlossenes Buch, 
links eine Fahne haltend, die in ein Kugelkreuzchen endet. 

RJ. Brustbild eines Bischofs mit Mitra, rechts segnend, 
links einen Krummstab mit der Curvetur nach innen haltend. 

a) . OßQTÄ & hQRVORDIGüftSI . . 

b) Ä&QRVORDQ 

c) . . RÖTÄ ; IiQR 

II Ex. Dm.: 15mm; Gewicht zusammen: 10,64 gr. 

Grote (Münzstud. VIII, Nr. 31) hat für 8, wie ich vermuthen 
möchte, weniger gut erhaltene Stücke dieses Gepräges ein Durch- 
schnittsgewicht von 0,855 gr. gefunden. 

77. Denar. 

HJ. Bild der Äbtissin, rechts ein Buch hochhaltend, links 
anscheinend eine Fahne, auf der Brust eine 5 blättrige Rose. 

RJ. fehlt, da das Stück nur einseitig beprägt ist 
1 Ex. von schlechter Erhaltung. Dm.: 15 mm; Gewicht: 1,01 gr. 



Der Bremer Fund. 41 

78. Denar. 

HJ. wie auf Nr. 76, doch im Felde neben der Äbtissin 
drei Punkte, je einer neben den Knieen, einer über dem Buche. 

l. 60DQRä:+ = + ....:.... 

2. 60(D)..3T:+ = (+) ÄBB7STISS + 

Rf. wie auf Nr. 76. 

1. MOBÖTÄ + hQRVO . . 

2 haRVORDa»SI(S+). 

1: Dm.: 15— 16mm; Gewicht: 1,01 gr.; 2: Dm.: 14—15 mm; 
Gewicht : 0,89 gr. Die Stempel der zwei Hf. sind verschiedene. 
Siehe Abbildung beider Exemplare. 

79. Denar. 

Derselbe Typus wie 78, doch in besserer Zeichnung wie 
auf Nr. 76; auf der Hf. fehlen die Pünktchen im Felde. 

Hf. 1. (6). .QRÄ =(71) S + 

2 (RA) = ISS + 

22/ 1 hQRVORDIQß . . 

2. HO» + 

2 Ex. Dm.: 15 mm; Gewicht zusammen: 2,39 gr. Siehe 
Abbildung von Ex. 1. 

Die Lesung des räthselhaften Namens „Godera* auf Nr. 78 
und 79 unterliegt keinem Zweifel. Trotz vielfältiger Bemühungen 
ist mir eine befriedigende Erklärung nicht gelungen. Nach einer 
freundlichen Mittheilung des Herrn Dr. Ilgers am Archiv zu 
Münster kommt eine Äbtissin Godera in den Urkunden der Frauen- 
abtei Herford überhaupt nicht vor, und es ist laut dieser Mit- 
theilung folgende in der für die vorliegenden Münzen in Frage 
kommenden Zeit die urkundlich feststehende Reihenfolge der 
Äbtissinnen : 

Lutgardis de Bickenen vor 19/3 1324—1360 ca. 15/8, 
Heilewigis von Bentheim 1360 — 1361, 
Elisabeth von dem Berge 25/8 1361—1374 30/8, 
Hildegund von Otgenbach 1374—1409, 
Mathilde von Waldeck 1409-1442 20/11. 
Ahnlich wie Godera lautet der Name der in der ersten 



42 H. Bachenati: 

Hälfte des 11. Jahrhunderts vorkommenden Äbtissin Godesdiu 
oder Godesta. Selbstverständlich ist die Verlegung der Münzen 
in die Zeit dieser Äbtissin völlig ausgeschlossen, und zweifellos 
gehören die Stacke 78 und 79 mit den in Gepräge, Gewicht und 
Erhaltung vollständig ihnen entsprechenden sicheren Stacken 
der Äbtissin Hillegund zeitlich aufs Engste zusammen. 

Grote berichtet in seiner Herforder Münzgeschichte (Münz- 
studien Bd. VIII), dass nach dem ersten Drittel des 14. Jahr- 
hunderts die Münzprägung in Herford anscheinend geruht hat. 
Es Hesse sich vermuthen, dass man anfangs den Namen einer 
beliebigen Äbtissin aus längst vergangener Zeit auf die Her- 
forder Münzen setzte, als man zur Zeit der Äbtissin Hildegund 
die Münzprägung mit der Ausgabe geringwichtiger Stücke von 
Neuem begann. Aus ähnlichen Gründen, glaube ich annehmen 
zu dürfen, hat man für die nun zu besprechenden und ebenfalls 
von der Äbtissin Hildegund ausgegangenen Nummern 80 und 81 
einen Typus aus älterer Zeit nachgeahmt. 

80. Denar. 

HJ. Äbtissin, nur im Brustbild, rechts ein Buch, links eine 
Fahne mit Kreuzchen haltend. 

1. . . .TO(?) 

2 R . . . 

Rf. Bischof im Brustbilde, rechts segnend, links einen 
Krummstab nach innen haltend, das Gewand der Brust ist 
mit drei Kreuzchen versehen, wie sie dem erzbischöflichen 
Pallium eigen sind, gleiche Kreuzchen an den Enden der 
von der Mitra herabhängenden Inseln. 

1. ölOß + 

Die Umschriften sind ungetrennt ganz umlaufend. 

2 Ex. Dm.: 15 mm; Gewicht zusammen: 1,72 gr. Siehe 
Abbildung von Ex. 1, die Vorderseite unten im Text, die 
Kehrseite auf Taf. II. 

Katalog Schellhass Nr. 931, abg. Grote, Münzstud. VIII, 
Taf. IV, 26. 



Der Bremer Fund. 43 

Die Ergänzung der vorstehenden Umschriften bleibt fraglich 
(vgl. Grote, Münzst. VIII, S. 378); vielleicht ist für die HJ. 
„MONeta GodeRa" zu lesen, eine Erklärung, die durch die In- 
schriften der vorhergehenden und folgenden Nummern bestätigt 
würde. 




81. Denar. 

Derselbe Typus der Rückseite wie auf voriger Nummer, 

die Hauptseite zeigt die Äbtissin in ganzer Figur, mit Buch 

und Fahne, genau so wie auf Nr. 77 und 80. 

HJ. 6(?) - BBÄTISSÄ + 

RJ ÖIO H + 

1 Ex., durch Doppelschlag verdorben; Dm.: 15 mm; Ge- 
wicht: 0,84 gr. Siehe Abbildung. 

Diese letzte und die vorstehende Nummer gehören zeitlich aufs 
Engste zusammen, wie der beiden gemeinsame Stempel der Rück- 
seite beweist. Der Typus der Rf. schliesst sich an an die von 
Erzbischof Wigbold von Köln (1297—1304) und seinem Nachfolger 
Heinrich n. (1304—32) als Provisoren der Abtei Herford gemein- 
schaftlich mit der damaligen Äbtissin geprägten Denare (Grote 
a. a. 0. Nr. 24, 25). Demnach müssten diese beiden Denare des 
Bremer Fundes anscheinend, wie auch Grote annimmt, in die 
Zeit der beiden eben genannten Erzbischöfe fallen. Dieser 
Annahme widerspricht die theilweise sehr gute Erhaltung der 
vorliegenden Stücke und der Umstand, dass die HJ. von 81 mit 
den entsprechenden Hauptseiten von 76, 77, 79 aufs Genaueste 
übereinstimmt. Nummer 81 scheint sogar, wenn nicht die oben 
vorgeschlagene Lesung jder rückseitigen Legende trügt, den Namen 
der berührten räthselhaften Äbtissin „Godera" getragen zu haben, 
wonach die beiden vorstehenden Münzen zweifellos ins letzte 
Drittel des 14. Jahrhunderts gehören, wie die übrige Masse des 
Fundes. Das Gewicht dieser zwei Sorten (Nr. 80 und 81) ist 



44 H. Buchenau: 

gegenüber dem der andern Herforder Denare des Fundes auf- 
fallend gering (durchschnittlich 0,85 gr.); sie entsprechen darin 
den „Nyen quaden Swaren" der Unterweser und sind danach 
jedenfalls die zwei jüngsten Herforder Denare des Bremer Fundes. 
Diese Vermutung wird durch die Stempelfrische der Stücke be- 
stätigt. Vielleicht griff man bei der Ausprägung dieser gering- 
wichtigen Stücke auf die älteren schwerwichtigen Denartypen 
aus der Zeit der Erzbischöfe Wigbold und Heinrich zurück, 
um den neuen jüngeren Münzen einen besseren Curs zu ver- 
schaffen. 

82. Hälbling. 

HJ. Die Äbtissin in ganzer Figur; rechts?, links eine 
Fahne mit Kugelkreuzchen haltend, über beiden Knieen je 
drei Pünktchen kleeblattförmig zusammengestellt. 

Rj. Bischof mit der Mitra in ganzer Figur, rechts segnend, 

links einen Krummstab mit der kleeblattförmig endenden 

Curvatur nach aussen haltend. Dieselben je drei Pünktchen 

wie auf der Hf. 

Inschrift der Hf nach den auf einem Exemplar vorhandenen 

Resten anscheinend: „MOßQTft " 

2 Ex. Dm.: 14mm; Gewicht zusammen: 0,83 gr. Siehe 
Abbildung. 

Ähnlich wie Grote, Münzst. VIII, Taf. IV, 35, wo jedoch 
Bischof und Äbtissin nicht in ganzer Figur erscheinen. 

Bisthum Minden. 
Otto III. von dem Berge (1384—1398).. 

83. Denar wie Bl. f. Mzk. I, Taf. I, 18. . 

1 Ex. Dm.: 15 mm; Gewicht: 0,9 gr. 

Bisthum Paderborn. > 

84. Denar von Warburg, darauf Bischofsbild mit Stab und ?, 
auf der Brust ein Löwe; Bf Lilie zwischen Architectur 
(Cappe X, 22). 1 Ex. leidlich erhalten aber ohne Inschrifts- 
reste, Gewicht: 1,01 gr. 



Der Bremer Fand. 45 

Bischof Heinrich Spiegel zum Desenberg (1361 — 1380). 

85. Denar. 

HJ. Brustbild des infulirten Bischofs, rechts segnend, links 
den Krummstab mit der Curvatur nach innen haltend, auf 
der Brust ein Schild mit drei runden Spiegeln. 

+ h = . ISCfiOPVS; 

Rf. Thurm mit Kuppel hinter einer Halle mit rund- 
bogigen Säulenarkaden und zwei Giebeln, an deren äusseren 
Seiten je eine Fahne angebracht ist. 

RMft : CIVI .... 

3 Ex. Dm.: 14—15 mm; Gewicht zusammen: 2,7 gr. 

Unbestimmter Denar, vielleicht lippisch. 

86. HJ. Bärtiger Kopf mit Locken, en face, der Hals ist durch 
zwei derbe Striche angedeutet, zwischen denen sich ein 
Schrägkreuzehen zu befinden scheint, OR (oder B?) IL . . 

Rf. Durchgehendes Kreuz, von Rosen umwinkelt . . VI = 
6ÄS = Ii (? vielleicht auch 6.?) . . = . . . 

1 Ex., schlecht erhalten und beschnitten; Dm.: 16mm; 
Gewicht: 1,22 gr. Siehe Abbildung. 

Das Gepräge dieses Stückes ähnelt am meisten dem der 
Lippeschen Denare bei Grote, Münzst. V, Ttf. IV, 37, 38, Taf. 
VUI, 7 (Simon L 1275 — 1344), daselbst Taf. VI, 56 (Otto? 
1344—60). Zu vergleichen ist auch der Wipperfürter Denar 
des Grafen Adolf v. Berg (1308 — 48) Grote VII, Taf. I, 13 
mit MOH = TW = IPIi = EVO, doch ist der Kopf hier 
nnbärtig und ähnlich gezeichnet wie der Königskopf anf den 
Aachener Sterlingen Ludwigs des Bayern (1314—46). 

Grafschaft Mark. 

87. Halbdenar. 

HJ. Fünfstrahliger Stern in einem rundbogigen Fünfpass, 
dessen Bogen auf der Innenseite mit je einem runden 
Kleeblattbogen verziert sind, in den äusseren Ecken des 
Fflnfpasses befindet sich je ein Kreuzchen. 
. . . DGRIÜVS Ä D8 



46 H. Buchenau: 

Rf Der geschachte Balken zwischen sechs Röschen (je 
drei auf jeder Seite) und von vier bis zum äusseren Rande 
durchzogenen flachen Bogen umgeben. 

. . K8 = TZflUft = 

1 Ex. Dm.: 13— 14 mm; Gewicht: 0,54 gr. Siehe Ab- 
bildung. 

Dieser Halbdenar ist wahrscheinlich ausgegangen von 
Dietrich von Dinslaken (1368 — 1406), jüngerem Sohne des 
Grafen Adolf II. von der Mark, der sich auch auf seinen ander- 
weitig veröffentlichten Münzen schlechtweg nur „Tidericus de 
Marca" nennt. 

Denar nach Dortmunder Art. 

88. Hf. Ein Gekrönter auf einer Bank mit Knäufen sitzend, 
rechts einen zweigförmigen Scepter, links einen Reichsapfel 
haltend, auf der Brust ein Löwe. Undeutliche Reste der 
Inschrift, vielleicht: (t)REM . . .? 

Rf In dreieckiger Einfassung Kopf mit drei Rosen zwischen 
drei Kleeblättern. Auf dem Halse ein kleiner Löwe von der 
linken Seite. 

VSo 

1 Ex. Dm.: limm; Gewicht: 0,79 gr. Siehe Abbildung. 

Wahrscheinlich hessischer Denar. 

89. Hf. Brustbild eines Weltlichen, rechts ein Schwert hai- 
haltend, links ?, auf der Brust eine viereckige Rosette mit 
vertieftem Kreuze im Innern. 

Rf Flacher Bogen aus Perlen, darüber ein Thurm zwischen 

zwei Fahnen, darunter anscheinend ein Kopf mit periförmigen 

Locken. Keine Inschriftsreste. 

1 Ex., schlecht erhalten; Dm.: 15mm; Gewicht: 1,03 gr. 
Siehe Abbildung. 

Wahrscheinlich einer der bekannten, seit Heinrich, dem 
Kind, von Brabant (1265—1308) in dem hessischen Städtchen 
Wolfhagen geprägten Dickpfennige, der sogenannten „Teich- 
thörchen". 



Der Bremer Fand. 47 

Stadt Hannover. 

!)0. Hohlpfennig mit dem Sichel he Im im glatten Rande, vgl. 
Ztechr. f. Num. Bd. XIII, Taf. V, 8. Dm.: 20 mm. 1 Ex., 
sehr massig erhalten. 

91. Dasselbe Gepräge, wohl aus der Zeit des Herzogs Erich von 
Grubenhagen (1384—1427) mit einem 8 über dem Helme, 
vgl. Ztschr. f. Num. XIII, Taf. V, 13. Dm.: 20 mm. 1 Ex., 
von etwas besserer Erhaltung. 

Hamburg. 

92. Witten nach dem Rezess von 1379 mit dem Stern in der 
Rundung des Kreuzes. 1 Ex. 

93. Witten nach dem Rezess von 1387 mit dem Punkt in der 
Rundung des Kreuzes. 3 Ex. 

94. Witten nach dem Rezess von 1403 mit der Burg auf beiden 
Seiten. 2 Ex. 

95. Dreiling mit dem dreieckigen Wappenschilde auf beiden 
Seiten und dem Nesselblatte darüber. 5 Ex. 

96. Zweiseitige Pfennige, V des Wittenpfennigs. Burg und Kreuz 
mit einem Stern in der Mitte der Rundung, entsprechend 
den Witten von 1379. Dm.: 14 mm. 14 Ex. 

97. Desgl., doch hat das Kreuz auf der Bf. gerade Schenkel 
und keine Rundung in der Mitte. 3 Ex. 

98. Hohlpfennige (ca. 1400) mit Strahlenrand und dem Nessel- 
blatte unter der Burg. Dm.: ca. 16 mm. 18 Ex. 

99. Halbe Pfennige (Scherfe) von gleichem Gepräge. 2 Ex. 
Dm.: 12— 13 mm. 

Lüneburg. 

100. Älterer, breiter Hohlpfennig mit einem aufrecht gestellten 
Löwen; der Rand ist glatt 1 Ex. Dm.: 19 mm; Gewicht: 
0,43 gr. 

101. Witte nach dem Rezess von 1381 mit dem Stern in der 
Rundung des Kreuzes. 1 Ex. 



48 H. Buchenan: 

102. Witte nach dem Rezess von 1387 mit dem Punkt in der 
Rundung des Kreuzes. 1 Ex. 

103. Wittenpfennig nach 1403 mit dem Löwen auf beiden Seiten. 
3 Ex. 

104. Dreiling, beiderseits der dreieckige Löwenschild zwischen 
drei Punkten. 13 Ex. in verschiedenen Stempelvarianten. 

105. Zweiseitiger Pfennig, ^ des Wittenpfennigs. 

Hf. Aufrechter Löwe MOnaTÄ • LVßGüBORa + 
•ß/ Kreuz mit glatten Schenkeln SIT IiftVS D80 
PÄTRI . 

1 Ex. Dm.: 14 mm; Gewicht: 0,45 gr. 

106. Hohlpfennige (ca. 1400) mit dem Löwen innerhalb eines 
Strahlenrandes. Dm.: ca. 16 mm. 16 Ex. 

107. Einseitiger, flacher Pfennig mit einem aufrechten Löwen 
nach Art der pommerschen Scherfe. 

1 Ex. Dm.: 11mm; Gewicht: 0,25 gr. Siehe Abbil- 
dung. 

Dieser, vielleicht nur aus Versehen einseitig beprägte Scherf 
dürfte wohl weniger nach Lüneburg zu verweisen sein, als an 
die Fürsten von Rügen; vergl. Dannenbergs Münzgeschichte 
Pommerns, Berl. Münzbl. XIII No. 147. Letztere Bestimmung ist 
mir erst während der Correctur bekannt geworden, und ich be- 
lasse diese Münze an dieser Stelle, um nicht die nachfolgenden 
oben bereits mehrfach citirten Nummern ändern zu müssen. 

LUbeck. 

108. Dreiling mit den bekannten Umschriften, beiderseits der 
Doppeladler im dreieckigen Schilde. 

Drei Varianten, unter denselben wieder verschiedene 
Stempel : 

a) Der Schild beiderseits glatt. 12 Ex. 

b) Der Schild jedesmal zwischen zwei Punkten, über dem 
Schilde ein Punkt zwischen zwei Kreisen. 10 Ex. 

c) Der Schild auf der einen Seite glatt, auf der Kehrseite 
zwischen drei Punkten. 7 Ex. 



Der Bremer Fund. 49 

109. Zweiseitiger Pfennig, V des Wittenpfennigs, mit denselben 
Umschriften. 

HJ. Adler, Rf. Kreuz mit Rundung in der Mitte, worin 
ein Stern. 
Dm.: 14 mm. 6 Ex. 

110. Desgl. mit dem Adler auf beiden Seiten. 5 Ex. 

111. Einseitiger Hohlpfennig (ca. 1400) mit dem gekrönten Kopfe 
im Strahlenrande. Dm.: 16 mm. 35 Ex. 

112. Halbe Pfennige (Scherfe) gleichen Gepräges. Dm.: 13 mm. 
8 Ex. 

111 und 112 werden neuerdings von Dannenberg (Berl. 
Münzbl. Nr. 145) für Greifswald in Anspruch genommen, wie 
ich glaube, mit Unrecht. Das starke Vorkommen dieser Hohl- 
pfennige im Bremer Pfunde steht zu der übrigen Anzahl der 
vorgefundenen sicher lübischen Münzen in durchaus entsprechen- 
dem Yerhältniss, während pommersche Münzen nur sehr schwach 
vertreten sind. Die Zusammensetzung des Bremer Fundes 
dürfte demnach für die von Max Schmidt vertretene und bisher 
wohl allgemein gebilligte Verweisung nach Lübeck ein neues 
Gewicht in die Wagschale werfen. Man beachte auch das Vor- 
kommen des Pfennigs mit dem gekrönten Haupte an der im 
Num.-Sphrag.- Anzeiger 1882 Nr. 1 veröffentlichten Valuations- 
tabelle Nr. 2, die nur Münzen aus der näheren Umgegend Lüne- 
burgs aufweist, die daselbst stark im Umlaufe gewesen sein 
müssen; fünf sicher lübische Gepräge sind darunter, von dem 
mecklenburgischen Wismar drei, dagegen keine einzige sicher 
für Pommern zu beanspruchende Münze. 

Mecklenburg. 

113. Einseitiger, flacher Pfennig mit dem Ochsenkopf nach Art 
der pommerschen Scherfe. 

Dm.: 11 mm; Gewicht: 0,22 gr. 1 Ex., schlecht erhalten. 
Siehe Abbildung und vgl. die Bemerkung bei Nr. 117. 

114. Älterer Hohlpfennig mit dem Stierkopf im glatten Bande. 
Dm. : 20 mm. Ein schlecht erhaltenes Exemplar. 

ZciUohiift for KomiMUtik. XIX. 4 



50 H. Buchenau. 

115. Jüngerer Hohlpfennig (ca. 1400) mit dem Stierkopf im 
Strahlenrande. Dm.: 14 — 15 mm. 7 Ex. 

116. Hoblpfennig, die Hälfte des vorigen (Scherf), mit gleichem 
Gepräge. Dm.: 12— 13 mm. 1 Ex. 

117. Zweiseitiger Pfennig, auch nach Art der pommerschen 
Scherfe. HJ. Stierkopf; Rf. anscheinend ein Gebäude mit 
drei Thürmen, im Thore ein nicht erkennbarer Gegenstand. 
Dm.: 10 — 11 mm; Gewicht: 0,37 gr. 1 Ex., sehr schlecht 
erhalten. 

Wahrscheinlich ein städtisches Gepräge? Vielleicht ge- 
hören Nr. 113 und 117 zusammen, so dass Nr. 113 nur aus 
Versehen einseitig beprägt wäre. 

Mecklenburgische Herrschaft Werle. 

118. Zweiseitige Pfennige (V des Wittenpfennigs), geprägt in 
Parchim. 

Hf. Geklönter Stierkopf. dlVITÄS DM • DWeRIiQ 
Rf Kreuz von einer Rundung durchbrochen, in der 

ein aus fünf Punkten bestehendes Ereuzchen schwebt. 

NO»QT^oPÄRahQH + 
1 Ex. Dm.: 13 mm; Gewicht: 0,42 gr. 

119. Dasselbe Gepräge, doch ist das Kreuz durch einen Vierpass 
unterbrochen. 

a) OIVIT : Dill : D : WQRIi8 + 
HOttaTÄ : PÄRChOM + 

b) aiviToDia . d . waRLa ® 
NonaTKoPÄReaaN ® 

a: 5 Ex ; b: 1 Ex. Dm.: 13—14 mm; Gewicht aller 5 Ex. 
zusammen: 2,4 gr. 

Rostock. 

120. Witte nach dem Vertrage von 1381: Kreuz mit Rundung, 
worin ein Stern. 1 Ex. 



Der Bremer Fund. 51 

Wismar. 

121. Wittenpfennig mit dem Stierkopf und Blumenkreuz vor 
1379. 2 Ex. 

122. Wittenpfennig mit dem Stierkopf und Blumenkreuz, in 
dessen runder Mitte sich ein Stern befindet, nach dem 
Rezess von 1379. 7 Ex. 

123. Zweiseitiger Pfennig, ein Viertel des Wittenpfennigs, von 
demselben Gepräge wie die vorige Nummer. 18 Ex. 

124. Wittenpfennig nach dem Rezess von 1387: dreieckiger 
Stadtschild nnd Blumenkreuz mit Rundung in der Mitte, 
worin ein Punkt. 3 Ex. 

125. Wittenpfennig vom Anfang des 15. Jahrhunderts mit dem 
Stierkopf im Dreipass auf beiden Seiten. 1 Ex. 

126. Dreilinge vom Anfang des 15. Jahrhunderts: auf beiden 
Seiten der Stadtschild zwischen drei Punkten. 4 Ex. 

127. Hohlpfennige (ca. 1400) mit dem Stadtschilde im Strahlen« 
rande. 15 Ex. Dm.: 14— 15 mm. 

Pommern. 

128. 17 verschiedene, sehr schlecht erhaltene „Scherfe"; darunter 
erkennbar einer von Usedom (Helm mit fünf Federn, nur 
einseitig beprägt) und drei von Stettin (Greifenkopf im 
dreithürmigen Portal, nur diese Seite erkennbar). 

129. Hohlpfennig mit Flagge im Strahlenrande. 1 Ex. Dm.: 
14 mm. 

Salzwedel. 

130. Hohlpfennig mit Adler im glatten Rande, ähnlich wie Bahr- 
feld t Nr. 315. 2 Ex. Dm.: 15 mm. 



Deutsch-Orden in Preussen. 

131. Hohlpfennig mit einer Hausmarke, i -4" daneben ein 
Punkt, cf. Vossberg, Taf. III, 95. 11' 

1 Ex. Dm.: 13—14 mm. 
Vossberg beschreibt diese Münze als Nr. 95, setzt sie jedoch 

durch den Hinweis auf ein ähnliches Zeichen auf dem Siegel 



52 H- Buchen au: Der Bremer Fund. 

des Danziger Bürgers Hans Trost (1463) offenbar viel zu spät 
an. Seine Verrauthung, dass Trost damals Pächter der Danziger 
Münze gewesen sein möchte, wird durch keine genügenden 
Gründe unterstützt. 

Dänemark. 
König Erich (1396-1439). 

132. Hohlpfennig mit einer Krone im Strahlenrand. 2 Ex. 
Dm.: 14 — 15 mm. 



Den Beschluss machen: 

133. Ein falscher Hohlpfennig aus Kupfer, anscheinend mit 
Hamburger Gepräge. Dm.: 14— 15 mm. 

134. Ein schlecht erhaltener fränkischer Denar, wahrscheinlich 
in der Oberpfalz geprägt unter dem Pfalzgrafen Ruprecht I. 
oder IL (1353—1390—1398). 

Hf. Kopf (sehr undeutlich) +R(VP) . . 6. 

Bf. Aufrechter Löwe von der linken Seite. Von den 
Buchstaben der Umschrift nur erkennbar ein V hinter dem 
Kopfe des Löwen. Dm.: 17 mm. 

H. Buchenau. 



Untersuchungen 

über die Chronologie der Münzen der Domitii Ahenobarbi 

ans der Zeit der römischen Republik. 

Die chronologische Unterbringung der den Namen von An- 
gehörigen des Geschlechtes der Domitier tragenden Münzen aus 
der Zeit der römischen Republik und die richtige Verbindung 
der Silber- und Eupferreihen bieten erhebliche Schwierigkeiten. 
Hervorgerufen werden sie durch den eigentümlichen Umstand, 
dass unter den Domitiern aus dem Zweige der Ahenobarbi der 
Vorname Cneius so sehr häufig vertreten ist und auf den Münzen 
sogar ausschliesslich erscheint. Daher kommt es, dass die in 
der neueren Literatur niedergelegten Ansichten über Chronologie 
und Zusammengehörigkeit der betreffenden Stücke sehr ausein- 
andergehen. 

Für die nachfolgenden Untersuchungen kommen zunächst 
folgende Denare in Betracht: 

a) Kopf der Dea Roma mit Flügelhelm n. r., dahinter X 

Bf. CN . DO die Dioscuren n. r. t im Abschnitt ROMA 
Mommsen-Blacas Nr. 39 (40); Cohen Taf. 16 Nr. 1; 
Babelon I, S. 457/8 Nr. 1. 

b) Kopf der Dea Roma mit Flügelhelm n. r., davor X, da- 
hinter Ähre. 

Rf. Victoria in der Biga n. r., unter derselben ein 
mit einem grossen Thiere kämpfender Mann, über der 
Biga ROMA; im Abschnitt CN . DOM 

M.-Bl. Nr. 133 (105); Coh. Taf. 16 Nr. 2; Bab. I, S. 462 
Nr. 14. 



54 M. Bahrfeldt: 

c) Kopf der Dea Roma mit Flügelhelm n. r , davor ROMA, 
dahinter X 

Rf. Jupiter in der Quadriga n. r., Lobeerzweig und 
Blitz haltend. Im Abschnitt CN . DOMI 

M.-B1. Nr. 167 (139); Coh. Taf. 16 Nr. 3; Bab. I S. 460 
Nr. 7. 

d) Denare des L.UC und CN.DOM und des Collegiums: 
M. Aurelius Scaurus, L. Cosconius M. f., C. Malleolus 
C. f., L. Pomponius Cn. f. und L. Porcius Licinius. 

Gepräge gleichartig: 

Hf Kopf der Dea Roma mit Flügelhelm, dahinter X 
oder X 

Rf Krieger in einer Biga, mit Schild und Kriegs- 
trompete, einen Wurfspiess schleudernd. 

M.-Bl. Nr. 170 (199); Coh. Taf. 7 Nr. 5, Taf. 15 Nr. 1, 
Taf. 23 Nr. 1, Taf. 34 Nr. 1 ; Bab. I, S. 462 fg. Nr. 15—19. 
In der Genealogie des Hauses der Domitii Ahenobarbi folge 
ich W. Drumann 1 ), dessen Ansätze, soweit mir bekannt, Wider- 
legungen bis jetzt nicht erfahren haben. 

Der älteste der vorstehend beschriebenen Denare ist der 

Denar a. 

Mommsen meint (Münzwesen S. 500), dass dieser Denar 
etwa von dem Cn. Domitius Nr. 1, Consul 562 d. St. (192 v. Chr.), 
oder von Nr. 2, seinem Sohne, Consul 592 d. St. (162 v. Chr.), her- 
rühre. Blacas II, S. 249 entscheidet sich für ersteren, während 
Babelon den Denar für letzteren, den Consul des Jahres 592 d. St. 
(162 v. Chr.), in Anspruch nimmt und ihn etwa im Jahre 575 d. St 
(179 v. Chr.) geprägt glaubt. Babelon führt ferner aus, dass 
dieser Cn. Domitius Nr. 2 ein Collegium gebildet habe mit L. 
Coilius (l . COIIO, Cn. Calpurnius (CN. CA) und Sex. Quinctilius 
(SX . Q), M.-Bl. Nr. 49, 37 bezw. 46. 

Die Funde lassen uns zur Bestimmung der Entstehungszeit 



') Geschichte Roms in seinem Übergänge von der republikanischen zur 
monarchischen Verfassung. Nach Geschlechtern. Bd. III. Königsberg 1887. 



Die Chronologie der Manien der Domitii Ahenobwbi. 



55 









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56 M. Bahrfeldt: 

dieses Denars leider im Stich. Die 'genau verzeichneten Schätze 
von La Riccia und Maserä 1 ) sind zu jung, um für diesen recht 
alten Denar verwendet zu werden und auch der wahrscheinlich 
mehrere Jahre früher vergrabene von Badulato*) würde selbst 
bei sorgfältiger Aufnahme kaum ein Resultat haben gewinnen 
lassen. So muss denn hier die Waage aushelfen. Nach meinen 
Tabellen in Samwer, Münzwesen 8 ), S. 95 fg. ergeben 14 dieser' 
Denare ein Durchschnittsgewicht von 3,67 Gramm und damit die 
Zugehörigkeit derselben zum leichten Fuss von a / g4 Pfund. Da- 
durch ist die Zeitgrenze, vor welcher der Denar nicht geprägt 
sein kann, bestimmt, nämlich 513 d. St. (241 v. Chr.), das Jahr der 
Herabsetzung des schweren Silberfusses ; sie wird noch näher 
gerückt, wenn es zutrifft, dass zu diesem Denar der unciale As 
mit CN . DOM gehört, dessen Prägung erst nach der Reduction 
des Kupfers im Jahre 537 d. St. (217 v. Chr.) erfolgt sein kann. 

Aus diesen und anderen Gründen — Vergleichung mit den 
Denaren anderer, etwa gleichzeitiger Münzmeister, Berücksichti- 
gung des A im Stadtnamen, überhaupt des völlig ursprünglichen 
Gepräges — glaube ich den Denar mit vollem Rechte der Mitte 
des sechsten Jahrhunderts der Stadt (etwa 200 v. Chr.) zuge- 
wiesen zu haben. Ich finde eine Bestätigung bei Cavedoni, 
Ragguaglio S. 242, der den Cn. Domitius zusammen mit Cn. 
Calpurnius (CN.CÄ) und C. Scribonius (C.SCR) um 550 
amtiren lässt. 

Es ist mir nicht bekannt, welche Gründe Cavedoni sowohl 
wie Babelon veranlasst haben, den Cn. Domitius mit Cn. Cal- 
purnius und C. Scribonius bezw. mit Cn. Calpurnius, L. Coilius 
und Sex. Quinctilius zu einem Collegium zu vereinigen. Beide 



1) La Riccia, Mommsen, Ztschr. f. Num. Bd. II, 8. 32 fg., Garrucci, 
Periodico di num. 1873 S. 285 fg. — Maserä: Garrucci in der Civil ta cat- 
tolica Ser. XI, vol. 12 (1881) S. 468 fg.; de Petra in den FioreUi'schen Notizie 
degli scavi 1883, S. 223 fg.; Bahrfeldt, Ztschr. f. Num. Bd. XI, S. 202 fg.; 
Mommsen, Sitzungsberichte der Berl. Akad. 1883 S. 1147 fg. 

2) Riccio Catalogo S. III. Mommsen S. 412 Anm. 5; frz. Übers. II 8. 122. 

3) K. Samwer, Geschichte des älteren römischen Münzwesens bis circa 
200 vor Christo (554 d. St.), herausg. von M. Bahrfeldt. Wien 1883. 



Die Chronologie der Münzen der Domitii Ahenobarbi. 57 

haben den Cn. Calpurnius, und doch ist dessen Denar, dem Ge- 
wichte nach zu urtheilen, nicht unerheblich früher geprägt als 
die übrigen, deren Gleichaltrigkeit allerdings wahrscheinlich ist. 
Soll der Urheber des vorstehend behandelten Denars mit 
einem der geschichtlich bekannten Domitier identificirt werden, 
so kann es kein anderer sein, als der Cn. Domitius Nr. 1, der 
Consul des Jahres 562 d. St. (192 v. Chr.). 

Denar b. 

Mommsen S. 523 hält diesen Denar geprägt entweder von 
Cn. Domitius Nr. 2, Consul im Jahre 592 d. St. (162 v. Chr.) 
oder von seinem gleichnamigen Sohn Nr. 3, Consul im Jahre 
632 d. St. (122 v. Chr.), für welch' letzteren sich auch Blacas II, 
S. 326 ausspricht. Babelon I, S. 461/62 Nr. 3 dagegen führt 
Folgendes aus: Der Münzmeister, welcher diesen Denar etwa 
im Jahre 635 d. St. (119 v. Chr.) prägte, und zwar wahrschein- 
lich als College des M. Marcius M\ f. (M.-Bl. Nr. 134), ist Cn. 
Domitius Nr. 4, der Sohn des Cn. Domitius Nr.' 3, des Consuls 
im Jahre 632 d. St. (122 v. Chr.), selbst Consul im Jahre 658 
d. St. (96 v. Chr.) zusammen mit C. Cassius (Münzmeister M.-B1. 
Nr. 157), und späterhin Censor des Jahres 662 d. St. (92 v. Chr.), 
derselbe, welcher die oben unter d beschriebenen Denare (M.-Bl. 
Nr. 170) in Gemeinschaft mit L. Licinius Crassus geprägt hat. 

Soweit könnte man mit Babelon einverstanden sein. Nun 
sagt er aber gleich zu Anfang der historischen Bemerkungen 
zu diesem Domitius „ce personnage est Tarriöre-petit-fils du 
pr6c6dent", und dieses „pr6c6dent" bezieht sich auf Cn. Domitius 
f 673 d. St. (81 v. Chr.), dem Schwiegersohne des Cinna, bei mir 
Nr. 6, von dem Babelon den Denar, oben unter c beschrieben, 
geprägt sein lässt. 

Hier liegt ein Irrthum auf der Hand, denn der Vater (Nr. 4) 
kann nicht der Urenkel seines Sohnes (Nr. 6) sein!! Babelon 
giebt die Beschreibung der Domitier-Denare in dieser Reihen- 
folge: a, c, b, d. Ich vermuthe, dass der jetzt als dritter be- 
schriebene Denar im Manuscript ursprünglich an zweiter Stelle 



58 M. Bahrfeldt: 

gestanden hat; dann würde sich das „arriöre-petit-fils du pr6c6- 
dent u auf den Cn. Domitius, deu Münzmeister des Denars a be- 
ziehen und zutreffend sein, wenn man in diesem den Gonsul des 
Jahres 562 d. St. (192) v. Chr.) — oben Nr. 1 — erblickte. 

Für die Bestimmung der Entstehungszeit des Denars b 
geben die bereits erwähnten Schätze von La Riccia und Masera 
erwünschte Anhaltspunkte. Beide, im Jahre 629 d. St. (125 v. 
Chr.) vergraben, enthielten diesen Denar, der folglich vor jenem 
Zeitpunkte geprägt sein muss. Damit wird die Zutheilung 
desselben an Cn. Domitius Nr. 4 hinfällig, und ebenso die Er- 
klärung der Darstellung auf der Rückseite des Denars, die 
Babelon I, S. 461 giebt. Den unter der Biga mit einem grossen 
Thiere kämpfenden Mann brachte Babelon mit der Erzählung 
der Römer in Verbindung, dass in dem Kampfe bei Vindelium 
gegen die Allobroger und Arverner im Jahre 633 d. St. (121 v. 
Chr.), der Führer der Letzteren, Bituitus, Meuten besonders für 
den Kampf abgerichteter grosser Hunde gegen die von Cn. Do- 
mitius kommandirten Legionen losgelassen habe. Er erblickt 
daher in dem Thiere einen grossen Hund, nicht einen Löwen 
nach der bisherigen Annahme. 

Diese Erklärung würde sehr gut passen, wenn die Zeiten 
stimmten. Da die Schlacht von Vindelium im Jahre 633 d. St. 
(121 v. Chr.) stattfand, der Denar b aber schon vor 629 d. St. 
(125 v. Chr.), dem Jahre der Vergrabung der Schätze von La 
Riccia und Masera, geschlagen sein muss, so kann die Darstellung 
auf dem Denare mit der Erzählung nicht in Zusammenhang ge- 
bracht werden. 

Nach meiner Meinung rührt der Denar b von Cn. Domitius 
Ahenobarbus Cn. f. Cn. n. Nr. 3 her und ist etwa um 625 d. St. 
(129 v. Chr.) geschlagen. 

Denar c. 

Auch über den Urheber dieses Denars gehen die Ansichten 
auseinander. Mommsen S. 541 Anm. 242 meint, dass der Münz- 
meister etwa Cn. Domitius Nr. 3, der Consul des Jahres 632 d. St. 



Die Chronologie der Münzen der Domitii Ahenobarbi. 59 

(122 v. Chr.), sein könne, kommt aber auf Grund der spanischen 
Schätze in den Ann. delP Inst. arch. 1863 S. 54 zu der von 
Blacas II, S. 359 Anm. 1 wiedergegebenen Ansicht, dass der 
Denar „appartiene piuttosto al console del 658 (Nr. 4) che a 
quello del 632 a , und etwa im Zeitraum von 640-650 d. St. 
(114—104 v. Chr.) geprägt sei. Er verbindet den Münzmeister 
dieses Denars mit M. Silanus und Q. Curtius zu einem Collegium 
und zwar wesentlich auf Grund des alle drei Namen tragenden 
Kupfers und des Denars M.-Bl. Nr. 167 c (Babelon I, S. 449, 
Curtia Nr. I) 1 ), im Gegensatze zu Borghesi 2 ), der wegen Gleich- 
heit der Denar- Typen den Cn. Domitius mit Q. Metellus (M.-Bl. 
131) und M. Vargunteius (M.-Bl. 132) zu einem Collegium ver- 
einigt. Mommsens Ansicht wird durch die Schätze von La 
Riccia und Maserä durchaus bestätigt, da diese wohl den Denar 
des Q. Metellus und M. Vargunteius enthielten, nicht aber auch 
den des Cn. Domitius ergaben, der demgemäss nach der Ver- 
grabung, also nach 629 d. St. (125 v. Chr.) geschlagen sein muss. 
Babelon I, S. 460 sagt Folgendes : Der Denar c sei etwa 
640 d. St. (114 v. Chr.) geprägt worden. Der Münzmeister Cn. 
Domitius „fut consul en 658 (96 av. J.-G); il avait 6pous6 
Cornelie, fille de L. Cornelius Cinna, et il ätait fils, sans doute, 

du mon&aire pr6c6dent II fut vaincu (par Cn. Pomp6) et 

mis ä mort, Tan 673 (81 av. J.-C.) a . — Auch hier sind ver- 
schiedene Verwechselungen richtig zu stellen. Derjenige Cn. 
Domitius, welcher die Tochter des Cinna heirathete und im Jahre 
673 d. St. (81 v. Chr.) gegen Pompejus fiel, Nr. 6 in der vor- 
stehend gegebenen genealogischen Tabelle, war der Sohn des 
Cn. Domitius Nr. 4 und hat niemals das Consulat bekleidet. 
Consul des Jahres 658 d. St. (96 v. Chr.) war sein Vater (Nr. 4), 
wie Babelon dies auch selbst bei der Besprechung des Denars b 
S. 462 ausgeführt hat. Da wir zwei gleichnamige Consuln Cn. 
Domitius vom Jahre 658 d. St. (96 v. Chr.) nicht kennen, die 
Münzmeister der Denare b und c von Babelon nicht für identisch 



1) Vgl. auch Ztschr. f. Num. IV, S. 33. 

2) Oeuvres completes Bd. II, ossery. VI, dec. 14. 8. 155 fg. 



60 M. Bahrfeldt: 

gehalten werden, so beruht seine Angabe, dass auch der Cd. 
Domitius Nr. 6, + 673 d. St. (81 v. Chr.), im Jahre 658 d. St. 
(96 v. Chr.) Consul gewesen sei, auf Irrthum. Ferner ist es doch 
unmöglich, in diesem Domitius einen „fils du monätaire pr6- 
cädenf zu erblicken, d. h. desjenigen Gn. Domitius, der den 
Denar a gemünzt hat, nach meiner Ansicht also des Nr. 1, aber 
auch nicht des Nr. 2, dem Babelon den Denar a zutheilt. 

Ich werde hierdurch in der oben schon bei dem Denar b 
ausgesprochenen Vermuthung bestärkt, dass in der Babelon'schen 
Beschreibung der Denar mit CN . DOMI und Quadriga auf den 
mit CN.DOM und Biga, und dieser auf den Dioscuren- Denar 
folgen sollte, also in der Reihenfolge, wie ich sie vorstehend ge- 
geben habe. Der Gn. Domitius Nr. 6 starb im Jahre 673 d. St. 
(81 v. Chr.), und zwar wie wir aus Valerius Maximus wissen, 
in jungen Jahren. Er kann daher nicht wohl der Münzmeister 
des Denars c gewesen sein, dessen Prägezeit in die Jahre von 
640-650 d. St. (114—104 v. Chr.) fällt. Es erübrigt daher 
nur* da wir einen anderen Gn. Domitius nicht kennen, der in 
die Zeit passen würde, nach Mommsen's Vorgang den Denar dem 
Cn. Domitius Nr. 4 beizulegen, dem Consul im Jahre 658 d. St. 
(96 v. Chr.), der auch den folgenden Denar d geprägt hat. 

Ich erwähne noch, dass auf einem von Fr. Gnecchi in der 
Rivista ital. di num. Bd. U (1889) S. 163 Taf. III, 3 bekannt 
gemachten Exemplar dieses Denars die Inschrift der Bf. CN . DMI 
lautet, also irrig ohne O. 

Denare d. 

Der auf diesen Denaren genannte Cn. Domitius ist zweifellos 
der Consul des Jahres 658 d. St. (96 v. Chr.), Nr. 4, der mit 
L. Licinius Crassus zusammen im Jahre 662 d. St. (92 y. Chr.) 
Censor war. Die muthmassliche Entstehungszeit der Denare 
und der Umstand, dass auf denselben neben den constant er- 
scheinenden Namen des Crassus und des Domitius noch fünf 
andere vorkommen, hat zu vielfachen Erörterungen Veranlassung 
gegeben. 



Die Chronologie der Münzen der Domitii Ahenob&rbi. 61 

Mommsen S. 368 u. 574 führt aus, dass die Denare wäh- 
rend der Censur des Crassus und des Domitius, also im Jahre 
662 d. St. (92 v. Chr.) geprägt seien und zwar von einem Col- 
legium von fünf Münzmeistern unter Oberaufsicht der beiden 
Censoren. Zu einem anderen Resultat kommt er aber durch 
die spanischen Schätze 1 ), in denen diese Denare sich von ganz * 
wesentlich geringerem Erhaltungsgrade gefunden haben, als die 
übrigen Denare der vierten Periode, im Besonderen des C. Pulcher 
(M.-B1. Nr. 176). 

Da wir aus dem Elogium wissen, dass dieser Denar vor 
dem Jahre 655 d. St. (99 v. Chr.) geprägt worden ist, so müssen 
auch, wenn man die Beweiskraft der Fundergebnisse nicht ver- 
leugnen will, die Denare des Crassus und des Domitius, nach 
ihrem geringeren Erhaltungsgrade zu urtheilen, älter sein als 
die des C. Pulcher, mit anderen Worten, ihre Prägung kann 
nicht erst während der Censur der Beiden im Jahre 662 d. St. 
(92 v. Chr.) erfolgt sein, sondern muss schon früher stattgefunden 
haben. Da nun Beide aber weder als Quästoren, Tribunen, 
Ädilen, noch als Prätoren zusammen amtirten und somit in 
keiner von diesen Stellungen der Prägung vorgestanden haben 
können, so erübrigt nur die Annahme, dass Crassus und Do- 
mitius vor ihrer gemeinsamen Censur, etwa in den Jahren 645 
bis 650 d. St. (109—104 v. Chr.), als ausserordentliche Münz- 
herren amtirten. 

Babelon I, S. 463 kann sich mit dieser Erklärung nicht be- 
freunden. Er meint, es sei doch sehr gezwungen, anzunehmen, 
dass gerade Crassus und Domitius vor ihrer gemeinsamen Thätig- 
keit als Censoren schon einmal gleichzeitig einem Amte vor- 
gestanden haben sollten, von welchem wir nichts wissen. Viel 
natürlicher sei es, dieses Amt als ausserordentliche Münzherren 
in die Zeit zu verlegen, in welcher wir sie Beide als Collegen 
kennen, also in das Jahr ihrer Censur 662 d. St. (92 v. Chr.) 

Gewiss ist dies die natürlichste Erklärung, die auch 



1) Ann. delT Inst. arch. 1863, S. 55 fg.; Blacas II, S. 48 u. 368. 



62 M. Bahrfeldt: 

Mommsen, wie oben erwähnt, in der deutschen Originalausgabe 
ursprünglich selbst gab und von der er nur durch den Stand 
der Erhaltung dieser Denare in den spanischen Schätzen abzu- 
gehen sich gezwungen sah. Auf diesen Punkt geht Babelon aber 
gar nicht ein. Vielleicht verdanken die Denare in den Funden 
ihre schlechtere Erhaltung lediglich dem Zufalle, so dass es 
späteren Funden vorbehalten wäre, diese Zweifel zu heben. 

Dass neben Crassus und Domitius ein Collegium von Fünf 
erscheint, darf nicht weiter auffallen. Die Besetzung des Münz- 
ineisteramtes wird zu jener Zeit noch nicht fest normirt gewesen 
sein, so dass wir einmal abweichend statt eines Collegiums von 
drei, eins von fünf Münzmeistern finden. Andererseits erscheint die 
Erklärung Babelons ganz plausibel, dass zwei Mitglieder eines 
ursprünglichen Dreimänner-Collegiums starben oder sonst aus- 
schieden und sogleich ersetzt wurden, so dass wir daher fünf 
Namen auf den Münzen finden, ein Vorgang, der sich that- 
sächlich im Jahre 710 d. St. (44 v. Chr.) ähnlich wiederholt hat. 

Die von de Witte 1 ) herrührende Erklärung der Ä/-Dar- 
stellung auf diesen Denaren: der von dem Proconsul Cn. Domitius 
(Nr. 3), dem Vater des Münzmeisters dieser Denare, in der 
Schlacht bei Vindelium im Jahre 633 d. St. (121 v.Chr.) be- 
siegte Führer der Arverner, Bituitus in seinem silbernen Streit- 
wagen, erscheint mir sehr glücklich und zutreffend. Doch will 
ich einen Einwurf nicht zurückhalten. Ist es nicht auffallend, 
dass auf sämmtlichen Denaren nur die Familien -Ehren des 
Domitius zum Ausdruck gebracht werden, dass nicht wenigstens 
auf einem oder dem anderen der fünf Denare auch Crassus seine 
Vorfahren feiert, um so mehr, als der Name des Domitius stets 
an zweiter Stelle, also nachgesetzt erscheint? 

Mommsen erwähnt bei Besprechung dieser Denare (Annali 
S. 56), dass nach Mittheilung Zobels die Denare des L. Pom- 
ponius im Schatze von Oliva sämmtlich das D im Namen 



1) Memoire, gelesen vor der 8oci6t6 des antiquaires de France am 
13. u. 20. December 1882. Babelon I, S. 463. 



Die Chronologie der Münzen der Domitii Ahenobarbi. 63 

CN . DOM verkehrt, also OOM zeigten. Dasselbe ist auf einem 
gefutterten Denar meiner Sammlung der Fall, CN OOM, ohne 
Punkt nach dem Vornamen. Auf diesen Denaren scheinen über- 
haupt Stempelfehler nicht zu den Seltenheiten zu gehören. So 
lautet auf einem silbernen, nicht plattirten und durchaus nicht 
etwa barbarisirten Denar des Scaurus in meiner Sammlung die 
Aufschrift in dieser Form : L • LIC • CM t>OM, also das N ver- 
kehrt M und das D mit einem nach oben und unten verlängerten 
Striche P. 



Ich komme nun zu den Kupfermünzen der Domitier. 
Sie bilden zwei Gruppen: 

1. Die Münzen mit dem hergebrachten Typus der Prora 
und der Aufschrift Cn. Dome, Domi oder ähnlich; 

2. die Münzen mit abweichenden Typen und den Namen 
der drei Münzmeister Cn. Domi, M. Sita und Q. Curti. 

1. Die Münzen mit Cn. Dome, Domi etc. 

Die erste Gruppe der auf den Namen der Domitier ge- 
schlagenen Kupfermünzen besteht aus: As, Semis, Triens, Qua- 
drans und Sextans; die Unze fehlt, oder ist noch nicht bekannt. 
Da einige dieser Nominale sehr selten sind, über die Zusammen- 
gehörigkeit sämmtlicher Stücke zu einer Reihe Zweifel obwalten 
und endlich die Aufschriften der Klärung bedürfen, betrachte 
ich zunächst die einzelnen Theilstücke nach einander. 

a) As. Zuerst bekannt gemacht von Borghesi, Osserv. 
numism. Decade XIV, 6 S. 26 (Oeuv. compl. Bd. IL S. 167), als 
in seiner Sammlung befindlich mit CN.DOM. Dasselbe Stück 
findet sich im Auctionskatalog dieser Sammlung 1881, S. 40 
Nr. 510 verzeichnet, sein Verbleib, sowie der der ganzen Samm- 
lung ist nicht bekannt geworden. 

Sodann giebt Riccio mon. fam. S. 81 Nr. 9 eine Beschreibung 
„asse onciale presso il Borghesi, e presso noi", mit Aufschrift 
CN • DOM und CN • DOMI, die Abbildung Taf. 56 Nr. 2 aber 
mit ersterer Namensform. Da der As bei Borghesi CN • DOM 



64 M Bahrfeldt: 

hat, so müsste die Aufschrift des bei Riccio CN • DOMI lauten, 
jedoch beschreibt Riccio im Catalogo S. 84 Nr. 13 u. 14 seine 
beiden Asse mit der Aufschrift CN • DOM , wohingegen im 
Auctionskataloge Riccio, 1868, S. 34 unter Nr. 540 die Aufschrift 
der nunmehr vorhandenen drei Asse wiederum CN • DOMI lautet. 
Babelon I, S. 458 Nr. 2 giebt keine Abbildung des Asses, da das 
Pariser Kabinet denselben nicht enthält, fuhrt in der nach 
Riccio gegebenen Beschreibung aber als Formen der Inschriften 
auf: CN DOMI, DOME, DOM, DO. Da Riccio aber nur die 
erste und dritte erwähnt, so weiss ich nicht, wie Babelon zu 
den beiden anderen kommt. Endlich habe ich in Samwers Ge- 
schichte d. älteren röm. Münzw. S. 136, 163 einen As meiner 
Sammlung mit CN • DOM im Gewichte von 28,10 Gramm auf- 
geführt. Eine nähere nochmalige Untersuchung hat aber ergeben, 
dass das Stück retouchirt ist; es muss daher als unzuverlässig 
ausgeschieden werden. Da auf Riccios fortwährend schwanken- 
den Angaben bezüglich der Form der Aufschrift gar kein Verlass 
ist, bleibt als einzig beglaubigter As der borghesische übrig, mit 
CN-DOM und einem Gewichte von 27,30 Gr. 

b) Semis. Der Semis ist, zusammen mit dem Quadrans, 
das häufigste Nominal, nicht nur in dieser Reihe, sondern über- 
haupt in dieser ganzen Münzperiode, welcher das in Rede 
stehende Kupfer angehört. Die Aufschrift lautet CN • DONE und 
CN - DOMI, letztere Form ist ungleich seltener als erstere, auf 
einem Exemplar im Auctionskataloge Borghesi angeblich aber 
auch CN • DOM. An der Richtigkeit dieser Lesung habe ich 
Zweifel, um so mehr als auf Coh. 1 verwiesen wird, wo aber 
CN • DOltE steht. Nach CN fehlt häufig der Punkt. 

Abbildungen bei Cohen Taf. 54, 1, hiernach Babelon I, 
S. 458 Nr. 3, sowie bei Riccio mon. fam. Taf. 18, 8. 

Gewichte: 

Gramm 

8,82 CN-Dore Bahrfeldt, vernutzt. 
8,10 * Berlin, vernutzt. 

7,19 CN.DOMI Bahrfeldt, gut. 



Die Chronologie der Münzen der Domitii Ahenobarbi. 65 



6,56 


CN-DONE 


Berlin, gut. 


6,38 


CN DOK€ 


Turin, gut. 


5,95 


CN • DOMI 


Wien, vernutzt. 


5,60 


CN • DOh€ 


Berlin, gut. 


5,51 


CN DOME 


Wien, sehr gut. 


5,06 


ff ff 


Bahrfeldt, leidlich. 



Ich beschränke mich auf diese Gewichtsangaben, die sich 
leicht stark vermehren Hessen. 

Durchschnitt 6—7 Gr., also halbuncialer Fuss. 

c) Triens. Zuerst publicirt im Mus. Hedervar. Bd. II, S. 25 
Nr. 396 mit CN • DOMI, unter Hinweis auf Taf. Num. ae. suppl. 
Nr. 6, doch fehlt dortselbst die Abbildung. Sodann aufgeführt 
von Borghesi Dec. XIV, 6 und im Auctionskataloge Nr. 512 
ebenfalls mit CN • DOMI, ferner von Riccio mon. fam. S. 81 
Nr. 11, der im Text CN . DOMI und CNDONt schreibt, 
Taf. 56, 3 aber CN • DOM abbildet, doch geht aus Riccio cat. 
S. 84 Nr. 19/20 hervor, dass er einen Triens mit CN . DOM nie 
besessen hat. 

Gewichte: 

6,10 CN DOMI Paris 1 ), ? 

5,76 CNDOMI Turin, gut. 

5,70 „ Berlin, gut. 

3,08 ///////DOMI Paris, ? 

Der Stil des Triens ist nach Riccio Cat. S. 84 vortrefflich, 
wie überhaupt fast zu allen Zeiten der Triens einen sorgfälti- 
geren Stempelschnitt und besseren Stil zeigt. 

d) Quadrans. Neben dem Semis das häufigste Nominal. 
Aufschrift CN • DOI^E und CN • DOMI, letztere Form seltener. 
Abbildungen bei Riccio mon. fam. Taf. 18, 9; Cohen Taf. 54, 2 a 
und b; hiernach Babelon I, S. 459 Nr. 5. 



1) Die Gewichtsangaben der Manien des Cabinet de mädailles in 
verdanke ich der Gefälligkeit des Herrn Adrien Blancbet. 

ZmtMhiift für Mnauamatik. XIX. 5 



66 





M. Bahrfeldt: 




Gewichte: 


4,81 


CN • DOMI 


Turin, ? 


4,80 


CN-DOME 


Wien, vernutzt. 


4,40 


CN DOMI 


Berlin, gut. 


4,38 


CN • DOME 


Turin (2 Exemplare). 


4,30 


CN DOME 


Berlin, sehr gut. 


4,24 


CN-DOME 


Bahrfeldt, gut. 


3,96 


CN-DOME 


» sehr gut. 


3,51 


» 


„ ziemlich gut. 


3,40 


CN DOME 


gut. 


3,28 


i> 


„ leidlich. 


3,19 


CN • DONE 


Turin, ? 


2,98 


CN DOME 


Bahrfeldt, ziemlich gut. 



Bei dem Quadrans sind noch zwei interessante Abweichungen 
zu erwähnen: 

1. Quadrans mit der Aufschrift DEOMI über der Prora. 
Zuerst bekannt gemacht und abgebildet bei Biccio cat. 

Taf. 6 Nr. 17, im Auctionskatalog Nr. 544. Im K. Münzkabinet 
zu Berlin befindet sich ein zweites Exemplar ebenfalls mit 
DEOMI über und ROMA unter der Prora, 5,37 Gr. wiegend, gut 
erhalten. Beide Quadranten sind nicht ein und dasselbe Stück, 
wie sich aus einer Vergleichung der mechanisch treuen Ab- 
bildung bei Riccio mit dem Berliner Exemplar deutlich ergiebt. 
Mommsen S. 523, Blacas II, S. 249 erklären diese Form der 
Aufschrift für einen Stempelfehler, Babelon I, S. 459 für eine 
B vari6t6 barbare". Ich bemerke übrigens, dass der Stil der 
beiden Quadranten mit DEOMI nicht schlechter ist als derjenige 
der übrigen Stücke mit regelmässiger Aufschrift und dass ferner 
links neben der Aufschrift für ein CN kein Platz ist. Haben 
wir es überhaupt hier mit der Münze eines Domitius zu" thun? 
Ich habe keine Erklärung dafür. 

2. Quadrans mit der Aufschrift anscheinend DOMIT, zwei 
Exemplare aus demselben Stempel 4,59 und 3,04 Gr., gut er- 
halten, beide in meiner Sammlung. Das eine derselben kaufte 
ich 1876 bei Depoletti in Rom, das andere von A. Weyl in 



Die Chronologie der Münzen der Domitii Ahenobarbi. 



67 



Berlin, aas dessen Numism. Gorrespondenz 102/103 (1892), 
Nr. 146, wo die Aufschrift DOMTI gelesen wird, während ich 
auf meinem älteren Exemplar DOMIT las. Die drei ersten 
Buchstaben DOM sind ganz deutlich, die beiden letzten TI oder 
IT stellen sich aber als zwei gleichstarke Striche dar, so dass 
eine Unterscheidung, welcher ein T und welcher ein I, sehr 
schwer ist. Sie erscheinen mir mehr wie zwei i II, was in mir 
die Yermuthung erweckt: man habe hier das E in Dome durch 
diese nicht ungebräuchliche Nebenform II darstellen wollen 1 ). 
Ob dies aber in so früher Zeit schon üblich war, ist mir nicht 
bekannt Auch auf diesen beiden Münzen scheint links vom D 
kein Platz für den Vornamen CN • zu sein. 







Vorstehend eine Abbildung der beiden immerhin inter- 
essanten Stücke. 

e) Sextans. Von diesem Sextans kennen wir nur ein 
einziges Exemplar, das der Sammlung Borghesi, welches nach 
Dec. XIV, 6 CN • DOM als Aufschrift hat. Eine Abbildung dieses 
Stückes giebt Riccio mon. fara. Taf. 56 Nr. 4, jedoch mit CN • DO, 
und diese Namensform wird auch im Auctionskatalog angegeben. 
Wie sie daher auf dem Borghesfschen Sextans thatsächlich ge- 
lautet hat, muss unentschieden bleiben. Babelon giebt I, S. 459 
Nr. 6 eine Abbildung, nach welchem Exemplar aber ahne ich 
nicht Die Zeichnung Riccios kann nicht zu Grunde gelegen haben, 
denn beide weichen wesentlich von einander ab. Auf der Ab- 
bildung steht CN • DO, im Text C • DOM (Druckfehler für CN) 
und CN • DO. Der in Paris befindliche Sextans ist sehr zweifel- 
haft; Herr A. Blanchet schreibt: la lecture me paralt bien in« 
certaine, on crorait lire NB AA (Gewicht 4,52 Gr.). 



1) Vergl. den Aureus des Antonius bei Babelon I, S. 184 Nr. 70 und 
die CÜate dortselbet. 



5* 



gg M. Bahrfeldt: 

2. Die Münzen mit Cn. Domi, M. Sila und Q. Curt. 

Diese Kupfermünzenreihe, aus Semis, Triens, Quadrans, 
Sextans und Unze bestehend, bietet an sich keinerlei Schwierig- 
keiten, obwohl die von den hergebrachten Typen abweichenden, 
aber mit dem Götterbilde auf der Hf. in Verbindung stehenden 
^.-Darstellungen eine Erklärung noch nicht gefunden haben. 
Die auf ihnen vorkommenden Münzmeisternamen lassen keinen 
Zweifel darüber bestehen, dass diese Münzreihe mit den Denaren 
M.-Bl. 167 zu verbinden ist, wie Mommsen dies Münzwesen S. 541, 
Blacas II, S. 359, im Gegensatze zu Borghesi dargelegt hat. 

Sämmtliche Stücke sind selten, doch kommt der Quadrans 
am häufigsten vor. Ich gebe nachstehend die mir bekannt ge- 
wordenen Gewichte, wie ersichtlich fast sämmtlich dem Pariser 
Kabinet entnommen, dessen Schätze seit Einverleibung der Samm- 
lung Ailly unvergleichlich sind. 

Semis Babelon Nr. 9 8,65 Gr. Paris. 

Triens „ * 10 10,67 „ 

Quadrans „ „ 11 5,45 5,20 5,18 4,61 4,25 4,20 

4,00 3,58 3,30 Gr. Paris. 
6,40 Gr. gut Berlin; 6,08 gut 
Bahrfeldt. 
Sextans „ „12 5,10 Gr. Paris. 

Unze, „ „13 3,45 u. 3,07 Gr. Paris; 3,25 Gr. 

gut Wien. 



Es erübrigt nunmehr noch, die chronologische Unterbringung 
der ersterwähnten Kupferreihe mit CN • DOME u. s. w. und ihre 
Verbindung mit einem der vorstehend beschriebenen Denare. 

Mommsen, Münzwesen S. 523, verband ursprünglich dies 
Kupfer mit dem Denar b (M.-Bl. Nr. 133), kam jedoch später in 
den Ann. deir Inst. 1863, S. 34 fg., hiernach Blacas II, S. 249, 
davon zurück und vereinigte nunmehr das Kupfer mit dem Denar a 
(M.-Bl. Nr. 39), trotz des hohen Alters des letzteren, wie aus- 
drücklich hervorgehoben wird. Im Wesentlichen stützt sich diese 
Ansicht darauf, dass in den Eupferreihen der mit dem Denar 



Die Chronologie der Münzen der Domitii Ahenobarbi. 



69 



M.-Bl. Nr. 133 gleichaltrigen Denare anderer Münzmeister überall 
der As fehlt, so dass es eine Abweichung von der Regel wäre, 
hier einem As bei dem Denar des Domitius zn begegnen. So 
richtig im Allgemeinen diese Beobachtung ist, so finden sich doch 
auch Ausnahmen. Die angeblichen Asse des M. Varg., Q. Max. u. s. w. 
sind längst als verlesen anerkannt und ausgeschieden. Anders 
dagegen steht es mit einem As des Q. Metellus (zum Denar M.-Bl. 
Nr. 131 gehörig) meiner Sammlung von ganz unzweifelhafter Echt- 
heit, den ich Wiener Num. Ztschr. Bd. XIII (1881), S. 164 be- 
kannt machte. Babelon hat zwar für gut gefunden, in seinem 
Werke diesen As zu ignoriren; ich sehe mich daher veranlasst, 
hier nochmals eine Abbildung dieser gerade in der Aufschrift 
gut erhaltenen Münze zu geben. 





Da durch diesen As des QMETE den mit dem Denar M.-Bl. 
Nr. 131 zu verbinden ausser aller Frage steht, die Regel durch- 
brochen ist, dass den Münzreihen der dritten Periode überall der As 
fehlt, so würde nichts im Wege sein, der ersten Meinung Mommsens 
folgend, dies Kupfer mit CN • DONE wieder mit dem Denar b 
(M.-Bl. Nr. 133) zu verbinden. Nun erscheint mir aber die 
Frage gerechtfertigt: gehören denn der As und die übrigen 
Nominale der Kupferreihe überhaupt zusammen, ist nicht viel- 
mehr jener mit dem Denar a (M.-Bl. Nr. 39) zu verbinden und 
diese mit dem Denar b (M.-Bl. Nr. 133)? Es sprechen gewichtige 
Gründe für diesen Vorschlag. Der einzige gewogene As hat 
das volle Uncialgewicht, während das Gewicht der anderen 
Theilstücke ganz wesentlich abfällt und mit einem so alten 
Denar, wie der des CN • DO (M.-Bl. Nr. 39) ist, unmöglich ver- 
bunden werden kann. Es wäre dem kein einziges Beispiel an 



70 M. Bahrfeldt: 

die Seite zu stellen. Aber ist es keineswegs eine Seltenheit, 
dass von einigen Münzmeistern neben dem Denar lediglich der 
As ohne die anderen Theilstücke geprägt worden ist, so von 
Antronius M.-BL 21, Purpureus M.-Bl. 26. Ich würde daher die 
von mir schon einmal ausgesprochene Ansicht 1 ) unbedenklich 
weiter vertreten, wenn ich nicht ein Hinderniss fände. Die 
Aufschrift auf dem Denar ist CN • DO, die auf dem Kupfer 
dagegen CN DOM, DOME, DOMI, auch wohl DOMIT, also 
niemals CNDO, denn der Sextans bedarf noch der Auf- 
klärung. Nun ist es eine allgemein gültige Regel, dass die 
Aufschriften auf dem Kupfer stets kürzer sind, als auf dem 
zugehörigen Silber; hier würde, verbände man das Kupfer mit 
dem Denar a (M.-Bl. Nr/39), das Gegentheil der Fall sein. Hätte 
der As die Aufschrift CN • DO, so würde ich kein Bedenken tragen, 
ihn allein mit dem Denar a (M.-Bl. Nr. 39) zu verbinden und 
das übrige Kupfer mit dem Denar b (M.-Bl. Nr. 133). Da dies, 
soweit das einzig beglaubigte Borghesische Exemplar es erkennen 
lässt, aber nicht der Fall zu sein scheint, so trenne ich den As 
vorläufig nicht von den übrigen Nominalen und vereinige die 
ganze Reihe mit dem Denar b. 



Eine Becapitulation der vorstehenden Ausführungen ergiebt 
Folgendes: 

1. Der Denar a, mit CNDO, M.-Bl. Nr. 39, ist um 
554 d. St. (200 v. Chr.) geprägt. Münzmeister ist Cn. Domitius 
L. f. L. n. (Nr. 1), Consul 562 d. St. (192 v. Chr.). Zu dem 
Denar gehört kein Kupfer, oder wenn doch, dann nur der As. 

2. Der Münzmeister des Denars b, M.-B1. Nr. 133, ist Cn. 
Domitius Cn. f. Cn. n. (Nr. 3), Consul 632 d. St (122 v. Chr.). 
Die Prägung hat vor dem Jahre 629 d. St. (125 v. Chr.) 
stattgefunden. Zu dem Denar gehört die Kupferreihe mit 
CN • DOME u. s. w., vielleicht mit Ausnahme des As. 



1) In 8amwers Geschichte des älteren röm. Mfinsw. S. 163. 



Die Chronologie der Mflnsen der Domitii Ahenobarbi. 71 

3. Der Denar c, M.-Bl. Nr. 167, ist von Cn. Domitius 
Cn. f. Cn. n. (Nr. 4) nach 629 d. St. (125 v. Chr.) geprägt 
worden. Zu diesem Denar gehört die zweite Kupferserie mit 
abweichenden Typen und den Namen des Dreimänner- 
Collegiums. 

4. Von demselben Domitius (Nr. 4) ist auch der Denar d, 
M.-Bl. Nr. 170, geprägt worden, aber nicht während der Censur 
mit Crassus 662 d. St. (92 v. Chr.), sondern schon vorher, etwa 
in dem Zeitraum von 645—650 d. St. (109—104 v. Chr.). 

Rastatt, Juni 1892. M. Bahrfeldt. 



Nachtrag. 

Die Sammlung Borghesi kam am 19. Januar 1893 durch 
Sangiorgi in Rom zum zweiten Male zum Verkauf und damit 
auch der vorerwähnte As, Triens und Sextans mit CN-DOM, 
CN • DOMI und CN • DO. Leider gelang es mir nicht, diese 
Stflcke für meine Sammlung zu erwerben; ihr Verbleib ist mir 
nicht bekannt Ich fürchte, sie werden nun definitiv ver- 
schollen sein. 

Rastatt, April 1893. M. B. 



tiberprägte Münzen ans der Zeit der römischen Republik 



Jul. Friedländer veröffentlichte in der Zeitschr. f. Num. Bd. IV 
(1877), S. 328—349 unter dem Titel „Überprägte antike Münzen* 1 
einen Aufsatz, in welchem er von Neuem auf den Werth der 
überprägten Münzen für Schlüsse in Bezug auf die Zeitbestimmung 
namentlich der griechischen autonomen Münzen, auf die Metro- 
logie, die Verbreitung der Geldarten u. s. f. aufmerksam machte. 
Am Schlüsse seiner Zusammenstellung, welche im Wesentlichen 
auf der königlichen Sammlung in Berlin beruhte, fordert er zu 
ähnlichen Arbeiten auf, „wer überprägte Münzen besitzt, möge 
sie mittheilen". Infolge dieses Appells hat, soweit mir bekannt, 
nur Dr. F. Imhoof-Blumer ein Verzeichniss überprägter Münzen 
geliefert (Zeitschr. f. Num. Bd. V, 1878, S. 143—150), doch ent- 
hält dasselbe nur griechische Münzen; für römische Münzen, 
die freilich ungleich seltener überprägt vorkommen, sind ausser 
der kurzen Notiz Samwers über die überprägten römischen 
Sextanten mit AA 1 ) bisher ähnliche Mittheilungen nicht erfolgt. 
Es möge daher die nachfolgende Zusammenstellung überprägter 
römischer Münzen aus der Zeit der Bepublik als erster Beitrag 
zu dem durch Friedländer gegebenen Material nicht unwill- 
kommen sein. 

Stoff dazu haben vor Allem die Sammlung Ailly (im Pariser 
Kabinet) geliefert, dann auch das Eönigl. Kabinet in Berlin, das 
K. K. in Wien, meine Sammlung und einige andere, auch die 
Literatur; man findet bei jedem Stück den näheren Nachweis. 



1) Zeitschr. f. Num. Bd. XII, 1885, S. 134—136. 



M. Bahrfeldt: Überprägte Münzen a. d. Zeit der röm. Republik. 73 

Die von Friedländer aufgeführten Stücke sind hier wieder mit 
aufgenommen, damit der Leser das gesammte Material ver- 
einigt habe. 

I. Überprägungen auf römische MUnzen. 

1. Dioscuren-Denar mit dem Beizeichen Anker, überprägt auf 
das römisch -campanische Silberstück mit dem Doppelkopf 
und der Quadriga, Aufschrift vertieft. 
Überprägte römische Silbermünzen kommen, wie man weiter- 
hin sehen wird, überaus selten. vor. Dieses interessante Stück, 
4,96 Gramm schwer und von recht guter Erhaltung (quasi nuovo), 
entstammt dem wichtigen Funde von Maseru und befindet sich 
mit demselben jetzt im National-Museum zu Neapel. Garrucci 
in seinem Artikel „Le origini dell' argento e dell' oro monetate 
in Roma" (Civiltä cattolica Bd. VIII, Heft 746, S. 218—229) 
erwähnt es S. 223 zuerst, kommt dann im „Ragguaglio del depo- 
sito di Maserä" (ebenda Bd. XII, Heft 778, S. 468—475) S. 469 
Anm. 1 und in seinem grossen Werke „Le monete dell' Italia 
antic&" S. 64 fg. Taf. 78 Nr. 25 darauf zurück. Im Ferneren 
wird dieser Münze Erwähnung gethan von de Petra in seinem 
Bericht „II ripostiglio di Maserä", abgedruckt in den Notizie 
degli scavi Juliheft 1883, ferner von Mommsen, dem ein Abdruck 
vorlag, in den Sitzungsberichten der Berliner Akademie 1883, 
Heft 43, S. 1149 Anm. 1 und endlich von mir in v. Sallets 
Zeitschr. f. Num. Bd. XI, 1883, S. 203. 

Garrucci nimmt Civ. catt. Heft 746, S. 223 die zuerst von 
Boeckh, Metrol. Unters. S. 348 ausgesprochene, demnächst auch 
von Ailly, Recherches Bd. I, S. 141 fg. vertretene Ansicht wieder 
auf, dass die Silberstücke, von denen eins dem vorliegenden 
Denar mit dem Beizeichen Anker als Schrötling gedient hat, die 
ältesten römischen Denare gewesen seien. Ihr Normalgewicht 
habe 6 Skrupel = 6,82 Gramm betragen und sei im Jahre 486 
d. St. (268 v. Chr.) auf den Dioscuren-Denar von 4 Skrupeln 
= 4,55 Gramm reducirt worden, unter gleichzeitiger Herabsetzung 
des Libral-Asses auf einen Quadranten-As. Ich theile diese An- 



74 M. Bahrfeldt: 

sieht nicht, sondern bleibe in Übereinstimmung mit der Über- 
lieferung dabei, dass der im Jahre 486 d. St. eingeführte 
Dioscuren-Denar die erste römische Silbermünze gewesen ist, 
nicht der sogenannte Nummus, der wohl römischem Einflüsse sein 
Entstehen verdankt, aber als eigentliche römische Münze nicht 
betrachtet werden darf. Auf eine Widerlegung der Ansicht dass 
im Jahre 486 d. St. eine Reduetion des Libral- Asses auf einen 
Quadrantar-As eingetreten sei, kann ich mich hier nicht ein- 
lassen. Tch verweise auf Samwers Gesch. d. älteren römischen 
Münzwesens, in welchem ich S. 48 fg. die Asreductionen aus- 
führlich behandelt habe. 

Die vorliegende Überprägung ist übrigens der erste positive 
Beweis dafür, dass diese Silberstücke mit dem Doppelkopf älter 
sind als die Dioscuren-Denare. 



2. Triens mit Beizeichen Hasta auf E/. n geprägt auf Unze 
ohne Beizeichen. Gew. 11,99 Gr. Im Pariser Eabinet. 
Ailly, Recherches Bd. II, S. 457, Taf. 86 Nr. 17. 

3. Triens ohne Beizeichen auf eben solchen Sextans. «Gew. 
28,25 Gr. Im Pariser Kabinet. Ailly Bd. I, S. 128, Taf. 39 
Nr. 4. 

4. Desgleichen Sextans auf Unze. Zwei Exemplare. Gew. 
11,59 und 11,29 Gr. Im Pariser Kabinet. Ailly Bd. I, 
S. 132, Taf. 40 Nr. 5 und 7. 

5. Desgleichen Unze auf Halbunze. Gew. 5,80 Gr. Im Pariser 
Kabinet. Ailly Bd. I, S. 134, Taf. 41 Nr. 9. 

Ailly vertritt in seinem grossen Werke die Ansicht, dass 
die römische Kupfermünze vor Annahme des Sextantarfusses 
zwei gesetzliche Reductionen erfahren habe, die Reduetion des 
As auf die Hälfte und auf den vierten Theil des ursprünglichen 
Gewichts. Als Belegstück für die erstere diente ihm die Über- 
prägung Nr. 2 und zur Annahme des Quadrantar- Asses haben 
ihn die vorliegenden Überprägungen Nr. 3 — 5 geführt. „La 
certitude de ce fait", sagt er Bd. I, 8. 119, „nous est acquise 
par des fractions de l'as semi-libral surfrapp£es de la marque 



Überprägte Mitosen aus der Zeit der römischen Republik. 75 

d'nne valeur double de celle qu elles reprteentaient avant cette 
derni&re Operation. Ges surfrappes ätablissent incontestablement 
cette nouvelle diminution du poids de ras". Weiter sagt er bei 
dem oben unter Nr. 3 aufgeführten Triens Bd. I, S. 128 und 129: 
„C'est le triens, qui commence 4 nous donner la preuve con- 
vaincante de la second r6duction par sa frappe sur un sextans 
de la premiöre. . . . Les quatre onces frapp&s sur une monnaie 
ancienne de deux onces, attestent donc ävidemment une räduction 
de moitte", und endlich bei der Unze Bd. I, S. 135: „Cette sur- 
frappe est une nouvelle preuve corroborative de la r6duction de 
moitte de la premiöre ä la deuxiime r6duction que nous trou- 
vons ainsi inscrite sur trois degres de valeur monätaire diflfö- 
rents" (nämlich dem vorstehenden TrienR, Sextans und der Unze). 
Ich habe mich in Samwers Geschichte des älteren römischen 
Münzwesens S. 51 fg. gegen einen Quadrantarfuss ausgesprochen 
und Aillys auf diese Überprägungen sich stützende Beweisführung 
zu widerlegen versucht. Diese Überprägungen beweisen nach 
meinem Dafürhalten nur, dass der Müuzfuss innerhalb eines ge- 
wissen Zeitraums um das Doppelte verringert worden ist, aber 
in keiner Weise, dass diese Gewichtsverminderung nicht blos 
auf dem thatsächlichen Wege erfolgt ist. Aillys Beweismaterial 
könnte durch folgende Stücke vermehrt werden. 

6. Triens ohne Beizeichen auf wahrscheinlich Sextans. Gew. 
28 Gr. Im Museum Kircherianum. Garrucci S. 78, Taf. 78 
Nr. 13. 

7. Sextans mit Münzstättenzeichen V auf HJ. (wie Ailly 
Taf. 104 Nr. 6), überprägt auf eine Unze ohne Beizeichen 
mit Kopf n. 1. Gew. 12,69 Gr. In meiner Sammlung. 

8. Sextans ohne Beizeichen auf Unze. Gew. 10,31 Gr. Im 
k. k. Münzkabinet zu Wien. 



9. Dupondius. Hf. Behelmter weiblicher Kopf n. r. Bf. Prora, 
darüber Werthzeichen II 

Dies Stück, der einzige bisher bekannt gewordene geprägte 
römische Dupondius, wurde zuerst publicirt im Bull, dell' Inst. 



76 M. Bahrfeldt: 

arch. 1862, S. 49. Er wog 39,15 Gramm und gehörte dem Münz- 
händler Depoletti in Rom. Blacas bespricht ihn in Mommsens 
Rom. Mttnzw., Übersetzung, Bd. II, S. 8 oben u. Anm. 1, sowie 
S. 215 Anm. 1, ferner auch im Bd. IV, S. 24, wo auf Taf. 21 
Nr. 3 eine Abbildung gegeben wird, und bezeichnet ihn zur 
„särie onciale faible ou peut-fitre 4 la särie s6mi«onciale tt gehörig. 

Ailly beschäftigt sich mit diesem Dupondius Bd. II, S. 131 fg., 
Taf. 55, 5, erklärt ihn, obwohl der erste Anblick gewisse Be- 
denken an der Echtheit erwecke, namentlich deswegen für „trfes- 
authentique", weil sich erkennen Hesse, dass dem Stück ein 
Sextantar-As als Schrötling gedient habe. Bei Babelon wird 
das Stück Bd. I, S. 62 fg. erwähnt; wenn er aber sagt, „Mommsen 
regarde ce dupondius comme un dupondius faible du Systeme 
triental, mais il vaut mieux le classer dans le systöme de Pas 
oncial", so ist ersteres nach vorstehendem Citat aus Blacas irrig. 
Zuletzt wird diese interessante Münze von Garrucci, Le monete 
deir Italia antica S. 67 behandelt und Taf. 80 Nr. 1 abgebildet. 
Nach ihm ist sie auf einen römischen Semis geprägt. Da der 
Auctionskatalog der Sammlung Depoletti, Rom 1882, sie nicht 
mehr enthält, so muss sie als verschollen angesehen werden. 
Dies ist sehr zu bedauern, denn dadurch wird die Entscheidung, 
ob wir es hier wirklich mit einer echten Münze zu thun haben, 
unmöglich. Auch Friedländer, Repertorium S. 63, zweifelt die 
Echtheit an. 
10. Triens auf Unze. Gew. 14,01 Gr. Im Pariser Kabinet. 

Ailly Bd. II, S. 176, Taf. 60 Nr. 13. 
Das Urstück dieses Triens ist eine Unze, deren zugehöriger 
As sich auf 168,12 Gramm berechnen, also nach Ailly dem semi- 
libralen Fusse oder der ersten Reduction angehören würde. Als 
zweite Reduction lässt Ailly die quadrantare folgen, zu welcher 
Annahme die vorstehend unter Nr. 3-— 8 aufgeführten Über- 
prägungen scheinbar sehr gut passen. Nun wirft aber dieser 
auf eine Unze geprägte Triens die ganze Hypothese über den 
Haufen, denn die Wertherhöhung der Unze um das Vierfache 
verträgt sich nicht mit Annahme einer Reduction des As vom 



Überprägte Münzen aus der Zeit der römischen Republik. 77 

Gewicht des Semis auf seine Hälfte, auf das des Qaadrans. Aus 
dieser Überprägung müsste man vielmehr auf eine Reduction 
vom Semilibral- auf einen Sextantar-As folgern. . Ailly sucht 
seinen Aufbau durch eine sehr gezwungene Erklärung zu stützen; 
er erhärtet meiner Meinung damit aber nur die schon oben ver- 
tretene Ansicht, dass diese Überprägungen und Wert her höhungen 
nicht als Beweis für einen auf den Libral-As folgenden gesetz- 
lich eingeführten As vom Gewichte des Semis oder des Quadrans 
gelten können. 

Eine weitere Bestätigung meiner Ansicht bildet: 

11. Quadraus ohne Beizeichen auf Halbunze. Gew. 3,07 Gr. 
Im Pariser Kabinet. Ailly Bd. II, S. 190, Tat 66 Nr. 9. 

Hier liegt eine Wertherhöhung um das Sechsfache vor. 
Ailly verzichtet sehr bezeichnender Weise auf eine Erörterung 
dieses Stückes, da es für seine Hypothese unvereinbar ist. 

12. Sextans auf Unze. Gew. 6,32 Gr. Im Pariser Eabinet. 
Ailly Bd. II, S. 203, Taf. 63 Nr. 15. 

„Cette surfrappe est ä mes yeux", sagt Ailly S. 203 zu 
diesem Stück, „une nouvelle preuve de la succession immldiate 
et naturelle de l'as de deux onces 4 celui de trois", und benutzt 
dasselbe als Bestätigung seiner Ansichten über die Reduction des 
As. Aber die Sache stimmt nicht, denn hier hat durch die Um- 
prägung der Unze in einen Sextans eine Verdoppelung des Münz- 
werthes stattgefunden, während der Sextantar-As doch nur Zwei- 
drittel eines As von drei Unzen ist. War die ursprüngliche 
Münze die Unze eines Quadrantar- Asses, so wurde sie durch die 
Überprägung nun der Sextans eines Asses von 1 )£ Unzep Schwere, 
nicht aber eines Zwei-Unzen-Asses. Auch hier hilft sich Ailly 
wie oben bei Nr. 10 einfach aus der Verlegenheit Ich meine 
aber, verwerthet man die Überprägungen, wie z. B. Nr. 2—5, 
als Beweise für die gesetzliche Herabsetzung des Münzfusses um 
das Doppelte, so muss man consequent sein und auch diejenigen 
Thatsachen beachten und gelten lassen, die gegen die aufgestellte 
Hypothese sprechen. 



78 M. Bahrfeldt: 

13. Semis auf Quadrans. Gew. 15,57 Gr.; sehr gut erhalten. 
Im k. k. Münzkabinet in Wien. 

14. Semis auf Quadrans. Gew. 6,06 Gr. In meiner Sammlang. 

Die Münze ist durchlöchert and nicht gut erhalten; das 
Urstück war zweifellos ein vollwichtiger Unzial-Quadrans. 

15. Sextans auf Triens der Münzstätte Lucer ia, ^ auf Hf. 
Gew. 16,41 Gr. Im Münzkabinet Turin, Katal. Fabretti 
Nr. 138. 

Fabretti sagt Anm. 1 : „Questo sestante del diametro di 
millim. 28 e di un peso d' assai superiore agli altri, fu coniato 
sopra un triente contradistinto nel dr. con la lattera V: ha 
perciö tre globetti cosl nel dritto come nel rovescio". Ich habe 
Zweifel, ob hier die ursprüngliche Münze richtig erkannt ist; es 
wäre wenigstens auffallend, dass ein Triens in einen Sextans, 
eine Münze also in eine minderwerthige umgeprägt worden sei. 
Vielleicht war das Urstück eine Unze, wodurch die drei Eügelchen 
auf beiden Seiten ihre Erklärung finden, wenn nicht etwa über 
haupt ein lucerinischer Quadrans von Sextanstypus, Ailly Taf. 104 
Nr. 4 — 5, hier vorliegt. 

16. As mit grossem Stern über der Prora, überprägt auf einen 
Semis (?) des C. Clovius Saxula, C . SA (Friedländer, 
Zeitschr. f. Num. Bd. IV, S. 347 nach einer Schwefelpaste). 

Diese Überprägung ist ein wichtiger Beleg für die Chrono- 
logie der Wappenmünzen. In Samwers Geschichte des älteren 
römischen Münzwesens habe ich an der Hand der Gewichte die 
Münzen des Saxula dem sextantaren Kupferfusse und zwar der 
Periode von 513—537 d. St. (241-217 v. Chr.) zugetheilt, ihre 
Entstebungszeit gegen die bisherige Annahme also erheblich 
binaufgesetzt, die Münzen mit dem Wappen Stern dagegen, dem 
Gewichte des Denars und des dazu gehörigen Kupfers nach zu 
urtheilen, der Periode des leichten Silber- und unzialen Kupfer- 
fusses, d. h. der Zeit nach 537 d. St. (217 v. Chr.) bis etwa 
554 d. St. (200 v. Chr.) zugewiesen. Diese chronologischen An- 
setzungen werden durch die vorliegende Überprägung in er- 
wünschter Weise bestätigt. Sie beweist 1) dass monogrammatisch 



Überpr&gte Münzen aus der Zeit der römischen Republik. 79 

geschriebene Münzmeisternamen ziemlich früh auf den Münzen 
erscheinen und dass ihre Prägung nicht erst auf die Wappen- 
münzen folgte und 2) dass die Münzen des Saxula einem anderen 
schwereren Münzfusse angehören, als die des Münzmeisters mit 
dem Wappen Stern. 

17. Denar des Brutus mit dem Processus, M.-Bl. Nr. 272b, ge- 
prägt auf einen Dioscuren- Denar ohne Beizeichen. Im 
Königl. Münzkab. Berlin, aus dem Funde von Niemegk, be- 
schrieben von J. Friedländer in den Märkischen Forschungen 
Bd. VII, S. 102 fg. 

18. Quinar. Hf. Kopf des Apollo n. r. Rf. Victoria, das Tro- 
paeon bekränzend, unten ROMA, im Felde L, überprägt auf 
eine Münze, von deren Gepräge man einen weiblichen Kopf 
mit dem Helme erkennen kann. Das Stück war im Besitze 
Garruccis, der es Taf. 79 Nr. 13 abbildet. Vielleicht war 
die ursprüngliche Münze einer der alten Dioscuren-Quinare, 
der, stark abgenutzt, im Umlauf verblieben war und nun 
als Quinar neuer Art seine Auferstehang feierte. 

II. MUnzen mit CA. NebenmUnzstätte CAnusium. 

19. As mit CA, überprägt auf einen römischen anonymen Sei- 
tens, bei Riccio, Cat. S. 207, im Gewicht von etwa 1 \ Unzen 
= 33,41 Gr. 

Es liegt hier also eine Wertherhöhung um das Sechsfache 
vor. Ailly erwähnt dies Stück nicht, absichtlich?, denn seine 
Theorie hierauf angewendet würde auf eine Beduction vom Libral- 
zum Sextantarfusse führen, nicht aber seine Annahmen von der 
Aufeinanderfolge der Asreductionen bestätigen. Bei Garrucci 
Taf. 82 Nr. 25 ist ebenfalls ein solcher anscheinend überprägter 
As abgebildet, es handelt sich hier aber wohl nur um ein Stück 
mit Doppelschlag. Nähere Angaben fehlen ganz. 

20. Semis, beiderseits CA, wie Ailly Taf. 101 Nr. 6. Gew. 
13,19 Gr. Im Museum von Turin. Katalog N. 36 Nr. 599. 
Angeblich überprägt auf einen As. Fabretti beschränkt 
sich bei der Beschreibung dieser Münze auf die kurze Notiz 



30 M. Bahrfeldt: 

„battuta sopra un asse*, aber vom Urstück wird wohl mehr 
nicht zu sehen sein. Hier würde demnach eine Werth- 
ver ringe rung der alten Münze um die Hälfte vorliegen; 
über die Unwahrscheinlichkeit einer solchen habe ich mich 
oben bei Nr. 15 ausgesprochen. 
21. Triens. Von der Reihe mit CA ist der Triens das häufigste 
Nominal und gleichzeitig auch überaus häufig aus anderen 
Münzen umgeprägt. In Berlin befinden sich 1 2 Exemplare 
und von diesen sind 7 umgeprägt, von den 10 Stücken in 
meiner Sammlung ebenfalls 7, Ailly Bd. U, S. 634 fg. ver- 
zeichnet drei Überprägungen, die gleiche Zahl befindet sich 
in Turin (Katal. Fabretti S. 36). Riccio erwähnt Oat. S. 17 
deren 6 und nach dem Auctionskataloge seiner Sammlung 
S. 6 Nr. 80 besass er gar 36 Stück. 
Bei genauer Prüfung kann man fast auf jedem Stück 
Spuren einer älteren Münze finden und damit eine Oberprägung 
feststellen. Man kann daraus nur, da die übrigen Nominale der 
Reihe mit CA recht selten sind, schliessen, dass aus irgend einem 
Grunde eine massenhafte Triensprägung stattgefunden hat und 
dazu die im Lande vielfach umlaufenden Münzen der gegenüber- 
liegenden griechischen Städte Akarnaniens und von Epirus u. s. w., 
wohin demnach ein lebhafter Verkehr bestanden hat, benutzt 
wurden. Bei sehr vielen Stücken ist die ursprüngliche Münze 
aber nicht mehr mit Sicherheit festzustellen. In Berlin sind 
drei, auf welchen man die Typen von Münzen der Stadt Oeniadae 
mit dem Kopfe des Acheloos erkennt, bei Riccio, Cat. S. 17 eben- 
falls mehrere 1 ) derselben Stadt, davon eine mit dem Reste der 
Aufschrift . . . NIAAQI (Tä£ 5 Nr. 8), ebenso bei Ailly Bd. II, 
S. 634, Taf. 101 Nr. 8, bei Garrucci S. 71, Taf. 82 Nr. 26 mit 
QINIAAA(N), im Münzkabinet Amsterdam, Katal. Six und Enschede 
S. 42, Gew. 5,7 Gr. Andere bei Ailly Bd. II, Taf. 101 Nr. 9 
und 10 mit männlichem Kopf nach rechts, bezw. links, desgleichen 



1) Aber nicht 5, wie Mommsen S. 491 Nr. 15 sagt und Blacas Bd. II, 
S. 233 nachschreibt. Biccio: cinque altri trienti riconiati sopra monete di 
Epiro e di Oeniade Vergl. auch Mon. di Lucera 8. 4 Anm. 14. 



Überprägte Münzen aus der Zeit der römischen Republik. gl 

auf zwei Stücken meiner Sammlung, auf denen auch die Reste 
einer Aufschrift . . . PI . . . zu erkennen sind. 

Die in einen solchen Triens überprägte Halbunze, Hf. Weib- 
licher Kopf mit Mauerkrone, Rf. Reiter, wird unter Nr. 24 be- 
sprochen werden. — Im Berliner Kabinet befinden sich, ebenfalls 
mit den Typen dieses Triens überprägt, 

22. eine römische Unze (Friedländer a. a. 0. S. 334) und endlich 

23. campanisches Kupfer stück. Hf. Jugendlicher Kopf des 
Herkules, Rf. Pegasus n. r., darunter Roma (vergl. Babelon 
Bd. I, S. 29 Nr. 41). 

Die Chronologie der sogenannten römisch- campanischen 
Münzen, zu welchen das Urstück gehört, ist noch wenig ge- 
sichert. Dieses ist etwa um 486 d. St. (268 v. Chr.) geprägt, 
jedenfalls aber älter als die Münzen mit CA, deren Entstehungs- 
zeit feststeht. 

III. Oberprägungen auf Münzen römisch-campanischer Herkunft 

24. Hf Weiblicher Kopf mit Mauerkrone n. r. Rf. Reiter n. r., 
eine Peitsche schwingend, unten ROMA, umgeprägt in einen 
Triens der Nebenmünzstätte CA, ehemals in Riccios Samm- 
lung (vergl. Mon. di Lucera S. 4 Anm. 14, Cat. S. 11 und 17, 
Ailly Bd. II, S. 634/35, Mommsen, Münzw. S. 181 Anm. 45, 
wo aber die ursprüngliche Münze irrig als Triens bezeichnet 
wird, unkontrolirt nachgeschrieben von Blacas, Übersetzung 
Bd. I, S. 190/91 Anm. 4). 

Die Ansichten über die Heimath der ursprünglichen Münze 
gehen sehr auseinander. Mommsen, Münzw. S. 181 (Übers. Bd. I, 
S. 190) hält in Übereinstimmung mit Cavedoni (Bull. arch. Nap. 
Bd. II, S. 46) sie für apulisch, Ailly Bd. I, S. 242 in Suessa ge- 
schlagen, also für campanisch. Letztere Meinung theilt Babelon 
Bd. I, S. 30, der sie unter den „monnaies romano-campaniennes* 
beschreibt, ohne sie indessen einer bestimmten Prägestätte zu- 
zuweisen. Ailly erblick^ und wie mir scheint mit vollem Recht, 
in diesem Stücke eine Semuncia der aus Triens, Quadrans, Sei- 
tens und Unze bestehenden Reihe mit den Typen Centauren- 

Zeitschrift fa* ffumiuBfttik. XDL fi 



82 M Bahrfeldt: 

kämpf, stossender Stier, Wölfin mit Zwillingen und Strahlenhaupt. 
Babelon trennt sie nach altem Herkommen wieder von jenen vier 
Nominalen, ohne einen besonderen Grund hierfür anzugeben. 
Dass das Stück, welches in Typen und Gewicht recht wohl zu 
jener Kupferreihe passt, kein W er thz eichen trägt, kann nicht 
abhalten, in demselben eine Halbunze zu sehen, denn nur in 
vereinzelten Fällen findet sich auf römischen Halbunzen überhaupt 
ein Werthzeichen (so z. B. bei den Reihen mit V und P). 

Für die Zeitbestimmung der Ausprägung fehlen fast alle 
Anhaltspunkte, nur das Gewicht der Stücke, welches im Durch- 
schnitt etwa 6 Gramm beträgt, kann herangezogen werden. Es 
führt dies auf einen As von 150 Gramm, der etwa um 474 d. St. 
(280 v. Chr.) so gestanden haben wird. 

Da die Münzen mit CA bald nach 537 d. St. (217 v. Chr.) 
geprägt sein werden — sie gehören dem Unzialfusse an — , so 
hat hier die Umprägung einer sehr viel älteren Münze statt- 
gefunden, für deren Zeitbestimmung übrigens auch folgende 
Überprägung dienen kann: 

25. Alte Münze: Hf Strahlenkopf. Rf. Pferdekopf mit Aufschrift 
CEAEX. Neue Münze: die vorstehend beschriebene Halb- 
unze. (Fiorelli, Ann. di num. I, S. 122, Taf. I Nr. 3, Fried- 
länder, Wiener Num. Ztschr. I, S. 258/59.) 

Die Münzen der campanischen Stadt Yelecha sind nach 
Ansicht Friedländers etwa um 280 v. Chr. (474 d. St.) geprägt, 
so dass die daraufgeprägte Halbunze etwas jünger wäre. 

26. Alte Münze: die vorstehende Halbunze. Neue Münze. 
Sextans mit Beizeichen Hasta auf Rf. Pariser Eabinet. 
Ailly Bd. II, S. 460, Taf. 87 Nr. 11. 

Die Münzen mit dem Wappen Hasta auf Rf gehören, dem 
Gewichte des Silbers und Kupfers nach zu urtheilen, mit zu den 
ältesten ihrer Art und sind nicht lange nach 486 d. St. 
(268 v. Chr.) geschlagen worden. Zwischen Urstück und Über* 
prägung besteht daher kein grosser Altersunterschied. 

27. Römisch- campanisches Eupferstück: Hf Kopf der Minerva 
n, 1., Rf Pferdekopf n. 1., Umschrift ROMANO, überprägt 



Überpr&gte Münzen aus der Zeit der römischen Republik. 83 

auf eine Münze von Suessa, von welcher jedoch nnr ein 
Theil der Aufschrift SVES sichtbar ist. Von Garrucci S. 60, 
Taf. 77 Nr. 22 bekannt gemacht nach dem Exemplar der 
Sammlung Depoletti, wahrscheinlich Nr. 2304 des Verkaufs- 
katalogs dieser Sammlung, wo aber der Überprägung nicht 
besonders gedacht wird. Nach der Stellung der Aufschrift 
war die alte Münze wahrscheinlich die bei Garrucci Taf. 82 
Nr. 39 abgebildete: Hf Kopf des Apollo, Rf Stier mit 
Menschenkopf, darüber fliegende Victoria; im Abschnitt 
*VE*ANO. 

Diese Überprägung giebt für die Beurtheilung der römisch- 
campanischen Münze einigen Anhalt. Die Münzen von Suessa 
sind nach 441 d. St. (313 v. Chr.) geprägt worden, die neue 
Münze ist daher jünger. Beide Sorten fanden sich zusammen 
mit „reichlich uncialen Sextanten ohne Beizeichen* in einem bei 
Antinum im Marserlande gehobenen Schatze, den Garrucci im 
im Bullett. 1860 S. 132 und hiernach Mommsen, Münzw. S. 857 
Anm. zu S. 117 beschreibt. Die angeblichen Sextanten sind 
Halbunzen eines Asses von etwa 120 Gramm, also der Zeit vor 
486 d. St. (268 v. Chr.) angehörig und etwa im Jahre 474 d. St. 
(280 v. Chr.) geprägt. Man wird nicht sehr fehlgehen, die Prä- 
gung der Münze mit ROMANO in die Zeit um 454 d. St. 
(300 v. Chr.) zu setzen. 

28. Römisch- campanisches Eupferstück: Hj. Apollokopf n. r., 
Rf Löwe n. r., im Abschnitt ROMANO, überprägt auf 
Münze von Luceria: Hj. Kopf des Neptun, Rf. Delphin, 
unten V (Garrucci Taf. 92 Nr. 28). Im Museum Kirche- 
rianum, Gew. 6,80 Gr., bei Garrucci S. 60, Taf. 77 Nr. 24, 
aus dem Schatze von Vicarello. 

29. Quadrans. Rf Stossender Stier n. r., darüber Ähre, unten 
Schlange und ROMA, geprägt auf Münze von Rhegium, an- 
scheinend Apollokopf n. 1. Von der Ä/- Aufschrift nur sicht- 
bar PH. Gew. 10,91 Gr. Im Pariser Eabinet Ailly Bd. II, 
S. 238, Taf. 67 Nr. 11. 



g4 M. Bahrfeldt: 

30. Quadrans ohne Beizeichen, ebenfalls auf Münze von Rhe- 
gium. Gew. 12 Gr. Im k. k. Münzkabinet in Wien. 

31. Quadrans wie oben Nr. 29, auf eine Münze des Hiero. 
Vom alten Gepräge nur sichtbar lEPfi. Ehemals in der 
Sammlung Depoletti, jedoch im Auctionskataloge nicht be- 
sonders erwähnt. Bekannt gemacht von Garrucci S. 62, 
Täf. 78 Nr. 8. Gew. 7,80 Gr. 

Die nähere Zeitbestimmung der Hiero -Münzen ist leider 
unmöglich, so dass die Überprägung hier für die Entstehungszeit 
dieses Quadrans mit dem Stier nicht benutzt werden kann. Das 
Gewicht dieses mehrfach verringerten Nominals führt hier auf 
einen Unzial-As, also auf den Beginn des Hannibalischen Krieges. 

32. Quadrans von Venusia mit dem weiblichen schleier- 
bedeckten Kopf und >E, Rf. drei Halbmonde mit Sternen, 
geprägt auf einen Sextans von Luceria mit den römischen 
Typen und V unter der Prora. (Fiorelli mon. ined. 
Taf. I, 7.) 

Friedländer, Ztschr. f. Num. Bd. IV, S. 333 sagt dazu: 
„Venusia behielt also seine autonomen Typen noch bei, als 
Luceria schon römische angenommen hatte. • Diese Äusserung 
kann missverstanden werden. Wir haben bekanntlich von 
Luceria Münzen mit römischen Typen und nach römischem 
Münzfusse, bezeichnet mit dem Buchstaben 1% und solche mit 
eigenen Typen. Beide haben nichts miteinander zu thun. Jene 
sind die Producte der in Luceria errichteten römischen Neben- 
münzstätte, diese die Beläge für das von den Römern der Stadt 
in gewissem Umfange belassene Münzrecht. Beide Prägungen 
gingen nebeneinander her und die letztere mit eigenen Typen 
hörte nicht etwa auf, als die römische Nebenmünzstätte ihre 
Thätigkeit begann, wie man vielleicht aus Friedländers Worten 
schliessen könnte. 

Venusia dagegen prägte, soweit unsere Eenntniss reicht, 
nur mit eigenen Typen; es bestand dort eine römische Neben- 
münzstätte nicht, wenn man nicht etwa jene seltenen mit einem 
V neben der Prora bezeichneten Münzen (As bis Sextans, ohne 



Überpr&gte Münzen aus der Zeit der römischen Republik. 85 

Unze; Ailly Bd. II, S. 760, Tat 111 Nr. 1—5) als Producte einer 
in Venusia errichteten Nebenmünzstätte gelten lassen will Der 
Stil dieser Münzen ist eigentümlich und zu dem P(uceria) würde 
das V(enusia) das Gegenstück bilden. 

Ihr Ende erreichte die halbautonome Prägung beider Städte, 
ebenso die der römischen Nebenmünzstätte im hannibalischen 
Kriege. 

Oberprägungen auf Münzen der Ptolemäer. 

33. Quadrans ohne Beizeichen, Gew. 16,40 Gr. K. k. Münz- 
kabinet in Wien. Von der alten Münze ist nur der Rest 
der Aufschrift . . OAEMAIOY sichtbar. 

34. Triens ohne Beizeichen, Gew. 6,11 Gr. E. k. Münzkabinet 
in Wien. Bei diesem Stück ist ebenfalls nur ein Theil der 
Aufschrift zu sehen I1TOAE 

35. As mit Beizeichen T, Gew. 23,30 Gr. Im Pariser Kabinet, 
Ailly Bd. II, S. 756, Taf. HO Nr. 8. Vom alten Gepräge: 
Kopf, Rf. Adler, sind Spuren erkennbar. 

Bei den geringen Besten des Gepräges der alten Münzen 
ist nicht festzustellen, welchem der Ptolemäer dieselben zuzu- 
weisen sind. Der Quadrans, einem As von 65,60 Gr. entsprechend, 
würde den letzten Jahren der reinen Kupferwährung entstammen, 
also kurz vor 486 d. St. (268 v. Chr.) geprägt sein, so dass das 
Urstück wohl von Ptolemäus II (285—247 v. Chr.) geprägt sein 
kann. Der Triens ist schwach uncial, er entspricht einem As 
von 19,33 Gr., muss also nach 537 d. St. (217 v. Chr.) entstanden 
sein, so dass die Urmünze vielleicht noch dem Ptolemäus III 
angehören könnte. Der As der nur aus Kupfernominalen be- 
stehenden Reihe mit T ist etwas schwerer als das Normal- 
gewicht des Unzial- Asses *), wird also kurz vor der Reduction 
des Zwei-Unzen-As8es, also etwa um 530 d. St. (224 y. Chr.), 
geprägt sein. Stil und Fabrik der Münzen ist ganz römisch, so 
dass alles auf eine hauptstädtische Prägung hindeutet. Ich habe 



1) Durchschnitt Ton 25 Assen 28,93 Gr. VergL Samwer 8. 98 fg. 



86 M. Bahrfeldt: 

keine Erklärung dafür, dass hier ägyptische Münzen fiberprägt 
worden sind, sie können doch wohl nur zufällig ihren Weg nach 
Rom gefunden haben. 

Oberprägungen auf sicilische Münzen. 

a) Auf Münzen von Syrakus. 

36. Unze ohne Beizeichen auf die Münze mit dem Namen des 
Hiero: Hf Bärtiger Kopf n. 1. Rf Dreizack, daneben 
lEPfi'NOI (Brit. Mus. Sicily S. 218, Nr. 598 fg.). Zwei 
Exemplare im Pariser Kabinet. Gew. 6,26 und 5,61 Gr. 
Ailly Bd. I, S. 134/135, Taf. 41 Nr. 10, 12. Ersteres hier- 
nach wiederholt von Garrucci S. 67, Taf. 72 Nr. 25. — Ein 
Exemplar im Turiner Kabinet, Gew. 7,18 Gr., Katal. Fabretti 
Nr. 142. 

37. Sextans ohne Beizeichen auf dieselbe Münze. Zwei Exem- 
plare im Pariser Eabinet. Gew. 4,68 und 4,53 Gr. Ailly 
Bd. II, S. 206, Taf. 63 Nr. 16 und 17. 

38. Sextans mit Beizeichen fliegende Victoria auf dieselbe 
Münze. Gew. 5,66 Gr. In meiner Sammlung. 

39. Unze mit Beizeichen Ähre, anscheinend auf dieselbe Münze. 
Gew. 5,44 Gr. In meiner Sammlung. 

40. Sextans mit K neben und dem Beizeichen Ähre über der 
Prora, auf dieselbe Münze. Der Kopf n. 1. und von der 
Inschrift EP»ftN deutlich sichtbar. Im Museum Eirche- 
rianum, bekannt gemacht durch Garrucci S. 70, Taf. 81 
Nr. 20. Gew. 8 Gr. 

41. Triens mit tt und Ähre auf Münze des Hieronymus. 
Hf Kopf des Königs n. 1. Rf Donnerkeil (Brit. Mus. Sicily 
S. 221, Nr. 645 fg.). Gew. 7,8 Gr. Im Königl. Münzkab. 
Berlin. 

42. Sextans mit K* und Ähre auf: Hf. Kopf des Poseidon, 
Rf. Dreizack (Brit. Mus. Sicily S. 224, Nr. 670 fg.). Von der 
Aufschrift sichtbar .... KOII und darunter *l . Gew. 5,5 Gr. 
Im Königl. Münzkab. Berlin. 



Überpr&gte Münzen ans der Zeit der römischen Republik. 87 

43. Triens mit tt und Ähre auf: HJ. Belorbeerter Kopf des 
Apollo n. 1. Rf. Die Dioscuren reitend n. r. (Brit. Mus. 
Sicily S. 225, Nr. 678). Von der Inschrift im Abschnitte 
sichtbar IYPAK . . . Gew. 10,49 Gr. Im Pariser Kabinet. 
Ailly Bd. II, S. 407, Tai 82 Nr. 5. 
Es liegen hier Überprägungen syrakusanischer Münzen vor, 
welche zwei verschiedenen Zeiten angehören. Zu der einen sind 
die vorstehend unter Nr. 36—39 beschriebenen Stücke zu zählen, 
welche dem Gewichte nach auf den sextantaren As führen und 
zweifellos während des ersten punischen Krieges geprägt worden 
sind, — zu der anderen die Stücke Nr. 40—43, welche sämmt- 
lieh das Monogramm \t nebst dem Beizeichen Ähre tragen. Für 
die chronologische Bestimmung dieser Münzen sind die Über- 
prägungen besonders wichtig. Die Urstücke entstammen den 
letzten Jahren der Regierung des Hiero (f 216), der des Hiero- 
nymus (f 215) und den darauf folgenden Jahren autonomer 
Herrschaft. Also müssen die Münzen mit tt und Ähre nach 
dieser Zeit geprägt sein ; es unterliegt daher wohl keinem Zweifel, 
dass die Umprägung im Jahre 212 v. Chr., in welchem Syrakus 
in die Hände der Römer fiel, erfolgt ist, oder doch bald nachher. 
„Alle Astheile mit der Ähre sind sicilisch", sagt Fried- 
länder, Ztschr. f. Num. Bd. IV, S. 336. Die Richtigkeit dieser 
Behauptung, so allgemein gefasst, muss ich bezweifeln, wohl aber 
gebe ich zu, dass die Heimath der Münzen mit tt und Ähre auf 
Sicilien gesucht werden kann. Die Reihen mit tt und CA werden 
häufig zusammengeworfen. Die Heimath der letzteren ist ohne 
Frage Canusium, in -deren Gegend noch jetzt vielfach Stücke 
dieser Art gefunden werden und auf welchen Ort, als am Gestade 
des Adriatischen Meeres gelegen, auch die oben aufgeführten 
zahlreichen Überprägungen griechischer Münzen der Westküste 
hinweisen. Die Münzen mit fc dagegen zeigen einen ganz 
anderen, rohen Stil und deuten dadurch und durch ihre mangel- 
hafte Ausprägung auf eine plötzliche übereilte Anfertigung hin. 
Die Annahme Aillys (Bd. H, S. 409 fg.), dass diese Münzen in 
Capua geprägt seien, muss als unzutreffend zurückgewiesen 



8g M. Bahrfeldt: 

werden 1 )- Sie gehören ausgesprochen dem Unzialfusse an und 
könnten demnach nnr zwischen 217 v. Chr., dem Jahre der Ein- 
führung des Unzialfusses, und 216 v. Chr., dem Jahre des Ab- 
falles Capuas, gemünzt sein. Hiergegen sprechen die Über- 
prägungen, die nicht vor 215 v. Chr. erfolgt sein können und 
wohl 212 v. Chr. erfolgt sind. 

Anschliessend hieran führe ich noch zwei von Ailly be- 
schriebene Überprägungen auf: 

44. As mit tt und Ähre, angeblich überprägt auf einen römi- 
schen Quadrans. Im Pariser Kabinet. Gew. 10,50 Gr. Ailly 
Bd. II, S. 405, Taf. 81 Nr. 17, und 

45. Semis mit C und Ähre, angeblich auf eine andere nicht 
näher zu bestimmende römische Münze. Im Pariser Eabinet. 
Gew. 14,67 Gr. Ailly Bd. II, S. 402, Taf. 81, 14. 

b) Auf karthagisch-sicilische Münzen. 

46. Halbunze, Kopf des Merkur, Rf Prora ohne Werthzeichen, 
auf Hf Kopf der Demeter, Rf Pferd vor einem Palmbaum. 
Gew. 6,75 Gr. Ailly Bd/I, S. 114. Aus der Sammlung 
Lagoy. 

47. Unze mit Beizeichen Ähre über der Prora, auf: Hf wie 
vorher, Rf Stehendes Pferd, den Kopf zurückwendend. 
Gew. 6,77 Gr. Im Pariser Kabinet Ailly Bd. H, S. 399, 
Taf. 81 Nr» 8. Ebenda S. 400, Taf. 81, 9 anscheinend ein 
ähnliches Stück, 4,05 Gr. 

48. Triens ohne Beizeichen auf: Hf. Männlicher Kopf n. 1. 
Rf. Prora. Gew. 5,25 Gr. Im Pariser Kabinet. Ailly 
Bd. II, S. 181, Taf. 63 Nr. 3. 

49. S ext ans ohne Beizeichen auf: Hf. Kopf der Demeter. 
Rf Stier n. r., darüber grosser Stern (Mionnet Bd. I, 
S. 417, Nr. 394). Zwei Exemplare im Pariser Kabinet. 
Gew. 3,92 und 3,90 Gr. Ailly Bd. H, S. 206, Taf. 64 
Nr. 3-4 und S. 286, Taf. 71 Nr. 15. 



1) Yergl. auch Samwer, Älteres Mfunzwesen 8. 196. 



■ 
■ 



Überpr&gte Münzen ans der Zeit der römischen Republik. 89 

Auf dieselbe Münze von Panormus geprägt: 

50. Sextans der Nebenmünzstätten-Zeichen C rechts der Prora. 
Sechs Exemplare, davon vier im Pariser Kabinet, Gew. 4,09, 
3,68, 3,30 und 3,20 Gr. AiUy Bd. II, S. 629, Taf. 100 Nr. 17 
bis 20; zwei in meiner Sammlung, Gew. 4,32 und 4,54 Gr. 

51. Sextans mit Monogramm Äff rechts der Prora. Gew. 4 Gr. 
In meiner Sammlung. Auf drei anderen Exemplaren dieses 
Sextans meiner Sammlung ist deutlich erkennbar, dass eine 
Überprägung stattgefunden hat, jedoch lassen sich die Typen 
der alten Münzen nicht mehr mit Sicherheit feststellen 1 ). 

52. Sextans mit Monogramm AA rechts der Prora. Gew. 
3,31 Gr. In meiner Sammlung. 

Auf zwei anderen Sextanten mit $ und auf einem ohne 
Beizeichen 5 ) meiner Sammlung ist vom alten Gepräge nur der 
grosse Stern zu erkennen, so dass bei diesen drei Stücken wohl 
ebenfalls die beschriebene Münze von Panormus überprägt 
worden ist. 

Bezüglich der Überprägungen auf die ähnliche Galenische 
Münze verweise ich auf den Eingangs erwähnten Aufsatz Sam- 
wers in der Ztechr. f. Num. Bd. XII, S. 135. 

Einzelne Oberprägungen. 

53. Quadrans ohne Beizeichen, Gew. 4,09 Gr., auf Münze von 
Cos. Hf. Kopf des Herkules von vorn. Bf. Keule, Bogen 
und Köcher. (Mionnet Bd. III, S. 405 Nr. 38.) Im Pariser 
Kabinet. Ailly Bd. II, S. 195. 

54. Unze ohne Beizeichen auf dieselbe Münze von Cos. Gew. 
2,66 Gr. Im Pariser Kabinet. Ailly Bd. II, S. 210, Taf. 64 
Nr. IL 



1) Dahin gehört ein auf der Auction Ancona gekaufter Sextans (G. Sambon, 
Impresa di rendite Jahrg. Vm, 1884, Nr. 2), der im Katalog 8. 64 Nr. 711 
angeblieh mit dem Beiseichen 8tern beschrieben wird, wahrend der grosse 
Tierstrahlige Stern nur der Best des alten Gepräges ist. 

2) Dasselbe 8tück, welches in A. Weyls Numismat Correspondens 1892 
Nr. 102/108, S. 48 Nr. 417 aufgeführt ist. 



90 M. Bahrfeld t: Überprägte Mfinxen a. d. Zeit der röm. Bepablik. 

55. Sextans ohne Beizeichen auf angeblich Münze von Cumae. 
(Mionnet, Suppl. Bd. I, S. 246, Nr. 326.) Sichtbar ist Kopf 
mit Lorbeerkranz n. r. Im Pariser Kabinet. Ailly Bd. II, 
S. 206, Taf. 63 Nr. 18. 

56. Unze ohne Beizeichen, Gew. 5,55 Gr. Von der alten Münze 
sind nur Spuren eines Königkopfes mit Diadem und Reste 
der Aufschrift . A€IA ... zu sehen. Im Berliner Eabinet. 
Nach Friedländer, Ztschr. f. Num. Bd. IV, S. 347 möglicher 
Weise eine seleucidische Münze. 

Rastatt in Baden, Oktober 1892. M. Bahrfeldt. 



Literatur. 



Hermann Dannenberg, Grundzüge der Münzkunde. 
12° (XVI. 261 S. mit 11 Taf.) 4 Mark. Leipzig, J. J.Weber. 

Wenn diese Besprechung in Folge verschiedener ungünstiger 
Zufälle etwas spät erscheint, so darf sie dafür den Vorzug vor 
ihren Vorgängerinnen beanspruchen, dass sie auf einer längeren 
Bekanntschaft mit dem angezeigten Buche beruht. Dass der 
Herr Verfasser, seit Jahrzehnten als Sammler, Forscher und 
Schriftsteller mit reichem Erfolge thätig, etwas Vorzügliches 
leisten würde, stand ja von vornherein fest, als bekannt wurde, 
welcher Arbeit er seine Kräfte widmete. Aber die ihm gestellte 
Aufgabe war eine so schwierige und vielumfassende, dass man 
gespannt sein durfte, in welcher Weise er sich damit abfinden 
würde. Jetzt, wo ich das Buch bereits öfter zu Bathe gezogen 
und selbst vor Kurzem eine geistig verwandte Arbeit — die 
Einrichtung des Schautisches einer grossen öffentlichen Münz- 
sammlung — vollendet habe, glaube ich sagen zu dürfen, dass 
das Buch den darauf gesetzten hohen Erwartungen voll entspricht. 
Man mag mit dem Herrn Verfasser über diese oder jene Einzel- 
heit rechten, da und dort etwas zugesetzt oder weggelassen 
wünschen — , dass aber das Ganze, wie es vorliegt, eine vorzüg- 
liche Übersicht über das gesammte Münzwesen aller Zeiten und 
Völker gewährt, kann Niemand bestreiten und hat auch, so viel 
mir bekannt geworden, noch Niemand bestritten. Der ungeheure 
Stoff ist in fünf Abschnitte zerlegt, die die griechischen und 
römischen Münzen, dann das Mittelalter, die Orientalen, die 
neueren Münzen und endlich die Medaillen behandeln; in jedem 
Abschnitt sind die Gepräge der wichtigsten Münzstände unter 
sorgfältiger Hervorhebung der geschichtlich oder numismatisch 
besonders interessanten Stücke knapp und klar erörtert, jedoch 
ein Eingehen auf die zahlreichen Streitfragen unserer Wissen- 
schaft als nicht den Zweck des Buches berührend sorgfältig und 
glücklich vermieden. Am gelungensten scheint mir der Abschnitt 
über die Griechen, der auch räumlich der umfangreichste (136 
von 261 Seiten!) geworden ist: ich gestehe, dass ich ihn mit 
wahrem Vergnügen durchstudirt habe. Er ist nicht nur mit 



92 Literatur. 

Rücksicht auf die Wichtigkeit und Schönheit der griechischen 
Gepräge, sondern auch namentlich wegen der so sehr zersplit- 
terten Literatur doppelt dankbar von allen denjenigen zn be- 
grüssen, denen es gleich mir an Müsse fehlt, diesen interessanten 
Alterthümern dieselbe Aufmerksamkeit zu widmen, wie den 
eigenen Studienobjekten. Nicht ohne Bedauern habe ich es 
trotzdem empfunden, dass das Mittelalter und namentlich das 
deutsche Mittelalter demgegenüber etwas stiefmütterlich be- 
handelt worden ist. Der Herr Verfasser giebt uns ja auch hier, 
auf seinem eigensten Gebiet, wenn ich so sagen darf, eine Fülle 
werthvoller Einzelheiten neben den grossen Grundzügen der 
Wissenschaft, und man wird seine Angaben nirgends als unvoll- 
ständig bezeichnen können. Aber es erfüllt einen doch — ich 
möchte sagen: mit Neid, wenn man, um ein zufällig gegriffenes 
Beispiel zu nehmen, auf die Behandlung der Münzen von Gilicien 
und Isaurien einen grösseren Raum verwandt sieht als auf die 
der von ganz Obersachsen, also von Thüringen, Meissen, Lausitz 
und Sachsen -Anhalt zusammen: dort haben Adana, Mallos, 
Nagidos und Fürsten wie die beiden Polemo und Ajax aus- 
führliche Besprechung gefunden, hier müssen sich die thü- 
ringer Landgrafen, die Grafen von Blankenburg, Brandenberg, 
Kirchberg und sieben ihrer erlauchten Genossen mit der Er- 
wähnung ihrer Münzthätigkeit begnügen, nur bei den Grafen von 
Gleichen wird der CVNRATVS LAMPERTVS REX besonders an- 
geführt. Ich sollte meinen, man kann das eine thun und braucht 
das andere nicht zu lassen: die Bracteaten mit LVTEGER 
ME FECIT oder mit CATI DE BLANCENBVRG z. B. wären der 
Erwähnung nicht minder werth gewesen als etwa die Kupfer- 
münzen von Libyen, Byzacene und Syrtica. Es liegt doch in 
der ausgesprochenen Absicht des Buches, die Gebildeten unseres 
Volkes für die Münzkunde zu interessiren : diese aber werden, 
wenn sie auch an den Antiken nicht vorübergehen und nicht 
vorübergehen sollen, in erster Linie ihre Aufmerksamkeit den 
vaterländischen Alterthümern zuwenden, was doch nur durchaus 
wünschenswerth ist. Doch genug, diese Ungleichförmigkeit er- 
klärt sich wohl durch die Rücksicht auf die Wünsche des den 
Raum knapp zumessenden Verlegers: wir bedauern, dass dem 
Herrn Verfasser nicht die doppelte Seitenzahl zur Verfügung 
gestanden hat, er hätte sie zu benutzen verstanden. Vielleicht 
erfüllt sich dieser Wunsch bei Gelegenheit einer zweiten Auf- 
lage, die dem Herrn Verfasser dann auch vielleicht Veranlassung 
giebt, einzelne durch die nothwendige Knappheit der Darstellung 
weniger deutlich gewordene Stellen umzuarbeiten. Einige solcher 
Stellen führe ich hier nebst anderen Bemerkungen verwandten 
Inhalts an: sie sind der hergebrachte Nachweis, dass der 



Literatur. 93 

Berichterstatter das von ihm angezeigte Buch mehr als durch- 
blättert hat. 

Es wäre wünschenswerth, dass die auf S. 8 erwähnten Spuren 
einer Münzprägung in Eisen gleich an dieser Stelle genauer 
nachgewiesen würden. S. 124 vermisst man eine wenigstens 
annähernde Datirung der persepolitanischen Münzen. S. 141 
hätte für den Laien die wunderbar grossartige Aufschrift 
EID • MAR erklärt werden sollen. Dass auf S. 211 die Her- 
leitung des gros Tournois von dem Sarrazinas von Acre (Bd. 11 
S. 39 d. Zeitschr.) mit Stillschweigen übergangen ist, hat wohl 
ebenso wie die Nichterwähnung der Earolu- und Lodovici-Florene 
auf S. 231 seinen Grund in der Zweifelhaftigkeit der Frage. Zu 
S. 233 möchte zu bemerken sein, dass der Drachentödter auf 
dem polnischen Bracteaten mit BO wohl nicht der heilige Georg, 
sondern Gracus, der sagenhafte Gründer von Krakau, ist: die Sage 
von desgen Drachenkampf lebt noch heute in der dortigen 
Bevölkerung. Endlich möge an Druckfehlern noch erwähnt sein, 
dass der 1524 in Pavia belagerte General Leyva nicht „Lava" 
(S. 249) heisst und dass ebendort Maillet statt „Mailles" zu 
lesen ist. 

Dass vorzügliche orientirende Einleitungen dem Ganzen wie 
den einzelnen Abschnitten vorausgeschickt sind und dass sorg- 
fältige Register ebenso wenig fehlen wie die in ihrer Wichtigkeit 
noch lange nicht genug gewürdigten Seitenüberschriften, versteht 
sich bei Dannenberg eigentlich von selbt. Anzuerkennen ist 
auch die Druckausstattnng : sogar althellenische und lykische 
Inschriften sind in den entsprechenden Lettern wiedergegeben. 
Für die dem Buche beigegebenen Tafeln aber hätte der Herr 
Verleger bedeutend mehr thun müssen, in der gegenwärtigen 
Gestalt sind sie wenig erfreulich. Sie sind so klein, dass 
grössere Stücke so gut wie gar nicht haben abgebildet werden 
können und die aufgenommenen sich eine wenig übersichtliche 
Zusammenschachtelung gefallen lassen müssen. Zudem hat das 
Vervielfältigungsverfahren bisweilen Bilder von geringer Schärfe 
ergeben, z. B. bei dem herrlichen Bracteaten Albrechts des Bären 
Taf. VIII 62 und selbst der Medaille des Cardinais Albrecht 
von Brandenburg XI 89. Für ein so werthvolles und anregendes 
Buch, das — ich wiederhole es — seine Aufgabe in so vorzüg- 
licher Weise löst und über alle Erscheinungen verwandter Tendenz 
hoch erhaben ist, mussten auch entsprechende Bildtafeln beschafft 
werden. F. Friedensburg. 



94 Literatur. 

Hugo Freiherr v. Saurma-Jeltsch: Die Saurmascbe Münz- 
sammlung deutscher, schweizerischer und polnischer Gepräge, 
von etwa dem Beginn der Groschenzeit bis zur Kipperperiode. 
Berlin, Verlag von Adolph Weyl. 152 S. u. 104 Taf. gr. 4°. 40 Mk. 

Ebenso unermüdlich wie im Sammeln ebenso thätig ist der 
Herr Verf. auch in der wissenschaftlichen Verwerthung seiner 
gesammelten Münzschätze, und nachdem er uns erst mit einem 
sorgfältigen und brauchbaren Yerzeichniss seiner brandenburg- 
preussischen Münzsammlung, dann mit seinen „ Schlesischen 
Münzen und Medaillen tf beschenkt, macht er uns jetzt unter 
dem oben angegebenen Titel seine neueste Sammlung zugänglich: 
5933 Stück, von denen alle im Gepräge verschiedene, 3171 an 
der Zahl, uns in guten Abbildungen vorgeführt werden. Es 
läfst sich darüber streiten, ob eine solche doch mehr oder 
minder zufällige und daher trotz aller aufgewandten Mühe und 
Geldopfer nothwendig von Vollständigkeit weit entfernte Ver- 
einigung von Münzdenkmälern der Veröffentlichung bedurfte, 
und ob es nicht vorzuziehen gewesen wäre, wenigstens die 
Abbildungen durch Weglassung der schon häufig dargestellten 
Münzen, wie der Prager und Meissener Groschen, der Hoch- 
meistermünzen, der polnischen Dreigröscher u. s. w. einzu- 
schränken; man könnte meinen, dass eine bildliche Darstellung 
derjenigen Münzen genügt hätte, welche bisher noch gar nicht 
beschrieben oder doch noch nicht zur Abbildung gelangt sind. 
Gewiss hätte Letzteres ausgereicht, aber wir dürfen deshalb mit 
dem Herrn Verf. nicht rechten, denn sicher geschieht gar 
Manchem, der nicht im Besitz einer umfangreichen Bibliothek 
ist, mit dem etwa zu beanstandenden Mehr ein Gefallen, und 
ein Buch mit Darstellung von mehr als 3000, bis auf die ange- 
fügten polnischen, doch wesentlich deutschen Geprägen wird 
Liebhaber in Menge finden, aber auch der Forscher wird oft in die 
Lage kommen, es in die Hand zu nehmen, zumal es noch sehr 
an Abbildungen der kleineren Münzsorten aus der Spätzeit fehlt 
Wie der Titel besagt, haben wir freilich keine der Zeit nach 
vollständige Vertretung des deutschen und des polnischen Münz- 
wesens zu erwarten, und abgesehen von der zeitlichen Be- 
schränkung haben auch die Thaler und halben Thaler keine 
Berücksichtigung gefunden. Innerhalb des hierdurch angedeuteten 
Rahmens — Deutschland mit Einschluss von Elsass- Lothringen 
und Lievland gerechnet — wird uns aber doch so Vieles, so mit 
Absicht auf annähernde Vollständigkeit Zusammengetragenes 
geboten, dass sich vor unsern Augen ein einigermassen befriedi- 
gendes Bild des deutschen und polnischen Münzwesens in den 
drei Jahrhunderten von etwa dem Beginn des XIV. Jahrhunderts 



Literatur. 95 

bis zum Jahre 1620 entwickelt, denn es wird uns, wie bemerkt, 
keine Münze etwa nur deshalb, weil sie häufig anzutreffen oder 
schon öfter abgebildet ist, vorenthalten, wir finden vielmehr die 
gewöhnlichsten neben den allerseltensten , stattliche Reihen von 
Goldmünzen neben den unansehnlichen und so vernachlässigten 
Hohlpfennigen. Und an solchen Seltenheiten sowie Ineditis ist 
die Sammlung keineswegs arm, sie aufzuzählen würde zu weit 
führen ; nur als Beispiel sei der herrliche kärnthische Goldgulden 
Nr. 3086 Taf. Gl von Albrecht II 1335—58 genannt, mit Albertus 
D. g. dux Austrie um den östreichischen Binden- und kärnthischen 
Pantherschild Rf. S. Johannes baptista. — Der begleitende Text 
ist, wie in dem ged. schlesischen Münzwerke, äussert knapp ge- 
halten und beschränkt sich auf die Bezeichnung des Prägherrn, 
des Namens der Münze, der etwaigen Prägstätte, Jahreszahl und 
Münzmarke sowie das nur ganz im Allgemeinen angegebene 
Gepräge, wogegen die Inschriften nur in den seltensten Fällen 
angegeben sind, leider nicht immer wo die weniger deutliche 
Ausprägung oder Erhaltung das w ün sehen sw er th gemacht hätten. 
Mehr nach dieser Richtung hin zu thun lag eben ausser dem 
Plane des Herrn Verf., und wir dürfen es ihm nicht verargen, 
dass er dem Leser etwas mehr als üblich zumuthet, das Haupt- 
sächlichste sind eben und sollen sein die Abbildungen, Licht- 
drucke von A. Fabian & Co. in Breslau, denen wir das Lob 
guter Ausführung nicht versagen können; freilich wird ja bei 
diesem jetzt so beliebten Verfahren die Treue wesentlich auf 
Kosten der Deutlichkeit erreicht, auch sind nicht bloss, wohl 
wegen beschränkten Baumes,, die Klippen unrichtig gestellt, 
sondern auch einige andere (3044, 3104), Versehen, welche bei 
einem so umfangreichen Werke schwer zu vermeiden sind. 

Zum Schluss mögen zu Nutz und Frommen derer, die sich 
das schöne Werk anschaffen, einige verbessernde Bemerkungen 
Platz finden, die mir beim Durchblättern aufgestossen sind. 
Nr. 168 Taf. VI ist trotz der „tercius" von Wenzel IV. 1378— 
1419, der betreffende Irrthum Voigt's längst erkannt — Auf 
dem Münchener Pfennig Nr. 420 ist der zweite schlecht aus- 
geprägte Buchstabe doch wohl sicher Ä, nicht W, das Münzchen 
also von Ernst I. und seinem Neffen Adolf I. 1435—38. Die 
einseitigen Henneberger Pfennige Nr. 565, 566 sind bedeutend 
jünger, von Wilhelm V. 1480—1559, Nr. 569 dagegen, der be- 
kannte Schmalkaldener Beaktreat mit tn unter der Krone von 
Wilhelm III. 1427—44 (nach Streber) oder vielleicht von Wil- 
helm IV. 1444—80 (nach Erbstein). Die auf den Geprägen von 
Paul Sixtus Trautson genannte Grafschaft Falkenstein ist nicht 
die rheinische (am Donnersberg), sondern die in Ostreich unter 
der Ens (s. Nr. 1036, 1037). Der Turnosgroschen Nr. 1480 mit 



96 Literatur. 

Wappen weist seine Jahreszahl 1393 an Reinhard IL von Schön- 
vorst, während Nr. 1482, mit dem älteren Gepräge des sitzenden 
Königs, seinem Vorgänger, dem 1376 verstorbenen Reinhard I. 
gehören dürfte. Nr. 1964, der Pfennig mit halber Lilie und 
halbem Sterne ist jetzt als Wolliner nachgewiesen. — Nr. 1997 
ist ungarisch (Rnpp Taf. IX 257), daher auch im Text weg- 
gelassen; diese kleinen Denare werden oft verkannt und für 
brandenburgisch, braunschweigisch, fränkisch u. s. w. gehalten, 
hier ist der Irrthum wohl durch Welzl v. Wellenheim III. 4736 
verschuldet. Der Hohlpfennig Nr. 2184, unerklärt, aber unter 
die Gepräge des Erzbischofs Albrecht eingereiht, ist von 
Christian Wilhelm (16)23. Nr. 2205, der Quedlinburger Denar 
mit grossem B ist auf Cappe's trügerisches Wort der Äbtissin 
Beatrix II. 1138 — 60 beigelegt, während ihn sein Gepräge in 
viel spätere Zeit, die der Bertrade IL 1270-86 oder III. 1286— 
1308 weist. Der schöne Goldgulden von Friedrich I. Nr. 2475 
ist, gleich dem Schwabacher von Albrecht Achilles, unter die 
Brandenburger aufgenommen, zur Vermeidung von Irrthum wäre 
aber eine Andeutung, dass er nicht in der Mark, sondern in 
Nürnberg geschlagen ist, erwünscht gewesen. Der Denar mit 
Beim im Thore (Nr. 2642) ist jetzt als Stettinisch, nicht 
Usedomisch anerkannt. 

Wenn auch bei eingehender Prüfung solcher Berichtigungen 
sich noch verschiedene werden auffinden lassen, so thun doch 
diese kleinen Mängel dem Gebrauche des Buches keinen wesent- 
lichen Abbruch und können den Dank nicht mindern, zu dem 
wir dem Herrn Verf. verpflichtet sind. Möge er die Freude 
haben, seine Sammlung dergestalt wachsen zu sehen, dass er 
sich dermaleinst zu einer bedeutenden Ergänzung desselben ver- 
anlasst sieht. H. D. 



HittheilungeiL aus der Sammlung Hartmann 1 ). 



Kupfermünzen abbasidischer Statthalter. 

1. ibrählm ibn sä'ima (?). 22 mm. — I: lä iläha illa/lläh 
wahdahu/lä scharika lahu/fard. — II: mimmä amara bihi/ 
cd-amir ibraJüm/ (i)bn saimah\ oben und unten Zeichen. 



1. IL 



M» 

Sehr merkwürdiges Stück; das fard von I siehe auch 
Tiesenhausen 2163 und Lavoix 1666, 1673, 1674. T 2163 und 
L 1673 sind von el-mutadid billäh (279 — 289) geschlagen; 
dieses Stück gehört in dieselbe Zeit, wenn nicht eine spätere. 
— Die Buchstaben auf II Area unten werden kaum als Ab- 
kürzung eines Namens, etwa muhammad, angesehen werden 
dürfen; vielmehr wird jeder einzelne als Darstellung eines Wortes 
zu betrachten sein; für das mim liegt tamm, für das hü liegt 
hakk am nächsten, welche Worte bereits von Stickel I S. 60 zur 



1) Mittheilongen ans dieser, in Syrien 1876 bis 1887 erworbenen Samm- 
lang siehe auch diese Zeitschrift IX 85 ff. nnd XVIII 1 ff 

ZeiUchrift für Numismatik. XIX. 7 



98 Martin Hartmann: 

Deutung der Sigla herangezogen sind. Die Gruppe mh findet 
sich ausser auf diesem Stück, wie es scheint, nur noch auf dem 
M Tiesenhausen 1969 (arminija? 252—255), nach Tornberg 
Num. auf S. 91 Nr. 377, wo freilich die Buchstaben in der ge- 
wöhnlichen Weise mit einander verbunden erscheinen. 

2. ahmed ibn marwan. 23,5 mm. — I: in Linienkreis 

(Dm. 16 mm) lä iläha illa/lläh 'umil/lidijatin', Band 

bismittdh durib hädal-fals sana — II: bach/muham- 

madun rasülu/lläh minima amara bihiftahmed) (ib}n marwan. 



2. I. 




Vergleiche Tiesenhausen 2463 (nach Soret lettre & Dorn 
21 f.) und Lavoix 1644. Die Lesung Lavoix' marwan für Sorets 
Mrvn ist gesichert durch das marwan von 5., das keine andere 
Lesung zulässt. Keine Bede kann sein von der Lesung Sorets 
und Lavoix 9 : € amäa el-fidä kullahu; der für häf gehaltene Buch- 
stabe hängt mit dem folgenden nicht zusammen, der letztere ist 
zu klein für ein läm, und von el-fid ist gar nichts da. 'umila 
lidijatin würde heissen: „es ist gemacht zur Blutschuld tf , als ob 
mit dieser Münze eine Blutschuld gezahlt werden sollte; man 
kann auch an 'amal jadaihi „Werk seiner Hände" denken. — 
Soret las die Jahrzahl 333 heraus; der Typus des Stückes 
spricht vielmehr für zweites Jahrhundert; die Spuren der Band- 
legende von 1. deuten auf 17? oder 19? 

3. Derselbe. 23 mm. — Gleich 1.; Band von I ganz verwischt. 

4. Derselbe. 20,5 mm. — Typus von 1.; I scheint keine 
Legende, sondern nur Verzierungen am Bande zu haben. 






Mittheilungen aas der Sammlung Hartmann. 



99 



5. 



Derselbe. 23 mm. — I: in Linienkreis (Dm. 17 mm) lä 

iläha iUa/Uäh € amal (?) sts; Rand verwischt. — 

II: muhammadun rasülu/lläh minima amara bihi/ahmed/{i)bn 
marwän. 

IL 5. I. 



?\AÄ 



(R55 




Auch hier wird auf der Area von I die Lesung Soret- 
Lavoix' nicht herauszubringen sein, freilich auch nicht das auf 
2. bis 4. Gelesene. Ist an *amal cd-massig Provinz al-m., zu 
denken? 

6. ishäk ibn jahjä« 18 mm. — I: muhammad / lä iläha iUa/ 
lläh wahdahu/lä scharika lahu/(i)bn zakarljä\ zwei Linien- 
kreise, zwischen denen (5?) Ringe. — II: in Linienkreis 
(Dm. 12 mm) ishak / muhammadun / rasülu/lläh (i)bn jahjä; 
Rand bismiUäh duriba hädal-fals bimisr sana tis* wdischrin 
wamCatain. 



I. 




6. 



n. 




Nach Abulmah. I 711 wurde ishäk ibn jahjä ibn muäd im 

Jahre 235 zum Statthalter von misr ernannt; dieses Stück ist 

aber aus dem Jahre 229; der General der Leibwache des Cha- 

lifen d-wätik, ishäk ibn jahjä, welcher Abulmah. I 680 erwähnt 

wird, kann kaum gemeint sein. — Wäre das zaharijä des 

muhammed ibn zakarija auf I nicht so deutlich, so würde man 

7* 



100 Martin Hartmann: 

an eine Zusammenstellung dieses Stückes mit Lavoix 1665 
denken; die Elemente des Namens auf der Abbildung bei Lavoix 
lassen jedoch die Lesung zakarijä nicht zu, und auch über der 
Area -Legende von II wird etwas Anderes als ishak zu er- 
gänzen sein. 

7. Derselbe. 17,5 mm. — I: lä iläha illa/lläh wahdahuj lä 
scharika lahufi sadl\ drei Kreise; zwischen den beiden 
äusseren scheinen Verzierungen zu sein. — II: ishak / 
muhammadun / rasülu/lläh / (i)bn jahjä\ Rand unleserlich. 
Siehe zu 6. 

8. ismä'Il ibn *ali. 22 mm. — Tiesenh. 2542. Poole C 153 
Lavoix 1648. 

9. tähir« 19,5 mm. — I: lä iläha illa/lläh wahdahu/lä 
scharika lahu; Rand: bisür el-mamünije sana ünatain warnt- 

*atain\ der Rest abgeschliffen, zum Theil wohl auch vom 
Schrötling nicht gefasst; aussen dicker Linienrand. — 
II : tähir / muhammadun / rasülu / lläh / el- harit\ Linienkreis ; 
Rand: muhammadun rasülulläh arsalahu u. s. w. bis kullihi. 

Wahrscheinlich ist Poole C 160 dasselbe Stück. Karabacek 
sah bereits (W. Num. Ztschr. VIII (1876) 363), dass die Lesung 
el-harh bei Poole falsch ist. Die Jahreszahl ist sicher; das alif 
von ünatain ist nicht deutlich zu erkennen. Sicher ist ferner 
das Eonsonantengerippe des Namens, das man auch säur 
el-mamünije lesen könnte, und das einen neuen, bisher nicht 
gekannten Münzhof repräsentirt. Für el-mamünije liegt sehr 
nahe die Heranziehung der um das Schloss kasr et-tädsch herum- 
liegenden Vorstadt von baghdäd dieses Namens (s. Jakut I 806 f.* 
und öfter); für s w r kann kaum das syrische sür herangezogen 
werden; vielleicht ist an säur = Plussufer (s. TA III S. 343: 
schuft en-nahr) zu denken; dann wäre das Stück an einem Punkte 
geschlagen, der den Namen „Ufer von el-ma'münlje" führte. — 
Das Berliner Museum besitzt zwei gleiche Stücke, auf denen der 
Ort auch deutlich gelesen wird. 



.* •■ 






Mittheilungen aus der Sammlung Hartmann. 



101 



10. Derselbe. 20,5 mm. — Völlig gleiches Stück wie 9.; nur 
ist die Jahrzahl verwischt bis auf drei Zacken, welche auf 
sana folgen und wohl ünt(ain) darstellen; also wird auch 
für 9. die Schreibung ohne alif anzunehmen sein. 

10. I. 




11. Derselbe. 20,5 mm. — Wahrscheinlich dasselbe wie 9. und 
10.; schlecht erhalten. 

12. el-amir ul-niubärak. 23 mm. — I: minima amara/bihi 
el-amir\ doppelter Perlkreis. — II: elrmubä/rak; doppelter 
Perlkreis; unter rak eine Verzierung (?). 

IL 12. I. 





Die Zutheilung des Stuckes ist fraglich; der Typus weist 
auf das vierte, Anfang des fünften Jahrhunderts. 

13. muhammad ibn c isi. 16 mm. — I: lä ilaha üla/Uäh 
wahdahu/lä scharika lahu/n s w r; Linienkreis; Rand: Ver- 
zierungen? — II: muhamm<id/muhammadun/rasülu/lläh/ 

(i)bn t uä\ Rand: Spuren einer Legende. 

I. 13. n. 





Gleich Lavoix 1667. 1668 (infedite). Die Buchstaben unter 
dem Symbolum auf I sind sicher und werden bestätigt durch 



102 Martin Hartmann: Mittheilungen ans der Sammlung. 

* 

14. und 15., von denen 14. sie in besonderer Schärfe zeigt; es 
kann also an das, auch aus anderen Gründen sehr unwahrschein- 
liche nasr ihn Lavoix' nicht gedacht werden; es bietet sich 
nassür, Koseform für nasralläh (vgl. 'abbüd für 'abdalläh u. dgl.), 
das aber in so früher Zeit erst zu belegen wäre, oder bisur, „in 
Sür", das aber an dieser Stelle auffallend ist. Der Typus weist 
au! die Wende des zweiten Jahrhunderts. 

14. Derselbe. 14 mm. — Dasselbe, schlechter erhalten. 15. Der- 
selbe. 13 mm. — Dasselbe, desgleichen. 

16. 17. 18. muhammad ibn müsä. 16. 18 mm, 17. und 18. 
20 mm. Beschrieben von Lavoix 1666 (inädite). 16. zeigt 
die Rev.-Seite L.'s, 17. die Adv.-Seite L.'s besonders scharf. 
Über das fard s. zu 1. 

Nachtrag. Zu 6. Bei erneuter, durch Herrn Dr. Nütze! 
angeregter Besichtigung des Stückes erwies sich die Lesung tis 
waisehrin auf dem Rande von II als weniger in Übereinstimmung 
mit den erkennbaren Zeichen denn die andere: ftV c aschra. 
Freilich auch 219 begegnet kein Statthalter in Ägypten, zu dem 
einer der beiden Namen dieses Stückes passt. — Zu 2. In I 
ist 'amal adana „ Provinz Adana" zu lesen; die Stadt adana 
wurde um 190 befestigt und emporgebracht, s. Jak. I 179; da- 
durch wird die Lesung *amal al-massts für 5. gesichert; als 
Prägorte scheinen adana und al-massls — denn diese Städte 
werden sicher als solche anzusehen sein — bisher nicht belegt. 
— Zu 5. S. das eben zu 2. Bemerkte. 

Berlin. Martin Hartmann. 



Über einen sehr merkwürdigen Dinar des Abbasidischen 
Chaliftm al-Watsik-bfflan. 

Ans einem Briefe an Herrn Dr. Nütze! von D. Sticket 




Sie haben mir den Abdruck eines Abbasidischen Dinars, 
nach Ihrer Bestimmung aus Sana'a vom Jahre 232 d. H„ ge- 
falligst mitgetheilt und mich dadurch zu Dank verpflichtet. Das 
Stftck ist völlig gut erhalten, ein Unicum, und in mehrfacher 
Hinsicht interessant; ich beglückwünsche das Kftnigl. Münz- 
kabinet zu seinem Besitz. Abbasidenmünzen aus Sfldarabien 
gehören immer noch zu den seltenen; in Gold Bind zwar aus 
Sana'a einige venige Stücke in Petersburg, London, Jena, in 
Paris aber acht Exemplare vorhanden '), von denen jedoch keines 
das räthselhafte Wort auf dem Berliner trägt, welches Ihre Auf- 
merksamkeit mit Recht erregt hat, und das ich überhaupt, noch 
auf keiner orientalischen Münze wahrgenommen habe. Der Rev., 
um mit diesem zu beginnen, hat im Felde unter dem aJü den 
zweiten Theil des GlaubensByrobolum jJJf || Jjywi II *\+5?, and 
darunter den Chalifennamen aJJL oüfjjl ; als Umschrift die 
missio prophetica. — Der Adv. bietet unter dem ersten Theil 



1) Dm Berliner Ctbinet besitzt 10 »bbwidigehe Dinue «u Swi'fc. ] 



104 D. Sticke!: 

des Symbolum den chalifischen Vornamen Jüt^. Dscha'far, and 
hinter der Randschrift: LäJuoj JujJf f6c$ y>s äLH ^***o 

Im Namen Gottes ward dieser Dinar geprägt in 
Sana'a im Jahre 232; darnach ein Wort, dessen Elemente, das 
letzte ausgenommen, ganz deutlich sind.. L» jj Jf. Zweifelhaft kann 

nur sein, ob das letzte Element ein ^i oder ^ darstellt. — Für 
dieses Wort gilt es, eine Deutung zu finden. 

Unwillkürlich drängt sich die Vermuthung auf, diese Ele- 
mente stehen in einer Verwandtschaft mit dem iy++*j Häupt- 
ling; sie wird schon halb zur Gewissheit, wenn man sich er- 
innert, dass als Titel von Münzherren auf Münzen vom Jahre 
195—205 d. H. ein ,.wyü*L \J1 ^ö 6 drfödQXfjg, Inhaber der 
beiden Ministerien (des Schwertes und der Feder), oftmals 
gelesen wird. 

Anlangend die Wort form des . . L*jj Jf ersieht man auch 

alsbald eine Zugehörigkeit zu ^U^J und ^ U^J. 9 das sind die 

geläufigen gebrochenen Plurale ad formam l)ksd vom Singular 
Ijmuu^; aber die Textlegende deckt sich noch nicht mit der 
fualau-Form; sie hat zwischen - und j noch eine Zacke, die 
nur das Ja hamzatum von \y^ßj repräsentiren kann. Es führt 

das auf eine Pluralform i l**jj . oder ^Lvo. , wie bisweilen 
statt eines J ein 5 eintritt Jedenfalls weist unser Textwort auf 
eine schematische, vielleicht dialektische, südarabische Pluralform 

^jjü. Beachtet man weiter die Bemerkung de Sacy's (Gramm, 
arab., seconde 6dit. S. 379): „II arrive quelquefois que les 

pluriels irr6guliers donnent naissance k des duels — z.B. ,.*Iä.L*j , 
pour indiquer les lances räunies de deux familles," so ergibt 



Über einen Dinar des Abbasidischen Chalifen al-Watsik-billah. 105 

sich mit Anfügung des , % der Zugehörigkeit das auf dem Dinar 

stehende <^U^pl in dem Sinne der Zweihäuptlingsche, 
oder eigentlich: der den Doppelhäuptlingen Zugehörige, 
nicht ein dazu Gehöriger, sondern durch den Artikel determinirt, 
ist er nur der zu solcher Bezeichnung Berechtigte. Es ist die 
kürzeste, sprachlich mögliche Ausschliessung noch anderer gleich- 
zeitiger Träger des ..wuunLi Jf ^6. Während früher dieser Titel 
Statthaltern über grosse Provinzen, des vJ^^A+Jf, zugestanden 
wurde, behielt ihn sich auf seinem Dinar aus Sana'a der auf der 
Münze genannte Chalife Dscha'far al-Watsik-billah selbst vor. 
— Das ist meine Lösung des räthselhaften Wortes, wodurch die 
Wichtigkeit dieses Unicums nicht nur für die Münznomenclatur, 
sondern auch nach Seite der Sprachbildung einleuchten wird. 



^obilissimatsmünzen. 



Man ist gewöhnt, das Recht, in Bild und Schrift anf den 
Münzen zu erscheinen, bei den Römern als eine Prärogative des 
engeren Kaiserhauses und der konsekrirten 1 ) Verstorbenen des- 
selben anzusehen. Es tritt indessen neben die Augusti, Augustae, 
Caesares, Divi und Divae noch eine weitere Klasse, welche wäh- 
rend kurzer Zeit der Ehre des Münzrechtes theilhaftig war, 
bisher aber noch keine besondere Beachtung gefunden hat 

Es sind die Nobilissimi und Nobilissimae, welche seit der 
Diocletianischen Reichsordnung neben den Caesares und den 
Augustae als diesen an Rang nächststehend vorkommen. Aus 
epigraphischen, literarischen und sphragistischen Quellen sind 
uns eine grosse Anzahl von Personen, welche diesen Titel ge- 
führt haben, vom vierten Jahrhundert bis tief herab ins Mittel- 
alter vorkommend, bekannt'). Fügen wir diesen die numisma- 
tisch bezeugbaren Nobilissimi bei. 

Auf den Münzen') ist Romulus, des Kaisers Maxentius 4 ) 
Sohn, der Kaiser Herculeus und Galerius Enkel 5 ), der Erste, 
der mit dem Titel erscheint; dieselben sind nun aber alle erst 



1) Eine Ausnahme macht L. Vitellius, des Kaisers Vater, der ohne 
vorausgegangene Konsekration auf Münzen dargestellt ward. 

2) Näheres über den Titel findet sich in des Schreibers „Constanti- 
nischem Patriciat" S. 27; Du Cange, Gloss. Gr. n. Lat. 

3) Cohen, cont par Fenardent T. VII, S. 182—184. 

4) Maxentius selbst heisst vor der Thronbesteigung vir clarissimus 
Wilmans 1066; spater nobilissimns vir CIL. Afr. 10 382. 

5) Epb. Ep. I. S. 216. 



E. A. Stückelberg: Nobilissimatsmünzen. 107 

nach des Prinzen Tod und Konsekration geschlagen 1 ). Das 
Recht, auf der Münze zu erscheinen, geniesst er also in seiner 
Eigenschaft als Divus. 

Eigentliche Nobilissimatsmünzen aber besitzen wir von drei 
Damen des constantinischen Kaiserhauses, nämlich von Helena, 
Fausta und Constantia. 

Helena, die Mutter Constantins, war in ihrer Ehe schon 
c. 293 durch Theodora ersetzt worden ; eine hervorragende Stel- 
lung nahm sie demnach nicht als Kaisersgemahlin, sondern erst 
später, hauptsächlich seit der Alleinherrschaft ihres Sohnes (323) 
bis zu ihrem Tode, ein. Unter ihm erhielt sie den Augustatitel 
und das einer Kaiserin-Mutter nur selten zugestandene und des- 
halb ausdrücklich in der Geschichte überlieferte Münzrecht, das 
sich, wie aus den erhaltenen Stücken hervorgeht, nicht nur auf 
einige Offizinen, sondern alle Reichsmünzstätten ausdehnte. Die 
sicher datirbaren Münzen 2 ) der Helena mit dem Augustatitel 
und dem Securitastypus fallen nun 320—330; der Typus mit 
Pax publica aber und der dativischen Averslegende 3 ) ist erst 



1) Die Münzen, welche ihn noch nach seinem Tod als nobilissimus bezeich- 
nen, beweisen die Unechtheit des schon von Eckhel angezweifelten, aber von 
Cohen-Feuardent VII, S. 182 noch aufgenommenen Wiener Medaillons, das 
dem Romnlns die Vornamen Marcus Aurelius und den C&sarentitel beilegt; 
cf. Borghesi, Oeuvres completes I, 155, die Reverse des Maxentius aber, welche 
von Augg. et Caess. (Cohen-Feuardent No. 79, 80, 87—89, 108) und Augg. nn. 
(n. 28) reden, beziehen sich auf die übrigen Kollegen des Kaisers und nicht 
auf dessen Sohn. 

2) Hettner in Westd. Zeitschr. VI, 1887. 

3) Die dativische Fassung der Inschrift als solche darf indess durchaus 
nicht als Hinweis auf eine verstorbene Person angesehen werden, dies be- 
weisen nominativische Konsekrationslegenden ; der Dativ ist in verschiedenen 
Fallen verschieden zu erklären; er findet sich häufig bei Lebenden, als Subjekt 
oder Dedikant mag der spqr. gedacht sein. Ganz unbegründet scheint mir 
Schillers Auslegung B. K. G. III, S. 200: «Der Dativ macht wahrscheinlich, 
daas Martinian nicht völlig gleichberechtigt mit Licinius war, sondern wahr- 
scheinlich erst sich ein Reich im Westen suchen sollte". Auch Rhodes Er- 
klärung (Münzen Aurelians S. 803), welche die davirischen Münzen der Seve- 
rina für das Interregnum nach Aurelians Tod in Anspruch nimmt, dürfte 
kaum beweisbar sein. Merkwürdig ist, dass wir von Volusianns denselben 



108 E. A. Stückelberg: 

nach ihrem Tod, d. h. 335 — 340 geprägt. Da nun nach Euseb 1 ) 
die Übertragung des Augustatitels und des Münzrechts zeitlich 
zusammenfallen, so müssen die Münzen mit dem Nobilissimatitel, 
welche jenen vorangehen, vor 320 geschlagen sein. Wie ihre 
Seltenheit bezeugt, sind sie auch nur ausnahmsweise geprägt 
worden. 

Die erwähnten Nobilissimatsmünzen 2 ) der Helena weichen 
auch in verschiedenen Einzelheiten von den Augustatypen der- 
selben Kaiserin ab. Die Averslegende, welche sonst dem Namen 
noch Flavia oder Fl. Jul. beifügt, lautet hier nur Helena n. f. 
Ferner zeigt auch der Kopf im Gegensatz zu den übrigen Typen 
jugendliche Züge; die Haartracht weicht durchaus ab von der 
sonst vor und nach Helena üblichen Modecoiffure, deren Cha- 
rakteristikum seit der Mitte des dritten Jahrhunderts ein vom 
Nacken aufsteigender und sich bis gegen die Stirn fortsetzender 
Zopf ist. Helena selbst trägt als Augusta das Haar so geordnet. 
Unsere Münze aber weist einen einfacheren, schon in augustei- 
scher und dann in antoninischer Zeit 3 ) wieder üblichen Kopfputz, 
dessen Eigenheit in einem kleinen runden Haarknauf am Hinter- 
kopf besteht, auf; diese Mode mag durch die Kaiserin Fausta, 
deren meiste Münzen diese Tracht zeigen, in Aufnahme gebracht 
worden sein 4 ). 

Der Revers unserer Münze zeigt einen Stern umschlossen 
von einem Lorbeerkranz mit rundem Stirneinsatz. Als Münz- 



Typus mit Nominativ- und mit Dativlegende besitzen, jedesmal korrespondirt 
dieselbe mit entsprechender Reversschrift (Volusiano Rf. Jononi Martiali, 
Volusianus Rf Juno Martialis. 

1) Vita Const. HI, 47. 

2) Cohen-Feuardent Nr. 14. 

3) Bernoulli, Rom. Ikonogr. II, Taf. IV, 21 ; Taf. V, 3, 8, 9. 

4) Vielleicht ist in dieser eine bewusste Nachahmung früherer Sitte zu 
erblicken, wie das Tragen griechischer Königsbinden im Haar; ein sicherer 
Archaismus ist die Kopfhaltung auf constantinischen Münzen, welche von 
Euseb IV, 15 als frommes avio ßUnttv erklärt wird, in Wahrheit aber dia- 
dochischen Typen entlehnt ist, wie schon Eckhel VIII, 80 erkannt hat; als 
Kopie eines augusteischen Typus ist das Medaillon des Constantinus II. 
(Cohen-Feuardent VII, Nr. 30) anzusehen. 



Nobilissimatsmünzeii. 109 

Stätte ist die von Diocletian eröffnete und bis Heraklius funktio- 
nirende Moneta von Thessalonich genannt, welche seit 314 zn 
Constantins Reich gehörte. 

Die zweite Nobilissima, welche als solche auf Münzen er- 
scheint, ist Fl. Max. Fausta, die Tochter des Herculeus und 
Schwester des Maxentius. Fausta und Maximilla 1 ), ihre Schwä- 
gerin, geniessen als Kaisertöchter des Nobilissimats, wie Maxen- 
tius und Romulus als Eaisersöhne. 

Münzfähig ist indess Fausta ohne Zweifel erst durch ihre 
Vermählung mit Constantinus I. im Jahre 307 geworden; be- 
sonderer Ehre ward sie dadurch, dass sie dem Kaiser Erben 
schenkte, theihaftig 2 ). Diese letzteren erhielten schon als Kinder 
den Cäsarentitel und das Münzrecht. Die sicher datirbaren 
Münzen der Fausta reichen von 320 bis 326; andere, auf denen 
sie mit einem 8 ) oder zwei Kindern erscheint, möchte ich auf 
die Geburt ihrer beiden ältesten Söhne, d. h. die Jahre 316 und 
317, beziehen. Demnach ergäbe sich für ihre Augustamünzen 
vielleicht schon das Jahr 316 als Anfang ihrer Prägungen. 

Die Nobilissimatsmünzen gehören aber zeitlich vor die 
Augustatypen ; dies ergiebt sich auch aus der Haartracht, welche 
auf ersteren, sowie auf den älteren Augustamünzen (mit einem 
Kind) den Knauf, auf späteren (mit zwei Kindern im Revers) 
den genannten Zopf zeigt. Die erste hier in Betracht kom- 
mende Münze 4 ) zeigt einen dem beschriebenen Helenatypus ganz 
entsprechenden Typus : Avers mit kurzer Legende : Fausta n. f., 



1) Borghesi, Oeuvres completes I 145 suiv. 

2) Auf Inschriften als oxor Constantini (CIL. X, 678) und noverca der 
Cäsaren (CIL. X, 679) gefeiert. 

3) Cohen-Feuardent Nr. 3; die immer wieder auftauchende Meinung, 
die dargestellte thronende Dame mit dem Kind im Schooss sei Maria, die 
Mutter Gottes, ist wegen des um ihr Haupt gelegten Nimbus entstanden. 
Letzterer kommt aber häufig bei Kaiserbildern gerade jener Zeit vor; vergl. 
Stephani: Nimbus und Strahlenkranz S. 132. Darstellungen der Maria aber 
kommen erst auf spateren byzantinischen Münzen (Sabatier I, S. 36) und 
Siegeln (Schlumberger, Sigillogr. byz. S. 37) vor. Altchristliche Marienbilder 
s. bei Roller, Catacombes. 

4) Cohen-Feuardent. Nr. 25. 



HO E. A. Stückelberg: 

Revers Stern in Kranz. Diese ebenfalls sehr seltene Klein- 
bronze dürfte in derselben Münzstätte und zur selben Zeit wie 
die Helenamünze geschlagen sein. 

Verschieden von den bis jetzt behandelten Nobilissimats- 
münzen ist der merkwürdige sog. Silberquinar der Fausta. 
Hier ist die Averslegende in dativischer Fassung und bringt 
den Titel in ausgeschriebener Form : Faustae nobilissimae feminae. 
Der Kopf ist nach links gewendet und zeigt die besprochene 
jugendliche Haartracht mit dem Knauf; letzterer ist hier höher 
am Hinterkopf heraufgerückt als bei den oben beschriebenen 
Typen. Der Revers mit der Legende Venus felix zeigt das Bild 
der thronenden Göttin mit Kugel und Palmzweig. Gerne würde 
man in diese Reversdarstellung eine Andeutung auf die Kaiserin 
als Mutter sehen, bezw. dieselbe auf ihren Kinderreichthum be- 
ziehen, wie bei Faustina der Jüngeren und Salonina. In der 
That ist Venus felix auf Münzen der letzteren (Cohen-Feuardent 
V, Nr. 115—117) als mütterliche Gottheit charakterisirt. Die 
Bedeutungen der Venustypen auf den Kaisermünzen aber gehen 
dermassen in einander über 1 ), dass wir in Venus felix nicht 
mehr als in Venus victrix zu erblicken brauchen. In der 
That kommt auch Venus felix wie letztere bei notorisch 
kinderlosen Kaiserinnen als Reverstypus vor. Unsere Fausta- 
münze hat also keine Beziehung auf die Geburt der Cäsaren 
(3 16 ff.); ich glaube sogar, sie muss schon um dieses Reverses 
halber vor die Geburt des ältesten Sohnes fallen, sonst wäre das 
Prädikat der Venus nicht felix, sondern eher wie in analogen 
Fällen genetrix. Bestenfalls kann die Legende eine Beziehung 
auf die Ehe der Nobilissima ausdrücken, in diesem Fall wäre 
die Münze in die Jahre 307 bis 316 datirt; die Wahrscheinlich- 
keit spricht dafür, dass sie von Constantinus und zwar erst 
nach der Niederwerfung des Maxen tius 312 geschlagen ist. 
Wären uns die Prägestätten bekannt, so Hesse sich wohl 
Genaueres eruiren. 



1) Bernoulli, Aphrodite S. 200. 



Nobilissimatsmünzen. 1 1 1 

Die dritte Nobilissima, welche uns hier beschäftigen wird, ist 
Constantia, die Tochter des Kaisers Constantiusl. und der Kaisers- 
tochter Theodora. Ihre Geburt im Purpur und ihre doppelte kaiser- 
liche Abstammung berechtigten sie zum Nobilissimat, einem Titel, 
zu dem sie durch ihre Vermählung mit dem Kaiser Licinius noch 
erweiterten Anspruch erhielt. Cohen und Imhoof reihen die 
Constantia nach Licinius ein; numismatisch aber gehört sie, 
wie wir sehen werden, zu Gonstantins Regierung. Ihre Münze, 
eine Kleinbronze, zeigt auf dem Avers die Legende Constantia n. f., 
analog den Fausta- und Helenatypen. Der Kopf zeigt einen 
nicht als jugendlich zu bezeichnenden Charakter. Die Haartracht 
entspricht den dativischen Helena- und Theodoramünzen (Cohen- 
Feuardent VII: Helena Nr. 4 und Theodora Nr. 3); im Haar 
trägt sie einen nicht genau erkennbaren aber nach Analogie der 
genannten Typen nachweisbaren Lorbeerkranz. Darüber, welcher 
Constantia das Bildniss angehört, giebt uns der Revers Auf- 
schluss; die Legende lautet: Soror Constantini aug. Die Dar- 
stellerin geniesst also als Schwester des Kaisers Constantin das 
Münzrecht ; auch andere Ehrenbezeugungen genoss sie als solche 
und als Tante der Cäsaren 1 ). 

Weiter findet sich auf dem Revers, umgeben von einem 
Kranze die zweizeilige Inschrift: Pietas publica, d. h. eine Kund- 
gebung der öffentlich zur Schau getragenen Pietät des constan- 
tinischen Hauses für seine Angehörigen; wie sie auch durch das 
Vorhandensein von Denkmünzen, geschlagen auf den angeblichen 
Ahnherrn bezw. Grossoheim Claudius IL, ferner auf Constantius I., 
Maximianus Herculius, Helena und Theodora bezeugt ist. 

Die vorliegende Nobilissimatsmünze ist demnach von 
Constantin d. Gr., folglich vor 337 geprägt; präciser wird sie 
durch den Münzstättenvermerk datirt: er lautet CONSB, es 



1) Die am Anfang und Ende verstümmelte Inschrift bei Orelli 1093 ist 
freilich am Schluss nicht wie bei Wilmans zu ergänzen; vielmehr ist I)n. fl. 
Jul. Coustanti. der Beginn der Namensaufzählung der Cäsaren und nicht der 
Name der Constantia. 



112 E. A. Stückelberg: Nobilisslmatsmünzen. 

gehört also die Münze nach Constantinopel 1 ), deren Offi einen 
c. 330 eröffnet wurden. Im genannten Jahr aber starb Constantia, 
wahrscheinlich ist also die Bronze nach ihrem Tode, vielleicht 
bei Gelegenheit desselben, geschlagen worden. In diese Zeit, 
nicht aber in Constantins letzte Jahre, passt auch das Format 
der Münze. 

Dass Constantia nicht wie einst andere Kaiserschwestern 
(Drusilla, Marciana, Paulina)') konsekrirt wurde, und demnach 
der Titel Diva ihr fehlt, darf nicht auffallen; im Gegentheil 
steht dieser Umstand im Einklang mit dem Gebrauch im Zeit- 
alter Constantins. 

Aus vorstehender Untersuchung ergiebt sich, dass Nobi- 
lissimatsmünzen nur unter Constantin dem Grossen und nur auf 
drei Damen des kaiserlichen Hauses geschlagen wurden, und 
zwar zuerst auf Constantins Gemahlin Fausta (zwischen 307 und 
316), dann auf seine Mutter Helena, bei einem Anlass, der 
dieser und der Fausta gemeinsam ist (zwischen 307 bezw. 314 
und 316), und endlich auf des Kaisers Schwester Constantia, 
wahrscheinlich ums Jahr 330. 



1) Die griechische Offizinschiffre B schliesst eine Beziehung auf Con- 
stantina (Arles) aus. 

2) Die Diva Paulina ist nicht, wie gewöhnlich angenommen wird, als 
Gemahlin, sondern als Schwester Maximins I. anzusehen; ihr Gentilicium 
Julia (GIG. 4340) weist auf die Schwester des C. Julius Maximinus, passt 
indess nicht zu der Schwester Hadrians, deren Name Domitia Paulina ge- 
lautet hat. (GIL. Sic. Sard. 5054.) 

Zürich. Dr. E. A. Stückelberg. 



Der Denarfund von Zweinert 



Im Januar 1892 wurde auf dem Kirchhofe des Dorfes 
Zweinert bei Drossen (Kreis West- Sternberg) beim Auf werfen 
eines Grabes ein Gefäss mit einer bedeutenden Menge von 
Münzen (1163 ganzen Stücken und 424 Hälften) aufgefunden, 
welche mir zur Untersuchung übergeben worden sind. Es waren 
mit einer Ausnahme, Brandenburger Denare aus der zweiten 
Hälfte des 13. Jahrhunderts, deren Verzeichniss, unter Bezug- 
nahme auf die Beschreibungen in Bahrfeldt's trefflichem „Münz- 
wesen der Mark Brandenburgs hier folgt. 

1. Johann II, Otto IV f Conrad (1266-81). Markgraf 
mit 2 Helmen )( 2 Markgrafen mit Kuppelthurm. B 190. 1 Stück. 

2. Otto IV (1266 — 1308). Markgraf zwischen q — q 

X OTTO • MÄRCHI Kreuz. 17 Stück, 38 Hälften. 

Ein neuer Stempel zu B 193 b, abweichend durch den Punkt 
nach OTTO 

3. Markgraf zwischen 4 Adlerschilden )( Adlerschild mit 
— • T • B 195. 125 Stück, 110 Hälften. 

4. Otto IV, Conrad (1281—91). Zwei Markgrafen mit 
Lilienstab )( Bäumchen mit 2 Adlerschilden. B 217. 13 Stück, 
10 Hälften. 

5. Markgraf zwischen 2 oben verbundenen Thürmen )( 
2 Helme auf Erhöhung. B 219. 47 Stück, 9 Hälften. 

6. Otto V (1267—98). Markgraf mit 2 Vögeln )( 3 Adler- 
schilde mit — T — T B 224. 1 Stück. 

ZtfttMkrift fer Numismatik. XIX. g 



114 Fr. Bardt: 

7. Sitzender Markgraf mit OT — TO )( — TTO Helm. 
B 226. 1 Hälfte. 

8. Zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts. Markgraf mit 

2 Schlüsseln )( 4 Adlerschilde. (Prägestätte Salzwedel.) B 338. 
1 Stück, 7 Hälften. 

9. Markgraf zwischen 4 Halbmonden )( Auf treppenartiger 
Erhöhung Helm zwischen 2 Fahnen, darüber Adlerschild. (Präge- 
stätte Spandau.) B 344. 93 Stück, 15 Hälften. 

10. Sitzender Markgraf mit 2 Kreuzen )( Mauer mit 

3 Thürmen, im Thor Helm. (Desgl.) B 345. 3 Stück. 

11. Markgraf mit 2 Speeren )( 4 Helme um ein Kreuzchen. 
B 561. 68 Stück, 36 Hälften. 

12. Sitzender Markgraf mit 2 Thürmen )( 3 Lilienstäbe, da- 
zwischen 3 Helme. B 563. 8 Stück, 1 1 Hälften. 

13. Sitzender Markgraf mit 2 Kreuzen, daneben Thürmchen 
)( Lilienkreuz mit 4 Helmen. B 564. 1 Stück. 

14. Markgraf zwischen 2 Vögeln und 2 Helmen )( Vierpass 
mit Adlerschild auf Lilienkreuz. B 565. 3 Stück, 2 Hälften. 

15. Sitzender Markgraf mit 2 Lilien )( Kreuz im Vierpass. 
B 566. 3 Stück, 2 Hälften. 

16. Markgraf zwischen 2 Helmen und 2 Zinnenthürmen )( 
Kreuz mit 4 Adlerköpfen. B 567. 709 Stück, 32 Hälften. 

17. Sitzender Markgraf mit Schwert und Adlerschild, über 
letzterem Kreuzchen )( Grosse Lilie zwischen 2 behelmten Adler- 
schilden. B 571. 1 Bruchstück. 

18. Markgraf mit Schwert und Adlerschild, über dem letz- 
teren ein Kreuzchen )( Grosses Kreuz mit je einem kleineren 
in den Winkeln. B 572. 60 Stück, 14 Hälften. 

19. Letzte Zeit der Anhaltiner. Markgraf mit 2 Balken 
)( Zwillingsfadenkreuz mit 4 Lilien. B 584. 5 Stück. 





20. Adler )(Auf einem Bogen, unter welchem anscheinend 



Der Denarfund ton Zweinert. 115 

ein Röschen, Thurm zwischen 2 Fahnen. Neben dem Thurmknopf 
2 Ringel. 1 Stück. 

Bei B 676 nach dem einzigen, bisher bekannten, aber un- 
deutlichen Exemplare des Berliner Kabinets abgebildet. Auch 
die Rückseite des vorliegenden Stückes zeigt etwas Doppel- 
schlag, das Gepräge ist aber trotzdem zweifellos. Dasselbe er- 
innert auffallend an den Bracteaten Nr. 47 des Wolkenberger 
und Nr. 134 des Gross -Briesener Fundes, den Bahrfeldt neuer- 
dings (Berl. Münzbl. Sp. 1238 Nr. 96) nach der Niederlausitz 
gewiesen hat, den ich aber jetzt eher für brandenburgisch halten 
möchte. 





21. Obol. Stern von 8 Strahlen )( Kreuz in einem Vierpass. 
1 Stück. Gr. 12 mm. Gew. 0,4 gr. 

22. Pommern. 2 gekrönte Köpfe zur Seite eines oben in 
Lilien ausgehenden Kreuzes )( Ä in einem Kreise, von Ringeln 
umgeben. 1 Stück. 

Ausserdem fand sich (neben 32 unkenntlichen Hälften) noch 
ein Münzchen undeutlichen Gepräges vor, das auch nach Pom- 
mern gehören kann. 

Dass Nr. 22 pommerschen Ursprungs ist, habe ich bereits 
Bd. II S. 144, 9 dieser Zeitschrift nachgewiesen, und Dannenberg 
ist dem Bd. IV S. 248, 6 beigetreten. Das Vorkommen dieses 
sicher pommerschen Pfennigs in nur einem Stücke unter so 
vielen sicher brandenburgischen Pfennigen ist sehr auffallend, 
darf aber nicht dazu verführen, auch Nr. 21, die meines Wissens 
bisher unbekannt ist, nach Pommern zu legen. Die Fabrik ist 
ganz brandenburgisch, das Kreuz der Rückseite erscheint öfters 
auf brandenburgischen Pfennigen (z. B. B 566, 672; ersterer un- 
sere Nr. 15), und der Stern auf der Hauptseite darf keinenfalls 
auf Stargard gedeutet werden, dessen Stern wohl überall nur 
6 Strahlen zeigt. 

8* 



116 Fr. Bardt: Der Denarfund von Zweinert. 

Die jüngste Münze des Fundes ist Nr. 16; ihr steht der 
Stückzahl nach am nächsten Nr. 3, dann Nr. 9. Die Gepräge, 
die nur in wenigen Exemplaren vorhanden sind, werden daher 
älter sein als Nr. 16, die von Bahrfeldt gewiss mit Recht in die 
zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts gesetzt ist. Nr. 20 wird 
daher nicht, wie Bahrfeldt meint, in die bayrische Zeit gehören 
können, wogegen auch das ganze Aussehen der Münze, die einen 
etwas alterthümlichen Eindruck macht, spricht. Welche von 
den Otto-Münzen dem vierten oder fünften beizulegen sind, 
darüber giebt unser Fund keinen Aufschluss. Will man darauf 
Gewicht legen, dass der Fundort zu den Besitzungen der otto- 
nischen Linie gehört hat, so dürfte Nr. 3 an Otto V zu geben 
sein ; ich glaube aber, dass der Fundort allein nicht entscheidend 
sein kann. 

Frankfurt a. 0. Fr. Bardt. 



Über das Münzrecht der Bischöfe von Leims. 



In den Mittheilungen der Numismatischen Gesellschaft in 
Berlin (III S. 374 ff.) hat Dannenberg einen schon von Mader 
(Kritische Beiträge IV Taf. 6 Nr. 85) bekannt gemachten Denar 
entschieden brandenburgischen Gepräges: 

Infulirtes Brustbild mit Krumm- und Kreuzstab über 
einer Leiste; zu beiden Seiten und unten je ein Punkt 
Rf. ÖO — HR — KD — I * Zwillingsfadenkreuz mit je 
einem Punkte in den Winkeln 

dem Bischöfe Conrad I von Lebus (1284—99) zugewiesen. 
Bahrfeldt (Münzwesen der Mark Brandenburg S. 262 ff.) ist dieser 
Bestimmung aus den von Dannenberg entwickelten Gründen bei- 
getreten und hat neuerdings (Berl. Münzblätter Nr. 137 Sp. 1216) 
drei Bracteaten mit einem geistlichen Herrn, auf deren einem 
(Nr. 21) er die Buchstaben fl — B zu erkennen glaubt, in Folge 
dessen gleichfalls demselben Bischöfe zugetheilt. Beide Schrift- 
steller gehen hierbei stillschweigend von der Ansicht aus, dass 
den Bischöfen von Lebus (wie denen von Brandenburg und 
Havelberg) die Münzgerechtigkeit zugestanden habe, sie treten 
in eine Erörterung hierüber nicht ein, und Bahrfeldt erwähnt 
nur kurz die später zu besprechende Urkunde von 1252 (S. 50 
und S. 262), in welcher der Münze im Lande Lebus Erwähnung 
geschieht 

Die älteste Geschichte des Bisthums und des Landes Lebus 
ist jüngst von Dr. Breitenbach (das Land Lebus unter den 



118 Fr. Bardt: 

Piasten, Fürstenwalde 1890) einer Neubearbeitung unterzogen 
worden, in welcher, wenn auch immer auf Grundlage von Wohl- 
brück's Geschichte des ehemaligen Bisthums und Landes Lebus 
(Berlin 1829—33), die neueren Forschungen und Urkunden- 
Ergebnisse auf das sorgsamste berücksichtigt sind, so dass das 
Buch über den neuesten Stand der Wissenschaft auf diesem 
schwierigen Gebiete den zuverlässigsten Aufschluss giebt. 
Namentlich erscheinen in ihm die Beziehungen der Erzbischöfe 
von Magdeburg zu dem Lande und den Bischöfen von Lebus in 
klarem Lichte, und grade diese Beziehungen sind es, welche 
von den Numismatikern bisher nicht genügend gewürdigt sind. 
Die Erzbischöfe von Magdeburg, an der Grenze der deut- 
schen und slavischen Welt residirend, hatten schon früh be- 
hufs Ausdehnung ihrer Macht den Blick nach dem Osten ge- 
richtet. Als der Polenherzog Mesko I (965—92) es für gut 
fand, im Jahre 965 zum Christentum überzutreten, wurde das 
einzige damals errichtete Bisthum in Posen dem Erzbischofe in 
Magdeburg unterstellt. Im Jahre 1000 wurde das Erzbistum 
Gnesen mit den Suffragan-Bisthümern Erakau, Breslau und 
Kolberg errichtet, Posen indessen noch unter der geistlichen 
Oberhoheit Magdeburgs belassen 1 ), sein Sprengel jedoch auf 
das westliche Grosspolen beschränkt. Zu diesem gehörte 
zweifellos auch das Land Lebus, da die polnische Herrschaft 
sich damals noch auf das linke Oderufer, namentlich auf das 
Lebuser Plateau, erstreckte. Magdeburg begnügte sich aber bald 
nicht mehr mit geistlichen Hoheitsrechten, sondern strebte auch 
nach materiellem Besitz. Im Jahre 1109 unternahm Kaiser 
Heinrich V gegen den Polenherzog Boleslaw III (1102 — 38) einen 
Feldzug, um die Anerkennung der Oberhoheit des Reiches zu 
erzwingen. Er wandte sich zunächst gegen die Feste Lebus, die 
hier zum ersten Male in der Geschichte erscheint, befasste sich 
aber nicht mit der Erstürmung derselben, sondern überliess 
diese dem Erzbischofe Adelgot von Magdeburg, dem er den 



1) Breitenbach S. 12. 



Über das Münzrecht der Bischöfe von Lebus. 119 

Besitz der Burg urkundlich zusicherte 1 ). Ob diesem die Er- 
oberung gelang, ist nicht überliefert; jedenfalls befand sich die- 
selbe bald darauf wieder in den Händen der Polen. Im Jahre 
1133 geschieht des Bisthums Lebus zuerst urkundliche Erwäh- 
nung: der Bischof Bernhard von Lebus hat der Einweihung des 
Klosters Strzelno beigewohnt. Bekanntlich ist über die Grün- 
dung des Bisthums nichts sicheres zu ermitteln; dieselbe ist mit 
hoher Wahrscheinlichkeit 2 ) dem Herzog Boleslaw III zuzu- 
schreiben, da der posensche Sprengel allmälig zu gross ge- 
worden war und deshalb ein Theil zu einem neuen Bisthum 
abgezweigt werden musste. Unterstellt wurde dasselbe dem 
Erzbisthum Gnesen, unter welchem es bis in die Tage des Basler 
Konzils verblieb, obgleich Erzbischof Norbert von Magdeburg 
sich 1133 vom Papste Innocenz II seine Metropolitanrechte 
über die polnischen Bisthümer, darunter auch Lebus, hatte be- 
stätigen lassen. Je weniger es hiernach den Erzbischöfen ge- 
lang, eine geistliche Jurisdiction über das Bisthum zu erlangen, 
um so zäher hielten sie, auf der oben erwänten Schenkung 
Heinrich's V fussend, den Gedanken fest, auf derselben eine 
Territorial-Herrschaft zu gründen. Waren die Grenzen des 
Erzstifts doch schon erheblich n^ch Osten vorgeschoben*): auf 
dem rechten Eibufer hatte es einen zusammenhängenden Streifen 
(den ducatus transalbinus) bis in die Gegend von Zerbst 
erworben, zwischen 1157 und 1161 eroberte Erzbischof Wich- 
mann ein beträchtliches Gebiet um Jüterbogk und durch Tausch 
erwarb er das auf der Grenze zwischen der Lausitz und dem 
Teltow liegende Dahme. Im Jahre 1207 lässt sich Erzbischof 
Albrecht I (1205—32) vom König Philipp Bisthum, Schloss und 
Stadt Lebus (episcopatum, castrum et civitatem Lubuz cum 
omnibus justitiis et proventibus) schenken, und diese Schenkung 
wird 1226 vom Kaiser Friedrich II in Parma bestätigt Wer 
nach dem Tode Boleslaw III, den wir oben als den Besitzer des 

1) A. a. 0. S. 16. 

2) A. *. 0. 8. 18. 

3) A. » 0. S. 34. 



120 Fr. Bardt: 

Landes Lebus 1 ) gesehen haben, bei der Theilung das letztere 
erhalten hat, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen: wahrschein- 
lich wird es seinem Sohne Mesko III (f 1202) als ein Theil 
Grosspolens zugefallen sein, nnd von ihm ist es auf seinen Sohn 
Wladyslaw Laskonogi (f 1231) vererbt worden, der 1209 als 
Besitzer von Lebus erwähnt wird 9 ). Gegen ihn zogen zwei 
deutsche Fürsten mit Heeresmacht, um das Schloss Lebus zu 
erobern: 1209 Markgraf Conrad II von der Lausitz, der das 
Schloss zwar eroberte, aber wohl nicht lange im Besitz behielt, 
da Heinrich I von Mittel-Schlesien im Jahre 1217 Stadt und 
Land Lebus seinem grosspolnischen Vetter Wladyslaw Laskonogi, 
mit dem er in Fehde gerathen war und dem er es offenbar ab- 
genommen hatte, zurückgiebt. Im Jahre 1224 oder 1225 aber 
wird von einem neuen Heerzuge des Landgrafen Ludwig IV von 
Thüringen gegen Lebus berichtet, das am 11. August dem 
Landgrafen von der Besatzung übergeben wurde. Sehr lange 
wird aber auch der Landgraf das Schloss nicht innegehabt haben, 
denn seit 1225 ist Herzog Heinrich I der Bärtige von Mittel- 
Schlesien (f 1238) dauernd im Besitze des Landes, das er ver- 
muthlich im Wege des Vertrages von Wladyslaw Laskonogi 
zurückerhalten hatte. 

Während wir nicht wissen, welchen Erfolg die Schenkung 
des Landes im Jahre 1 207 gehabt hat, muss der Erzbischof von 
Magdeburg nach 1226 doch den Versuch gemacht haben, sich 
im Lande festzusetzen; er scheint wenigstens den westlichen 
Theil desselben innegehabt zu haben, denn er schenkt 1230 das 
Dorf Tzschetzschnow (bei Frankfurt) mit 100 Hufen dem Moritz- 
stift in Halle*), und es wird von Heerfahrten berichtet, die 



1) Das Land Lebus umfasste damals and während des ganzen hier 
interessirenden Zeitraumes nicht nur den jetzigen Kreis Lebus, sondern auch 
das Land Cüstrin, die Kreise West- und Ost -Sternberg (mit Ausnahme des 
östlichsten Theiles des letzteren) und den nördlichsten Theil des jetzigen 
Kreises Guben. Seine Grenzen und die des Bisthums haben sich im wesent- 
lichen gedeckt. 

2) A. a. 0. S. 47. 

3) A. a. 0. S. 59. 



Über das Mttnzrecht der Bischöfe von Lebus. 121 

Herzog Heinrich, von Grossen aus, in den Jahren 1229 und 1230 
gegen den Erzbischof unternehmen musste. Der letztere (Wil- 
brand) liess aber in seinen Versuchen, sich des Landes zu be- 
mächtigen, nicht nach, er verbündete sich mit den Markgrafen 
Johann I und Otto III von Brandenburg, die ihrerseits gleich- 
falls ihr Augenmerk auf das Land gerichtet hatten, und bestürmte 
1239 mit ihnen die Feste Lebus, aber vergeblich. Im Jahre 1244 
erscheint Herzog Boleslaw der Kahle von Nieder - Schlesien 
(f 1278), ein Enkel Heinrich's I, als Besitzer des Landes Lebus, 
und unter ihm kommt Magdeburg endlich zu dem erstrebten 
Ziele: um sich Hülfe gegen seinen Bruder Heinrich III von 
Mittel -Schlesien zu verschaffen, tritt er durch Vertrag am 
20. April 1249 *) dem Erzbischof Wilbrand die eine Hälfte des 
. Landes völlig ab und nimmt die andere Hälfte desselben von 
ihm zu Lehen. Es heisst in der Urkunde wörtlich: 

Sane recognoscimus et tenore presencium protestamur, 
quod venerabilis in christo pater et dominus noster Wil- 
brandus, Archiepiscopus Magdeburgensis, et Ecclesia sua 
nobiscum et cum heredibus nostris fidei puritatem per- 
petue, que pacis servare vinculum proponentes sibi et 
ecclesie sue unum de Castris lubus inferius videlicet et 
finale, medietatem medii nee non medietatem Civitatis et 
districtus tocius tantum pertinentis ad Castrum ex utraque 
parte Ödere fluminis cessimus per medium equa lance. 
Aliud autem finale superius et medietatem medii nobis et 
nostris heredibus servantes, que in feodo tenebimus de ma- 
nibus suis et successorum suorum. Jus etiam^ quod 
habuimus in patronatu Episcopatus, prepositure et Officio 
Castellanie nobis sicut hactenus salvum erit, tenebimus tarnen 
in feodo hec ab ipso cum Supanis et attinentiis quibus- 
eunque. Dominus eciam Episcopus, prepositus et Clerus 
omnis in Castro libertatem omni modum retinebunt, quam 
hactenus habuerunt. Castrenses nostri, quos Lubus habe- 
bimus, domino Archiepisco jurahunt etc. 

1) Riedel, Cod. dipl. Brand. I, 21 S. :W6. 



122 Fr. Bardt: 

Es folgt dann eine genaue Grenzbeschreibung des Landes 
Lebus, welche es ermöglicht, diesen Grenzen fast überall noch 
heute nachzugehen. Eigentümlicher Weise bestimmt die Ur- 
kunde, abgesehen von Schloss und Stadt Lebus, nicht, wie die 
Theilung thatsächlich ausgeführt werden sollte. Vermuthlich ist 
es zu einer solchen gar nicht gekommen, denn Boleslaw's Lage 
verschlechterte sich immer mehr, er wurde von allen Anhängern 
verlassen und bereits 1250 nahmen, wie die späteren polnischen 
Historiker berichten, ohne indessen des Vertrages mit Magdeburg 
von 1249 zu gedenken, die brandenburgischen Markgrafen 
Johann I und Otto III (von der Ottonischen Linie) die andere 
noch Boleslaw verbliebene Hälfte des Landes in Besitz 1 ). Viel- 
leicht zog es der Erzbischof vor, anstatt mit dem machtlosen 
Boleslaw sich sogleich mit seinen mächtigen Nachbarn, den 
Askaniern, ins Einvernehmen zu setzen, die wir als Mitbewerber 
um das Land Lebus bereits kennen gelernt haben. Zwischen 
ihnen ist es denn auch zu einer thatsächlichen Theilung des 
Landes gekommen, wie die Urkunde vom 12. März 1252, deren 
oben schon gedacht ist, ergiebt, in der von der bevorstehenden 
Theilung des Landes die Rede ist. Eine solche in zwei zusammen- 
hängende Hälften ist nicht beliebt worden, vielmehr wurden 
jedem Besitzer einzelne Districte diesseits und jenseits der Oder 
zugewiesen. Zu dem Antheile des Erzbischofs von Magdeburg 
gehörten die Gegenden von Müncheberg, Buckow, Sternberg und 
Fürstenberg, wahrscheinlich auch von Göritz, während wir die 
Markgrafen in der Gegend von Müllrose, welches Otto III grün- 
dete, Fürstenwalde und Zielenzig sehen 9 ). 

Aus dem Gesagten ergiebt sich nun Folgendes. Landes- 
herren des Landes Lebus waren bis zum Jahre 1249 die plasti- 
schen Herzöge von Schlesien, denen dieser Landestheil bei der 
Theilung des polnischen Reiches nach dem Tode Boleslaw's III 
zugefallen war. Als solche waren sie Souveräne und hatten das 



1) A. a. 0. S. 101. 

2) Wohlbrück I S. 174 ff. 



Über das Münzrecht der Bischöfe von Lebus. 123 

Patronat über das Bisthum und die Propstei zu Lebus, wie die 
Urkunde von 1249 ergiebt. Für eine Landeshoheit der Bischöfe 
in ihrer Diöcese (deren Grenzen mit der des Landes Lebus 
zusammenfallen) war somit kein Raum, um so weniger, als der 
Güterbesitz der Bischöfe im Lande Lebus zu jener Zeit ein ganz 
unbedeutender war; er bestand 1252 nur aus den Dörfern 
Seelow (dem späteren Städtchen), Wuhden, Göritz, Golescowitz 
und der Marktstadt Drossen 1 ). Der Hauptbesitz lag damals 
noch in Polen ; derselbe wurde erst viel später veräussert. Eine 
besondere Machtstellung nahmen daher die Bischöfe im Lande 
Lebus nicht ein und die ersten Bischöfe bis in die Mitte des 
13. Jahrhunderts traten herzlich wenig hervor. Auch der Ver- 
trag von 1249 wird ohne ihre Mitwirkung abgeschlossen, nicht 
einmal Schloss und Stadt Lebus, in dem sie doch damals bereits 
residirten, ist von ihren Mannen besetzt, sondern von denen des 
Herzogs und dieser bedingt sich nur aus, dass Bischof, Propst 
und der gesammte Clerus in ihren bisherigen Freiheiten erhalten 
bleiben sollen. Wenn sich nun der Herzog zwar den Patronat 
über das Bisthum und die Propstei vorbehält, denselben aber 
vom Erzbischof zu Lehn nimmt, so ist nunmehr der letztere an 
Stelle des früheren Landesherrn der Souverän geworden, dem 
gegenüber der Bischof als Unterthan erscheint, und in diesem 
Sinne tritt auch sofort der Erzbischof in seinen Landestheilen 
auf. Behufs Kolonisation des wenig angebauten und nur dünn 
bevölkerten Landes ') hatte nämlich Herzog Heinrich von Schlesien 
bedeutende Landschenkungen an geistliche Stifter gemacht: 1225 
an die Klöster Leubus und Trebnitz 400 Hufen mit dem Rechte 
zur Anlegung eines Marktortes (des späteren Müncheberg), 1226 
100 Hufen an das Kloster Naumburg a. B., vor 1229 250 Hufen 
an den Templerorden, die später noch um 100 Hufen vermehrt 



1) A. a. 0. S. 122. 

2) Als Stadt war aus altslatischer Zeit nur Lebus vorhanden, das aller- 
dings nicht unbedeutend war. Frankfurt wurde erst 1253, Müncheberg um 
1232, Müllrose tor 1275, Fürstenwalde nicht tor 1250 gegründet. Zielemig 
wird 1244, Drossen 1252 als Stadt erwähnt. 



124 Fr. Bardt: 

wurden; letzterer erhielt ausserdem bedeutende Besitzungen auf 
dem rechten Oderufer und im Lande Cüstrin. Gestützt auf die 
Schenkung des Landes Lebus, welche die Erzbischöfe von Magde- 
burg in den Jahren 1207 und 1226, wie erwähnt, von den 
deutschen Kaisern erhalten hatten, erklärte nunmehr Erzbischof 
Wilbrand die Schenkungen Heinrich's für ungültig und zwang 
die geistlichen Güterbesitzer, sich mit ihm auseinanderzusetzen, 
was ihnen ohne erhebliche Opfer an Land und Leuten nicht ge- 
lang. Auch den Lebuser Bischof hielt der Erzbischof in völliger 
Abhängigkeit. Zwar wird dem Bischöfe in der Urkunde von 
1252 die Jurisdiction auf seinen oben genannten Stiftsbesitzungen 
belassen, während die übrigen geistlichen Stifter dieselbe ver- 
loren; als Zehnt wird ihm aber nur ein halber Vierdung magde- 
burgischen Silbers von der flämischen Hufe bewilligt, während 
nach schlesischem Rechte sonst ein ganzer Vierdung gegeben 
wurde; die andere Hälfte zog sicherlich der Erzbischof als 
Landesherr ein 1 ). Bischof Wilhelm musste sich aber dem Erz- 
bischofe Conrad von Magdeburg in einem Vergleiche vom 
21. März 1276') verpflichten, seinen Sitz von Lebus an einen 
anderen Ort seiner Diöcese zu verlegen, der in dem Gebietsteile 
des Erzbischofs lag (was bald nachher nach G-öritz geschah), und 
anerkennen, dass der Erzbischof der wahre Patron der Lebnser 
Propstei sei. Zur Schlichtung aller Streitigkeiten wurden vier 
Schiedsrichter, zwei von jedem Theile, bestellt, deren Obmann 
aber der Erzbischof selbst ist! Und 1278 muss gar Bischof 
Wilhelm erklären, seine Stadt Seelow nicht zum Nachtheil und 
ohne Genehmigung des Erzbischofs veräussern zu wollen 3 ). Hat 
hiernach der Bischof niemals die Landeshoheit besessen und sie 
auch später nicht erlangt 4 ), so kann auch nicht vermuthet 



1) A. a. 0. S. 109. 

2) Biedel I, 20 S. 188. 

3) Riedel I, 20 S. 189. 

4) A. a. 0. S. 111 und Hädicke, die Beichsunmittelbarkeit und Landstaig- 
keit der Bisthümer Brandenburg und Havelberg (Schulpforter Programm 
1882 S. 4). 



Ober das Münsrecht der Bischöfe von Lebus. 125 

werden, dass er im Besitze des Münzrechts gewesen ist. Er 
könnte es freilich thatsächlich ausgeübt haben, allein dagegen 
spricht sein geringer Güterbesitz im Lande Lebus und seine 
unbedeutende Machtstellung. Wir haben indessen auch ein 
directes Zeugniss gegen dasselbe in der oft erwähnten Urkunde 
von 1252 1 ). In derselben, in welcher es sich um die Zehnten 
des Bischofs im erzbischöflichen Landestheile handelt, sagt Erz- 
bischof Wilbrand wörtlich: 

lue quod de nostro, Capituli nostri, nee non et ipsius 

domini Lubusani consensu ipsi et sui successores habebunt 

in theloneo, moneta et deeima partis ülius, que nos facta 

cum Brandburgensibus marchionibus terre divisione con- 

tinget, presentibus declarantes recognoseimus, quod assigna- 

vimus sibi partem deeimam lucri, thelonei et monete cum 

suis attinentiis et quod sibi dabitur annuatim nomine deeime 

dimidius ferto argenti Magdeburgensis de unoquoque manso 

flamingo etc. 

Bahrfeldt giebt den Inhalt dieser Stelle dahin an, dass Bischof 

Wilhelm dem Erzbischofe Wilbrand den Zehnten und die Münze 

im Lebuser Lande überlassen habe. Dies steht indessen nicht 

in der Urkunde, vielmehr lautet die wörtliche Übersetzung: 

Das Recht, welches sie und ihre Nachfolger (nämlich 
die Bischöfe von Lebus) in Übereinstimmung mit uns 
(nämlich dem Erzbischofe), unserem Kapitel und nicht 
minder dem Lebusischen Herrn selber an den Zöllen, 
der Münze und dem Zehnten desjenigen Landestheiles 
haben werden, welcher uns nach der mit den branden- 
burgischen Markgrafen vorgenommenen Theilung zufallen 
wird, erkennen wir durch gegenwärtiges dahin an, dass 
wir ihnen den 10. Theil von den Gerichtsgefallen, den 
Zöllen und der Münze mit ihren Zubehörungen zuge- 
wiesen haben, und däss ihnen jährlich als Zehnten 
4 Vierdung Magdeburgischen Silbers von der flämischen 
Hufe gegeben werden wird." 

1) Riedel I, 20 S. 183. 



126 Fr. Bardt: 

Aus dieser Vereinbarung ergiebt sich zunächst, dass damals 
im Lande Lebus eine Münze bestand, sicherlich in Lebus selbst, 
wo der Sitz des Kastellans und der Landesverwaltung war; auch 
die brandenburgischen und magdeburgischen Voigte hatten dort 
ihren Sitz 1 ). Nach dem Gesagten konnte dies nur eine landes 
herrliche Münze sein, und auf diese weist der Erzbischof, als 
der jetzige Landesherr, den Bischof mit gewissen Einkünften an, 
nicht aber überlässt der Bischof dem Erzbischofe die Münze. 
Wer über die Einkünfte aus der Münze verfügt und andere 
darauf anweist, ist eben der Inhaber der Münze, und das ist 
hier der Erzbischof. Von einer Münzthätigkeit der Bischöfe 
kann also jedenfalls seit 1252 nicht mehr die Rede sein. Dies 
erhellt auch aus der Urkunde von 1276, denn in dieser wird 
zur Schlichtung der Streitigkeiten, welche wegen des Münzzehnten 
entstehen, auch das in dieser Urkunde eingesetzte Schiedsgericht 
berufen '). Es ist auch nicht ausser Acht zu lassen, dass in der 
Urkunde von 1252 von Magdeburger Währung die Rede ist; 
auch dies deutet darauf hin, dass der Münzherr im Magdeburger 
Antheil der Erzbischof gewesen ist. 

Sonach dürfte bewiesen sein, dass unser Denar von dem 
Bischöfe Conrad I von Lebus nicht geprägt sein kann. Dann 
bleibt aber nichts anderes übrig, als ihn dem Erzbischofe 
Conrad II von Magdeburg (1266—77) zuzuweisen, dessen mäch- 
tiges Walten als Landesherr im Lande Lebus wir kennen gelernt 
haben und den auch Dannenberg ') als Mitbewerber gelten lässt, 
dem er ihn aber als magdeburgisches Gepräge absprechen muss. 
Wenn jetzt feststeht, dass die Erzbischöfe in Lebus gemünzt 
haben, so fallen damit alle Bedenken, welche Dannenberg gegen 
den magdeburgischen Ursprung der Münze hegt. 

Wie lange die Erzbischöfe von Magdeburg im Besitze des 



1) A. a. 0. S. 125. 

2) De secundo quoque lotone petito ratione decime ac de decima vini 
theolonei carnium et monete in nos et in predictos quatuor est sub forma 
con8imili compromissum. 

3) Mittheilungen III S. 280 und diese Zeitschrift Bd. III S. 160. 



Über das Münzrecht der Bischöfe von Lebus. 127 

Lebuser Landes geblieben sind, lässt sich nicht mit Sicherheit 
angeben. Wohlbrück vermuthet (I S. 410 ff.), dass Erzbischof 
Erich (1283—95) seinen Brüdern Otto IV und Conrad (von der 
johanneischen Linie) seinen Antheil an dem Lande abgetreten 
habe, und zwar zwischen 1284 — 1287, so dass nun die branden- 
burgischen Markgrafen den von ihnen so lange erstrebten Besitz 
des ganzen Landes erhielten. Aus dieser Abtretung kann aber, 
wie Dannenberg (a. a. 0. S. 279) es thut, nichts zu Gunsten des 
Bischofs Conrad I als Münzherrn hergeleitet werden, denn in den 
staatsrechtlichen Verhältnissen des Bisthums änderte sich durch 
diesen Wechsel des einen Landesherrn nichts, und grade unter 
der Alleinherrschaft der Askanier bildete sich, wie Breitenbach 
(S. 112) darlegt, die Landsässigkeit der Bischöfe deutlich heraus. 
Andere sichere Münzen der Erzbischöfe von Magdeburg aus 
der Münzstätte Lebus sind mir nicht bekannt. Manche der aus 
den Funden des Ostens zum Vorschein gekommenen stummen 
Bracteaten mit einem geistlichen Herrn werden hierher gewiesen 
werden können, und wenn man erwägt, dass es sich um ein erst 
in der Colonisation befindliches Gebiet mit nur halbfertigen 
Zuständen handelt, so wird man aus den magdeburgischen 
Münzen, namentlich aus den Moritzpfennigen, diejenigen für 
Lebus aussondern können, welche ein flüchtiges und wenig 
künstlerisches Gepräge zeigen. Ich denke dabei insbesondere 
an die Stücke Nr. 74 — 84 des Gross-Briesener Fundes ; namentlich 
der Moritzpfennig Nr. 81 hat ein von den sonstigen Moritz- 
pfennigen abweichendes und roheres Gepräge. Auch von den 
von Bahrfeldt (Berl. Münzblätter Sp. 1209 ff.) bekannt gemachten 
Stocken mag manches hierher gehören. Stehen auf Nr. 21 
wirklich die Buchstaben Q — B (nach der Zeichnung sind es mehr 
Anhängsel der Fahnenschäfte), so Hessen sich dieselben zwangslos 
auf Erzbischof Erich deuten. Auch die Wilbrand Bracteaten 
des Filehner Fundes (Taf. 7 Nr. 240ab) dürften hierher gehören. 

Frankfurt a. 0. Fr. Bardt. 



Zur antiken Münzkunde. 



1. Apollon Karinos in Byzantion. 

Auf dem Revers von Bronzemünzen von Byzanz mit dem 
lorbeerbekränzten Haupt des Apollon im Obv. ist dargestellt ein 
Gegenstand, welcher von Mionnet I 377, 93. 94; Suppl. II 243, 229 
und im Cat. of gr. c. in the Brit. Mus. Thrace p. 96 Nr. 37 als 
Obelisk, in der Beschreibung der ant. Münzen [des E. Münzkab. 
zu Berlin] I p. 147 Nr. 56 als „Säule (?) auf einer rundlichen, 
mit einem Netzwerk überzogenen Basis" bezeichnet wird. 
Overbeck, Apollon p. 4 beschreibt den Typus als einen den 
Apollon - Agalmaten auf den Münzen der epirotischen und 
illyrischen Städte ähnlichen Gegenstand, hält es aber, in An- 
betracht, dass die in Rede stehenden Münzen von Byzanz ver- 
hältnissmässig spät sind, für nicht unmöglich, dass hier wirklich 
ein Obelisk dargestellt ist Nun ist Byzanz bekanntlich eine 
Colonie von Megara. Der Cultus von Byzanz ist wie 0. Frick 
in Pauly's R. E. I 2 p. 2613 bemerkt „im Ganzen eine treue 
Copie der megarischen Mutterstadt". Von Megara berichtet 
Paus. I, 44, 2: 

"Eöxi dl iv %& yV[AVa<fi(p %& aq%aim nXffiiov nvXdSy 

* xakovpivwv Nv(JKpad<ov Xi&og naqexopsvoq nvQapldog 

<*XW a °v p>£Y<&H$* tofaov^AnoXXwva ovo(Acc£ov<fi Kaqwov. 

Diesen Apollon Karinos hat man in dem bald allein, bald 
zwischen zwei Delphinen dargestellten Obelisk auf Bronzemünzen 
von Megara erkannt, Head, Hist. Num. p. 329 f.; Cat of greek c. 



W. Drexler: Zur antiken Münzkunde. 129 

[in the Brit. Mus.] Attica-Megaris-Aegina p. 121 Nr. 35; Nr. 36, 
PL XXI, 13; Nr. 37—39; Imhoof and Gardner, Num. Comm. on 
Paus. p. 6, PI. A, 8. Es dürfte daher nicht zu kühn sein, zu 
vermuthen, dass wir in dem Obelisk auf Münzen von Byzanz 
gleichfalls den Apollon Karinos zu sehen haben. 

2. Einige MUnztypen von Aphrodisias. 

Fox, Engravings of unpublished or rare greek coins. 
Part II p. 16 Nr. 97, PL V beschreibt folgende Münze des 
Gallienus von Aphrodisias: 

AY KAI no AI TAAAIHNOC. Radiated bust of Gallienus. 

Rf. A4>POAICI6ßN. Meleager attacking the wild boar with 
a hunting-spear. M 7. 

Die Erklärung der, abgesehen von der flatternden Chlamys, 
nackten Jünglingsfigur als Meleager wird kaum jemand be- 
friedigen. Bei einer Stadt, deren Münzen vorzugsweise Aphrodite 
und deren Kreis verherrlichen, wird man am ersten an eine 
Person denken, welche dieser Gottin nahe stand. Da nun andere 
Münzen von Aphrodisias die Geburt des Adonis darstellen, 
s. Imhoof, Griech. Münzen p. 666 f. Nr. 422, liegt es am nächsten 
in der Gestalt des Jünglings Adonis zu erkennen. 



Wegen des Rades bei Aphrodite würde folgende Münze bei 
Leake, Num. Hell. Suppl. Asia p. 21 interessant sein: 
AHMOC. Laureate young male head to r. 
Rf A4>POA6ICI6fiN. Venus Urania? in long drapery right; 
in field to 1. above, star; below seated figure to r.; in 
field to r. above, crescent; below, wheel. M 5. 
Das Rad ist bei Aphrodite nicht unerhört, s. Lajard, Rech, 
sur le culte de V6nus p. 51; 0. Jahn, Ber. d. Kgl. Sachs. Ges. 
d. W. z. Leipzig 1854 p. 256; Ann. d. Inst. 29 p. 139; Stephani, 
C. r. p. Pa. 1862 p. 6; p. Pa. 1863 p. 215; p. Pa. 1864 p. Ulf.; 
p. Pa. 1865 p. 79 Note 3; Bernoulli, Aphrodite p. 394; Wieseler, 
Goett. Gel. Anz. 1863 p. 1945; Wieseler, De scala symbolo 
p. 10f., p. 15; Goett. Nachr. 1879 p. 38. Indessen auf der 

Ztitaduift fer Numismatik. XIX. 9 



130 W. Drexler: 

Münze von Aphrodisias ist das angebliche Bad nichts anderes 
als eine Rose. Ein Exemplar der in Rede stehenden Münze im 
Berliner Gabinet zeigt die Rose fast ganz wie ein Rad gestaltet 
und macht Leake's Irrthum leicht erklärlich. 



Aphrodite dürfen wir unbedenklich erkennen auf einer 
Kleinbronze bei Leake, Num. Hell. As. Gr. p. 24: 

AHMOC. Laureate head with long hair to r. 

Rf. A4POA6ICI6&N. Female, riding on ram, to r.; ram 
looking 1.; her right hand holds her veil; her left, 
ears of com. JE 4K. 

Aphrodite auf dem Bock ist aus zahlreichen Bildwerken 
bekannt, Stephani, C. r. p. Fa. 1869 p. 87—88; Flasch, Angeb- 
liche Argonautenbilder. München 1870 p. 4 ff.; Wieseler, Gott. 
Gel. Anz. 1874 p. 327, 329—332; Baumeister, Denkm. d. cl. A. 
p. 94; E. Pottier, S. Reinach, A. Veyries, La nöcropole de Myrina 
p. 162, 175, 293—296, 462 f., 519; Furtwängler, Jahrb. d. Ksl. 
D. A. Inst 3. 1888 p. 251; Boehm, ibid. p. 208—217; Duc de 
Luynes, Num. Chypriote PI. V, 3; VI, 5; Carl Peez, N. Z. 16, 
1884 p. 306. 

Doch ist Leake's Beschreibung ungenau. Der Typus ist 
offenbar identisch mit dem von Imhoof, Griech. Münzen p. 666 
Nr. 420, Taf. IX, 28 aus seiner Sammlung so beschriebenen: 

Br. 20. — AHMOC rechts. Brustbild des Demos mit 
Lorbeer und Gewand r. h. 

Rf. A<DPO | ABICie | ßN. Weibliche Figur mit nacktem 
Oberkörper r. h. auf einem Ungeheuer reitend, das 
aus dem Vordertheil eines Ziegenbockes mit rück- 
gewandtem Kopfe, und einem mehrfach geringelten 
Drachenschwanz gebildet ist. Die sitzende Frau 
stützt sich mit der Rechten auf den Rücken des 
Thieres, in der Linken hält sie den Peplos, der über 
ihrem Haupte bogenförmig aufgebläht ist. 



Zur antiken Münzkunde. 131 

Dieser Typus findet sich auch verzeichnet in Cat of greek 
coins of cities and princes, collected abroad. . . . London 8 th of 
July 1874 p. 23 Nr. 390: 

Aphrodisias, AHMOC, youthful Bust laurelled. 
Rf. Thetis on sea-monster, fore-part of goat with tail 
of fish, size 6, fine and unpublished. 

Auf einem Gameo aus Apulien im Brit. Mus. ist Aphrodite, 
gleichfalls mit entblösstem Oberkörper und über ihrem Haupte 
bogenförmig aufgeblähtem Peplos auf einem über die Wogen 
hineilenden Bock dargestellt, A Cat. of engr. gems in the Brit. 
Mus. London 1888 p. 112 Nr. 809, PI. 6. Der hintere Theil des 
Thieres ist auf der Gemme abgebrochen, so dass es sich nicht 
bestimmen lässt, ob hier ein wirklicher Bock oder ein dem 
Ungeheuer der Münzen von Aphrodisias ähnliches Wesen dar- 
gestellt war. 

3. Tauben auf dem Rand von Befassen. 

Der von Mionnet Suppl. VI 577, 107 nach Bamus, Cat. num. 
vet. reg. Daniae I p. 256 Nr. 2, Tab. VI, 4 so beschriebene 
Typus einer Münze von Cos: 

T6te nue et barbue d*Hercule,ä dr., avec une massue 
sur Fäpaule. 
Rf. KfilfiN. Grand vase sur trois pieds, d'oü Sorten 
trois [Bamus: duae] 6pis. JE. 6 
ist zu streichen. Er ist offenbar identisch mit dem von Mionnet 
unmittelbar darauf unter Nr. 108 verzeichneten: 

Büste d'Hercule barbu, ädr.; la massue surl'öpaule. 
Rf. K&IQN. Vase sur un träpied; au-dessus, on voit deux 
colombes qui y prennent leur nourriture. M 6. 
Ein gleiches Exemplar giebt Sestini, Mus. Hederv. 2, 240, 32, 
Tab. XXI, 4. Ex mus. B. Bavariae. Wenn man seine Abbildung 
mit der von Bamus gegebenen vergleicht, wird man nicht mehr 
an der Identität beider Typen zweifeln. Wir dürfen wohl an- 
nehmen, dass wir es hier mit irgend einem berühmten Kunst* 

werk von Cos zu thun haben. Die Sitte, den Band von Gef&ssen 

9» 



132 W. Drexler: 

mit Tauben zu verzieren, ist uralt. Wer erinnert sich nicht des 
Bechers des Nestor, II. XI 632 ff.: 

IJocq di dinag mQixaXXiq, o oixo&sv fj/ 6 yeQal6$, 
XQvafotg ylotifi nsnaQpivov ovata <T aviov 
%6a<$a$ iaav, öoial 6i neXsladsg äpqtlg Ixaötov 
XqvGsicu vspid-ovto, 6va <T vno nv&piveg ifiavl 
Von altertümlichen Kunstwerken bildet Heibig, Das Home- 
rische Epos aus den Denkmälern erläutert, 2. verb. u. verm. Aufl. 
p. 371, Fig. 157 zum Vergleich den mykenäischen Goldbecher mit 
taubenverzierten Henkeln ab. Zwei Tauben schmücken den Rand 
von zwei Thongefässen aus der Nekropole von Nikosia, S. Reinach, 
Rev. arch. 3 e s6r. 6. 1885 p. 355, Heibig p. 376 nach Janitscheks 
Repert. f. Kunstwissenschaft IX (1886) p. 200. Ans der späteren 
Zeit ist berühmt das Mosaik des Sosos, der ohog dadqwvoq in 
Pergamon: „Bewundernswert ist daran eine Taube, welche 
trinkt und das Wasser durch den Schatten des Kopfes dunkler 
macht; andere sonnen sich und reiben sich an dem Rande des 
Gefässes«, Plin. 36, 184; Müller, Hdb. d. A. d. K. 8 p. 172, § 163, 6; 
Brunn, Gesch. d. gr. K. 2 p. 311 f. Eine Nachahmung ist 1737 
in Hadrians Villa zu Tivoli gefunden worden. Hier sitzen vier 
Tauben auf dem Rand des Gefässes, von denen eine trinkt, 
Purietti, De Musivis Tab. 1 p. 29 ff. ; Winckelmann, Stl. Werke, 
ed. Eiselein 5 p. 165, 6 p. 274; 7 p. 247; Bottari, Mus. Capit. 
4, 69; Rignetti, Descr. del Campidoglio I tav. 40; Müller -Wie- 
seler, Dkm. d. a. K. I* Taf. LV, 274, p. 54; Gregorovius, Gesch. 
d. Kaisers Hadrian p. 214. 

Besonders häufig aber haben die Gemmenschneider Gefässe 
mit Tauben dargestellt. Tölken, Erkl. Verz. d. ant. vertieft 
geschn. Steine der Kgl. Pr. Gemmensammlung verzeichnet: 

Gefäss . . . ; auf jedem Handgriff mit einer sitzenden Taube 
und am oberen Theile des Gefässes mit einem Lorbeergewinde 
verziert. Karneol, 7. Kl. Nr. 189 p. 384 = Winckelmann, Descr. 
des p. gr. du feu baron de Stosch 5, 110, p. 487 f. Damit 
stimmt überein der bei King, Antique gems and rings 2 p. 63, 
PL XXXIX, 8 abgebildete Abdruck. 



Zur antiken Münzkunde. 133 

Gefäss mit zwei Tauben auf den Henkeln. Achatonyx, 
7, 265, p. 392 = Winckelmann 5, 163, p. 499. 

Gef&ss; unter der Handhabe ein Löwe, der seine Beute 
verzehrt, auf dem Rande des Gefässes eine Taube. Bergkrystall, 

7, 207, p. 386 — Winckelmann 5, 121, p. 490. 

Drei Tauben und ein Papagei auf einem Gefäss sitzend und 
flatternd. Braune antike Paste mit weissem opaken Querstreif, 

8, 259 p. 420. 

(Vgl. auch 7, 199 p. 386, Rother Jaspis: Gefäss; auf der 
Rundung desßelben zwei Tauben, welche ein Blumengewinde im 
Schnabel halten = Winckelmann 5, 148, p. 496 f. „Cornaline".) 

Ferner verzeichnen Cat. of the coli, of . . . antiquities formed 
by B. Hertz. London 1851 p. 60 Nr. 1222: Two doves, o sit 
ting on the edge of a cup.. Cornelian. 

Nr. 1223. A finely executed vase, in which Stands a tree; 
on either side of it, on the edge of the vessel, sit doves. Sar- 
donyx of three strata. 

L. Müller, Descr. des int. et cam. ant. du Mus6e Thorvaldsen 
p. 159 Nr. 1469. Deux oiseaux (pigeons) assis sur le bord d'un 
vase rempli de fruits. Cornaline. 

Fr. Lenormant, Coli. A. Raite. Paris 1867, p. 95 Nr. 683. 
Deux colombes posäes sur les bords d'un cratfere, dans lequel 
Pune boit. Cornaline. Travail grossier. 

Ein rother Jaspis der Coli, de M. de Montigny. Pierres gr. 
Paris 1887, p. 15 Nr. 189 zeigt zwei Tauben auf dem Band 
eines Gefässes, links ein Pedum, rechts ein Dithyrsos; ein Onyx 
in Musei Franciani Descriptio I. Lipsiae 1781, p. 387 Nr. 2239 
„Vas, in quo insidet columba, ferens palmam tf . 

Nach Revue des revues 8 pag. 205 wird im Bull, de la soc. 
des antiquaire8 de France 1883 livr. 2 bei Besprechung einer 
von Thädenat (vgl. Rev. des rev. 7 p. 230) mitgetheilten Lampe 
für die Darstellung der Tauben auf einem Gefässe' orientalischer 
Ursprung behauptet. 

Einige Darstellungen verbinden das Gefäss mit Tauben mit 
Aphrodite. Ein grüner Jaspis bei Yivenzio, Gemme antiche per 



134 W. Drexler: Zur antiken Münzkunde. 

la piü parte inedite. Roma 1809. 4°, p. 33—36, Tav. 7 zeigt 
Aphrodite das Haar ausringend, neben ihr ein Postament mit 
Becken, auf dessen Rand zwei Tauben sitzen; ein römischer 
Medaillon der Faustina jun. Venus ganz bekleidet, die Rechte 
oben an das Scepter gelegt, auf der Linken einen Apfel, stehend 
zwischen einem Cippus, auf welchem Amor mit gesenkter Fackel 
steht, und einem Gefäss, auf dessen Rand zwei Tauben sitzen, 
von denen die eine trinkt, Froehner, Les mädaillons de l'emp. 
rom. p. 104 f.; Cohen IIP 162, 290. Imhoof, Griech. Münzen 
p. 713 f. Nr. 579 beschreibt eine Münze des Gordianus Pius von 
Seleukeia ad Calycadnum, auf welcher dargestellt ist „Aphrodite 
r. hin stehend und sich im Spiegel betrachtend. Hinter ihr 
Eros r. h., mit beiden Händen eine Fackel haltend; vor ihr 
ein Postament mit Brunnenbecken, auf dessen Rand eine Taube 
1. h. steht und trinkt". Diese im Berliner Cabinet befindliche 
Münze ist an der Stelle, wo man eine zweite Taube gegenüber 
der ersten auf dem Rand des Gefässes erwarten könnte, schlecht 
erhalten, so dass sehr wohl ursprünglich, in Übereinstimmung 
mit dem Medaillon der Faustina und der Gemme bei Vivenzio, 
auch auf dieser Münze zwei Tauben mögen dargestellt ge- 
wesen sein. 

W. Drexler. 



I A T N. 



In Werken und Abhandlungen über das antike Münzwesen 
und die Epigraphik von Sicilien wird oft eine eigentümliche 
Inschrift IATON erwähnt, die auf einigen von Himeras Münzen 
gefunden wird. Dieselbe wird doch nur in neueren Arbeiten 
angeführt; sie war weder von Carelli noch von Eckhel gekannt 
und wurde zuerst 1857 von Ugdulena veröffentlicht, dem Saunas 
sie mitgetheilt hatte. 

Salinas hatte sie auf zwei himeräischen Münzen bemerkt; 
später ist meines Wissens die Anzahl der Münzen, auf welchen 
sie sich findet, nicht grösser geworden. Die eine von ihnen ist 
eine Drachme, welche zu der ältesten Serie von Himeras Münzen 
gehört; sie scheint gegen das Ende der älteren autonomen 
Periode der Stadt, vor der agrigentinischen Eroberung im Jahre 
482 v. Chr., geprägt zu sein. Eine Abbildung von dieser Drachme 
findet sich bei Ugdulena, Sülle monete punico-sicule, Taf. II, 2, 
und im Kataloge des britischen Museums, Sicily S. 77. Die an- 
dere Münze ist eine Didrachme aus der jüngeren autonomen 
Zeit, also nach 472, als Akragas' Herrschaft in Himera wieder 
aufgehört hatte. Nach A. Evans 1 ) ist diese die älteste Münze 
dieser jüngeren Münzserie. * Abbildung bei Ugdulena, a. a. 0., 
Taf. H, 5 , wo von der Inschrift doch nur gelesen wird . . TON, 
und in Brit. Mus. Sicily S. 78, wo zu sehen ist . ATON. 

Ugdulena las die Inschrift als 'latop und sah darin, in 

1) Numismat. Chronicle 1890 S. 288. 



136 K. F. Kinch: 

alterthttmlicher Orthographie, einen Genitiv von einem Ethnikon, 
welches dieBewohner derStadtla bezeichnen sollte. Dieses 
Ia sollte nach ihm der phönikische Name der Stadt Himera 
sein, welchen Namen er auch in einer auf sicilischen Münzen 
häufig vorkommenden phönikischen Aufschrift zu finden geglaubt 
hatte und die er als ta las. Diese Vermuthung wurde eine Zeit 
lang von den Numismatikern angenommen und anerkannt. Diese 
Deutung der griechischen Inschrift war aber schon aus sprach- 
lichen Gründen unmöglich; in dem gemischten himeräischen Dia- 
lekte musste ^IccTtjg im Gen. Plural, entweder, im ionischen, 
^laximv geben oder, im dorischen, *lazav. Was die punische 
Legende betrifft, so hat Imhoof-Blumer später darauf aufmerksam 
gemacht, dass die richtige Deutung davon ziz, nicht ia 1 ) ist. 
Dadurch hat die Hypothese von der Stadt Ia allen festen Boden 
verloren ; wer jetzt die Inschrift I ATON anfuhrt, setzt gewöhnlich 
hinzu, dafs sie unerklärt oder „mysterious" ist. 

Epigraphisch und sprachlich gesehen, bietet dieselbe jedoch 
eigentlich keine Schwierigkeiten dar, nur mag es einigermassen 
zweifelhaft sein, warum die etwas ungewöhnliche Inschrift auf 
den Münzen angebracht sei, obwohl auch hier das meiste sich 
erklären lässt. 

Die richtige Deutung von IATON ist gewiss die, dass es in 
alter Orthographie der Gen. Plur. des griechischen Wortes ia%6g 
ist, welches ein regelmässig gebildetes Verbaladjektiv von iaopcu 
ist und teils geheilt, teils heilbar bedeutet. Nur von dieser 
letzteren Bedeutung haben unsere Wörterbücher Exempel ange- 
führt, allein die Analogie mit anderen Verbaladjektiven lässt 
keinen Zweifel zurück, dass die Bedeutung geheilt auch gel- 
tend gewesen ist, und da es, wie es scheint, unmöglich ist, die 
erste Bedeutung zu benutzen, schlage ich vor, mit Anwendung 
der letzten, die Inschrift so zu übersetzen: der Geheilten 2 ). 



1) Numismat. Zeitschr. 1886 S. 263. 

2) Die Form Icaos, die nicht ionisch ist — dann würde sie Irjiöq heissen 
— , zeigt, dass der Dorismus schon im Anfang des 5. Jahrh. das Übergewicht 
in Himera hatte. 



lAtON. 137 

Dieser Ausgangspunkt darf gewiss als feststehend ange- 
nommen werden. Bei der weiteren Erklärung der Inschrift und 
der Ursache ihrer Anbringung auf Münzen scheinen sich da- 
gegen mehrere Möglichkeiten darzubieten. 

Man kann annehmen, dafs unter „den Geheilten" alle 
Himeräer verstanden werden. In diesem Falle darf man ver- 
muthen, dass die Einwohner von Himera durch diese Münz- 
prägungen und diese Umschrift an eine glückliche Genesung 
von einer verwüstenden Epidemie dankbar haben erinnern wollen. 
Diese Erklärung musste dann namentlich auf den bekannten, 
zeitlich nur wenig späteren Münzen von Selinus fussen, deren 
Typen bei einigen Numismatikern, doch nicht bei Eckhel, eine 
verwandte Deutung gefunden haben. Diese naheliegende Er- 
klärung ist möglich und wird vielleicht ihre Vertheidiger finden; 
doch habe ich selbst mich nicht entschliessen können, ihr zu 
folgen, nicht etwa deshalb, weil wir keine Nachrichten von solch 
einer Epidemie und Genesung haben — das könnte auf einem 
Zufall beruhen — , sondern weil die letzte Münzprägung wenig- 
stens zehn Jahre nach der ersten liegt und es unwahrscheinlich 
ist, dass man nach dem Verlaufe eines solchen Zeit- 
raumes die Erinnerung an eine ältere Begebenheit erneut habe, 
besonders nachdem in der Zwischenzeit viele und weit wichtigere 
öffentliche Ereignisse — die Eroberung und Befreiung der Stadt 
sammt der Niederlage der Earthaginienser — eingetreten waren. 

Ausserdem findet sich eine andere und ebenso naheliegende 
Erklärung. Eine Hindeutung auf „Genesung 44 auf Gegenständen 
zu finden, die aus der Stadt Himera stammen, kann nicht auf- 
fallend sein. Westlich von dieser Stadt, innerhalb ihres Bezirkes, 
lagen und liegen bekanntlich heisse mineralische Quellen, die 
immer, im Alterthum wie heutigen Tages, von Kranken besucht 
gewesen sind. An diesen Quellen Hessen sich die Einwohner 
von Himera, nachdem ihre Stadt im Jahre 408 verwüstet 
worden war, nieder und gründeten eine neue Stadt, Thermae, 
dort, wo jetzt die Stadt Termini liegt. 

In der erhaltenen griechischen Litteratur werden diese 



138 K. F. Kinch: 

Quellen zum ersten Mal bei Pindar erwähnt. Die Art, auf 
welche dies geschieht, ist charakteristisch. In dem betreffenden 
Epinikion — Olymp. XII — verherrlicht der Dichter den Olym- 
pioniken Ergoteles, welcher damals in Himera wohnte. Das 
Lied endet so: GeQpä Nvp<päv Xovtqä ßaöfdfctSj ofjuliwv naq 9 
oixsicug dqovqaiq. Pindar will sagen, dass E. in Himera wohne, 
und wenn er statt der Stadt „die Bäder der Nymphen" erwähnt, 
kann dieses nur deshalb geschehen, weil dieselben in der Topo- 
graphie von Himera einen ebenso wichtigen als wohlbekannten 
Punkt ausmachten. 

Die angeführte Stelle aus Pindar ist nicht nur die älteste, 
wo die Himerabäder erwähnt werden, sondern meines Erachtens 
überhaupt die erste, wo von thermalischen Badequellen bei griechi- 
schen Schriftstellern die Rede ist. Homer spricht, wie Plinius 
der Ältere bemerkte, noch nicht von solchen Bädern; auch in 
der folgenden Litteratur, von welcher freilich nur ein geringer 
Theil erhalten ist, finde ich darüber nichts älteres als eben die 
erwähnte Stelle aus Pindar. Die Ode von Pindar ist wegen eines 
Sieges in der 77. Olympiade (472) geschrieben. 

Durch die Münzen von Himera lässt sich die Benutzung dieser 
Bäder weiter zurückführen, etwa bis an das Jahr 500, wie dies 
im Folgenden aus den Münztypen gezeigt werden soll. Wenn also 
in neueren Handbüchern und in Aufsätzen über die thermalischen 
Quellen die Frage aufgeworfen wird, zu welcher Zeit die Grie- 
chen angefangen haben, sie zu benutzen, können wir jetzt ant- 
worten : bei Himera — den ältesten bei den Griechen erwähnten 
Bädern — lässt sich der Gebrauch davon etwa 500 v. Chr. nach- 
weisen. 

Die himeräischen Bäder haben gewiss im Leben und in der 
Ökonomie von Himera und dem später an seiner Stelle ge- 
gründeten Thermae eine bedeutende Rolle gespielt. Auf die- 
selben wird immer in den Münztypen dieser Städte hingedeutet. 
Durchmustert man in dem britischen Kataloge die lange Reihe 
von Münzen aus Himera und Thermae , so wird man auf einem 
sehr grossen Theil derselben einen Typus finden, der auf die 



EATON. 139 

Bäder Bezug hat, auf die dort stattfindende Gottesverehrung 
und auf die Feste und Festspiele, die dort aufgeführt wurden. 
Die Häufigkeit dieser Typen und ihr Vorkommen auch auf 
solchen Münzen, wo sich die Inschrift IATON findet, bestätigt 
die Vermuthung, dass auch diese Inschrift darauf Bezug hat. 

Zu den genannten Typen gehört schon der älteste, welcher 
auf allen oder fast allen Münzen gefunden wird, die vor 472 in 
Himera geprägt sind. Auf der Vorderseite der meisten von 
diesen ist ein Hahn abgebildet; auf der Rückseite findet sich in 
der ältesten Zeit ein quadratum incusum, auf einigen der jün- 
geren die Abbildung einer Henne. Zu diesen letzteren gehört die 
Drachme, welche die Inschrift IATON hat. Die Inschrift ist dort 
längs der Brust des Hahnes angebracht. 

Was dies Bild eines Hahnes bezeichnet, ist in allem Wesent- 
lichen von Eck hei 1 ) richtig gesehen und dargestellt. Der Hahn 
ist, sagt er, als eins der Attribute des Asklepios abgebildet . . ., 
als dasjenige Thier, welches nach der Genesung von den Kranken 
diesem Gotte geopfert wurde. Die Richtigkeit dieser Auffassung 
von Eckhel vorausgesetzt, sind der Typus und die Inschrift der 
Münze in Verbindung mit einander vielleicht so zu verstehen: 
der Hahn, das von den Geheilten dargebrachte Opfer. Vielleicht 
gehört auch der Typus des Reverses derselben Vorstellungsreihe 
an; auch die Henne wurde häufig als Opfer dargebracht 1 ). 

Nur darin hat Eckhel vielleicht nicht Recht, wenn er meint, 
dass die Art des Opfers auf eine Verehrung des Asklepios hin- 
weist. Dies ist nicht nothwendig der Fall. Der Hahn (und die 
Henne) wurden nicht allein diesem Gotte geopfert, sondern auch 
anderen, vielleicht allen Gottheiten und Heroen der Heilkunst 
Die in Torremuzzas Veteres inscriptt. Sicil. 1 11 und in desselben 
Sicil. v£tt. nummi S. 37 herausgegebene Inschrift, in welcher 
Asklepios und der Flussgott Himeras erwähnt werden, hat sich 
als ein Falsum herausgestellt. Wem bei Himera nach vollzogener 



1) Doctrina Numm. I 8. 212. 

2) VergL G. Wolff, Exkurs su Porphyrius: De philosophia ex oraeul. 
haur., 8. 187 ff. 



]40 ELF. Kinch: 

Genesung geopfert wurde, ist unbekannt. Bisweilen findet man 
in neueren Büchern Herakles als den Patron der Bäder genannt; 
allein es ist mir nicht gelungen, irgend eine Belegstelle dafür 
zu finden. Am besten bleibe man bei den Worten des Pindar 
stehen, dass es die „Bäder der Nymphen" seien. 

Nachdem die Abhängigkeit Himeras von Akragas aufgehört 
hatte, prägte es Münzen mit ganz neuen Typen, deren male- 
rische Komposition dem Standpunkte gleichkommt, auf welchen 
die Kunst der Münzprägung inzwischen in anderen Städten 
Siciliens gelangt war. Die älteste dieser neuen Prägungen ist, 
wie schon gesagt, die Didrachme mit der Inschrift IATON. Auf 
dem Reverse dieser Münze ist eine Nymphe an einem Altar 
opfernd dargestellt; neben ihr steht ein Kerykeion. Im Abschnitt 
ist die Inschrift angebracht. Wo diese Opferhandlung stattfindet, 
kann man aus einigen Tetradrachmen schliessen, welche derselben 
Münzserie als die Didrachme angehören, und von denen die ältesten 
nur wenige Jahre jünger als diese sind. Der Ort ist der Platz 
bei den Bädern. Auf den Tetradrachmen ist die Darstellung im 
Ganzen dieselbe wie auf der Didrachme ; es ist dieselbe Nymphe, 
in derselben Kleidung und derselben Haltung und mit einem 
ähnlichen Opfer beschäftigt. Allein rechts im Felde, wo auf der 
Didrachme das Kerykeion steht, ist die heilende Quelle selbst 
dargestellt. Unter ihrem Löwenkopfe steht ein Silen, der in 
dem herunterquellenden Wasser ein Sturzbad nimmt. 

Will man diese Darstellung erklären, so wird man von den 
erwähnten gleichzeitigen Worten Pindars ausgehen müssen: „die 
heissen Bäder der Nymphen". In Übereinstimmung hiermit sehen 
wir auf den Münzen Nymphe und Silen dargestellt. Erstere ist 
eine Naiade ; da auf der sogenannten Pelops-Tetradrachme an ihrer 
Seite die Beischrift IMEPA steht, ist sie wahrscheinlich die 
eponyme Quellennymphe Himeras. Was den Silen betrifft, so bil- 
den Silene wie Satyrn die gewöhnliche Begleitung der Nymphen, 
und die Silene sind ja, wie man meint, ursprünglich Verkör- 
perungen der sprudelnden Gewässer. Wie es an den Bädern 
Sitte war, dass man opferte, sich badete und nach der Heilung 



1AT0N. 141 

wieder opferte, sind auch hier auf flen Münzen Himeras Nymphe 
uud Silen opfernd und badend dargestellt, wobei die unter- 
geordnete Person des Silens von dem Künstler zur Darstellung 
des Badens verwendet worden ist, die der Nymphe zu der des 
feierlichen Opfers. 

Es entgeht bei dieser Erklärung nicht meiner Aufmerksam- 
keit, dass der auf Münzen dieser Zeit oft vorkommende Typus 
der opfernden Götter gewiss nicht bedeutet, dass diese selbst 
opfern, sondern besagt, dass ihnen geopfert wird, und die Art 
der ihnen darzubringenden Opfer angiebt. Auch auf den Münzen 
Himeras hat dieser Typus sonst diesen Sinn. . Augenscheinlich 
ist er aber auf diesen Tetradrachmen in Verbindung mit der 
Darstellung des badenden Silens zu einem Bilde benutzt worden, 
das in anmuthiger mythischer Einkleidung darstellt, was bei den 
Menschen an den Bädern Sitte war. 

Auf der andern Seite der Münzen ist eines der Festspiele 
abgebildet, die an dem Badeorte abgehalten wurden, wahrschein- 
lich an einem häufig wiederkehrenden, vielleicht jährlichen Feste, 
das während der Kurzeit oder unmittelbar nach derselben ge- 
feiert wurde. Solche Feste waren an den Kurorten gewöhnlich; 
Epidauros z. B. hatte sowohl Theater als Stadion. Der Herolds- 
stab, welcher auf der Didrachme von Himera an der Seite der 
Nymphe steht, bezeichnet vielleicht, wie es an allen grösseren 
Festen (navfjrvQsig), an welchen auch Fremde Theil nahmen, Sitte 
war, dass Herolde ausgeschickt wurden, um das Fest zu ver- 
künden und Befriedung {ix$%siQia) für die Theilnehmer auszu- 
wirken. Die Festspiele, die auf Himeras Münzen abgebildet wer- 
den, sind hippische Agonen. Auf den Tetradrachmen ist eine 
siegreiche Quadriga dargestellt, deren Wagenlenker von einer 
herabschwebenden Nike bekränzt wird. Auf der erwähnten Di- 
drachme ist ein Reiter (änoßdx^) dargestellt, im Begriff, wäh- 
rend des Laufes vom Pferde zu springen.« Die Kunst, die er 
ausführt, ist die sogenannte xdlnfj, ein Agon, welcher kurz vor- 
her in der 71. Olympiade in Olympia eingeführt worden war, aber 
in der 84. Olympiade wieder abgeschafft wurde. Hierüber verweise 



142 E. F. Kinch: 

ich an Daremberg und Saglio, Dictionnaire des antiquitäs, Ar- 
tikel Desultor. Es scheint, dass die Himeräer sogleich diesen 
Agon aufnahmen, der durch die Einführung in Olympia in die 
Mode gekommen war. Aber auch bei ihnen hat er sich vielleicht 
nicht lange gehalten; wenigstens ist die oftgenannte Didrachme 
die einzige Münze, worauf er abgebildet wird. 

Es lag gewiss im Interesse Himeras, durch seine Münzen die Vor- 
stellung von den heilenden Wirkungen seiner Bäder zu verbreiten. 
Ich glaube, dass dieser Grund hinreichend sein wird, um zu er- 
klären, warum es die Inschrift IATON auf seine Münzen aufnahm. 

Der obenstehende Vorschlag zur Deutung des Wortes 
IATON war von mir schon niedergeschrieben, als eine Münze 
aus Himera mit einer bisher unbekannten Aufschrift von dem 
Besitzer Herrn Weber im Numismatic Ghronicle 1892 S. 187 mit 
pl. XV, 3 veröffentlicht wurde. 

Die Münze ist eine Didrachme aus der Zeit nach der Be- 
freiung der Stadt 472 und ist in ihren Typen der oben erwähnten 
ganz ähnlich. Allein statt der Aufschrift IATON hat die neue 
Münze das Wort ^OTHP längs der opfernden Nymphe ge- 
schrieben. 

Schon diese Stellung zeigt, dass das Wort eine Beischrift 
zu der Nymphe ist. Dies wird auch von Herrn Weber ange- 
nommen, der nur etwas zweifelnd geworden ist dadurch, dass 
dann die männliche Form ccotijq statt tswmqa angewandt ist. 
Imhoof hat zur Erklärung hiervon auf ähnliche männliche For- 
men in Beischriften hingewiesen. Es sei mir erlaubt, daran zu 
erinnern, dafs die Form oamJQ oft als adjektivischer Zusatz bei 
Wörtern weiblichen Geschlechts benutzt wird, so dass solches 
auf der Himeramünze gar nichts Ungewöhnliches hat. So 
hat Aschylus in Agamemnon 664 von dem Glücke, welches das 
Schiff Agamemnons während des Sturmes schützte, gesagt xv%n 

dk <J(ütriQ vav(Sxo\ov<f* i<pt£ero. 1 ) 

1) Andere Beispiele in Stephanus' Thesaurus, Artikel o<oujq. Noch in 
einer späten griechischen Inschrift ( C. I. G. Nr. 5954 ) steht 'AtpQodiifj — 



IATON. 143 

Die Nymphe wird also Erretter genannt. Was ist das 
für eine Errettung, welche sie bewirkt hat? Man kann dabei 
an die jüngst geschehene Befreiung von der Oberherrschaft 
Akragas' denken. Allein eine andere Erklärung scheint mir doch 
näher zu liegen, wenn anders die von mir gegebene Deutung 
des Wortes IATON richtig ist. Die heilenden Götter und gött- 
lichen Wesen werden ja in Inschriften und auf Münzen oft als 
Erretter genannt. IcojfjQ und (Jcothqcc sind bekanntlich all- 
gemeine Epitheta zu Asklepios und Hygieia. Doch sind die 
betreffenden Inschriften und Münzen meines Wissens alle viel 
jünger, aus der römischen Kaiserzeit. Sollte (fwtJQ auf der 
Himeramünze ebenso aufzufassen sein, so wäre dies das älteste 
Beispiel. 

K. F. Kinch. 



Schulmiinzen. 
Eeohen Pfennige. 



Die „Gesellschaft für Deutsche Erziehemgs- und Schul- 
geschichte' 4 in Berlin sammelt Nachrichten über Vorhandensein, 
Aussehen und Verwendung von „Schul münzen" und Rechen- 
pfennigen. Es wird gebeten, solche Nachrichten an Herrn 
Dr. Karl Kehrbach, Berlin W., Ansbacher Strasse 56 II, 
zu senden. Im Jahrgang 1, Heft 2 der „Mittheilungen der Ge- 
sellschaft für Deutsche Erziehungs- und Schulgeschich te ul ) ist ein 
bezüglicher Aufruf erlassen und sind dabei einige Münzen be- 
schrieben worden. In Heft 3 desselben Jahrgangs werden wei- 
tere Mittheilungen gemacht. Es wird uns darüber Folgendes 
geschrieben: Es sind mehrfach 2 bis 3 cm breite Münzen (Me- 
daillen), die wahrscheinlich auf das Schulwesen Bezug haben, 
gefunden worden. Auf der einen Seite befinden sich die Buch- 
staben des lateinischen oder griechischen Alphabets, auf der 
anderen ist das Brustbild eines Mannes mit einem Stock in der 
Hand, oder ein Mann an einem Tische sitzend. Eine dieser 
gefundenen Münzen trägt in der Mitte die Worte: bono disci- 
pulo und hat als Randschrift das lateinische Alphabet. Eine 
von den Münzen sieht auf der einen Seite folgendermassen aus: 



1) Die Hefte (ä 2 Mark), 5—7 Bogen stark, sind im Buchhandel zu 
beziehen durch die Verlagsbuchhandlung A. Hofmann u. Comp., Berlin, 
Leipziger Strafse 135. 



H.Voigt: Schulmünzen. Rechenpfennige. 145 

ABCD 
EFGHIK 
LMNOPQ 
RSTVYX 
Z HANS 
SCHV 

Hans Schu soll entweder der Name des Lehrers sein, oder 
in Hans Schu-lmeister ergänzt werden können. 

Gredy berichtet in der „Geschichte der ehemaligen Reichs- 
stadt Gau-Odernheim a 1883 S. 220 von einer Münze, bei der 
auf der Vorderseite das Brustbild eines Mannes mit dem Stabe 
in der Hand und mit dem griechischen Alphabet abgebildet ist. 
Auf der anderen Seite befinden sich in der Mitte die Worte: 
bono discipulo mit dem lateinischen Alphabet als Randschrift. 
Diese Münzen sind wahrscheinlich als Medaillen für tüchtige 
Leistungen dem Schüler überreicht worden. Dass Münzen an 
fleissige Schüler vertheilt worden sind, geht aus dem seltenen 
Werke Fr. Christian Lessers hervor: „Besondere Müntzen 
Welche So wohl auf Gelehrte Gesellschafften — Als auch Auf 
gelehrte Leute — Sonderlich auf den theuren D. Martin Luthem 
— gepräget worden." 1739 Frankfurt und Leipzig M. Bloch- 
berger 8°, aus welchem Heineck -Nordhausen im Jahrgang 1, 
Heft 3 der „Mittheilungen" folgenden Auszug giebt: 

Von Medaillen, welche in Schulen nach geendigten Exami- 
nibus fleissigen Schülern zur Belohnung ausgetheilet worden. 

Nachdem Lesser über Schulzucht im Allgemeinen gesprochen 
und hervorgehoben, dass die Schüler nicht nur gestraft, sondern 
auch belohnt werden müssen, fährt er fort (S. 371): „Nur ist es 
zu bedauren, dass die Herren Praeceptores nicht im Stande sind, 
mit Geld-Belohnungen ihre Untergebene anzufrischen , da ihnen 
öffters ihre Besoldung so kurz zugeschnitten, dass sie und die 
ihrigen kaum davon leben können, dahero bleibt dieses denen 
Obrigkeiten über. Diese würden wohl thun, wenn sie nur vor 
einige Thaler kleine Sorten von Gedächtniss- Müntzen auf alle 
Schul-Examina prägen, und solche wohlgearteten Schülern, zum 

Zeitschrift for NnmiimMik. XIX. 10 



146 H - Voigt: 

Preisse ihres Fleisses, austheilen Hessen. So wohl die Ehre, 
welche sich die Lernenden daraus machen würden, als auch der 
Werth solcher Mttntzen, welcher die Hertzen der Menschen, wie 
ein Magnet das Eisen an sich ziehet, würden an den Gemüthern 
vieler Schüler, zur Erlernung guter Künste, mehr Nutzen schaffen, 
als die wenigen Unkosten solcher Müntzen austragen würden. 

§ 112. Ob nun wohl dieses mehrentheils unter die gott- 
seligen, aber vergebenen Wünsche, gehöret; so findet man doch 
gleich wohl einige Obrigkeiten, welche diese löbliche Gewohnheit, 
durch Belohnungs-Müntzen, die Lernenden zu mehrern Tugenden 
und Fleiss anzulocken, in ihren Schulen eingeffthret haben. 
Caspar Dornavius rühmet dieses sonderlich von dem Magistrat 
der Stadt Nürnberg. 

In Ulysse scholast. p. m. 105: Harte laudem quasi propriam 
prae aliis rebus publicis Noriberga sibi vindicat: quae libris, quae 
vestibus, quae nummis aureis et argenteis, quae munusculis alüs 
compensavit et excitavit diligentiam atque honestatem eorum % quos 
schola AUorphina alumnos complectebatur. Wie denn auch davon 
eine Schrifft heraus, welche diejenigen Belohnungs-Müntzen 
erzehlet, die von Anno 1577 an biss auf das Jahr 1616, theils 
zu Nürnberg, theils zu Altorf, ausgetheilet worden: Emblemata 
anniversaria Acad. Norimb. quae est Akdorßi juveniutis exereüan- 
dorum causa inde ab a. 1577 usque ad annum 1616 proposita ora- 
tiunculis erud. et nerv, in Panegyrib. Academic. eaplieata Norib. 
1617. 4. Weil mir aber davon keine zu Gesichte kommen, so 
will ich einige andere kürtzlich hier anführen. Die schöne Stadt 
Bresslau in Schlesien, pfleget den Fleiss der Schüler ihrer 
Schulen mit dergleichen Müntzen zu belohnen. Ich habe der- 
gleichen eine gesehen, so auf einer Seite zeiget, eine in per- 
spective gesetzte Baum -Allee, vor welcher eine Sonnen -Uhr, 
durch die über sie scheinende Sonne die Stunden bezeichnet, auf 
welcher ein dabey stehender Knabe acht hat; mit der Umschrift: 
NULLA . HORA . SINE . LINEA. Auf der andern Seite wird die 
Stadt Bresslau mit unten angefügten Wappen, von Jehova be- 
strahlet; die Ran d- Schrifft hei sset: ITA.PUBLICOS.SCHOLARUM. 



Schulmünzen. Rechenpfennige. 147 

ACTUS . SENATÜS . VRATISLAVIENSIS . DECORAT. - Die 
Allee von Bäumen auf dem Avers soll Zweiffels ohne die Schule 
bedeuten, in welcher junge Leute zu Baumert der Gerechtigkeit 
zum Preise des Herrn auf erzogen werden. Die Sonne, welche 
auf der Sonnen-Uhr täglich alle Stunde eine Linie bezeichnet, 
benebst der beygefügten lateinischen Schrift, soll den dabey 
stehenden Knaben lehren, dass er alle Stunden fleissig seyn 
müsse. Denn gleichwie die Sonne beständig um den Erd-Creyss 
lauffet, so muss auch ein Lehr-begieriger Schüler nicht seyn wie 
die Sonne, da sie zu Josuä Zeiten stille stund, sondern wie sie 
ordentlicher Weise ist, da sie an einem Ende des Himmels auf- 
steiget, und wiederum biss zum andern Ende leuffet; solcher- 
gestallt muss er auch mit seinem Fleisse aus einer Wissenschaft 
in die andere gehen, weil die Wissenschaften nicht im Bette 
der Faulen gefunden werden. Und wie jener künstliche Mahler 
keinen Tag vorbey gehen Hess, da er sich nicht hätte üben 
sollen, aus freyer Faust eine Linie zu ziehen, durch welche 
Übung er es hernach in der Mahlerey so hoch gebracht; also 
muss billig ein Schüler keinen Tag, ja Stunde vorbey gehen 
lassen, da er sich nicht im Studiren üben solte, wo er es anders 
darinnen zu was rechten bringen will. Bey dem Revers dieser 
Medaille ist nichts zu erinnern, als dass so wohl das Wapen, 
als auch die Beyschrifft, andeuten, es sey solche Müntze, auf 
Befehl des Raths zu Bresslau, welcher aus einem Hauptmann, 
8 Bürgermeistern, 11 Schoppen, 2 Syndicis, und vielen Assessoribus 
bestehet, zur Belohnung derer fleissigen Schüler, gepräget worden. 
§ 113. Dass die berühmte Handels-Stadt Hamburg eben 
dergleichen Gebrauch, als Bresslau habe, beweiset folgende 
Müntze: Deren erste Seite zeiget einen doppeltgespitzten, mit 
Dornen umzäunten hohen Berg, über welchen ein Crantz aus den 
Wolcken gehalten wird; Vorn betet eine Person auf den Knieen 
liegend. Um den Rand stehet: PREC1BVS . PATET . ATQVE . 
LABORI. Auf der andern Seite beschattet ein Engel diese 
Inscription : BRABEON . SCHOLAE . HAMBURGENSIS . 1 635. 
Der Crantz, welcher aus den Wolcken gehalten wird, soll ohn- 

10* 



148 H. Voigt: 

fehlbar die Belohnung andeuten. Gleichwie aber dieselbige oben 
über den doppelten mit Dornen umzäun eten Berge gehalten wird, 
also wird damit gelehret, so wenig jemand ohne Mühe und 
Arbeit auf den Gipfel eines solchen Berges steigen könne den 
Crantz zu erreichen, so wenig könne auch ein Schüler ohne 
Gebet und Mühe zu einer gefälligen Belohnung gelangen, welches 
auch die Beyschrifft erkläret, so auf teutsch lautet: Die Crone 
stehet zu Dienste, dem Gebete und der Arbeit. Von der Arbeit 
und dem Fleisse haben wir schon vorher gedacht. Dass aber 
mit der Arbeit ein Studirender billig das Gebet verknüpfen 
müsse, ist bey Christen ausser allen Streit gesetzet. Denn 
fleissig gebetet, ist halb studiret. Der Geist Gottes hat selbst 
das Gebet, als ein Mittel zur Weisheit zugelangen, in der 
Epist. Jac. I, 5 angewiesen, da er spricht: So jemand unter euch 
Weisheit mangelt, der bitte von GOtt, der da giebt einfältiglich 
jedermann, und rückts niemand auf; so wird sie ihm gegeben 
werden. Man mag demnach von dem Gebeth wohl mit Recht 
sagen: dass es der Schlüssel zu geistlichen und weltlichen 
Wissenschaften sey. Man kann es vergleichen dem Huf-Eisen 
des Pegasi, welcher den Quell des Brunnens Hipocrene eröffnete. 
dass doch dieses die Praeceptores ihren Untergebenen fleissig 
einschärffen möchten ! dass doch die Studirende Jugend dieses 
wohl behertzigen, und ihren Fleiss mit Gebet heiligen möchte! 
so würde es in vielen Stücken des Studirens mit manchem 
Schüler besser von statten gehen. Die andere Seite dieser 
Belohnungs-Müntze lehret, dass der Magistrat zu Hamburg die- 
selbe habe prägen lassen. 

§ 114. Dass auch die Haupt-Stadt Labach (sie!), im Herzog- 
thum Crain, die löbliche Gewohnheit habe, dergleichen Belohnungs- 
Müntzen, denen Schülern dasiger Schule, auszutheilen, solches 
lehret folgende Müntze. Auf deren einen Seite erscheinet das 
Wapen des Hertzogthums Crain, nemlich ein einfacher Adler, 
mit einer über die Brust gezogenen und geschachteten Binde; 
die andere Seite aber giebt folgende Worte zu lesen: 
PRAEMIVM . SCHOLAE . PRO VINCIALIS CARNIOLAE 1584. 



Schulmünzen. Rechenpfennige. 149 

Heinecke macht auch noch aufmerksam auf „Christian 
Junckers, Dresdensis, Discours von dem Ersten Jubel-Fest des 
Fürstlichen Gymnasii zu Eisenach benebst dem Abriss der aller- 
ersten Sächsischen Schul-Medaille". Eisenach, Boetius, 1709. 
Fol. 36 S. 

Andererseits sind auch Münzen gefunden, besonders in den 
mittelrheinischen Gegenden, von denen verschiedene wahrschein- 
lich zu Unterrichtszwecken verwendet worden sind. Herr 
Dr. Falk in Klein -Winternheim bei Mainz beschreibt in einer 
Zuschrift an den Herausgeber der „Mittheilungen" Jahrgang 2, 
Heft 1 drei solcher in seinen Händen befindlichen Münzen. Die 
erste Münze entspricht auf der einen Seite der oben gegebenen 
Abbildung. Auf der anderen Seite ist ein hinter einem Tische 
sitzender Mann abgebildet, vor ihm liegen in der Mitte Rechen- 
pfennige, links ein Buch (oder Rechenmaschine) und rechts ein 
Geldbeutel (?). Zu Haupten befinden sich rechts vier und links 
fünf aus je sieben Punkten bestehende Sterne. Die zweite Münze 
hat gleichfalls das lateinische Alphabet, unter der letzten Zeile 
die Jahreszahl 1553 in arabischen Ziffern; auf der Kehrseite ein 
Mann hinterm Tische. Die dritte hat auf der Kehrseite den 
Mann hinterm Tische und in der oberen Hälfte die Randschrift: 
RECHEN _ MEISTER . 

Herr Dr. Weckerling, Vorsteher des Paulus-Museums in 
Worms, beschreibt eine Anzahl Münzen dieser Art (Rechen- 
pfennige) in einem Briefe, der in den „Mittheilungen" Jahr- 
gang 2, Heft 1 abgedruckt worden ist Der Brief lautet: 

„Im Boden der Stadt Worms finden sich diese und ähnliche 
Pfennige recht häufig. Weitaus die meisten haben ein den 
mittelalterlichen Goldgulden ähnliches Gepräge, andere offenbar 
jüngere zeigen irgend eine mythologische oder auch historische 
Persönlichkeit auf der einen Seite. Auf verschiedenen ist Nürn- 
berg als Entstehungsort angegeben. Pfennige mit dem von 
Ihnen besprochenen Gepräge liegen in der mir unterstellten 
Sammlung des hiesigen Paulus-Museums zwölf Stück, sämmüich 
sind diese in den letzten paar Jahren von mir eingelegt worden, 



150 H. Voigt: 

zu Gesicht gekommen sind mir aber wesentlich mehr, ohne dass 
ich auf ihre Erwerbung Werth gelegt hätte. Von den vor- 
handenen tragen zwei mit ähnlichen, aber im einzelnen doch 
wieder recht verschiedenen Stempeln die Jahreszahl 1553. Bei 
beiden ist das Alphabet in fünf Reihen vertheilt, und sind V und 
W als zwei Buchstaben unterschieden, 4. Reihe: TV || 5. Reihe: 
WXYZ, darunter 1553. Auf dem Tisch unterscheidet man zur 
rechten Hand den zugebundenen Geldbeutel, vor der Hand die 
Geldstücke oder Rechenpfennige, zur linken Hand das zum 
Zusammenklappen eingerichtete Rechenbrett (Tafel). Der Zeich- 
nung nach wohl älter ist ein Pfennig, auf dessen Rückseite in 
einem doppeltumrahmten Quadrat das Alphabet in vier Reihen 
steht, 4. Reihe: TVXYZ. In der 5. Reihe stehen NORMR. Auf 
einem vierten ist die Vorderseite der des vorigen ähnlich, doch 
sieht man mehrere Geldsäcke stehen und die Münzen liegen auf 
beiden Seiten des zur Hand genommenen Rechenbrettes. Auf 
der Rückseite steht im Vergleich zu den anderen Münzen auf 
dem Kopf in doppeltumrahmtem Quadrat in vier Reihen das 
Alphabet, aber nur bis S (PQRS). Es folgt als fünftes ein 
Exemplar mit ziemlich altertümlicher Zeichnung der Vorder- 
seite, zwei recht volle Geldsäcke, das Rechenbrett so gestellt, 
dass es aussieht wie ein Kästchen, davor ein Herz. Auf der 
Rückseite im Quadrat das Alphabet in fünf Reihen und zwar 
4. Reihe: QRSTV, 5. Reihe: XYZ.H. S. Die zwei letzten 
Buchstaben H . S . entsprechen wohl dem von Ihnen angeführten 
Hans Schu. Auf dem sechsten Exemplar ist die Form des Tisches 
roh und verzeichnet, von dem Rechenmeister sind die Beine nicht 
sichtbar, auf dem Tisch sieht man zur rechten Hand eine Rechen- 
maschine {-fp , daneben das aufgezählte Geld; über dem Tisch 
stehen die Buchstaben G. — S. (wohl dem vorigen H. — S. ent- 
sprechend). Auf der Rückseite im Quadrat das Alphabet in vier 
Reihen, letzte Reihe: TV WXYZ. Das siebente Stück zeigt ähn- 
liche Vorderseite. Auf der Rückseite das Alphabet schöner aus- 
geprägt, in fünf durch Linien getrennte Reihen vertheilt und von 
einem geperlten Kreis und einem Zierrand umgeben. Auch auf 



Schulmünzen. Rechenpfennige. 151 

Stück 8, 9 und 10 ist das Bild des Rechenmeisters, des Tisches, 
der Rechenmaschine u. s. w. ganz ähnlich, nur tragen sie mit 
verschiedenen Stempeln hergestellt die Umschrift * HANNS . 
KRAVWINCKEL . IN . NVR (Nürnberg). Auf der Rückseite, 
sowie auf 7 das Alphabet in fünf Reihen von einem Kreis um- 
geben, statt des Zierrandes aber die Umschrift * FLEISIGE , 
RECHNVNG . MACHT . RICHTIKEIT (sie!). (Des Vergleiches 
wegen will ich einen anderen ähnlichen Pfennig anführen. 
Vorderseite: Gekrönte Venus, dem Wasser entsteigend, eine 
Salbflasche in der Hand; das Wasser ist durch Fische angedeutet 
Umschrift: VENVSPFENNING . «NVRENBER. Rückseite: 
Phantasie wappen von einem Kreis umschlossen, Umschrift: 
EGIDI KRAVWINCKELL). Stück 11 und 12 endlich zeigen auf 
der Vorderseite den mit elegant geschweiften Beinen versehenen 
Tisch in richtigerer Zeichnung, die Füsse des Mannes sind 
perspectiv richtig wiedergegeben, nicht wie auf den Stücken 1 
bis 5 in alter Weise J.L. Oben steht die Umschrift: RECHE- 
MEISTER Auf der Rückseite steht das Alphabet in fünf Reihen 
ohne Zwischenlinien und ohne von einem Kreis umschlossen zu 
sein, nur der Zierrand ist wie auf dem vorhergehenden siebenten 
Stück. In beiden Stücken folgen die Buchstaben so — 
TW | VXY&* 

Berlin. Dr. H. Voigt 



Literatur. 



Congres international de numismatique, Organist et r6uni 
äBruxelles — par la soci6t6 royale de numismatique de 
Belgique a l'occasion du cinquantiöme anniyersaire de sa 
cr6ation. — Bruxelles 1891. gr. 8°. 678 S. Mit vielen Ab- 
bildungen. 
Der vorstehende abgekürzte Titel kündigt uns ein Buch an, 
dergleichen unsere Literatur bisher keins aufzuweisen hat. Es 
hat aber bisher auch an der Veranlassung gefehlt, dem dasselbe 
seine Entstehung verdankt. Wieviel Münzforscher und Münz- 
freunde, hauptsächlich aus Belgien, Holland und dem benach- 
barten Frankreich sich zur Feier am 5. bis 8. Juli 1891 in 
Brüssel zusammengefunden und wie sie der von ihnen gepflegten 
Wissenschaft ihren Zoll entrichtet haben, davon legen die von 
den Herren Cumont und de Witte verfassten Berichte über die 
unter dem Patronat Sr. Eönigl. Hoheit des Prinzen Philipp von 
Sachsen - Koburg und dem Vorsitze des Präsidenten der 
jubilirenden Gesellschaft, Vicomte de Jonghe, abgehaltenen 
Sitzungen Zeugniss ab. Nach einer vom Baron Felix B&hune, 
einem Mitstifter, geschriebenen Geschichte der Gesellschaft folgen 
die Aufsätze aus den verschiedenen Gebieten unserer Wissen- 
schaft, mit welchen die anwesenden oder abwesenden Mitglieder 
ihre Theilnahme ausgedrückt haben. Über sie geben wir nach- 
stehend eine kurze Rechenschaft. 

Babelon erörtert die Frage, als was der Gegenstand auf- 
zufassen ist, den die Nike auf Alexanders d. Gr. Goldmünzen 



Literatur. 153 

in der Linken hält, den man gewöhnlich als Dreizack, Standarte, 
Segelstange oder Tropäumstange bezeichnet, and fasst das Er- 
gebniss seiner Untersuchungen in die Schlussworte zusammen: 
„Nous avons dfononträ, que cette divinitä (la Victoire) tient ä 
la main, non pas, comme on le dit g6n6ralement, une armature 
de tropbäe, mais la stylis (otwUc, GtvXiöxoq, Vorrichtung zum 
Halten des Aplustre) d'un navire: c'est une Victoire athänienne, 
et eile a pour attribut Tun des emblfimes de la puissance sur 
les mers. Ce type ä 6t6 inaugurä ä Poccasion des honneurs 
sans pr6c£dents qu'on dtaerna k Alexandre aux Panath6n6es de 
Tan 336, et il rappelle qu'en cette annäe-lä on acheva de r6tablir, 
dans le temple d'Athäna Parth6nos, des Victoires d'or, ä la place 
de Celles qui avaient et6 fondues 70 ans auparavant." — 
Maxe-Werly handelt über den Ursprung der Symbole auf 
einer gewissen Klasse von Münzen des südöstlichen Galliens. 
Er weist nach, dass dieselbe nicht aus sich selbst heraus zu er- 
klären, sondern als Entartung der Vorbilder anzusehen sind. 
Als solche haben namentlich die Silberstücke des tarraconensischen 
Rhoda gedient, deren Frauenkopf bis zu einem Dreieck und deren 
Rose der Rückseite zu einem Kreuze entstellt ist, mit mannigfacher 
Füllung der Winkel, u. a. einem torques, welcher sich später in 
ein Ohr verwandelt, dem vielfach ein Auge gegenübergestellt wird ; 
auch eine Hacke in verschiedener Gestaltung erscheint häufig in 
einem Kreuzeswinkel dieser im Becken der Garonne entstandenen, 
grösstentheils den Tolosaten zugeschriebenen Gepräge. Die 
Abbildungen weisen die Entstehung vieler anderer Gebilde auf 
diesen Münzen anschaulich nach. — Reicher bedacht ist die 
römische Münzkunde. M. Bahrfeldt giebt neue Beiträge zu den 
Einstempelungen auf römischen Denaren aus der Zeit der Re- 
publik und der ersten Kaiser, Gamurrini einen römischen Semis 
des Sextantiarfusses mit eingeritztem etruskischen Namen: 
Arevizies Rs. Crivepe-ve, d. h. Velius Grivibius Arevizii (seil, filius), 
Franc. Gnecchi berichtet über die Inedita, welche die 
römischen Ausgrabungen von 1890 gebracht haben, unter denen 
das wichtigste ein Bronzemedaillon von M. Aurel mit der bisher 



154 Literatur. 

ganz unbekannten Darstellung von Hercules und Omphale, und 
Blanchet über die auf die Gallier und Germanen bezüglichen 
römischen Münzen, ein Thema, das, soweit es die Germanen 
angeht, bereits von Köhne (im Bd. III, IV seiner Zeitschrift) be- 
handelt worden ist, z. Th. in grösserer Vollständigkeit, denn die 
von ihm verzeichneten Gepräge von Tacitus, Probus und Garausius 
vermisst man hier. Neu ist, dass die bisher für einen Parther 
angesehene Figur auf dem Denare des L. Ganinius Gaüus, Münz- 
meisters des Augustus, für einen Gallier erklärt wird, befremdend 
aber, dass Herr B. keine Victoria Gothica aufführt, da er an- 
scheinend (s. S. 1 24) die Gothen nicht für Germanen hält — 
De Schodt's Abhandlung „la numismatique romaine dans ses 
rapports avec l'art oratoire* hat nicht bloss die so zahlreichen 
Darstellungen einer „ adlocutio u zum Gegenstände, sondern auch 
die Stellung der einzelnen Kaiser zur Redekunst, und im An- 
schluss daran, zur Orthographie. Van Werveke führt aus, 
dass die Prägung in Trier nicht erst 296, sondern schon 293 
spätestens 294, und zwar mit Kleinbronzen von Constantius 
Ghlorus begonnen hat. 

Zahlreicher noch sind die Aufsätze über Fragen aus dem 
Bereiche der mittelalterlichen Münzkunde. Caron weist auf 
Grund eines Rücksiegels mit MG߀TR D€ ÄliDeXMORDO um 
einen Baum mit 6 Zweigen die so lange gesuchte Münze von 
Oudenarde in einer stummen maille mit entsprechendem Münz- 
bilde nach, Gocheteux erörtert Gewicht und Gehalt der 
französischen Münzen unter den Karolingern und bis zur Ein- 
führung der Mark unter Philipp L, Gumont die Anfänge der 
merowingischen Prägung auf Grund belgischer Funde, der 
Unterzeichnete die Siegesmünzen König Heinrichs II. und 
Herzog Gotfrieds 1. von Niederlothringen (von 1017) und die 
Herzog Gozelos I. und Kaiser Konrads II. (von 1037), Vicomte 
de Jonghe die noch immer streitige Frage, ob die wenigen 
Goldstücke Karls d. Gr. und seines Sohnes Ludwig Geld ge- 
wesen sind, v. Luschin das Werthverhältniss zwischen den 
Edelmetallen in Deutschland während des Mittelalters, und Graf 



Literatur. 155 

Papadopoli den Bimetallismus in Venedig im Mittelalter. 
Ferner beweist de Marchäville, dass Karl IV. von Frankreich 
nur die Turnosen mit KKROLVS HR REX, und zwar während 
der ersten drei Monate seiner Regierung geprägt hat, wogegen 
wegen zu leichten Gewichtes und des ganz ungebräuchlichen Kit 
die mit KMROLVS REX ihm abzusprechen seien, und wenn 
nicht etwa Karl von Luxemburg, so doch einen rheinischen 
Herrn zum Urheber haben möchten, Gavazzi macht uns mit 
einem zu Verona geschlagenen Grosso von Johann Galeazzo 
Visconti bekannt, der den Mailändern gleicht, und nur den hl. 
Ambrosius durch den hl. Zeno (S • ZEHVS • VEROHÄ) ersetzt, 
Luppi mit einem Mezzo Grosso des Bisthums Volterra 
(+ • PL'O : WLTERR7S Kreuz Es. + PP • R3SNERIVS Bischof) 
und Moraleda mit einem Triens des Leovigild mit EliVGRA RE, 
des ONO unter den Stufen des Kreuzes der Rückseite jedoch, 
das Überbleibsel des byzantinischen CONOB, sehr unglücklich 
durch omnes nobis obediant erklärt. Ein altes Räthsel löst 
Hauberg, indem er überzeugend nachweist, dass die sich als 
Nachahmungen der Dürstädter Denare Karls d. Gr. zu erkennen 
gebenden Halbbrakteaten, die Viele mit Köhne für die ältesten 
polnischen Gepräge gehalten haben, in Dänemark, vielleicht dem 
alten Königssitze Roskilde, ihre Heimath haben; die eingehende 
Untersuchung der Funde, in denen sie von 940 ab und bis in 
den Anfang des XI. Jahrhunderts, nirgends aber so zahlreich 
als in den skandinavischen Funden, besonders aber auf Seeland 
anzutreffen sind, lässt darüber füglich keinen Zweifel. Hilde- 
brand verbreitet sich über die in Schweden ausgegrabenen 
römischen Münzen und weist die mit Zeno (f 491) sclili essen den, 
leicht barbarischen Solidi den Ostgothen in Pannonien zu, 
während er meint, dass die auf Gothland und Bornholm ge- 
fundenen Solidi des Anastasius durch flüchtige Heruler, welche 
nach dem Auszuge der Ostgothen sich dorthin gewandt, mögen 
▼erschleppt worden sein. Picque erläutert ein Seitenstück zu 
dem im numismatisch-sphragistisehen Anzeiger vom December 1885 
nur kurz beschriebenen Doppelgroschen von Orchimont. einer 



156 Literatur. 

neu entdeckten, unweit Dinant belegenen Prägstätte, es sind 
beide Kromstaert's nach Art der flandrischen von Johann dem 
Unerschrockenen und Philipp dem Outen, und haben zum Urheber 
Bernhard von Burscheid (Bourset, Porcetum), einen be- 
rüchtigten Wegelagerer, dessen genanntes Raubschloss die 
Lütticher 1436 zerstörten; bemerkenswerth sind die Umschriften: 
+ BaRßÄR : FILIVS 5 B6RKÄRDI i DQ : BOR beziehungsweise 
BaRß7SRD:'PRIfla06mT5Rira? DQSBOVRSa 1 ). — Sambon 
bespricht die Kupfermünzen (cavalli) Ferdinands I. von Neapel, 
welche nach einer Verordnung von 1472 die seit Friedrich LT. 
geschlagenen, aber immer mehr verschlechterten Billonmünzen 
zu ersetzen bestimmt waren, und macht uns mit solchen von 
Amatrice (FIDEUS AMATRIX), Sulmona (mit SMPE) und den 
Auswurfsmünzen mit dem Bilde des Königs und seiner zweiten 
Gemahlin Johanna von Aragonien bekannt. De Witte weist die 
einander so ähnlichen Denare von Brüssel und Nivelles, wie sie 
der Fund von Betekom geliefert hat (Dannenb. 141 und 144) 
den Grafen von Löwen zu und in die Zeit von 1030—1040, da 
die Grafen als Voigte der Abtei Nivelles deren Rechte ein- 
schliesslich des Münzrechts an sich gerissen hatten, welche der- 
selben erst 1041 durch König Heinrich III. zurückgewährt 
wurden. — Als einziger Vertreter der muhamedanischen Münz- 
kunde erscheint Prinz Philipp von Sachsen- Koburg mit 
einer Gedächtnissmünze auf die Gründung der Stadt Sultaniji 
1305—1313 durch den mächtigen Hulaguiden-Sultan Öldschaitu. 
— Neuere Münzen haben ihre Bearbeiter gefunden in Ercole 
Gnecchi, der einen Thaler nach Art der holländischen 
Leeuwendalder, von Jacob III. Mandelli, Herrn von Maccagno, 
Ruggero, der einen solchen von Ludwig Caraffa, Herzog von 
Sabbioneta (mit MO • NO • ALOY • CARF • DVX . SAB) be- 
schreibt, Mac Lachlan, der die canadische Prägung vor 1840 
behandelt, und Fiala, der die Prägungen der Herren Wilhelm 
(f 1592) und Peter Wok von Rosenberg bespricht, deren Münz- 



1) Jetzt im Königl. Münzkabinet zu Berlin. 



Literatur. 1 57 

recht, vermuthlich das älteste in Böhmen, auf eine Verleihung 
König Sigismunds an Ulrich von Rosenberg 1422 zurückgeht, 
und nach Erwerbung der schlesischen Herrschaften Reichstein 
und Silberberg bis 1599 hier schwunghaft ausgeübt wurde. 
Auch Seh ulm an beleuchtet die ausserordentlich zahlreichen 
Münznachahmungen während des 80jährigen Unabhängigkeits- 
kampfes der Niederlande, die sich vorzugsweise an deutsche 
Muster anlehnen. Aber mit der Erklärung des zuletzt (S. 582) 
abgebildeten Mariengroschens wird man sich nicht einverstanden 
erklären können, denn der Spruch um das Marienbild vertrv. 
God we di Hei bedeutet doch sicher nicht: vertrouw God, weg 
die Hei, sondern Vertru God, so werd he di helpen, nach An- 
leitung anderer Gepräge, z. B. des Thalers der Maria von Jever 
(Madai 1737) mit Vertrv God so we h. d. uthelpe, und ebenso 
dürften die Schlussbuchstaben der Rf., die einzigen, welche nebst 
den Geprägen des Löwen uns den Münzherrn andeuten, nämlich 
D. in B. nicht dominae in Brederode zu ergänzen und auf die 
Äbtissin Margaretha von Thoren, sondern wohl eher auf deren 
Neffen Heinrich von Brederode, von dem wir viele ähnliche 
Münzen mit seinem Namen haben (v. d. Chijs, Holland Taf . 41 
und 42), oder etwa auf Batenburg zu beziehen sein. Auch 
eines orthographischen Schnitzers macht der Verfasser sich 
schuldig, indem er beständig Schwarzenburg statt Schwarzburg 
schreibt, was freilich einem Ausländer nicht hoch anzurechnen ist. 
Auch die Jetons haben ihren Bearbeiter gefunden in 
vanden Broeck, der uns die Rechenpfennige der Brüsseler 
Schatzmeister (receveurs et trtsoriers) vorführt, welche die Zeit 
von 1334 bis 1698 umfassen. Die ersten, schriftlos aber mit 
Wappen, sind aus der Zeit bis 1420, wo zwei patrizische 
receveurs walteten, demnächst treten aber die Handwerker neben 
den Patriziern in die Stadtverwaltung ein, und aus diesem Zeit- 
raum, bis 1496, haben wir eine andere Reihe solcher Rechen- 
pfennige seit der Mitte des Jahrhunderts mit den Namen der 
receveurs, seit 1473 mit Jahreszahlen ; von 1496 ab bis zu Albert 
und Isabella verschwinden Namen und Wappen, und es treten 



158 Literatur. 

an die Stelle der früheren Arten Rechenpfennige solche mit 
St. Michael und zum Theil St. Gudula, freilich schon seit dem 
XIV. Jahrhundert. Eine Tafel Abbildungen veranschaulicht die 
hohe Schönheit dieser Gepräge. 

Auch die Kunstmedaillen gehen nicht leer aus. Ambrosoli 
schreibt dem Bildhauer Jakob Jonghelinck nicht bloss die be- 
kannte Medaille der Margarethe von Osterreich mit Favente 
Deo zu, die Armand für italienisch erklärt, sondern auch eine 
andere noch unbekannte mit dem Brustbilde des Grafen Frosper 
Tedeschi (Todiscus) aus Piacenza, Castellani giebt eine eben- 
falls unedirte Medaille auf Giov. Peruzzo da Bartoledo aus Fano. 
die er für ein Werk des Matteo da Pasti hält, und Maz zerolle 
schildert den Lebenslauf des Nie. Briot, der bis 1625 der Pariser 
und dann der Londoner Münze vorgestanden hat, und spricht 
ihm das ihm gewöhnlich zugestandene Verdienst als Verbesserer 
der Münzprägung ebenso ab wie er die besseren seiner Medaillen 
auf den Einfluss und die Beihülfe von Guill. Dupr6, dem damaligen 
Gontröleur g6n6ral des effigies zurückführt. Eine neue einseitige 
Medaille Karls V. mit dessen Brustbild und dem ungewohnten 
Titel von Jerusalem stellt uns Morsolin vor, Picqu6 endlich 
giebt eine unedirte Medaille des XVI. Jahrhunderts: mit dem 
Bildniss des Kupferstechers Cornelius Cort, von Conrad Bloc, 
welche vermöge ihrer Jahreszahl 1595 des Letzteren Thätigkeit 
um zwei Jahre hinaufrückt ; es werden Bemerkungen über Beider 
Werke sowie über die des Malers Franz Plöns und seines 
Bruders, des Bildhauers Cornelius Floris angeschlossen, deren 
gleichfalls unedirte Medaillen gestreift werden. 

Allgemeinerer Natur sind die Aufsätze des Grafen Gen tili 
di Rovellone über le collezioni di numismatica, von 
Valien tin über den durch Eacsimiles ihrer Handschriften er- 
läuterten Bildungsgrad der Münzbeamten von Avignon und 
Villeneuve lez- Avignon gegen Ende des XVI. Jahrhunderts, von 
Blancard, der vor den Klippen bei Auslegung und Anwendung 
der Urkunden warnt, denen er den verdienten Platz, aber ge- 
bührendermassen erst nach den Münzen selbst einräumt, endlich 



Literatur. 159 

von Dirks. Dieser um die Alterthümer, insonderheit die numis- 
matischen seiner friesischen Heimath hochverdiente Forscher 
unterh&lt uns „des Pompei frisons et de leur importance au point 
de vue numismatique". Er bezieht den Ausdruck Pompeji nicht 
unpassend auf die mit dem Namen „Terp" belegten, zu Woh- 
nungen von Menschen und Vieh angelegten oft sehr umfang- 
reichen Erdaufschüttungen, deren trotz Abtragung so vieler noch 
eine beträchtliche Anzahl in Westfriesland erhalten ist. Die 
numismatische Ausbeute bis zum X. Jahrhundert, welche diese 
künstlichen Hügel ergeben haben, besteht in römischen Münzen, 
von denen die von Feins und Onna besonders interessant sind, 
weil sie bis zum friesischen Heerzuge des Germanicus (16 n. Chr.) 
gehen, ferner in wenigen byzantinischen Goldmünzen, in be- 
stimmten Gattungen von Sceattae, die man deshalb für die 
ältesten friesischen Gepräge erachten möchte, und endlich in 
karolingischen Münzen, die in grösserer Anzahl auftreten. 

Auch die der Münzkunde so nahe stehende Siegelkunde ist 
nicht leer ausgegangen. Graf Limburg-Stirum handelt sehr 
eingehend über die in trefflichen Abbildungen vorgeführten Siegel 
der erlauchten Familie Gavre, und Graf Nahuys von den Siegeln, 
welche die vereinigten Niederlande während der kurzen Ver- 
waltung des von der Königin Elisabeth ihnen gesandten Statt- 
halters Grafen Robert Leicester (1585 — 1587) gebrauchten, und 
in welche der eitle Graf die Aufnahme seines Namens nicht 
bloss, sondern auch seines vollständigen Wappens durchzusetzen 
gewu88t hat. 

Mit Einem Worte: der vorliegende, mit vielen guten Ab- 
bildungen geschmückte stattliche Band legt ein glänzendes 
Zeugniss davon ab, wie in der belgischen numismatischen Gesell- 
schaft der alte, in den Namen Lelewel und Ghalon sich ver- 
körpernde Geist noch gegenwärtig rege fortlebt; möge er, 
trotz der Wandelbarkeit alles Irdischen, ihr noch zu vielen 
ferneren Jubelfesten erhalten bleiben! 

H. D. 



160 Literatur. 

Eduard Fiala, Beschreibung böhmischer Münzen und 
Medaillen. Erster Band. Prag 1891. gr. 8°. 117 S. Mit 
10 Taf. Abbildungen. 

Im Schlussworte seiner Beschreibung der Donebauerschen 
Sammlung böhmischer Münzen, deren mittelalterlicher Theil 
Bd. XVII S. 106 d. Zeitschr. besprochen worden, hat Herr Fiala 
seine Absicht kundgegeben, demnächst eine Beschreibung aller 
in dieser reichhaltigen Sammlung fehlenden böhmischen Gepräge 
zu veröffentlichen, und hat dieser Ankündigung die That fast 
auf dem Fusse folgen lassen. Das Werk ist auf sechs Bände 
berechnet, welche behandeln sollen: 1) die Münzen bis zum Be- 
ginn der Brak teätenprägung ; 2) die Münzen bis zum Regierungs- 
antritt Ferdinands I.; 3) die neueren Münzen; 4) die Privat- 
münzen und Medaillen ; 5) die Städtemünzen, Nothzettel u. s. w. ; 
6) die Geschichte des böhmischen Münzwesens. 

Der vorliegende erste Band schliesst sich im Format wie 
im Übrigen äusserlich durchaus an das gedachte Donebauersche 
Verzeichniss an, beginnt mit den meist schriftlosen Geprägen 
der heidnischen Vorzeit und endet mit dem Könige Przemisl 
Ottokar L, also 1230. — Die Münzbeschreibungen sind überall 
verständlich und werden vielfach durch Abbildungen erläutert, 
denen dasselbe uneingeschränkte Lob gebührt wie den aus der- 
selben (Vitekschen lithographischen) Anstalt hervorgegangenen 
Donebauerschen. Nur etwas mehr Übersichtlichkeit wäre er- 
wünscht gewesen, um beim Durchmustern der langen Reihen 
ähnlicher Gepräge Auge und Sinn vor Ermüdung zu bewahren, 
namentlich hätte es sich doch sehr empfohlen, die Prager Ge- 
präge von den übrigen, von Breslau? (Nr. 81, 83), von Pilsen 
(Nr. 368), Wissegrad u. s. w., zu sondern, eine so merkwürdige 
Münze wie die der Biagota (Nr. 109) nicht unter den vielen 
Boleslaws verschwinden zu lassen, wie es andererseits auch 
nützlich gewesen wäre, die Nr. 341 an die Nr. 355 mit Edelred 
rex Ang anzuschliessen und somit mindestens dadurch erkennbar 
zu machen, dass sie nur eine Nachbildung dieses interessanten 
Denars ist, der vielleicht in dem Jaromir Nr. 347, welcher sehr 



Literatur. 161 

an den Nabburger (Dannenb. 1122) erinnert, sein Seitenstück hat. 
Gewagte Deutungen, wie solche uns in dem früheren Werke be- 
gegnet sind, fehlen auch hier nicht: Nr. 233, auf der das doppelte 
G) neben der Dextera dei durch das hebräische Schadai (heilig) 
erklärt wird, die Erklärung des EOrc unter dem Kirchengiebel 
von Nr. 113 durch &r\oa (so, statt öcogl), und ebenso wenig ist 
es zu billigen, was bei Nr. 924 und 927 über „die griechische 
Nase" des Wenzel von Olmütz, Sohnes des Herzogs Swatopluk 
gesagt wird, das ist ebenso unzutreffend wie die Vertheilung der 
persischen Dariken an bestimmte Grosskönige, die man auf die 
Form der Nasen und die Länge der Arme der Bogenschützen 
hat stützen wollen. Auch die Einführung einer Abtheilung 
„Handelsmünzen« (Nr. 183—236) dürfte kaum auf Beifall zu 
rechnen haben, F. begreift darunter die meisten Boleslaws mit 
der Hand, namentlich auch alle des Münzmeisters Omeriz mit 
Brustbild. Die vielfach Wenzel dem Heiligen zugeschriebenen, 
auch bei Althöfchen und Rummelsburg vorgekommenen Denare 
eigenthümlich unbeholfener Arbeit (Mzstud. VIII Taf. I, 5, Berl. 
Bl. f. Mzkd. I Taf. I, 62) werden (Nr. 246—249) dem erst- 
geborenen, früh verstorbenen Sohne Boleslaws II. und der Emma 
zugewiesen, der vielleicht ein Theilfürstenthum innegehabt habe; 
es ist indessen der dafür geltend gemachte Grund hinfällig, dass 
mehrere „nach rückwärts streng abgegränzte Funde tt , z. B. der 
von Althöfchen, jene Zutheilung verböten; hinfällig namentlich 
auch mit Rücksicht auf die römischen Kaiserdenare, welche nicht 
selten in solchen Funden des zehnten und elften Jahrhunderts 
auftreten. Nicht recht verständlich ist ferner, warum die Denare 
des Slawnikiden Sobieslaw (Nr. 253 — 260), welche doch so 
deutlich die Prägestätte Lubic und Malin kundgeben, diesem 
verweigert werden, ohne dass an Stelle dieser von Menadier 
(Bd. XV S. 121 d. Zeitschr.) wohlbegründeten Zuweisung irgend 
eine andere gesetzt würde. Und ebenso werden nicht bloss die 
Polen Widerspruch dagegen erheben, dass sämmtliche Münzen 
ihres Boleslaw Chrobry hier (Nr. 301—328) unter die böhmischen 
eingereiht sind, selbst die in Onesen und Mogilno geschlagenen, 

Zeitschrift für KnmUmatik. XIX. 1 1 



162 Literatur. 

bei welchen letzteren übrigens der Taf. IX, 113 d. Mitth. cL num. 
Ges. zu Berlin abgebildete übersehen ist. Auch hier wieder 
finden wir „Handelsmünzen*, als welche besonders die vom Adel- 
heids-Gepräge bezeichnet werden. Bei Nr. 322 ist die Umschrift 
der Rückseite verkannt, die doch offenbar (rückläufig) INCUTVS, 
nicht MISUCAT zu lesen ist Nicht minder wird sich gegen 
manche Zutheilungen Widerspruch erheben, so z. B. bezüglich 
der Nr. 930—934, welche Luschin in seiner Beschreibung des 
Kakwitzer Fundes dem Bischof Heinrich Zdik von Olmütz giebt, 
während der Verf. einen jung verstorbenen Sohn des Herzogs 
Swatopluk damit bedenkt. 

Besonders ansehnlich sind vermöge der so ausgiebigen 
neueren Funde von Eibenschitz, Senitz, Rakwitz, Mitko- 
witz u. s. w. die Folgen aus der Spätzeit des elften und aus 
dem zwölften Jahrhundert, welche bei Voigt so verschwindend 
klein erscheinen und die bezüglich des Gepräges zu den inter- 
essantesten des ganzen Mittelalters zählen, jedoch vermisst man 
unter den Münzen des Olmützer Theilfürsten Boleskw, Sohnes 
Wratislaws IL und der Swatawa (1090, Nr. 665, 666), die von 
Boczek veröffentlichten mit Wratislaws Kopfe. 

Belehrend sind die Angaben über die verschiedenen Funde, 
denen die beschriebenen Münzen entnommen sind, mehr als 100 
an der Zahl, nur wäre ein unmittelbarer Anschluss der be- 
treffenden in Anmerkungen verwiesenen Nachrichten an den 
Text, sowie ein regelmässiger Nachweis der bezüglichen Lite- 
ratur sü wünschen gewesen, der a. B. bei Nr. 22, 51, 53, 54 
(Witzraitz, Lübeck, Pammin, Farve) fehlt, also die Nachprüfung 
erschwert. Dass aber diese nicht so überflüssig, lehrt z. B* 
Anm. 11, wo der Fund von Lang-Goslin ins Jahr 980 gesetzt 
und doch ein Denar Eberhards von Naumburg (1045—1078) als 
Fundbestandtheil aufgeführt wird, es ist dafür jedenfalls Herzog 
Eberhard von Baiern zu lesen, da nach Mittheilung des Besitzers 
ein solcher im Funde gewesen. Auch die Nachricht über den 
Fund von Turwia (Tureff) Anm. 10, dass er Boleslaws enthalten 
habe, verträgt sich schlechterdings nicht mit Köhnes ausdrück- 



Literatur. 163 

licher Versicherung, dass sie gefehlt hätten (M6m. St. Pet. V 
S. 247). * 

Wir verdanken somit dem Eifer und Fleiss des Herrn Fiala 
zwei Werke, welche nach Vollendung des hier besprochenen uns 
den so reichen und anziehenden böhmischen Münzvorrath in 
seiner Gesammheit, unterstützt durch getreue Abbildungen, vor 
Augen führen wird. Einzelne kleine Wünsche, wie z. B. ein 
Nachweis der im Texte schwer aufzufindenden Abbildungen, 
werden hoffentlich im Schlussheft ihre Befriedigung finden ; möge 
es so bald erscheinen als die Rücksicht auf Gründlichkeit es 
gestattet. 

H. D. 



ir 



Nekrolog. 



Am 22. Januar 1892 verschied zu Münster i. W., wo er ge- 
lebt hatte, der Juwelier Werner Wippo. Er hat sich durch die 
Beschreibung einiger Funde rheinisch-westfälischer Mittelalter- 
münzen, von Gappenberg, Rentrup und Damm (in d. Zeitschr. d. 
V. f. Gesch. u. Alterth. Westf. Bd. 26 S. 333—356), und nament- 
lich der noch wichtigeren von Hessein und Büren (a. a. 0. Bd. 29 
S. 236—255) ein Denkmal gesetzt, aber auch ausserdem während 
seines langen Lebens sich nach Kräften um unsere Wissenschaft 
verdient gemacht, so als Vorsteher der Münzsammlung des ge- 
dachten Vereins und durch Vermittelung der Erwerbung des 
hochinteressanten Fundes von Klein-Roscharden (Bd. XV S. 281 
d. Zeitschr.) für das hiesige K. Münzkabinet. Wer ihm je näher 
getreten ist, der wird bezeugen, dass er uneigennützig jede 
wissenschaftliche Bestrebung zu fördern stets bereit war. 

H. D. 



Über einige seltene Münzen von Eimera 1 ). 

(Tafel III.) 



Im Herbst des Jahres 1890, während einer Reise nach 
Unteritalien and Sicilien, hatte ich Gelegenheit mich mit einem 
kleinen, aber wichtigen Münzenfunde, aus etwa zweihundert 
archaischen Tetradrachmen und Didrachmen der Städte Akragas, 
Gela, Leontinoi, Messana, jSegesta, Syrakus und Himera be- 
stehend, bekannt zu machen. Die Stücke von sechs der ge- 
nannten Städte zwar boten an sich nichts Neues oder Seltenes. 
Dagegen sind diejenigen Himera's von Bedeutung und Interesse. 
Dieselben zeigen die folgenden Typen: 

I. Tetradrachmon des frühesten Stiles auf kleinem, dickem 
Schrötling. Avers: Biga, nach links gehend. Revers: 
Opfernde Nymphe vor schmucklosem Altar, und kleiner 
Silen mit buschigem Rofsschweif, rechts gewendet, unter 
Wasser speiendem Löwenrachen badend. Über beiden 



1) Im Augenblick, wo die Korrekturbogen meiner Arbeit dem Druck 
abergeben werden sollen, höre ich, dass soeben im zweiten Heft des 
XIX. Bandes dieser Zeitschrift ein Aufsatz Aber die Didrachmen von Himera 
mit den Aufschriften iaton and xothr erschienen sei, and dass. der Ver- 
fasser die entere gleichfalls als iataiv, d. h. (Weihgeschenk) der Geheilten, 
erklare. Obgleich ich jenen Aufsatz noch nicht gelesen habe, glaube ich 
doch die Gelegenheit ergreifen zu sollen , um meine Freude darüber auszu- 
sprechen, dass meine Ansicht, mir unbewusst, von anderer — und kompe- 
tenterer — 8eite in diesem wichtigen Punkte getheilt wurde. 

London, den 12. Juli 1893. 

Der Verfasser. 

Zeitschrift für Numismatik. XIX. 12 



Ißg E. J. Seitmann: 

Figuren im Halbkreis: (IM)EKAION. (Gefunden: Ein 
Exemplar von guter Erhaltung.) 
II. Tetradrachmon. Avers: Biga, nach rechts gehend. 
Ueber dem Wagenlenker in kleinen Buchstaben: PEAOY. 
Revers: Die Nymphe Himera, stehend und ihr weites 
Gewand nach links hin ausbreitend, Af\3M\. Im Ab- 
schnitt des Avers ein Pinienzweig mit Fruchtzapfen. 
(Gefunden: Ein Exemplar. Recht gut erhalten). 

III. Tetradrachmon mit den Typen wie No. I, aber aus etwas 
späterer Zeit. IMERAION im Abschnitt unter der Biga 
(nicht über der Nymphe, wie bei jenem). Der badende 
Silen ist von vorn dargestellt. (Gefunden: Sechs Exem- 
plare; fünf sehr schön erhalten, der Avers des sechsten 
stark von Rost angegriffen.) 

IV. Didrachmon. Avers : Nackter Reiter, mit kurzer Doppel- 
geissel in der Linken, vom Pferde springend. Letzteres 
ist in höchster Aktion dargestellt. Im Abschnitt 
IMERAION. Revers: Opfernde Nymphe. Rechts von ihr 
Schlangenstab und iOTHR. (Gefunden: Zwei Exem- 
plare. Beide vorzüglich erhalten.) 

Ausserdem fanden sich ein Dutzend mittelmässig erhaltene 
Didrachmen, mit den Typen von Hahn und Krebs, vor. 

Von obigen Münzen hat das Berliner Kabinet die erste 
und von den Nummern III und IV je ein Exemplar erworben, 
und dieser Aufsatz hat seine Veranlassung in der Bitte um 
nähere Mittheilungen, welche von dort an mich ergangen ist. 

Was nun zunächst die chronologische Folge der genannten 
Stücke betrifft, so habe ich mich bemüht dieselben in erster Linie 
vom stilistischen Gesichtspunkt, je nach dem Grade der künstle- 
rischen Entwicklung, zu beurtheilen und zu ordnen. Meine Anord- 
nung wurde aber noch von einem glücklichen Umstand begünstigt 
und unterstützt: ich hatte einen einheitlichen Fund von mehr 
oder minder gut erhaltenen Münzen vor mir. Dass derselbe in 
der That ein homogener war, wird, von der stilistischen Zu- 
sammengehörigkeit und Sequenz der Fundstücke abgesehen, durch 



Über einige seltene Münzen von Himera. 167 

den folgenden Umstand zur Gewissheit. Der antiquario, bei 
dem ich die Münzen sah, sagte mir, dass dieselben wenige Tage 
vorher im Innern des Landes von zwei Baufrn gefunden worden 
wären. Die Leute hätten sich in den Fund getheilt. Zur Zeit 
besässe er nur einen Theil; er würde sich aber bemühen 
auch den Rest aufzukaufen. Nach wenigen Wochen schickte 
er mir letzteren zu, und ich fand, dass auch dieser der gleichen 
Periode und denselben Städten angehörte. Später hörte ich, 
dass ein Tetradrachmon wie No. III in Sicilien zurückbehalten 
worden sei, und ein Didrachmon wie No. IV ist kürzlich im 
Numismatic Chronic! e beschrieben worden. Wird nun in 
solchem Falle das relativ höhere Alter des Stiles von dem 
relativ stärkeren Grade der Abnutzung bestätigt, so darf über 
die Richtigkeit der chronologischen Ordnung ein begründeter 
Zweifel wohl nicht obwalten. In unserm Falle decken sich 
beide Beurtheilungspunkte. Das erste Tetradrachmon hat am 
meisten durch Abnutzung verloren und es ist, stilistisch, am 
wenigsten entwickelt. Ihm folgt die Pelopsmünze nach Stil 
und Erhaltung. Die Stücke der folgenden Nummer, obschon 
nicht alle von gleich vollkommener Prägung, sind doch etwas 
vorgeschrittener und feiner in der Ausführung und Technik. 
Dem entspricht es wiederum, dass dieselben bei weitem weniger 
durch Gebrauch gelitten haben. 

Die beiden Didrachmen schliesslich gehören, nach Erhaltung 
und Stil, genau dieser etwas späteren Periode an. 

Was nun No. I, das älteste Tetradrachmon, im Besonderen 
betrifft, so ist mir nur ein zweites Exemplar in der Hunter- 
Sammlung, das ihm gleicht, bekannt. Zwar giebt auch Torre- 
muzza auf Tafel XXXV seines Werkes ein Tetradrachmon mit 
IMEPAION über der opfernden Nymphe, von dem er sagt: Neque 
aliom vidi praeter hunc. Aber jenes unterscheidet sich wesent- 
lich von dem unsrigen und muss einer späteren Periode an- 
gehören. Einmal lautet die Inschrift dort, wie auf den meisten 
Tetradrachmen Himeras, IMEPAION, nicht IMERAION. Auch ist 
der Altar, wie auf späteren sei inun tischen Stücken, flammend 

12* 



168 E* «T- Seitmann: 

dargestellt. Endlich stammt die Quadriga (Torremuzza nennt 
sie, offenbar durch fehlerhafte Prägung getäuscht, eine Triga) 
augenscheinlich aus |anz verchiedenem Stempel. 

Abgesehen von seiner starken Abnutzung spricht Folgendes 
für das hohe Alter unseres Stückes. Der sehr dicke und kleine 
Schrötling ist von früharchaischer Fa$on. Damit stimmt auch 
die Form der Buchstaben überein. Das Gleiche gilt von der 
Art der Darstellungsweise, welche die denkbar einfachste nnd 
schmuckloseste ist. Die Gewandfalten der Nymphe sind steif 
und gezogen; ihre Beine sind ungeschickt gespreizt, die Füsse 
plump nach aussen gestellt. Fast noch kindlicher und unvoll- 
kommener ist die Darstellungsart der andern Seite. In der 
Nymphe und dem badenden Silen mag der Künstler vielleicht 
einer frühen Skulptur im Tempel des Asklepios bei den Thermen 
gefolgt sein. Für die Biga und den Wagenlenker hat er wohl 
kein Modell benutzt; entweder weil es ihm fehlte, oder weil er 
es entbehren zu können glaubte. Jedenfalls zeigt das Resultat, 
wie sehr es ihm an Übung in der Darstellung des Gegenstandes 
mangelte. Ob der Stempel im Felde der Rückseite, links über 
der Nymphe, ein Beizeichen (Rad oder Getreidekorn) enthalten, 
lässt sich, eines Prägungsfehlers halber, nicht mit völliger Sicher- 
heit bestimmen. Denken wir uns aber die von dem Fehler ver- 
deckten Anfangsbuchstaben I M der Stellung des dritten Zeichens 
— E — gemäss ergänzt, so wird ersichtlich, dass für ein Bei- 
zeichen wohl kein Raum geblieben wäre. Keinesfalls würde der 
Künstler einem solchen seinen Platz ausserhalb der um- und 
abschliessenden Inschrift angewiesen haben. Auch durch diesen 
Mangel des Beizeichens sondert sich diese Münze, gleich den 
Tetradrachmen unter No. III, von bisher bekannten Exem- 
plaren ab. 

Dies Tetradrachmon setze ich bis zur äussersten Grenze der 
Periode zurück, welche diesen Stücken zugewiesen wird, bis 
an den Beschluss der akragantinischen Hegemonie, 472 a. Chr. 
Dass die frühen Didrachmen attischen Gewichtes mit Hahn 
und Krebs die Zeit jener Herrschaft markiren, ist zweifellos. 



Über einige seltene Münzen von Himera. 169 

Dies schlösse immerhin die Möglichkeit nicht aus, dass gleich- 
zeitig Doppelstücke desselben Systems mit andern Typen aus- 
gegeben worden seien, die sich durch diese Typen an die um 
jene Zeit massenhaft kursirenden syrakusanischen Tetradrachmen 
angelehnt hätten und gleichsam ein Ausdruck und eine Be- 
kräftigung des Bundes zwischen Gelon und Theron geworden 
wären. Auf beiden erscheint die Biga; auf diesen die Nymphe 
des Himeraflusses; auf jenen die der Arethusaquelle. Wendet 
man ein, dass die Typen auf gleichzeitigen griechischen Münzen 
verschiedenen Werthes sich, naturgemäss, immer aufeinander 
bezögen, so könnte an gewisse Tetradrachmen, Didrachmen und 
Drachmen (z. B. solche von Gamarina, Messana und Selinus) 
erinnert werden, die, der gleichen Periode angehörend, gesonderte 
Typen besitzen. Zudem zeichneten sich die Münzen Himera's 
durch grosse Mannigfaltigkeit der dargestellten Personen und 
Dinge aus. Von ersteren (i. e. Götter und Helden) finden wir 
auf ihnen, ausser der Quellennymphe mit dem Silen, den Pelops, 
Eronos, Herakles und Hermes, die Nike, Athena und die Medusa. 

Gleichwohl giebt es einen gewichtigen und entscheidenden 
Grund gegen die Annahme der Gleichzeitigkeit des frühen 
Didrachmons und der ältesten Doppelstücke: die Verschieden- 
heit ihrer Aufschriften; HIMERA bei jenen, bei letzteren stets 
ohne das H. In Bezug auf unsern Fund spricht dagegen auch 
der Umstand, dass die zu ihm gehörigen Didrachmen dieser 
Prägung, welche wir oben beiläufig erwähnten, noch etwas 
stärker durch Gebrauch verloren haben, als das älteste Tetra- 
drachmon, obgleich sie durch ihre geringere Schwere der Ab- 
nutzung weniger ausgesetzt gewesen. Ich habe mich über diesen 
Punkt ziemlich ausführlich verbreitet, da er, nachdem wir uns 
seiner versichert, eine feste Basis bietet, nach der die übrigen 
Stücke dem Stil und dem Erhaltungsgrade gemäss beurtheilt 
und chronologisch fixirt werden können. 

Nach dem Grade der Abnutzung zu schliessen, muss diese 
Münze wenigstens zwanzig Jahre lang von Hand zu Hand ge- 
gangen sein. 



170 E * J - Seitmann: 

No. II, die seltene Pelopsmünze, ist durch ihre Aufschrift 
berühmt. Zu bemerken über dieselbe habe ich nur, dass ich in 
dem Beizeichen des Abschnittes, welches Dr. Imhoof-Blumer in 
seinen Monnaies Grecques als Dattelpalmzweig mit Früchten 
beschrieben hat, lieber einen Pinienzweig mit dem grossen 
Fruchtzapfen sehen möchte. Hierfür spricht sowohl die cha- 
rakteristische Form des Gegenstandes, wie der Inhalt der Sage 
vom Pelops, dem kühnen Wagenlenker und Liebling des Posei- 
don, den der Gott, wie Pindar singt, nach dem Olymp entführte. 
Das Tetradrachmon ist vielleicht bei Gelegenheit festlicher Spiele 
am Gestade von Himera zu Ehren des Poseidon, in denen der 
Sieger den heiligen Pinienkranz des Gottes gewann, geprägt 
worden. Die hohe Seltenheit des Stückes (meines Wissens 
giebt es nur zwei andere Exemplare) scheint für einen der- 
artigen Ursprung zu sprechen. Wäre dem wirklich so, dann 
besässen wir in diesem Tetradrachmon gleichsam die älteste be- 
kannte Denkmünze, geprägt für eine besondere Gelegenheit und 
mit namentlicher Beziehung auf eine bestimmte Person: den 
Schutzpatron der Rennbahn, dessen Leben und Thaten für den 
Griechen nicht Fabel, sondern Geschichte waren. 

Die Münze kann nicht viel jünger sein, als das Tetra- 
drachmon No. I. Nach der bessern Erhaltung und dem etwas 
freieren Stil zu urtheilen, mögen indessen sechs bis sieben Jahre 
zwischen beiden liegen; sie dürfte also um 465 a. Chr. ent- 
standen sein. 

Das Tetradrachmon No. III bringt uns eine etwas spätere 
Variante von No. I. Mit Ausnahme eines Stückes, welches, wie 
schon bemerkt, von Rost angegriffen war, sind sämmtliche 
Exemplare von sehr schöner Erhaltung, obgleich die Prägung 
nicht bei allen gleich gut gelungen ist. Jedenfalls hatten die- 
selben fast gar nicht kursirt, und der kleine Schatz muss bald 
nach ihrer Prägung der Erde zur Aufbewahrung anvertraut 
worden sein. Indessen kann man auch diese Stücke nicht über 
die Mitte des Jahrhunderts hinausschieben, denn wesentliche 
Gründe sprechen für ihr hohes Alter. Einmal ist die Schreibung 



Über einige seltene Münzen von Himera. 171 

des Ethnikon immer noch IMERMON, nicht IMEPAION. Aach 
erscheint die Darstellungsweise , im Ganzen wie in den Einzel- 
heiten, von ausgesprochen archaischem Charakter. Die Rosse 
schreiten in ruhigster Gangart. Die Gestaltung des Wagen- 
lenkers und der Nike ist eckig und ungeschickt. Die opfernde 
Nymphe trägt die Gewandung in den steifen konventionellen 
Falten der frühen Kunstperiode. Obgleich im Profil gesehen, 
ist ihr Auge, wie auf den ältesten Münzen, „en face u dargestellt. 
Das Haar, chignonartig geordnet, ist rückwärts durch das Diadem 
gezogen und ragt in einem Büschel darüber hinaus. Zwar sind 
die Füsse nicht mehr, wie auf der frühesten Münze (No. 1), 
nach auswärts gezwängt, sondern sie erscheinen, der Darstellung 
der ganzen Figur entsprechend, verkürzt von vorn gesehen. Aber 
die Stellung der Schenkel ist noch immer eine ungeschickte, die 
Hand ist gross, die Finger steif gespreizt. Die Gestalt setzt 
sich aus Winkeln, anstatt fliessender, gerundeter Linien, zu- 
sammen, und Haltung wie Aktion sind typisch archaisch* Ein 
Gleiches oder Ähnliches gilt von dem badenden Silen. 

Band X 1890 des Numismatic Chronicle enthält einen Auf- 
satz über „some new artists' signatures on Sicilian coins". 
In demselben wird ein Tetradrachmon (Tafel XVIII, la) mit 
MOIAS3MI und dem Beizeicheu des Hahnes im Abschnitt unter 
der Biga der Zeit um 470 a. Chr. zugewiesen, weil die Haar- 
tracht der Nymphe derjenigen unseres Stückes ähnelt, und jene 
Münze soll, mit Ausnahme des Stückes mit dem Beizeichen des 
Bades im Felde über der Nymphe, das älteste Tetradrachmon 
Himera's sein. Ich verweise den Leser auf die Abbildung des 
Stückes in dem genannten Journal und überlasse es ihm, nach 
Avers und Revers desselben zu beurtheilen, ob es älter als das 
unsrige sei. Da der Revers mit der Nymphe stark gelitten zu 
haben scheint, wird man sich zwecks Vergleichung mehr an den 
Wagenlenker, die Nike und die Pferde halten müssen. Ich ge- 
stehe, dass sie meinem Auge nach Haltung und Handlung ent- 
schieden vorgeschrittener erscheinen. Wird aber unserer Münze 
ein höheres Alter zugestanden, so erledigt sich damit auch jene 



172 E. J. Seitmann: 

wichtige Frage, welche der Verfasser auf wirft und bejaht, näm 
lieh — dass die Künstlerinschrift KIMON, die er auf dem Altar 
jener Münze entdeckt, berufen sei, unsere Auffassung über das 
höchste Alter von solchen Signaturen auf sicilischen Münzen 
sehr stark zu modificiren, denn unser Stück kann, wie gesagt, 
nicht früher als um die Mitte des Jahrhunderts entstanden sein, 
da seine im Vergleich zum Tetradrachmon No. I (welches nur 
bis 472 a. Chr. zurückverlegt werden darf) ganz vollkommene 
Erhaltung beweist, dass mindestens zwanzig Jahre zwischen 
ihnen, als Theilen eines einheitlichen Fundes, liegen müssen. 
Hiergegen darf nicht eingewendet werden, dass die Frische der 
Erhaltung vielleicht auf der Zufälligkeit geringen Kursirens be- 
ruhe, denn wir besitzen nicht nur ein Stück ä fleur de com, 
sondeyi ein halbes Dutzend. Wenn ich „zwanzig" Jahre sage, 
so habe ich dabei auf die (des hohen Reliefs halber) schnellere 
Abnutzung griechischer Münzen ausdrücklich Bücksicht ge- 
nommen. Wollte man den Maassstab der Abnützung moderner 
Münzen anlegen, so würde sich dieser Zeitraum verdoppeln, so 
wundervoll ist die Frische dieses Tetradrachmons im Vergleich 
zu dem ältesten Stück. 

Endlich möchte ich über dasselbe noch im Allgemeinen be- 
merken, dass es, im technischen Sinne, zu den besten Erzeug- 
nissen der archaischen Epoche gehört. Die zierliche Sicherheit 
in der Führung des Grabstichels ist eine ganz überraschende. 
Man beachte z. B. die leichte schleierartige Gewandung der 
Nymphe, welche die Konturen des Busens und der Schultern, 
des Oberarms und der Schenkel zart, aber deutlich hervor- 
treten lässt. 

Wir gelangen nun zur Besprechung des letzten und wichtig- 
sten Fundstückes, des unter No. IV beschriebenen Didrachmons 
mit der Aufschrift <OTHR. Ein Blick auf das Stück genügt, 
um festzustellen, dass es genau derselben Zeit angehören muss, 
wie das Tetradrachmon No. III, denn Stil und Technik sind die 
gleichen. Auch ist die Erhaltung nicht minder schön. 

Es giebt bekanntlich eine seltene Münze, der unsrigen ganz 



Über einige seltene Münzen von Himera. 173 

ähnlich, mit der berühmten Aufschrift IATON. Dieses Wort 
findet sich auch auf dem Avers eines frühen Didrachmons mit 
dem Hahn und der Henne, und es ist viel daran herumgedeutet 
worden. Ugdulena in seiner Schrift „sulle monete Punico-Sicule 
(Palermo 1857)" giebt eine gelehrte Auseinandersetzung des 
Sinnes, dass es uns den alten punischen Namen Himera's über- 
liefere. Dieser habe IA gelautet, und die Bewohner hätten folg- 
lich die IATOI geheissen. Irgendwelchen historischen Anhalt für 
seine Behauptung, dass Himera gar keine griechische, sondern 
eine karthagische Pflanzstadt gewesen sei, bringt er natürlich 
nicht bei. Aber er meint den Namen IA in den ersten Zeichen 
(die er meist falsch gelesen) zahlreicher sicilischer Münzen mit 
phönicischen Inschriften zu finden. Nun wirft er diese, gross 
und klein, munter auf einen Haufen und theilt sie alle Himera, 
resp. IA zu, unbekümmert darum, dass viele jener Stücke (es 
scheinen meist Münzen von Panormos zu sein) um ganze Gene- 
rationen über das Jahr der Zerstörung der Stadt (408 a. Chr.) 
hinabreichen. 

Kehren wir indessen zu unserm Didrachmon zurück. Gelingt 
es, seine Inschrift in natürlicher und befriedigender Weise zu 
erklären, dann dürfte es wohl für das richtige Verständniss 
jener gleichartigen Münze nutzbar werden. 

Es ist zunächst klar, dass die Bezeichnung €OTHR nur 
einem Gott oder göttlichen Heros gelten kann und am natür- 
lichsten auf die Gottheit zu beziehen sein wird, an deren Altar 
die Nymphe opfert. Auf den gleichzeitigen selinuntischen Tetra- 
drachmen und Didrachmen sind die Altäre, vor denen der Selinus 
und der Hypsas Opfer bringen, durch den Hahn oder die um- 
windende Schlange dem Asklepios zugeeignet. Auf unsrer Münze 
finden wir den Schlangenstab, das Attribut desselben Gottes, 
dem der Name des Retters und Erhalters ja auch im recht 
eigentlichen Sinne zukommt. Ihm bringt die Göttin fromme 
Opfer, und das Volk verherrlicht ihn durch festliche Spiele, wie 
sie uns der Avers in dem vom Rosse springenden Jüngling, 
dessen Stirn das Diadem des Siegers schmückt, zeigt. Darf 



174 E J Seltmann: 

man vielleicht die Aufschriften in Verbindung bringen und lesen: 
IMERAIOM £07* HR? Manche Didrachmen von Akragas aus der 
gleichen Periode haben AKRA auf dem Avers und CA< auf der 
Kehrseite. Wiederum auf Münzen von Heraklea Minoa aus 
etwas späterer — griechischer, nicht punischer — Zeit findet 
sich die Inschrift HPAKAEI2TAN EK KEOAAOIAIOY auf die beiden 
Seiten vertheilt. Das Verbinden solcher Trennungen scheint dem 
Volke also nicht fremd gewesen zu sein. Auf wohlbekannten 
Münzen lesen wir als einheitlichen Ausdruck: HPAKAEOY€ 
Ö2THP0S GASIßN und AIONY^OY «GTHPO* MAPflNITßN. Dem 
sprachlichen Gebrauch nach wäre unsere Inschrift vielleicht in 
derselben Einheitlichkeit zu erfassen. Galt doch Asklepios von 
Alters her durch die weitberühmten Thermen den Bewohnern so 
recht eigentlich als der Erhalter, und unter den religiösen Ob- 
liegenheiten nahm seine Verehrung im Gemeinwesen zweifellos 
die erste Stelle ein. Wie der Hahn — gewiss nicht als type 
parlant, sei. *7gv£ w&Qots oder IpiQa;, sondern als Sinnbild des 
nimmer ermüdenden, wachenden, heilenden Gottes — schon die 
ältesten Münzen der Stadt schmückt, so ziert sein Altar noch 
das Tetradrachmon ihrer letzten Tage. 

Bei längerem Aufenthalt im südlichen Italien wird man 
gewahr, dass noch so manche Reste antiker Sitte an Leib und 
Seele des Volkes haften. 

Wer zu Neapel, nicht fern von der Immacolatella, den 
Töpfermarkt achtsamen Auges durchschreitet, wird unter seinen 
Waaren manch Abbild griechischer Gefässe entdecken können. 
Roh und schmucklos sind sie, armselige Scherben von der 
Göttertafel; aber die Grazie der Form hat ihnen die Sitte ge- 
wahrt. Und in den Buden der Ol- und Weinkrämer kann man 
heute, wie vor zweitausend Jahren in Pompeji, die bauchige 
Amphora, nicht selten mit ihrem in einer Spitze verlaufenden 
Ende in den Boden gesenkt, finden. In seinem Glauben, oder 
Aberglauben, hat sich das Volk die dii minores unter ver- 
änderten Namen oftmals zu erhalten gewusst. Santa Anna ist 
an die Stelle der Eileithyia getreten, und San Gennaro, dessen 



i 



Über einige seltene Münzen von Himera. 175 

wundertätiges Blut (so meint das Volk) noch vor wenigen 
Jahren der Choleraseuche Einhalt gethan, ist der „ Retter 
Asklepios" des Neapolitaners. Wie nun, nach dem Volksglauben, 
christliche Heilige an gewissen Schreinen Heilungen vollbringen, 
zu welchen es ihnen anderorts an Kraft zu gebrechen scheint, 
so äusserte sich die Macht der alten Götter in manchen Heilig- 
tümern in besonderem Maasse. In solchem Geruch besonderer 
Heiligkeit und Macht hat der Schrein des Asklepios von Himera 
gewiss unter den Griechen gestanden, und wer das Epitheton 
€OTHR auf einer Münze jener Stadt las, konnte nur an diesen 
Gott denken, selbst wenn das Beizeichen seines Schlangenstabes 
nicht noch besonders auf ihn gewiesen hätte. 

Auf eine Dialektinschrift des Torremuzza (Veteres inscr. 
SiciL I, 11) können wir uns nicht berufen, da dieselbe nicht 
als acht anerkannt wird 1 ). 

Dass die Inschrift IATON auf dem gleichartigen Didrachmon 
mit demselben Beizeichen auf dieselbe Gottheit zu beziehen sei, 
wird zunächst gewiss als berechtigte Vermuthung anerkannt werden, 
und ich schlage eine Erklärung derselben vor, für deren Berechti- 
gung innerliche Wahrscheinlichkeit zu sprechen scheint. Durch 
parallele Beispiele las st sie sich, soviel ich weiss, allerdings 
nicht belegen. Dennoch meine ich, dass sie indirekter Begrün- 
dung nicht ermangelt. Ich möchte die seltnen Didrachmen mit 
<OTHR und IATON im eigentlichen Sinne als Weihmünzen be- 
trachten und die letztere Inschrift (die erstere erklärt sich von 
selbst) lesen: ta%£v (sei. avd^i^a), „Weihgeschenk Geheilter*. 

Man beachte hier die folgende Stelle des Pausanias (Lib. I, 
Cap. XXXIV): "Eott öi ^Qconlon; niffii nlr\oiov %ov vao$ §v *Apr 
<fiaQciov xakovaw, ovte &vovre<; ovdiy tlg avzijv, ovx 1 imxa&ctQ- 
alo$q tj %iQVißi XQV ^ at voplZovTes. Noaov dt dxtö&6lör\<; ävÖQl 
pavTfvpazog yevopivov, xa&foitjxev aqyvQOV atffZvou xal %qvoov 
intoijiiov dg ttjv nfjryv. Ich verstehe das so: beim Tempel des 
Amphiaraos befanden sich Thermen, die, wegen ihres starken 



1) Vgl. 6. Kaibel, inscr. Graecae Sicil. et Ital., 1890, S. 3*, No. 2* 



176 E - J - Seitmann: 

Mineralgehaltes, für die Zwecke des Tempeldienstes nicht be- 
nutzt werden konnten. Dass der Boden vulkanischer Natur (also 
heissen Quellen günstig) gewesen, erhellt aus einer andern Stelle 
desselben Kapitels: Aiywcu dt y AfJ(ftaqdo) (fevyovzi ix Grjßcov 
diaCTtjva* xr\v yfjv xal wg aixov 6/jlov xal %6 aQpa vnsöil^ato. 

Wenn nun ein Kranker den Gott resp. die Priester über den 
medizinischen Gebrauch des Wassers befragte und, der An- 
weisung folgend, Linderung für sein Leiden fand, weihte er 
Gold- und Silberstücke, indem er sie, zur Bereicherung des 
Tempelschatzes, in das Marmorbecken der Thermen fallen liess. 
Auf den Tetradrachmen von Himera sehen wir den Satyr knie- 
tief in dem Becken unter der ungleich berühmteren Asklepios- 
quelle stehen. Vielleicht zollte man bei ihr das Opfer der Dank- 
barkeit in maiorem gloriam mit Münzen, welche in ihrer Auf- 
schrift einen ausdrücklichen Hinweis auf die Heilung trugen. 

Überhaupt scheint es in Italien, bei Griechen und Römern, 
Sitte gewesen zu sein, den segenspendenden Geistern der Bäche 
und Flüsse Münzen zu weihen, und so viele von diesen sind in 
den Gewässern gefunden worden, dass sie der Italiener unter dem 
Gesammtnamen der Monete dal Tevere, „ Tibermünzen ", begreift. 
Sind es Bronzemünzen, so haben sie sich oft, Dank dem Schutze 
des Wassers, den ursprünglichen goldigen Metallglanz erhalten. 
Niemand wird behaupten wollen, dass Münzen in solcher Zahl 
ihren Weg zufällig aus dem Beutel ins Wasser finden konnten. 
Und lebt die Sitte denn nicht noch heute? Muss der Römer 
die Vaterstadt verlassen, so trinkt er zuvor aus der Fontana di 
Trevi und lässt eine Kupfermünze in ihr Becken fallen, damit 
der Quellengeist, welcher Rom belebt und labt, ihn schützend 
in die Ferne und danach wieder in die Heimath geleite. 

Ein Punkt noch, welcher für die annähernde Bestimmung 
der Zeit, um welche unser Didrachmon entstanden, nicht ohne 
Bedeutung sein dürfte, soll nicht unerwähnt bleiben: das H der 
Inschrift «OTHR. 

Bis zum Ende der akragantinischen Hegemonie, 472 a. Chr., 
findet sich bekanntlich die Aspirata auf den Didrachmen Himera' s. 



Über einige seltene Münzen von Himera. 177 

Auf den Tetradrachmen und Didrachmen der späteren Zeit ver- 
schwindet sie. Erscheint nun auf unserer Münze das einstige 
Aspirationszeichen als ijta, so spricht das zunächst dafür, dass 
ein gewisser Zeitraum zwischen jenen älteren Didrachmen und 
dem unsrigen zu liegen scheint. 

Wir hatten das Stück der Mitte des Jahrhunderts zu- 
gewiesen, und auch das scheint vielleicht, des yxa halber, ein 
sehr früher Zeitpunkt. Wollte man es indessen noch tiefer 
setzen, so müssten der Übergangszeit vom archaischen zum 
edlen Stil selbst engere Grenzen gezogen werden, als bereits 
geschehen. „Lokaler Archaismus" lässt sich hier als «Retter 
in der Noth" für die Münzen von Himera nicht herbeirufen. 
Die markige Schönheit der Stücke aus der Übergangsperiode 
beweist, dass die Kunst des Stempelschneidens dort liebevolle 
Pflege fand, und die prächtigen Tetradrachmen aus den letzten 
Jahren der Stadt zeigen, zu welcher Blüthe sie gelangte. Es 
dürfte also am sichersten sein anzunehmen, dass der Gebrauch 
des fjxa in Himera bis etwa zur Mitte des Jahrhunderts zurück- 
reicht, wie wir es auch schon auf sehr frühen Münzen einer 
andern ionischen Pflanzstadt, Velia, finden. 

Allerdings begegnet man auf den kleinen Münzen der 
Stadt, dem Halbdrachmon und den Obolen, zuweilen dem alten 
Aspirationszeichen. Unzweifelhaft liegt hier ein epigraphischer 
Archaismus vor, wie ähnliche auch auf den Münzen anderer 
Städte, z. B. Krotons, vorkommen. Es scheint nicht unnatür- 
lich, dass die alte Schreibung sich für die kleinen Theilstücke 
am längsten erhielt, da dieselben wohl vorzugsweise — um nicht 
zu sagen: ausschliesslich — - dem Lokalbedürfniss dienten, während 
das Tetradrachmon und Didrachmon, so zu sagen, internationale 
Geldstücke waren und, Dank dem zu jener Zeit einheitlichen 
sicüi sehen Münzfuss, wohl durch die ganze Insel kursirten. Das 
Gleiche findet heutigen Tages in Ländern statt, welche dem 
lateinischen Münzverband angehören. Die Annahme des fran- 
zösischen Fünffrankstücks wird in Süd- und Mittelitalien nicht 
beanstandet, und der Doppelfrank findet gleichfalls Abnehmer. 



178 E. J. Seitmann: 

Ein gefälliger ganjon, dem man einige Soldi überlässt, acceptirt 
wohl auch den Franken. Die kleinen Scheidemünzen aber werden 
allgemein zurückgewiesen. 

Naturgemäss wurde der Epigraphie der wichtigen Gross- 
stücke eine höhere Sorgfalt zugewendet, indem man sie den 
Wandlungen anpasste, welche sich allgemeine Geltung ver- 
schafften. In Bezug auf die kleineren Münzen war man weniger 
streng und brauchte die alte und die neue Schreibung noch 
unterschiedslos, als das r\xa, wie unser Didrachmon beweist, 
bereits Eingang gefunden hatte. Bei der ausserordentlichen 
Freiheit, welche sich die Stempelschneider Himera's mit der 
Epigraphie gestatteten, braucht dieser Doppelsinn im Gebrauch 
eines Zeichens nicht zu befremden. Anscheinend eines Wort- 
spiels halber verwandelt sich der Name auf gewissen Bronze- 
münzen der Stadt in KIMAPA. Auf einem Obolos (s. Numismatic 
Chronicle, 1890, pag. 294) erscheint die Aspirata als B, und eine 
Münze des französischen Kabinets soll selbst das grossgriechische 
V fühien. 

Was meine Chronologisirung obiger Stücke betrifft, so bin 
ich mir bewusst, dass dieselbe vielseitigem Widerspruch begegnen 
muss. Man wird einwenden, dass Stücke so streng archaischen 
Stiles wie die Nummern III und IV unmöglich der Übergangs- 
zeit um 450 a. Chr. angehören können. Ich konnte gleichwohl 
zu keinem andern Schlüsse gelangen, da ich das Material be- 
urtheilen musste, wie ich es fand. 

Ich empfehle noch die folgenden Thatsachen der besonderen 
Beachtung unserer Leser: Unter den Fundstücken befanden sich 
vorzüglich erhaltene Tetradrachmen und Didrachmen anderer 
Städte; z.B. die folgenden: 

Frühe Didrachmen von Segesta mit den rückläufigen In- 
schriften €ArE<TAIIB und €ErE€TAIIBEMI, die man der Zeit 
zwischen 500 und 480 a. Chr. zuschreibt (siehe Head, Historia 
Numorum p. 144). 

Tetradrachmen und Didrachmen von Leontinoi sehr frühen 
Stiles, mit dem Löwenkopf und der Biga, resp. mit dem Reiter 



Über einige seltene Münzen von Himera. 179 

auf den Didrachmen. Diese werden zwischen 500 und 466 ge- 
stellt (siehe Head p. 130). 

Eine grössere Anzahl der frühen syrakusanischen Tetra- 
drachmen (nebst einigen Didrachmen) mit dem R oder X (nicht 
?), die man der Zeit des Gelon (485 bis 478 a. Chr.) zugetheilt 
hat (siehe Head's History of the Coinage of Syracuse). 

Münzen anderer Städte von gleich schöner Erhaltung will 
ich hier nicht besonders erwähnen, da man sie keinem so eng 
begrenzten Zeitraum zugewiesen. 

Nun erinnere ich nochmals daran, dass die Entstehungszeit 
unseres verhältnissmässig stark abgegriffenen Tetradrachmons 
No. I keine frühere gewesen sein kann, als die des Jahres 472 
a. Chr. Wir begegnen aber in dem Funde Stücken von un- 
gleich schönerer, ja geradezu vorzüglicher Erhaltung, die gleich- 
wohl bisher einer früheren Periode zugetheilt worden sind. Ich 
gestehe, dass solche Ergebnisse gewissenhafter Vergleichnng 
Zweifel an der Richtigkeit ihrer chronologischen Bestimmung 
in mir wachrufen, und dass ich mich versucht fühle, die 
sicilischen Münzen der eigentlichen Übergangsperiode einer 
etwas späteren Zeit zuzuweisen als der, welche ihnen gegen- 
wärtig zuerkannt wird. Nehme ich an, dass die Münzen des 
streng archaischen Stiles etwa bis zur Mitte des Jahrhunderts 
hinabreichen, dann — - und nur dann — wird die Frische der 
Erhaltung jener frühen Stücke von Himera, Syrakus, Segesta 
und Leontinoi verständlich. 

Die streng archaischen Skulpturen vom Tempel der Athena 
auf Aegina werden zwischen die Jahre 480 und 460 gestellt 
Die Reliefs vom Parthenon, welcher 438 a. Chr. vollendet wurde, 
verdanken ihren Reiz nicht zum kleinsten Theil einem archaischen 
Anhauch. Mit solchen Beispielen aus dem künstlerisch vor- 
geschrittenen griechischen Mutterlande scheint der Schluss 
schon an sich nicht unverständig, dass die an hervorragenden 
Bildhauern und Malern armen Sikelioten hinter jenen um eine 
Anzahl — sagen wir um zwanzig — Jahre zurückgeblieben seien. 

Ich maasse mir nicht an, durch meine Auffassung Fach* 



180 E. J. Seitmann: 

gelehrten das chronologische Konzept verrücken zu wollen, und 
bin mir bewusst, dass sich gegen dieselbe mehrfache Ein wen- 
düngen werden erheben lassen. Vor allen Dingen bedarf meine 
Beobachtung der Bestätigung durch andere Funde aus derselben 
Zeit. Doch gegen einen Einwurf möchte ich mich im Voraus 
verwahren. Man sage nicht, der Stil der Nummern III und IY 
sei individueller Archaismus, die „Manier" eines älteren Stempel- 
schneiders, der noch im Geiste seiner früheren Periode gearbeitet 
habe. 

Nun ja, der Künstler bildet sich seinen Stil und bleibt ihm 
dann, unter gewöhnlichen Umständen, im Ganzen treu. Wenn 
wir, beispielshalber, annehmen wollten, dass Euainetos fünfzig 
Jahre in seiner Kunst thätig gewesen wäre, dass er, ein früh- 
reifes Genie, die ersten Stempel zu seinen Dekadrachmen um 
410 schnitt, so würden seine spätesten Erzeugnisse um 360 den 
frühesten stilistisch wohl sehr nahe gestanden haben. 

Aber muss — oder kann vielmehr — ein Gesetz, welches 
für die Zeit der vollendeten Kunst gilt, auf die Periode An- 
wendung finden, in der sich die Knospe zur Blüthe erschloss? 

Ich habe sechs Stücke von Leontinoi aus meiner Sammlung 
vor mir liegen. In den Typen sind sie sich gleich; in der 
stilistischen Entwickelung sehr verschieden. Der Apollokopf des 
ersten Stückes erscheint fast abschreckend in seiner archaischen 
Unschönheit. Dennoch wird es kaum so weit zurückzustellen 
sein, wie unser ältestes Tetradrachmon von Himera, denn bei 
aller Formenhässlichkeit ist die Zeichnung in der Perspektive 
schon korrekter. Sagen wir also, des festen Anhaltes halber, 
das Stück sei um 465 entstanden. Jedes der nächsten vier 
Stücke zeigt einen verhältnissmässigen Fortschritt, und im 
sechsten und letzten hat sich der Kopf zu dem eines schönen 
ernsten Gottes mit gelocktem Haar und stillen Lippen, die nichts 
mehr von dem archaischen Lächeln wissen, veredelt. Diese 
Münze kann wohl um 425 entstanden sein, und der Künstler 
des Stückes von 465 konnte also um diese Zeit noch in Thätig- 
keit stehen. Soll man aber meinen, dass er dann noch in jener 



Über einige seltene Münzen von Himera. 181 

frühen, fast kindlich unvollkommenen Manier arbeitete? Wenn 
er kein Hellene, sondern ein Barbar gewesen wäre — ja. Wenn 
er kein Künstler, sondern ein Tölpel war — vielleicht. 

Doch ich muss um Verzeihung bitten, dass ich so elemen- 
tare Sachen erwähne. Was ich sagen will, ist eben dies : wenn 
die Kunst des Stempelschneidens in allen, oder fast allen sicili- 
schen Städten um die Mitte des fünften Jahrhunderts so weit 
vorgeschritten gewesen, wie man vorausgesetzt hat, so müssten 
unsere Stücke III und IY (sammt denen einiger andern Städte: 
siehe Abbildungen der Münzen von Segesta und Leontinoi), weil 
sie nicht früher entstanden sein können, einen entsprechenden 
künstlerischen Fortschritt zeigen. 

Wollte man aber endlich annehmen, dass diese frischen 
Stücke aus alten, lange Zeit unbenutzten Stempeln stammten, 
so gebe ich gern zu, dass eine solche Vermuthung keine Un- 
möglichkeit in sich schliesst. Aber sie bleibt im besten Falle 
sehr unwahrscheinlich. Dass Alles, was in den Ateliers der 
Stempelschneider entstand, in den Prägewerkstätten alsbaldige 
Benutzung gefunden hat, wird sicher als selbstverständlich zu- 
gestanden werden. Gewiss kamen Ausnahmefälle vor. Aber sie 
waren uaturgemäss selten; so selten, dass sie die Regel be- 
stätigen. So entsinne ich mich eines Stückes in der Sammlung 
des britischen Museums (zu welcher Stadt es gehört, ist mir 
nicht erinnerlich; doch meine ich, es sei ein sicilisches), dessen 
eine Seite den freien Stil entwickelter Kunst zeigt, während 
die andere noch ganz den Charakter der Übergangszeit trägt 
Hier ist die Benutzung eines älteren Stempels erwiesen. Aber 
wodurch? Eben durch den Gegensatz im Stile beider Seiten, 
wie er sich in natürlicher Weise durch den zufälligen Gebrauch 
eines im Winkel gefundenen alten Stempels ergab. Ganz anders 
bei unseren Münzen, bei denen sich Vorder- und Rückseiten 
chronologisch decken. 

Eine allgemeine Frage liegt mir am Schlüsse dieser Er- 
örterungen auf dem Herzen, und, mente pavida, möchte ich 
mich ihrer entledigen. Hat man in letzter Zeit vielleicht hier 

ZtitMkrift Air Nomiamatik. XIX. 13 



182 E - J- Seitmann: Über einige seltene Münzen ron Himera. 

und da etwas zuviel gerade in Chronologie „gemacht"? Dass 
wir eine gewisse Anzahl historisch fester Punkte für die zeit- 
liche Bestimmung autonomer Münzen besitzen, dafür müssen wir 
der Geschichte dankbar sein. Dass es dem neueren kritischen 
Studium gelungen ist, unter vergleichender Heranziehung antiker 
Skulpturen beinahe alle Münzen gesicherten grösseren Perioden 
zuzutheilen, ist ein wissenschaftlicher Triumph. Wenn wir 
schliesslich die Münzen aus der Übergangszeit, wo sich der 
künstlerische Portschritt von Stufe zu Stufe deutlich erkennen 
lässt, nach den engsten Zeiträumen zu ordnen suchen, so er- 
scheint das gewiss berechtigt. Wie aber steht es um eine 
hochgradig detäillirte Chronologisirung autonomer Münzen der 
folgenden Zeit? Hier stellt ein Kenner das Alter einer Münze 
mit Entschiedenheit bis auf eine Olympiade fest Dort sagt ein 
Kollege: „Das Stück gehört ans Ende der ganzen Serie und 
muss zum mindesten dreissig Jahre jünger sein." Beide glauben, 
sie schlössen strenge und richtig nach dem Stil der Periode. Wie 
wär's doch, wenn sie den Zeitgeist der Kunst manchmal un- 
bewusst mit ihrem persönlichen Geschmack verwechselten? 

E. J. Seitmann. 



Die Diktaturen Caesar's und die Münzen der fünf ersten 

IIH viri a. a. a. £ f . 



Zwei Zeugnisse sind es, auf welche die Datirung des ersten 
Quattuorvirnkollegiums und der von demselben geschlagenen 
Denare mit Caesar's Bilde gegründet wird: Sueton, Caesar 41 
minorum ...» magistratuum numerum ampliavü und Dio 44, 4, 4 
natiqa t$ avtov natQtdog inwvopaöav xal ig td yoplapaTa ivs%ä- 

Qctiay* Da Dio diese Worte zum Jahre 710/44 erwähnt, und da 
man ferner wusste, dass Caesar's Bildniss nur auf den Denaren 
der Quattuorvirn L. Flaminius Chilo, M. Mettius, L. 
Aemilius Buca, P. Sepullius Macer und C. Cossutius 
Maridianus sicher vorkommt, während uns auf den früheren 
Münzen noch Triumvirn begegnen, so schloss man anscheinend 
ganz richtig, dass auch die Notiz des Sueton sich auf das Jahr 44 
beziehe, dass also die Zahl der magistratus minores in diesem 
Jahre erhöht worden sei. 

Bei diesem Schlüsse hat man es aber unterlassen, diejenigen 
Münzen der Quattuorvirn in Betracht zu ziehen, die nachweislich 
vor den Denaren mit Caesar's Kopfe geprägt wurden, und so 
hat man denn übersehen, dass die Quattuorvirn bereits ein Jahr 
lang vor den Denaren mit dem Caesarkopfe andere Stücke ge- 
prägt haben. Ja, die Glaubwürdigkeit Dio's lässt uns, was die 
Chronologie des Senatsbeschlusses anbelangt, welcher bestimmte, 
dass das Bildniss Caesar's auf die Münzen gesetzt werde, durch- 
aus im Stiche, wie wir im Folgenden auf Grund der Münzen, 
Inschriften und Literatur jener Zeit nachzuweisen hoffen. 

13» 



184 F - L - Ganter: 

Untersuchen wir zunächst die Chronologie der einzelnen 
Münzen eines jeden Quattuorvirn, so haben wir zwei Merkmale, 
vermittelst deren wir eine zeitliche Aufeinanderfolge konstatiren 

können: 

1. Auf den Reversen der Münzen ist zu verschiedenen Zeiten 
die Schreibweise der Namen der Münzmeister eine verschiedene. 

2. Zum Theil tragen die Erstlingsmünzen eines Quattuorvirn 
seinen Titel IUI vir, während derselbe Münzmeister diesen Titel 
auf den Münzen aus späterer Zeit regelmässig weglässt. 

Bei den zwei Denaren des Chilo ist die Reihenfolge an 
sich gegeben, indem die Erstlingsmünze sich deutlich als solche 
kennzeichnet: IHI VIR PKL FL. (Babelon, Flaminia 2 = 
Julia 44 = Cohen, Flaminia 2). Während dieser Denar auf dem 
Averse noch einen Venuskopf zeigt, ist auf der Vorderseite des 
anderen bereits der Kopf Caesar's mit dem Lorbeerkranze ab- 
gebildet (Bab., Flam. 3 = Julia 45 = Coh., Flam. 3), Man achte 
wohl darauf, dass auf dem Reverse des älteren Denares der Name 
des Münzmeisters auf und unter dem Sockel der dort abgebildeten 
Biga steht und nicht im Bogen geführt ist, während das letztere 
bei dem jüngeren Denare der Fall ist und zwar ohne Benutzung 
des Sockels. Ferner beachte man, dass auf dem Averse des 
jüngeren Denares keinerlei Legende vorhanden ist. 

Mettius hat ebenfalls Münzen mit und ohne Caesar's Bild- 
niss geprägt. Die zeitliche Aufeinanderfolge ergiebt sich aus der 
Art, wie der Name des Münzmeisters auf dem Reverse einge- 
tragen ist. Auf den jüngsten Münzen, deren Avers den Caesar- 
kopf und die Umschrift IMP. oder IMPER. trägt (Bab., Julia 
32—33 = Mettia 4—5 = Coh., Mettia 4 und 3), ist der Name 
M. METTIVS ausgeschrieben und im Bogen geführt. Bei den 
ältesten Münzen [dem Quinar mit der Juno Sospita (Bab., Mettia 
1 = Coh., Mettia 1) und dem Sesterze mit der Venus (Bab., 
Mettia 2 = Coh., Mettia 2)] ist der Name in M. METTI abge- 
kürzt und in gerader Linie und zwar auf dem Quinare unter 
dem Sockel der Biga geführt. Zwischen den ältesten und den 
jüngsten Münzen steht in der Mitte der Denar mit dem Caesar- 



Die Diktaturen Caesar's u. d. Münzen d. fünf ersten IUI viri a. a. a. f. f. 1 85 

köpfe und der Umschrift CAESAR DICT. QVART. (Bab., Julia 
31 = Mettia 3 = Coh., M. 6), auf dessen Reverse der Name 
M. METTIVS zwar schon ausgeschrieben, aber noch in gerader 
Richtung geführt ist. Demnach ist Caesar der ständige Titel IMP. 
später beigelegt worden, als der Titel DICT. QVART. 

Aemilius Buca nennt sich auf der ersten von ihm ge- 
prägten Münze, Quinar mit der, Pax (Babelon, Julia 39 = Aemilia 
18 = Coh,, Aem. 14), mit vollem Namen L. AEMILIVS BVCA 
und fugt seinen Titel, Uli VIR, hinzu; auf der zweiten, Sesterz 
mit Dianakopf (Bab., Julia 40 — Aem. 19 = Coh,, Aem. 13), be- 
dient er sich ebenfalls des vollen Namens, lässt aber bereits den 
Titel weg. Dann tritt auf seinen Denaren Caesar's Bildniss auf, 
zuerst mit dem Titel IMP. P. M. (Bab., Julia 34 = Aem. 13 = 
Coh., Aem. 15): auch hier nennt er sich noch mit vollem Namen. 
Auf den späteren Denaren mit der Legende CAESAR DICT. 
PERPETVO (Bab., Julia 35—37 — Aem. 14—17 = Coh., Aem. 
16 — 18) findet sich bloss noch das Prae- und Cognomen L. BVCA. 
Der Titel DICT. PERPETVO löst also den Titel IMP. ab, und 
es gehört ferner auch der Denar mit dem schlafenden Endymion 1 ) 
(Babelon, Julia 38 = Aem. 12 = Coh., Aem. 12), auf dem sich 
der Münzmeister ebenfalls blos L. BVCA nennt, zu den späteren 
Denaren, d.h., da Caesar bereits todt ist, prägt Buca nicht 
wie Sepullius Macer Münzen mit dem Bildnisse des M. An- 
tonius (s. u.), sondern kehrt wieder zu seinem Familientypus 
zurftck. 1 ) 

Auch Sepullius Macer wendet verschiedene Arten der 
Namenssehreibung an. Er schreibt anfangs den vollen Namen 
von links ausgehend im Bogen oben herum: 

* KP 

♦♦Ol* 



1) A. y. Sallet, Z. f. N. IV, S. 128 fg. 



186 F. L. Ganter: 

später schreibt er zwar P. SEPVLLIVS, wie eben gesagt, MACER 
dagegen ebenfalls von links ausgehend, aber unten herum: 

+4 0** 

Die Änderung der Schreibweise tritt zu der Zeit ein, als er 
die Denare mit CAESAR IMP. (Bab., Julia 46 — Sepullia 1 = 
Coh., Sep. 5) und CAESAR IMPER. (Bab., Julia 47 *= Sep. 2 — 
Coh., Sep. 6) prägte, und zwar ist auf dem Reverse jenes Denares 
die ältere, auf dem Reverse dieses die jüngere Schreibweise an- 
gewandt Danach scheiden sich die Münzen des Sepullius Macer 
zeitlich in zwei Klassen, in die älteren mit der älteren Schreibweise 
des Münzmeisternamens (Bab., Sep. 9 — 12 und Julia 46 = Coh., 
Sep. 2 — 5) und die jüngeren mit der jüngeren Schreibweise (Bab., 
Julia 47—52 «= Sep. 2—7 «= Coh., Sep. 6—11 und Bab., Antonia 
2 = Sep. 8 — Coh., Sep. 12). So gehören also, wie bei Mettius 
und Buca, die Quinare und Sesterze des Sepullius Macer in die 
Zeit vor dem Auftreten des Caesarkopfes auf den Münzen. Von 
den drei Münzen Macer's, welche auf ihrem Reverse den Desultor 
mit zwei Pferden zeigen (Bab., Julia 51. 52 — Sep. 6. 7 « Coh., 
Sep. 10. 11; Bab., Antonia 2 — Sep. 8 — Coh., Sep. 12), sind die 
beiden, welche auf ihrem Averse CLEMENTIAE CAESARIS (Bab., 
Julia 52 = Sep. 7 — Coh., Sep. 11) und den Kopf des Antonius 
tragen (Bab., Ant. 2 «= Sep. 8 — Coh., Sep. 12), nach dem Tode 
Caesar's geprägt 1 ). Die dritte Münze mit gleichem Reverse 
(Bab., Julia 51 = Sep. 6 = Coh., Sep. 10), auf deren Averse 
Caesar den Titel PARENS PATRIAE hat, führt uns daher in 
die allerletzte Zeit vor Caesar's Tod, d. h. PARENS PATRIAE 
ist einer der letzten Titel, die Caesar ertheilt worden sind. 
Zuletzt ist noch darauf hinzuweisen, dass die beiden spätesten 



1) A. v. Sallet, Zeitschr. f. N. IV, S. 130 fg. 



Die Diktaturen Caesar's u. d. Münzen d. fünf ersten Uli viri s.a. a.f.f. 1 87 

Münzen des Sepullius, welche den Caesarkopf tragen (Bab M 
Julia 50 = Sep. 5 — Coh., Sep. 9 mit der Umschrift CAESAR 
DICT. PERPETVO und Bab., Julia 51 — Sep. 6 = Coh., Sep. 10 
mit der Umschrift CAESAR PARENS PATRIAE), diesen mit 
dem Priestergewande bekleidet darstellen. Daraus lernen wir, 
dass diese beiden Titel zur selben Zeit, d. h., wie uns eben die 
Verwandtschaft von Bab. Julia 51 mit den nach Caesar's Tode 
von Sepullius geschlagenen Münzen, Bab. Julia 52 und Antonia 2, 
bewiesen hat, kurz vor dem Tode Caesar's neben einander in 
Gebrauch waren; ferner lernen wir aber auch, dass der Titel 
dicL perpetuo schon vor dem Titel parens patriae ertheilt worden 
ist, da von Sepullius noch zwei Denare erhalten sind, die zwar 
den Titel dict. perpetuo schon enthalten (Bab., Julia 48. 49 = 
Sep. 3. 4 = Coh., Sep. 8. 7), aber Caesar's Kopf noch nicht be- 
kleidet zeigen und deshalb früher zu setzen sind. 

Von den Denaren des Cossutius Maridianus ist offenbar 
derjenige zuerst geprägt worden, welcher uns auf dem Reverse 
den vollen Namen und den verstümmelten Titel zeigt: C. COSSV- 
TIVS MARIDIANVS A. A.A. P.P. (Bab., Julia 43 = Cossutia 
2 = Coh., Coss. 2), die anderen beiden enthalten nur das Prae- 
und Cognomen des Münzmeisters: C. MARIDIANVS. Alle drei 
Denare zeigen auf dem Averse den lorbeerbekränzten, bekleideten 
Kopf Caesar's, der ältere den Titel PARENS PATRIAE, die 
jüngeren den Titel DICT. PERPETVO bez. IN PERPETVO. Es 
ist das ein neuer Beweis dafür, dass in der Zeit kurz vor dem 
Tode Caesar s diese beiden Titel neben einander in Gebrauch 
waren. 

Nach dem Vorangehenden lösten sich also die von Caesar 
auf den Münzen mit seinem Bildnisse geführten Titel in folgender 
Weise ab: DICT. QVART., IMP. bez. IMPER., DICT. PERPETVO, 
PARENS PATRIAE, wobei neben dem letzten Titel auch noch 
der vorletzte in Gebrauch blieb. Es ergiebt sich ferner, dass 
alle Münzen ohne Caesar's Bildniss mit Ausnahme von Buca's 
Endymion (Bab., Julia 38 = Aem. 12 = Coh., Aem. 12) älter sind, 
als die mit seinem Bildnisse. Die Münzen mit der Legende 



188 F - L - Ganter: 

PARENS PATRIAE gehören in die Zeit kurz vor Caesar's Tode, 
was sehr gut mit der obigen Diostelle zusammenstimmt, der zu 
dem Jahre 710/44 berichtet naxiqa %s avxov naxqidog inoovdpaoav. 
In dasselbe Jahr gehören ferner die Münzen, auf denen Caesar 
als dict. perpetuo bezeichnet wird (Dio 44, 8, 4 ; Josephus, antiqu. 
14, 10, 7 § 211 Niese; vgl. Appian, b. c. 2, 106; Sueton, Caesar 76). 

Aus dem Vorhergehenden ergiebt sich ferner, dass sich das 
erste Vierer-Kollegium zusammensetzt aus L. Flaminius Chilo, 
M. Mettius, L. Aemilius Buca und P. Sepullius Macer 1 ). 
Es fragt sich nun, an wessen Stelle C. Cossutius Maridianus 
späterhin getreten ist. Hierbei können Chilo und Mettius allein 
in Betracht gezogen werden, da wir bei diesen beiden allein 
keine Münze mit dem Titel dictator perpetuo nachweisen können, 
während Buca und Macer viele solcher Münzen geprägt haben. 
Chilo und Mettius haben also vor ihren beiden Kollegen auf- 
gehört, Münzen zu prägen. Es sind aber, wie wir gesehen 
haben, von Mettius jüngere Stücke mit Caesar's Kopf vorhanden 
als von Chilo, also ist Chilo derjenige, der zuerst aus dem 
Kollegium austrat. An seine Stelle kam Maridianus 2 ). 

Die vielen vom Senate und Volke an den siegreichen Diktator 
verliehenen Ehren (vgl. darüber Dio 43, 43 — 45) sind, wie Dio 
(43, 46, 1 xavt* inl vixrj .... ovx iv piä ye fipiqct, olXK c5$ nov 
xal hvxev, äXXo aUrj ixvQw^rj) sagt, nicht auf einmal, sondern 
an verschiedenen Tagen beschlossen worden. Es ist daher an- 
zunehmen, dass die von Dio in der Aufzählung der einzelnen 
Ehrenbezeugungen beobachtete Reihenfolge einen Anspruch auf 
chronologische Geltung besitzt. Danach hätten die ersten Be- 
schlüsse, die nach der am 20. April 709/45 3 ) eingelaufenen 
Siegesbotschaft gefasst worden sind, Caesar ausser dem Rechte, 



1) Vgl. Mommsen-Blacas, II, S. 545 Anm. 1. 

2) Vgl. Mommsen-Blacas, II, S. 545 Anm. 1 ; dagegen A. v. Sallet, der 
wohl aus Versehen in der Ztschr. f. N. IV, S. 131 und in den „Commentationes 
in honorem Th. Mommseni" S. 87 statt Maridianus an dieser Stelle P. Se- 
pullius Macer nennt. 

3) Lange, Rom. Alterthümer, IIP, S. 461, 6. 



Die Diktatoren Caesar's u. d. Münzen d. fünf ersten Uli viri a. a. a. 1 f. 189 

bei allen Festlichkeiten das Triumphalgewand zu tragen, die 
Befugniss ertheilt, immer und überall sich des Lorbeers zu 
bedienen. 

Dies letztere Recht, das gewiss schon in den ersten Tagen 
nach dem 20. April ertheilt wurde, kommt auch für nnsere 
Münzen in Betracht. Auf sämmtlichen Münzen nämlich mit 
dem Bildnisse Caesar's finden wir dessen Kopf mit einem Lor- 
beerkranze geschmückt. Dass man nicht von Anfang an darüber 
einig war, ob dieser Lorbeerkranz mit oder ohne Diademschleife 
getragen werden sollte, zeigen die verschiedenen Exemplare eines 
Denares des Quattuorvirn L. Flaminius Ghilo (Bab., Flaminia 3 
= Julia 45 = Coh., Flam. 3). A. v. Sallet 1 ) hat nämlich beob- 
achtet, dass auf einer Anzahl dieser Exemplare sich deutlich 
eine solche Schleife erkennen lasse, während sie auf anderen 
nicht vorhanden ist. Dies ist nur auf folgende Weise zu er- 
klären: Die Münzen mit der Schleife sind kurz nach jenem Be- 
schlüsse geprägt worden; da Caesar selbst sich noch keines 
Kranzes bedienen konnte zur Zeit der Prägung — er war ja 
noch in Spanien und kannte den Senatsbeschluss natürlich noch 
nicht — , so fehlte es an einem Muster, das man hätte benutzen 
können. Es mussten deshalb die Münzpräger selbst eine Norm 
schaffen: sie wählten die Schleife. Als diese dann Anstoss er- 
regte, wurde sie bei den späteren Prägungen weggelassen. Wir 
haben es demnach hier mit der ersten Prägung von Münzen mit 
dem Lorbeerkranze lind, da alle Caesarköpfe auf den Münzen 
solche Kränze tragen, auch mit der Erstlingsprägung einer 
Münze mit Caesar's Bildniss zu thun. Gewiss sind die ersten 
Exemplare unmittelbar nach dem betreffenden Senatsbeschlusse 
geprägt worden. So erklärt es sich auch, weshalb auf der Münze 
kein Name und Titel Caesar's zu finden ist: man beschränkte sich 
einfach darauf, die unerhörte Neuerung von dem Bildnissrechte 
den Römern vor Augen zu führen. Dass gerade L. Flaminius 
Chilo es ist, der zuerst mit dem Bildnisse Caesar's prägte, ist 



1) Ztschr. f. N. V, S. 245. 



190 F. L. Ganter: 

nicht zu verwundern, da er auch die ersten Münzen des Kolle- 
giums als solchen geprägt hat (vgl. den Avers Bab., Flam. 2 = 
Coh., Flam. 2 : PRI. FL.). 

Den caesarischen Titel Imperator verlieh nach Dio 
43, 44, 1—2 der Senat dem Caesar i. J. 709/45 wegen des Sieges 
von Munda: inl d£ drj rijj pixij ixetw %s ocfa tlnov y yeqovaia 
eyvto, xal nqotibth alxov xe iXiV&eQtoXfjv xal ixdXovv xal ig xd 
yQappaxeta aviyqatpov, xal vswv iXsv&SQiaq dtjpoala hpij(pi(favto. 
xo xe toü avxoxqdxoqog ovofia ov xaxd xo dq%atov ext 
[iopov, <o<fmq aXXoi, xs xal ixstvog noXXdxtq ix x&v TtoXipwv 
inexXq&yGav, ovo 9 &g ot xwa alxoxsXij yyspovtav 17 xal äXXrjv 
xivd i^ovalay Xaßövxsq ävofid^opxo^ aXXä xa$ana% xovxo dfj 
xo xal vvv xotq xo xqdxoq dsl s%ov(Si didöpsvop sxslva 
xoxs nQWXto xs xal nQtoxoV) (SoneQ xt xiqtov, nQoai&eöav. 
Dieser Senatsbeschluss, der Caesar den ständigen Titel Imperator 
verlieh, muss nach der bei Dio innegehaltenen Reihenfolge der 
Beschlüsse der Verleihung des ständigen Lorbeerkranzes bald 
gefolgt sein , spätestens im Mai 709/45 x ). Seitdem Caesar auf 
den Münzen den Titel IMP. führt, tritt auf dem Reverse die 
Venus Victrix auf, die Schutzgöttin Caesar's in der Schlacht 
bei Munda (vgl. Appian, b. c. 2, 76. 104; Drumann III, 637, 2). 
Diese Venus findet sich dagegen noch nicht auf der Münze des 
Flaminius mit dem Caesarkopfe und auf der des M. Mettius mit 
der Legende CAESAR DICT. QVART. Wir haben damit einen 
neuen Beweis, dass diese letztere Münze äl£er ist als diejenigen, 
auf denen der caesarische Imperatortitel auftritt, d. h. dass Caesar 
bereits dictator quarto war, bevor er den caesarischen Imperator- 
titel empfing. Der Denar des Mettius, der Caesar als dict. quarto 
bezeichnet, ist aber andererseits jünger als der des Chilo mit 
dem Caesarkopfe ohne Umschrift, weil dieser die erste Prägung 
mit dem Lorbeerkranze darstellt; er fällt also ungefähr in das 
Ende des Monats April oder den Anfang des Monats Mai 709/45. 



1) Auch Cicero begrüsst Caesar in zwei ans dieser Zeit des Jahres 709/45 
an ihn gerichteten Briefen (ep. XIII, 15 u. 16) bereits mit dessen neuem 
Titel: CICERO CAESARI IMP. SAL. 



COS. 


IL 






coa. 


IL 


dict. 


IL 






dict. 


n. 


COS. 


III. 


dict. 


IL 


COS. 


rai. 


dict. 


ffl. 


COS. 


V. 


dict. 


im. 


COS. 


V. 


dict 


perp. 



Die Diktatoren Caesar's u. d. Münzen d . fünf ersten im viri a. a. a. f. f. 191 

Somit haben wir ein neues wichtiges Ergebniss, dass Caesar 
bereits gegen Ende April 709/45 den Titel DICT. QVART. 
geführt hat. 

Da dieses Resultat mit den von Mommsen im Corpus in- 
scriptionum Latinarum I. ed. alt. pars pr. 40—42 aufgestellten 
Terminen 

a. 705/49 Nov./Dez. während 11 Tagen dict L 

a. 706/48 Anfang bis Oktober 

Oktober bis Ende d. J. 

a. 707/47 

a. 708/46 

a. 709/45 

a. 710/44 Anfg. bis 26. Jan 

... 15. Febr. bis 15. März 
nicht in Einklang zu bringen ist, muss ich im Folgenden auf 
die Ausführungen Mommsen's a. a. 0. und die Begründung meines 
eigenen Resultates näher eingehen. 

Mommsen stützt obiges Schema vornehmlich auf die Fasti 
Capitolini und die anderen wenigen erhaltenen Inschriften Caesar's, 
die der Diktatur Erwähnung thun. Er sucht ferner damit den 
ungefähr gleichzeitigen Bericht des zweiten Kapitels im bellum 
Hispaniense in Übereinstimmung zu bringen. Es fragt sich 
also, ob die Angaben der Fasti Capitolini über die Diktaturen 
Caesar's so aufzufassen sind, wie Mommsen a. a. 0. entwickelt 
hat, und ob die späteren Schriftsteller in Betreff der Diktaturen 
Caesar's wirklich, wie Mommsen annimmt, nur Unbrauchbares 
überliefert haben. 

In der Ansetzung der ersten Diktatur dürfte wohl Mommsen 
von keiner Seite her einen Widerspruch erfahren, ebensowenig 
in Bezug auf den Anfang der zweiten. Dagegen möchte ich den 
Endtermin der zweiten bez. den Anfangstermin der dritten Dik- 
tatur in eine andere Zeit rücken, als es von Mommsen geschehen 
ist. Es dürfte sich der deutlichen Übersicht halber empfehlen, 
gleich an dieser Stelle das Schema anzugeben, welches das Re- 
sultat meiner Untersuchungen zur Anschauung bringt: 



192 F - L - Ganter: 

a. 705/49 Nov./Dez. während 11 Tagen dict. I. 

a. 706/48 Anfang bis Oktober cos. II. 

Oktober bis Ende des Jahres cos. II. dict. IL 
a. 707/47 dict. II. 

a. 708/46 Anfang bis circa Mitte April cos. III. dict. U. 

ca. Mitte April bis Ende d. J. cos. III. dict. III. 
a. 709/45 Anfang bis circa Mitte April cos. IUI. dict. III. 

ca. Mitte April bis Ende d. J. cos. IUI. dict. IIIL 
a. 710/44 Anfang bis 15. März cos. V. dict. HE. 

Auf den Fasti Gapitolini ist die 2., 3. und 4. Diktatur je 
für den 1. Januar 707/47, 709/45 und 710/44 verzeichnet Da 
es nun allgemein anerkannt ist und auch von Mommsen a. a. 0. 
vertreten wird, dass die 2. Diktatur Gaesar's nicht erst mit dem 
1. Januar 707/47, sondern schon im Oktober 706/48 begonnen 
hat (wie die Schriftsteller berichten), wir aber auf den Fasti 
Capitolini dieselbe erst auf den 1. Januar 707/47 verzeichnet 
finden, so kann dasselbe auch für die 3. und 4. Diktatur vorliegen, 
und wir sind mit Mommsen durchaus nicht gezwungen, den An- 
fang der 3. und 4. Diktatur genau auf den 1. Januar festzusetzen. 
Die Wahrscheinlichkeit spricht vielmehr von vornherein in höherem 
Maasse dafür, dass auch bei der 3. Diktatur (um diese allein 
handelt es sich, weil der Antrittstag der 4. genau ein Jahr 
später fällt als derjenige der 3. Diktatur, da diese Diktatur eine 
annua ist) nicht der 1. Januar, sondern ein früherer Termin den 
Beginn der jährlichen Diktatur bedeutet. Nun wird aber von 
Dio (43, 14, 4) mit Bestimmtheit überliefert, dass die Römer den 
Caesar bei Ankunft der Siegesnachricht von Thapsus (also circa 
Mitte April 708/46) . . . *a) dixicctcogcc ig dixa (sc. itij) i<pe£i}g 

slXovzo. Dass Caesar bereits im Jahre 46 Dikt. III war, geht 
auch daraus hervor, dass der Senat ihm gestattete beim Triumphe 
dieses Jahres sich einer Anzahl von 72 Liktoren zu bedienen, 
d. h. je 24 für die 1., 2. und 3. Diktatur (vgl. Dio 43, 14, 3). 
Die 10 jährige und später die lebenslängliche Diktatur 
Caesar's ist ebenso gut ein ausserordentliches Amt, wie die 
1. und 2. Diktatur. Es liegt somit kein Grund vor, der uns 



Die Diktaturen Caesar's u. d. Münzen d. fünf ersten Uli viri a.a.a.f.f. 193 

veranlassen könnte, anzunehmen, dass sich die Iteration des 
ausserordentlichen Amtes an die Termine der regelmässigen, 
ordentlichen Ämter angeschlossen hätte. 

Nimmt man aber das oben angegebene Schema als richtig 
an, so erklärt sich sowohl die Schreibweise der Fasti Capitolini 
und Colotiani und der Triumphaltafel, als auch die Berichte der 
gleichzeitigen und späteren Schriftsteller. 

Die Konsularfasten , die als solche nur die Namen der ver- 
schiedenen, Jahr für Jahr mit dem 1. Januar antretenden, Konsuln 
bezw. die Namen der an ihre Stelle getretenen consxües wffecti 
aufzeichnen, erwähnen die Diktaturen Caesar's nur Ehren halber 
und zwar mit Rücksicht auf den Termin, an welchem er als 
Konsul sein Amt angetreten hat. So ist also Caesar am 1. Ja- 
nuar 709/45 mit vollem Rechte als Dict. III, am 1. Januar 710/44 
als Dict. IUI bezeichnet. 

Nach obigem Schema ist Caesar von Mitte April 709/45 bis 
zu seinem Tode Dict. IUI, also stimmt ferner damit die Triumphal- 
tafel vollkommen überein, wenn sie ihm am 26. Januar 710/44 
J)ict. IUI nennt. 

Weiterhin stimmt damit Überein die bei Josephus, ant. 14, 
10, 7 §211 (Niese) erhaltene Urkunde: rdtog Kataag avtoxQdtuQ 

dixtdtwQ %6 thaqxov vncttog ts tö nipmov dutxdxwq dnodsdeiy p£vo$ 

did ßiov .... Ganz anders ist dagegen der Titel ai%oxqd%mq 
auf einer anderen ebenfalls durch Josephus erhaltenen Urkunde 
(Brief Caesar's, Ant. 14, 10, 2 § 190—195, Niese) zu verstehen, 
in welcher die Titulaturen Caesar's folgendermassen angegeben 
sind: rd$og *Iovfoo$ KaXtSaq aixoxqdtmq xal aQ%tsQtv$ dtxtdtwQ 
%6 dsvxsqov Sidwvtmv &q%ovö*v ßovlrj dfjpw %a\qnv. Hier haben 
wir es durchaus nicht mit dem, Caesar est im Jahre 709/45 
verliehenen, caesarischen Imperatortitel zu thun, sondern mit 
dem gewöhnlichen republikanischen, wie dies aus den folgenden 
Worten des Briefes mit aüergrösster Deutlichkeit hervorgeht, 

wo es § 192 (Niese) heisst: 'Iovlux; Kataaq avxoxqdxuq %o 

dsvisQov xal dq%isqev<; .... Ja, wir erfahren sogar ebenfalls 
aus der Urkunde selbst, dass sie aus der Zeit bald nach dem 



194 F. L. Ganter: 

Alexandrinischen Kriege, d. h. aus dem Jahre 47 stammt: vgl. 
§ 193 (Niese): xal Iv %& SyyiGta iv ^AXe^avdQsia noXifitp 
.... In diesem Jahre ist aber, wie die Urkunde im Eingange 
verzeichnet, Caesar dict. üerum (vgl. die Tabellen). 

Auch in der Inschrift, Sitzungsberichte d. Berl. Akad. 1889, 

S. 961, 975 [rdiog KaXtSaq Taiov vlög avt oxqo\twq , dixxdtmQ 
t[6 %\qiTov, xad-efaap&voq %6 zitaqxov] hat der Titel avtoxQatmQ 
nicht die Bedeutung des caesarischen Imperatortitels, da Caesar 
denselben, wie wir oben gesehen haben, erst später als den 
Titel dictator quarto geführt hat. Dass die Iteration fehlen kann 
und häufig fehlt, ist eine bekannte Thatsache. Diese Inschrift 
ist demnach in die Zeit von ca. Mitte April 46 bis April 45 zu 
setzen. 

Was Mommsen a. a. 0. mit Recht als besonders wichtiges 
Zeugniss hinstellt, der Bericht des bellum Hispaniense cap. 2 
Caesar dictator tertio, designatus dictator quarto multis (es folgt 
die Rekonstruktion des Textes nach Mommsen a. a. 0.) iter ante 
diebus con/ecü quam crederes festinans ad bellum conßciendum. 
In Hispanien cum venieset . . ., dessen Titulaturen er aber mit 
gewaltsamer und unsicherer Deutung auf die Zeit der bereits 
erfolgten Anwesenheit Caesar's in Spanien beziehen muss, um, 
wie nach seinem Schema erforderlich ist, noch in die ersten 
Tage des Jahres 709/45 zu kommen, dieser Bericht fügt sich ohne 
jeden Anstoss, ob nun Caesar vor oder nach dem 1. Januar in 
Spanien angekommen ist, in das oben angegebene Schema ein. 

Vor allem aber spricht für die Richtigkeit des neuen Schemas 
der Umstand, dass das Zeugniss der späteren Geschichtsschreiber, 
abgesehen von einem wirklichen Missverständnisse (Plut. Caes. 51 
fasst die 2. Diktatur als Jahresdiktatur auf, vielleicht weil er die 
Fasti falsch verstanden hat), nicht mit Mommsen verworfen zu 
werden braucht, denn wenn Dio 43, 1, 1 berichtet: %& di ixopfrm 
hsi (708/46) xai idhxxatmqevasv apa xal indtsve, %qhov ixdteQW, 
%ov Asnldov ol äinpotiQoiq <svvaqiavtoq^ so ist das durchaus richtig, 
weil Caesar im Jahre 708/46 in der That fast das ganze Jahr 
hindurch von Mitte April bis Ende des Jahres dict. III. und 



Die Diktaturen Caesar's u. d. Münzen d. fünf ersten IUI viri a. a. a. f. f. 1 95 

vom 1. Januar bis Ende des Jahres cos. III. war und Lepidus 
in der entsprechenden Zeit sein Magister equitum und Kollege 
im Konsulate war. Auch der Bericht Sueton's (Div. Julius 76) 
tertium et quartum consulaium titulo tenus gessit, contentus dictaturae 
potestate decretae cum conmlibus simul ist nicht falsch, sondern 
nur insofern unkorrekt ausgedrückt, als sich das 3. und 4. Kon- 
sulat nicht mit der 3. und 4. Diktatur deckt, aber doch mit je 
8^ Monaten. 

Am allermeisten aber scheint mir doch das neue Schema 
gestützt und die Richtigkeit desselben am schlagendsten durch 
den Umstand bewiesen zu werden, dass wir von verschiedenen 
Punkten ausgehend zu demselben Resultate gelangt sind, insofern 
sich auch aus der vorhergehenden Untersuchung über die Chrono- 
logie der Münzen ergeben hat, dass Caesar gegen Ende April 
709/45 als dict. IUI. nachzuweisen ist. 

Kehren wir jetzt wieder zu den Münzen des ersten Quattuor- 
virnkollegiums zurück, so bleiben uns noch die Münzen ohne 
Caesar's Bildniss zu behandeln übrig. Dieselben gehen mit den 
ersten Stücken in die Mitte des Jahres 708/46 zurück. Zu 
dieser Ansetzung nöthigen folgende Umstände: 

1. Wir haben oben gesehen, dass sich die Münzen eines 
jeden Münzmeisters chronologisch ordnen lassen, und dass da- 
nach die Münzen ohne Caesar's Kopf in übereinstimmender Weise 
früher geprägt sein müssen als die mit Caesar's Kopfe. Da 
diese bis in die zweite Hälfte des April 709/45 hinaufreichen, 
müssen jene noch früheren Datums sein. 

2. Der Sieg von Munda wird auf den Münzen durch das 
Bild der Venus Victrix verherrlicht, welches zu gleicher Zeit 
mit dem caesarischen Imperatortitel auf denjenigen Denaren 
allein auftritt, welche nach dem 20. April (d. h. demjenigen Tage, 
an welchem die Siegesnachricht nach Rom gelangte) geprägt 
sind. Nun finden sich aber auch auf anderen, von dem ersten 
Quattuorvirnkollegium geprägten Münzen (Bab., Flam. 2 = Coh., 
Flam. 2; Bab., Mettia 1 = Coh., Mettia 1; Bab., Sep. 9. 10 = 
Coh., Sep. 2. 3) Andeutungen auf einen errungenen Sieg. Es 



196 F. L. Ganter: 

fragt sich also, können auch diese Anspielungen auf den Sieg 
von Munda gehen. Denn das müsste man annehmen, wollte 
man der Meinung A. v. SalletV) beipflichten, der annimmt, 
die kleineren Münzen des Quattuorvirnkollegiums seien gleich- 
zeitig anzusetzen mit den Denaren, auf denen Caesar s Bild er- 
scheint. 

Auf den Sieg bei Munda kann sich die Biga mit der Viktoria 
auf dem Reverse des Erstlingsdenares des Chilo nicht beziehen, 
weil auf dem Averse das Bild Caesar's noch nicht vorhanden 
ist; die erste Münze aber, die nach dem Bekanntwerden des 
bei Munda erfochtenen Sieges geprägt worden sein kann, ist, 
wie oben gezeigt, der andere Denar des Chilo, auf dessen Averse 
Caesar's lorbeerbekränzter Kopf abgebildet ist. Wenn also die 
von Chilo später geprägte Münze die erste ist, welche sich auf 
den Sieg bei Munda bezieht, so kann die von ihm früher geprägte 
nicht schon denselben Sieg verherrlichen, sondern den vorher- 
gehenden, den Sieg bei Thapsus. Eine ähnliche Biga mit der 
Viktoria begegnet uns auf dem Reserve eines Quinares des 
Mettius (Bab., Mettia 1 = Coh., Mettia 1). Dieser Quinar gehört 
demnach in dieselbe Zeit, wie der Erstlingsdenar des Chilo, d. h. 
bei beiden Münzen handelt es sich um die Verherrlichung des 
Sieges bei Thapsus, da an einen früheren Sieg Caesar's wohl 
kaum gedacht werden kann. 

3. Es besteht zwischen den Typen, welche auf den Quinaren 
und Sesterzen der Quattuorvirn erscheinen und auf Zeitereignisse 
zu beziehen sind, und denjenigen, welche uns auf den Quinaren 
und Sesterzen der im Jahre 708/46 noch prägenden Münztrium- 
virn und Praefekten begegnen, eine ganz überraschende Ähnlich- 
keit und Verwandtschaft. Die gleiche Viktoriabüste (man be- 
hauptet vielleicht mit Recht, dass sie die Züge der Calpumia 
trage) finden wir einerseits auf den Aversen der beiden Quinare 
des P. Sepullius (Bab., Sep. 9. 10 = Coh., Sep. 2. 3), andererseits 
auf den Aversen: 



n Ztschr. f. N. IV. S. 129/130. 



Die Diktaturen Caesar's u. d. Münzen d. fünf ersten Uli viri a.a.a.f.f. 197 

a) eines Quinars des III vir. L. Papius Celsus (Bab., 
Papia 4 = Coh., Papia 4); 

b) eines Quinars des (III vir?) Valerius Ascisculus (Bab., 
Valeria 22 = Coh., Val. 20); 

c) der Aurei und des Goldquinars des L. Munatius 
Plancus, praef. urb. (Bab., Munatia 1 — 2 und 3 = 
Coh., Mun. 1—3), mit der auf allen drei Münzen 
vorhandenen Legende des Averses: C. CAES. DIC. 
TER.; 

d) der Münze des Praefekten C. Clovius (Bab., Clovia 
11 = Coh., Clovia 7), mit der Legende: CAESAR. 
DIC. TER. 

Hieraus lernen wir nun Folgendes: Es gab eine Zeit, in 
welcher der Senat ausschliesslich Quinare und Sesterze prägen 
Hess. Ich sage ausdrücklich der Senat, weil hierdurch erklärt 
wird, weshalb L. Munatius Plancus und C. Clovius, die Caesar's 
Magistrate waren, eine Ausnahme machen. Es ist dies ein Jahr, 
in welchem einestheils noch die alten Triumviri, anderestheils 
aber schon die neuen Magistrate, die Quattuorviri, geprägt haben. 
Es ist ferner ein Jahr, in welchem Caesar dictator tertio war 
und einen Sieg erfochten hat. Es kann dies also nur das Jahr 
708/46 sein und zwar die Zeit nach dem Siege von Thapsus. 
Caesar war zwar auch noch im Anfange des Jahres 709/45 die. 
ter., aber nicht mehr nach dem Siege von Munda, damals war 
er schon die. quarto. 

4. Dass Caesar nach dem auf diesen Münzen verherrlichten 
Siege zur See nach Rom zurückkehren musste, geht sowohl aus 
dem Quinare des Sepullius hervor (Bab., Sep. 9 = Coh., Sep. 2), 
welcher auf dem Reverse eine stehende Fortuna mit dem Steuer- 
ruder zeigt, als auch aus einem Asse des Legaten Eppius (Bab., 
Julia 21 = Coh., Eppia 1), welches auf dem Reverse eine Prora 
zeigt, während der Avers die Umschrift C. CAES. DIC. TER: 
trägt. Die Bedeutung der Fortuna mit dem Steuerruder (die 
glückliche Heimkehr zur See) lehren uns zwei andere Münzen. 
Bab.,) Antonia 43. 44 = Coh., Ant. 33. 32). 

Zeitschrift für Numismatik. XIX. 14 



198 F. k- Ganter: 

Af. Kopf des Antonius: ANT. AVG. IMP. III V. R. P. C. 

Rf Fortuna mit dem Steuerruder, davor ein Storch: 
PIETAS. 
COS. Wir haben hier einen Aureus bezw. Denar des Consuls 
L. Antonius, der i. J. 713/41 von Caesar dem Triumvir in Perusia 
belagert wurde und die Rückkehr seines Bruders aus Ägypten 
herbeiwünschte. (Bab., Sempronia 12 «= Coh., Sempr. 11) 

Af. Kopf des Caesar (Triumvir): DI VI IVLL F. 
Rf Fortuna mit Steuerruder: TL SEMPRON. GRACCVS 
III VIR Q. D. 

Dieser Aureus geht auf die Rückkehr des Triumvirn Caesar von 
der Schlacht bei Philippi. Auf den anderen Münzen desselben 
Münzmeisters (Bab., Sempr. 10. 1 1. 13 = Coh., Sempr. 8. 9. 10) spiegelt 
sich deutlich der Sieg bei Philippi wieder: Siegeszeichen sind 
römische Feldzeichen, auf die Äckervertheilung spielt der Pflug, 
auf die erneute Vertheilung des römischen Reiches unter Antonius 
und Caesar 1 ) spielt das Scepter an. Also handelt es sich auch bei 
dem Quinare des Sepullius in unserem Falle um eine Rückkehr 
Caesar 1 s zur See : es kann demnach nur die Rückkehr nach dem 
Siege von Thapsus gemeint sein, da Caesar aus Spanien zu 
Lande zurückgekehrt ist. Auf dasselbe Jahr deutet ja auch der 
Titel C. Cae8. die. ter. auf dem Asse des Eppius hin, dessen 
Revers auf eine Flottenexpedition hinweist 

5. Cicero schreibt im Jahre 708/46 an seinen Freund 
Q. Cornuficius (ep. ad fam. XII, 18, 2), den Statthalter von 
Cilicien : istie (d. h. in der Nähe von Cilicien, in Syrien, wo Sex. 
Caesar im Jahre 708/46 von Caecilius Bassus ermordet worden 
war) bellum est exortum, Uc (in Italien, wo Cicero den Brief ge- 
schrieben hat) pax con8ecuta est. Es ist dies eben der Friede, 
welcher durch die Besiegung der pompejanischen Partei bei 
Thapsus errungen war, aber nur kurze Zeit gedauert hat. Diese 
Freude an dem wiedererlangten Frieden, wie sie nach einem 



x ) Vgl. L. Ganter, die Provinzialverwaltung der Triumvirn, dies. 8tra8sb. 
1892, S. 2 fg. 



Die Diktaturen Caesar's u. d. Münzen d. fünf ersten IUI viri a.a.a.f.f. 199 

langjährigen Bürgerkriege ganz natürlich ist, findet auch auf 
den Münzen ihren Ausdruck. Es sind auch hierbei wieder so- 
wohl Münzen der Quattuorvirn , als auch solche der Triumvirn: 

a) Bab., Sep. 10 = Coh., Sep. 3: Rf. Eine Viktoria mit 

der Friedenspalme (Quinar). 

Bab., Sep. 11. 12 = Coh., Sep. 4: Af. Merkur, der 
Gott des Handels mit Caduceus. Rf. Gaduceus, 
ein Sinnbild des Friedens (2 Sesterze). 

Bab., Julia 39 = Coh., Aem. 14: Af Kopf der Pax: 
PAXS. Rf. Zwei verbundene Hände: L. AEMI- 
LIVS BVCA IUI VIR (Quinar). 

b) Bab., Valeria 23 = Coh., Valeria 21: Af. Füllhorn, Sym- 

bol des Friedens (Sesterz). 
Bab., Papia 5. 6. 7 = Coh., Papia 5: Af. (= Af. von 
Bab., Sep. 11. 12): CELSVS. Rf. Lyra, Symbol 
des Friedens (Sesterze). 

Diese Münzen der Quattuorvirn liefern den klaren Beweis, 
dass sie bereits im Jahre 708/46 geprägt sind, denn im Jahre 
709/45 ist der Friede durch den neuen Kampf gegen die Pom- 
pejaner in Spanien nicht mehr vorhanden. 

Zum Überflusse findet sich auch noch ein gleicher Typus 
auf den Quinaren des Triumvirn L. Papius Celsus (Bab., Pap. 4 
= Coh., Pap. 4), und des Quattuorvirn M. Mettius (Bab., Mettia 
2 = Coh., Mettia 2): ein Mädchen, das die Schlange der Juno 
Sospita füttert (vgl. über die Bedeutung [Salus] Babelon H, 
S. 283). Auch hierin erkennt man die unmittelbare Aufeinander- 
folge der kleineren Münzen der Quattuorvirn auf diejenigen der 
Triumvirn. 

Aus diesen Untersuchungen ergiebt sich also: 1. dass die 
kleinen Münzen der Quattuorvirn P. Sepullius Macer, M. Mettius 
und L. Aemilius Buca nicht gleichzeitig mit den Denaren geprägt 
sind, auf denen der Kopf Caesar' s erscheint, sondern insgesammt 
früher und zwar in der Zeit von ca. Mitte des Jahres 708/46 
bis April 709/45 (d. h. bis in die Zeit, als die ersten Denare 

14* 



200 F - L. Ganter: 

mit Caesars Bildniss geprägt worden sind); 2. dass das Amt 
der Quattuorvirn kein einjähriges, sondern von grösserer Dauer 
gewesen ist; 3. dass L. Munatius Plancus bereits bald nach der 
Beendigung des afrikanischen Krieges im Jahre 708/46 Prae- 
fectus urbi geworden ist. 

Zur besseren Orientirung geben wir zum Schlüsse noch 
folgende chronologische Übersicht über die Münzen der 
Quattuorvirn L. Flaminius Chilo, M. Mettius, L. Aemilius Buca, 
P. Sepullius Macer und C. Gossutius Maridianus: 

A. L. Flaminius Chilo. 

1) IUI VIR PRI. FL. Venuskopf n. r. 

Rf L. FLAMINI. CHILO. Viktoria in einer n. r. fahrenden 
Biga stehend. (Vgl. B, 1.) (Bab., Flam. 2 = Julia 44 
= Cohen, Flam. 2.) Denar. 

2) Kopf Caesar's n. r. 

Rf. L. FLAMINIVS. IUI VIR. Juno mit Scepter und 
Caduceus, stehend, n. 1. (Bab., Flam. 3 = Julia 45 
= Cohen, Flam. 3.) Denar. 

B. M. Mettius. 

1) Kopf der Juno Sospita n. r., dahinter eine Schlange. 

Rf M. METTI. Viktoria, in einer n. r. fahrenden Biga 
stehend. (Vgl. A, 1.) (Bab., Mettia 1 = Coh., 
Mettia 1.) Quinar. 

2) Kopf der Venus n. r. 

Rf M. METTI. Mädchen n. r. gehend und eine Schlange 
fütternd. (Vgl. Bab., Papia 4 = Coh., Papia 4,) (Bab., 
Mettia 2 = Coh., M. 2.) Sesterz. 

3) CAESAR DICT. QVART. Kopf Caesar's n. r., dahinter Lituus. 

Rf M. METTIVS. Juno Sospita mit Schild und erhobener 
Lanze in einer n. r. fahrenden Biga stehend. (Bab., 
M. 3 = Julia 31 = Coh,, M. 6.) Denar. 

4) CAESAR. IMP. Kopf Caesar's n. r M dahinter Lituus und 
Simpulum. 



Die Diktatoren Caesar's u. d. Münzen d. fünf ersten Uli viri a.a.a.f. f. 201 

Rf. M. METTIVS. Venus Victrix n. 1. (Bab. , M. 4 = 
Julia 32 = Coh., M. 4.) Denar. 
5) CAESAR. IMPER. Kopf Caesar's n. r. 

Bf. = 4). (Bab., M. 5 = Julia 33 = Coh., M. 3.) Denar. 

C. L. Aemilius Buca. 

1) PAXS. Kopf der Friedensgöttin n. r. 

Rf. L. AEMILIVS BVCA IUI VIR. Zwei ineinandergelegte 
. Hände. (Bab., Julia39 = Aemilial8 = Cob., Aem. 14.) 
Quinar. 

2) Dianakopf mit Halbmond n. r. 

Rf. L. AEMILIVS BVCA. In der Mitte ein Stern. (Bab., 
Julia 40 = Aemilia 19 = Coh., Aem. 14.) Sesterz. 

3) CAESAR IM. P. M. Kopf Caesar's n. r., dahinter ein Halbmond. 

Rf. L. AEMILIVS BVCA. Venus Victrix n. 1., aufrecht. 
(Bab., Julia 34 = Aem. 13 = Coh., Aem. 15.) Denar. 

4) CAESAR DICT. PERPETVO. Kopf Caesar's n. r. 

Rf. L. BVCA. Venus Victrix n. 1. , aufrecht. (Bab., 
Julia 35 = Aem. 14 = Coh., Aem. 16.) Denar. 

5) CAESAR DICT. PERPETVO. Kopf Caesar's n. r. 

Rf. L. BVCA. Venus Victrix halbentkleidet, sitzend n. r. 
(Bab., Julia 36 = Aem. 15 = Coh., Aem. 17.) Denar. 

6) CAESAR DICT. PERPETVO. Kopf Caesar's n. r. 

Rf. L. BVCA. Caduceus kreuzt sich mit einem Fascis, 
in den Zwischenräumen ein Beil, zwei ineinander- 
gelegte Hände, eine Weltkugel und der Name L. Buca. 
(Bab., Julia 37 = Aem. 17 « Coh., Aem. 18.) Denar. 

7) L. BVCA. Venuskopf mit Diadem n. r. 

Rf Endymion. (Bab., Julia 38 = Aem. 12=Coh., Aem. 12.) 
Denar. 

D. P. Sepullius Macer. 

1) Büste der Viktoria n. r. 

Rf. P. SEPVLLIVS MACER (m. d. Uhrz.) 1 ). Aufrecht- 



1) «mit dem Uhrteiger, d. h. der links neben dieser Bezeichnung 
stehende Name ist auf der betr. Münze im Kreise in der Richtung ge- 



• = Coh., Sep. 4.) 



202 F - L - Ganter: 

stehende Fortuna, n. 1. gewendet, i. d. r. Hd. ein 
Steuerruder, i. d. 1. Hd. ein Füllhorn. (Bab., Sep. 9 = 
Coh., Sep. 2.) Quinar. 

2) Büste der Viktoria n. r. 

Rf. P. SEPVLLIVS MACER (m. d. Uhrz.). Nach rechts 
gehende Viktoria, i. d. r. Hd. einen Lorbeerkranz, i. 
<L 1. Hd. eine Palme. (Bab., Sep. 10 = Coh., Sep. 3.) 
Quinar. 

3) Merkurbüste n. r., auf der Schulter ein Caduceus. 

Rf. P. SEPVLLIVS (m. d. Uhrz.). Geflügelter Caduceus. 

(Bab., Sep. 11 

4) = i5" o* } Varietät (Bab., Sep. 12 

Rf. = 6). ' 

Sesterze. 

5) CAESAR IMP. Kopf Caesar's n. r., dahinter ein Stern. 

Rf. P. SEPVLLIVS MACER (m. d. Uhrz.). Venus Victrix 
n. 1. gewendet, i. d. 1. Hd. ein Scepter, an dessen 
unterem Ende ein Stern sich befindet, i. d. r. Hd. 
eine kleine Viktoria. (Bab., Julia 46 = Sep. 1 = 
Coh., Sep. 5.) Denar. 

6) Varietät von 5) mit der Legende CAESAR IMPER. ohne 
Stern auf dem Averse. (Bab., Julia 47 = Sep. 2 = Coh., 
Sep. 6.) Denar. 

7) CAESAR DICT. PERPETVO. Kopf Caesar's n. r. 

Rf. P. SEPVLLIVS MACER (m. d. Uhrz.) = 5, jedoch 
statt des Sternes unter dem Scepter ein Schild. 
(Bab., Julia 48 = Sep. 3 = Coh., Sep. 8.) Denar. 

8) = 7). 

Rf. P. SEPVLLIVS (m. d. ührz.) MACER (g. d. Uhrz.). 
Der Typus «= 5. (Bab., Julia 49 = Sep. 4 = Coh., 
Sep. 7.) Denar. 

9) CAESAR DICT. PERPETVO. Caesar's Kopf n. r. mit dem 
priesterlichen Kopftuche bekleidet. 



schrieben, welche der Zeiger einer Uhr beschreibt; g. d. Uhrz. = gegen den 
Uhrzeiger, bedeutet die entgegengesetzte Richtung. 



Die Diktaturen Caesar's u. d. Münzen d. fünf ersten IUI viri a.a.a. f. f. 203 

Rf. P. SEPVLLIVS (m. d. ührz.) MACER (g. d. ührz.). 
Der Typus *= 7. (Bab., Julia 50 =Sep. 5 =Coh., 
Sep. 9.) Denar. 

10) CAESAR PARENS PATRIAE. Caesar's Kopf n. r. mit dem 
priesterlichen Kopftuche bekleidet, dahinter ein Apex, davor 
ein Lituus. 

Rf. P. SEPVLLIVS (m. d. Uhrz.) MACER (g. d. ührz.). 
Ein Reiter n. r. mit der spitzen Mütze der Dios- 
kuren, ein zweites Pferd an d. 1. Hd. führend, i. d. 
r. Hd. eine Geissei. Im Felde ein Kranz. (Bab., 
Julia 51 — Sep. 6 = Coh., Sep. 10.) Denar. 

11) CLEMENTIAE CAESARIS. Tempel auf vier Säulen. 

Rf. = 10). (Bab., Julia 52 = Sep. 7 = Coh., Sep. 11.) 
Denar. 

12) Bärtiger Kopf des M. Antonius n. r. mit dem priesterlichen 
Kopftuche bekleidet, dahinter Präfericulum, davor Lituus. 

Rf = 10). Im Felde eine Palme und ein Kranz. (Bab., 
Antonia 2 = Sep. 8 = Coh., Sep. 12.) Denar. 

E. C. Cossutius Maridianus. 

1) =D. 10). 

Rf C. COSSVTIVS MARIDIANVS A. A. A. F. F. Der 
Name über's Kreuz geschrieben, der Titel in den 
Lücken stehend. (Bab., Julia 43 = Coss. 2 = Coh., 
Coss. 2.) Denar. 

2) = D. 9). 

Rf. C. MARIDIANVS. Venus Victrix n. 1., d. 1. Hd. auf 
e. Schild gestützt, der auf e. Weltkugel ruht (Bab., 
Julia 41 = Coss. 3 = Coh., Coss. 3.) Denar. 

3) CAESAR DICT. IN PERPETVO. Sonst = D. 9). 

RJ. — B.2). (Bab., Julia42=Coss.4=Coh.,Coss.5.) Denar. 

Altkirch im Oberelsass. 

Dr. Franz Ludwig Ganter. 



Beiträge zur griechischen Numismatik 

(Mit Tafel HI.) 



Elis. 

1) Vf. Adler mit ausgebreiteten Flügeln n. r. fliegend und mit 

seinen Erallen eine Schildkröte (den Bauch nach oben) 

haltend, deren Kopf er mit seinem Schnabel zerreisst. 

Rf. In vertieftem Viereck Zeus nackt, nach rechts schreitend 

und mit der erhobenen rechten Hand den Blitz schleudernd; 

auf seiner linken Hand sitzt der Adler nach rechts mit 

ausgebreiteten Flügeln. Rings herum, anfangend links 

unter der rechten Hand des Zeus und nach unten laufend, 

die Aufschrift hOHnHVAO (rückläufig), so dass an der 

linken Seite des Zeus vier Buchstaben, zwischen den Füssen 

zwei und die übrigen drei auf der rechten Seite stehen. 

Dm. 23 mm, Gewicht 12,03 gr. Münzkabinet von Berlin. 

Abgebildet Taf. III, 1. 

Diese Münze hat vor Kurzem das Berliner Münzkabinet 

erworben; sie ist wegen ihrer Darstellungen einzig und sehr 

interessant, weil wir auf den bis jetzt bekannten elischen Münzen 

den Adler entweder die Schlange bekämpfend oder im Begriff, 

einen Hasen, ein Lamm oder auch einen Vogel zu zerreissen, 

sahen 1 ), während er auf dieser neuen Münze die Schildkröte 

verfolgt. Dass der Adler ausser anderen Thieren auch die 

Schildkröte verfolgt, ist bekannt. Weil er dieselbe wegen ihrer 

harten Schale nicht zerreissen kann, packt er sie mit seinen 

Krallen, schwebt mit ihr empor und lässt sie aus der Höhe auf 



1) Vergl. Imhoof- Blumer und Otto Keller, Thier- und Pflanzenbilder 
auf Münzen und Gemmen, S. 28 und Taf. IV, 36, 37 und 38. 



A. Lambropoulos: Beiträge zur griechischen Numismatik. 205 

Steine herabfallen. Nachdem er so ihre Schale zerschmettert, 
frisst er sie auf. Durch eine so von einem Adler aus der Höhe 
fallen gelassene Schildkröte wurde, wie die Alten erzählen, der 
tragische Dichter Aeschylos getödtet. (Siehe eine solche Dar- 
stellung bei Baumeister, Denkmäler des klassischen Alterthums 
Band I Seite 34, n. 36.) 

In dieser Zeitschrift 1 ) ist schon von Ernst Curtius eine 
andere Münze von Elis veröffentlicht worden (= B), welche auf 
der Vorderseite ganz anders als die gegenwärtige (= A) ist, auf 
der Bäckseite aber grosse Ähnlichkeit mit ihr hat; sie befindet 
sich jetzt, wie es scheint, in der Pariser Sammlung 1 ). Auf der 
Vorderseite dieser Münze ist der Adler mit ausgebreiteten 
Flügeln nach links fliegend dargestellt und mit seinem Schnabel 
eine Schlange in der Mitte haltend, welche sich um seinen 
Körper windet und, ihren Kopf über denjenigen des Adlers er- 
hebend, im Begriff ist, ihn zu beissen ; auf der Rückseite sehen 
wir, wie auf A, im vertieftem Viereck Zeus, nackt nach rechts 
schreitend, mit der rechten Hand den Blitz schleudernd; auf 
seinem linken Arme steht der Adler mit ausgebreiteten Flügeln, 
und rings steht in derselben Weise die Legende HOXIIHVAO, 
mit dem Unterschiede aber, dass auf beiden Seiten des Zeus je 
vier Buchstaben, und zwischen den Füssen nur einer, das P, 
sich befindet. Man hat bis jetzt auf B irrthümlich OAV/WPIKOM 
gelesen, während der vierte Buchstabe, wie eine genaue Be- 
trachtung zeigt, kein M, sondern ein deutliches P, nach der 
älteren Schreibweise, ist, ebenso wie auf A. 

Aus stilistischen Gründen glaube ich, dass A ohne Zweifel 
um eine oder zwei Olympiaden älter als B ist. Der Adler der 
Vorderseite ist bei A, besonders in den Flügeln, nach der 
älteren Weise gebildet, und sieht den ältesten Münzen von Elis*) 



1) Band II S. 265. 

2) Siehe gute Phototypie dieser Münze bei /. AapiiQos, iltkon6vtnj*os 

3) Vergl. Gatalogne of the Greek Coins in the British Museum, Pelo- 
ponnesus, PL X, 1—3. 



206 A. Lambropoulos: 

und den ältesten von Chalkis 1 ) sehr ähnlich, während auf B aus 
der Entwickelung der Flügel des Adlers and seines Kopfes, wie 
auch aus der allgemeinen Anordnung der Schlange sich ganz 
unverkennbar eine fortgeschrittene Kunst offenbart; das ver- 
tiefte Viereck der Rückseite ist bei A grösser und infolge dessen 
auch die Figur des Zeus, dessen Oberkörper im Verhältniss zu 
den Füssen etwas zu massenhaft erscheint, während der Körper 
in der Mitte sehr eingezogen ist, so dass die Brust gewisser- 
massen ein Dreieck bildet, auf B dagegen hat der Körper eine 
gewisse mehr natürliche und symmetrische Anordnung be- 
kommen; der Abstand der Füsse des Zeus ist breiter und der 
vorgesetzte linke Fuss im Verhältniss zu dem rechten grösser. 
Überdies lehrt auch die Aufschrift unserer Münze, dass diese 
älter sei; denn der Künstler hatte, als er zum ersten Mal die 
Buchstaben einschnitt, wie es scheint, kein anderes Vorbild vor 
seinen Augen und hatte auch von vornherein nicht berechnet, 
wie viele Buchstaben er auf jeder Seite anbringen musste, um 
eine gewisse Symmetrie zu erzielen, sondern er setzte ohne 
Berechnung, nachdem er von links begonnen, die Aufschrift 
fort, und brachte, ganz unbekümmert um die Symmetrie, auf 
der linken Seite vier, unten, zwischen den Füssen, zwei, und 
auf der rechten Seite die übrigen drei Buchstaben an. Der 
Stempelschneider der anderen Münze dagegen — es ist wahr- 
scheinlich derselbe Künstler gewesen — hatte die ältere Münze 
vor seinen Augen und vermied, obgleich der Raum in dem von 
seinen Händen verfertigten Stempel für die Anbringung der 
Aufschrift geringer war, trotzdem jene Asymmetrie, indem er 
von vornherein die Verkeilung der Buchstaben berechnete und 
dann je vier auf jeder Seite und einen zwischen den Füssen 
einschnitt. 

Curtius a. a. 0. citiert zur Erklärung jener Münze die Stelle 
des Thukydides 2 ): „nolipov yaQ ysvopivov ttqos ^Qxddcov uväg 

1) Vergl. Zeitschr. für Numismatik Band in, S. 217, Tat II, 5 und 
Band XVII, Taf. I, 3. Numismatic Chronicle X, S. 31 und PI. m, 23. 

2) V, 31, 2. 



Beiträge zur griechischen Numismatik. 207 

AmQsdtaig, xal ^HXeinav naQaxXtj&forTwy vno AsnQeatäy ig 
Svppaxiccv inl irj yptfsia %ijg y^g xal Xvtidynay %6v noleftov, 
*Hle1o* tijy yijv vefAopiyoig avxotg toXg AsnQsdtaig tdXayxoy 
iza£ay %& Ju %& Vlvpniu ano(piQew"; und die des Pausanias'): 
„id-iXovtit pip örj ol AenQsätai iioXqa ilvat %&y AQxddwy, <pai- 
vovxay de 'HXttov xatyxoo* %o i% <*QXijg ov%%g % xal otfo* avx&v 
y OXvpma Ivixrfiav, *HXsiovg ix Asnqiov (Stfäg 6 xiJQv£ ayeZne* 
xal Idqhdtofpdy^g inoiißsv dg A&nqeog sir\ noXidpa 'HXsitoy", 
und fügt hinzu: „aus diesen Zeitverhältnissen glaube ich also 
das VXvpmxoy yö^a^a erklären zu können, und wenn wir an- 
nehmen, dass der Staatsvertrag mit Lepreon, von dem wir nur 
wissen, dass er nach den Perserkriegen geschlossen ist und bis 
zum Ausbruche des Peloponnesischen Kriegs in Kraft bestanden 
hat, der Mitte des fünften Jahrhunderts v. Chr. angehört, so 
würde der Stil der Münze dieser Zeitbestimmung entsprechen. 
Sollte sich nach Prüfung des Originals bestätigen, dass auf der 
Vorderseite der Name der Eleer fehlt, so würde dadurch ganz 
unzweideutig der Münze der Charakter einer Tempelmünze ge- 
geben sein, in welcher die Abgabe von solchen gezahlt wurde, 
die nicht als tributäre Unterthanen der Stadt Elis betrachtet 
werden sollten, sondern als Erbpächter auf einem dem Olympi- 
schen Zeus geweihten Territorium". 

Diese Meinung haben fast Alle ohne weitere Prüfung der 
Sache angenommen. Wenn wir aber diese Münze eingehender 
und genauer, in Vergleichung mit anderen Münzen und anderen 
Denkmälern der Kunst, prüfen, so ergiebt sich, dass dieselbe 
unmöglich der Mitte des fünften Jahrhunderts angehören kann, 
sondern älter sein muss, entweder aus dem Ende des sechsten 
oder wenigstens dem Anfange des fünften Jahrhunderts. Der 
Stil des Zeus erscheint viel älter, als derjenige der Statuen des 
Athenatempels von Ägina, und zwar hat im Allgemeinen die 
Gestalt grosse Ähnlichkeit mit der zu Olympia entdeckten 
bronzenen Statuette des Blitzschleudernden Zeus, ist aber im 

l) Y, 53. 



208 A. Lambropoulos: 

Stil auch noch älter als diese 1 ). In Olympia befand sich auch 
eine Statue des Zeus, fast ähnlich dem Bilde der vorliegenden 
beiden Münzen, und ein Werk des Ägineten Aristonous, wie 
Fausanias berichtet 2 ): »IlQoeX&ovi* de oXlyov Zevg lc%t nqog 
aviifyovxa zttqa^xivog %6v fjhov, äetov sytöv tbv OQVi&a xal %jj 
itiqa x&v %siqwv xeqavvoV inixsnair de avt<2 xal inl zfj xecpaX^ 
6%i<pavoq, äv&tj rä xqIvcc. Msranovzivcov de iattv ävd^pcr, 
Atywqtov di sqyov *AqMt6vov tov di *AQ*(ft6vov tovzov dtdd- 
oxaXop, ij xa#' ovtiva %qovov iyivBto^ ovx HöfjLev". Aus dieser 
Unbestimmtheit des Pausanias kann man mit vollem Recht 
schliessen, dass der Künstler Aristonous ohne Zweifel vor Onatas 
thätig gewesen ist'). Der Mitte des fünften Jahrhunderts ge- 
hören des Eunststils wegen diejenigen elischen Münzen an, 
welche auf der Vorderseite den auf Felsen sitzenden Zeus mit 
dem Adler auf der rechten Hand und auf der Bückseite im 
vertieften Viereck den Adler zeigen 4 ). 

Diese Münzen von Elis haben eine grosse Ähnlichkeit mit 
den arkadischen, nicht allein im Stil, sondern auch in den Dar- 
stellungen. Darüber ausführlicher unten. 

Auf den vorliegenden zwei Münzen findet sich nicht, wie 
sonst allgemein üblich, das Ethnikon des Namens der Eleer, 
sondern allein das Possessivum OAVNPIKON. Wie bekannt, 
wurde die Aufschrift auf den alten griechischen Münzen im 
Allgemeinen im Genitiv Pluralis des Ethnikon gesetzt. Es finden 
sich auch Münzen einiger Staaten, welche das Possessivum 
haben, aber die Ergänzung desselben, wie sie bis jetzt an- 
genommen wurde, scheint mir keine befriedigende zu sein. Das 
Auftauchen der vorliegenden zwei Münzen mit der Legende 
OAVNPIKON wird, glaube ich, zur Lösung dieser Frage beitragen. 

1) Vergl. Aasgrabungen von Olympia IV, Taf. 24, and Fartw&ngler, 
Bronzefande aas Olympia, Abhandlangen der K. Akademie der Wissenschaften 
zu Berlin 1879. 

2) V, 22, 5. ' 

3) Vergl. Brunn, Geschichte der Griechischen Künstler 3 1, S. 69. 

4) Siehe Catalogue of Greek Coins in the British Museum, Peloponnesus 
PI. X, 11 und 12. 



Beiträge tui griechischen Numismatik. 209 

Das Possessivum findet sich, ausser diesen zwei Münzen von 
Elis, auch auf Münzen der folgenden Staaten: im Peloponnes 
haben die ältesten arkadischen Münzen die Aufschrift Aqxccöixov, 
in verschiedener Weise, der Zeit gemäss, HOflOAMA, ARKADIKOM, 
APKAAIKOIM 1 ) geschrieben, auf Münzen von Pheneos ist die 
Legende (DENIKON; in Mittel- Griechenland findet sich auf den 
ältesten Münzen von Phokis, mit verschiedenen Umänderungen, 
(DOK I, welches nur als Possessivum zu ergänzen ist ; auf Münzen 
von Delphi in Phokis ist die Aufschrift DAAOIKON'), und in 
Thespiae in Böotien OESPIKON. Es findet sich ferner das 
Possessivum MOHITMIAD in Phästos auf Kreta, HOMITAA^ia, 
ClIA/TIKßN») bei den Bisalten in Makedonien, TEPMEPIKON 
bei Termera in Karien, NAHAIKON bei Nagidos, IOAIKON bei 
Soli und TEPEIKON bei Tarsus in Kilikien. 

Über die Ergänzung des Possessivums im Allgemeinen 
äussert sich Eckhel in folgender Weise *) : „hoc autem possessivo 
subintelligi valorem monetae dubium non videtur, qui quidem 
in numo dissimnlatur, quod ex volumine, et usu quotidiano satis 
esse cognitus. Esset autem compositum quoddam ex dQccxpr), 
ut didqaxpoV) tQiÖQaxpoVj aut ex oßoXog, tQioißoXoy, nsvtdßokov 
etc. aut in genere vox vo^as^a . .. . 4t5 ). Diese Meinung des 
berühmten Gelehrten haben fast Alle angenommen 6 ) ; sie fassen 
das Possessivum als Nominativ auf, und ergänzen demgemäss 

'OXvpmxov, Idqxadixov, vofiHffJia etc. 

Wie bekannt, ist das Ethnikon im Genitiv Pluralis die 
Regel, wie im Allgemeinen auch in den Aufschriften der 

1) Vergl. Zeitschr. für Numismatik UI, S. 290 ff. Tat VII and VIII, 
and Peloponnesuß S. 169 ff. and PI. XXXI and XXXII. 

2) VergL Revue Namismatiqae XIV (1869—70) S. 149 ff. and Zeitschr. 
für Numisrn. XIII, S. 61, Tai. III, 1. 

3) VergL (Catalogue of Greek Coins in the British Museum) Makedonien 
(etc.) 8. 140. 

4) Numi yeteres 8. 234. 

5) Vergl. auch desselben Doctrina Numorum veterum, Prolegoraena 
Generalia Gap. XVII, 8 8. 96. 

6) Siehe Revue Namismatiqae XIV (1869-70) 8. 152, and Zeitschr. für 
Nam. IX, S. 25. 



210 A. Lambropoulos: 

griechischen Münzen der Genitiv vorherrscht; der Buchstabe O 
der letzten Silbe steht auf den Münzen der Zeit vor Eukleides, 
wie auch nachher noch bei einigen Staaten, welche die alte 
Schreibart entweder aus Gewohnheit oder anderen Gründen 
noch einige Zeit beibehalten haben, statt des Q, also Aqytiov, 
faXsiop, 2vQ<xxoGK>y, Aeovuvov statt ^AQysiwv, faXeloav, 2vqccxo- 
olcor, Aeovxivwv xtX. Zu diesem Genitiv müssen wir ein Sub- 
stantiv ergänzen, von welchem derselbe abhängt. Hierbei 
kommen uns die Aufschriften einiger Münzen aus verschiedener 
Zeit und von verschiedenen Staaten zu Hülfe, welche grosse 
Ähnlichkeit mit den ältesten Weih- und Grabinschriften haben; 
so lesen wir auf einem Elektron-Stater von Ephesos aus dem 
sechsten Jahrhundert : AM|=|*IM^Oh^A©, Oavo(v)$ c(2)pf rifru* 5 ) ; 
auf einem Stater der Stadt Gortys auf Greta ebenfalls aus dem 
6. Jahrh-: AM^A30TMOHVT«OA, roqtvvoq tb ya^a 8 ); anf 
Didrachmen des Königs Senthes von Thracien (Ende des 
5. Jahrb.): SEVGA KO/WWA, Ssv&a xoppa oder auch 2ev&a 
aQYVQM*)', und endlich auf Tetradrachmen des Königs Kotys 
von Thracien (1. Jahrh. v. Chr.): KOTYOC XAPAKTH[P], Kotvog 
XocQaxTtjQ*). In derselben Weise können wir also die Genitive 
der anderen Münzen ergänzen, wie 'A&ttyatwv, RoQiv&lcdv, 

IdQyslwv, fctXsiav, 2vqctxoaUov xtX. elpl tiijpa oder naTpa oder 

xöfifjia oder xa^axt^). Bei den Münzen, welche das Posses- 
siv™ haben und der Zeit vor Eukleides angehören, ist es 
schwer zu entscheiden, ob hier das O statt des kurzen O, d. h. 
als Nominativ, oder, wie bei den späteren, auch statt des 



1) Vergl, (Catalogue of Greek Coins etc.) Ionia 8. 47 und PI. III, 8. 

2) Siehe Svoronos, Numismatique de la Crete ancienne I, S. 158 and 
PL XII, 21. 

3) Yergl. (Catal. of Greek Coins etc.) Thrace etc. S. 201 und Head 
Historia Namorum 8. 240. 

4) Zeitschr. für Numismatik III, 8. 242. 

5) Über das Wort fapix??'? yergl. auch Aristoteles Polit. A, III, 57 a. 
Wir könnten auch rippa ergänzen ans Schol. Aristoph. nnb. 246 „rov ro- 
(AHtfjwnos tnj/uaCvovrog dvo, tot* rofu/iov Wog xai xo jvp/ua iov rttvnwfiivov 
Xalxov tj xQWov" etc. 



Beitrüge zur griechischen Numismatik. 211 

langen Q, d. b. als Genitiv Pluralis, zu fassen ist. Keinesfalls 
aber dürfen wir das Wort vopiapa ergänzen, weil die meisten 
von diesen Münzen wenigstens der Mitte des sechsten Jahr- 
hunderts angehören, das Wort vo/u/^a dagegen viel jünger ist 
und sich erst bei den tragischen Dichtern findet; vielmehr 
kommen nur die Worte <%u*, naTpa, xoppa xtk. in Betracht, 
also z. 6. 'OXvpmxoPi y AQxad$x6r, Oevucov, Oaxixov, Jalcpixov 
[ctpt crisffta, naTfux, xofipcc xiL]. Anders verhält es sich, wenn 
wir das Possessivum als Genitiv auffassen. In diesem Falle 
muss als Ergänzung noch ein anderer Genitiv eines Substantivs 
beigesetzt werden; dieses Substantiv ergiebt sich mit grosser 
Wahrscheinlichkeit aus den vorliegenden Münzen mit OAVPPIKOP. 
Olympia war, wie bekannt, keine Stadt, deren Bewohner 
etwa ausnahmsweise, obgleich sie unter dem Staate der Eleer 
standen, hätten Münzen prägen können, welche in der Legende 
den Namen der Stadt trugen, sondern einfach ein Ort, wo die 
verschiedenen Heiligthümer lagen, und die panhellenischen Agone 
stattfanden, zu denen sich die Griechen aus allen Ländern ver- 
sammelten, nnd deshalb sagt Curtius mit vollem Recht: „am 
weitsten ging man, indem man das Geld geradezu 'OXvpmxov 
vofjuGfta nannte ')" . Auf den Münzen des Staates zeigt die Auf- 
schrift immer den Namen der Eleer. Wahrscheinlich ist also, 
wie auch Head glaubt 1 ), dass die Münzen, welche das Possessivum 
OAVNPIKON haben, entweder von den Priestern des Tempels 
des Olympischen Zeus oder von den Archonten der Eleer, viel- 
leicht aus verschiedenen Weihgeschenken, bei Gelegenheit des 
Stattfinden der Agone für die von überall her zusammen, 
strömenden Kämpfer und die frommen Zuschauer zur Erinnerung 
geschlagen worden sind; vielleicht wurden zu demselben Zwecke 
auch diejenigen von den Münzen mit dem Namen der Eleer 
geprägt, welche die Nike, einen Kranz oder einen Palmzweig 
als Siegessymbol haltend, darstellen. Das Adjektiv olvpmxds 
ist sehr gebräuchlich; nur dieses gebraucht Pausanias, indem er 

1) A. a. 0. S. 273. 

2) Historia Numorum 8. 354. 



212 A. Lambropoulos: 

immer 6 *OXvfAmxd$ äyooy sagt. Wir können also das Possessivum 
im Genitiv Pluralis ergänzen, als *Olvf*mxäv [ayaivap (oder 
S&Xwv) dfil (sfipa, naTfjLccj xöfifia xtL] wie oben. Merkwürdiger- 
weise finden wir das Possessivum nur auf den Münzen der- 
jenigen Staaten des eigentlichen Griechenlands — von den 
anderen sehen wir, da uns genauere Nachrichten darüber fehlen, 
hier ab 1 ), — in denen solche Agone stattfanden. Deshalb 
glaube ich, dass wir alle diese Aufschriften als Genitiv Pluralis 
auffassen können, und, wie oben das Possessivum OAVNPIKON, er- 
gänzen können. Es ist wahrscheinlich, dass diese Münzen von 
Zeit zu Zeit bei Gelegenheit der Agone entweder von den 
Priestern des Tempels aus verschiedenen Weihgeschenken oder 
Einkünften, oder von den Vorstehern des Landes, in dem solche 
Agone stattfanden, zur Erinnerung geschlagen wurden; vielleicht 
gebrauchte man diese Münzen auch als Preise, da einige Agone 
keine GtsyavUcu , sondern xq^atltai, waren, wie z. B. die 
Pythien, welche anfangs ein Agon %{^a%i%^ waren, und dann 
ein dxsyavixtiq wurden 2 ). 

Arkadien war in verschiedene kleine Gantone zersplittert, 
welche, unabhängig von einander, sich oft in Streitigkeiten und 
Kriege verwickelten und niemals, vor der Stiftung von Megalo- 



1) Im Allgemeinen vergleiche hierüber Lenormant, La Monnaie dans 
PAntiquitö II, S. 9 f. nnd das eben jetzt veröffentlichte Werk von Babelon, 
Les Perses Achemenides, les Satrapes et les Dynastes tributaires de lenr 
Empire, Cypre & Phenicie (1893) S. XXVIL 

2) Überdies geht dies ganz klar nnd unzweideutig ans einigen Münzen 
von Metapont aus dem fünften Jahrhundert hervor, welche die Aufschrift 
AXEAOIO AOAON zeigen. (Vergl. Millingen, Ancient Coins pl. I, No. 21 
und S. 12, de Luynes, Metaponte, pl. I No. 13.) Man hat auch hier den 
Buchstaben O des Wortes AOAON, meines Wissens, als kurzes O, folglich 
Nominativ, angenommen. Ich bin der Meinung, dass es richtiger ist, wenn wir 
hier das O als langes ß, d. h. Genitiv Pluralis, auffassen, nach Analogie 
jener Athenischen Amphoren, welche mit Öl gefüllt, als Preise in den 
Agonen verliehen wurden, und die Aufschrift, in älterer Zeit, von rechts 
nach links IM^rhOVOAHaOahaOAHOT, später von links nach rechts 
TßNAOHNHOEN AOAflN, haben. Vergl. Baumeister, Denkmäler des 
klassischen Alterthums, Band II, S. 1152. 



Beiträge zur griechischen Numismatik. 213 

polis durch Epaminondas um 370, eine politische Einheit bildeten, 
noch auch einen politischen Mittelpunkt hatten 1 ). Wie über- 
haupt die Griechen, wenn auch von derselben Nation, sich nie- 
mals vereinigt haben, sondern sich in fast unaufhörlichen Streitig- 
keiten und Kriegen befanden und als gemeinsames Band nur 
einige grosse Heiligthümer, namentlich das des Olympischen Zeus 
hatten, bei denen sie in bestimmten Zeiträumen, nachdem durch 
die Ekkecheirien die Kriege vorläufig unterbrochen waren, zu- 
sammenkamen, um die gemeinsamen Agone, die sogenannten 
panhellenischen Agone, zusammen zu feiern, so vereinigten sich 
im kleinen auch die Arkader, die zwar keinen politischen Bund 
bildeten, aber doch anerkannten, dass sie demselben Stamme 
angehörten und dieselben religiösen Sagen hatten, in bestimmten 
Zeiträumen auf dem Berge Lykaion, ihrem heiligen Gipfel 2 ), 
brachten dort auf dem Altar des Lykäischen Zeus ihre Opfer 
dar und feierten dann die Agone, die sogenannte Lykaia. Zu 
diesen Agonen kamen aus dem ganzen Arkadien und auch aus 
dem anderen Griechenland die Theilnehmer zusammen 3 ); nach 
dem Orte, wo diese Agone stattfanden, konnten sie arkadische 
Agone ^AQxadixol aydoveg genannt werden, ebenso wie nach ihren 
Orten auch die 'Oivpmaj "laSpia, Nipea ihre Namen erhalten 
haben 4 ). Da nun der Tempel des Lykäischen Zeus und diese 
arkadischen Agone der einzige Verband für alle Arkader waren, 
so ist es sehr wahrscheinlich, dass entweder die Priester oder 
mit diesen gemeinsam die Vorsteher der Agone von der ersten 
Hälfte des sechsten Jahrhunderts ab von Zeit zu Zeit diese 
Münzen zur Erinnerung haben schlagen lassen, und zugleich als 
gemeinsame Münze für den Gebrauch der gesammten Arkader. 
Es finden sich davon nur Theilstücke , d. h. Triobolen , Tri- 
bemiobolien, Obolen und Hemiobolien; Drachmen und Statere hat 



1) Siehe Zeitschr. für Numismatik Band IX, 8. 25. 

2) Pausanias VIII, 3, 8 „. . . . ih oqo( far» to Jvxatov xalovai dl apib 
xai "Olv/unor, xai ItQtiv htQot tuk jiQxadtav xoQviprjv." 

3) VergL Pindar Olympion. VIII, 83 und daselbst auch Scholiast. 

4) Yergl. oben (S. 212 Anin. 2.) TflN A0HNH6EN ABAflN. 

Zeiuekrift ftlr Numismatik. XIX. 15 



214 A. Lambropoulos: 

man nicht geschlagen. Wie es scheint, hat man als Drachmen 
diejenigen von Heraia gebraucht, welches, zwischen Olympia und 
Lykosura gelegen, in dieser Zeit die bedeutendste von den 
arkadischen Städten war und dessen erste Münzen, wie sich aus 
dem Stile ergiebt, mit den gemeinsamen arkadischen Münzen 
zeitlich zusammenfallen 1 ); als Statere waren Anfangs die von 
Aegina im Gebrauch und später die des benachbarten Elis, 
namentlich diejenigen, welche die Legende OAVNPIKOIM 8 ) haben, 
und in den Darstellungen mit den arkadischen Münzen überein- 
stimmen, indem beide auf der einen Seite den Zeus Aphesios 
zeigen. Im Allgemeinen stimmen die Münzen von Elis mit 
denen von Arkadien in den Abbildungen der einen Seite immer 
überein, und gehen auch im Stil, indem die Kunst allmählich 
fortschreitet, stets eng zusammen; es ist sogar wahrscheinlich, 
dass beide Staaten vertragsmässig denselben Typus angenommen 
haben, denn sowohl diese ältesten Münzen als auch die um die 
Mitte des fünften Jahrhunderts geprägten stimmen mit einander 
überein, wie man sich sofort überzeugt, wenn man die im (Greek 
Coins in British Museum) Peloponnesus, PI. X No. 11 und 12 
abgebildeten Münzen von Elis mit denen von Arkadien auf 
PI. XXXII No. 7 und 8 vergleicht. Aber auch nach dem Jahre 
370, als, ohne Zweifel nach der Stiftung von Megapolis, zu 
dessen Gründung sehr viele Heiligthümer aus anderen arkadischen 
Städten hierher versetzt und ein Tempel des Lykäischen Zeus 



1) Imhoof- Blumer (Die Münzen Akarnaniens, S. 107: vergl. auch 
desselben, Monnaies Grecqnes S. 196) glaubt, dass die ältesten arkadi- 
schen Münzen in Heraia geschlagen worden sind. Wenn man aber diese mit 
den ältesten von Fhokis, mit welchen sie gleichzeitig sind, und den ältesten 
von Korinth vergleicht, so sieht man deutlich, dass bei allen diesen in allen 
Zeiten dieselbe Kunst und derselbe Stil herrscht; deshalb glaube ich, dass 
sowohl die arkadischen wie die phoMschen Münzen in Korinth geschlagen 
worden sind. In Korinth ist auch ohne Zweifel die Münze von Thaliadai, 
einem arkadischen Flecken, nicht weit von Heraia und Lykosura, geprägt, 
welche von I. Lambros (ntkonowqaos atk. 117) veröffentlicht worden ist; denn 
das Hakenkreuz, welches sie auf der Bückseite zeigt, tritt uns in dieser 
Weise im vertieften Viereck nur in Korinth entgegen. 

2) Vergl. auch Peloponnesus LVIII. 



Beiträge zur griechischen Numismatik. 215 

erbaut worden war, die neue gemeinsame Münze von Arkadien 
geschlagen wurde, findet sich wieder dieselbe Übereinstimmung, 
indem die Arkader auf der Hauptseite ihrer Münze den be- 
kränzten Kopf des Zeus anbrachten, welcher jetzt auch auf den 
Münzen von Elis das übliche Prägebild war. 

Um den Anfang der zweiten Hälfte des fünften Jahrhunderts 
borte, wie es scheint, die Prägung der älteren gemeinsamen 
arkadischen Münze vollständig auf, indem in dieser Zeit die 
meisten der Städte Arkadiens schon eigene Münzen schlagen 
Hessen und diese im Gebrauch hatten. In dieser Zeit prägte 
z. B. Pheneos, im Norden von Arkadien, eigene Münzen, auf 
denen in Anlehnung an die bisher kursirenden gemeinsamen 
arkadischen Münzen, die Legende (DENIKON erscheint, welche in 
derselben Weise, wie oben die anderen derartigen Aufschriften, 
zu ergänzen sein dürfte. Diese Münzen sind sehr selten, und 
es scheint, dass man sehr früh mit der Aufschrift des Ethnikon, 
«MENEQN 1 ), zu prägen anfing. Auf der Vorderseite der Münzen 
von Pheneos ist der Kopf des Hermes dargestellt, weil diesen 
die Pheneaten besonders verehrten und Festspiele zu seinen 
Ehren feierten, die sogenannten Ermaien, wie Pausanias be- 
richtet 3 ): „Gsoov de TifKaCiv'EQfAtjv 0€V£atcu pdfatita xaläytova 
ayovötv *EQpcua xal vaog ititiv 'Eqpov tiefte* xal äyaXfia Xl&ov". 

Wenn in Arkadien, wie oben gesagt, kein politischer Ver- 
band und kein politischer Mittelpunkt bestand, so ist die Sache 
doch ganz anders mit Phokis. Wenn wir davon auch keine 
Einzelheiten wissen, so steht doch fest, dass von jeher die 
22 Städte von Phokis einen politischen Verband (xowöv <sv<$%npa) 
und Mittelpunkt hatten, indem die Vertreter der verschiedenen 
Städte an einem bestimmten Orte, zwischen Delphi und Daulis, 
zusammenkamen und für diesen Zweck ein besonderes Gebäude, 
das sogenannte Quxnov, errichtet war 8 ). Diese Städte waren 

1) In späterer Zeit <t>ENEATßN. 

2) vm, 14, 10. 

3) Pausanias X, 5, 1 „Big dt ry* ix Jtkftay tv&tlay avaGTQfipayj* ix 
Javküfog xal lovrt ini tä 7iQOC(ü f forty olxodofirjpa tv aQUTTtQp Trjg odov xalov- 
[itvov 4>(oxixöy 1 ig o dno ixaoTqs nokttas avriaffw ot <#»aix«»f." 

15* 



216 A. Lambropoulos: 

die folgenden: v Aßa^ "Apßqwsoq, ^ApyixXeux, IdvtixvQa, JavXig, 
JsXifoi, jQVfjiccia, 'EXciteux, *Eq&%6q, *E%tdap6ia, Aidcov, AiXcua, 
Medeäv [o Oooxixog], Nsüv, naponevg 1 ), Ilaqa7io%ä^io^ ZtetQig, 
TWfywViov, Tqa%i$ [jJ 0ü)xixrj], ' YdpnoliS) OXbyovhOV xai Xaqddqa. 

In der phokischen Stadt Delphi war das berühmte Orakel des 
Apollo, wo zu Ehren dieses, wie bekannt, die sogenannten 
Pythia, nach der Feierlichkeit die zweiten unter den vier grossen 
panhellenischen Festen, stattfanden. Die Pythien hatten ihren 
Namen, ebenso wie die Olympien, Nemeen, Isthmien etc. von 
dem Orte, wo sie gefeiert wurden, denn das Land bei Delphi 
hiess Uv&(*v und die Stadt Delphi auch IIv&oS 1 ). Von den 
obengenannten Städten, welche den phokischen Bund bildeten, 
Hess keine eigene Münzen mit eigenen Typen prägen, abgesehen 
von Delphi (wovon unten), sondern es wurde schon sehr früh 
die gemeinsame phokische Münze geprägt, welche bei allen 
Städten des Bundes im Verkehr war'). Es scheint diese Prägung 
nach dem Stil mit der arkadischen gleichzeitig zu sein 4 ), und 
in der ersten Hälfte des sechsten Jahrhunderts v. Chr. begonnen 
zu haben. Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Münzen von 
Zeit zu Zeit, bei Gelegenheit des Stattflndens der Agone, ge- 
schlagen wurden, aus jenen Gründen, von welchen oben aus- 
führlicher die Rede gewesen. Da die Pythien in Phokis statt- 
fanden und die einzigen Agone der Phoker waren, welche an 
dem Heiligthum von Delphi (bis zum Ende des heiligen Krieges) 
Antheil hatten, so glaube ich, dass man deswegen wie oben die 
Lykaien arkadische, so auch die Pythien im Allgemeinen phoki- 



1) Strabo IX 3, 14 „6 vvv 4>avonvs"* 

2) Herodot I, 54: „o KQoiaog . ... nifitfmg avng ig jlvd-ai, Jtlyovg 
dtogitrai) nvd-OjLuros avrwr 79 nkrjS-og xar' avÖQa dvo <nairiQccg ixamov /pitfov". 
Auch Pausan. X, 6, 5 „Xg^ygi d' vgibqov xai nv&d> jrjv noltv, ov Jel- 
(povs fjidvov ixdltaav ol TUQtotxovvrtg , xa&a xai 'OfAqqtp ntno^juiya iv xara- 
loy<p <Pa>xia)v toitv". 

3) In etwas späterer Zeit prägten einige davon, wie Attxua und Nscjv, 
eigene Münzen, aber nicht mit eigenen Typen, sondern mit denjenigen des 
Bundes. Vgl. Dr. Imhoof-Blumer, Monnaies Grecques S. 150. 

4) Siehe oben S. 214 Anm. 



Beiträge zur griechischen Numismatik. 217 

sehe und im Engsten delphische Agone nennen könnte. Die 
Pythien waren wegen der Berühmtheit des Orakels schon von 
den ältesten Zeiten her ein gemeinsames Fest aller Griechen 
geworden, und es strömten deswegen zahlreiche Fremde aus 
allen Theilen Griechenlands hierher zusammen. Ich halte es 
deshalb für sehr wahrscheinlich, dass die Archonten der Phoker 
zur Zeit der Agone zur Erinnerung 1 ) oder überhaupt für den 
Verkehr der hierher zusammenströmenden zahlreichen Fremden, 
Kämpfer, Zuschauer und Kaufleute, da fremdes Geld, namentlich 
im Anfang des sechsten Jahrhunderts, gewiss nicht leicht in 
Zahlung genommen wurde, diese Münzen schlagen Hessen, welche 
die Legende im Possessivum, <DOKI[KON], in verschiedener Weise*), 
je nach der Zeit, haben. Diese Aufschrift dürfte auch ebenso, 
wie oben OAVNPIKON und APKAAIKON, zu ergänzen sein. Wie 
es scheint, hat man nur Theilstücke geschlagen, denn bis jetzt 
sind allein Triobolen, Trihemiobolien , Obolen und Hemiobolien 
gefunden worden; als Drachmen und Stateren hatte man gewiss 
diejenigen von Aegina im Gebrauch. 

Die Pythien wurden von jeher alle acht Jahre und nur mit 
musischen Spielen gefeiert, und waren ein Agon x^parfri^. 
Erst nach dem sogenannten ersten heiligen Kriege, im dritten 
Jahre der 48. Olympiade, d. h. im Jahre 586, als mit der 
Ordnung der Festspiele die Amphiktyonen betraut waren 1 ), 
während dies früher die Delpher gethan hatten, wurden in den 
Pythien auch, wie in Olympia, die gymnischen Agone mit Aus- 
schluss des Wagenrennens, eingeführt, und von dieser Zeit an 
begann man nach Pythiaden zu zählen und das Fest alle vier 
Jahre zu begehen. Da aber in der ersten Pythiade der gymni- 
sche Agon ein Agon x??/""*"?? war, so halte ich es für sehr 
wahrscheinlich, dass erst in dieser Zeit die ersten phokischen 
Münzen geprägt worden sind, in denen auch die Preise den 



1) Vergl. auch Head, in (Catalogne of the Greek Coins in the British 
Museum) Central Greece Introduction S. XXIV. 

2) Siehe Central Greece S. 1 5 ff. PI. III, 1 ff. 

3) Davon hiessen auch *Af4ip*xivov$xd a&ka (Heliodor Al&. A \\ 



218 A. Lambropoulos: 

Siegern, als einheimische Münze, gezahlt wurden, weil die 
Münzen von Delphi jünger teind und noch mehr diejenigen der 
Amphiktyoncn. Der Stil der Münzen stimmt mit dieser Zeit 
auch vollständig überein. Wie es scheint, erlangte der Pythische 
Agon nach der ersten Pythiade sofort einen sehr grossen Ruhm, 
denn in der folgenden Pythiade, d. h. im Jahre 582, wurde der- 
selbe aus einem xq^azitriq ein atstpavit^g; überdies wurde auch 
das Wagenrennen eingeführt, und der Tyrann von Sikyon, 
Kleisthenes, welcher früher während des heiligen Krieges gegen 
Kirrha Heerführer gewesen war, gewann mit seinem Gespann 
einen Sieg. 

Das von Tag zu Tag wachsende Ansehen des Heiligthums 
hatte zugleich das Wachsen und die Bereicherung der Stadt 
Delphi zur Folge, welche mit vollem Recht das Heiligthum ver- 
waltete, wenn auch diese Berechtigung von den Phokern be- 
stritten worden ist, so dass diese Stadt mit Elateia die an- 
gesehenste von den phokischen Städten wurde. Deshalb wollte 
sie sich, weil sie auf die Hilfe des amphiktyonischen Bundes 
hoffte, dessen Mitglieder eidlich verpflichtet waren, jede Ver- 
letzung des Heiligthums mit aller Kraft zu ahnden, von dem 
gemeinsamen Bunde der andern phokischen Städte losreissen und 
allein das Heiligthum verwalten; da sie aber, wie es scheint, 
keine gelegene Zeit fand, so hielt sie sich anfangs zurück. 
Erst nach den Perserkriegen, vielleicht weil anfangs die Phoker 
gezwungen auf Seiten der Perser gestanden hatten, erhob sich 
Delphi und suchte sich vollständig von dem phokischen Bunde 
unabhängig zu machen; aber dieser Versuch misslang. Später 
um 455, traten die Phoker dem Bündnisse der Athener bei; 
damals unternahmen die Lakedämonier, weil sie den grossen 
Einfluss, welchen das Orakel von Delphi in ganz Griechenland 
hatte, fürchteten, und dasselbe dem Einflüsse der Athener durch 
die Phoker entreissen wollten, in dem ersten Jahre der 83. Olym- 
piade, d. h. im Jahre 448, den sogenannten zweiten heiligen 
Krieg. Sie entrissen das Orakel den Phokern und gaben es den 
Delphern, welche so unabhängig von dem phokischen Bunde 



Beiträge zur griechischen Numismatik. 219 

wurden. Bald aber nach dem Abzage der Lakedämonier er- 
schienen die Athener, unter Führung des Perikles, und machten 
sich zu Herren des Orakels, welches sie den Phokern wieder- 
gaben. Dadurch waren die Delpher auch gezwungen, dem 
phokischen Bunde wieder beizutreten. Wie es scheint, haben 
später die Delpher ihre Selbständigkeit wiederzugewinnen ver- 
sucht, oder die Spartaner haben ihnen dieselbe erwirkt, da im 
Frieden des Nikias, d. h. im Jahre 421, ihre vollständige Un- 
abhängigkeit und Autonomie von den Athenern selbst anerkannt 
worden ist 1 ); diese Unabhängigkeit behielten sie bis zum Aus- 
bruche des phokischen oder heiligen Krieges im Jahre 357 
(Ol. 105, 4), wo das Heiligthum von den Phokern eingenommen 
und beraubt wurde. 

Keine der phokischen Städte hat während dieser Zeit eigene 
Münzen mit eigenen Typen 3 ) schlagen lassen, sondern alle 
brauchten die gemeinsame Münze des phokischen Bundes; allein 
die Delpher machten in dieser Zeit von dieser Kegel eine Aus- 
nahme, indem sie eigene Münzen mit eigenen Typen und ihrem 
Namen prägten. Wegen der oben angeführten politischen Gründe 
scheint es, dass die Delpher erst in der folgenden Pythiade nach 
den Perserkriegen, d. h. im Jahre 478, bei Gelegenheit des 
Stattfinden der Agone anfingen, sowohl als Courantgeld für die 
zusammenströmenden zahlreichen Fremden, wie auch zur Er- 
innerung, eigene Münzen schlagen zu lassen. Auf diesen setzten 
sie, in Nachahmung der gemeinsamen phokischen Münze, die 
Aufschrift im Possessi vum, AAACDIKOM 3 ), welche ebenso zu er- 
gänzen ist, wie oben die anderen derartigen Aufschriften. Der 
Stil der Münzen stimmt dieser Zeit auch überein. 

Wie in Phokis ein politischer Bund und Mittelpunkt be- 
stand, so bildeten auch in dem Nachbarlande Böotien von jeher 

1) Thukydides V, 18 „ro cT Uqo* xai w rswv tw h JtXpois tov 
J An6Utoyo( xai Jtlfopg avtoyofiovs tlvat xai avrorfAftc *<*• avro- 
tfixovg xai avtwy xai Trjg ytjg rijt iavttov xarä tä ndiQa." 

2) Yergl. oben 8. 216 Anm. 3. 

3) Yergl. Revue Numismatique XIV (1869—70), S. 150. Zeitschr. für 
Numismatik XIII, Tat III, 1. 



220 A Lambropoulos: 

die hervorragenden Städte, welchen die kleinen übrigen unter- 
geordnet waren, einen politischen Band (ro xowov %&v Boianaw), 
an dessen Spitze die stärkste Stadt, Theben, stand, welche die 
Sachen des Bundes überhaupt nach ihrem Willen leitete. Der 
xoivög tivXXoyog %&v Boimtwv fand in Eoroneia bei dem Heilig- 
thume der Athene Itonia statt, wo auch das Bundesfest, die 
sogenannten nafißomnaj begangen wurden 1 ). Unter den anderen 
Städten gehörte dem Bunde auch Thespiae an, welches von 
jeher, wie Platää, in einem feindlichen Verhältniss zu Theben 
stand. In der Zeit der Perserkriege hatten von den Böotern 
nur die Thespier und die Thebaner Hülfe zu Leonidas nach 
den Thermopylen geschickt'). Als aber keine Hoffnung auf 
Rettung mehr übrig war und Leonidas die Verbündeten zum 
Rückzuge bewog, blieben nur die Thespier freiwillig an seiner 
Seite und gingen mit ihm in den Tod, während die als Geiseln 
mitgenommenen Thebaner 8 ) sich, als sie die Überlegenheit der 
Perser sahen, zu diesen flüchteten. Bald nachher zerstörten die 
Perser die von den Einwohnern schon verlassene Stadt Thespiae, 
auf Veranlassung der Thebaner, welche darauf hinwiesen, dass 
die Thespier keine freundliche Gesinnung für die Perser gezeigt 
hatten 4 ). In der Schlacht bei Platää kämpften mit den anderen 
Griechen auch 1800 Thespier zusammen, und nach dem Siege 
wurde Thespiae, wie es scheint, mit Hilfe der Athener wieder 
hergestellt, weshalb später die Athener immer in Thespiae einen 
starken Einfluss hatten. Im peloponnesischen Kriege, nach der 
Schlacht bei Delion im Jahre 424, fanden die Thebaner, da die 
Jugend der Thespier in jener Schlacht gefallen war, Gelegenheit, 
die Ringmauer von Thespiae niederzuwerfen, weil die Thespier 
den Athenern freundlich gesinnt waren 6 ). Zwar bemühten sich 

1) Pausanias IX, 34, 1 ; Thukyd. V, 88. 

2) Herodot. Z, 202. 

3) Herodot. Z, 222. 

4) Herodot. ff, 50. 

5) Thukyd. IV, 133 „Ol Brifiaioi Stcnumv jti%ot mgitilov, intxaXicayrtg 
^Amxuifiov, ßovXo/aevoi piv xal «**, naQsarrjxog de §aov, tmtdq xctl lv ip ikqqs 
'A&tjvaiovs /ud/fl ot& fy ccvTwr av&og amaldlti". 



Beiträge zur griechischen Numismatik. 221 

die Thespier bald wieder, sich dem Einflüsse der Thebaner zu 
entziehen, aber es gelang ihnen nicht 1 ). Endlich, nach dem 
Frieden des Antalkidas im Jahre 387, wurden die Thespier von 
den Thebanern aus ihrer Abhängigkeit entlassen; im Jahre 378 
stellte Agesilaos die Ringmauer von Thespiae wieder her, und 
Thespiae wurde nun der Ausgangspunkt der Lakedämonier gegen 
die Thebaner, gegen welche auch die Thespier, des alten Hasses 
wegen, eifrig mitkämpften. Bald nach dem Abzüge der Lake- 
dämonier aber traten, wie es scheint, die Thespier, von den 
Thebanern gezwungen, wieder in den böotischen Bund. Epami- 
nondas erlaubte ihnen im Jahre 371 vor der Schlacht bei 
Leuktra abzuziehen, weil er glaubte, dass sie den Thebanern 
feindlich gesinnt seien. Da die Thespier nach dem Siege der 
Thebaner die Rache derselben fürchteten, hatten sie die Stadt 
verlassen und zu der Bergfeste Eeressos ihre Zuflucht genommen, 
die Stadt wurde, wie es scheint, sofort von den Thebaner zer- 
stört und später, wahrscheinlich nach der Schlacht bei Chaironeia, 
durch Philippos wiederhergestellt. 

Die Thespier verehrten, abgesehen von den Musen, von 
ältester Zeit her den Eros, dessen ältestes Idol daselbst ein 
roher Stein war; später bildete Praxiteles eine Statue des Eros 
aus pentelischem Marmor und nachher Lysippos eine andere aus 
Bronze. Dem Eros zu Ehren feierte man in Thespiae alle fünf 
Jahre gymnische Agone, die sogenannten 'üfyarfcha oder *EQÜna, 
und zu Ehren der Musen musische Agone MovösXa-, es ist sehr 
wahrscheinlich, dass diese beiden Agone %{^a%Xxa% waren, wie 
man aus Pausanias schliessen kann, welcher sagt: »neQioixovai 

di xal ävÖQsg %6 äköog [iv 'EXix&v*], xal eoqtyv xs ivtav&a ol 
0€<Tmet$ xal ay&va ayovtii MovösXa' ayovto di xal %& "Eqcou, 
a&Xa ov tiovöixtjs (jiovov aXXd xal ä^Xfjtatg ri&ivrsg"*). 

Der böo tische Bund hatte sehr früh, vielleicht früher als 



1) Thukyd. VI, 95 „Kai o Qtamiw* (ti^fo? Iv rtp nvroj £4pt», ov nolv 
wrrtQor, im&i/itvos rolg tag «ßtf«f J/otr<r#i', ol xcrtioyiv, akla ßoyfhjodrrojv 
Qrjßalojy, ol piv {vvikqq&rioay, ol <?' l^ntaov U&tjraCi"* 

2) Pausanias IX, 31, 3. 



222 A. Lambropoulos: 

der phokische, eine gemeinsame Münze schlagen lassen; ein 
wenig später prägten viele von seinen Städten auch eigene 
Münzen, auf welche sie ihren Namen im Ethnikon setzten. 
Thespiae dagegen hatte aus unbekannten Gründen von Anfang 
an keine eigenen Münzen schlagen lassen; es ist wahrscheinlich, 
dass es diejenigen von Theben gebrauchte, von welchem es 
fast abhängig war, und welches ihm das Münzrecht, ein Zeichen 
der Unabhängigkeit, vielleicht nicht gewährt hatte. Erst nach 
dem Jahre 387, als die Thespier frei geworden waren, wie oben 
angeführt, haben sie eigene Münzen schlagen lassen, auf welche 
sie ihren Namen im Ktetikon, wie OE^PIKON, 0E£PI etc. setzten, 
vielleicht absichtlich im Gegensatze zu den anderen böotischen 
Städten, welche immer nur das Ethnikon gebrauchten. Ich 
halte es für sehr wahrscheinlich, dass auch diese Münzen bei 
Gelegenheit des Stattfinden der Agone für die zahlreich zu- 
sammenkommenden Fremden, sowohl zur Erinnerung wie auch 
als Preise der Sieger geschlagen wurden. Diese thespischen 
Agone, d. h. die 'EQmidia oder *EQoStia, sind, wie aus Athenaeos 
hervorgeht, im Alterthum sehr berühmt gewesen 1 ), und es 
kamen deshalb von überall sehr viele zu den Wettkämpfen nach 
Tespiae zusammen'). Die Thespier wählten in Nachahmung 
der Aufschriften der anderen Orte APKA^IKON, OAVNniKON, 
(DENIKON, <DOKI[KON] AA/HDIKON, auch die Legende im Ktetikon, 
welche wir in derselben Weise ergänzen können, d. h. ®e<smx&v 
[dyoivcov oder a&Xtov dpi ar^a oder naXpa, xopfia xiX.]. Nur 
kurze Zeit aber hatten die Thespier Gelegenheit eigene Münzen 
zu prägen, indem sie ihre Selbständigkeit nur bis zum Jahre 
374 behielten, wo sie nach dem Abzüge der Lakedämonier aus 
Böotien gezwungen wurden dem böotischen Bunde wieder bei- 
zutreten; drei Jahre später wurde überdies ihre Stadt von den 
Thebanern zerstört. 



1) Athenaeos Xm , S. 561 e: „SeenuZs re r« 'EQwtitia iipwa, xa&amQ 
% A&ijya*a ^Afyvalot xal 'Olii/uma 'HAfioi, 'Potfioi r$ ta "AXtHt". 

2) Vergl. C. I. G. 1590. 



Beiträge zur griechischen Numismatik. 223 

2. Vf Herakopf nach rechts mit palmettengeschmficktem Dia- 

dem; von unten nach rechts herum die Aufschrift 
HOBAAq. 
Rf Im Kranze von Ölbaumblättern Adler fast von vorn 
stehend, den Kopf nach links gewendet, den linken 
Flügel ganz ausbreitend, den rechten auch, aber nach 
hinten zu gewandt, so dass man nur den Obertheil des- 
selben sieht; rechts die Aufschrift PO. Die Buchstaben 
sind ziemlich versteckt, so dass man sie nicht sofort 
sehen kann ; über dem Flügel und bei den Blättern des 
Kranzes steht das P, und unter dem Flügel das O. 
25 mm. Gewicht 11,08 gr. Münzkabinet zu Berlin. 
Abgebildet Taf. III, 2. 

3. Vf Herakopf nach rechts mit dem palmettengeschmückten 

Diadem; unten die Aufschrift FA. 
Rf Im Kranze von Ölbaumblättern Adler fast in derselben 
Weise, wie auf der ersten Münze stehend; im Felde 
PO, und zwar an der linken Seite zwischen dem Kranze 
und dem Flügel des Adlers der Buchstabe P, und rechts 
unter dem Flügel der Buchstabe 0. 25 mm. Gewicht 
11,08 gr. Münzkabinet zu Berlin. 

Abgebildet Taf. III, 3. 

Bei genauer Betrachtung der beiden Münzen erkennt man 
leicht gewisse Unterschiede. Auf der Hauptseite ist der Kopf 
der ersten im Ganzen kleiner als der der zweiten und von 
besserem Stil; die Nase erscheint gewissermaassen vor die 
gerade Linie nicht so vorragend, wie auf der zweiten, und der 
Mund ist nicht so offen und nach innen eingezogen, wie auf 
der anderen, deren Kinn ziemlich gross ist; überdies liegt das 
Ohr auch natürlicher, während es auf der zweiten etwas zu 
niedrig liegt. Im Allgemeinen kann man auf der ersten Münze 
im Gesicht eine gewisse Ähnlichkeit mit denjenigen Münzen 
von Argos bemerken, welche auf der Vorderseite auch den 
Herakopf und auf der Rückseite den Diomedes mit dem Palla- 



224 A. Lambropoulos: 

dium haben 1 ). Die Rückseite der beiden Münzen zeigt auch 
Unterschiede; wie auf der Vorderseite der Herakopf, so ist auch 
der Adler der ersten Münze kleiner als auf der zweiten, und die 
Anordnung der Buchstaben der Aufschrift, wie oben gesagt, anders. 
Es ist schwer zu entscheiden, welche der beiden Münzen älter ist; 
nach meiner Meinung dürfte es die erstere sein; aber der Zeit- 
unterschied zwischen beiden ist jedenfalls sehr klein. 

Im Numismatic Chronicle 1892 ist eine andere elische 
Münze veröffentlicht worden, welche zwar beiderseits dieselben 
Typen hat, aber von jüngerem Stil ist; auf der Rückseite derselben 
kann man über dem Kopf des Adlers die Aufschrift AI (?) lesen *). 

Wie schon bekannt, findet sich auf den Münzen keines 
anderen Staates eine so grosse Mannigfaltigkeit der Typen und 
Bilder wie auf denen von Elis, welche deshalb für die Numis- 
matik in jeder Hinsicht sehr interessant sind; doch trotz dieser 
Mannigfaltigkeit können wir keine dieser Münzen mit Gewiss- 
heit einer bestimmten Zeit zuschreiben. Es lassen sich im All- 
gemeinen nur die älteren davon nach dem Eunststil im Vergleich 
sowohl mit einander wie mit den Münzen anderer Staaten an- 
nähernd datieren. Aus stilistischen Gründen sind die vorliegenden 
Münzen nur einer annähernd bestimmten Zeit zuzuschreiben. 

Eine genauere Bestimmung der Zeit, zu welcher der Hera- 
kopf von den Eleern als Bild auf ihren Münzen angenommen 
wurde, ergeben einige politische Gründe, wie diese sehr richtig 
Gardner angeführt hat 3 ). Die Münzen von Elis haben von 
jeher immer auf der einen Seite den Adler; eine Ausnahme von 
dieser Regel machen nur einige wenige Münzreihen, wie z. B. 
diejenigen Münzen, welche auf der Vorderseite den Zenskopf 
und anf der Rückseite den Blitz haben 4 ), und ferner diejenigen, 
welche auf der Vorderseite den Zeuskopf und auf der Rückseite 



1) Siehe Phototypie von diesen Münzen in J. Lambros, nekonovytjffos, 

niv. IB, ag. 2. 

2) Numismatic Chronicle XII, S. 195, Taf. XVI, 1. 

3) Vgl. Numismatic Chronicle XIX, 8. 238 „the Coins of Elis". 

4) Siehe gute Phototypie in Lambros mion6wrjaog t niv. 2r , dg. 8. 



Beiträge zur griechischen Numismatik. 225 

die Nymphe Olympia mit der Aufschrift OAYAM1IA zeigen 1 ). Es 
giebt auch eine grosse Reihe von Didrachmen und Theilstücken, 
welche auf der Hauptseite den Herakopf und auf der Rückseite 
den Blitz haben. Endlich findet sich eine grosse Reihe, welche 
auf der Vorderseite statt des ganzen Körpers nur den Kopf des 
Adlers, und auf der Rückseite den Blitz zeigt; in dieser Reihe 
giebt es Didrachmen, welche den Adlerkopf in vollem Hoch- 
relief darstellen, und Theilstücke von ausgezeichnetem Kunststil. 
Auf den Didrachmen ist unter dem Adlerkopf ein Weinblatt 2 ), 
auf dem zuweilen die Aufschrift AA steht "); auf einem Didrachmon 
steht der Adlerkopf auf einem Rundschild nach rechts und 
darunter ist das F eingegraben 4 ); auf den Theilstücken findet 
sich, wie auf einer Drachme, unter dem Adlerkopf die Eidechse, 
und auf anderen kleineren Nominalen entweder gar kein Bei- 
zeichen oder ein Weinblatt, oder die Aufschrift PO, wie auf 
den vorliegenden zwei Münzen, oder endlich das F. Wie 
Imhoof-Blumer sehr richtig bemerkt hat*), stimmt der Blitz 
auf der Rückseite der Didrachmen, welche die Aufschrift AA 
haben, mit dem Blitz derjenigen Didrachmen ganz überein, 
welche den Zeuskopf auf der Vorderseite darstellen; man kann 
sogar behaupten, dass bei einigen davon derselbe Stempel be- 
nutzt worden sei. Es lassen sich drei Reihen dieser Münzen 
unterscheiden; erstens Didrachmen und diejenigen von den Theil- 
stücken, welche unter dem Kopf des Adlers das Blatt haben; 
im Allgemeinen ist der Kopf des Adlers nach links gewendet 
und der Schnabel ist breiter und kürzer; auf der Rückseite 
stimmen diese Münzen mit einander sowohl in dem Blitz wie 



1) Siehe Phototypie dieser in Iltlonöwtjow, ttiv. Z dg. 1. 

2) Von dem Weinblatte Tgl. Duchalais in Revue Numismatique 
(1852) S. 14 ff. 

3) Gardner (vgl. Nun. Chron. XIX, 8. 244 2, PL XUJ, 2) hat 
AA gelesen, aber Imhoof-Blumer liest mit vollem Recht AA vgl Monnaies 
Grecques S. 168). Es befindet sich im Berliner Münzkabinet auch eine 
solche Münze, auf der man deutlich AA lesen kann. 

4) Vgl. Num. Chron. XII (1892) S. 195 PL XV, 16. 

5) Monnaies Grecques S. 169. 



226 A..Lambropoulo8: 

auch im ganzen Stil überein 1 ); zweitens diejenigen Stücke, 
welche das F und die Eidechse haben; der Schnabel ist hier 
spitziger; der Blitz der Rückseite ist etwas verschieden gebildet 
und nicht im Kranze. Endlich drittens diejenigen Münzen, 
welche die Aufschrift PO haben; der Schnabel ist noch spitziger 
als bei allen übrigen; auf der Rückseite sind sie zwar von den 
anderen verschieden, stimmen aber mit einander ganz überein, 
der Kranz ist besser angeordnet, indem die Blätter regelmässiger 
und dichter stehen; diese dritte Reihe ist ohne Zweifel die 
jüngste von allen. 

Zu Anfang haben die Eleer auf ihre Münzen immer den 
ganzen Adler, wie auch den Zeus und die Nike in ganzer Figur, 
gesetzt; die Abweichung von dieser Regel, d. h. nicht mehr den 
ganzen Körper, sondern einen Theil desselben, den Kopf, dar- 
zustellen, scheint sowohl nach dem Kunststil wie auch aus den 
unten zu erörternden Gründen um das Jahr 435 begonnen zu 
haben. 

Wir haben oben bemerkt, dass diejenigen Münzen, welche 
auf der Hauptseite den Zeuskopf in hohem Relief darstellen, und 
diejenigen von den Didrachmen, welche den Kopf des Adlers 
mit der Aufschrift AA haben, in der Rückseite fast vollständig 
mit einander übereinstimmen, dass sogar einige ohne Zweifel 
aus demselben Stempel hervorgegangen sind. Daraus folgt also, 
dass die beiden Typen fast gleichzeitig sind. Auf den Theil- 
stücken findet sich, wie oben gesagt, meistens unter dem Kopf 
des Adlers ein Beizeichen; auf einigen derselben sehen wir das 
Blatt, welches sich auch auf den Didrachmen findet; auch in 
dem Stil zeigt sich völlige Übereinstimmung ; beide, Didrachmen 
und Theilstücke, gehören also derselben Zeit an. Ferner 



1) Es besteht auch eine gewisse Verschiedenheit zwischen denjenigen 
Didrachmen, welche das Blatt einfach ohne Aufschrift haben, und denjenigen, 
bei welchen es mit der Aufschrift versehen ist. Auf den ersteren ist der 
Schnabel des Adlers breiter, die Blätter des Kranzes auf der Rückseite sind 
enger, und auch in dem Blitz zeigt sich eine gewisse Verschiedenheit. Des- 
halb glaube ich, dass diese die alteren sind. 



Beitrage zur griechischen Numismatik. 227 

stimmt einigermaassen im Stil und in dem Blitz der Rückseite 
das Diadrachmon, welches auf einem Schild den Kopf des 
Adlers und darunter den Buchstaben F eingegraben hat, mit 
denjenigen, welche unter dem Kopf des Adlers die Eidechse 
zeigen; es ist also sehr wahrscheinlich, dass auch diese der- 
selben Beihe angehören. Es findet sich auf einigen unter dem 
Kopf des Adlers die Aufschrift PO; diese sind, wie gesagt, die 
jüngsten von allen. Didrachmen, welche unter dem Kopf des 
Adlers eine solche Aufschrift haben, giebt es nicht; die Di- 
drachmen mit dem Adlerkopf haben keine Ähnlichkeit im Stil 
mit denjenigen von den Theilstücken, welche die Aufschrift PO 
haben, und andererseits giebt es keine Theilstücke, welche auf 
der Vorderseite den Kopf der Hera und auf der Bückseite den 
Adler, wie die vorliegenden Didrachmen haben. Ich halte es 
deshalb für sehr wahrscheinlich, dass man nur Didrachmen, 
welche auf der Vorderseite den Herakopf und auf der Bückseite 
den Adler darstellen, geschlagen, und auf den Theilstücken, was 
schon im Gebrauch war, auf der Hauptseite den Kopf des 
Adlers und auf der Bückseite den Blitz dargestellt hat, mit dem 
Unterschied aber, dass man unter den Kopf des Adlers dieselbe 
Aufschrift PO setzte, welche auch auf den vorliegenden Di- 
drachmen mit dem Herakopf angebracht ist, damit man also 
erkennen konnte, dass sie derselben Beihe angehören. Auch 
zu den Didrachmen, welche auf der Vorderseite den Zeuskopf 
im Hochrelief und auf der Bückseite den Blitz darstellen, und 
welche, wie schon gesagt, fast gleichzeitig mit denjenigen Di- 
drachmen sind, die unter dem Adlerkopf die Aufschrift AA 
haben, giebt es keine Theilstücke mit denselben Typen. Wie 
es scheint, hat man keine mit solchen Typen geschlagen, sondern 
die gewöhnlichen Typen, welche für die Theilstücke im Gebrauch 
waren, verwendet, mit dem Unterschiede aber, dass man unter 
den Kopf des Adlers statt des Blattes, welches die früheren 
hatten, entweder andere Beizeichen oder gar nichts setzte. Zur 
Erläuterung dieses Verfahrens dürfen wir als sehr wahrschein- 
lich annehmen, dass die Eleer in dieser Zeit, als sie auf der 



228 A. Lambropoulos: 

Vorderseite ihrer Münzen nur den Kopf des Adlers statt des 
ganzen Körpers, dann den Kopf des Zeus und, ein wenig später, 
den der Hera zu setzen anfingen, zur leichten Unterscheidung 
der einzelnen Nominale das korinthische System nachahmten; 
denn wie die Korinther auf der einen Seite ihrer Münzen immer 
den Pegasos und auf der anderen für die Statere den Kopf der 
Athena und, für die Drachmen den Kopf der Aphrodite anbrachten, 
so setzten auch die Eleer in dieser Zeit auf die eine Seite den 
Blitz und auf die andere bei den Stateren den Kopf des Zeus 
und dann der Hera, und bei den Theilstücken den Kopf des 
Adlers. 

Gardner setzt, indem er die verschiedenen Münzen von 
Elis nach ihrem Stil und anderen Kriterien anordnet, nach 
denjenigen, welche auf der Hauptseite den Kopf des Adlers dar- 
stellen, sehr richtig diejenigen, welche den Kopf des Zeus haben; 
denn ausser der Rückseite, worin sie mit einander vollständig 
übereinstimmen, ist auch der Stil ganz derselbe; beide Typen 
sind von ausgezeichnetem Stil und sehr hohem Relief, sogar 
der Kopf des Adlers, welchen man in dieser Vollendung auf 
keiner Münze irgend eines anderen Staates des Alterthums 
findet. Nach diesen hat Gardner diejenigen Didrachmen an- 
gereiht, welche auf der Vorderseite den Herakopf und auf der 
Rückseite den Blitz haben, wozu sich von derselben Reihe und 
demselben Stil auch verschiedene Theilstücke finden. Vielleicht 
hat Gardner diese Münzen hier angereiht, weil sie erstens eben- 
falls fast Hochrelief haben, und zweitens auf der Rückseite auch 
den Blitz darstellen. Wenn man aber diese Münzen genauer 
prüft — und es befindet sich eine grosse Anzahl in der Sammlung 
von Berlin, — so sieht man sofort, dass sie des Stils wegen 
unmöglich hier angereiht werden können, sondern einer späteren 
Zeit angehören, nämlich dem folgenden, vierten Jahrhundert. 
Überdies ist es auch aus der Inschrift HPA, welche sich 
meistens auf dem Diadem der Hera findet, ersichtlich, dass 
diese Münzen unmöglich in diese Zeit gehören können, der sie 
Gardner zuweist. Ferner ist der Blitz hier auch ganz ver- 



Beiträge zur griechischen Numismatik. 229 

schiedenartig gebildet, als auf den oben angeführten Münzen. 
In diese Zeit gehören vielmehr ohne Zweifel sowohl nach dem 
Stil wie auch wegen der Legende HOIBAAI und der Aufschrift 
PO, die beiden vorliegenden Münzen mit ihren Theilstücken. 
Zwar ist es wahr, dass diese nicht in der Art in Hochrelief, 
wie diejenigen, welche den Kopf des Adlers und des Zeus 
haben, ausgeführt sind, aber man muss in dieser Hinsicht be- 
denken, erstens dass diese Münzen jünger sind, und zweitens, 
dass der Stempel von einem anderen Künstler, während die 
Stempel der Münzen mit Adler- und Zeuskopf entweder von dem- 
selben Künstler oder von verschiedenen, welche aber derselben 
Schule angehörten, gemacht worden sind. 

Zur Erläuterung der Aufschrift PO hatte sich Gardner 
schon, auf Veranlassung der bekannten Theilstücke, worauf sich 
dieselbe auch findet, geäussert, dass diese den Namen des 
Graveurs anzeigt, und deshalb hatte er diese schon Polyklet 
dem jüngeren zugeschrieben 1 ), wie auch die Münzen mit dem 
Blatt unter dem Kopf des Adlers und der Aufschrift, wie er 
AA gelesen hatte, dem Künstler Daidalos aus Sikyon. Wir 
haben schon oben ausgeführt, dass diese Aufschrift auf dem 
Blatt nicht AA, sondern AA zu lesen ist. Die Meinung 
Gardners, dass diese Inschriften die Namen der Stempel- 
schneider anzeigen, ist gewiss richtig, da in dieser Zeit, wie be- 
kannt, sich Namen der Archonten auf griechischen Münzen nicht 
finden können 2 ) ; und deshalb glaube ich, dass die Aufschrift AA, 
aller Wahrscheinlichkeit nach, den Namen des Künstlers Alka- 
menes anzeigt, erstens weil der Name keines anderen von den 
bekannten Künstlern dieser Periode mit AI anfängt, und zweitens, 
weil Alkamenes vor 431 mit Phidias lange Zeit in Olympia ge- 
arbeitet hat. Es ist nicht unwahrscheinlich, meine ich, dass die 
Eleer den Alkamenes, als einen in dieser Zeit berühmten Künstler, 
mit dem Schaffen des Stempels beauftragten, und dieser aus- 

1) Vgl. (B. Mus.) Peloponnesus, Introduction S. XXXII. 

2) Wir werden ein ander Mal ausführlicher über solche Inschriften auf 
peloponnesischen Münzen handeln. 

Zeitschrift für Namuu«tik. XIX. Jtf 



230 A. Lambropoulos: 

nahmsweise die ersten Buchstaben seines Namens in den Stempel 
setzte, wahrscheinlich mit Erlaubniss der Eleer, welche damals 
auch dem Phidias seinen Namen auf der Basis der Goldelfenbein- 
statue des Zeus anzubringen erlaubten, im Gegensatze zu den 
Athenern, welche es niemals gestatteten. Wir haben schon 
oben ausgeführt, dass diese Münzen mit denjenigen, welche den 
Zeuskopf in Hochrelief darstellen, fast gleichzeitig sind. Es 
scheint, dass die Eleer bald nach der Weihung der von Phidias 
gefertigten Goldelfenbeinstatue des Zeus auf ihre Münzen zum 
ersten Male den Kopf des Zeus gesetzt haben, und es ist sehr 
wahrscheinlich, dass wir in dem Bilde dieser Münzen eine freie 
Copie des Zeuskopfes der vielberühmten Statue haben, wie es 
überdies auch aus dem Olivenkranze ersichtlich ist. Folglich 
können wir mit aller Wahrscheinlichkeit die Didrachmen, welche 
den Kopf des Adlers haben, um das Jahr 43J>, als die athenischen 
Künstler in Olympia arbeiteten, ansetzen, und diejenigen, welche 
den Kopf des Zeus im Hochrelief darstellen, ein wenig später, 
d. h. bald nach der Weihung der Zeusstatue des Phidias. Mit 
dieser Zeit stimmt auch der Stil der Münzen überein. Die 
Münzen mit der Aufschrift PO sind, nach meiner Meinung, 
nicht Polyklet dem jüngeren, wie Gardner gemeint hat, sondern 
Polyklet dem älteren zuzuweisen. Der Heratempel zu Argos 
wurde, nachdem er im Jahre 423 (Olym. 89, 2), infolge der 
Nachlässigkeit der Priesterin Chryseis, niedergebrannt war 1 ), 
sofort durch den argivischen Architekten Eupolemos wieder auf- 
gebaut, und darin die von Polyklet gefertigte berühmte Gold- 
elfenbeinstatue der Hera aufgestellt, welche demnach um die Mitte 
der 90. Olympiade, d. h. um das Jahr 419 geweiht worden ist, 
weshalb Plinius 2 ) sagt, dass Polyklet in der 90. Olympiade ge- 
blüht hat. Nach der Weihung der Statue haben sofort die 
Argiver auf der Hauptseite ihrer Münzen als Hauptbild den 
Herakopf, statt des vorher üblichen Wolfes, einschneiden lassen. 
Ein wenig früher, im Jahre 421, sofort nach dem Frieden des 

1) Thukyd. IV, 133. 

2) 34,49. 



Beiträge zur griechischen Numismatik. 231 

Nikias, hatten sich die Eleer mit den Argivern gegen die Lake- 
dämonier verbündet, weil diese die von Elis abgefallenen Le- 
preaten unterstützten. Während des Bündnisses mit den Argivern 
hatten die Eleer ebenfalls den Heräkopf als Münzbild auf ihren 
Münzen eingeführt, da überdies bei beiden Staaten dasselbe 
System im Gebrauch war. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass 
die Eleer mit dem Schaffen des Stempels den Polyklet selbst 
beauftragten, welcher in dieser Zeit noch lebte und überdies 
auch ein berühmter Toreut war, und dass Polyklet ausnahms- 
weise die Anfangsbuchstaben seines Namens auf dem Stempel 
eingrub. Aus allen diesen Gründen glaube ich, dass diese 
Münzen um das Jahr 418 v. Chr. anzusetzen sind. Zu dieser 
Epoche stimmt ausser dem Stil auch die Legende HOI3AA3, 
während Polyklet der jüngere dem folgenden vierten Jahrhundert 
angehört, und namentlich um die 102. Olympiade geblüht hat. 



K o r i n t h. 

Die grosse Mannigfaltigkeit der Beizeichen auf den korin- 
thischen Münzen ist bekannt. Die Frage, weshalb Korinth, die 
grösste Handelsstadt nicht nur des Peloponnes, sondern, wie 
man mit vollem Recht sagen darf, von ganz Griechenland, eine 
so grosse Zahl von verschiedenen Beizeichen auf seine Münzen 
gesetzt hat, ist bis jetzt unbeantwortet geblieben. Vielleicht 
geschah es aus Handelszwecken. Es kommen fast alle dieser 
Beizeichen auf Münzen anderer Staaten als Münzbilder vor. Es 
mag hier die Beschreibung einiger Münzen von Korinth mit ver- 
schiedenen Beizeichen Platz finden, welche bis jetzt noch nicht 
veröffentlicht worden sind. 
1) Vf. Athenakopf mit korinthischem Helm nach links. Im 

Felde rechts Herakles nach rechts stehend mit Löwen- 

fellbekleidet und den Bogen spannend; darüber Tl. 
Bf. Pegasos auf einer Bodenlinie nach links galoppierend. 

Darunter ?. 22 mm. Gew. 8,56. Münzkabinet zu 

Berlin. Abgebildet Taf. HI, 4. 

-16* 



232 A. Lambropoulos: 

Der Herakles findet sich als Beizeicben auch auf anderen 
korinthischen Münzen, aber nicht genau so wie auf der vor- 
liegenden Münze. Vergl. Coli. Santangelo n. 11026—27. 

2) Vf. Athenakopf mit korinthischem Helm nach rechts. Tm 

Felde rechts Delphin und links Zeus auf einer Basis 
nach rechts stehend, nackt und mit der rechten Hand den 
Blitz schleudernd ; auf der linken Hand steht der Adler. 
Rf Pegasos nach rechts stehend auf einer Bodenlinie, den 
ganzen Körper nach hinten beugend und den Kopf nach 
unten neigend und trinkend. Darunter ?. 22 mm. 
Gew. 8,09. Münzkabinet zu Berlin (Prokesch-Osten). 
Abgebildet Taf. III, 5. 
Im Gatalogue of Greek Coins in the British Museum, 
Corinth etc. S. 16 n. 167, PI. IV, 13 ist eine andere Münze 
veröffentlicht worden, deren Vorderseite zwar aus demselben 
Stempel wie die vorliegende ist, die aber eine ganz verschiedene 
Bückseite hat. Head glaubt, dass statt des Zeus Poseidon dar- 
gestellt sei, welcher mit der rechten Hand den Dreizack hält, 
und auf der linken Hand den Delphin trägt. Die Bückseite der 
vorliegenden Münze ist aus demselben Stempel wie die Rück- 
seite des Staters, welcher im Corinth, S. 39 n. 345, PI. Vn, 7 
veröffentlicht worden ist. Vergl. auch desselben Katalogs 
S. 147 n. 169 a. 

■ 

3) Vf. Athenakopf mit korinthischem Helm nach links; im 

Felde rechts als Beizeichen Pinienzapfen. Darunter 
die Aufschrift AI. 
Rf Pegasos nach links fliegend. Darunter ?. 25 mm. 
Gew. 8,57. Münzkabinet zu Berlin. Abgebildet Taf. 

IH, 6. 

«• 

4) Vf. Ahnlich der vorigen, mit dem Unterschiede aber, dass 

die Aufschrift AI zwischen dem Kopfe und dem Pinien- 
zapfen steht. 
Rf. Ähnlich der vorigen. 22 mm. Gew. 8,58. Münzkabinet 
zu Berlin. 

5) Vf. Kopf der Aphrodite mit Ohrgehänge nach links; im 



Beiträge zur griechischen Numismatik. 233 

Felde rechts als Beizeichen ein Pinienzapfen. Darunter 

an den Enden des Halses die Aufschrift AI. 
Rf. Pegasos nach links fliegend und darunter ?. 12 mm. 

Gew. 2,42. Münzkabinet zu Berlin. Abgebildet Taf. 

III, 10. 
Im Corinth S. 55 n. 453, PI. XIV, 5 ist eine Bronzemünze 
veröffentlicht, welche auch den Pinienzapfen und die Aufschrift 
AI hat. Sie gehört also, wie sowohl aus dem Beizeichen und 
der Aufschrift AI, als auch aus der Rückseite ersichtlich ist, 
derselben Reihe wie die vorliegenden Münzen an und alle sind 
gleichzeitig. Der Pinienzapfen findet sich als Münzbild auf 
Münzen von Pronni auf Kephallenia. Vergl. Postolakka, Kaxa- 
Xoyoq rwv aQ%a(a>v vofuojfiarcoi' raiv vr\Gv>v KeQTtvffas xrk. 
ccq. 954 ff. und die Anmerkungen daselbst. 

6) Vf. Athenakopf mit korinthischem Helm nach links. Im 

Felde rechts ein ionisches Kapital. 
Rf. Pegasos nach links fliegend und darunter ?. 19 mm. 
Gew. 8,32. Münzkabinet zu Berlin (Prokesch - Osten). 
Abgebildet Taf. III, 9. 
Das ionische Kapital findet sich meines Wissens sonst 
nur, wie bekannt, auf elischen Münzen, wo der Adler auf dem- 
selben stehend dargestellt ist, und ferner auf Münzen von Kroton 
(vergl. Catal. Br. Mus. Italy, S. 349). 

7) Vf. Athenakopf nach links mit Halsband und korinthischem 

Helm, welcher mit einem Kranze aus Olbaumblätter ge- 
schmückt ist. Dahinter im Felde Nike nach links 
schreitend und mit beiden Händen ein Band haltend. 
Rf. Pegasos nach links fliegend und darunter ?. 22 mm. 
Gew. 8,34. Münzkabinet zu Berlin. Abgebildet Taf. HI, 8. 
Die Nike findet sich, wie bekannt, sehr oft als Beizeichen 
auf korinthischen Münzen; aber bis jetzt ist, meines Wissens, 
noch keine Münze veröffentlicht worden, auf welcher der Helm 
des Athcnakopfes bekränzt ist, wie bei der vorliegenden Münze, 
und die Nike als Beizeichen steht. Vergl. Corinth etc. S. 26, 
PL XII, 1-8. 



234 A Lambropoulos: Beiträge zur griechischen Numismatik. 

8) Vf. Athenakopf mit korinthischem Helm nach links; im 
Felde rechts als Beizeichen eine Amphora. Darunter E. 
EJ. Pegasos nach links fliegend und darunter f. 20 mm. 
Gew. 8,55. Münzkabinet zu Berlin (Prokesch- Osten). 
Abgebildet Taf. III, 7. 
Es ist meines Wissens bis jetzt kein Stater veröffentlicht 
worden, auf dem sich die Amphora als Beizeichen findet. Die- 
selbe kommt auch als Beizeichen auf Drachmen (Euboischen 
Systems) mit der Chimaera vor. 

Dr. Alexander Lambropoulos. 



Eine Gemeinschaftemiinze der Städte Sommerfeld und Guben. 



In der Zeitschrift „Beiträge zur natürlichen, ökonomischen 
und politischen Geschichte der Ober- und Niederlausitz für das 
Jahr 1790. Herausgegeben von Dr. Christian August Peschek, 
Zittau* ist S. 48 ff. verschiedenes über die Stadt Sommerfeld 
und aus deren Geschichte veröffentlicht worden. Der Verfasser 
des Aufsatzes, Bürgermeister Dr. Guide in Eottbus, berichtet 
darin, dass diese Stadt das Recht, Heller zu münzen, bereits 
vor dem Jahre 1362 ausgeübt habe; die Heller hätten auf der 
einen Seite einen Löwen, auf der anderen das Haupt des h. 
Wenzlav gehabt; 36 Stück hätten einen böhmischen Groschen 
gegolten, später wären 12 Stück auf einen Groschen ausgemünzt 
worden. Diese Nachricht schöpfte der Verfasser aus der hand- 
schriftlichen Chronik von Sommerfeld, welche M. Johann Joachim 
Moeller verfasst hat, sie entbehrt aber, wie Guide selbst zu- 
giebt, des Beweises. 

Diese Heller sind nun weiter nichts als böhmische Grossi 
parvi, welche, da Sommerfeld damals zu Böhmen gehörte, in 
dieser Stadt Kurs gehabt und bei späteren Ausgrabungen dem 
Chronisten die Meinung beigebracht haben mögen, es seien 
hierin die von der Stadt Sommerfeld geprägten Heller zu er- 
blicken. Wir finden eine auffallende Übereinstimmung mit obiger 
Nachricht in dem, was der zittauische Stadtschreiber Johannes 
von Guben 1 ) in seinen Jahrbüchern anno 1362 berichtet, nämlich: 



1) Scriptores rerum las. N. Folge, I. Bd. 



236 R. Scheuner: 

vnd in dem selben jare gingen heller, mit eym leben an 
eyner syten vnd an der ander syten Sente Wencesslaus howb, 
czwelfe vor eynen grosschen, vnd di worden dez selben jares 
also unmere 1 ), daz man ir gab XXXVI heUer vor eyn 
pragisschen grosschen. 

Do noch M°CCC°lXTIj warf man vz heller nuwe, di 

hatten an eyner syten eyn gekröntes hovbt, vnd di vmme- 

schrift was rex Bohe. an der ander syten vaz eyn lebe 

vnd hatte nich vmmeschrift: der gingen gerne czwelfe vmme 

eynem grozzen. 

Mit dem letzteren Heller ist unzweifelhaft Nr. 810 der 

Donebauer'schen Sammlung böhmischer Münzen gemeint, deren 

Abbildung genau der Beschreibung entspricht. Dieses Münzchen, 

welches Ed. Fiala 2 ) dem Heinrich von Kärnthen (1307—1310) 

zulegt, würde nach der nicht anzuzweifelnden Chronik Johanns 

von Guben als ein Gepräge Karls I. (IV.) vom Jahre 1363 zu 

betrachten und der Katalog Donebauer dahin zu berichtigen sein. 

Der erstere Heller, vom Jahre 1362, deckt sich mit Doneb. 

840/41, ist also ebenfalls ein rein böhmisches Gepräge (parvns). 

Es steht indessen fest, dass die Stadt Sommerfeld Heller 

geprägt hat, und zwar schon vor dem Jahre 1411, denn in 

diesem Jahre bestätigt König Wenzel IV. von Böhmen derselben 

das Recht dazu auf's Neue. 

Das Original der betreffenden Urkunde ist laut Auskunft des 
Magistrats der Stadt Sommerfeld nicht mehr aufzufinden. Nach 
den Zittauischen Beiträgen lautete dieselbe wie folgt: 

Wier Wentzlaw von Gots Gnaden römischer König zu 
allen Zeiten Mehrer des Reichs und König zu Beheim be- 
kennen und thun kund öffentlich mit diesem Brief allen 
den die ihn sehen oder hören lesen, das wier durch besse- 
rung und zunehmens willen der Stadt zu Sommerfeld dem 
Burgermeister Rathe und Bürgern daselbst unsern lieben 



1) unmere = gering geachtet, laut Anm. in den Script. 

2) Beschreibung der Sammlung böhmischer Münzen nnd Medaillen des 
Max Donebauer von Ed. Fiala. 



Eine Gemeinschaftsmünze der St&dte Sommerfeld und Guben. 237 

getrewen diese besundere gnade getlian haben , und thun 
in die mit kraft dieses Briefes und königl. macht zu Behem, 
das sie eine Heuer müntze in ihrer Stadt schlagen mugen 
die geng und geh vff sulche Korn y vff zohl und zusatz, als 
sie die vormahls mit den Burgermeistern und 
Burgern der Stadt zhu Gubbin geschlagen haben 
vor aller mennigL ungehindert, und gepieten darumb den 
Hauptmann zw Lusitz und allen vnsern Hauptleuten und 
Unterthanen und getrewen die jetzund sindt oder in Zeithen 
sein werden ernstlich und festlich mit diesem Briefe , das 
sie die Bürger zhu Sommerfeld an den vorigen unsern 
gnaden nicht hindern noch irren in keine weise, sondern 
dabei/ handhaben schützen und schirmen, sullen, als lieb 
ihnen sei unsere schwere Ungnade zu vermeiden. Mit Ur- 
Isunt disz Briefs versiegelt mit unsern vfgedruckten Insiegel, 
geben zu Prag nach Christi geburt vierzehnhundert Jar u. 
darnach in den eylften Jar des Dienstags nach Sant Thomas- 
tage des heil, zweifboten unser Reiche des beheimischen in 
dem neunzehenden und der römischen in dem 36. Jarel 

Per D. Conr. Epim. olom. 
Johannes de Bamberg. 
Erwähnt ist diese Urkunde, wie auch diejenige von 1454, 
in welcher König Ladislaus das Münzrecht bestätigte, in dem 
Inventarium diplomaticum Lnsatiae inferioris, wie auch in Leitz- 
mann's Wegweiser auf dem Gebiete der deutschen Münzkunde 
and zuletzt in E. Bahrfeldt's „Die brandenburgischen Städte- 
münzen aus der Kipperzeit u S. 53. Münzen der Stadt Sommer- 
feld hat man dagegen bisher nicht aufgefunden. 

Aus der Urkunde Wenzels IV. von 1411 geht es aber klar 
hervor, dass die Stadt Sommerfeld schon vor dieser Zeit Heller 
geprägt hat, und zwar gemeinschaftlich mit der Stadt 
Guben. Wenn uns nun zwar von letzterer ebenso wenig bis 
jetzt Mittelaltermünzen bekannt sind, so führt uns doch der 
Umstand, dass beide Städte gemeinschaftlich gemünzt haben, 
vielleicht auf die Spur, und ich glaube bestimmt, in dem Auf- 



238 R- Scheuner; Eine Gemeinschaftsmünze d. Städte Sommerfeld u. Guben. 

finden eines solchen Gemeinschaftshellers nicht fehlgegangen zu 
sein. Es ist dies das Münzchen, welches Friedensburg in seinem 
Werke »Schlesiens Münzgeschichte im Mittelalter, Theil IF 
unter Nr. 636 nach Sprottau legt. Er sagt aber von ihm : „Dieses 
Stück sieht etwas fremd aus in der Reihe der schlesischen Heller, 
denn keiner derselben trägt ein mehrthürmiges Gebäude und es 
fehlt der sonst übliche Adlerschild. u Ein dreithürmiges Gebäude 
ist aber das Wappenbild der Stadt Guben. 1 ) Der mittlere Thurm 
war etwas höher und trug damals noch keine Krone. Gegen 
die Übereinstimmung mit der Darstellung auf oben abgebildeter 
Münze lässt sich nichts einwenden. 

Die Stadt Sommerfeld führte im Wappen zwei Thürme, 
zwischen welchen ein Löwe steht; über demselben schwebt ein 
Kopf mit zwei Flügeln. 2 ) Auf die Darstellung dieses, etwas 
komplizirten Wappens hat die Stadt Sommerfeld wegen der 
Kleinheit der Münze und der grösseren Stempelkosten jedenfalls 
verzichtet und zog es vor, als Zeichen ihrer Gemeinschaft den 
Anfangsbuchstaben S auf die Münze prägen zu lassen, welchem 
Verfahren wir ja, wie bekannt, in jener Zeit öfters begegnen. 

Gerade der Umstand, dass obiges Münzchen Friedensburg 
nicht so recht in die Reihe der schlesischen Heller passen will, 
es ihm in dieser Gesellschaft vielmehr etwas fremd erscheint, 
spricht zu Gunsten meiner Befürwortung, dasselbe als eine Ge- 
meinschaftsmünze der Städte Guben und Sommerfeld anzusehen. 

Rud. Scheuner. 



1) Vergl. Berliner Münzblätter, 1883, S. 396. Jentsch, Das Stadtwappen 
von Guben. 

2) Vergl. Zittauische Beitrage a. a. 0. 



Literatur. 



Münzgeschichte Pommerns im Mittelalter. Verfasst von Hermann 
Dannenberg. Mit 47 Tafeln Münz- und Siegel- Abbildungen. 
Berlin 1893. Verlag von Adolf Weyl. 
Schon wieder hat die fleissige Feder des unermüdlichen 
Herrn Verfassers unsere Literatur mit einer werthvollen Arbeit 
bereichert, die zunächst in A. Weyl's Berliner Münzblättem er- 
schien und nunmehr in Buchform, vermehrt durch die unentbehr- 
lichen Abbildungen, vorliegt Zu dieser Arbeit war Dannenberg 
wie Niemand sonst berufen, ja, wir durften sie, sozusagen, von 
ihm fordern: nachdem er vor 30 Jahren den ersten Spatenstich 
auf diesem bis dahin ganz unbebauten Gebiet gethan, hat er 
die meisten und wichtigsten der seither in pommerscher Erde 
zu Tage getretenen Funde bearbeitet und so selbst die Vor- 
studien geliefert zu dem jetzt erschienenen, die Ergebnisse 
aller früheren Forschungen zusammenfassenden Werke. Es war 
von vornherein zu erwarten, dass dieses Werk eine vorzügliche 
Leistung sein werde, und diese Erwartung, dass darf man wohl 
sagen, hat sich erfüllt. Es ist hier nicht der Ort, mit dem 
Herrn Verfasser über seinen bekannten Standpunkt in der Frage, 
wieweit sich die Aufgabe des numismatischen Schriftstellers er- 
streckt, zu rechten; wir müssen es uns gefallen lassen, dass 
auch bei diesem Buche den Münzen in ungleich höherem Maasse 
Berücksichtigung und Verwerthung zu Theil geworden ist als 
den Urkunden, und dass, ungeachtet des Titels des Buches, der 
vielleicht die Befriedigung weiter gehender Ansprüche erwarten 
lisst, die eigentliche Münzgeschichte kurz abgethan wird. Was 
übrig bleibt, also namentlich die Beschreibung, Erklärung, Zu- 



240 Literatur. 

theilung und Datirung der vorhandenen Gepräge, zeigt uns 
Dannenberg's altbekannte Stärke von Neuem in glänzendem 
Lichte und um so schöner, als sein Material diesmal ein ausser- 
ordentlich schwer zu behandelndes war: die Fülle schriftloser 
und mit vieldeutigen Darstellungen versehener Münzen ist in 
Pommern bekanntlich eine sehr grosse. 

Was das Buch als Ganzes anlangt, so möchte zunächst die 
Ordnung der Münzen zu erwähnen sein: sie ist im Wesentlichen 
die chronologische. Auf einige Gepräge der ältesten Zeit folgen 
weitere sechs Gruppen: Denare bis etwa 1200, dann 25 mm grosse 
Bracteaten bis etwa 1250, Denare und kleine Bracteaten bis 
1325, Münzen der Städte, bestehend in Witten und Pfennigen, 
endlich Münzen des Bistbums Cammin und der Herzöge. Die 
Vorzüge dieser Art der Anordnung liegen auf der Hand, aber 
gerade bei den pommerschen Münzen machen sich auch ihre 
Nachtheile bemerkbar, insofern sich nicht alle Gepräge derselben 
Münzstätte oder auch nur desselben Münzstandes ununterbrochen 
an einander reihen. So müssen wir bloss die sicheren Münzen 
der rügischen Fürsten an zwei, die des Bisthums Gammin an 
drei Stellen suchen und bekommen von der Gesammtthätigkeit 
der einzelnen fürstlichen Münzstätten nur mühsam eine Vor- 
stellung. Weiter ist auf eine interessante und, wo nicht die 
Kosten entgegenstehen, höchst nachahmungswerthe Neuerung 
aufmerksam zu machen: der Herr Verfasser giebt die sämmtlichen, 
auch nicht pommerschen Münzen der meisten der 39 von ihm 
verwertheten Funde in Abbildungen wieder und ermöglicht so 
eine raschere Nachprüfung seiner Aufstellungen. Diese von ihm 
selbst gezeichneten Abbildungen bewahren ihren alten Ruhm 
vollkommener Treue. Auch 28 Tafeln mit Siegeln werden uns 
vorgeführt, bezüglich deren nur die Angabe zu wünschen wäre, 
welche Grundsätze für ihre Auswahl massgebend waren. Die 
im Vorwort versprochene Stammtafel ist uns der Herr Verfasser 
leider schuldig geblieben. 

Am Schluss mögen noch ein paar Einzelheiten berührt 
werden. Da möchte ich mir zunächst den Wunsch nach einer 
genauen Beschreibung des Lupower Fundes erlauben. Verfasser 
erwähnt davon gerade so viel, als erforderlich ist, um unsere 
Wissbegierde rege zu machen. Dieser grosse Schatz muss doch 



Literatur. 241 

mehr als die abgebildeten drei Typen enthalten haben und dürfte 
für die Münzgeschichte auch noch anderer Gebiete von grossem 
Werthe sein, auch scheinen mir wenigstens Gepräge aus dem 
Beginn der Münzprägung eines Landes von besonderem Interesse 
zu sein. Sie mögen ja der wissenschaftlichen Behandlung be- 
sondere Schwierigkeit machen, aber was will das für einen 
Dannenberg besagen? Ist doch der Herr Verfasser auch den 
überaus unbequemen Funden von Sarbske und Filehne tapfer zu 
Leibe gegangen. Hat er bezüglich dieser noch nicht volle Klar- 
heit zu erzielen vermocht, so müssen wir uns damit trösten, 
dass es auch bezüglich der Funde von Wolkenberg, Oross- 
Briesen und Genossen nicht anders steht. Ich fürchte sehr, wir 
werden uns bis auf Weiteres mit Gruppen dieser Fundgenossen 
begnügen müssen, ohne im Einzelnen bestimmte Zutheilungen 
aufstellen zu können: Lilie, Strahl und Fahne scheinen sich dort 
ebenso als vieldeutig zu erweisen, wie hier etwa Fürstenbild 
und Gebäude. — Bezüglich des ersten Fundes von Aniswalde 
stimme ich Dannenberg vollständig bei, seine Nr. 61 ist Nr. 637, 
nicht 638 meines Buches, womit sich der angebliche Widerspruch 
behebt. Dagegen kann ich, was den zweiten Fund von Arns- 
walde anlangt, meine Ansicht, Nr. 48 sei erst 1460 geprägt, 
nicht aufgeben: ich finde für diesen seltenen, jetzt in 4 Exem- 
plaren in meiner Sammlung vertretenen Heller (Nr. 556 meines 
Buches) keine andere Zutheilung, auch sieht die Münze eher 
noch jünger als älter aus. Man wird sich mit irgend einer der 
mehreren möglichen Erklärungen, wie dieses Stück unter die im 
Allgemeinen älteren Fundgenossen gelangt ist, abfinden müssen. 
Endlich möchte ich mich mit Entschiedenheit gegen den pommer- 
schen Ursprung des Bracteaten Nr. 26 aussprechen, da er nicht 
nur bei Rodewitz, sondern auch in dem ebenfalls lausitzischen 
Funde von Storche (Lausitz. Monatsschrift 1799 S. 605) vorkam. 
Der Greif ist ein in der slavischen Heraldik sehr beliebtes Thier, 
und bei der von Dannenberg betonten Fabrikverwandtschaft des 
Stückes mit den Bracteaten Jakzas liegt die Vermuthung nahe, 
dass etwa irgend ein anderer, bisher noch nicht bekannter 
„Knäs" diese höchst interessante Münze hat schlagen lassen 

F. Friedensburg. 



242 Literatur. 

Le B on J. de Chestret de Haneffe: Renard de Schönau Sire 
de Schoonvorst. Un financier gentilhomme da XIV e stecle. 
Bruxelles 1892. 68 S. 8 T0 u. 1 Kupfertafel. (Aus d. 47. Bd. 
der M6moires etc. publ. p. PAcad. R. de Belgique.) 
Der Herr Verfasser, mit dessen trefflichen numismatischen 
Arbeiten wir uns schon öfter beschäftigt haben, entrollt uns hier 
das Lebensbild eines Mannes, dem auch in der Münzkunde eine 
Bedeutung zukommt, so dass eine Klarstellung seiner bisher 
nicht genügend erkannten Verhältnisse nicht bloss für den Histo- 
riker von Wichtigkeit ist. Ein Glied der im Norden von Aachen 
angesessenen Familie von Schönau (Schononwen), sechster Sohn 
von Raes (Erasmus) IL gen. Ulpich (von Ülpenich) trat unser 
Reinhard arm in's Leben, nach dem Worte des gleichzeitigen 
Geschichtsschreibers de Hemricourt: „ilh n'avoit nul patrimoine 
de peire et de meire, dont ilh pouwist on cheval nourir". 
Aber ausserordentliche Gaben des Geistes und Körpers verhalfen 
ihm zu Reichthum und Einfiuss, so dass wir ihm in der Geschichte 
von Köln, Geldern, Jülich, Luxemburg, Lüttich und Brabant um 
die Mitte des XIV. Jahrh. überall als einen der angesehensten 
Grossen begegnen. Bezeichnend für ihn und seine Zeit ist die 
Art, wie er den Grund zu seinem Vermögen legte. Im Kriege 
nämlich zwischen Eduard III. von England und Philipp VI. von 
Frankreich 1340 hatte sich Wilhelm V., Markgraf von Jülich, 
auf die Seite des Ersteren gestellt und dadurch eine Schuld- 
forderung an denselben erlangt, zu deren Beitreibung er unsern 
Reinhard nach London sandte. Eduard war nicht bei Kasse, bot 
aber an Zahlungsstelle Tuch, der schlaue Reinhard erwog die 
Konjunktur, denn der Krieg hatte die Ausfuhr nach Flandern 
verhindert, nahm also das Anerbieten an und verkaufte dann 
die Waare in Brügge mit einem Gewinn von 6000 Royaux d'or. 
Seinem Auftraggeber aber spiegelte er vor, man habe ihm in 
Brügge weit unter dem Schätzungswerth geboten, und so erreichte 
er es, dass der geldbedürftige Markgraf ihn ermächtigte, um 
jeden Preis loszuschlagen, womit er sich dann weitere 2000 Royaux 
schaffte* Hemricourt nannte ihn deshalb „sage et subtil", während 
wir uns anderer Ausdrücke bedienen würden. Nun ging es mit 
unserem Junker schnell vorwärts, wir sehen seinen starken Arm 
und mehr noch sein gutes Geld und seinen klugen Rath von 



Literatur. 243 

allen Fürsten der Nachbarschaft gesucht und gut belohnt. 
Namentlich Erzbischof Walram von Köln war ihm tief verschuldet, 
und König Johann von Böhmen, der dessen Stimme für die 
Königswahl seines Sohnes Karl gewinnen wollte, verpflichtete 
sich gegen Reinhard für Walram's Schuld von 64 000 Royaux 
und 15 500 6cus d'or (15. 6. 1346), worauf sich auch eine Ur- 
kunde König Karls vom 6. 5. 1348 bezieht, in welcher Reinhard, 
seit 1346 Ritter und Bannerherr, zum ersten Male als Herr 
von Schönvorst erscheint, ein Titel, den er von da ab stets bei- 
behält; wahrscheinlich hat er erst damals dieses südlich von 
Aachen belegene Reichslehn erworben. Bald darauf, in einer 
Urkunde vom 3. 3. 1349, tritt Reinhard als „gemeyne vickaris 
in allen wertlichen Sachen des eirwirdichen in christo vaders ind 
uns heren, heren Walravens ertzebuschofs zu Colne" auf, lässt 
sich aber nach dessen bald darauf erfolgtem Tode für Wilhelm 
von Gennep, den Mitbewerber des kaiserlichen Schützlings, ge- 
winnen, dessen Wahl er auch durchzusetzen weiss. Von be- 
sonderem Werthe für uns ist aber Reinhard' s Erwerbung der 
Herrschaften Yalkenburg (Fauquemont bei Mastricht) und Montjoie 
aus dem Nachlasse des 1352 verstorbenenen Johann von Valken- 
burg und Montjoie; am 4. 4. 1354 erhielt er die kaiserliche Be- 
lehnung mit Yalkenburg, veräusserte aber diesen vielumstrittenen 
Besitz schon (im August?) 1356 an den genannten Wilhelm V. 
von Jülich. Als brabantischen Vasallen 1 ) sehen wir Reinhard 
auf Seiten des vielbedrängten Herzogs Wenzel, und 1357 in 
dessen Interesse als Gesandten seines kaiserlichen Bruders, von 
diesem mit der Würde eines Marschalls („nostre am£ marechal," 
„imperialis nostre curie marescalcu&") bekleidet nach England 
gehen. Vielfache Staats- und Finanzgeschäfte, von denen hier 
nicht zu reden, füllen die Zeit bis zum Tode seiner Gattin, 
25. 4. 1368 ans, der einen Wendepunkt in seinem Leben bildet. 
Denn im folgenden Jahre nahm er eine Theilung dahin vor, 
dass er seinem ältesten Sohne, dem Ritter Reinhard, Schönvorst 
mit Einschluss des Landes Cornelimünster, dem zweiten, Johann, 
die Herrschaft Montjoie überwies, beiden freilich mit bedeuten- 



1) „want hi onse rait, ridder ende man iß,* sagen Wenzel und seine Ge- 
mahlin Johanna von Brabant von ihm. 



244 Literatur. 

den Einschränkungen und unter Vorbehalt seiner Besitzungen 
auf dem linken Ufer der Maas. Nunmehr scheint er sich mehr 
auf die brabantischen Angelegenheiten zurückgezogen zu haben. 
Aber nachdem Herzog Wenzel am 22. 8. 1371 bei Bastweiler 
gegen Wilhelm VL von Jülich Freiheit und Kriegsruhm verloren 
hatte, verschwindet unser Held aus der Geschichte, sei es, dass 
er diese wesentlich durch seine Unbesonnenheit verschuldete 
Niederlage nicht hat verwinden können, sei es, dass er mit 
seinen Söhnen über eine neu eingegangene Ehe in Zwist ge- 
rathen, kurz, wir erfahren nur noch aus einem von seinen vier 
Söhnen geschlossenen Vertrage vom 7. 8. 1376, dass er kurz 
vorher als Johanniterritter verstorben mit Hinterlassung eines 
Testaments, „das ihnen aus Rhodos geschickt worden, gesiegelt 
von ihrem Vater und anderen Herren des heil. Johannes von 
Rhodos a . Damit berichtigt sich der gewöhnlich (auch von Grote 
in seinen Stammtafeln) angenommene Ansatz seines Todesjahres 
in 1391. 

Ein sicheres Denkmal dieses mächtigen Herrn haben wir, 
von seinen auf der beigefügten Kupfertafel abgebildeten 3 Siegeln 
abgesehen, in seinem Plorenen (mit + RH'D'D . — VTOiKffB), 
wie der Herr Verfasser gegen Perreau, der ihn einem älteren 
Reinhard von Valkenburg 1305—32 beilegt, überzeugend ausführt, 
in Übereinstimmung mit Chalon, v. d. Chijs und meiner, in der 
Wiener numismat. Zeitschr. XII, S. 173 ausgesprochenen An- 
sicht. Nicht minder muss man ihm aber wohl von den Silber- 
münzen* mindestens den Turnosgroschen mit sitzendem König 
beilegen, denn er sieht doch denen seiner Zeitgenossen Bohe- 
mund von Trier 1354—62 und Wilhelm von Köln 1349—62 
auf's Genaueste gleich, und wenn auch Bohemund's Nachfolger 
Guno 1362—88 noch dergleichen Münzen geschlagen hat, so 
lässt doch ein Blick auf dessen übrige Gepräge keine Zweifel, 
dass dieselben in seine ersten Jahre fallen. Auszuschliessen 
sind dagegen wegen seines gedachten Todesjahres 1376 die mit 
dem Familienwappen der 9 Kugeln bezeichneten Turnosgroschen 
aus den neunziger Jahren. H. D. 



Zur beschichte des Studiums der Numismatik. 

Vortrag, gehalten beim 50 jährigen Stiftungsfeste der Numismatischen 
(Je seilst haft zu Berlin am 4. December 1893. 




Wie bei den historischen Studien zwei grosse Gebiete von 
einander geschieden zu werden pflegen, das Alterthum und die 
neuere Zeit, so hat man sich auch beim Studium der Münzkunde 
als historischer Hülfswissenschaft daran gewöhnt, diese beiden 
Gebiet« von einander abzusondern. Gleichwohl haben gerade die 
erfahrensten Numismatiker stets darauf hingewiesen, dass eine 
solche Scheidung nur in sehr bedingter Weise zulässig sei; bilden 
ja doch die frühesten Germanenmünzen aus der Zeit der Völker- 
wanderung nur die Fortsetzung der römischen Reichsmttnze, 
and andererseits reichen die Münzreihen Ostroms bis ins Jahr 
1453. Wohl wird es nur Wenigen beschieden, sowohl im Gebiete 
der antiken, wie der neuereu Münzkunde wissenschaftlich mit- 
arbeiten zu können, aber der Pflicht sollte sich heute keiner 
entziehen, sieb vertraut zu machen mit den Ergebnissen, die auf 
dem ihm selbst fernliegenden Gebiete gefunden werden, und vor 
Allem mit der Methode, durch die sie gefunden werden. Unter 
dieser Voraussetzung mag es denn gestattet sein, einen Über- 
blick über das Studium der antiken Numismatik zu geben, um 
so mehr als gerade in der Frühzeit lediglich dieser Theil Berück- 
sichtigung gefunden hat. 



Zritohrirt fllr Knmumitik. XIX. 



17 



246 B- Weil; 

Die beim Zusammenbruch des weströmischen Reiches ent- 
standenen Germanenstaaten der Ostgothen, Westgothen, Vandalen, 
Burgunder, Franken stehen alle zunächst noch völlig unter der 
Macht der Geldwirthschaft, die sie in ihren neuerob'erten Ländern 
vorfanden. Das zeitweise obsiegende Eingreifen Justinians und 
seiner Nachfolger in die Länder des Abendlandes hat dazu ge- 
führt, dass Westgothen, Ostgothen, Vandalen und Burgunder 
Münzen Justinus II., Justinians und Anastasius' nachgeprägt 
haben, sogar noch die frühste angelsächsische Silberprägung, 
Ende des 6. oder Anfang des 7. Jahrhunderts, die Wölfin mit 
den Zwillingen VRBS ROMA wird einer Münze des Carau- 
sius nachgeahmt'), der in diocletianischer Zeit Britannien be- 
herrscht hatte. Mit dem Rückgang des oströmischen Einflusses 
im Abendland nnd dem gleichzeitigen Erstarken der hier entstan- 
denen Staatenbildnngen nimmt aber auch die Münze in Typen 
und Werthung eine eigene Gestalt an. 




Mitten in den langen Reihen mittelalterlicher Typen begegnet 
ein Wiederhervorholen von Geprägen der späteren römischen Kaiser- 
zeit *) zuerst unter Kaiser Heinrich II. (1002—1024). Denare der 
Strassburger Münzstätte') zeigen den Kaiserkopf statt mit der 

1) Keary, Num. Chron. 1879 (N. S. 19} 44, Tf. H n. I. - Für dieae 
und die im Folgenden erwähnten Nachahmungen fehlt es auch anderwärts 
nicht an Analogien, sogar bei den mnhammedaniBchen Münzen, Tgl. H. Nntiel, 
Featschr. der Numismatischen Gesellschaft zu Berlin (1893) 132, [und ein- 
gehender Nützeis Vortrag in der Märzsitzung der Numismatischen Gesell- 
schaft 1894]. 

2) Meinen Freunden Landgerich tsrath Daunenberg and A. Menadier bin 
ich für die mannigfachen Nach Weisungen, die sie mir bei diesem Abschnitte 
gegeben haben, in besonderem Danke verpflichtet. 

3) Dannenberg, Die deutschen Münzen der sächsischen und fränkischen 
Kaiseweit. S. 350 f. Taf. 40 n. 916. 917. 



Zur Geschichte des Studiums der Numismatik. 



247 



Kaiserkrone vielmehr mit der altrömischen Strahlenkrone ge- 
schmückt, als Kehrseite eine Kirche. Ein anderer Denar desselben 
Kaisers zeigt sein Brustbild HEINRI IMP wieder mit der Strahlen- 
krone und als Kehrseite eine antik bekleidete Figur mit der Kugel 
in der Rechten, den Stab in der Linken, und der Umschrift VICTO 
ria 1 )* eine ganz unverkennbare Nachahmung des Sol invictus der 
Gallienus-Münzen. Nach der Gegend der Prägung ist diese Münze 
auf Heinrichs Sieg über die widerspenstigen lothringischen Grossen 
bei Fleurus (12. Sept. 1015) bezogen worden. Ein erst jüngst 
zu Tag gekommener im Kgl. Kabinet zu Berlin befindlicher 
Wormser Denar aus der Zeit Heinrichs III., oder allenfalls Hein- 
richs IV. S ) copirt mit sorgsamer Wiedergabe der Linien des an- 
tiken Originals, das oben S. 245 ebenfalls nach einem Exemplar des 
Berliner Kabinets mitgetheilt ist, das Brustbild der Kaiserin 
Helena, und hat rückläufig von aussen zu lesen die dem Stempel- 
schneider und wohl auch seinem Auftraggeber nur theilweise 
verständliche Umschrift FL. IVL. HELENA AVG. Es ist dies eine 
Prägung, die offenbar im Zusammenhang steht mit der damals 
lebhaft geförderten Verehrung dieser Heiligen, die wie zu anderen 
rheinischen Kirchen auch zu Worms von der Tradition in nähere 
Beziehung gebracht zu sein scheint. s ) Ein österreichischer Denar 
des 12. Jahrh. bietet die beiden am Fusse des Feldzeichens 
sitzenden Gefangenen der römischen Münze mit VIRTVS EXERCIT 
aus der constantinischen Zeit 4 ). 





1) Dannenberg 457 Taf. 53 n. 1179, 1179 a. 

2) Dannenberg II, Taf. 81 n. 1646, vgl. Menadier, Deutsche Münzen S. 240. 

3) Aufgabe der Localforschung wird es sein, festzustellen ob nicht 
auch in Urkunden irgendwo die heil. Helena mit der Wormser Kirche in 
Verbindung gebracht ist. 

4) Wiener Numisrn. ZeiUchr. 1888 Taf. IX, 27 a, 27 b. Dannenberg II, 
Taf. 90 n. 27 a, S. 696. 

17» 



248 R - Weih 

Wir haben es in allen diesen Fällen mit bewusster Nach- 
ahmung römischer Gepräge zu thun, deren Inhalt dem mittelalter- 
lichen Münzmeister oder doch wenigstens seinem Auftraggeber 
völlig vertraut ist, und von ihm zur Anspielung auf zeit- 
genössische Ereignisse benutzt wird. Dabei bleibt allerdings zu 
beachten, dass alle diese Prägungen aus den Gegenden der alten 
Römerstädte stammen, wo Funde von Kaiserin ünzen häufig genug 
vorkommen. 




Ein Jahrhundert später folgen dann die Angustalen Kaiser 
Friedrichs IL, wo dieser im Lorbeerkranz als römischer Imperator 
auf der Ks. der Adler erscheint; sie sind gleichzeitig mit Niecola 
Pisano 1 ), jenem merkwürdigen Vorläufer der Rennaissance in 
Oberitalien. 

Nicht gar viel später mögen aber auch die ersten Anfänge 
von Münzsammlungen gemacht worden sein. Denn im J. 1335 
wird durch eine Notiz des Oliviere Forza (oder Forzetta), eines 
angesehenen reichen Kaufmanns von Treviso, der in Venedig 
Handschriften und Antiken ankaufen will, ein gewisser Simon 
bekannt, bei dem er 50 Münzen aufzukaufen vorhat'). Es muss 
damals zu Venedig schon ein blühender Antikenhandel bestanden 
haben, und was wir sonst über diese Zeit erfahren, lässt diese 
Nachricht durchaus glaubhaft erscheinen. 



Der Entwicklungsgang, den die Numismatik eingehalten hat, 
ist untrennbar von demjenigen der Sammlungen. Das Wieder- 



1) Hünti, Les preenraeura de la Renaissance p. 5. 

3) Hüntz, Les preciirsears p. 38. Lee arte an cour des Papes II 183 
nach ÄTogaro, Trattato delle monete di Trerigio in Zanotti'a Nnora raccolte 
delle monete e xecche dltalia IV 151 und Federigi, Hemorie treTigiane 
nulle opere di disegno, Yen. 1803 I 178, 164. 



Zur Geschichte des Stadiums der Numismatik. 249 

aufleben des klassischen Alterthums in den Studien der italie- 
nischen Humanisten hat auch zur Betrachtung der Münzen ge- 
führt hatte, wofür bereits Petrarca 1 ) Interesse zeigt. Dass bei 
diesen ersten Anfängen der Münzsammlungen sich die Aufmerksam- 
keit zunächst den römischen Münzen, vor Allem der Eaiserzeit, bald 
aber auch den Reihen der römischen Republik zuwandte, war 
durch die Beschaffenheit der Funde auf dem Boden Italiens von 
selbst gegeben. Der Umstand, dass sich durch die Münzen ein 
Mittel bot, die Porträtköpfe der Marmorwerke, Bronzen und 
Gemmen zu bestimmen, hat nicht zum Wenigsten dazu bei- 
getragen zum Sammeln der Münzen anzuregen, und es macht 
sich um die Mitte des 15. Jahrhunderts die eigen thümliche Er- 
scheinung geltend, dass das numismatische Wissen der Huma- 
nistenkreise ein ungleich besseres ist, als das archäologische; 
neben sicherer Bestimmung der Kaiserporträts laufen noch 
die naivsten Angaben, wo es sich um Erläuterung mytho- 
logischer Darstellungen handelt. Funde in Unteritalien und Si- 
cilien bringen auch bereits griechische Münzen in die Sammlungen, 
wiewohl hier die Münzlegenden vielfach noch nicht mit Sicher- 
heit gelesen werden können, und durch die Handelsbeziehungen 
der Venetianer und Genuesen nach dem Orient treten bald auch 
griechische Königsmünzen hinzu« Das Interesse, welches dabei 
an den Münzen genommen wird, ist aber lediglich auf die dar- 
gestellte Persönlichkeit gerichtet. So verehrt Cyriacus von An- 
cona zwischen 1426 und 1431 einem frommen Landsmann, der 
in der Nähe von Erakli, dem alten Perinth, vielleicht als Geist- 
licher lebte, eine Silbermünze mit IMP. CAESAR VESP. AVG. CENS, 
weil dieselbe das Bildniss dessen trage, der für das Leiden Christi 
Rache genommen habe 2 ); und 1432 dem König Siegesmund nach 
Siena entgegengesandt eine Goldmünze des Traian mit OPTIMO 
PRINCIPI, um dessen Beispiel ihm vorzuhalten in den Wohlthaten, 



1) Petrarca, EpistoL de rebus famil. XVIII 8 ed. Fracasetti Yol. II 439 

2) Vgl. Cohen, Description des monnaies imper. I 390, 297« — Fran- 
cisco* Scalamontias, Vita Kyriaci Anconitani in: Colacci, AnticMti Picene 
T. XV 131 f. 



250 R - Weil: 

die er des Cyriacus' Vaterstadt Ancona erwiesen hätte 1 ). Solche 
demonstrative Beziehungen, wie sie Cyriacus hier hereinzieht, 
bilden das Neue an seinen Geschenken und unterscheiden sie 
von denjenigen, welche Petrarca einst dem Kaiser Karl IV. ver- 
ehrt hatte. Wenn Poggio in Münzen und Büsten nach Reihen 
von Kaiser- und Gelehrtenporträts sucht, ergaben sich solche 
Folgen von selbst bei der Zunahme der Sammlungen, und im 
Jahre 1517 konnte Andreas Fulvius seine Illustrium imagines 
Bomae Joa. Mazocchius veröffentlichen, denen dann alsbald deutsche 
und andere Ausgaben zu Theil wurden. Dass dabei solche Por- 
traits, die noch nicht in Münzen vorgekommen waren, aus der 
Phantasie ergänzt und der Reihenfolge eingeordnet wurden, hat 
dem Herausgeber auf lange hinaus schwere Vorwürfe zugezogen. 
Zu welchem Umfang um diese Zeit bereits eine Sammlung ge- 
langen konnte, davon giebt eine Vorstellung das Inventar der 
Esteschen Sammlung aus dem Jahre 1494, das 437 Goldmünzen, 
3385 Silbermünzen 3 ) aufzählt, Zahlen, die allerdings damals schwer- 
lich von irgend einer andern erreicht worden sein werden. Das 
von Italien gegebene Beispiel hat dann im 16. Jahrhundert, wo 
die Humanistenbewegung sich weiter nach Norden verbreitet, 
allgemeinere Nachahmung gefunden; so kannte Hubert Goltz um 
die Mitte des Jahrhunderts nach seinem Reisebericht in Italien 
mehr als 380 Sammlungen, in Frankreich etwa 200, ebensoviel 
in den Niederlanden, und 175 in den Rheinlanden und dem süd- 
lichen Deutschland, wie sich von selbst versteht, weitaus die 
meisten wenig umfangreich, gleichwohl aber ein beachtenswertes 
Zeugniss dafür, wie sich die Sammelthätigkeit ausgebreitet hatte, 
zu einer Zeit, wo von öffentlichen Sammlungen gar nicht die 
Rede sein konnte. 

Die wissenschaftliche Verwerthung der antiken Münzen hat 
in Frankreich ihren Anfang genommen. Unter Ludwig XII. hatte 



1) Scalamont. a. 0. 89. 

2) E. Müntz, Le8 arts au cour des Papes II 141 nach Campori, Raccolta 
di cataloghi ed inventari inediti, Modena 1870, 28. 



Zar Geschichte des Stadiums der Numismatik. 251 

Guil. Budaeus 1 ), der selbst sammelte, seine dissertatio de asse 
bereits vollendet, die erst unter Franz I. veröffentlicht worden 
ist. Guillaume des Choul, grand bailli des montagnes de Dauphinä 
brachte in seinem Discours sur la r&igion des anciens Romains 
(Lyon 1556) bereits eine grosse Zahl von Münzen in Kupfer 
gestochen zur Abbildung. Im siebzehnten Jahrhundert gehörte 
es in Frankreich zum guten Tone Münzen zu sammeln, haben 
dieselben doch sogar in den Hugenottenbewegungen eine gewisse 
Rolle gespielt. In Italien sind es neben der Sammlung der Medi- 
aler diejenigen der Gonzaga in Mantua und der Este in Ferrara, 
welche zur Bedeutung gelangt sind, in Deutschland die des kunst- 
sinnigen Habsburgers Rudolf IL, der auf seinen Münzen und 
Medaillen selbst im Habitus eines römischen Imperators erscheint, 
und endlich die der hochgebildeten Schwedenkönigin Christine, 
deren Sammlung nach den ihm vorliegenden Stichen (nicht nach 
den Originalen) der Holländer Havercamp (Hagae Com. 1742) 
beschrieben hat. 2 ) 

Wenn Jacobus de Strada*) und Guil. de Choul 4 ) die Numis- 
matik zur Grundlage ihrer antiquarischen und mythologischen 
Studien gemacht haben, so hat der aus Würzburg stammende, 
in Venloe ansässige Hubert Goltz (1526—1583) zum ersten Mal 
eine umfassendere Behandlung der Münzen vorgenommen. Seine 
Fasti Magistratuum et Triumphornm Romanorum (Brugis Flan- 
drorum 1566), wie seine beiden Werke über die Kaisergeschichte, 
das eine Caesar und die Bürgerkriege behandelnd, das zweite 
Augustus, beruhen lediglich auf den Münzen, ungleich weiter 
angelegt war sein Thesaurus, der nach sachlichen Gesichtspunkten 
geordnet Götter und Culte, die Kaiserreihen, Titulaturen, Legions* 



1) Guil. Budaeus, Libri V de asse et partibus ejus. Venet. in aed. 
Aldi 1522. 

2) Nummophylacium Beginae Christinae. Cum commentario Siegb. 
Havercampi, Hagae Com. 1742. 

3) Epitome thesauri antiquitatum hoc est imperatorum Romanorum 
iconum ex antiquie numismatibus quam fidelissime delineatarum. Lugduni 1553. 

4) Disconrs de la räligion des anciens Romains Hlustres des medailles 
et figures retirees des marbres antiques. Lyon 1556. Nene Ausg. 1567. 



252 R - Weil: 

münzen, Magistrate, Colonialmünzen usw. zusammenfassen sollte; 
selbständig erschien dann noch ein besonderes Werk über Sicilien 
und Griechenland. Ein das Gesamtgebiet der griechischen Münzen 
umfassendes, wofür er die Tafeln erst theilweise gestochen hatte, 
wurde durch seinen Tod unterbrochen, und erst nachträglich von 
Lud. Nonnius zu Antwerpen 1620 herausgegeben. Die Ausdauer, 
mit welcher Goltz sich auf vieljährigen Reisen sein Material 
gesammelt hat, ist in hohem Grade achtungswerth. Gleichwohl 
ist davor zu warnen, heute Münzbeschreibungen zu verwerthen, 
die nur bei ihm vorkommen, oder, die, was leichter begegnen 
mag, von Späteren benutzt auf seine Angaben allein zuückgehen ; 
denn offenbar durch die Fülle des von ihm gefundenen neuen 
Stoffes hat er sich verleiten lassen, nun auch ihm gebliebene 
Lücken durch fingirte Münzen in seinen Kupfertafeln zu er- 
gänzen. Ein recht beträchtlicher Theil aber dessen, was man 
ihm als Fälschungen vorgeworfen hat, lässt sich durch Ungenauig- 
keit und Flüchtigkeit, theilweise auch aus der doch erst all- 
mählich zu überwindenden Unerfahrenheit in diesen Studien er- 
klären. Auch Eckhels strenge Kritik 1 ), die in umfassenderer Weise 
ausführt, was Norisius, Morell, Spanheim für einzelne Partien 
bereits früher erkannt hatten, darf nicht abhalten anzuerkennen, 
dass es Hub. Goltz' Verdienst ist, die griechischen Münzen zuerst 
den Alterthumsstudien zugänglich gemacht zu haben. Goltz ist 
in der Geschichte der Altertumswissenschaft nicht der einzige 
geblieben, der ein grosses Aufgebot von Fleiss und Arbeit selbst 
wieder zu Nichte gemacht hat. 

Fulvius Ursinus, Goltz' Zeitgenosse, der sich eine Aufgabe 
von beschränkterem Umfang gesetzt hat, die Beschreibung der 
römischen Familienmünzen (Rom 1577), hat dagegen ein muster- 
gültiges Werk geschaffen. Wie die Entstehung der Sammlungen 
auf diesem Gebiete in Italien ungleich erleichtert ist durch die 
localen Funde, das historische Interesse an diesen Reihen den 
dortigen Gelehrten ein näher liegendes, und der ganze Charakter 



1) Eckhel Doctr. Num. I Proleg. GXLI, und vorher schon in seiner 
Descriptio numorum Antiochiae IX. 



Zur Geschichte des Studiums der Numismatik. 253 

dieser Münzen zum Studium wie von selbst einlädt, so ist denn 
auch hier eine wissenschaftliche Durchforschung zuerst angebahnt 
worden. Patin, Vaillant, Morell und Spätere haben Nachträge 
genug liefern können, aber der Rahmen des Ganzen liegt bei 
Fulvius Ursinus bereits vor. 

Seit Beginn des 18. Jahrhunderts etwa tritt in den numis- 
matischen Studien eine Änderung dadurch ein, dass die älteren 
italienischen Sammlungen, die bis dahin die reichsten Bestände 
gehabt hatten, allmählich nach dem Ausland gelangen; während 
Italien bisher die wichtigsten Sammlungen aufzuweisen hatte, 
sind dieselben von nun an in Mittel- und Nordeuropa zu suchen, 
wo gerade in den römischen Grenzprovinzen, in Dacien und am 
Niederrhein, besonders kostbare Funde zum Vorschein kommen, 
die einst, wie es scheint, zur Zeit der Völkerwanderung an die 
Barbarenstämme gelangt, jetzt hier Aufnahme finden. Anderer- 
seits gewinnen von nun an die von den Fürstenhäusern angelegten 
Sammlungen, die allmählich zu Staatssammlungen werden, die 
vorwiegende Bedeutung vor den Privatsammlungen, welche letz- 
teren von jenen nach und nach aufgesogen werden, ein Process, 
der bis zur Gegenwart fortdauert 

Eine neue Richtung in der Numismatik hebt an mit Ezechiel 
Spanheim (1629—1710), der auf weiten Reisen sich eine um- 
fassende Kenntniss der bedeutendsten Sammlungen erworben hat, 
mit seiner scharfen philologischen Durchbildung, in der er es 
um jene Zeit den ersten Philologen gleich that, in die verschie- 
densten und entlegensten Gebiete der klassischen Altertums- 
wissenschaft eingedrungen ist, überall die Autoren mit Hülfe 
der Denkmäler zu erklären suchend. Er hat die Berliner Samm- 
lung erst heben helfen, dann hat auf seinen Antrieb der grosse 
Kurfürst zur Verwaltung derselben Lorenz Beger nach Berlin 
berufen. Spanheims numismatisches Hauptwerk sind seine Disser- 
tationes de usu et praestantia nummorum 1 ); in dem damaligen 
Zeitgeschmack ergeht er sich darin freilich oft in Excursen, aber 



1) Zuerst Romae 1664. Editio IL Amstelodami 1671. Editio nova (in 
2 Bänden) Londini Amstel. 1706. 1707. 



254 Ä. Weil: 

kein Anderer seiner Zeitgenossen umfasst die Disciplin mit so 
weitem und klarem Blick, und wird darin unter allen Vorgängern 
Eckhels unbedingt für den bedeutendsten und scharfsinnigsten 
gelten müssen. Als Gesandter des preussischen Königs in London 
hat er verstanden, Gleichgesinnte in seinen Umgang zu ziehen; 
die erste numismatische Gesellschaft, von der wir erfahren, ist 
1703 in London von ihm gestiftet worden. 

Da die Arbeiten der Numismatiker für die Folgezeit meist 
mit der Thätigkeit an einer der grösseren Sammlung in mehr 
oder minder enger Verbindung stehen, ergibt sich eine Betrach- 
tung derselben nach den einzelnen Ländern von selbst. Allen 
voran steht Frankreich. Charles Patin, geboren 1633 in Paris, 
von Beruf Mediziner, und gleich seinem Vater Gui Patin noch 
unter dem Einfluss der Humanistenschule eines Scaliger und 
Salmasius stehend, ist durch Colbert, der einen lettre de cachet 
wider ihn veranlasst hatte, gezwungen worden, sein Vaterland 
zu verlassen, und hat dann in Padua einen Lehrstuhl der Chi- 
rurgie erhalten (f 1693). Mehr als die beiden grossen Samm- 
lungen der römischen Münzen, hat seine Histoire des m&Lailles 
ihm auf lange Zeit hinaus ihr Ansehen bewahrt. Auf Jean Foy 
Vaillant, geboren 1632 in Beauvais, gestorben 1706 in Paris, 
und ebenfalls von Haus aus Mediziner, wurde S6guin aufmerksam, 
und durch diesen Colbert dazu gebracht, ihn auf Reisen zu 
schicken, um Münzankäufe für das Eabinet des Königs zu machen ; 
er besuchte zwölfmal Italien, bereiste Griechenland, Ägypten 
und Persien, brachte reiche Ausbeute für die königliche Sammlung 
heim, und legte seine ausgebreiteten Studien in einer stattlichen 
Reihe von Schriften nieder, die ihm einen Platz in der fran- 
zösischen Akademie verschafften. Andr. Morell ein aus Bern 
stammender Kupferstecher, war an den französischen Hof gelangt; 
von seinem Thesaurus Morellianus ist der früher erschienene 
Theil, der die römischen Familienmünzen enthält, für jene Zeit 
eine in der Anordnung und Kritik vorzügliche Arbeit, obwohl 
dem Verfasser nur noch vergönnt war, die Tafeln fertig zu stellen. 
Havercamp's voluminöser Commentar zu diesem Werke theilt 



Zur Geschichte des Studiums der Numismatik. 255 

nicht die gleichen Vorzüge; die erst längere Zeit nach Morells 
Tode erschienenen Kaisermünzen waren selbst in den Tafeln noch 
unvollständig hinterlassen, und sind durch die Herausgeber nicht 
mit der bei Morell vorhandenen Sorgfalt ergänzt worden. Die 
ebenfalls am Königlichen Kabinet in Versailles und seit 1741 
in Paris thätigen De Boze und besonders dessen Nachfolger 
Jean Chr6tien Barth61emy (seit 1753 im Amte), der den numis- 
matischen Theil des Commentars für die Voyage de jeune Ana- 
charsis bearbeitet hatte, haben diese Sammlung zur reichsten 
Europas gemacht. Wissenschaftlich freilich werden sie weit 
überragt von Josephe Pellerin, der 1762 und 1763 sein grosses 
Hauptwerk Recueil de mädailles veröffentlicht hat, um dann bis 
ins Jahr 1778 noch eine Reihe umfangreicher Supplementbände 
folgen zu lassen. 

T. E. Mionnet (f 1842), durch Barth&emy bereits 1795 an 
das Pariser Kabinet gezogen, an dem er dann 47 Jahre thätig 
war, hat in seiner Description de m&Lailles (1806—13), die zu- 
nächst auf den Bestand der griechischen Münzen der dortigen 
Sammlung angelegt war, dann aber in dem Supplement (1819—37) 
ausser späteren Nachträgen auch noch die dem Verfasser nur 
aus der Literatur zugänglichen Stücke beschreibt, das umfang- 
reichste Inventar zur griechischen Numismatik geliefert, welches 
bis heute existirt; in knapperer Form hat er die römischen 
Münzen gebracht« Die Anlage des Werkes schliesst sich der 
von Eckhel zuerst durchgeführten geographischen Anordnung an ; 
was dasselbe auszeichnet, ist, soweit der Verfasser im Stande 
war, nach Autopsie zu beschreiben, seine grosse Sicherheit und 
gewissenhafte Kritik über Ächtheit und Unächtheit des Stückes. 
Was Mionnet für die griechischen Münzen gegeben, hat dann Henry 
Cohen, gestorben 1880 als Bibliothäcaire au däpartement des M6- 
dailles et Antiques, zu liefern versucht zunächst für die römischen 
Münzen der republikanischen Zeit, alsdann ausführlicher für die- 
jenigen der Kaiserzeit. Der feinsinnige Duc de Luynes (f 1863) 
hat theils durch seine eigenen vorzüglich ausgestatteten Arbeiten 
über griechische und orientalische Numismatik, theils mittelbar 



256 R. Weil: 

durch vielfache Anregung, welche er Mitforschenden gegeben, 
sich verdient gemacht, Baron d'Ailly das Gebiet der älteren 
römischen Münzkunde, welches vor den Reihen der sog. Familien- 
münzen vorausliegt, in umfassender Weise bearbeitet; beide haben 
in hochherzigem Sinne ihre reichen Frivatsammlungen dem Pariser 
Eabinet vermacht. l ) Von den beiden Lenormant hat der nur zu 
yielgeschäftige Sohn (f 1883) in seinen letzten Lebensjahren ein 
grösseres Werk La monnaie dans l'antiquitä (1878) begonnen, das 
in gewissem Sinne Eckhels Doctrina zu erneuern bestimmt war, 
aber Torso geblieben ist. 

In Deutschland war auf Spanheims Empfehlung hin der 
Pfälzer Lorenz Beger vom Grossen Kurfürsten nach Berlin be- 
rufen worden, um, wie er vorher die Sammlung des Pfalzgrafen 
beschrieben hatte, die kurbrandenburgische zu beschreiben; das 
glänzend ausgestattete Werk in 3 Bänden (Thesaurus electoralis 
Brandenburgicus 1696. 1702) wird ungeniessbar durch die vom 
Verfasser gewählte Form, den Text als Dialog zu behandeln 2 ). 
Eine ähnliche aber weniger umfangreiche Bearbeitung des Gothaer 
Eabinets liegt vor von Christian Siegism. Liebe. Den Mittel- 
punkt numismatischer Studien in Deutschland bildet aber um 
jene Zeit Wien, wo bei den Sammlungen des Herrscherhauses, 
welchen eine Reihe gelehrter Jesuiten vorstand, allmählich eine 
ganze Schule tüchtiger Forscher erwuchs, Fröhlich (1700—1758), 
Ehell (1714—1772), Neumann (dieser reg. Augustinerchorherr 
1744—1816) und, sie alle überragend, Joseph Hilarius Eckhel 
(1737—1798). Seine Doctrina Nummorum (1792—98), die in den 
vier ersten Bänden das Gebiet der griechischen, in den drei 
folgenden das der römischen Münzen bis auf den Untergang des 
oströmischen Eaiserthums behandelt, ist das Hauptwerk für die 
antike Numismatik, an Reichhaltigkeit des Inhalts, Sicherheit 



1) Als dritter wäre hier anzuschliessen der am 13. Januar 1894 verstorbene 
Henri de Waddington. 

2) Quod scribendi genas, nisi Veneres Charitesque calamum ducant, 
quäle Begero numquam adfulsisse videntur, obscuram mobstarnque efficit ora- 
tionem: Eckhel D. N. I Proleg. CLV1I. 



Zur Geschichte des Studiums der Numismatik. 



257 



der Methode und gewissenhafter Forschung unerreicht geblieben. 
Das von Harduin und Pellerin angebahnte System zur Ein- 
teilung der antiken Münzen ist hier zum ersten Mal consequent 
durchgeführt, dass bei den griechischen Münzen die gesammten 
Prägungen Hispaniens, Galliens, Britanniens, Africas und des 
alten Orients mit einbegriffen werden, ebenso wie diejenigen 
Italiens, wogegen als römische Münzen zusammengefasst wird 
die im Namen des römischen Staats in und ausserhalb Roms in 
republikanischer Zeit und in der Kaiserzeit geübte Prägung. 
Die Vertheilung der griechischen* Münzen, in dem hier gegebenen 
Sinne ist dann wieder eine geographische 1 ), die der Münzstätten 



Bo8- 



1) Eckhel unterscheidet yier grosse in sich geschlossene Gebiete: 
West-Europa, Ost-Europa, Asien, Africa, die in folgender Weise angeordnet 
werden: 

Asien 

Kimmerischer 
porös 

Pontus 

Paphlagonien 

Bithynien 

Mysien 

Troas 

Aeolis 

Lesbos 

Ionien und vorliegende 
Inseln 

Karien und vorlie- 
gende Inseln 

Lykien 

Pamphylien 

Pisidien 

Kypros 

Lydien 

Phrygien 

Galatien 

Kappadokien 

Armenien 

Syrische Könige 

Im Catalogue of greek coins of the British Museum wird nur darin 
Ton Eckhel abgewichen, dass Euboea anmittelbar an Boeotien angeschlossen 
ist. Bei der engen Beziehung, in welcher beide Landschaften zu einander 



West-Europa 

Hispanien 

Gallien 

Britannien 

Germanien 

Italien 

Sicilien 
Ost-Europa 

Taur. Ghersonnes 

Sarmatien 

Moesien 

Thracien 

Makedonien 

Thessalien 

IUyricum 

Epirus 

Korkyra 

Die mittelgriechischen 
Landschaften 

Peloponnes 

Kreta 

Euboea 

die kleineren Inseln 
des Archipelagus 



Kommagene 
Palmyrene 
Seleuki8 
Goelesyrien 
Trachonitis 
Dekapolis 
Phoenicien 
Galilaea 
Samaritis 
Judaea 
Arabien 
Mesopotamien 
Parthien 
Persien 
Baktrien 
Afrika 
Aegypten 
Cyrenaica 
Syrtica 
Zeugitana 
Numidien 
Mauretanien. 



258 R. Weil: 

in den einzelnen Ländern eine alphabetische; die Königsreihen 
sind hinter den Reihen der Städtemünzen untergebracht. Bei 
den römischen Münzen werden gesondert republikanische und 
Kaiserzeit; in jener stehen voran die älteren Reihen ohne Be- 
amtennamen, ihnen folgen die sogenannten Familienmünzen alpha- 
betisch; die Kaisermünzen werden chronologisch nach den Re- 
gierungen geordnet, in sich dann nochmals soweit dafür die 
Titulaturen in den Beischriften ausreichen nach Jahren, wogegen 
die hiernach nicht einzuordnenden jedes Mal an den Schluss ge- 
stellt werden als nummi vagi. Die Bedeutung von Eckhels System, 
das man nicht mit Unrecht dem seines grossen Zeitgenossen 
Linn6 verglichen hat, erhellt schon daraus, dass alle grösseren 
Münzsammlungen heute nach ihm geordnet sind, die Kataloge 
der einzelnen Sammlungen es befolgen, und die weitere numis- 
matische Literatur sich ihm hat an$chliessen müssen. Leake's 
Versuch, dasselbe zu vereinfachen, wie er in den Numismata 
Hellenica zur Anwendung gekommen ist, und in der ehemals 
ihm gehörigen jetzt in Oxford befindlichen Sammlung, hat sich 
als recht verfehlt erwiesen, ebenso aber haben auch Versuche, 
noch strengere geographische oder chronologische Gruppen zu 
bilden, jedesmal der Übersichtlichkeit geschadet. Durch Eckhels 
grosses systematisches Werk ist das nur sieben Jahre früher 
erschienene, mit grossem Fleiss aber unkritisch als Compilation 



stehen, und bei der bis heute noch nicht völlig zum Austrag gekommenen 
Frage, ob von den sog. Wappenmünzen, die gegenwärtig fast durchgängig 
Euböa zugewiesen werden, nicht doch noch eine Reihe Athen zufallen kann, 
mag sich diese Abweichung rechtfertigen lassen. Derjenige Punkt der Eck- 
helschen Anordnung, gegen welchen« sich das stärkste Bedenken erhebt, ist 
nicht hier bei Euböa, sondern darin, dass der antiken Anschauung zu Liebe, 
welche die Grenze zwischen Europa und Asien durch den Tanais bildet, die 
kimmerische Halbinsel zu jenem geschlagen wird, die Küste von Phanagoria 
aber bereits zu Asien. Will man einmal an Eckhels Anordnung ändern, so 
empfiehlt es sich mit dem Borysthenes abzuschliessen, und die Taurische Halb- 
insel mit Asien zusammen zu fassen, wodurch zunächst die gegenwärtig be- 
stehende Trennung der Städte des Bosporanischen Reichs aufhört, und diese, 
welche mit Olbia, Odessos jederzeit nur in unbedeutender Beziehung in um 
so engerem Zusammenhang aber mit den Städten an der Südküste des Pontes 
gestanden haben, auch äusserlich mit diesen vereinigt werden. 



Zur Geschichte des Studiums der Numismatik. 259 

gearbeitete Lexikon Christoph Rasches antiquirt, nachdem es 
eben erst zum Abschluss gebracht war. 

In Italien hat der Eifer, Sammlungen anzulegen, jederzeit 
noch Befriedigung gefunden, die wissenschaftliche Beschäftigung 
mit den Münzen aber ist vielleicht grade dadurch und durch die 
mit Vorliebe betriebenen antiquarischen Studien in den Hinter- 
grund gedrängt worden. Nach Paruta hat der Princ. Torremuzza 
die Münzen seines Vaterlandes Sicilien einer umfassenden Be- 
schreibung unterzogen. Weitaus der thätigste italienische Numis- 
matiker war Domenico Sestini, der eine stattliche Reihe von 
Arbeiten bis zum Jahre 1830 veröffentlicht hat; ein jüngerer 
Zeitgenosse Eckhels, hat er in der Revolutionszeit und während 
der Napoleonischen Herrschaft ein vielbewegtes Wanderleben 
geführt, und alle grösseren Sammlungen allmählich kennen gelernt. 
Seine in ihrer Masse schwer übersichtlichen Werke leiden oft 
an Flüchtigkeiten der Beschreibungen, irrigen Lesarten u. a., 
ebenso oft hat er aber auch den richtigen Weg gewiesen 1 ). Von 
den Neueren müssen noch Garelli und Cavedoni erwähnt werden 
und, ihnen bei weitem überlegen, der Principe Borghesi, der 
treffliche Kenner der römischen Epigraph ik und Numismatik, der 
freilich nie dazu gekommen ist, in grösserem Zusammenhang zu 
arbeiten. Ihm und Cavedoni gebührt das Verdienst, durch sorg* 
same und genau beobachtende Beschreibung der Funde von 
Münzen aus der Zeit der römischen Republik diese Reihen all- 
mählich in ein chronologisches System gebracht zu haben, das 
dann von Theodor Mommsen weiter ausgebaut und erst zu seiner 
vollen Verwerthung gebracht worden ist. Die relativ grosse 
Sicherheit, welche wir heute für die Datirung der einzelnen Reihen 
der Familienmünzen gewonnen haben, ist in erster Linie durch die 



1) Friedlaender, Berliner Bl. f. Mflnz- Siegel- and Wappenkd. IV 16: 
'Unter all den zahllosen Manien, welche er in seinen Werken beschrieben, 
ist, wie ich glaube, keine, die sich nachher als Werk eines Falschers er- 
wiesen hatte'. Diese Worte Friedlaenders, der Sestini's Flüchtigkeiten selbst 
sehr scharf rügt (s. a. 0. S. 19—28) bleiben beachtenswerth, zumal heute, 
wo man sich daran gewöhnt hat, Sestini eigentlich nur mit Geringschätzung 
zq behandeln. 



260 R - Weil: 

zahlreichen Beschreibungen der innerhalb und ausserhalb Italiens 
gemachten Münzfunde erlangt worden, eine Arbeit, die im Ge- 
biet der griechischen Numismatik mit verschwindenden Aus- 
nahmen 1 ) — eine umfassende Verwerthung der Funde hat bisher 
nur bei den baktrischen Münzen stattgefunden — leider noch fast 
ganz vernachlässigt geblieben ist. Hier eine Besserung zu 
schaffen, wäre eine würdige Aufgabe für unser Deutsches Archaeo- 
logisches Institut in Athen, und ihm kann dieselbe nicht ange- 
legentlich genug empfohlen werden. 

In England, wo die Sammlung des Britischen Museums 
erst seit Anfang dieses Jahrhunderts ihre stetig wachsende Be- 
deutung gewonnen hat, sind es die reichen im Privatbesitz be- 
findlichen Sammlungen, an welche das Studium der Numismatik 
sich anknüpft. Der bedeutendste englische Numismatiker des 
18. Jahrhunderts ist Charles Gombe, der die reiche Sammlung 
des Anatomen Hunter in Glasgow beschreibt, dann Payne Enight 
am Britischen Museum. Oberst Leake, der treffliche Topo- 
graph, hat theil weise während seiner Reisen sich eine reiche, 
heute in Oxford befindliche Sammlung griechischer Münzen 
angelegt, und vielfach mit Glück sich der Münzfunde auch 
zu seinen topographischen und geographischen Arbeiten bedient. 
Weiter sind hier noch zu nennen, Ackerman, der Begründer 
des Numismatic Chronicle, und namentlich William Borrell, 
der lange Zeit als englischer Consul in Smyrna gelebt hat, und 
dessen Arbeiten, in den ersten Serien des Numismatic Chronicle 
veröffentlicht, nicht nach Gebühr gewürdigt worden sind. 

Heute stehen sich die grossen öffentlichen Sammlungen, das 
Gabinet de mödailles in Paris, das einen Theil der Bibliothöque 
nationale bildet, in London das Münzkabinet des Britischen 
Museums, und in Berlin das Münzkabinet des Königlichen Mu- 
seums wohl ziemlich gleichwertig einander gegenüber. Von 
ihnen reicht das Pariser Eabinet mit seinen Beständen am wei- 
testen zurück, während die Londoner Sammlung zu Anfang dieses 

1) Hierher gehören die Arbeiten von Arth. J. Evans Qber Tarent 
(Num. Chron. 1889) und über Syrakus (Num. Chron. 1890 and 1891). 



Zur Geschichte des Studiums der Numismatik. 261 

Jahrhunderts ihren Aufschwung genommen hat, und die Berliner 
erst unter der umsichtigen Leitung Julius Friedlaenders ihre 
Bedeutung gewonnen hat. Friedlaender hat die durch das Jahr 
1870 geschaffenen den Kunstbestrebungen günstigen Verhältnisse 
zu verwerthen gewusst, um die beiden grössten Privatsammlungen 
Europas, die des englischen Generals Fox und die des öster- 
reichischen Diplomaten v. Prokesch-Osten zu erwerben, später 
noch die für die orientalischen Münzen vielleicht nicht minder 
wichtige Sammlung Guthrie'). Den drei genannten Kabineten 
am nächsten steht die Kaiserliche Sammlung in Wien, dann 
München, wo schon die alten kunstliebenden Kurfürsten ge- 
sammelt hatten, und der spätere König Ludwig I. als Kronprinz 
reges Interesse bewies, so dass die ältere Sammlung Cousin&y 
dort angekauft werden konnte, ferner die Sammlung in der Eremi- 
tage zu Petersburg, Koppenhagen, Gotha, Dresden. 

Der ergiebige Boden Italiens und unter den Provinzen der 
Westhälfte des römischen Reichs ihm am nächsten kommend der- 
jenige Galliens hat frühzeitig das Material für die römische 
Numismatik in ungleich grösserer Vollständigkeit zugänglich 
machen helfen, als es für die griechische Numismatik der Fall 
war. Von der letzteren zeigen die Sammlungen des 16. und 
17. Jahrhunderts zumeist, was ihnen Italien und Sicilien lieferte, 
diese beiden Länder allerdings in reichem Masse. Nach Osten 
hin ist Achaja dem Handel der Venetianer immer zugänglich 
gewesen, zeitweilig auch in ihren Besitz gelangt, ebenso Kreta 
und Cypern und die Küstenstriche der Levante; in den Münz- 
beständen der Sammlungen lässt sich die Einwirkung dieser 
Handelsbeziehungen um jene Zeit schon erkennen. Wie die 
Kenntniss von Makedonien und Thracien erst in diesem Jahr- 
hundert durch einen intensiver betriebenen mercantilen Verkehr 
und häufigere Bereisung des Landes erweitert worden ist, so 

1) Über die Geschichte der Berliner Sammlung Tgl. besonders : Zur 
Geschichte der Königlichen Museen in Berlin. Festschrift s. F. ihres fünf« 
rigj. Bestehens. BerL 1880. S. 5 ff. S. 185, wo Friedlaender dieselbe am 
eingehendsten behandelt hat. 

S«iUekrift ftr lfunaim*tik. XIX. ]£ 



262 R. Weil: Zur Geschichte des Studiums der Numismatik. 

hat auch die Auffindung neuer Münzreihen und ausgiebige Ver- 
mehrung der früher bereits bekannten damit Schritt gehalten. 
Der in Saloniki als französischer Generalconsul lebende Cousinäry 
hat sich hierum besonders verdient gemacht; aber noch bis in 
die jüngste Zeit sind hier Münzen bisher unbekannter Dynasten 
und unbekannter Städte aufgetaucht. In noch auffälligerer Weise 
ist die allmählich vor schreit ende Erschliessung Kleinasiens der 
Numismatik zu Gute gekommen, hat sich doch die Zahl der 
dortigen Prägstätten fast noch alljährlich vermehren lassen. 
Seitdem die Engländer sich im Fendschab festgesetzt haben und 
ihre Heereszüge in das obere Kabulthal eingedrungen sind, und 
von Norden her russische Reisende 1 ) in diese Gegenden gelangen, 
hat auch dieses entlegenste Gebiet griechischer Kultur, das alte 
baktrisch-indische Reich, mit seinen Königsreihen in der antiken 
Münzkunde seinen Platz gefunden, die in diesem Falle sogar 
zur Hauptquelle für die Geschichte dieser Länder während der 
Jahrhunderte nach Alexander dem Grossen geworden sind. Ähn- 
lich verhält es sich mit den von griechischer Kultur wenigstens 
noch berührten Himjariten in Yemen, und den Axumiten in 
Abyssinien. Damit sind denn aber auch zugleich die Grenzen 
erreicht, innerhalb welcher einst der griechisch-römische Handels- 
verkehr sich ausgebreitet oder wenigstens mittelbar wirksam er- 
wiesen hat. 



1) Mit dem raschen Vordringen der russischen Heere in Mittelasien 
und gegen den Hindukusch haben die Handelsbeziehungen bisher offenbar 
noch nicht Schritt halten können. 

Rudolf Weil 



Zwei Bücher aus der Görlitzer Münze. 



In der Abhandlung „Die Münzen der Stadt Görlitz" im 
XVIII. Bande dieser Zeitschrift habe ich S. 61 dargethan, 
dass die Stadt Görlitz — einen schwachen Versuch etwa um 
1430 abgerechnet — erst im Jahre 1448 das Prägen von Pfennigen 
and Hellern ernstlich wieder aufnahm und dass zwei handschrift- 
liche Bücher noch vorhanden sind, welche uns ziemlich ausführ- 
liche Kunde über die Thätigkeit der Münze in der Zeit von 
1450 bis 1469 geben. 

Diese beiden, in Schweinsleder gehefteten Bücher befinden 
sich im Handschriftenschranke der Oberlausitzischen Gesellschaft 
der Wissenschaften. Das kleinere, L H 284, welches wir der 
Kürze wegen A benennen wollen, ist 12 cm breit, 30 cm hoch 
und 2 cm dick. Eine Aufschrift trägt es nicht, statt derselben 
sind auf dem Umschlage vier auf die Münze bezügliche Notizen 
vermerkt, welche durch ein Doppelkreuz wieder durchstrichen 
sind. Es enthält 73 Blatt, grösstenteils beiderseitig beschrieben, 
manche Seiten sind leer geblieben. Verschiedene Zettel, welche 
meist nur zufällig an ihren gegenwärtigen Ort gekommen sind, 
liegen lose darin, sind aber sorgfältig paginirt. 

Das grössere Buch — B — (L I 268) ist 22 cm breit, 32 cm 
hoch und reichlich 2 cm dick, enthält 98 Blatt und eine Einlage 
von 13 Blatt mit meistens wieder durchstrichenen Notizen. Es 
trägt die Aufschrift 

Liber rationum eorum que in monetam praesentantur et 

a monetario percipiuntur. 
Dii vertant bene. 

18* 



264 R- Scheuner: 

Darunter stehen zwei Verse mit Unterschrift, welche nur 
theilweise und so schwach lesbar sind, dass zunächst die Ent- 
zifferung Schwierigkeiten bereitete. Sie sind genommen aus 
Horatius und lauten: 

Inter spem curasque timores inter et iras 
Semper crede diem tibi diluxisse supremum. 

Oratius poeta. 

Die Schrift dieses Buches ist sauber und schön. Es ist die 
Reinschrift eines Tagebuches über die Münze und enthält nähere 
Angaben über ihre Thätigkeit in den Jahren 1460 bis 1469. 

Das kleinere Buch A, welches mit dem Jahre 1450 beginnt, 
ist seinem Inhalte nach verschieden von dem vorigen; denn es 
ist eine Art Handbuch zu der Kasse, welche in der Münze be- 
sonders geführt wurde, und enthält als solches in buntem Durch- 
einander ins Unreine geschriebene Anmerkungen von Zahlungen, 
Geldverleihungen, Gutschriften u. s. w., welche, nachdem sie in 
die verschiedenen Bücher übertragen waren, durchstrichen wurden, 
wie es schon aussen auf dem Einbanddeckel zu sehen ist. 

Höchst mannigfaltig sind die Notizen des Beamten der 
Münze in diesem Buche. Es werden Zahlungen für die verschie- 
densten Zwecke geleistet; Vorschüsse gegeben auf Tuchlieferungen 
und auch ohne besondere Unterlage; Beiträge gezahlt zu Bauten, 
z. B. der Basteien und der Frauenkirche, und Zinsen entrichtet 
für die Stadt. 

Dahingegen wurden der Kasse auch wieder namhafte Beträge 
geliehen, wenn grössere Summen für den Silberkauf nöthig waren. 

Den ganzen Inhalt in seinen Einzelheiten hier aufzuführen, 
würde ermüden und dem Zwecke dieser Arbeit fern liegen; für 
uns handelt es sich hauptsächlich darum, alles dasjenige aus den 
Büchern zu benutzen, was irgendwie auf die Münze Bezug hat. 

Wir sehen aus den Aufzeichnungen, wie der Bath der Stadt 
Görlitz von Zeit zu Zeit beschliesst, die eigene Münze wieder 
in Thätigkeit zu setzen, wie er vier Herren zu Verwaltern der- 
selben ernennt, wie er den Münzmeister anstellt und mit ihm 
den Vertrag macht, und wie die Münzmeister heissen. 



Zwei Bücher ans der Görlitzer Münze. 265 

Wir erfahren, dass die „alten guten" Görlitzer Pfennige 
b% löthig ausgebracht waren, dass man aber bald zu 4 Loth und 
schon im Jahre 1465 zu 3^ Loth überging, ja sogar 31öthige 
Pfennige prägte. Wir vernehmen weiter, wieviel Metall vermünzt 
wurde und wieviel geprägtes Geld zur Ablieferung gelangte, so 
dass man jetzt eine Vorstellung davon hat, welche Bedeutung 
damals die Münze für die Stadt hatte. Wir bekommen ferner 
einen Einblick in die Rechenkunst unserer Vorfahren, welche 
in ihren Exempeln nicht immer das Richtige trafen, sich aber 
oft mit dem Ungefähren begnügten, manchmal vielleicht auch 
aus Bequemlichkeits-Rücksichten. 

In dem kleineren Buche A finden wir leider für die Zeit 
von 1450 bis 1459 keinen zusammenhängenden Bericht über 
die Thätigkeit der städtischen Münze, und es ist wohl anzunehmen, 
dass man nach 1452 wenig oder gar nicht mehr geprägt hat 
bis zum Jahre 1460, wo der Rath, die Ältesten und Geschwore- 
nen „rats und ein tf wurden, mit dem Münzen wieder zu beginnen. 
Das erste Blatt des Buches B erzählt uns hiervon wie folgt: 1 ) 
Anno dm. millesimo sexagesimo, sabbato post Valentini 
(16. Februar 1460) als der rat, eldestin vnd gesworne wider 
zcu monczen anzcuhebin rats vnd ein wurden sein vnd sich 
mit meister Hansze monczemeister vortragen, das man em von 
der gemoncztin gewegin mr. 4 gr. (erst waren 2^ gr. ange- 
setzt, welche wieder durchstrichen und durch 4 ersetzt sind}-. 
zcu slegeschaczt adir zcu lone gebin (sal durchstrichen) vnd 
her allin abegang tragin sal im fewer vnd an weissen. 

Item allin abegang, den man meister Hansze berechnit, 
sal er an sinem lone ye vor die gewegene mr. 1 mr. gr. 
abegehin lossin. 

Item meister Andres, goldsmeide, von den moncziszin 

zcu grabin, ye von der gemoncztin mr. 1 ^ 

Item meister Petir Behmischem, smeide von den eiszen, 



*) SAmmtliche Zahlen sind im Original durch kleine römische Buch- 
staben ausgedrückt, Ton mir aber in arabischen Zahlreichen wiedergegeben. 



266 R» Scheuner: 

zsu machin dos restin, von den stöcklein adir vndereiszen 

von sinem stole vnd eiszen, ye von einem newe gemacht 4 gr. 
Item von den vnder stäcklein, die er wider zcusampne 

stosst, vnd von sinem eissen steht, ye von einem 2 gr. 
Item von den obireiszen von vnszin eisen vnd sinem 

stole newe gemacht, ye vom eiszen 1 gr. 

Item von denselbien obireiszen, die er von vnszin eiszen 

irstosst vnd von sinem stole stelit, ye abir vom eisin 1 gr. 
Item von den obireiszen, die er dirstoszt und nicht newe 

stelit, von zween 1 gr. 

Bevor dieser Meister Hans verpflichtet wurde, verwaltete 
Niclas oder Niclus das Münzmeisteramt, aber er mag der Stadt 
zu theuer geworden sein; denn er bezog, wie auf der Innenseite 
des Schweinslederdeckels am Ende des Buches A zu lesen ist, 
7 gr. Lohn von der gemünzten Mark. Aus obigen Mittheilungen 
sieht man, dass man bei Meister Hans es erst mit 2 1 /» gr. ver- 
sucht hat, ihm aber doch 4 gr. gewähren musste. Von diesem 
Lohn musste er sich die nöthigen Münzgesellen halten, denn es 
ist nirgends von einem Lohn der Arbeiter die Bede. Dass dieser 
Satz aber ein sehr hoher war, werden wir weiter unten sehen. 

Schon am 18. April 1461 tritt ein neuer Münzmeister, 
Merten Heyderich, auf, wahrscheinlich erst nur vertretungs- 
weise für Hans. Letzterer erscheint am 16. September 1461 
wieder und waltet bis Mitte des folgenden Jahres, aber am 
10. Juli 1462 wird 

Merten Heyderich czu eynem munczmeister uffgenommen 

in allir mosze vnd forme, alsz meister Hanns vor im ge- 

orbeitet hat am lone vnd erbeit, vnd im am selbien tage 

zcu gissen vnd abegespeiset geantwort 213 mr. gewegin 

breslisch gewichte. 

Sein Lohn sollte wie das des Hans sein, wurde aber so- 
fort beim ersten Gusse mit i l / 2 gr. abgerechnet. 

Dem Münzmeister waren vier Herren Verwalter, auch 
Herren von der Münze genannt, vorgesetzt, deren Verpflich- 
tung wir aus einem Zettel bei S. 17 und weiterhin aus S. 52 b 



Zwei Bacher aus der Görlitzer Münze. 267 

des Baches A ersehen. Auf dem Zettel, welcher ein Entwurf 
war, da wohl das Jahr, aber nicht das Datum ausgefüllt ist, 
heisst es: 

anno dm. etc. Ix j ° am 

alß denne der rat die moncze vnd wechsil zcu vorwesin ern 
Seiffrid Goswin, Andrews Canitze, Bartholo. Hersberg vnd 
Joh. Bebirstein hat entpholin, habin en die camerer berechnid 
ynd an guten gr. bemisch, misnisch, phenigen, hvngarisch 
vnd andir pagament bereit vnd ane alle schuld geantwort 
1074 ß. 35 gr. vnd der stat arm vnd reich czu gute handeln 
vnd orbarn sallin vnd wollin, doch was jn bruch worde, an 
den rat vnd cameren zcuflucht habin, die en ouch gerne 
helffin vnd rathen wollin. 

An der anderen oben erwähnten Stelle revidiren die Ver- 
walter am 16. Februar 1461 die Bestände in der Münze, wobei 
Urban Emerich, Bürgermeister, Andrews Ganitz, Kämmerer, Gre- 
gorius Selige und Seiffrid Goswin genannt werden. Wahr- 
scheinlich waren sie die Vorgänger der eben erwähnten Verwalter, 
zwei blieben in ihrem Amte, die anderen wurden neu dazu 
gewählt. 

Diese Herren Verwalter besorgten den Einkauf des Silbers 
und Kupfers, des Weinsteins, der Eisen u. s. w. und wogen dem 
Münzmeister das Metall in dem richtigen Verhältniss zu jedem 
Gusse ab. Ich lasse das, was auf S. 3 des Buches B geschrieben 
steht, hier wörtlich folgen. Es ist die erste „Abspeisung" 
des Meister Hans, und so wie diese sehen alle folgenden aus, 
eine Seite gleicht der anderen, nur die Daten und Zahlen sind 
verschieden : 

Item sabbato post Valentini meister Hansze, monczemeister 
geantwort vnd zcum dritten abegespeisst 

5527s mr. gewegin. 

Item dorusz an czenen gegossin 540 mr. gewegin. 

Item an prüfe zcenlein geantwort 4 scot. 

Item restat das im fewer abegegangin, im tegel vnd herde 

blebin ist 12 7s mr. minus 4 scot. 



268 R- Schenner: 

Item an gemoncztem gelde vnd geweist geantwort sabbato 
post Kathedram Petri 97 mr. r/2 scot gewegin. 

Item eidem an seinem lone eodem die 1 mr. gr. 

Item hat her geantwort am dornstage vor Invocavit 

33 mr. minus 3 scot gewegin. 
Item sabbato ante Invocavit an gemoncztem geld geantwort 

98 mr. gewegin. 
Item meister Hansze uff sein loen 2 ß gr. eodem die. 
Item abeschroth geantwort feria quinta post Invocavit 

44 mr. 3 scot 

Item geantwort an gemoncztem gelde 13172 mr. gewegin. 

Item an gemoncztem gelde geantwort 11972 mr. 472 scot. 

Item abescrot 472 mr. r/ 2 scot. 

Summa des gemoncztin geldes 479 mr. 3 scot. 

Item douon meister Hansse von gemoncztim gelde zcu lone 

ye von der gewegin mr. 4 gr., facit, so man den abegang 

nemlichin 2472 mr. 7« scot - abeczewhit, 15 mr. 20 gr. 

vnd ist beczalit mit den 372 mr. abgeschrebin. 

Item meister Andres goldsmeid von dem gemoncztin gelde 

dicz gosses von eisen 1 ß 8 gr. 3 ^ 

Wie in dieser Zeitschrift a. a. 0. gesagt worden ist, berichten 

die Bathsrechnungen des Jahres 1449 von der ersten Ein- 

lieferung neu gemünzter Pfennige im Betrage von 270 Schock. 

Davon steht in dem kleinen Buche nichts, erst 1450 fanden wir 

die erste Zahlung neu gemünzten Geldes in „das Wechsel". 

S. 9 A heisst es: 

Item an der mittwochen vor phingistin hat uns meister 
Niclus geantwort gemoncztis geldis an der woge nemlichin 
an dreien wogen, das hat gewegin 150 mr. 
Am 22. Mai antwortet er 7 wogen, itzliche woge 50 mr., 

also 350 mr. 

und noch 12 „ 

am 23. Mai 150 „ 

und an „weiss Geld" 10 „ 



in Summa 672 mr. 



Zwei Bacher aas der Görlitzer Münze. 



269 



Summa des geczaltin geldis us alle den wogen facit VI c x ß gr. 
Die gewogene Mark enthielt also 54 ! /s gr. 
Femer lieferte der Münzmeister Niclas am 30. Mai 45 mr. 
weiss geld, welche aufgezählt 51 mr. 17 gr. (etwa 54 3 / 4 auf die 
mr.) ergaben. 

Ferner am 6. Juni 118 mr. 12 skot, an Gelde macht es 
133 mr. 19 gr. (etwa 54 gr. auf die mr.). 

Am 13. Juni lieferte Niclas an Pfennigen 100 mr. 

» 20. „ „ n v * 50 „ 

» 27. „ „ „ „ „ 38 „ 

„ 10. Juli „ „ „ 100 Ä 

* 24. v v » » » 460 „ 

„ 22. August „ , „ 272 B 

m 22. „ „ 9» an Hellern 55 „ 

Wir finden zunächst wieder im Jahre 1452 Aufzeichnungen 

über die Leistungen der Münze und zwar auf das Genaueste, 

wie die nachfolgende Übersicht uns zeigt: 





Gewicht des 


Gemünztes 






Probe- 




Silbers 


^m « * 


Ab8chrot 


Abgang 


• 




und Kupfers 


Geld 






zaine 




mr. 


•k. 


qu. 


mr. 


sk. 


qu. 


mr. 


■k. 


qu. 


mr. 


•k. 


qu. 


mr. 


•k. 


qu. 


4. Mai . . . 


149 


12 


__ 


135 


1 


__ 


9 


16 


_ 


4 


23 


__ 


__ 


4 


__ 


13. , ... 


271 


20 


— - 


249 


21 


2 


11 


15 


— 


10 


3 


— 


— 


4 


2 


1. Juni. . . 


337 


— 


2 


307 


7 


2 


16 


9 


— 


12 


23 


1 


— 


8 


3 


17 


418 


16 


2 


370 


1 


— 


32 


6 


— 


16 


— 


3 


— 


8 


3 


11. Juli . . . 


375 


15 


— 


346 


5 


— 


15 


16 


— 


13 


10 


— 


— 


8 


— 


3. August . 


339 


12 


— 


298 


7 


2 


29 


15 


— 


11 


4 


3 


— 


8 


3 


23. , . 


397 


21 


— 


369 


5 


— 


14 


15 


— 


13 


19 


2 


— 


5 


2 


26. Septr. . . 


316 


4 


2 


285 


21 


— 


18 


12 


— 


11 


13 


— 


— 


6 


2 


25. Oktbr. . 


438 


7 


— 


185 


— 


— 


242 


3 


— 


10 


— 


— 


— 


6 


1 


10. Novbr. . 


221 


12 


— 


181 


9 


— 


28 


13 


2 


11 


12 


— 


— 


3 


2 



Alle diese Posten sind wieder kreuzweise durchstrichen, 
jedenfalls also ins Beine in das wirkliche Münztagebuch über- 
tragen. 

Im Ganzen wurden in diesem Jahre vermünzt 
3266 mr. 2 quart, welche 

2728 mr. 6 skot 2 quart Geld nach der Wage ergaben, 
also 83 1 /, %. 



270 



R. Scheuner: 



Bei dem dritten Gusse tritt Münzmeister Hans auf und bleibt 
bis zu Ende des Jahres. 

Danach lesen wir von ihm nicht mehr bis 1460, in 
welchem Jahre er, wie wir oben sahen, aufs neue verpflichtet 
wurde. Es wurde nun wacker gemünzt, wie nachstehende 
Übersicht zeigt. 



Im Jahre 




Üb ergebenes 


Gemünztes 


In Pro- 


Münz- 




Metall 


Geld 


zenten 


meister 


1460' 


10 mal 


5878 mr. 


4866 


mr. 


(8270 


Hans 


1461 


18 „ 


5326 , 


4607 


» 


(8670 


Hans u. 
Merlin 












abwechselnd 


1462 


5 , 


1364 , 


1182 


n 


(8670 


Mertin 


1463 


9 * 


1917 „ 


1718 


» 


(8970 


r> 


1464 


19 * 


4234 „ 


3835 


» 


(9070 


r> 


1465 


12 , 


5330 „ 


4887 


n 


(9170 


n 


1466 


8 * 


4108 „ 


3801 


» 


(9270 


» 


1467 


23 , 


8151 „ 


7458 


» 


(9170 


» 


1468 


17 , 


11103 „ 


10038 


» 


(9070 


. ') 



1469 wurde nur einmal gemünzt, die Reinschrift nimmt we- 
nigstens hier ein Ende. 

Das Jahr 1468 lieferte den höchsten Betrag, 10038 Mark 
in Pfennigen und Hellern, wovon dem Münzmeister ein Schlage- 
schatz von rund 940 Mark zufiel, ein nahmhafter Betrag in da- 
maliger Zeit 2 ). Die Ergebnisse der Münze verbesserten sich 
unter seiner Leitung sehr und stiegen 1468 auf 927s £> während 
Münzmeister Hans es nur auf etwa 83% brachte. 

Auf den lose in den Büchern liegenden Zetteln sowohl, wie 
auch in dem Buche A selbst, finden sich eine Menge Notizen, 



1) Das Kalendarium necrol. fratr. minor, conventus Görlitz (script. rer. 
Lus. N. F. I, 268) berichtet von seinem Tode: 

Ao. dni 1477 obijt Martinas monczemeister hie sepultus. 

2) Um über die Grosse der Summe sich ein Bild zu machen, sei be- 
merkt, dass der Brauhof Nr. 1, einer der grössten in Görlitz, welcher in 
Händen des Georg Emerich war, in den Steuerbüchern der damaligen Zeit 
mit achthundert Mark eingeschätzt war. 



Zwei Bücher aus der Görlitzer Münze. 271 

Berechnungen, Legi er ungsan Weisungen u. s. w., die eine 
nähere Betrachtung verdienen. 

Zunächst giebt der Schreiber eine Übersicht aber den Silber- 
gehalt der damals kuranten Groschen, wie bereits S. 288 
des XVII. Bandes dieser Zeitschrift mitgetheilt. Daran schliessen 
sich Berechnungen, um zu ermitteln, wieviel Groschen von 
dieser oder jener Sorte ein Skot Feinsilber enthalten. 
A2l dorn. etc. Ixv2i 
Item uff eyn ß roseler gr. 
Item uff dy breflichsse mr. get roseler 1 ß gr. vnd 10 gr., 

daz uff gelt dor uff facit 50 gr. minus 1 ph. (letzteres 

wieder ausgestrichen). 

Summa hiuon facit uff dy mr. 2 ß minus 1 ph. So bot 

dy mr. 9 lod, dy machin 137a schot, so wer daz schot an 

der mr. vor 9 gr. vnd wer abir al nicht meheer wenne 

11 7s ph. neer, also wer der gr. vor 127s ph. vnd daz ß 

6 ph. hoer. 

Rechnet man 1 Skot = 9 gr., so sind 137s = 121 7s gr. 

In Wirklichkeit hält die Mark aber nur 2 ß — 1 £ = 120 gr. 

— 1 ^. Der Unterschied beträgt also 1 gr. 4 1 /» ^ oder 117s d- 1 ) 

Anno dorn. etc. lxvJL 

Item dy creucze gr. uff das schock 30 gr., so ist dy 

mr. 6 Schill, gr. sweer, so machit das uff gelt uff dy mr. 

36 gr., also hat dy mr. 8 lod Silber, facit 12 schot, also 

wer das schot vor 9 gr. an der mr. 

Das Schock alter, schwerer böhmischer Groschen wog soviel 
wie 17s Schock Kreuzgroschen. Auf die Mark kamen also 72, 
rechnet man dazu 36 Gr. Aufgeld, so erhält man 108 gr. oder 
auf ein Skot 9 gr. 3 ). 

Nun folgen Anweisungen, mit wieviel Kupfer diese oder 



1) Es werden in den Büchern stets 7 Pfennige, aber bald 15, bald 14 
HeUer auf einen Groschen gerechnet. 

2) Von diesen und den veiterfolgenden Berechnungen ist eine grosse 
Anzahl in dem Buche A zu finden. Ausfuhrliches darüber cf. Neues Lausitzer 
Magazin Bd. 69, 6. 231 ff. 



272 R* Scheunen 

jene Munzsorte abgespeist werden soll, um die richtige Mischung 
für die Görlitzer Pfennige zu erzielen. 

Item abe czu speissen dy mr. behemischer gr. czu yirden 
teil, so hat dy mr. 9 lod silbir, facit 13 ! /s schot Dornff 
gehorit 30 schot cupphir. 

Eine Mark böhmischer Groschen soll „zu vierten Theil", 
d. h. so abgespeiset werden, dass die Mischung */< Mark oder 
4 Loth Silber enthält. Eine Mark böhmischer Groschen 

hat am Korn 9 Loth oder 13 7« Skot Silber, 

zugleich aber auch ... 7 „ „ 10 7s » Kupfer, 
hierzu thut man .... 30 „ „ 

und erhält im Ganzen 54 Skot, woraus 

sich 4 Loth auf die Mark ergeben. 

In gleicher Weise werden Vorschriften gegeben für die Ver- 
wendung der guten schwarzen Pfennige, welche 57*löthig waren, 
der 81öthigen Kreuzgroschen, der 71öthigen „gemeinen" Groschen, 
der guten alten Schwertgroschen, Röselgroschen, preussischen 
Schillinge u. s. w. Einige dieser Recepte lauten auf 4 löthige 
Legierung, die meisten aber auf ein geringeres Korn bis zu 
3 Loth herab. Letztere sind, wie aus dem Guldenkurse hervor- 
geht, nach 1465 niedergeschrieben. 

Weitere Berechnungen beziehen sich auf den Preis des 
Silbers und ermitteln, wie hoch ein Skot auskommt. 

Item dy breslische mr. silbir vor 4 l /a gülden und 7s ort 

vnd y den gülden vor 50 gr. gerechnit meysnische gr., queme 

y daz schot silbir vor 9 Vi gr. vnd dy mr. 3 gr. 37s heller 

höer. 

4V.X60-^-9«/. 

97, x 24 = 228, also 37 4 gr. Unterschied. 
Item dy mr. silbir breslisch gewichte y dy mr. vor 47s 
vng. guldin vnd y den guldin vor 47s Schillinge gr., also 
wer y das schot silbir vor 10 gr. vnd dy mr. 3 gr. vnd 
1 heller hoeer. 
54 gr. X 47s = 243 gr. — Rechnet man 1 Skot zu 10 



Zwei Bacher aus der Görlitzer Münze. 273 

Groschen, so macht es auf die Mark 240, also 3 Groschen zu 
wenig. Wo kommt nun aber der eine Heller her? 

Item dy mr. silber gorliczer gewichte y das lod vor 17 gr. 

minus 2 ph., wer y das schot vor 10 gr. 

16 X (17 — 2 <£) = 272 gr. — 32 £ oder, 7^ = 1 Groschen 
gerechnet, weniger 4 7« Groschen, mithin = 2677a Groschen. Die 
Görlitzer Mark wiegt aber 267* Skot breslauisch, es stimmt also 
die Rechnung genau. 

Item dy mr. silber gorliczer gewichte y das lod vor 

16 gr. gekaufft, also denne dy mr. hat 16 lod vnd machet 

an breslisch gewichte 27 schot weniger 1 quart, also wer 

y das schot silber an diszer (Görlitzer) mr. das quart vor 

2 V* g r - gerechnit, also qweme das schot vor 97s gr. vnd 

dy mr. 2 gr. höer. 

16 Loth zu 16 Groschen = 256 Groschen dividirt durch 
267« Skot = 9,57 Groschen das Skot. 267 4 Skot, zu 97, Groschen 
gerechnet, giebt 2547« Groschen, also r/s Groschen zu wenig. 

Wir erwähnten eben das Verhältniss des Görlitzer Markge- 
wichts zum Breslauer. Dadurch, dass der Schreiber in der Münze 
auch das Verhältniss zur Erfurter Mark angiebt, sind wir genau 
über die Schwere der Görlitzer Mark unterrichtet. 

Zur Görlitzer Mark, sagt der Schreiber, muss man 1 Loth 
zulegen, um das Erfurter Gewicht zu erhalten, also ist die erstere 

233,856 — °Y = 220,100 Gramm. 

Zur Breslauer Mark muss man nun wieder 1 Loth 5 Quart 
zulegen, um das Görlitzer Markgewicht zu erhalten. Es sind 
also 16 + 17«= 220,100 oder eine breslauische Mark = 197,473. 

Dieses Gewicht stimmt annähernd mit der Angabe von 
Dr. Kirmis ') überein, welcher die Krakauer (also auch Breslauer) 
Mark mit 197,68 Gramm angiebt. Der Berechnung Grotes auf 
197,294 kommt es am nächsten. 

In den Büchern liegen mehrere Zettel, auf welchen der 
Bestand, den die „Herren" in der Münze aufgenommen hatten, 

1) Handbach der polnischen Mfiniknnde Ton Dr. Max Kirmis, Posen. 



n 



v> 



274 R. Scheuner: 

niedergeschrieben ist Es mögen zwei Beispiele davon folgen. 
Der eine Zettel lautet: 

Item anno dm. etc. 61 am snnabind Valentini haben er 
Orban Emerich, burgermeister, Gregorius Selige, Andrews 
Canitz, caraerer, vnd er Seiffrid Goswin gerechend vnd 
eigentlichin gesucht, was in den monczkasten an pagament 
vnd Silber we (re) vnd habin fanden eyn stucke sflber 
vnd 3 silbern ringe, haben gewegin 10 mr. 3 scot 
facit 347a schock gr. 

Item bemsche gr. mit dem uffgelde vor 67 „ 26 „ 

Item gemeine gr. gekauft vor 208 „ 

Item creutcz groschen vor 20 »15 

Item gute swartcze ph. vor 375 Vs » 

Item geringe swartcze ph. vor 6 x / 9 „ 10 w 

Item abescrot vor 22 „ „ 

Summa huius 734 schock 21 gr. 
Item das meister Hanns monczmeister bey jm hat vnd 
abegespeist vor 350 schock gr. 

Item jm Wechsel 91 „ 21 

Intern das er Seiffrid schuldig ist 6 „ 6 

Die anderen Zettel erwähnen nicht die „Herren *, sie lauten 
einfach, wie folgt: 

Dese noch geschrebin wäre ist jn der moncze: 
Item an creutcz gr. 26 mr. gewegin, ye uff die mr. 71 gr., 
facit 33 schock 2 Vi gr. 

Item an bemschen gr. 66 mr. gewegin, held ye die mr. 
69 gr., doruff czu 25 gr., facit 107 */« schock minus 1 gr. 
Item an gemeynen gr. 95 mr. gewegin, held ye die mr. 
breslisch 73 gr., doruff czu 5 gr., facit 125 schock 10 gr. 
Item moehoeter 1 ) 86 mr. gewegin, ye uff die mr. 74 gr., 
doruff czu 5 gr., facit 115 schock minus 6 gr. 

Item an guten swartczin phg. 41 schock gr. 
Item an czubrochin gelde 4 1 /* „ „ 



1) 



1) Mohnhanpter, Groschen mit dem Zeichen des Mönimeisters Mohnhanpt 



Zwei Bücher aus der Görlitzer Münze. 275 

Item geringe pbge vor 3 schock minus 1 1 gr. 

Item swert gr. sein 137s » gr. 

Item abescrot 21 1 /* mr. vor 21 V« n » 

Item 51 vng. flor. facit 35 1 /« „ minus 10 gr. 

Item an silber 39 mr. 1 fird. facit 1297s „ gr. 

Item hung. pagament 50 mr., stheit zcu achten (8 löthig), 
vor 28 flor. 17 gr. be 1 ), facit 20 schock 1 gr. 

Item an gorliczschen phg. 486 m. ge wegin, facit 5347« ß6gr. 

Item eyn par kopphe 2 ) vor 50 flor. 35 schock gr. 

Item das im Wechsel ist 114 schock 46 gr. 

Item der burgermeister 85 flor. 47s gr. 

Wir haben nun noch Ober den Einkauf des Silbers 
and Kupfers das zu berichten, was das Buch A darüber enthält. 

In der Stadt Görlitz selbst war nur wenig von dem edlen 
Metalle zu erhalten ; nur einmal wurde von Matth. Axt, einmal 
vom Goldschmied Meister Joeoff (und einmal von Matth. Koppen 
in Hirschberg) eine kleine Quantität Silber gekauft. In der 
Hauptsache aber blieb Breslau der Handelsplatz für Silber. 
Görlitz schickte einen der Rathsherren zum Markte dorthin, um 
Tuche zu verkaufen und Silber einzukaufen. Urban Emerich 
hatte schon 1449 diese Reise gemacht und er war nachher noch 
mehrmals zu diesem Zwecke dort Eigenhändig hat er die Ab- 
rechnung über seine Reise (1450) niedergeschrieben. Er beginnt 
seinen Bericht folgendermassen (S. 17): 

Alzo mich Vrban Emerich dy herrin des rotis kegen 

Bresselaw schickten, silbir in die in monteze czu keuffen, 

doselbist habe ich von dem rothe vnd kamerer entpfangen 

als hy noch geschreben. 

Er giebt nun ein Verzeichniss der verschiedenen Summen, 
welche er z. Th. von den Kämmerern, z. Th. von wohlhabenden 
Bürgern baar vorgestreckt erhielt; über die Bedingungen ist 
nichts gesagt. Ausser den, auf diese Weise zusammengebrachten 



1) böhmischen. 

2) Kufen, Bierkrüge Ton Silber, welche öfters su Verehrungen ange- 
schafft wurden. 



276 R- Scheuner: 

ung. fl. 1989 führte er eine grosse Menge Tuche mit nach 
Breslau zum Markte, über deren theilweisen Verkauf genaue 
Abrechnung gegeben wird. 

Auf der ersten Reise kaufte er nur 
31 Stöcke wiegend 93 mr. 1 quart 

zu 2 Schock und 1 gr. macht . . 402 Gulden 1 Heller, 
26 Stöcke wiegend 71 mr. weniger 
5 quart zu 2 Schock 2 gr. macht 309 » 10 „ 

Summa 711 Gulden 11 Heller. 
Ferner kauft er zu Lätare (auf einer zweiten Reise) in 
Breslau von Meister Borghard von Liegnitz: 
13 Stöcke = 34 1 /, mr. 5 skot zu 2 ß 

1 gr fl. 150 minus 3 gr* 

von Swofheym von Liegnitz: 

3 Stöcke = 10 mr. 19 skot zu 2 ß . fl. 46 und 1 orth 
von Jacub zu Lemberg: 

10 Stöcke = 16 mr. 5 7» skot zu 2 ß 

2 gr fl. 70 und 20 gr. 

von Peter Zimmermann: 

10 Stöcke = 178 mr. 4 skot zu 4 ! / 2 

Gulden weniger 1 gr fl. 795 und 10 gr. 

Darauf abschläglich gezahlt 150 Gulden. 

Der Rest ist zu Johannis zahlbar. 
Von Hans Klettener von Erakau: 

17 Stöcke — 179 1 /, mr. 4 skot 1 quart 

zu 4y a und 1 gr. fl. 8 15 weniger 2 1 /«gr. 

Sa. der Stöcke 53 klein und gross wiegen 419 l / 8 mr. 2 skot 

minus 1 quart (419 rar. 13*/4 skot), macht in Gold fl. 1877 

und 3 7* gr. 
und die Summe aller Stöcke, die er auf beiden Reisen gekauft 
hat = 110, wogen 5837s mr. 3 quart und kosten zusammen 
ung. fl. 2588 und 47, gr. 

Nach dieser zweiten Reise bringt er für Zehrung, Träger-, 
Packer- und Fubrlohn und „andir Ungeld" 8 Gulden minus 6 gr. 
in Anrechnung und sagt: „doran gebt mir, was ir wollt*. 



Zwei Bücher aus der Görlitzer Münze. 277 

Eine dritte Reise trat Urban Emericb in demselben Jahre 
Dienstag nach Pfingsten ebenfalls nach Breslau an. Er kaufte 
dort 18 Stücke Silber, im Gewichte von 269 mr. weniger 37a skot 
im Betrage von 11827* ung. Gulden, 
von Vincenz Langehans: 

73 Stück =188 mr. 10 skot 1 quart zu 2 ß 3 gr. = fl. 827 
und 20 gr. 6 Heller, 
von Cunz Vren: 

3 Stück = 17 mr. 5 skot zu 2 ß und 1 gr. = fl. 74 und 
10 gr. 2 1 /« Heller u. s. w., welche Beträge aber sämmtlich erst 
zu Jobannis bezahlt zu werden brauchten. 

Mit der Schlussbemerkung, dass er (Urban Emerich) auf 
den drei Reisen (Invocavit, Lätare und Pfingsten) im Ganzen 
203 Stücke Silber im Gewichte von 852 mr. 9 skot 1 quart und 
im Betrage von 3770 flor. ung. und 18 gr. eingekauft hat, endigen 
seine Reiseberichte. Später finden wir nur noch vereinzelte 
Notizen vor, nach denen der Preis des Silbers von 4 1 \ % ung. 
Gulden ein ziemlich feststehender gewesen zu sein scheint. 

Das Kupfer (Gekorne) spielt eine nicht unwichtige Rolle. 
In Breslau kaufte Urban Emerich auch Kupfer und zahlte für 
den 1p. 1 ) 1 mr. minus 3 gr. 

Ein anderes Mal werden 5 Ctr. weniger 1 Pfd. zu 5 Gulden 
und 1 Orth gekauft, dazu Fuhrlohn vom Ctr. 8 gr. und 3 gr. 
Wägegeld und Trankgeld den Trägern. 

Später den Ctr. zu 4 Gulden 1 Orth und zu 4 '/« Gulden. 

Vom Kupferschmied in Görlitz wurden einmal gekauft: 
131p.4Pfd. für llVsmr. 2gr. also zu reichlich 4gr. das Pfd. u. wieder 
6 „ 9 „ , 5 „ 21 „ „ „ etwa V\, gr. 
6*7„,|5 „ 24 „ „ „ »4 „ 
8 „ minus 5 7, Pfd. Gekorne, jeder 1p. für 1 mr., facit 6 Schock 12 gr. 

Die Münzeisen lieferte in den ersten Jahren der Schmiede- 



1) *p. = lapis, 8tein, derselbe hielt 22 Pfd., wie wir ans einer Anweisung 
■am Laden der Geschütze ersehen. Es heisst darin: so mag man ein den- 
selbigen bnxchsen nemen 50 ib pulvir, das facit 2 Ip vnd 6 tb pulvir. 

Zeitschrift Ar Namüuuktik. XIX. 19 



278 R- Scheuner: Zwei Bacher aas der Görlitz er Münze. 

meister Nichts, oder er fertigte sie aas dem Eisen, welches die 
Stadt manchmal dazu besorgte. 

Zu dieser Zeit schnitt Meister Joeoff die Prägestempel. 
Der nächste Lieferant der Münzeisen war der Schmiede* 
meister Peter Behmisch. Auch Meister Lucas der Schlosser 
hatte etwas dabei zu thun. 

Eine Abrechnung des Schmiedes lautet: 
Item den herren geerbit yn dy monezn. 
Item Ixxvi obireyßin gestelt vnd gestoßin, von eyme 1 gr. 
Item lxij obireyßin gestoßin vnd gesweiß, von ij j gr. 
Item xvij vnderstockil gestelt, von eyme 1 gr. 
Ein Mal hat der Rath versucht, die Eisen von Breslau zu 
beziehen; Urban Emerich zahlte dem Grobschmiede daselbst 
für Eisen 1 Gulden 12 Schillinge Heller und an Meister Flach 
für Eisen und Pontzen zu graben 1 Gulden. Schewin von Hirsch- 
berg lieferte einmal Eisen für die Stempel im Betrage von 
37 2 Schock 6 gr. Beide Versuche aber scheinen nicht geglückt 
zu sein; denn man ist dabei verblieben, die Stempel in Görlitz 
anfertigen zu lassen, was jedenfalls billiger war. Schlecht genug 
sind sie freilich ausgefallen, dem Goldschmied-Graveur kann ein 
Lob nicht ausgesprochen werden, wenn man die hässlichen 
Pfennige mit den grob geschnittenen Münzbildern ansieht. 

Rudolf Scheuner. 



Ein neuer Denar Volquiiis III., Grafen von Schwalenberg. 




Seitdem in unserem Jahrhundert endlich das Interesse an 
der Numismatik des deutschen Mittelalters erwachte, sind durch 
die zahlreichen Fände in allen Teilen unseres Vaterlandes eine 
Menge neuer Münzen bekannt geworden, während ältere, bisher 
anerklärte, sich naher bestimmen liessen ; und immer noch kommen 
nene Stücke zu Tage. Wenn sich auch bekannte Züge oft wieder- 
holen, so ist es doch in jedem einzelnen Falle interessant, zu 
sehen, wie mannigfaltig die Münzprägung im Mittelalter war, 
und auf welche Weise sich bewährte Typen über Deutschland 
verbreiteten. 

So erwies sich auch ein Denar westfälischen Gepräges, der 
kürzlich in den Besitz des kgl. Münzkabinets zu Berlin überging, 
als Novum. Das Stück ist leider am Rande etwas abgerieben, 
so dass die Umschrift nicht mehr ganz leserlich ist. 

Vf.: 4.VOLQVI AL. Der Graf von vom, sitzend, mit 

der Lanze in der Rechten und einem Doppelreif, ähn- 
lich dem Reichsapfel, in der Linken. Er ist mit Ketten- 
panzer und Beckenhaube bekleidet. 
Rf.\ ... A ... . LONIV Dreitüxmiges Kirchengebäude mit 
8 Bügen, in deren mittelstem ein Kreuz. 



280 J Cahn: 

Der Name Volquin ist häufig im Geschlechte der Grafen 
von Schwalenberg, von denen die Waldecker abstammen. Grote 
hat die ihm bekannten Gepräge dieses Geschlechtes in seinem 
Aufsatze „Waldecker Münzen" (Münzstudien, Bd. V, 1867) ver- 
öffentlicht. Unter ihnen befindet sich ein Sterling von Volquin III. 
v. Schwalenberg. Es fragte sich nun, ob unser Denar von dem- 
selben Volquin herrühren könne. 

Im Stammbaum der Schwalenberger findet sich ein Volquin L, 
der 1137 zum ersten Mal urkundlich vorkommt und 1178 ge- 
storben ist. Er konnte unseren Denar nicht geprägt haben, da 
derselbe dem Style nach einer späteren Zeit angehört. Als 
Söhne Volquins I. erscheinen ausser Widekind , der sich zuerst 
de Waldegge nannte, in einer Schenkungsurkunde für das Kloster 
Marienfeld von 1185 ^ noch Herimannus, Volquinus et Henricus. 
Aber auch der hier erwähnte Volquin kann zu dem Denar in 
keiner Beziehung stehen, denn er trat in den geistlichen Stand 
über und starb als Domherr zu Paderborn, hat also nie das 
Recht der Münzprägung besessen. Es blieb demnach nur Vol- 
quin III., der als Sohn des oben genannten Henricus die eigent- 
liche Schwalenberger Linie fortsetzte und von 1214 bis 1249 
regiert hat. Sein von Grote publicierter Sterling trägt die Um- 
schrift VOLCVVNI COM. ; also werden wir in unserem Falle auf 
der Vorderseite etwa auch COM. SVAL. zu ergänzen haben. 

Für die genauere Datierung des Denars boten die Münzen 
der Erzbischöfe von Köln eine Handhabe, da die Bückseite des- 
selben diesen Typus nachahmt. Nun erscheint das Gebäude auf 
den Kölner Denaren zuerst unter Adolf I. von Altena, 1 193 bis 
1205. Mit drei Türmen, ähnlich der Darstellung auf dem Stück 
Volquins, erst unter Heinrich I. von Müllenark, 1225—1238. Ich 
will freilich nicht behaupten, dass deshalb der Denar zwischen 
1225 und 1238 geprägt sein müsse, doch hat sicher eine Münze 
dieses Erzbischofs zum Vorbild gedient, und vor 1225 kann er 
wenigstens nicht entstanden sein. Er erscheint mir auch älter 



*) Bei y. Alten, Zeitschr. d. historischen Vereins f. Niedersachen. 1859. 



Ein neuer Denar Volquins III., Grafen von Schwalenberg. 281 

als jener Sterling, weil diese Gattung ein wenig später auftritt, 
wie das die Münzen der Herren von Lippe zeigen. 

Diese Prägungen Volquins sind charakteristisch für die Art 
und Weise, wie sich im Mittelalter die Münzgattungen ver- 
breiteten. Das bedeutendste Territorium jener Gegend war das 
kölnische Herzogtum Westfalen, während das Gebiet des Grafen 
zunächst von der Herrschaft Lippe begrenzt wurde, wo damals 
die Sterlinge beliebt waren. Die Münzarten beider Nachbar- 
länder hat Volquin nach der Reihe sich angeeignet, wohl je 
nachdem sie auf den Märkten gangbar waren. Wie die Typen 
übrigens damals durcheinander gemengt wurden, zeigt auch ein 
Beispiel der Abtei Gorvey, deren Schutzvögte die Schwalenberger 
waren. Abt Hermann L, 1223—1254, Hess Münzen schlagen, 
auf deren Vf. der sitzende Abt zu sehen ist, während die Rf. 
das Bild eines Sterlings Heinrichs II. zeigt 

Interessant ist ferner die Schreibung des Namens Volquin 
auf unserem Denar. Grote fügt der Beschreibung jenes Ster- 
lings, auf dem ja der Name Volcwni geschrieben ist, folgende 
Bemerkung bei: „Der Name des Grafen ist hier — freilich mit 
Umstellung der Buchstaben IN — orthographisch und etymo- 
logisch richtig geschrieben, statt des in Urkunden und daher oft 
bei neueren Schriftstellern latinisiert entstellten Volquinus." 
Sicherlich hat Grote Recht, dass die etymologisch richtige Form 
Volkwin ist; jedoch war sich im 13. Jahrhundert niemand mehr 
der Bedeutung der alten deutschen Namen bewusst. Man könnte 
vielleicht auf die Vermutung kommen, dass man auf Sterlingen 
die deutsche, auf Denaren die lateinische Namensform vorzog, 
wie ja auf dem unseren deutlich QV zu lesen ist. Jedenfalls 
aber erscheint es mir zweifelhaft, dass hier der Stempelschneider 
den Namen absichtlich „latinisierend entstellen 11 wollte, wie das 
Grote den lateinisch gebildeten Urkundenschreibern jener Zeit 
vorwirft 

Manches Hesse sich noch über die Darstellung des Grafen 
auf dem Denar sagen. Leider sind die mittelalterlichen Münz- 
bilder nach der heraldischen und kulturhistorischen Seite noch 



282 J. Cahn: Ein neuer Denar Volquins HL, Grafen Ton Schwalenberg. 

nicht genügend ausgebeutet. Was bedeutet z. B. der Doppel- 
reif, den der Graf in der Linken hält? Vielleicht ist es ein An- 
klang an den Reichsapfel, dem oben das Kreuz fehlt. In manchen 
Fällen stellen auch die Attribute, welche die Münzherrn in der 
Hand halten, ihre Wappen dar. 

So knüpfen sich viele Fragen an die Münzbilder, die 
doch im Mittelalter, da die Meisten die Umschrift nicht lesen 
konnten, gewiss nicht ohne Bedeutung waren. Wenn diese Dinge, 
besonders was die Wappen und die Zugehörigkeit der einzelnen 
Schutzpatrone betrifft, mehr erkannt sein werden, werden sich 
wohl noch manche Münzen näher bestimmen lassen und so die 
Kunde von der deutschen Vorzeit erweitern helfen. 

Julius Cahn 

cand. phil. et bist. 



Interessante Beizeiten auf Münzen von Tarent und Aenus. 




1) Vf. Nackter Reiterknabe sein Pferd bekränzend. Das Pferd 
schreitet in ruhiger Gangart nach links und sein Kopf 
ist mit einem Stirnschmuck in Gestalt eines Hornes ge- 
• ziert Unter dem Pferde eine bärtige, gehörnte Schlange, 
die, mit der Schwanzspitze auf den Boden gestützt, einen 
Pfeil entsendet, indem sie den Bogen zweimal durchwindet 
und in senkrechter Lage hält Dicht dabei A. Hinter 
dem Knaben APIZTOE. 
Rf. Taras auf dem Delphin nach links mit Dreizack in der Lin- 
ken und Füllhorn in der Rechten. Vor ihm 4>. Rechts 
am Rande TAPA2L Gewicht 6,42 gr. 
Das Interesse dieser, so viel ich weiss, unbeschriebenen 
Münze, welche zu der späten leichteren Klasse der tarenüner 
Didrachmen gehört, liegt in der Eigenart des Beizeichens. 
Dr. Imhoof-Blumer, den ich um seine Ansicht bat, schrieb mir: 
„Das Symbol ist in der That einzig merkwürdig; allein mit 
einer Erklärung kann ich leider nicht dienen. Sollte es ein 
apollinisches Symbol sein, so müsste man sich die Schlange 



284 E - J- Seitmann: 

durchschossen denken, nicht schiessend. Die Ansicht, dass 
es ein Zeichen des Münzbeamten sei, scheint mir einleuchtender. <fc 

Ich wage nicht zu beurtheilen, ob beim Gebrauch eines 
solchen Symbols im Sinne eines apollinischen und zur Erinne- 
rung an die That des Glottes die Schlange nothwendig hätte 
durchschossen dargestellt werden müssen. Die Verkehrung des 
Passivums der Handlung in das Activum ist in den Typen an- 
tiker Münzen nicht unbekannt. Man denke z. B. an die Dar- 
stellung von Opferscenen, bei denen zuweilen die Gottheit, welcher 
das Opfer dargebracht wird, als Vollzieher der heiligen Handlung 
erscheint. 

Um indessen die Sache nicht ohne irgend einen Erklärungs- 
versuch — schlecht oder recht — zur Seite zu legen, bemerke 
ich folgendes : Man begegnet bekanntlich auf tarentiner Münzen 
jener späteren Zeit einigen Beizeichen, welche unzweifelhaft auf 
die sie begleitenden Inschriften resp. Namen anspielen. So kann, 
wenn wir auf einem Stücke als Beizeichen einen Löwen und 
die Inschrift AEftN l ) finden, über die Beziehung ein Zweifel nicht 
obwalten. Ähnliche Anspielungen scheinen, wie A. Evans in 
seinen „Horsemen of Tarentum" 2 ) bemerkt hat, die Beizeichen 
zu enthalten, welche die Namen OAYMnil, AnOAAßNIOI und 
AAIMAXOC begleiten. 

Die geläufigste und natürlichste Ergänzung unserer Inschrift 
APISTOE böte der bekannte Name *AQt<ft6&vog. Nehmen wir 
aber, dem Raisonnement zu Liebe, an, dass der Stempelschneider 
habe in das Beizeichen eine Beziehung auf die Inschrift legen 
wollen (sei dieselbe eine Verkürzung von UgiGto^evog oder nicht), 
ist es da nicht denkbar, dass die drei Silben in ihrer Unfertigkeit 
ihm an die fünf Silben äqiatov togov angelautet haben könnten? 
Das aber wäre dann der Bogen des Pythontöters. Man könnte 
in der Schlange allerdings einfach ein Sinnbild der Schnelle und 



*) Ich besitze zwei Exemplare dieser Münze. Auf dem einen lautet die 
ganz deutliche Inschrift im tarentinisch- dorischen Dialekt (wenn man nicht 
etwa ein Versehen des Stempelschneiders annehmen will) aean. 

2 ) „The Horsemen of Tarentum", Nnmismatic Chronicle, IX, 1889, S. 26. 



Interessante Beizeichen auf Münzen von Tarent and Aenus. 285 

des nie fehlenden Zieles erblicken. Allein diese Schlange erscheint 
mir mehr, als das gewöhnliche Reptil. Der Kamm an Nacken 
und Kehle kennzeichnet sie als ein Ungeheuer, einen Python. 

Vielleicht erscheint meine Erklärung gezwungen und zu sehr 
nach dem Schema eines Rebus geschnitten. Ich gebe sie auch 
nur als Nothbehelf, indem ich hoffe, dass Gelehrte, welchen tiefere 
Kenntnisse zu Gebote stehen, besser deuten werden. Jedenfalls 
ist sie mir lieber, als die bequeme landläufige Annahme, dass 
die Symbole die Zeichen und Siegel von Beamten seien. Denn 
erstlich kann ich mir auf meine Art etwas Bestimmtes denken. 
Zweitens gebe ich der Beziehung auf die Gottheit vor derjenigen 
auf den Beamten, auch wenn er der Ephore von Tarent ist, den 
Vorzug. Drittens glaube ich überhaupt nicht, dass jene Beizeichen 
Beamtensiegel vorstellen, denn wären sie das, so mfisste, seinem 
amtlichen Charakter entsprechend, immer nur ein und dasselbe 
Zeichen denselben Namen begleiten. Das aber ist nicht der 
Fall, und ich halte sie deshalb für Marken der Stempelschneider, 
welche sie, ihrer Phantasie Raum gebend, nach Belieben wählten. 

Das Beizeichen unsrer nächsten Münze giebt ein Beispiel, 
wie frei die Phantasie jener heiteren Tarentiner manchmal ge- 
waltet hat. Auch belegt dieselbe, was ich soeben über das 
Schwanken der Symbole auf Münzen mit gleicher Inschrift be- 
merkte, denn der auf ihr erscheinende Name kommt, vollständig 
oder abgekürzt, in Verbindung mit drei verschiedenen Beizeichen 
(Helm, Biene und Silen) vor. Sie ist zum ersten Mal in A. Evan's 
schönem Werk 1 ) erwähnt und abgebildet worden. Beschrieben 
wird das Beizeichen dort nur als „ small squatting figure holding 
hörn". Das Figürchen besitzt trotz seiner winzigen Kleinheit 
wesentliches archäologisches Interresse, denn eine gleiche Dar- 
stellungsweise des Silen mit dem Füllhorn scheint unbekannt. 
Ich beschreibe die Münze daher genauer, wie folgt: 



*) The Horsemen of Tarentnm, Tafel Vm, 8. 



E. J. Seltraann: 




2) Vf. Nackter Reiterknabe sein Ross bekränzend. Dasselbe 
schreitet nach links and trägt einen bolzenförmigen Stirn- 
schmuck mit kugelförmigem Aufsatz. Hinter dem Knaben 
H. Unter dem Leibe des Pferdes IßTTVP. Darunter 
ein kahlköpfiger Silen mit langem Bart, weit geöffnetem 
Munde, stumpfer dicker Nase, Glotzaugen nnd stark ge- 
schwollnem Leibe, in der rechten Hand eine Patera, im 
linken Arm ein Füllhorn, dessen überquellender Inhalt 
sichtbar wird, am Boden kauernd, — aut inguine largiore 
solo quasi innixus, ant, ut videtur, excrementa faciens. 
Rf. Taras auf dem Delphin nach links, in der Linken den 
Spinnrocken, auf der rechten Hand eine Nike, die ihn 
bekränzt. Im Felde rechts # . Unter dem Fisch TAPAI. 
Gewicht 6,50 gr. 
Unter den Bronzen des Museo Kazionale zu Neapel befindet 
sich die Statuette eines sitzenden Silen, der ein Rhyton mit der 
breiten Öffnung nach unten auf sein Knie stützt 1 ). Ein Rhyton 
aber ist der Gegenstand nicht, den der Silen unsrer Münze im 
Arm hält, sondern ein Füllhorn, wie der deutlich erkennbare 
überquellende Inhalt beweist. Immerhin liegt darin wohl nichts, 
was mit dem Charakter des Silen (oder dem Dionysosdienst im 
Allgemeinen) unvereinbar wäre , da man sich das Hörn mit 
Trauben, die er in die bereitgehaltene Schale presst, gefüllt 
denken darf. Dass es überhaupt kein Silen, sondern ein Gryllus, 
eine Groteskfigur, wie wir ihnen auf geschnittenen Steinen und 
pompejanischen Wandgemälden begegnen, sein könnte, wird bei 
genauer Betrachtung wohl niemand glauben. Auch gehören solche 
Groteskbildungen, so viel ich weiss, einer späteren Zeit an als 



1) Sfche Clarac, Muaöe de Scnlptnre {Paris 1836) Tafel 734 D. No. 1771. 



IateresMnt« Beiietehen auf Münzen von Twent und Aerius. 287 

unsere Münze. Das Unconventionelle sowohl wie das Unmanier- 
Hche der Darstellucg sprechen gegen die Annahme, dass sie in 
irgendwelchem Sinne ein amtliches Zeichen gewesen sein könne. 




8) Vf. Hermeskopf von stark archaischem Typus mit Petasos 
and Haarzopf um den Hinterkopf nach rechts. 
Rf. Im Quadratum incusum: Ziegenbock nach rechts schreitend, 
vor ihm eine Mondsichel, auf dem Hinterschenkel ein Ge- 
treidekorn, Aber ihm AIN. Gewicht 16,39 gr. 
Doppolsymbole sind auf den Münzen von Aenus nicht selten. 
Man findet die Mondsichel mit dem Epheublatt vereint, die Am- 
phora mit dem Astragalos, die Traube mit einem Gerstenkorn 
Über derselben und den Hermesstab mit dem Petasos. unsere 
Münze unterscheidet sich aber dadurch in eigentümlicher Weise, 
dass das eine Beizeichen anf den Leib des Bockes gesetzt ist. 
Auch ist zu bemerken, dass die Inschrift hier AIN lautet, anstatt 
wie sonst auf Tetradrächmen AINI oder AINION. Vielleicht ist 
das Stück ein wenig älter als andere bekannte Münzen der Stadt 




4) Vf. Hermeskopf vom Stil der frühen, edlen Kunstperiode, 
ohne Zopf, mit Petasos und freiem lockigen Haar, nach 
rechts. 
Rf. Im Quadratum incusum: Ziegenbock nach rechts. Vor 
ihm am Boden kauert ein nacktes Kind, sich mit der 
Linken auf die Erde stützend and mit der Rechten spielend 



288 E. J. Sei tmann: Interessante Beizeicben auf Münzen t. Tarent tl Aenns. 

dem Bock ein Zweigchen zum Fressen bietend« über 
dem Bock AINI. Gewicht 15,94 gr. 

Soviel ich weiss, ist diese Münze ein Dnicum. Ihr Interesse 
aber liegt für mich vor allen Dingen in dem Umstände, dass 
sich das Beizeichen mit dem Haupttypus der Rückseite zu einer be- 
stimmten Handlung zusammenschliesst. Allerdings finden sich Fälle, 
in denen die beiden in Verbindung gesezt sind ; aber solche Ver- 
bindungen sind willkürlicher Art, und die Action, wo sie vor- 
handen, ist einseitig. Auf unsrer Münze aber reicht das Dionysos- 
kind (dieses dürfen wir wohl in dem Figürchen erkennen) dem 
ihm heiligen Thiere den Zweig, und jenes lüstert dem will- 
kommenen Bissen nach Ziegenart entgegen. Anstatt getrennter 
Haupt- und Nebentypen erblicken wir hier also ein Genre- 
bildchen vom Ende des 5. oder dem Anfang des 4. Jahrhunderts. 

Ein Seitenstück — im rein bildlichen Sinne — bietet etwa 
die seltene Münze von Zakynthos, auf deren Revers, nach Pro- 
fessor v. Sallet's schöner Erklärung, der Asklepiosknabe , seine 
Schlangen liebkosend, dargestellt ist — oder das nicht minder 
seltene Tetradrachmon von Messana mit Pan und dem Hasen. 
Gleichwohl deckt sich der Verleich in dem Hauptpunkte nicht, 
weil man auch bei diesen Münzen keinen Theil der Darstellung 
als Beizeichen trennend unterscheiden kann. 

E. J. Seitmann. 



Kleinere Mittheilungen. 



Notizen über eine sehr seltene englische Münze. 

Die in Rede stehende Münze wurde um 1840 in Livland 
gefunden und vom Dorpater Professor F. Kruse, dem bekannten 
Historiker, handschriftlich folgendermassen bestimmt: „Ineditus. 
Edwin Den. 1066. Edwin fil. Edmundi 1066. Ineditus. A. EDVINE 
R. DE. Protome regis galeati. R. Crux Danica cum quadrato 
intermedio et ternis in quatuor angulis globulis. ELFREDON 
LVND. Edwin war nie König, doch beweist Lelewel II 82, dass 
er nach der Schlacht bei Hastings und dem Tode Harald's und 
seiner Brüder doch eine Zeit lang von den Einwohnern als 
König anerkannt sein müsse, ehe sich England ganz der nor- 
mannischen Herrschaft ergab. Eduard's d. Bek. Münzen sind 
ganz anders, cf. Lelewel Atlas PI. XI 12— 15 \ Das andere Zitat 
aus Lelewel bezieht sich wohl auf sein Werk Numismatique du 
moyen äge, 1836. In Lappenberg's Geschichte von England 
(Bd. I S. 535, 547, Bd. H S. 62, 65, 71, 81, 82, 90, 92, 113—115) 
finden sich folgende Angaben über Edwin. Er war ein nord- 
englischer Graf, Schwager König Harald's, focht nicht bei 
Hastings, fiel 1071 durch Verrath, durch Meuchelmord. 

Ich habe die Münze von meinem verstorbenen Vater geerbt 
und 1894 der Münzsammlung der Universität Leipzig geschenkt. 
Beim Britischen Museum fragte ich 1894 in betreff der Münze 
an. H. A. Grueber, Assistant Keeper of Coins, schrieb mir darauf, 
er kenne die Münze nicht und das Britische Museum besitze 



290 J* Gonns: Rechenpfennig des Hans Schultes. 

sie nicht. Die Abkürzung LVND für London (Londinium oder 
Lundinium) kommt häufig vor. 

Sollte ein Leser dieser Zeitschrift die Münze mit Sicherheit be- 
stimmen können, so bitte ich um gefällige briefliche Mittheilungen 
darüber. 

Leipzig, den 8. Mai 1894. 

Dr. Karl Walcker, 

Privatdozent der Staatswissenschaften 
an der Universität Leipzig. 



Rechenpfennig des Hans Schultes. 

In der letzten Nummer der Zeitschrift für Numismatik 
(S. 145) behauptet Dr. H. Voigt, dass HANS SCHV- auf dem 
Rechenpfennig mit dem Alphabete entweder der Name eines 
Schullehrers sei oder in Hans Schu-lmeister ergänzt werden 
müsste. In Betreff einer anderen Münze mit dem Alphabete, 
die die Buchstaben H.S zeigt (S. 150) schreibt Herr Dr. Wecker- 
ling: „die zwei letzten Buchstaben entsprechen wohl dem von 
Ihnen angeführten Hans Schu-". Ohne Zweifel bedeutet Hans 
Schu- und H. S. den Namen des wohlbekannten Rechenpfennig- 
machers Hans Schultes. 

Dieser Schultes war ein Zeitgenosse des Hans Krauwinckels 

und war auch in Nürnberg thätig. Sein Bruder (?) Georg, dessen 

Namen die Buchstaben G. S. (S. 150) bedeuten, war auch ein 

Rechenpfennigmacher. Er hat aber nicht so viele Rechenpfennige 

geprägt. In „Snellings View of the Origin. Nature and Use of 

Jettons or Gounters (London 1769) tt findet man etwas über die 

Geschichte aller dieser Künstler. In dem neulich erschienenen 

Buche „Fragments Numismatiques sur le Ganton d'Argovie. 

Par B. R6ber (Genöve 1890)" sind einige frühe Schulmedailllen 

der Schweiz erwähnt. 

John Gonns. 



Münzenfund. 291 



Münzenfund. 

Für Münzensammler wird es von grossem Interesse sein zu 
erfahren, dass in Weissenburg a. Sand am 5. September 1893 
beim Abbruch einer von der Firma Gebrüder Aurnhammer 
käuflich erworbenen Scheune ein schöner Fund von 12 Gold- 
münzen gemacht wurde. Dieselben sind vorzüglich erhalten 
und von prachtvoller Prägung. 

Der Fund setzt sich wie folgt zusammen: 
10 Stück Goldabschläge des Nürnberger Thalers, 
6 44 + 446 Dukaten. 

Vf Reichsadler; auf dessen Brust Medaillon mit dem Brust- 
bild Ferdinands IL Umschrift: FERDINAND . n . D . G . 
ROM • IMP • SEM . AVG • GER - H V • B . REX. 
Rj. Abbildung der Stadt Nürnberg; darüber deren 3 Wappen, 
darunter die Worte: VIVIDa paX ChrJstI serVet nos teMpore 
trIstI, woraus sich die Jahreszahl 1631 ergiebt. Um- 
schrift : MO • REIPVB . NORIBERG. 
1 Mahler'sche Denkmünze, 10 Dukaten. 

Vf Mittelfeld: .Reichsadler mit der Jahreszahl 1594. Rings- 
herum 5 Medaillons: 1. Rudolph. I. Rom. Imp., 2. Al- 
bertus I. Rom. Imp., 3. Frideric. HL P. Rom. Imp., 
4. Albertus IL Rom. Imp., 5. Frideric. HU. Rom. Imp. 
Umschrift: ROM . IMP • EX • SERENI . AVSTRIACA^- 
DOMO • IN • INVICTISS . RVDO . 
Rf. Mittelfeld: R mit Krone darüber, r. und 1. Reichsadler. 
Ringsherum 5 Medaillons: 1. Mazimili. I. Rom. Imp., 
2. Carolus V. Rom. Imp., 3. Ferdinandus Rom. Imp., 
4. Maximili. IL Rom. Imp., 5. Rudolph. II. Rom. Imp.; 
Umschrift : LPHI . n • EI9 DEMQ^DOM • HONOREM • NORI • 
FV-MCPRIVIL. 
1 Fugger-Thaler, 12 Dukaten. 

Vf. Reichsadler, Umschrift: FERDINAND VS • II • ROM » IMP • 
SEMPER • AVG VSTVS • 



292 Münzenfund. 

Rf. Wappen mit der Jahreszahl 1621. Umschrift: MAX- 
FVGGERVS • L • B • IN • KIRHB • ET . W . D - IN • BAB- 

Das Gesamtgewicht stellt sich sonach auf 70 Dukaten, im 
Goldwerth von Mk. 665. 

Mit Ausnahme der Denkmünze stammen sämtliche Münzen 
aus der Zeit des dreissigjährigen Krieges. Vermutlich sind sie 
im dreissigjährigen Kriege hier geborgen worden und bis jetzt 
verborgen geblieben. Von 1632 an nahmen die Kaiserlichen die 
Stadt Weissenburg wiederholt ein, dieselbe plündernd und brand- 
schatzend. 

In unmittelbarer Nähe der Abbruchstelle befindet sich ein 
langes Gebäude, der Stadt gehörig, noch heute Kaserne genannt. 
Es diente zur Unterbringung der Reichsgarde. 



Literatur. 



Engel, Arthur: Rapport sur une mission arch6ologique en 

Espagne (1891). Paris, Erneste Leroux, 1893. 8 T0 . 111 S. 

Mit 2 Tafeln und vielen in den Text gedruckten Abbildungen. 

(Sonderabdruck aus den Nouvelles archives des missions scientif. 

T. ffl, 1892.) 
Das Büchlein verdankt seine Entstehung einer Reise, die 
der Herr Verfasser im höheren Auftrage zur Untersuchung der 
viel umstrittenen Alterthfimer unternommen, welche bei Yecla 
(Prov. Albacete) aus dem Oerro de los Saptos (d. h. Hügel der 
Heiligen) ausgegraben sein sollen. Mit dem Bericht hierüber 
(S. 49 — 85) ist eine Übersicht der archäologischen Sammlungen 
verbunden, welche einige Orte Südfrankreichs und alle vom 
Herrn Verfasser besuchte Plätze Spaniens enthalten (S. 1—48), 
für uns besonders interessant die kurze Mittheilung S. 41 über 
die E. Münzsammlung in Madrid. Was aber eine Besprechung 
an dieser Stelle rechtfertigt, ist der numismatische Theil S. 89 
bis 111, welcher die auf dieser Reise dem Herrn Verfasser be- 
kannt gewordenen 43 Inedita behandelt, meistens aus der be- 
rühmten Sammlung des Herrn Vidal Quadras y Ramon zu Barce- 
lona stammend. Es sind unter diesen als hervorragend zu 
nennen: 10 Trienten westgothischer Könige, von denen 3 aus 
noch unbekannten Münzstätten, nämlich ein Reccared von Cala- 
bacia (CALABACIAV:CTOR), ein Svintila von Calahorra und 
einer von Egica und Wittica aus Egabro, ferner der Denar 
Raimund Berengar's I. Grafen von Barcelona, von französischem 

Zeitschrift fur NnmUmtük. XIX. 20 



294 Literatur. 

Styl, während seine Goldmünzen sich den arabischen Gold-Mancus 
anschliessen, einige Gepräge des Bisthums Gerona, unter denen 
einer besonders merkwürdig erscheint, der auf der Hf. neben 
einer Waage die Beischrift IVSTVM, auf der Rf. GIRVNDA 
um ein Kreuz zeigt. Sodann sind die Grafen von Ampurias, 
Besalu, Urgel, Roussillon und das Bisthum Vieh vertreten, denen 
sich einige wichtige Stücke der späteren Zeit anschliessen, 
namentlich eine doppelte Golddublone mit den sitzenden Bildern 
von Ferdinand und Isabella und ein Philipp III im Werthe von 
100 Gold thalern. Die trefflichen Abbildungen all dieser Münzen 
verleihen der Schrift einen besonderen Wetfh. H. D. 



Arthur Engel et Raymond Serrure: Traitä de numismatique 
du moyen-age. Tome II. Paris, Ernest Leroux 1894. gr. 8°. 
S. 353—943. Mit 813 Textabbildungen. 
Dem „denier f6odal tt ist der vorliegende Band gewidmet. 
So zweckmässig die nach Bd. XVIII S. 74 dieser Zeitschrift zu 
Grunde liegende Eintheilung der in Frage kommenden Münzen 
auch sein mag, so führt sie doch den Übelstand mit sich, dass 
die Abgrenzung namentlich nach unten hin nicht für alle Ab- 
theilungen dieselbe ist, daher man bisweilen nicht weiss, ob 
eine nicht berührte Abtheilung wie die Münzen der Edelherren 
von Diepholz, ob eine wichtige Münze, wie die des Friedrich 
von Sehagen, Vogtes von Wildeshausen (Bd. XV S. 278 d. Z.) 
vergessen oder vielmehr dem folgenden Zeitraum vorbehalten 
ist. Übrigens ist einem hieraus entspringenden Bedenken im 
Wesentlichen die Spitze dadurch abgebrochen, dass bei den ein- 
zelnen Abschnitten der zeitliche Anfang wie das Ende meistens 
angedeutet ist, die Zeit geht z. B. bei Frankreich von den 
Eapetingem bis zur Einführung des Groschens (Turnosen) durch 
Ludwig IX, bei Italien vom Ende des IX. bis zur zweiten Hälfte 
des XIII. Jahrh., bei der pyrenäischen Halbinsel vom XI. bis 
zum XIV. Jahrh. u. s. w. , und in Zweifelsfällen, wie den vor- 



Literatur. 295 

gedachten, müssen wir das hier Vermisste im folgenden Bande 
zu finden erwarten. 

Die ganze gewaltige Masse des hier behandelten Stoffes ist 
in 15 geographisch gesonderte Kapitel zerlegt, beginnend mit 
Frankreichs königlichen und baronalen Münzen (Kap. I und II). 
Aber getreu dem in der Vorrede (Bd. I S. XXXII) aufgestellten, 
von Mader und Grote ausgesprochenen Grundsatze, dass jede 
geographische Anordnung historischer Denkmäler der ihnen 
gleichzeitigen Geographie entsprechen müsse, sind dem Lande 
seine damaligen Grenzen gegeben, es ist ihm also Katalonien 
zugelegt, weil dasselbe bis 1258 unter der französischen Ober- 
hoheit stand, andrerseits aber Besan<jon, Provence, Arles, Avignon, 
Orange, Vienne, Lyon und die übrigen Gebiete des südöstlichen 
Frankreich, welche damals zum Königreich Burgund gehörten, 
im IV. Kapitel „les fiefs des anciens royaumes de Bourgogne et 
de Provence" abgehandelt, denen daher auch die Grafschaft 
Savoyen zugetheilt ist. Aus gleichem Grunde ist denn auch 
Schlesien an Polen (Kap. IX) angeschlossen und den Ländern 
Böhmen und Mähren ein eigener Abschnitt (Kap. X), fern von 
dem unter Deutschland eingereihten Osterreich, gewidmet. Die 
übrigen Abtheilungen geben bis auf unser Vaterland zu Be- 
merkungen in dieser Beziehung keinen Anlass, da sie fester ab- 
gegrenzt sind, so Italien (Kap. V), die pyrenäische Halbinsel 
(Kap. VI), die brittannischen Inseln (Kap. VII), Skandinavien 
(Kap. VIII), Ungarn nebst Slavonien und Dalmatien (Kap. XI), 
Bussland und die südslavischen Staaten (Kap. XII), das byzan- 
• tinische Reich (Kap. XIII), der „Orient latin" (Kap. XIV), end- 
lich Armenien und Georgien, denen die turkomanischen Nach- 
bildungen byzantinischer Münzen angeschlossen sind (Kap. XV). 
Was aber Deutschland (Kap. III) angeht , so ist dasselbe in 
seiner damaligen weiten Ausdehnung aufgefasst, so dass es auch 
Lothringen» das heutige Belgien und die Niederlande sowie die 
deutsche Schweiz begreift, während die französische beim König- 
reich Burgund (Kap. IV) zu suchen ist. Dies ganze grosse Ge- 
biet ist, im Anschluss an mein Buch über „die deutschen Münzen 

20* 



296 Literatur. 

der sächsischen und fränkischen Kaiser zeit", in die alten Herzog- 
thümer zerlegt, also: 1) Lothringen mit den Unterabtheilungen 
Moselland, Niederland und Rheinland, 2) Friesland oder nörd- 
liches Niederland, 3) Sachsen mit den Unterabteilungen West- 
falen, Niedersachsen, Thüringen, Brandenburg - Pommern (dabei 
auch die Deutsch-Ordensmünzen), 4) Franken, 5) Schwaben und 
Schweiz, 6) Baiern und Osterreich. Das Zurechtfinden wird durch 
die Inhaltsübersicht S. 931—943 erleichtert. 

Wie überreich der hier verarbeitete Stoff ist, das kommt 
Einem bei der Durchmusterung des Buches recht zum Bewusst- 
sein, und jeder, der einen ihm besonders vertrauten Abschnitt 
herausgreift und mit Aufmerksamkeit studirt, wird vielleicht 
Manches, das ihm am Herzen liegt, vermissen. Aber ungerecht 
wäre es, wollte man das als einen wesentlichen Mangel be- 
zeichnen, denn die Aufnahme aller Einzelheiten kann man selbst 
von einem so gross angelegten Werke nicht verlangen, seine 
Aufgabe ist vielmehr nur, den Entwickelungsgang des Münz- 
wesens im Allgemeinen, unter Namhaftmachung der Münzherren 
und unter Hervorhebung der bedeutendsten Gepräge zu skizziren, 
und dies ist hier geleistet, es ist insbesondere auch der Münz- 
geschichte durchweg Beachtung geschenkt, so z. B., um nur Eins 
zu erwähnen, die hochwichtige Ordonnance Ludwigs X von 1315 
(S. 374), welche dem baronalen Münzwesen so verhängnissvoll 
wurde, in ihren einzelnen Bestimmungen an den betreffenden 
Stellen wörtlich wiedergegeben. Aus der Fülle des Gebotenen 
etwas als vorzüglich bemerkenswerth namhaft zu machen ist 
kaum möglich, noch dazu da Dinge von allgemeiner grösserer • 
Bedeutung, wie Münz vertrage, die stufenweise Entartung und 
die Beibehaltung alten Gepräges (immobilisation et d6g6n6rescence), 
die ausnahmsweise Anwendung der Volkssprache bereits in der 
Einleitung (Bd. I S. IX— LXXXVII) Würdigung gefunden haben. 
Nur die Thatsache sei angeführt, dass das Erscheinen der 
französisch geschriebenen Ortsnamen auf den Denaren Matthaeus'II 
von Lothringen (Nancei, Prinei, Muricort, Linivile, Cirkes) seine 
Erklärung findet durch die Verordnung dieses Herzogs, dass alle 



Literatur. 297 

öffentlichen Urkunden im französischen Lothringen in französischer, 
und im deutschen Theile des Landes in deutscher Sprache ab- 
gefasst werden sollten. Und ferner sei hingedeutet auf den 
Nachweis der auf den Münzen genannten Münzmeister S. 381, 
486, 487, 493, 497, 507, 569, 572, 573, wogegen die deutschen 
etwas zu kurz gekommen sind. Der Leser wird namentlich bei 
den Abschnitten, die er nicht etwa zu seinem Fachstudium ge- 
macht hat, in ähnlicher Weise überall Interessantes die Hülle 
und Fülle finden. So weit ich wenigstens die Literatur kenne, 
glaube ich, dass die Herren Verf. sie sorgfältig und verständ- 
nissvoll benutzt haben, und dass daher ihre Arbeit so genau und 
vollständig ist, als der heutige Stand der Wissenschaft es er-' 
laubt Eine Einschränkung ist höchstens bezüglich unseres Vater- 
landes zu machen, ohne dass damit ein Tadel gegen die Herren 
Verf. erhoben werden soll, denen wir vielmehr danken müssen, 
dass sie, obwohl mit der Gefahr wohlbekannt (S. 513), sich der 
so unendlich schwierigen und daher von unsren eigenen Lands- 
leuten ängstlich gemiedenen Bearbeitung des deutschen Münz- 
wesens unterzogen haben. Die Schwierigkeit liegt einmal in der 
ausserordentlichen Fülle der deutschen Münzen und besonders 
darin, dass kein andres Land in gleichem Maasse mit schrift- 
losen Münzen behaftet ist, dann aber in der zum Theil gerade 
hierdurch bedingten Mangelhaftigkeit und Lückenhaftigkeit unsrer 
Literatur. Hier ist mit Kompilation wenig auszurichten, man 
muss selbst forschen und, gestützt auf bedeutende Sammlungen, 
wie sie doch, sei es als eigene sei es als öffentliche, nicht Jedem 
zugänglich sind, Jahre lang angestrengt arbeiten, um zu einiger 
Erkenntniss durchzudringen. Wer unter uns hielte sich jetzt 
wohl schon für befähigt, eine eingehende deutsche Münzgeschichte 
des Mittelalters zu schreiben? Die Müller sehe ist doch nur ein 
in den Anfängen stecken gebliebener, höchst unzulänglicher Ver- 
such, der eher abzuschrecken als zur Nachfolge aufzufordern 
geeignet ist Dem Ausländer aber, wenn er im Übrigen auch 
noch so gut vorbereitet ist, wird doch die Vorbedingung des 
Zugangs zu einer ausreichenden Sammlung fehlen, und er wird 



298 Literatur. 

sich daher wesentlich nur auf die Bücher, und darunter manche 
recht unzureichende, wie z. B. die Cappe' sehen *) angewiesen 
sehen. Kein Wunder also, wenn dieser Stand der Dinge hier 
zur Erscheinung kommt; als gewissenhafter Urtheiler darf ich 
darüber nicht mit Stillschweigen hinweggehen, ja ich muss, nicht 
um das so lobenswerthe Buch herabzusetzen, sondern um wo- 
möglich Berichtigungen im Schlussbande zu veranlassen, die mir 
aufgestossenen Bedenken hervorheben, wobei ich mich freilich 
dagegen zu verwahren habe, als wären mir nicht noch so manche 
entgangen, die Anderen auffallen mögen. 

S. 528 ist es ein Missverständniss, dass die „auf deutschem 
Boden" gemachten Funde von Münzen des XI. Jahrh. zahlreiche 
angelsächsische Pennies enthalten, das gilt vielmehr nur von den 
in den slavischen und skandinavischen Ländern gehobenen. Die 
daran geknüpfte Bemerkung über englischen Einfluss auf das 
Gepräge der deutschen Denare des XI. Jahrh. ist schwerlich be- 
gründet, ich wenigstens vermag davon auf den Fig. 940—948 
abgebildeten Münzen von Duisburg, Andernach, Bruno von Fries- 
land und Deventer nichts zu erkennen; und warum will man 
auch insbesondere die, Duisburger Stempelschneider, die uns doch 
so herrliche Gepräge sicher eigenster Erfindung, wie z. B. die 
mit den prächtigen Gebäuden und mit der thronenden Kaiserin 
geliefert haben, durchaus zu Nachahmern herabsetzen? Einzelne 
Anklänge etwa in den Brustbildern, den Gebäuden und sonstigem 
bildlichen Beiwerk liegen doch gewissermassen in der Luft, be- 
ruhen auf gemeinsamen Anschauungen der Zeitgenossen und 
lassen sich keineswegs auf Nachbildung fremder Münzmuster 



!) Wie gering sie von Cappe's Thätigkeit denken, sprechen die Herren 
Verf. Bd. I S. XXIV und S. 604 unumwunden aus, nur muss man doch wohl 
Leitzmann, den sie an ersterem Orte etwa auf Eine Stufe mit ihm stellen, 
etwas höher setzen, er ist nicht so kritiklos, im Fache der Brakteaten ziem- 
lich zuverlässig, und sein Wegweiser trotz aller, in meiner Beurtheüung 
dieses Buches (Berl. Bl. III S. 245, IV S. 119) nicht verhehlten Schwächen 
eine fleissige und nützliche Arbeit. Die Mängel seines literarischen Schaffens 
erklären sich zumeist aus seiner Vereinsamung auf dem Lande, und aus der 
frühen Zeit, in welcher er schrieb. 



Literatur. 299 

zurückführen. S. 531. Die Aufzählung der älteren deutschen 
Sterlinge wäre zu vervollständigen durch Konrad von Osnabrück 
1227-1238 (Cappe VIII 52) und Dietrich IX von Kleve 1275- 
1305 (Rev. Beige 1856 Taf. IV 3), auch wäre wohl bei den 
englischen und irischen der Nachprägungen schottischer Sterlinge 
(Lügde, Schwalenberg) zu gedenken gewesen. S. 536. Schwer- 
lich sind die Denare mit Hainrius dux denari in Mecklenburg 
zu Hause, wie der Thomsen'sche Katalog annimmt, sondern wohl, 
Grote's Ansicht (Blatt, f. Mzkde III S. 266) gemäss, von Heinrich 
dem Löwen. S. 540. Metzer Münzen mit Deodericus presul auf 
beiden Seiten sind mir wenigstens unbekannt und auch in der 
neuesten Münzgeschichte dieses Stiftes, von Robert, nicht zu 
finden. S. 541. Gegen die Zutheilung der Kopfdenare an Adal- 
bert III von Metz (statt an den zweiten) sprechen die Funde 
in nicht misszuverstehender Weise (s. Bd. H S. 732 meines an- 
gezogenen Werkes). S. 542. In RVOMIUNGIS haben wir wohl 
das heutige Rümlingen bei Esch an der Alzich (Luxemburg) zu 
sehen. S. 595 ist der hässliche Druckfehler Adolf von Habsburg 
zu berichtigen. S. 600 ist der autonome Denar Bruno's (Dannenb. 
378) übersehen. S. 605 heisst es, die kölnischen Viertelpfennige 
trügen wegen ihrer Kleinheit statt des Gebäudes ein Kreuz ; das 
ist unrichtig, mit einer einzigen Ausnahme haben sie regelmässig 
gleich den ganzen und halben Pfennigen deren sie kennzeichnende 
Kirche, nur die Umschrift ist weggelassen. S. 606. Die Münz- 
stätte Xanten ist nicht erst nnter Konrad von Hochstaden (nicht 
Hochstadt) eröffnet, wie die schönen Denare seines Vorgängers 
Hermann H lehren. S. 607. Die angebliche Lücke unter Engel- 
bert wird durch seinen Denar mit S. Golonia (Mzstud. VII S. 66, 
Plato Taf. II 31) ausgefüllt. S. 608. Auch in der Stadt Kleve 
haben die Grafen gemünzt. S. 611. Dass bis jetzt keine Münzen 
der Abtei Siegburg zum Vorschein gekommen, ist richtig, wenn 
es sich auf die Denarzeit beziehen soll, anderenfalls nicht zu- 
treffend (Mzstud. VII 63). S. 616. Auch von Kreuznach haben 
wir Denare Rosemanns von Isenburg - Kempenich (Mzstud. 
VII 192). S. 633. Schwerlich sind die Dortmunder mit Hein- 



300 Literatur. 

richs II und zugleich Ottos III Namen als entstanden durch 
Stempelvertauschung anzusehen, sie sind doch wohl eher 
den Denaren zu vergleichen, welche Ludwigs des Frommen 
Namen verherrlichen (Dannenb. 410, 766, 1528). S. 636 Und 
ebenso wenig ist No. 596 Dannenb. mit Otto dux und Heremon 
eine Zwitter münze; diese Anschauung beruht wesentlich auf 
der hier vertretenen unrichtigen Annahme Friedlaenders, dass 
der Hermann der Emdener Denare (Dannenb. 772, 773) ein 
Ravensberger sei; nimmt man ihn dagegen mit mir für Ottos 
Bruder, so schwindet jedes Befremden über diese Verbindung 
beider Namen (Dannenb. II S. 649). S. 642. Es fehlen Diepholz 
und Hohenlimburg, vielleicht aber haben wir die von diesen 
Herren geprägten Münzen im folgenden Bande zu erwarten; 
diese westfälischen Denare, so namentlich die von Bremen, 
Minden, Soest und Wolfhagen, ziehen sich ja bis tief in die 
Groschenzeit hinein. S. 644. Nachzutragen ist folgender Sterling 
irischen Gepräges: B8RN- HKRD-R8X III Rf. BIL-BVa- 
IiDQ-QIV, S. 646. Die Mindener Denare mit den Münzern 
sind wohl in ähnlicher Weise wie der Kamm auf den Champagner 
Münzen, der Rechen auf denen von Rethel, das Thor auf den 
Genuesischen, der Pfeil auf denen von Sai'da (s. S. 478), der 
Falke auf dem Steine auf Falkensteinern (Freckleben Taf. IV 92 
bis 100) zu erklären (Dannenb. S. 282). S. 648. Auch von dem 
Paderbornischen Driburg oder Iburg giebt es Denare (Plato 
Taf. I 12, Mzstud. VI S. 82, meine Grundzüge Taf. VII 58). 
S. 650. Bei der Seltenheit der Münzen von Helmershausen sei 
auf den Konrad Mader V 73 und den Sterling von Heinrich 
(num.-sphragist. Anzeiger 1884 S. 33, 1885 S. 13) aufmerksam 
gemacht. S. 656. D^r anonyme Korveier vom Knuts- Gepräge 
(Mader V S. 112, Plato I 16) gehört ohne Frage in die Zeit um 
1200, eher später als früher. — Mars montis für Marsberg dankt 
nur einem Irrthume Oappe's sein Dasein (s. übrigens Dannenb. 
II S. 639) S. 659. Auch Hattingen (und später Unna) sind als 
gräflich märkische Prägstätten bekannt. S. 660. Der märkische 
Schachbalken tritt zuerst unter Adolf II auf. S. 662. Nicht 



Literatur. 301 

„bisweilen" ist auf den Adelheids das Schlusswort amen unter- 
druckt und ebenso wenig ist „bisweilen-* das Otto durch Oddo 
ersetzt, sondern auf den allermeisten fehlt das amen, und das 
Otto statt Oddo gehört, von den Denaren mit amen abgesehen, 
zu den äusserst seltenen Ausnahmen; Mader (IV 50) kannte es 
gar nicht. — Die Adelheidsmünzen mit Kopf sind selbst nach 
Menadier, dem die Verf. folgen, und überhaupt nach allgemeiner 
und unbestreitbarer Annahme eine Nachahmung der Ethelreds, 
mithin nach 978, d. h. unter Otto III geprägt, wie ja auch 
Mader (IV 51) ausdrücklich bemerkt. Daher ist S. 664 bei 
Herzog Bernhard I das Otto I in Otto III zu verbessern. 
S. 667 hätte P. J. Meier's Schrift über den hochwichtigen Fund 
von Mödesse (Archiv f. Br. II 225) wegen seiner Bedeutung für 
die Kenntniss von Heinrichs des Löwen Brakteaten angeführt 
werden sollen, was allerdings bei Hildesheim S. 684 geschehen ist. 
S. 665. Keineswegs sind die herzoglich sächsischen Brakteaten 
des XIII. Jahrh. alle stumm, vielmehr haben wir von Albrecht I 
nicht weniger als vier verschiedene mit vollen Inschriften. Auch 
der Denare von brandenburgischer Art wäre zu gedenken ge- 
wesen, vorzüglich des mit WITTQB6 (Bahrfeldt, Aschersleben 
Taf. III 142) und des von Rudolf I mit RO (Berl. BL IV S. 50). 
S. 669. Einen zweiten Brakteaten von Wölpe s. Bd. VII Taf. VI 86 
dieser Zeitschrift. — Einzuschalten wäre hier der Schriftbrakteat 
des Grafen Ludolf II von Hallermund 1191—1255 (Bd. VIII 
S. 198 d.Z.). S. 672. Der schöne Denar mit SIOE-LVBICENS. 
SV ist doch wohl von Heinrich dem Löwen, der nach Helmold 
1158 in Lübeck eine Münzstätte anlegte, geprägt, nicht von dem 
Bischöfe, denn erst mit dem XVI. Jahrh. beginnt die Reihe der 
bischöflichen Münzen. S. 673. Einen gräflich Schwerin sehen 
Denar hat Grote Mzstud. VII Taf. 19 No. 10 bekannt gemacht. 
8. 674. Neben den allmählich in der Grösse sehr herabgegangenen 
Brakteaten hat man in Mecklenburg im XHI. und XIV. Jahrh. 
auch Pfennige brandenburgischer Art geschlagen, von denen 
allerdings nur der mit ROSTOT6 Schrift hat (s. Bd. IV Taf. V 61, 
Bd.V S. 199-204 d. Z.). S. 677. Ausser Brakteaten und Halb- 



302 Literatur. 

brakteaten hat uns Konrad von Halberstadt auch wahre Denare 
mit deutlichen Umschriften hinterlassen (Bd. XI Taf. III 3, 4 d. Z.). 
— Die Aufzählung der Brakteaten Ulrichs wäre durch die, welche 
er in Gemeinschaft mit Albrecht dem Bären geschlagen hat 
(Freckleben I 17, Leukfeld Magd. S. 181, Becker VI 164), zu ver- 
vollständigen. S. 679. Auch in Wegeleben hat Albrecht der Bär, 
und zwar Halbbrakteaten geprägt (Archiv f. Br. II 79, 302). 
S. 680. Aus der langen und interessanten Reihe der Brakteaten 
Bernhards wären die mit den Münzmeistern Burchard Helt und 
Helmoldus, unter Anführung von Elze's Schrift über „die Münzen 
Bernhards Grafen von Anhalt, Herzogs von Sachsen" (Berlin 
1870 und 1881), ebenso anzuziehen gewesen wie seine Denare 
(Posern Taf. XL VI 16, Berl. Bl. IV S. 49). S. 681. Die Grafschaft 
Brena ist 1290 nicht an Anhalt, sondern an Sachsen gefallen, 
wie auch S. 713 richtig gesagt ist. S. 681 Anm. 1 statt Freck- 
leben waren Stenzels numismat. Studien anzuführen. S. 682. Das 
Casterum Adelberti cm dürfte eher auf den Grafen von Veitheim 
1160—1195 zu beziehen sein (Weyl Berl. Mzbl. 1512). S. 684. 
Wir kennen jetzt ächte Brakteaten auch von den Hildesheimer 
Bischöfen Konrad I und Hartbert I (Bd. VII 398 d. Z.), Heinrich I 
(Mzstud. I Taf. 29 No. 6, Bd. XVII 247 d. Z.) und Otto I (Schöne- 
mann VI 96), mit dem merkwürdigen OTTO OTTNS (d. h. Ottonis 
filius). Ausserdem eine Reihe meist schriftloser Denare des 
XIV. Jahrh. (Weyl Berl. Mzbl. 1403). S. 688. Auch zweiseitige 
Pfennige haben die Quedlinburger Äbtissinnen geschlagen. S. 689. 
Schönemanns Erklärung des HERODIVS DENART durch Falken- 
pfennig hat doch wohl allgemeine Anerkennung gefunden. Nicht 
minder aber verdiente hier bei Falkenstein (Goslar?) Erwähnung 
der herrliche Brakteat mit ME FICIDeRTH-V-eLHAR (Weyl 
Berl. Mzbl. 1285) und der wegen seines einzig dastehenden 
Bildes des ersten Menschenpaares neben dem von der Schlange 
umwundenen Baum der Erkenntniss vielleicht noch inter- 
essantere (a. a. 0.). S. 691. Ausser den sicheren Brakteaten von 
Heidenreich und Otto hätten wohl auch die mit dem blossen 
Stadtnamen Magadeburg erwähnt werden sollen. — Der Brakteat 



Literatur. 303 

mit NRIALSL ist auch in ächten Exemplaren vorhanden und 
nicht einmal selten, nach Alsleben aber gewisss nicht gehörig 
(Num. Zeit. 1839 S. 205, Schönemann S. 54). S. 692 oder schon 
613 war v. Posern's wichtiges Werk: „ Sachsens Münzen im 
Mittelalter" (Leipzig 1846) zu nennen, das nur gelegentlich S. 710 
vorkommt. S. 665 s. „Die Schriftbrakteaten der Markgrafschaft 
Meissen" (Archiv f. Br. I 131, 211). S. 696. Die Münzstätte 
Freiberg wird genannt auf dem einzigen Brakteaten mit VRIBERG 
Bl. f. Mzfrde Taf. XLII 14. S. 698. Nicht DCO— AD, sondern 
MCO — AD hat mein Unicum (nicht „quelques bract6ates a ), statt 
der hier gegebenen Deutung ist also zu lesen Adalbertus marchio 
(Köhne N. F. S. 291, Bahrfeldt Brand. S. 78). — Übrigens 
haben wir von dem Wettiner Ulrich auch sehr grosse Brak- 
teaten (Berl. Bl. IV Taf. XLIH 1 , Bl. f. Mzfrde XIII 1 , 3). 
S. 703. Auch Suiza war landgräfliche Münzstätte, wie der 
Brakteat mit Mauritius um ein Bischofsbild (Bl. f. Mzfrde 1446 
Taf. 96 No. 1) beweist. S. 708. Das eigentümliche Verfahren, 
Brakteaten mit zwei Stempeln, einem erhabenen und einem ver- 
tieften zu prägen, oder mit Einem Stempel, der theils vertieft 
theils erhaben, oder auch lediglich erhaben geschnitten, ist ausser 
in Erfurt und Nordhausen auch in Magdeburg, Halberstadt und 
Breslau angewendet worden (Köhne N. F. Taf. X 50, Bd. VIII 
S. 17 dieser Zeitschrift, BL f. Mzfrde 1343, Freckleben S. 27, 
Archiv f. Br. 1 231, Friedensburg No. 495). S. 712. Statt Grafen 
ist zu lesen Herren von Schlotheim. — Wohl mit Recht wird 
der schöne Brakteat Bode Taf. II 8 mit König Konrads III Namen 
und Titel und hinzugefügtem Lampertus einem also genannten 
Grafen von Gleichen zugeschrieben (Weyl B. Mzbl. 1352). S. 713. 
Den Wimmelburger Denar darf man nicht als Halbbrakteaten 
bezeichnen. S. 715. Die Umschrift OTCVLM der No. 1188 hätte 
wohl, wie manche andere, eine Erklärung verdient, denn das 
Otto Cunradus Lusatiae marchiones ergiebt sich doch nicht so 
leicht. — Auch der Brakteat mit G0RLI2 (v. Posern XLV 16) 
hätte als eine der wenigen lausitzer Schriftmünzen Aufnahme 
finden können. S. 724. Unter den Münzstätten der ältesten 



304 Literatur. 

pommerschen Herzöge ist Demmin vergessen. S. 727. Friedberg 
ist als kaiserliche Prägstätte beglaubigt durch Denare von Hein- 
rich VI und Friedrich H. Ausserdem wäre Oppenheim (Mader 
IV Taf. IV 59) zu nennen gewesen. S. 729. Dass in Würzburg 
schon vor Otto II gemünzt worden, ist Bd. I S. 263 richtig ge- 
sagt. S. 730. Zu Wetzlar ist nicht blos unter Philipp und Otto IV 
(nicht Halbbrakteaten, sondern grosse dünne Denare) geprägt 
worden, sondern auch unter Konrad IV. Daneben ist Kalsmunt, 
die kaiserliche Burg über Wetzlar zu nennen, denn mit deren 
Namen hat der Fund von Nauborn (Bd. XVI S. 151 d. Z.) uns 
schöne Denare von Barbarossa geliefert S. 732. Der so merk- 
würdige einseitige Denar (Pfalzgraf Ludwigs II) von Alzei 
(flMi-Z-B'I-G-Q-) scheint den Verf. unbekannt geblieben zu 
sein, weil er nicht in einer Fachschrift, sondern in den Mit- 
theilungen des histor. Vereins der Pfalz (Heft 9) veröffentlicht 
ist. S. 736. Bei der grossen Dürftigkeit unserer Literatur über 
die interessanten Würzburger Münzen hätte Mader's Abhandlung 
(IV S. 226 — 250) Anführung verdient, und namentlich der Denar 
Bischof Otto's mit des jüdischen Münzmeisters Jechiel Namen in 
hebräischen Buchstaben (Mader IV Taf. V 72, Bd. XV d. Z. 
Sitzungsb. S. 4). — St. Theres ist zu streichen, der hierher ver- 
legte Denar ist wohl bambergisch (Mitth. d. bayr. num. Ges. X 
S. 31). S. 738. Auch von Biedenkopf und Homburg giebt es 
Denare der Sophia (Bl. f. Mzkde I No. 21), nicht minder Brak- 
teaten, zum Theil mit den Namen der Münzstätten Marburg 
und Alsfeld (Num. Zeit. 1837 S. 103, num.-sphrag. Anz. 1879 
S. 99). S. 739. Berthold hat seine Denare in Rauschenberg und 
Nidda geprägt (Bl. f. Mzfrde S. 1630). S. 741. Die Umschrift der 
Siegener Obole lautet IVOSLL — DV8CO, nicht RVOBERDVS CO. 
S. 744. Bei der äusserst geringen Zahl schwäbischer Schrift- 
brakteaten hätte man die mit LIMDAVGIA, RAVENc/>PVRG (Num. 
Zeit.1866), PIbRAHE.ENSSIS.MON6TA (Num. Zeit. 1861 Taf.II79, 
Archiv f. Br. II 217), HAINRIC6PC (Archiv f. Br. I Taf. III 12), 
gern angeführt gesehen. S. 748. Selbst wenn man die bei Thion- 
ville gefundenen Bertholds dem Bischof von Toul zuspricht, so 



Literatur. 305 

bleibt doch immer noch ein unbestreitbares Gepräge des ältesten 
Breisgauer Grafen in Dannenb. Tai. 61 No. 1378, wichtig als 
ältestes aller heut noch blühenden europäischen Fürstenhäuser. 
S. 753. Neben Zofingen war Laufenburg eine thätige habsburgische 
Münzstätte. S. 761. Dass uns gar keine Münzen aus der Zeit 
zwischen den bairischen Herzögen Heinrich VII und Heinrich XII 
dem Löwen erhalten seien, ist jetzt nicht mehr richtig, es fallen 
in diese Zeit, von den stummen Geprägen abgesehen, die Brücken- 
pfennige mit RATISPONA und die ebenfalls vom Herzoge und 
dem Bischof geschlagenen mit dem Bischofsnamen Hartwich 
(Wiener num. Z. 1880 [XXII] S. 25 ff.). Auch der bischöflich 
Regensburgische Pfennig mit Konrads I (1126—1131) Namen 
(Kat Thomsen No. 4870) ist zu S. 764 nachzutragen. S. 764 
wird das Bisthum Eichstädt vermisst, wo Heribert geprägt hat 
(Dannenb. No. 1383). S. 766. Krems ist als österreichische Präg- 
stätte urkundlich seit 1157 bekannt (Wiener num. Z. 1878 S.254). 
S. 768. Den zahlreichen stummen kärnthischen und steirischen 
Denaren gegenüber wäre eine etwas reichlichere Aufzählung der 
mit Schrift versehenen von Friedrich, Ottokar, Rudolf erwünscht 
gewesen, es sei nur an die mit 06 6R6I2 (Wien. num. Z. 
XI 258) und den so merkwürdigen IÄDKÜS RB (a. a. 0. XIX 252) 
erinnert S. 796 (nicht 976) fehlt der Poppo (Bd. XIV Taf. XIII 6 
d. Z.), mit dem die Reihe der Gepräge von Aquileja beginnt; sollte 
er etwa wegen Verdachts der Unächtheit, wie sie auf der diesem 
Patriarchen das Münzrecht bewilligenden Urkunde von 1028 
ruht, weggelassen sein, so hat der Zweifler im Egl. Münzkabinet 
Gelegenheit, sich von ihrer unbestreitbaren Ächtheit zu überzeugen. 
S. 843. Wegen der Seltenheit des Titels wäre der XIHTRIC 
CVNVNC (Bd. I 368 d. Z.) nachzutragen. S. 849. Unmittelbare 
Vorgänger des äusserst seltenen einzigen Denars von Sven Tveskäg 
sind die erst von Hauberg richtig erkannten Halbbrakteaten, die 
noch in Bd. I 332 für polnisch ausgegeben sind. S. 854. Als 
die älteste Münze mit christlicher Jahreszahl ist die von 1247 (?) 
mit ÄRßO DOflöttl Rf. flMKIXX .... I (Köhne V Taf. VIII 1, 
Mader V S. 147) in hohem Grade erwähnenswerth. S. 868. Die 



306 Literatur. 

merkwürdigen Runenmünzen des Gräslid - Fundes sind von 
Magnus II und Olaf Kyrre. Dass aber No. 1335 nicht Magnus II, 
sondern dem ersten angehört, macht u. a. der Plorisker Fund 
(Berl. Bl. VI 269) fast zur Gewissheit. S. 860. Unter Olafs Skot- 
konungs Münzen war namentlich die mit SMELLINC ME PROFecit 
aufführenswerth. S. 868. Für Schlesien war das Friedens- 
burg'sche Werk anzuziehen. S. 870. Den schlesisch - polnischen 
Brakteaten gegenüber sind die im XIII. Jahrh. ihnen folgenden 
schlesischen von böhmischer Art doch keineswegs klein zu nennen. 
S. 874. Die Vertheilung der Boleslawsmünzen unter die drei 
Herzöge dieses Namens ist der Natur der Sache nach sehr 
streitig, einig ist man aber wohl in der Zutheilung der Schwert- 
münzen an den ältesten. S. 875. Soviel mir wenigstens bekannt, 
führt Wissehrad nie den Beinamen sancta. S. 876. Unter den 
Jaromir's ragen besonders hervor der von Pilsen (Berl. Bl. I 
Taf. II 89) und die vom Ethelreds- Typus (a. a. 0. 88, Bl. f. 
Mzkde II Taf. XX 313). S. 879. Als etwas Beispielloses hätte 
von Wladislaw (f 1125) der Denar mit SATAMAVS (Wiener num. 
Z. XIX Taf. II 85) Anführung verdient, ebenso wie S. 896 die 
Thatsache, dass Stephan III und IV auf ihren Münzen zum 
Theil den Eaisertitel führen. 

Übergangen sind in Vorstehendem selbstverständlich die 
Ergänzungen, welche die neueste, während des Druckes er- 
schienene Literatur bietet, so bezüglich der Herren von Apolda, 
Eilenburg, Pack, Plesse (Bd. XIV Sitzungsb. S. 39), der Grafen 
von Veitheim, der Burggrafen von Hammerstein u. s. w., und ebenso 
Alles, was der soeben erst ausgegebene II. Band meines vorge- 
dachten Werkes bringt, in welchem insbesondere auch meine abwei- 
chende Ansicht bezüglich Winoxberg, Adalbero I und II von Metz 
und der Adelheidsmünzen dargelegt ist. Man sieht, dass die vor- 
stehenden Erinnerungen, fast lediglich auf das deutsche Gebiet be- 
schränkt, nur zum kleineren Theile Unrichtigkeiten zum Gegen- 
stande haben; sie sind dem bei einem deutschen Leser natür- 
lichen Wunsche entsprungen, . die Münzkunde des eigenen Vater- 
landes etwas erschöpfender dargestellt zu sehen. Demselben Ge- 



Literatur. 307 

danken möchte ich den Münzabbildungen gegenüber Ausdruck geben. 
Sie sind zwar im Allgemeinen so wie die des I. Bandes durchaus 
befriedigend, theilweis sogar schön, aber von der hervorragenden 
Schönheit vieler unserer norddeutschen Brakteaten aus Barba- 
rossa's Zeit bekommt man hier keinen ausreichenden Begriff, 
von diesen Prachtwerken romanischer Kunst ist eigentlich nur 
der Brakteat Albrechts des Bären mit seiner Gemahlin (No. 1197) 
und auch nicht einmal ganz genügend (wie die meisten aus 
Schlumberger übernommenen) dargestellt, während das Titelblatt 
einen weder schönen noch interessanten Halberstädter Stephans- 
pfennig trägt. Von den zahlreichen herrlichen Brakteaten Barba- 
rossa^, Wigmanns von Magdeburg, Ulrichs von Halberstadt, 
der Beatrix und Adelheid von Quedlinburg, Heinrichs des Löwen, 
Herzog Bernhards u. s. w. hätte sich doch so mancher als wür- 
diger Vertreter alter deutscher Kunst zur Abbildung empfohlen. 
Nur freilich müssen wir, um gerecht zu sein, bedenken, dass es 
im Auslande nicht leicht sein wird, sich die nöthigen Vorlagen 
zu beschaffen, die auch bei uns nicht überall anzutreffen sind. 
Lassen wir uns also am Gebotenen genügen, so müssen wir be- 
kennen, dass die Herren Verf. ihrer so schwierigen Aufgabe 
gegenüber geleistet haben, was man billigerweise nur erwarten 
konnte, so dass ihre Arbeit sich dem I. Bande würdig anschliesst 
und dem angehenden wie dem erfahreneren Münzfreunde bestens 
empfohlen werden kann. Beide Klassen von Lesern werden mit 
dem Unterzeichneten den Herren Engel und Serrure nebst ihrem 
Danke für ihr treffliches, mühevolles Werk ein Glück auf! für 
den noch ausstehenden letzten Band zurufen. H. D. 



H. Dannenberg, Die deutschen Münzen der sächsischen und 
fränkischen Kaiserzeit. Zweiter Band. Mit einer Landkarte 
und XXXIX Tafeln. Berlin, Weidmannsche Buchhandlung 1894. 
Es wird wenige „Münzbücher" geben, die sich einer so 
weiten Verbreitung erfreuen, wie der erste im Jahre 1876 er- 
schienene Band des grossen Dannenbergschen Werkes. Durch 



308 Literatur. 

ihn sind die ältesten deutschen Gepräge überhaupt erst weiteren 
Kreisen zugänglich geworden, da man bis dahin zahlreiche ver- 
schiedene Werke und Zeitschriften nachschlagen musste, um sich 
mit diesen Denkmälern einer grossen und interessanten Ver- 
gangenheit bekannt zu machen. Kam so Dannenbergs Buch 
einem wirklich vorhandenen Bedürfniss entgegen, so hat es den 
schönsten Erfolg, den sich ein Forscher wünschen kann, darin 
gehabt, dass den Münzen der in Rede stehenden Zeit nunmehr 
allseits grössere Aufmerksamkeit entgegengebracht wurde: zahl- 
reiche neue Gepräge tauchten in den Sammlungen auf, und na- 
mentlich fanden jetzt mehr Funde, darunter auch solche aus dem 
deutschen Binnenlande, die ihnen gebührende Verzeichnung und 
Beschreibung. So kann es nicht Wunder nehmen, dass uns der 
Herr Verfasser jetzt mit einem so umfangreichen und in jeder 
Beziehung werth vollen Nachtrage beschenken kann, wenn man 
diesen Ausdruck auf eine so bedeutende Nachlese überhaupt 
anwenden darf. 

In dem vorliegenden Bande erhöht sich die Seitenzahl von 
510 auf 757, die der Abbildungstafeln von 61 auf 100 und die 
der behandelten Münzen — ungerechnet die, wie bisher, nicht 
mitgezählten Stempelverschiedenheiten — von 1390 auf 1866. 
Nicht weniger als 52 neue Funde sind verwerthet worden, unter 
denen an Reichthum des Inhalts die von Vossberg und Ladeinoje 
Pole obenanstehen. Sehr wesentlich vermehrt, insbesondere in 
Rücksicht auf die Forschungen und Entdeckungen auswärtiger Ge- 
lehrter, sind die Abschnitte, welcher die jetzt nicht mehr zum Reiche 
gehörigen oder ihm erst durch den ruhmreichen Krieg von 1870/71 
wieder angefallenen Gebiete behandeln, also die Niederlande und 
Lothringen, aber auch das eigentliche Deutschland hat in allen 
seinen Gebieten, namentlich für die Rheinlande und die Harz- 
gegenden, wichtige Bereicherungen erfahren, und endlich tritt 
eine ganz neue 1 ) Gruppe, die der österreichischen Münzen aus 



1) „Neu" wird hier und im Folgenden überall im Verhältniss zn dem 
Inhalt des ersten Bandes gebraucht, ohne Bücksicht darauf ob die betreffende 
Münze inzwischen sonst wo veröffentlicht und besprochen wurde. 



Literatur. 309 

dem Anfang des XL Jahrhunderts, die wir dem grossen Funde 
von Rackwitz verdanken, in den Bereich unseres Interesses. 
Gross ist die Zahl der zu den bereits bekannten neu hinzukom- 
menden Münzstätten : Gambray, St. Omer, Lens, Alost, Eenham, 
Wessem, Tournay, Luxemburg, Bonn, Prüm, Rhynsburg, Zwoll, 
Ballen städt, Braunschweig, Gittelde, Bursfelde, Nordheim, Barde- 
wieck, Helmershausen, Marsberg, Arnstadt, St. Gallen und Aquileja. 
Auch eine Reihe neuer Münzherren lernen wir kennen: ausser 
der erst durch die Funde von Meisterswalde, Witzmitz und Klein- 
Roscharden gesicherten Gräfin Adela seien der lothringer Herzog 
Gieselbert, der Billunger Graf Dietmar, die Grafen Heinrich, Udol 
und II von Stade, Markgraf Heinrich der Fette von Nordheim 
und der Patriarch Poppo von Aquileja 1 ) genannt Es verdient her- 
vorgehoben zu werden, dass diese Nachträge, deren Ermittelung 
und Bestimmung vielfach den fleissigen Forschungen Menadiers 
verdankt wird, die Prägung der kleineren Fürstlichkeiten als 
eine viel reichere erscheinen lassen, wie bisher bekannt war. 
Wir haben jetzt Münzen der Grafen von Katlenbur$, Ballenstadt, 
Winzenburg, der Grafen Dietmar und Eilhard u. a. m. — eine 
Feststellung, die für die Eenntniss und Beurtheilung der damaligen 
staatsrechtlichen und politischen Verhältnisse nicht ohne Werth 
ist. Zu den interessantesten Neuheiten, die uns der Herr Ver- 
fasser bietet, gehört der braunschweiger Denar Markgraf Egbert II 
mit der deutschen Inschrift: GIEVE ED(b)ERTVS (Nr. 1579), das 
Seitenstück zu der jetzt endlich als deutsch erkannten Aufschrift 
der Gittelder Pfennige (Nr. 1220 fg.), die als redende Münzen 
sich einigen, auch wegen ihres Gepräges merkwürdigen kleinen 
Denaren Roberts I von Flandern (Nr. 155, 158) anreihen. Über- 
haupt findet sich für das höchst interessante, bei uns leider noch 
ziemlich vernachlässigte Studium der Münzbilder manch werth- 
volles Material. Abgesehen von den Österreichern, die ähnlich 



*) Es ist wohl unbedenklich ansunehmen, dass die auf der EU. dieser 
Manie (Nr. 1731) neben dem Kirchengebaude erscheinenden, Ton Dannenberg 
mit AOX~b wiedergegebenen Buchstaben die Abkürzung des Namens Aquileja 
geben. 

Zeitschrift fer Nuniraifttik. XUL 21 



310 Literatur. 

den jüngsten Regensburgern dieser Periode (Nr. 1714 fg.) einen 
im Verhältniss zu ihren Zeitgenossen höchst auffallenden Reich- 
thum der Phantasie entwickeln, sei namentlich auf die Gepräge 
der westlichen Reichshälfte verwiesen, wo sich oft zierlich ent- 
worfene und sauber ausgeführte, mehrfach auch höchst originelle 
Münzbilder finden, während der Osten sich fast ausschliesslich mit 
hergebrachten Darstellungen begnügt. Wenn es gestattet ist, ein 
paar besonders interessante Bilder hervorzuheben, so seien neben 
den Flandren (Nr. 155 fg., namentlich Nr. 1448 mit drei Fischen, 
die sicher eine religiöse Bedeutung haben und nicht als Wappen 
anzusprechen sind), die Lütticher Nr. 1471 fg. und 1487 fg. erwähnt. 
Bemerkt sei auch, dass die früher als Dreispitz bezeichnete, aber 
schon 1857 von dem Herrn Verfasser richtig als Zeichen der 
heiligen Dreieinigkeit erkannte und hier noch einmal eingebend 
besprochene (S. 514) Figur sich u. a. auf österreichischen Pfen- 
nigen (Taf. 90 Nr. XVII, 29 u. 30) findet und dass man dort (ebenda 
Nr. XV, 27 a, b) und in Worms (Nr. 1646) römische Münzen 
(mit zwei unter einem Banner sitzenden Gefangenen bezw. dem 
Bilde der Kaiserin Helena) nachgeahmt hat, während Bischof 
Wilhelm von Utrecht einen böhmischen Brzetislaw copirt hat 
(Nr. 1544). Vor Allem aber ist das auf dem Titelblatte abge- 
bildete Medaillon mit dem römisch gehaltenen Brustbild Hein- 
richs I, das einzige Bildniss dieses Fürsten auf einem münz- 
ähnlichen Werke zu erwähnen 1 ). 

Neben diese Neuigkeiten im eigentlichen Sinne treten dann 
noch die zahlreichen Fälle, in denen der zweite Band Lesungen, 
Deutungenund Zutheilungen seines Vorgängers berichtigt, und die 
aufzuzählen viel zu weit führen würde. Solchen Berichtigungen 
verdanken wir u. a. die Zuweisung bereits bekannter Münzen an 
die Prägestätten zu Zw oll und Bardewieck, an die Grafen von 
Stade, den Grafen Eilhard u. a. Dafür kommt die Münzstätte 



>) Es ist bedauerlich und nicht recht Yerst&ndlkh, dass dieses überaus 
merkwürdige 8tück nicht ebenso in das Werk selbst aufgenommen worden ist, 
wie die kupfernen und messingenen Bennos (Nr. 759 fg.) u. der sich ihnen an- 
schliessende Heinrich (Nr. 1586). 



Literatur. SU 

Malmädy in Wegfall, die hierhin verlegten Denare Nr. 273/274 
werden mit guten Gründen der Abtei Wessem zugetheilt. Be- 
seitigt ist auch der friesische Liudolf mit dem Kölner Stadtnamen 
(Nr. 497), der u. a. auch unserm Herrn Verfasser viel Kopfzer- 
brechen und viel — Papier gekostet hat, und der sich jetzt 
(Nr. 1826) als ein Pfennig von St. Trond (5 TRVDO) herausstellt. 
Die vermeintlichen Villinger Pfennige des Zähringers Berthold 
sind als solche des gleichnamigen Bischofs von Toul erkannt (S. 550), 
während die beiden Denare Nr. 1181 und 1181a, die einen 
Namen wie „Brungnistaf zu ergeben schienen, sich jetzt als 
eichstätter Gepräge des Münzmeisters Brun erweisen. 

Soweit die Übersicht über den uns von dem Herrn Ver- 
fasser gebotenen neuen Stoff. Im Äussern schliesst sich dieser 
zweite Band genau an den ersten an, indem er die Zählung 
der Münzen und Seiten fortsetzt, selbstverständlich auch Druck 
und Ausstattung seines Vorgängers beibehält; Eintheilung und 
Behandlung des Stoffes sind hier wie dort dieselben. Leider ist 
die Übersicht über das Ganze jetzt noch sehr erschwert: denn 
auch der zweite Band hat, wie der erste, einen sehr umfänglichen 
Nachtrag erhalten, und man ist nun genöthigt, eine Münze durch 
vier Abtheilungen zu verfolgen, ehe man mit Sicherheit das letzte 
Ergebniss der Forschung feststellen kann. Besonders schwierig 
ist es, eine Münze nach der Nummer in dem neuen Bande zu 
finden, wie sich daraus ergeben mag, dass z. B. auf S. 612 fg 
die Nummern 581a, 1554, 1555, 1390, 1262, 1237, 1556 in 
dieser Reihenfolge hinter einander kommen. Der Herr Verfasser 
ist sich dieser Unzuträglichkeiten offenbar selbst voll bewusst ge- 
worden und hat sich bemüht, sie durch Verweisungen zu be- 
heben, aber selbst er hat sich dabei manchmal verirrt, und so 
finden sich — sonst eine grosse Seltenheit in seinen Werken — 
einzelne Fälle, wo Text und Abbildungen nicht mit einander über- 
einstimmen, z. B. steht der S. 721 erwähnte Pfennig Nr. 1225 a 
nicht auf Tafel 93 neben seinen Textnachbarn, sondern auf Tafel 
94 und die auf S. 548 angekündigte bessere Abbildung der Nr. 37 
fehlt gänzlich. Wir wollen schon aus diesem Grunde, um zu 

21* 



312 Literatur. 

einem vollen Genüsse der hier geleisteten Arbeit zu gelangen, 
wünschen, dass der Herr Verfasser uns noch einmal mit einer 
einheitlichen und zusammenfassenden Darstellung dieses wichtigen 
Abschnittes unserer Wissenschaft beschenken möge: ein Wunsch, 
der trotz Herrn Dannenbergs Alter bei der aus jeder Seite heraus- 
leuchtenden Geistesfrische und Arbeitslust durchaus kein „pium 
desiderium" ist. 

Man erwartet heutzutage von der Besprechung eines Buches, 
dass der Berichterstatter nicht nur angiebt, was Alles darin zu 
finden und daraus zu lernen und inwieweit der Verfasser seiner 
Aufgabe gerecht geworden ist, sondern es ist mehr und mehr 
üblich geworden, dass der Rezensent zu einer möglichst grossen 
Anzahl mehr oder minder wichtiger Einzelheiten selbständig dem 
Verfasser gegenüber Stellung nimmt und ihn dabei, wenn irgend 
möglich, eines Irrtums oder sonstigen Unrechts überführt. Es 
sei gestattet, diesen Gebrauch hier nicht mitzumachen: es 
ist bekannt, dass Herr Dannenberg auch in der Darstellung 
streitiger Fragen Vollständiges zu geben pflegt, und so mag 
jeder Leser und Forscher bezüglich der zahlreichen hier behan- 
delten Zweifelspunkte, unsicheren Zutheilungen u. s. w. sich 
selbst sein Urtheil bilden. Denn dass bei einem so schwer zu 
behandelnden Stoffe und bei einer solchen Fülle von Denkmälern 
nicht überall unanfechtbare Wahrheit gewonnen oder auch nur 
zu gewinnen ist, steht als selbstverständlich von vornherein 
fest 1 ). Ist ja doch auch die Zahl der noch unerklärten Stücke 
trotz so vieler glücklicher Zutheilungen früher unter ihnen auf- 
geführter Pfennige nicht kleiner geworden, sondern beträchtlich 
gewachsen. Nur zu einer Frage möchte ich persönlich Stellung 
nehmen, die, wo nicht die wichtigste, jedenfalls eine der wich- 
tigsten ist, die in dem vorliegenden Buche behandelt, sind, näm- 



*) Eine besonders wichtige Frage, die noch der eingehenden Rrörtarang 
harrt, ist die, ob man damals schon wirkliche Goldmünien nicht blow rer- 
einzelt geprägt hat (s. S. 513). Auch wäre ein Vergleich der urkundlichen 
Nachrichten über die Prägestätten des Reiches mit dem vorhandenen Mfins- 
Y^r-aH» dHnf \t*a v "inr^h^ nQ wer*h. 



Literatur. 313 

lieh der Frage, ob die unter dem Namen Adelheidsdenare all- 
bekannten Münzen dem Kaiser Otto I oder dem III angehören 
Da diese Münzen die häufigsten der sächsischen Eaiserzeit sind 
und von einer gewissen Zeitgrenze ab in allen Funden vor- 
kommen, oft deren Hauptmasse bildend, so liegt auf der Hand, 
dass es für die gesammte numismatische Chronologie dieses 
Zeitraumes von höchster Bedeutung ist, festzustellen, ob sie 40 
Jahre früher oder später geprägt sind. Dannenbergs Ansicht, 
der diese Pfennige in Übereinstimmung mit Cappe und Fried- 
laender an Otto III giebt, ist, wie bekannt, jüngst von Me- 
nadier mit dem ganzen Aufwand an Gelehrsamkeit, die diesen 
Forscher auszeichnet, leider in einem durch die Fülle der neben- 
her erörterten anderweiten Fragen unübersichtlich gewordenen 
Aufsatz l ) bekämpft worden ; wie wir scheint : mit Unrecht. Giebt 
man einmal zu, dass die sämmtlichen Pfennige mit dem Namen 
der Adelheid in dem Sinne zusammengehören, dass ihre Prägung 
auf demselben Rechtsgrunde beruht, und erkennt man an, dass 
die Sorte mit dem Bildniss unter dem Einfluss der seit 978 ge- 
prägten Ethelreds entstanden ist, dann ist m. £. die Frage zu 
Gunsten Ottos III entschieden. Denn eine auch nur einiger- 
m&assen glaubhafte Erklärung, weshalb Otto der Grosse nach 
seiner Kaiserkrönung und nach seinem Tode immer noch weiter 
gerade auf diesen Münzen nur mit dem Königstitel bezeichnet 
worden sein sollte, ist bisher nicht gefunden worden. Von 
einem »type immobilis6 tf , wie etwa das gleichzeitige Kugelkreuz 
mit der Umschrift Ludwigs der Frommen, lässt sich doch nicht 
reden, wo das Gepräge mehrfach so gründlich in allen seinen 
Theilen geändert worden ist, dass selbst der Name der Kaiserin 
in erheblich von einander abweichenden Schreibarten erscheint. 
Was aber die von Menadier angezogenen Urkunden anlangt, 
nach denen die Stellung der Adelheid staatsrechtlich bei weitem 
nicht so einflussreich und bedeutend gewesen sein soll, als die 
der Theophano, so kann ich einmal in den Formeln, mit welchen 

1 ) Ganz neuerlich hat Menadier seine Ansicht noch einmal in den Ber- 
liner Münzbl&ttern 1894 Nr. 166 fg. kürzer zusammengefasst vorgetragen. 



312 Literatur. 

einem vollen Genüsse der hier geleisteten Arbeit zu gelangen, 
wünschen, dass der Herr Verfasser uns noch einmal mit einer 
einheitlichen und zusammenfassenden Darstellung dieses wichtigen 
Abschnittes unserer Wissenschaft beschenken möge: ein Wunsch, 
der trotz Herrn Dannenbergs Alter bei der aus jeder Seite heraus- 
leuchtenden Geistesfrische und Arbeitslust durchaus kein „pium 
desiderium" ist. 

Man erwartet heutzutage von der Besprechung eines Buches, 
dass der Berichterstatter nicht nur angiebt, was Alles darin zu 
finden und daraus zu lernen und inwieweit der Verfasser seiner 
Aufgabe gerecht geworden ist, sondern es ist mehr und mehr 
üblich geworden, dass der Rezensent zu einer möglichst grossen 
Anzahl mehr oder minder wichtiger Einzelheiten selbständig dem 
Verfasser gegenüber Stellung nimmt und ihn dabei, wenn irgend 
möglich, eines Irrtums oder sonstigen Unrechts überführt. Es 
sei gestattet, diesen Gebrauch hier nicht mitzumachen: es 
ist bekannt, dass Herr Dannenberg auch in der Darstellung 
streitiger Fragen Vollständiges zu geben pflegt, und so mag 
jeder Leser und Forscher bezüglich der zahlreichen hier behan- 
delten. Zweifelspunkte, unsicheren Zutheilungen u. s. w. sich 
selbst sein Urtheil bilden. Denn dass bei einem so schwer zu 
behandelnden Stoffe und bei einer solchen Fülle von Denkmälern 
nicht überall unanfechtbare Wahrheit gewonnen oder auch nur 
zu gewinnen ist, steht als selbstverständlich von vornherein 
fest 1 ). Ist ja doch auch die Zahl der noch unerklärten Stücke 
trotz so vieler glücklicher Zutheilungen früher unter ihnen auf- 
geführter Pfennige nicht kleiner geworden, sondern beträchtlich 
gewachsen. Nur zu einer Frage möchte ich persönlich Stellung 
nehmen, die, wo nicht die wichtigste, jedenfalls eine der wich- 
tigsten ist, die in dem vorliegenden Buche behandelt sind, näm- 



*) Eine besonders wichtige Frage, die noch der eingehenden Erörterung 
harrt, ist die, ob man damals schon wirkliche Goldmünzen nicht bloss ver- 
einzelt geprägt hat (s. S. 513). Aach wäre ein Vergleich der urkundlichen 
Nachrichten über die Prägest&tten des Reiches mit dem vorhandenen Münz- 
yorrath dringend wünschenswerth. 



Literatur. 313 

lieb der Frage, ob die unter dem Namen Adelheidsdenare all- 
bekannten Münzen dem Kaiser Otto I oder dem III angehören 
Da diese Münzen die häufigsten der sächsischen Kaiserzeit sind 
und von einer gewissen Zeitgrenze ab in allen Funden vor- 
kommen, oft deren Hauptmasse bildend, so liegt auf der Hand, 
dass es für die gesammte numismatische Chronologie dieses 
Zeitraumes von höchster Bedeutung ist, festzustellen, ob sie 40 
Jahre früher oder später geprägt sind. Dannenbergs Ansicht, 
der diese Pfennige in Übereinstimmung mit Cappe und Fried- 
laender an Otto III giebt, ist, wie bekannt, jüngst von Me- 
nadier mit dem ganzen Aufwand an Gelehrsamkeit, die diesen 
Forscher auszeichnet, leider in einem durch die Fülle der neben- 
her erörterten anderweiten Fragen unübersichtlich gewordenen 
Aufsatz 1 ) bekämpft worden; wie wir scheint: mit Unrecht. Giebt 
man einmal zu, dass die sämmtlichen Pfennige mit dem Namen 
der Adelheid in dem Sinne zusammengehören, dass ihre Prägung 
auf demselben Rechtsgrunde beruht, und erkennt man an, dass 
die Sorte mit dem Bildniss unter dem Einfluss der seit 978 ge- 
prägten Ethelreds entstanden ist, dann ist m. E. die Frage zu 
Gunsten Ottos III entschieden. Denn eine auch nur einiger- 
m&assen glaubhafte Erklärung, weshalb Otto der Grosse nach 
seiner Kaiserkrönung und nach seinem Tode immer noch weiter 
gerade auf diesen Münzen nur mit dem Königstitel bezeichnet 
worden sein sollte, ist bisher nicht gefunden worden. Von 
einem »type immobilisä", wie etwa das gleichzeitige Kugelkreuz 
mit der Umschrift Ludwigs der Frommen, lässt sich doch nicht 
reden, wo das Gepräge mehrfach so gründlich in allen seinen 
Tbeilen geändert worden ist, dass selbst der Name der Kaiserin 
in erheblich von einander abweichenden Schreibarten erscheint. 
Was aber die von Menadier angezogenen Urkunden anlangt, 
nach denen die Stellung der Adelheid staatsrechtlich bei weitem 
nicht so einflussreich und bedeutend gewesen sein soll, als die 
der Theophano, so kann ich einmal in den Formeln, mit welchen 

1 ) Gant neuerlich hat Menadier seine Ansicht noch einmal in den Ber- 
liner Münzblättern 1894 Nr. 166 fg. kürzer insammengefasst rorgetragen. 



314 Literatur. 

die Schreiber der kaiserlichen Kanzlei die Zustimmung der einen 
wie der anderen Kaiserin zu dem beurkundeten Rechtsgeschäft 
bescheinigen, keinen bedeutenden, streng festgehaltenen Unter* 
schied finden. Aber selbst wenn dieser Unterschied bestände, 
oder wenn darauf ein Gewicht zu legen sein sollte, dass Theo- 
phano in Italien als Kaiser selbst Urkunden ausgestellt hat, so 
würde ich die Beweiskraft dieser Briefe für die Entscheidung 
des vorliegenden Streites nicht hoch veranschlagen. Menadier 
selbst hat einmal Dannenberg die Überschätzung des Beweises 
„ex silentio« vorgehalten: wer steht nun ihm dafür, dass nicht 
noch einmal ein Pfennig der Theophano oder Urkunden auf- 
tauchen, welche die Stellung der Adelheid in anderem Lichte als 
die von ihm beigebrachten erscheinen lassen? Und über dies 
Alles: müssen wir nicht zugeben, dass die Übereinstimmung 
der mittelalterlichen Urkunden und Münzen, wenn sie sich ein* 
mal nachweisen lässt, ein höchst seltener Fall ist und dass in 
der Regel aus den Urkunden ein anderes Bild der Geschehnisse 
hervorleuchtet als aus den Münzen? Ich bin, wenn ich von mir 
reden darf, mir bewusst, theoretisch und praktisch immer — auch 
Herrn Dannenberg gegenüber — für die Forderung eingetreten zu 
sein, dass der Münzforscher die Münzen und Urkunden gleichmäßig 
benützen soll, aber ich habe doch die Überzeugung erlangt, dass die 
Sprache der Münzen durchaus nicht immer die der Urkunden ist 
und dass es sich daher empfiehlt, in rein numismatischen Dingen 
zunächst den Münzen zu folgen. Endlich möchte ich noch bezüglich 
des Gepräges der Denare mit der Kirche Menadier entgegentreten 
der die Darstellung, wenn ich ihn recht verstehe, von den De- 
naren der Metzer Bischöfe Adalbero I und Dietrich II herleitet; 
ist diese Annahme richtig, so spricht sie mindestens nicht gegen 
Otto III, weil ja doch dieses Urbild in Metz bis 984 in Gebrauch 
geblieben ist und erst unter Adalbero II (984—1005) durch ein 
der Kirche der Adelheidsdenare gleiches Bauwerk ersetzt worden 
ist (vgl. Nr. 15 fg. n. 1405). Ob der sächsische Stempelschneider 
übrigens sein Muster aus Metz entlehnt hat, scheint mir sehr 
zweifelhaft und es lohnte vielleicht eine Untersuchung, inwieweit 



Literatur. 315 

etwa die Pfennige von Mainz (Nr. 776 fg.), Speier (Nr. 825 fg.), 
Worms (Nr. 842 fg.) und Würzburg (Nr. 854 fg.), deren Chrono- 
logie bekanntlich keine durchaus feststehende ist, massgebend 
gewesen sind bezw. sich Überhaupt für die Zutheilung der 
Adelheidspfennige verwenden lassen. Die aufs Neue in Fluss 
gebrachte Erörterung wird ja nun so bald nicht wieder zur 
Ruhe kommen und so dürfen wir hoffen, dass bei fortgesetzter 
gewissenhafter und ruhiger Prüfung auch diese Frage einmal 
zum Abschluss kommen wird. 

Mit diesem Wunsche scheiden wir von Dannenbergs Werke, 
das wir dem eifrigen Studium nicht nur der eigentlichen Fach- 
genossen, sondern auch namentlich der Geschichtsforscher 
empfehlen. Bildet es doch schon durch die Fülle des Stoffes 
ein würdiges Seitenstück zu der grossen Sammlung der gleich- 
zeitigen Schriftdenkmäler in den Monumenta Germaniae. 

F. Friedensburg. 



Nekrologe. 



Am 25. November 1892 ist zu Leeuwarden, wo er gelebt, 
der Dr. jur. Jakob Dirks, Mitglied der zweiten Kammer der 
niederländischen Generalstaaten, hochbetagt verstorben. Sein 
Arbeitsfeld waren die Altertumswissenschaften und insbesondere 
die Münzkunde. Um die letztere hat er sich mannigfache Ver- 
dienste erworben, besonders durch die richtige Erklärung der 
bis dahin so viel umstrittenen und allgemein verkannten Gepräge 
des friesischen Grafen Bruno III. (1038 — 1057). Die betreffende 
Abhandlung befindet sich in „de vrije Fries", der Zeitschrift der 
„friesch genootschap", welche, sowie die Revue de la numis- 
matique Beige, auch viele andere aus seiner Feder: über die 
ältesten friesischen Münzen (Sceattae), über verschiedene Münz- 
funde, über Handwerksmünzen u. s. w. enthalten. Seinen Ver- 
diensten, die sich u. a. auch in der eifrigsten und erfolgreichsten 
Fürsorge für die Sammlungen der lange von ihm geleiteten 
„friesch genootschap" bethätigt haben, hat auch die äussere An- 
erkennung durch den Staat und die Gleichgesinnten nicht gefehlt, 
u. a. war er Ehrenmitglied der E. Belgischen numismatischen 
Gesellschaft und der Numismatischen Gesellschaft zu Berlin. 
Sein Lebenslauf ist in der vrije Fries 1893 S. 421—456 ein- 
gehend geschildert. 



In den letzten Monaten hat der Tod wieder einige unserer 
Fachgenossen abgerufen, deren Gedächtniss wegen ihrer Ver- 
dienste um unsere Wissenschaft erhalten zu werden verdient. 



Nekrologe. 317 

Am 9. Oktober 1893 verschied zu Gassei der Kreisgerichts- 
Sekretär a.D. Jakob Hoffmeister im 81sten Jahre, der Ver- 
fasser des vierbändigen Werkes: „Historisch-kritische Beschreibung 
aller bis jetzt bekannt gewordenen hessischen Münzen, Medaillen 
und Marken, in genealogisch - chronologischer Folge 14 (Gassei 
1857 fgg.), des „historisch -genealogischen Handbuchs über alle 
Linien des hohen Regentenhauses Hessen 44 (Gassei 1861) und 
der „historischen Entwickelang des kurhessischen Gesammt- 
wappens". Dem Vernehmen nach hinterlässt er eine bedeutende 
Münzsammlung. 

Am 22. April 1894 ging zu Lausigk bei Köthen, seinem 
langjährigen amtlichen Wirkungskreise, im 70sten Lebensjahre 
der Pastor Theodor Stenzel zu einem besseren Leben ein. 
Neben der Seelsorge nahm ihn die Münzkunde in doppelter 
Weise in Anspruch, einmal als Schriftsteller und sodann als 
Verwalter der zwar kleinen, wesentlich auf das Askanische be- 
schränkten, aber in dieser Beziehung reichhaltigen und gut ge- 
ordneten herzoglichen Münzsammlung in Dessau. Der Inhalt 
dieser Sammlung gab ihm, dem geborenen Anhalter, auch die 
Richtung für seine schriftstellerische Thätigkeit, die er nicht 
allein in zahlreichen, in dieser Zeitschrift, in der des Harzvereins, 
in den Blättern für Münzfreunde, in v. Höfken's Archiv für 
Brakteatenkunde und im numismatisch-sphragistischen Anzeiger 
abgedruckten Artikeln, sondern auch in zwei grösseren selbst- 
ständigen Schriften, dem Brakteatenfund von Freckleben (Berlin 
1862) und den numismatischen Studien (Leipzig 1876) in erfreu- 
licher Weise bethätigt hat. Seine Schriften werden das Andenken 
des Verewigten auf die Nachwelt bringen, das Jedem, der den 
unterrichteten gefälligen Mann von seltener Herzensgüte gekannt 
bat, theuer bleiben wird. 

Am 2. Mai 1894 verschied hierselbst der Kaufmann Adolf 
Meyer im 56 sten Jahre. Jahrzehnte hat er mit rastlosem Eifer 
sich dem Sammeln neuerer Münzen und Medaillen gewidmet, und 
diese Sammlung zu einem staunenswerthen Umfange gebracht. 
Diese an Seltenheiten überaus reiche Sammlung hat er dann theil- 



318 Nekrologe. 

weise zu Abhandlungen interessanten Inhalts verwerthet. So hat 
er namentlich in dieser Zeitschrift (Bd. XIII S. 251) über „die 
brandenburgisch-preussischen Prägungen, welche auf die afrikani- 
schen Besitzungen 1681 — 1696 Bezug haben" 1 ) gehandelt, in der 
Wiener numismat. Zeitschrift dagegen die Münzgeschichten von 
Dortmund, Eggenberg, Rantzau und Wallenstein geliefert. Alle 
diese Arbeiten zeichnen sich durch fleissiges Quellenstudium aus. 
Auch hat er sich um unsere Zeitschrift durch Anfertigung sorg- 
fältiger Register zu mehreren Jahrgängen verdient gemacht. Bas 
Andenken des Dahingeschiedenen wird uns durch eine ovale 
Gussmedaille des trefflichen Scharff erhalten, die auf der Vf. sein 
Brustbild, auf der Rf. architektonische Hindeutungen auf Danzig 
als seine Vaterstadt und Berlin als die Stätte seines Wirkens 
zeigt. H. D. 



W. H. Waddington. 

Als im vorigen Jahre bekannt wurde, dass William Henry 
Waddington den Posten als französischer Botschafter in London 
niedergelegt habe und endgültig von seiner langjährigen und er- 
folgreichen politischen Laufbahn zurücktrete, durfte man hoffen, 
dass er einen langen und ruhigen Lebensabend vorwiegend der 
Numismatik widmen würde, um die Früchte seines Sammeins 
und Forschens in einem abschliessenden Werke bekannt zu 
geben. So auch war es seine Absicht. Aber er sollte die Müsse 
des Privatlebens nicht lange gemessen: wenige Monate nach 
seinem Rücktritt hat ein vorzeitiger Tod den erst 67 jährigen 
dahingerafft; am 13. Januar wurde er zu Paris den Seinen und 
der Wissenschaft entrissen. 

Auf anderem Wege als die meisten Fachgenossen ist Wad- 
dington zur Beschäftigung mit der Numismatik gelangt, und 
anders als die meisten hat er sie auch behandelt. In Cambridge 
vorgebildet, begab er sich im Jahre 1850 nach Eleinasien, das 



1 ) Vollständiger und von drei Tafeln begleitet erschienen Berlin 1885 
im Verlage von Ernst Siegfried Mittler & ßohn. 



Nekrologe. 319 

er nenn Monate lang in allen Theilen bereiste. Sein Zweck 
dabei waren ursprünglich archäologische Stadien; aber alsbald 
stellte sich die Lust an den Münzen ein, und — wie er selbst 
im Eingang seines Erstlingsartikels sagt — die Reise wurde zu 
„einer wahren Jagd auf Münzen". Ahnlich mag es bei der 
zweiten asiatischen Heise, im Jahre 1860, gewesen sein. Aber 
ein blosser Liebhaber ist Waddington darum doch nie gewesen ; 
sondern von Anfang an sah er in den Münzen eine wichtige 
Quelle zur Erforschung des Alterthums. Eine wichtige, aber 
nicht die einzige, die er aufsuchte; denn neben dem Sammeln 
von Münzen wandte er dem Abschreiben von Inschriften seine 
volle Aufmerksamkeit zu. Und indem er diese beiden ver- 
wandtesten Seiten der Alterthumsforschung, Numismatik und Epi- 
graphik, vereinigte, die eine durch die andere ergänzend und 
bereichernd, wurde Waddington ein Meister in beiden. In der 
Numismatik kam es ihm noch besonders zu statten, dass er einen 
grossen Theil seiner Münzen an Ort und Stelle erworben hatte; 
die Kenntniss der Fundorte setzte ihn in den Stand, so manche 
falsche Zutheilung zu berichtigen nnd neu entdeckten schrift- 
losen Münzen auch dann ihren Platz anzuweisen, wenn Stil und 
Typen zur Bestimmung nicht ausreichend waren. Eine Reihe 
werthvoller Artikel, die in den Jahren 1851 — 1861 in der Revue 
Numismatique erschienen und dann auch gesammelt unter den 
Titeln „ Vayage en Asie-Mineure au point de vue numismatique* 
und „Müanges de numismatique et de philologie" herausgegeben 
worden sind, legen Zeugniss ab von dem Glück und dem Scharf- 
sinn, mit dem Waddington seine Sammlung und unsere Kenntniss 
der kleinasiatischen Münzen bereichert hat. Der hohe Werth 
dieser Artikel beruht nicht sowohl darauf, dafs sie eine grosse 
Anzahl neuer Münzen bekannt machten, sondern weit mehr auf 
den daran angeknüpften Erklärungen und Untersuchungen, die 
eine Fülle von Belehrung über geographische und historische, 
mythologische und antiquarische Fragen bieten. Auf der andern 
Seite verwerthete Waddington seine umfassende Kenntniss der 
kleinasiatischen Münzen bei der Erklärung der Inschriften, die 



320 Nekrologe. 

er für die Fortsetzung des grossen Werkes von Philipp Le Bas 
„ Voyage archtologique" übernommen hatte. Besonders werthvoll 
ist darin der Abschnitt, der in chronologischer Folge die Pro- 
consuln der römischen Provinz Asia verzeichnet; die leider un- 
vollendet gebliebene Arbeit ist im Jahre 1872 auch besonders 
abgedruckt worden unter dem Titel »Fastes des provinces asiatiques 
de Pempire romain. u Es sind darin für jeden Proconsul ausser 
den Angaben der Schriftsteller und den Inschriften auch alle 
Münzen verzeichnet, auf denen sein Name erscheint, und danach 
sein Leben und seine Ämterlaufbahn kurz dargestellt : eine Arbeit, 
die für viele andere als Muster gedient bat. 

Aber Waddington hatte sich in der Numismatik eine grössere 
Aufgabe gestellt: er wollte eine neue Grundlage für die Münz- 
kunde Eleinasiens schaffen. Zu diesem Zwecke hat er nicht 
nur seine eigene Sammlung fortwährend vermehrt, sondern, so viel 
es ihm seine Zeit erlaubte, das Pariser Eabinet und zahlreiche 
Sammlungen des Auslands durchgearbeitet; ein Gatalog aller ihm 
bekannten kleinasiatischen Münzen, mit Einleitungen für jede Stadt 
und jeden Fürsten, sollte die Ergebnisse seiner Reisen und Stu- 
dien zusammenfassen, um der Forschung ein vollständigeres und 
zuverlässigeres Material zu bieten als Mionnet. — Inzwischen 
hatte aber Waddington angefangen, sich an der Politik zu be- 
theiligen, war als Deputirter schnell zu Ansehen gelangt, ins 
Ministerium eingetreten, selbst Minister und schliesslich Bot- 
schafter geworden. Hinter diesen höheren Pflichten im Dienste 
seines Vaterlandes musste die wissenschaftliche Thätigkeit zu- 
rückstehen. Zwar hörte er nicht auf, Münzen zu sammeln, be- 
suchte wie bisher die Münzkabinette, namentlich die englischen, 
verfolgte die neuen Erscheinungen auf epigraphischem und numis- 
matischem Gebiet mit unverändertem Interesse, — auch einige 
Artikel publicirte er noch in dieser Zeit. Aber die rechte Ruhe 
zur Vollendung seines Hauptwerkes war ihm nicht gegönnt, wenn 
er auch stets daran arbeitete. Der Austritt aus dem Staats- 
dienst sollte ihm endlich die nöthige Freiheit geben, aber — 
die Frist war zu kurz, und das Manuscript ist unvollendet ge- 



Nekrologe. 321 

blieben. — Mit Recht hat Herr Babelon in dem Nachruf, den 
er Waddington in der Revue Numismatique gewidmet hat, es als 
eine Ehrenpflicht der französischen Gelehrten bezeichnet, dieses 
Manuscript nicht der Vergessenheit anheimfallen zu lassen. 
Vielleicht darf man daraus die Hoffnung schöpfen, dass er selbst 
als der berufenste Fortsetzer von Waddingtons Lebenswerk die 
letzte Hand daran legen und es der Wissenschaft zugänglich 
machen werde. Auch in Betreff der grossen hinterlassenen 
Sammlung, die 6 — 7000 asiatische Münzen enthält, stimmen 
wohl alle Fachgenossen Herrn Babelons Meinung zu, dass es 
sehr bedauerlich wäre, wenn sie zerstreut werden mässte. Zwar 
dürften alle öffentlichen Kabinette und Privatsammlungen Ver- 
langen tragen, Münzen aus dieser auserlesenen Sammlung zu er- 
werben; aber gewiss würden sie neidlos zurückstehen, wenn 
die Sammlung als ein Ganzes an die Stelle kommen könnte, wo 
sie Waddington selbst am liebsten sehen würde, an das Pariser 
Cabinet. Aber was auch mit dem Werke und der Sammlung 
geschehen mag, Waddington wird unter den Numismatikern stets 
mit Ehren genannt werden als einer der erfolgreichsten Förderer 
unserer Wissenschaft. 

Gotha, im Juli 1894. B. Pick. 



Register. 



A. 

Abbassiden 17 fg. 

Acbelooe: Oeniadae 80. 

Aktion Ai&lov 212. 

Adana 102. 

Adler: Goldm. Kaiser Friedrich's II 
248. — im Kranz: Elia 223. — 
mit Schildkröte: Elia 204. — mit 
Schlange: Elia 205. — Adlerkopf: 
Elia 225. 227. 230. 

Adolf I, Herzog v. Baiern 95. 

Adolf, Herzog v. Berg 45. 

Adolf I, Erzbischof v. Köln 280. 

Adonis: Aphrodisias 129. 

Aegina, Drachmen 214, 217. 

Ähre, Beizeichen römischer M. 52. 86. 
— römisch- campanischer M. 83. 

L. Aemilias Buca 183. 185. 

Aenus 287. 

Ahmed ibn Marwän 98. 

d'Äilly 256. 

Akragas 140. 143. 165. 174. 

aa Münzanfschr. Elia 225. 227. 

Albert, Erzbischof v. Bremen 4. 

Albrecht Achilles 96. 

Alexander d. Gr. 152 fg. 

Alkamenes, Stempelschn. 229. 

Al-massis 99. 102. 

Altar 146. 

Al-Watsik-billah 103. 

Amatrice 156. 

Amor: Münze d. Fanstina 134. 

Amphiaraos 175. 

Amphora, Beizeichen auf Münzen v. 
Aenus 287. Korinth 233. 

Anastasins 246. 

Andres, Goldschmid n. Münzeisen- 
schneider in Görlitz 265. 268. 

Angelsachsen 246. 



Anker, Beizeichen auf röm. Dioskuren- 

denaren 73. 
avia ßkintiv Kopfhaltung Constantins 

d. Gr. auf M. 108. 
M. Antonius, M. des Sepullius Macer 

185%. 
Aphrodisias 129. 
Aphrodite, das Haar ausringend 134. 

— auf einem Bock reitend: Aphro- 
disias 130. — auf einem Ungeheuer 
130. — Kopf: Drachmen v. Korinth 
228. 232. — Urania: Aphrodisias 
129. vrgl. Venus. 

Anofartis (desultor) Himera 141. 
Apollo Karin oö: Byzanz, Megara 128. 

— Kopf: Leontinoi 180. Rhegion 
83. Suessa 83. römisch-camp. M. 
83. röm. Quinar 79. 

AnoAAANiox Tareat 284. 
Apulien 81. 
Arevizies 153. 

ägyvQioy, Seuthe8 210. 

apixtoa Tarent 283. 

agiGTOv jöl-ov 284. 

Arkadien 212 fg. 

Agxadixoy 209. 

Asklepios, Attribut des Hahnes 139. 

173. — Verehrung in Himera 168. 

175. — jugendlich die Schlangen 

liebkosend, Münzb v. Zakynthos 288. 
Astragalos. Beizeichen d. M. v. Aenus 

287. 
Athena: Himera 169. — Kopf: Korinth 

228. 231 fg. — Kopf mit bekränztem 

Helm: Korinth 233. 
M. Aurelius. Medaillon 153. 
M. Aurelius Scaurus 54. 63. 
Autronius 70. 
Avignon 158. 
Matth. Axt 275. 
Axumiten 262. 



Register. 



323 



B. 

Bärentatzen, Münzb. v. Hoya 10 fg. 

Barthelemy, J. Chr. 255. 

Bassum 13 fg. 

Batenburg 157. 

Beamtensiegel 285. 

Beger, L. 253. 256. 

Beninisch, P., Schmid in Görlitz 255. 
278. 

Bernhard v. Burscheid 156. 

Börsen = Bassum 13 fg. 

Bertrade II u. III, Äbt v. Quedlin- 
burg 96. 

Biagota 160. 

Biberstein, Joh., Münzherr in Görlitz 
267. 

Bielefeld 37 fg. 

Biene, Beizeichen: Tarent 285. 

Biga: Himera 165 fg. Leontinoi 178. 

Birne tallismus in Venedig 155. 

BHtalnxoy 209. 

Bisür el-ma'münije. Münzort 100. 

Bituitus, Führer der Arverner bei Vin- 
delium 58. 62. 

Blitz: Elia 224. 225. 

Bloc, Conr., Medailleur 158. 

Böhmische Groschen 271. 274. 

Boeotien 219 fg. 

Boheround, Erzbischof ▼. Trier 244. 

Boleslaus Chrobry ▼. Polen 161. 

bono discipulo. Medaillenaufschrift 
144 fg. 

Borghesi 259. 

Borrell, W. 260. 

de Boze 255. 

brabeon scholae Haroburgensis 147. 

Brandenburg 113. 

Bremen. Verpfandung d. erzbisch. 
Münze an die Stadt 3. Verhftltniss 
d. brem. zur lübischen Mark 4. 
Hohlpf. aus der ersten Hälfte d. 
14. Jhrh. 5. Schwären 8 fg. Um- 
lauf der Ostseehohlpf. in der zweiten 
Hälfte d. 14. Jhrhdt. 5. 

Breslau. Boleslausdenar 160. Schul- 
münze 146. Mark 271. Silberkauf 
275. 

Briot, Nie. 158. 

Brüssel. Denare 156. Schatimeister- 
jetons 157. 

Brutus 79. 

Budaeus 251. 

Burgunder 246. 

Burscheid 156. 

Byzanz 128. 



C. 

Caduceus, Symbol d. Friedens von 
Thapsus auf Münzen d. Sepullius 
199. Beizeichen: Himera 140. in 
der Hand der Juno : M. d. Flaminius 
Chilo 200. 

Cales, überpragte M. 89. 

Calpurnia, Caesar's Gemahlin 196. 

Cn. Calpurnius 54. 

Camarina 169. 

Campanische M. überpr&gt 81. — 
römisch- camp. Denar mit Doppel- 
kopf 73. 

Canada 156. 

L. Caninins Gallus 154. 

Canitz, Andr., Münzherr in Görlitz 
267. 274. 

Canusium 79. überpr. M. 87. 

Capua. Münzen mit lit 87. 

Carausius 154. 246. 

Carelli 259. 

C. Cassius 57. 

Cavedoni 259. 

Chalkis 206. 

XctQccxTijQ. Münzaufschr. d. Kotys 210. 

Chestret de Haneffe: Benard de 
Schönau, Sire de Schoonvorst, 
angez. v. H. Dannenberg 242 fg. 

Ghimaera: Euboea 234. 

des Choul, G. 251. 

Christian Graf ▼. Oldenburg-Delmen- 
horst: schlechte M. 31. Tournose 
33. 

Christian Wilhelm, Admin. v. Magde- 
burg 96. 

Christine, Königin v. Schweden 251. 

CLEMENTIAE CAESAKIS 186. 

Clodius Pulcher61. 
C. Clovius 197. 
C. Clovius Saxula 78. 
Cohen, H. 255. 
L. Coilius 54. 
Colbert 254. 
Combe, Chr. 260. 

Congres international de numis- 
matique, angez. v. RL Dannenberg 

152 fg. 
Constantia 111. 

Constantius Chlorus. Trier 154. 
Constantin d. Grosse 111. 
Constantinopel 112. 
Contremarkirte römische Münzen 

153 fg. 

Cort, Com., Medailleur 158. 
Cos, 131. überpragte M. 81. 



324 



Register. 



L. Cosconius M. f. 54. 

C. CosButius Maridianas 183. 187. 

Cousinäry 261. 262. 

Cracus 93. 

Criyepe-ye 153. 

Cumae, überpr. M. 90. 

Q. Curtius 59. 68. 

Cyriacns v. Ancona 249. 

D. 

Dänische Halbbracteaten 155. 

Daidalos v. Sikyon, vermeintlicher 
Stempelschneider elischer Münzen 
229. 

aaimaxoc: Tarent 284. 

Jalynov 209. 219. 

Dannenberg: Grundzüge der Münz- 
kunde, angez. v. Friedensbnrg 91 fg. 

Dannenberg: Mün zgeschichte Pom- 
merns im Mittelalter, angez. v. 
Friedensburg 238 fg. 

Dannenberg: die deutschen Münzen 
der sachsischen und fränkischen 
Kaiserzeit, angez. v. Friedensburg 
307. 

Danzig 52. 

Dattelpalmenzweig, Beizeichen: Hi- 
mera 170. 

Delphi 216. 218 fg. 

Delphin: Luceria 83. 

drjpog, Münzaufschrift: Aphrodisias 
129. 130. 

deaultor, M. d. Sepnllins Macer 186. 

Dianakopf, Sesterz d. Bnca 185. 201. 

Diepholz 16 fg. 

Dietrich Graf ▼. Dinslaken 45. 

Dietrich v. Hörn, Bischof v. Osna- 
brück 36. 

y. Dinklage 24. 

Diomedes mit dem Palladium: Argos 
223. 

Dionysosknabe einen Bock futternd: 
Aenus 287. 

AIONYXOY ZATHPOZ MAPnNITÜN 

174. 
Dioscuren 52. 73. 
Dirks, Jak. Nekrolog 316. 
Cn. Domitius Ahenobarbus 53 fg. 
C. Domitius Malleolns 54. 
Dortmund 46. 

Dür8tede 155. / 

Dupondius, gepr. 75. 
Dupre, G. 158. 



E. 

H 175. 

Eberhard, Herzog v. Baiern 162. 

Eckhel, J. H. 252. 256. 

Edo Wieneken d. Ältere: Wittenpf. 35. 

Edwin 289. 

Eidechse, Beizeichen: Elis 225. 226. 

227. 
el-amir el-mubärak 101. 
el-mutadid biUäh 97. 
Elfred, Münzmeister in London 289. 
Elis 204. 214. 223 fg. 
Emden 35. 
Emerich, Urban: Münzherr v. Görlitz 

267. 274. 
Endymion, Den. d. Buca 185. 
Ephesus, Electronstater 210. 
Epheublatt, Beizeichen: Aenus 287. 
Eppius 197. 
Erfurter Mark 273. 
Ergoteles, Olympionike 138. 
Erich, Erzbisch, v. Magdeburg 127. 
Erifch, Herzog ▼. Braunschw.-Lüneb.- 

Grubenhagen 47. 
Erich, Graf von Hoya 10 fg. 
Erich, König v. Dänemark 52. 
Ernst I, Herzog v. Baiern 95. 
"Egpaia in Pheneos 215. 
•Kganidut 222. 

Este'sche Münzsammlung 250. 
Ethelred II, König v. England, Nachpr. 

160. 
Euainetos 180 
Eupolemos, Erbauer des Heraion in 

Argos 230. 

F. 

Q. Fabius Maximus 69. 

Falkenstein (in Niederösterreich) 95. 

Fansta 108 fg. 

Fanstina min. : Venus feliz 1 10 ; Taube 

am Brunnenbecken 134. 
Feldzeichen d. röm. Münzen auf 

österr. Pfenn. d. 11. Jhrdts. nach- 
gebildet 247. 
Ferdinand I v. Neapel 156. 
Fiala, E d. : Beschreibung böhmischer 

Münzen und Medaillen, angezeigt 

von H. Dannenberg 160. 
Flach, Eisenschneider in Breslau 278. 
L Flaminius Chilo 183. 184. 
Fleissige Rechnung macht 

Richtigkeit. Aufschrift eines 

Rechenpfennigs 151. 
Florenz, Bischof v. Münster 3. 23. 36. 



Register. 



325 



Fortuna mit Steuerruder: auf Münzen 
d. Sepulliu8 und Eppius bez. auf 
Caesars Rückkehr von Thapsus 197; 
auf Münzen d. Ti. Sempron. Graecus 
bez. auf des Triumvirn Caesar Rück- 
kehr von Philippi 198; auf Münzen 
d. L. Antonius auf die erwünschte 
Rückkehr des M. Antonius aus 
Aegypten 198. 

Forza, O. (Forsetra), Münzsamml. d. 
14. Jhrdt. 248. 

Fox 261. 

Franken 346. 

Französische Münzen (Gewicht und 
Gehalt) 154. 

Fredo = Edo Wineken 35. 

Friedlander, J. 261. 

Friedrich JJ, Kaiser: Augustalis 248. 

Friedrich 1, Markgraf v. Branden- 
burg, Bnrggr. y. Nürnberg: Gold- 
gulden 96. 

Friedrich r. Schagen, Vogt v. Wildes- 
hausen 24 fg. 

Friedlich Wilhelm d. gr. Kurfürst 
253. 256. 

Fröhlich 256. 

Füllhorn, Symbol des Friedens von 
Tbapsus auf d. Münzen d. Celsus 99. 

Fugger, Max, Goldabschlag eines 
Thalers 291. 

Fulvius, A. 250. 

G. 

Gallienus, Münze von Aphrodisias 129; 
Münze desSol invictus auf deutschen 
Pfennigen des 11. Jhrdts. nachge- 
ahmt 247. 

Gallische Münzen 153. 

Gavre, Siegel 159. 

Gekorne, Kupfer 277. 

Gela 165. 

Germanen auf röm.Münten genannt 154. 

Getreidekoni, Beiseichen: Aenus 287; 
Himexa 168. 

Gnesen 161. 

Godera, Äbtissin v. Herford 41. 

Godfried I, Herzog von Lotbringen, 
Siegespfenn. 154. 

Görlitz 263 fg. 

Goltz, H. 250 fg. 

Gonzaga 251. 

Gordian, Münze von Selencia 134. 

Gortys 210. 

Goswin, Siegfr., Münsherr in Görlitz 
267. 274. 

Gothen 154. 

Zciteehrift Ar NomUmfttik. XIX. 



Gozelo I, Hersog von Lothringen,. 

Siegespfenn. 154. 
Greifswald 49. 
Gfyllus 286. 
Guthrie 261. 

H. 

Haartracht der röm. Kaiserinnen 108. 

Hahn, Himeraeer Münzbild 139. 166. 
168. Beizeichen 171. 173. 

Hamburg. Wittenpf. Dreilinge« Viertel- 
Witten, Hohlpf., Scfaerfe 47; kupf. 
Hohlpf, 52; Schulmünzen 147. 

Hand: zwei verbundene Hündo der 
Münzen des Sepulliua auf den 
Frieden v. Thapsus 199. 

Handelsmünzen 161. 

Hannover, Helmpfennige 47. 

Hans, Münsmeister in Görlitz 265 fg. 

Harduin 257. 

Harpstedt, vielleicht Münsort des 
Grafen v. Hoya 34. 

Havercamp 251. 254. 

Heidenreich, Bischof v. Münster 24. 37. 

Heinrich II, Kaiser. Pf. v. Strassborg 
246. Siegespf. 154. 

Heinrich III, Kaiser. Pf. v. Worms 
mit d. B. d. Helena 247. 

Heinrich v. Karnthen, König v. Böh- 
men. Heller 236. 

Heinrich, Landgraf v. Hessen 46. 

Heinrich v. Brederode 147. 

Heinrich I, Erzbischof t. Köln 280. 

Heinrich II, Erzbischof v. Köln, Her- 
forder Pf. 43. 

Heinrich, Bischof v. Paderborn 45. 

Heinrich Zdik, Bischof v. Olmüts 162. 

Helena 107 fg. Wonnser Pf. des 11. 
Jhrdts 245 fg. 

Helm, Beizeichea: Taren t 285. Han- 
nover 47. 

Henne, im aumdr. incus: Himera 139. 

Hera, Kopf: Argos 223. 230. Elia 
223. 225. 229. 

Hera» 214. 

Herakles. Minoa 174. 

Herakles, Patron d. himeraischen 
Bader 140. auf him. Münzen 169. 
Kopf: Cos 89. 131. — H. bogen- 
spannendjtaiseichen : Korinth231fg. 
— H. u. Omphale: M. d. Aurel 153. 

HPAKAEOYX £ATHPO£ 6AZIAN 174. 

Herford 40 fg. 

Hermes: Himera 169. - Kopf: Aenus 
287. Pheneos 215. - Stab, Bei- 
zeichen: Aenus 287. vgl. Mercur. 

22 



326 



Register. 



Hermann I, Abt v. Corvey 281. 

Hersberg, Barth., Münzherr in Gör- 
litz 267. 

Heyderich, M , Münzmeister in Görlitz 
266 270 

Hiero, überprägte M. 84. 86. 

Hieronymus, überprägte M. 86. 

Hildegunde, Äbtissin v. Herford 40. 

Himera 135 fg. 165. Feste in H. 141. 

Himera, Quellnymphe 140. 165 fg. 

Himjariten 262. 

Ilirschstange: Diepholz 17. 

Hoffmeiater, Jac, Nekrolog 316. 

Hunter 260. 

Hypsas opfernd 173. 

J. 

Ia, vermeintlicher phönizischer Namen 

von Himera 136. 173. 
Jacob HI Mandelli, Herr v. Maccagno 

156. 

Jaromir v. Böhmen, Nachpr. Nab- 
burger Pt 161. 

iaton. Himera 135. 173. 

Ibrahim ibn sä' ima 97. 

Jever 35. 

inclitvs 162. 

in nomine dni tvi Nienburg 11. 

Joeoff, Goldschm. in Görlitz 275. 278. 

Johann I u. Otto III, Markgr. von 
Brandenburg, erwerben Lebus 122. 

Johann II, Markgr. v. Brandenb. 113. 

Johann v. Flandern 156. 

Johann II v. Diepholz 16 fg. 

Johann von Virneburg, Bischof von 
Münster 23. 

Johann Huth, Bischof v. Osnabrück 36. 

Johann Galeazo Visconti 155. 

Johanna von Arragonien 156. 

Jonghelinck, Jac. 158. 

Ishak ibn jahjä 99. 

Ismä'il ibn all 100. 

C. Julius Caesar: Kopf 183 fg. Titu- 
latur 185. Münzen der IUI viri 
183 fg. 

C. Julius Caesar Octavianus 198. 

M. Junius Silanus 59. 68. 

Juno mit Scepter u. Caduceus: M. 
d. Flaminius Chilo 200. — Kopf 
d. Juno Sospita: M. d. Mettius 184. 

200. 
Jupiter im Viergespann 53; vgl. Zeus. 
Justinian 246. 
Justinus n 246. 



K. 

Kdlnq 141. 

Kapital, ionisch. Beizeichen: Korinth 

235. 
Karl d. Grofee, Gold 154. 
Karl IV, Kaiser, Heller 236. Tourn. 155. 

von Petrarca mit alten Münzen 

beschenkt 250. 
Karl V, Kaiser, Medaille 158. 
Karl IV v. Frankreich, Tourn. 155. 
Karolinger Münzen 159. 
Karthagisch -sicilische überprägte M. 

88 fg. 
Khell 256. 

KIMAPA 178. 
KIMON 172. 

Knight, P. 260. 

Koppa. Seuthes 210. 

Konrad II, Kaiser, Siegespf. 154. 

Konrad, Markgr. v. Brandenburg 113. 

Konrad, Graf v. Oldenburg, Tourn. 
29. Schwären 30 fg. 

Konrad, Erzbischof v. Magdeburg 126. 

Konrad, Bischof v. Lebus 117. 

Kopfhaltung Constantin's d. Gr. 118. 

Korinth 231 fg. Typenunterschiede 
der versch. Nominale 228. Präge- 
stätte der phokischen u. arkadischen 
M. 214. 

Kotys 210. 

Krakauer Mark 273. 

Krauwinkel, Egidius 151. 

Krauwinkel, Hans 151. 290. 

Krebs: Himera 166. 168. 

Kreuzgroschen 271. 274. 

Krieger im Zweigespann: Rom 53. 

Kromstaert 156. 

Kronos: Himera 169. 

Kroton 177. 

Kuno, Erzbischof v. Trier 244. 

L. 

Ladislaus v. Böhmen, bestätigt das 

Münzrecht v. Sommerfeld 237. 
Laibach 148. 
Leake 258. 260. 
Lebus 117 fg. 

Leicester, Graf Robert v. 159. 
Lenormant 256. 
aean Tarent 284. 
Leontini 165. 178 fg. 
Leovigild, Münze v. Elvora 155. 
L. Licinius Crassus 54. 59. 60. 
Chr. S. Liebe 256. 
Lilaea 216. 



Register. 



327 



Lilie, Münzbild v. Warbarg 44. 

Lippe 281. 

Löwe: Tarent 284. römisch* camp. M. 
83. Sommerfeld 234. — Löwenkopf: 
Leontini 178. 

Löwen, Graf v. 156. 

London, Pfenn. Edwin's 289. 

Lubik 161. 

Lucas, Schlosser in Görlitz 278. 

Luceria 78. 83. 84. 

Ludwig d. Fromme, Goldm. 154. 

Ludwig d. Baier, Aachener Sterling 45. 

Lndwig, Bischof v. Münster, Nach- 
ahmungen 3. 32. 

Ludwig Garaffa, Herzog v. Sabionetta 
156. 

Lübeck: Dreilinge, Viertel witte, 
Hohlpf., Scherf 3. 32. 

Lüneburg: Hohlpf., Witten, Viertel- 
witte, Scherf 47 fg. 

Luynes, dnc de 255. 

Lyra, Symbol des Friedens v. Thapsos : 
Münzen d. Celsus 199. 

M. 

Maler, Val., Erönnngsmed. 261. 
Malin 161. 

M. Marcins M\ f. 57. 
Margaretha v. Österreich 158. 
Margaretha, Äbtissin r. Thoren 157. 
Maria, auf spateren byzantinischen, 

nicht schon auf d. Münzen d. Fausta 

109. 
Maria v. Jever 157. 
Mark, Grafsch. 42. 
Marocchins, J. 250. 
Maronea 174. 
Matteo da Pastis 158. 
Mecklenburg, Schorfe u. Hohlpf. 49 fg. 
Medic&er 251. 

Medusa, Münzb. v. Himera 169. 
Megalopolis 214. 
Megara 128. 
Meissener Gr. 272. 
Meleager, irrig vermuthet anf M. t. 

Aphrodisias 129. 
Mercur anf d. Münzen d. Sepnllius 

nach dem Frieden v. Thapsns 199. 

Vrgl. Hermes. 
Messana 165. 169. 288. 
Q. Metellus 59. 69. 
M. Mettius 183. 184. 
Meyer, A., Nekrolog 317. 
Miles, Friedr. v. Behagen 27. 
Minden 44. 
Mionnet, T. E. 255. 



Mogilno 161. 

Mohnhaupt, Münzmeister 274. 

Mommsen, Th. 259. 

Mondsichel, Beizeichen v. Aenus 287. 

Montjoie 243. 

Morell 252. 253. 254. 

Moritzpf. 127. 

Münzfund von Antinm 83. Badulato 
56. Masera 56. 58. 59. 73. Oliva 
62. la Riccia 56. 58. 59. in Spanien 
59. 61. t. Vicarello 83. — Niemegk 
79. Onnan.Feins 159. — Althöfchen 
161. Arnswalde 241. Betekom 156. 
Bremen 1 f g. Filehne 127. 241. 
Gross Briesen 115. 127. 241. Lox- 
stedt 5. Lupow 240. Magnus 5. 
Rodewitz 241. Rummelsburg 161. 
Sarbske241. Storche 241. Wolken- 
berg 115. 241. Zweinert 113. 

Münzfuss d. altern römischen Repu- 
blik 74 fg. 

Münzherren in Görlitz 266. 

Muhammad ibn mnsä 101. 

Muhammad ibn *isä 101. 

L. Munatius Plancus 197. 



Nayutixov 209. 

Neon 216. 

Neptun mit Dreizack u. Delphin, Bei- 
zeichen: Eorinth 231. — Neptun- 
kopf, Luceria 83. 

Neubruchhausen 18. 16. 

Neumann 256. 

Niclas, Münzmeister in Görlitz 206. 
268. 276. 

Niederländische Nachahmungen 157. 

Niederlausitz 115. 

Nienburg 10 fg. 

Nike, Münzbild: Alexander d. Gr. 
152 fg. Himera 169. Beizeichen: 
Eorinth 233. Nike mit Kranz: 
Elis 211. Nike, (L Wagenlenker 
bekränzend: Himera 141. Vgl. 
Victoria. 

Nimbus des Kaisers 109. 

Nivelles 156. 

Nobilissimatsmünsen 106. 

vofucfia 207. 209. 211. 

L. Nonnius 252. 

Nori8ius 252. 

Nürnberg 146. 291. 

Nulla hora sine linea. Aufschr. 8chul- 
med. 146. 

Nummus 74. 

22* 



328 



Register. 



Nymphe opfernd, Münzbild v. Himera 
140. — Bidet der Nymphen in Hi- 
mera 138. 140. Thor der Nymphen 
in Megara 128. 

O. 

Obelisk, Münzbild v. Byzanz 128. 

Öldschaltu, Hulaguiden-Sultan 156. 

Oeniadae, überpr. M. 80. 

Österreich 247. 

Oldenburg 28 fg. 

Olympia, Nymphe 225. 

OAYMniKON 204. 205. 

OAYMnix, Tarent 284. 

Omeriz, Frager Münzmeistex 161. 

Opfernde Götter 141. 

Orchimont 155. 

Oropos 175. 

Ostgothen 246. 

Oudenarde 154. 

Otto III, Kaiser, Pf. v. Minden 44. 

Otto IV, Markgraf v. Brandenburg 113. 

Otto V, Markgraf v. Brandenburg 113. 

Otto IV, Graf v. Hoya 12 fg. Halb- 
linge u. Witten 16. 

Otto, Graf v. Oldenburg-Delmenhorst 
33. 

Otto, Graf v. Ravensberg-Kalvelage 
23. 

P. 

Paderborn 44 fg. 
Pan u. Hase, Messana 288. 
Panormus, überpr&gte M. 89. 
L. Papirius Celans 197. 
Parchim 50. 

PA1RBNS PATRIAE 186. 

Parruta 259. 

Patin 253. 254. 

Paz auf d. Quinar d. Buoa nach d. 

Frieden v. Thapsus 165. 199. 
Pax f abfiea, Helena 107. 
Pegasus: Korinth 228. 231. 
FeHerin, J. 255. 257. 
Pelops: Himera 140. 166. 169. 170. 
Peruzzo da Bartoledo, tiiov. 158. 
Petasos, Beizeichen: Aenus 287. 
Petrarca 249. 2ö0. 
Pflug auf d M. des Ti. Bempronius 

Gracchus bezieht sich auf die Acker- 

vertheilung nach der Schlacht bei 

Phüippi 198. 
yal/utt. Gortys 210. 
(paMnixov 209. 
ymxoV 209. 215. 



Philipp d. Gute, Heraog v. Burgund 

156. 
tpox^Moy) 209, Gebinde 215. 
Phokis 215 fg. 
pietas publica 111. 
Pilsen 160. 
Pinienzweig, Beizeichen: Himera 1-66. 

170. 
Pinienzapfen, Beizeichen: Korinth 

231. 232. Pronni 238. 
Pisano, Nicoola 248. 
no Münzaufschrift: Elia 225. 227. 
Poggio 250. 

Polyklet d. alt. 230. d. jung. 229. 
Pommern 51. 115 fg. 
L. Pomponiu8 Cn. f. 54. 
L. Porcius Licinus 54. 
precibus patet atque labori. Aufschr. 

v. Schulmed. 147. 
Probus 154. 
y. Prokesch -Osten 261. 
Prora auf d. M. d. Eppius bez. auf 

den Sieg v. Thapsus 197. 
Ptolemaeische überpr&gte M. 85. 
Puntzen 278. 
Purpureus 70. 
Pythien 216. 

Quadratum inousnm: Himera 139. 
Mit Figuren : Aenus 287. Elis 504. 
Quadriga, Münzt), r. Hzaera 141. 
Sex. Quinctilius 54. 

Rad, Beizeichen: Himera 166. 171. 
Verm. Beizeichen d. Aphrodite 129. 

Bainer, Bischof v. Volterra 155. 

Basche, Ohr. 259. 

Ravensberg, Grafsch. 259. 

Rechenpfennige 144. 290. 

Reichstein 157. 

Reinhard v. Schön au 142. 

Reinhard II v. SchönvoTßt 96. 

Reiter, Münzb. y. Leontini 178. 

Rhegium, überpr&gte M. 83. 84. 

Rhoda 153. 

Borna 52 fg. 

Romulus, Maxentii fil. 106. 

Rose, Beizeichen: Aphrodisias 129. 
drei Rosen, Wappen v. Neubruch- 
hausen 16. 

Roseler Gr., Rösdgr. 271 fg. 

Rosenbetg, Wilhelm; Peter Wok; 
Ulrich 156. 

Rostock 50. 



399 



Rudolf II Kais«, Sammler 251. Ki*- 

mmg8med. 291. 
Rügen 48. 
Ruprecht I Kurfürst v. d. Pfalz 52. 

8. 

S. verrouthlichMünzteickenv. Sommer- 
feld 238. 

8almMiu8 254. 

8alonina 110. 

Salswedel 51. 114. 

8an ( a 103 fg. 

St Georg, pol. Bract. 98. 

St. Gudula, Rechenpf. 158. 

8t. Lambertus, Oldenburg« 8chware 
28 fg. 

St. Michael, Recheupf. 158. 

St Paulus, Denare von Münster 6. 
und deren Nachahmungen von Bas- 
sum 13. Diepholz 16. Emden 36. 
Nienburg 10. Oldenburg- DdsDen- 
horst 82. Vochta 20. Wester 18. 
Wildeshausen 24. 

St. Petras, Bremer Schwäre 8 fg. 8 fg. 

8t Reigneus, Denar v. Wildeshansen 
25. 

8t Swenoier, Denar v. Wfldeshausen 
13fg. 24fg. 

8t. Wilhadns, Bremer Schwäre 1«. 
13. 24 

8t. Zeno 155. 

r. Saurma-Jeltsch: Die Saurma- 
sche Münzsammlung deutscher, 
schweizerischer und polnischer Ge- 
präge tob etwa dem Beginn der 
Groschenzeit bis zur Kipperperiode, 
besprochen v. H. Danneaaerg 94. 

Scaliger 254. 

8oeattae 152. 

Seepteranf <L IL d. H. Sempr.-Graccus 
auf die Theilung unter Antonius u. ' 
Oaeeamsjch der Schlacht bei Pttiipfn 
198. 

Scherfe 5. 

Schewra t. JEUnchbexg 278. 

Schlange, Beizeichen röm.-camp. M. 
88. bogenschiessende 8cUange, Bei- 
seichen: Tarent 288. <L Juno 8o- 
spita gefüttert: M. d. Celsius u. 
Metrins nach der Schlacht v. Tfcap- 

8U8 199. 

8chlangenstab , Begleichen: Himera 

166. 
Schleife des Lorbeerkränze« 189. 
Schmalkalden 95. 
8chönvorst 242 fg. 



Schulmedaillen 144. 290. 

Schuttes, G. 290. 

Schottes, H. <145) 290. 

Schwarze Pfennige 272. 274. 

Schwertgroschen 272. 

Scribonius, C. 56. 

Securitas: Helena 107. 

Segesta 165. 178 fg. 

Beginn 254. 

Seleucia ad Calycadnum 134. 

Seleucidische Münzen überpr&gt 90. 

Selige, Gregor, Münzherr in Görlitz 

267. 274. 
Selinunt 167. 169. 
Seimus 137. opfernd 173. 
cnpa, Ephesus 210. 
Ti. Sempronius Graccus 198. 
P. Sepullius Macer 183. 185. 
Sestini, D. 259 
Seuthes 210. 
Sicilische M. mit It 87 
Sicilische M. d 15. Jhrhdt. 249. 
Siegespf d. 11. Jhrhdt 247. 
Siegesmünzen der Zeit Caesars 199. 
8igiemund, Kaiser 249. 
Silberberg 157. 
Süen unter einem Lowenkopfspeier 

badend: Himera 140. 165 fg. — mit 

Patera und Füllhorn: Tarent 286. 
Simon I r. Iippe 45. 
Simon, Münzhändler d. 14. Jhrhdt 

248. 
Sobeslaus 161. 
Sol invictue, auf deutschen Pfenn. d. 

11. Jhrhdt. 247. 
Xolmav 209. 
Sommerfeld 234 fg. 
Sophie, Grifin ▼. Oldenburg 23. 
liaiijQy Münzaufschrift: Himera 142. 

166. 172. Beiname d. Aphrodite 

142. d. Asklepios 148. 
ZwTtiQa, Beiname d. Hygieia 143. 
Spandau 114. 
Spanheim, E. t. 252 fg. 
Sprottai, verm. Munsort eines Hellers 

238. 
Stargard 115. 

Stempel, altere verwendet 181. 
Stempel Schneider, für mehrere Münzen 

thäti* 8. 21. 
Stempelschneidermarken 285. 
Stcnzel, Th., Nekrolog 317. 
8tettin 51. 96. 
8tier, stossend: rem.- camp. M. 88. 

mit Menschenkops!: Sueaaa 88. 
Strada, J de 251. 



330 



Register. 



Strahlenkrone 246 fg. 

Stralsund 51. 

mvkiq in d. Hand d. Nixe : Alexander 

d. Gr. 153. 
Sue88a, überprägte M. 81. 82. 
Sulraona 156. 
Saltaniji 156. 
Sybet Edense 165. 
Syracus 165. 179 fg. überprägte M. 86. 

T. 

Tacitus 154. 

Tähir 100. 

Taras 283. 286. 

Tarent 283 fg. 

Tauben auf Gefassen 131 fg. 

Tedeschi, Prosper 158. 

Teichthörcben 46. 

TtQpfQlXOV 209. 
TtQfflXOV 209. 

Thaliadae 214. 
Thasos 174. 
Theodora 111. 
Thermae, Termini 137. 
Thermalische Bader 138. Münzbild 

y. Himera 140. 
Thespiae, Gegenstellung zu Theben 

220. 
Thessalonich 109. 
Thetis: Aphrodisias 131. 
Tibermünzen 176. 
Torremuzza, P. 259. 
Traianus 249. 

Traube, Beizeichen: Aenus 287. 
Trautson, P. S. 95. 
Trier, Beginn d. römischen Prägung 

154. 
Trost, Hans: verm. Pächter d. danziger 

Münze 52. 
Twistringen 18 fg. 

ü. 

Überprägungen im Alterthum 72 fg. 
Umschriften d. beiden Seiten einer 

Münze zusammenhängend 174. 
Unteritalische Münzen des 15. Jhrh. 

249. 
Urkunden 158. 
Ursinus, F. 252 fg. 
Usedom 51. 

T. 

Vaillant 253. 254. 
Valerius Asisculus 197. 
Valkenburg b. Maestrich t 243. 
Vandalen 246. 



M. Vargunteiu8 59. 69. 

Vechta 20 fg. Schild mit 3 Schr&g- 
kreuzen 23. 

Velecha 82. 

Velia 117. 

Venedig, Bimetallimus 155. 

Yenus: Denar d. Mettius 184. — 
Kopf: Denar d. Chilo 184 — Felix: 
Fausta 110. — Genetik: 110. — 
Victrix: HO. Denar Caesars nach 
d. Schlacht bei Munda 190. 195. 
vgl. Aphrodite. 

Venusia, Überprägung 84. 

Verona 155. 

Vertru God we de Hei. Um- 
schrift der Stüber d. Maria v. 
Jever 157. 

Vespasianus 249. 

Vianen, verm. Denare 23. 

Victoria mit Palme : Den. d. Sepullius 
nach d. Schi, hei Thapsus 199. — 
das Tropäeum bekränzend 79. — 
im Zweigespann 52. 196. — Büste, 
Porträt d. Calpurnia 196. Vgl. 
Nike. 

viCTO(ria) Aufschrift eines Pf. Hein- 
richs II 247. 

VIRTVS EXEKCIT 247. 

Volquin III, Graf v. Schwalenberg 279. 

W. 

Waddington, H. de. Nekrolog 256. 

Warburg 44. 

Wappenmünzen d. röra. Bepublik 78. 
82. 

Weihmünzen 175. 

Weinblatt, Beizeichen: Elia 225. 

Wenzel d. Heilige, v. Böhmen 161. 
Kopf: verm. Heller v. Sommerfeld 
234. 

Wenzel IV erneut d. Münzrecht v. 
Sommerfeld 236. 

Werfe 50. 

Wester-Twistringen 18 fg. = Wester- 
stede 20. 

Westgothen 246. 

Wigbold, Erzbischof t. Köln, Her- 
forder Pf. 43. 

Wilbrand, Erzbischof v. Magdeburg, 
erwirbt Lebus 121. 

Wildeshausen 24 fg. 

Wilhelm III u. IV v. Henneberg 95. 

Wilhelm II v. Berg u. ßavensberg 
37 fg. 

Wipperfürth 45. 



Register. 



331 



Wippo, W. A., Nekrolog 164. 
Wismar, Witten, Viertelw., Dreilinge, 

Hohlpf. 51. 
Wissegrad 160. 
Wolf: Argos 230. 
Wölfin mit den Zwillingen: angels. 

M. 246. 
Wollin 96. 
Worms 247. 



Z. 

Zakynthos 288. 

Zeus, im qaadr. ine: Elis 204; mit 

Blitz u Adler, Beizeicben: Korinth 

231; Kopf: Elis 224. 228. vgl. 

Jupiter. 
Ziegenbock: Aenus 287. 
Ziz, pbönizisebe Aufschrift siciliseber 

Münzen 136. 



Druck von W. Pormetter in Berlin. 



SITZUNGSBERICHTE 



DER 



NUMISMATISCHEN GESELLSCHAFT 



ZU 



BERLIN. 



1894. 



> 



Sitzung Tom 4. Dezember 1893. 

Die Numismatische Gesellschaft feierte an diesem Tage 
ihr fünfzigjähriges Stiftungsfest in einer besonders zu diesem 
Zweck anberaumten Festsitzung, an der sich fast sämmtliche in 
Berlin anwesenden Mitglieder sowie eine Anzahl von Gästen be- 
theiligten. Der Vorsitzende, HerrRegierungsrath Frie densburg, 
begrüsste die Erschienenen und hielt alsdann einen Vortrag über 
die Geschichte der Gesellschaft, die auch in dem Vorwort zu 
der bei dieser Gelegenheit erschienenen Festschrift von dem 
bisherigen Vorsitzenden dargestellt worden ist. Der Vortragende 
wies auf die reiche Zahl berühmter Namen hin, welche die 
Listen der Gesellschaft aufweisen, kaum eine der Zierden unserer 
Wissenschaft ist ihr fern geblieben, auch das Ausland ist in der 
Reihe der korrespondirenden und der Ehrenmitglieder, die früher 
ungleich häufiger ernannt wurden als gegenwärtig, stark ver- 
treten. Weiter aber wurde betont, dass die Gesellschaft keines- 
wegs eine „gelehrte" Gesellschaft im strengen Sinne des Wortes 
sein will, ihr ist Jeder als Mitglied willkommen, der sich für 
einen der vielen Zweige unserer Wissenschaft interessirt, und 
sie legt besonderen Werth darauf, auch den Anfängern Belehrung 
und Anregung zu gewähren. Hierauf legte der Vorsitzende die 
8&mmtlichen von der Gesellschaft veranstalteten Veröffentlichungen, 
als letzte die zur Feier dieses Tages herausgegebene, mit vier 
Bildtafeln und zahlreichen Holzschnitten geschmückte Festschrift 
vor, die ausser dem erwähnten Vorwort folgende 12 Abhand- 
lungen enthält : R. Weil, Studien auf dem Gebiete des antiken 
Münzrechts — A. von der Heyden, Ein Kleinod des Kurfürsten 
Johann Sigismund von Brandenburg — H. Dannenberg, Unedirte 



— 4 — 

Mittelaltermünzen — F. von Brakenhausen , Meine Medaillen- 
technik — F. Friedensburg, Die Mittelaltermünzen der Lausitz 

— P. Bratring, Von den Münzen der pommerschen Herzöge von 
Bogislaus X. bis zum Ende des sechszehnten Jahrhunderts — 
E. Bahrfeldt, Die Märkischen Engelgroschen. Vinkenaugen — 
A. von Sallet, Alexandrinische Eaisermünzen des Königlichen 
Münzkabinets zu Berlin — H. Nütze], Embleme und Wappen auf 
muhammedanischen Münzen — W. Bahrfeldt, Römische Inedita 

— K. Pieper, Die Mauger -Medaillen Louis XIV. Endlich gab 
der Vorsitzende einen kurzen Abriss der Lebensgeschichte des 
bisherigen Vorsitzenden, des Herrn Landgerichtsraths a. D. 
Dannenberg, der zur Zeit im Süden weilt und, nachdem 
er vor seiner Abreise den Vorsitz mit Rücksicht auf seine Ge- 
sundheit niedergelegt hatte, wegen seiner grossen Verdienste 
um die Gesellschaft wie um die deutsche Numismatik durch 
einstimmigen Beschluss zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde. 
Ein Telegramm setzte ihn noch an demselben Abend hiervon 
in Eenntniss. — Herr Regierungsrath von Brakenhausen legte 
alsdann die von ihm modellirte Medaille vor, welche aus diesem 
Anlass Herrn Dannenberg überreicht werden soll: sie zeigt auf 
der einen Seite das vortrefflich gelungene Brustbild, auf der 
Rückseite in sechs Zeilen die Inschrift: Die Berliner Numis- 
matische Gesellschaft ihrem Hermann Dannenberg 1843—1893. 

— Demnächst hielt Herr Dr. Weil einen Vortrag über die 
Geschichte des Studiums der antiken Numismatik. Anknüpfend 
an die nicht seltenen Fälle der Nachahmung römischer Münzen 
im Mittelalter (Worms, Strassburg, Oesterreich u. s. w.), zeigte 
er, wie im fünfzehnten Jahrhundert der zuerst in Italien wieder- 
erwachte Sinn für die Werke des klassischen Alterthums sich 
alsbald auch den antiken Münzen, und zwar zunächst den 
römischen, und diesen wegen des Interesses für die auf ihnen 
dargestellten Personen, zuwandte, sodass schon 1517 Andreas 
Fulvius zu Rom seine hauptsächlich den Münzen entnommenen 
Illustrium imagines veröffentlichen konnte. Im Jahre 1494 zählte 
die berühmte Estesche Münzsammlung, sicher die bedeutendste 
ihrer Zeit, 437 goldene und 3385 silberne Münzen, und Hubert 
Goltz kannte in der Mitte des folgenden Jahrhunderts zufolge 
seinem Reisebericht in Italien mehr als 380 Sammlungen, in 



— 5 - 

Frankreich und den Niederlanden je etwa 200 und 175 in den 
Rbeinlanden und in Süddeutschland. Weiter charakterisirte der 
Vortragende die berühmtesten Schriftsteller, die sich mit der 
antiken Numismatik befasst haben, von Budaeus (unter Lud- 
wig XII. von Frankreich), Strada, Hubert Goltz an bis zu Ezechiel, 
Spanheim, mit dem eine neue Epoche der Münzwissenschaft be- 
ginnt, und schilderte alsdann die weitere Entwickelung dieser 
Studien in Frankreich, Deutschland, England nnd Italien. Zum 
Schluss zeigte er, wie mit der Erschliessung der alten Kultur- 
länder des Ostens durch Handel, Verkehr und militärische Ex- 
peditionen auch die Kenntniss der antiken Münzen durch Auf- 
findung neuer Reihen und Ergänzung der bekannten Jahr für 
Jahr gemehrt und gefördert wird. (Der Vortrag wird im 
19. Bande der v. Salletschen Zeitschrift abgedruckt werden.) — 
Nach Schluss der Sitzung vereinigten sich die Festtheilnehmer 
zu einem gemeinsamen Mahle, bei welchem der Vorsitzende der 
Verdienste der Hohenzollern um die Pflege der Münzkunde ge- 
denkend ein freudig aufgenommenes Hoch auf Se. Majestät den 
Kaiser ausbrachte. 

Sitzung vom 8. Januar 1894. 

Herr AdolfMeyer legte von v. Arnims Brandenburgischem 
Thalerkabinet das aus der Bibliothek des Herrn Stadtbaurath 
Bratring stammende Handexemplar des Verfassers vor, das zahl- 
reiche, offenbar für eine zweite Auflage bestimmte Nachträge 
aufweist. Hieran knüpfte sich eine lebhafte Auseinandersetzung 
über die Glaubwürdigkeit y. Arnims und die Nachprägung seltener 
brandenburgischer Thaler im vorigen Jahrhundert. Derselbe Vor- 
tragende zeigte auch den höchst seltenen Halbthaler des grossen 
Kurfürsten mit ARMAT ET ORNAT um den Helm und den nicht 
minder seltenen Schilling desselben Münzherrn von Lünen in je 
zwei von einander abweichenden Exemplaren. — Herr Baurath 
Fischer-Dieck legte einen in Pavia geprägten Denar Karls des 
Grossen, Herr Regierungsrath Friedensburg ein sehr schönes 
Exemplar des sogenannten Geusenpfennigs mit dem Bilde König 
Philipps von Spanien und der Bettlertasche — dem Abzeichen der 
aufständischen niederländischen Adelspartei — vor. — Herr Haupt- 
mann Brause verlas einen Abschnitt aus seinem demnächst er- 



— 6 — 

scheinenden Werke über Noth- und Belagerungsmünzen, betreffend 
die von dem Kaiserlichen General Antonio Leyva in Pavia 1524 
geschlagenen Stücke, die in schönen Abbildungen vorgelegt 
wurden, und gab eine genaue Schilderung dieser Belagerung. 

Herr Dr. Nützel berichtete über den Mab di- Aufstand im 
Sudan und die daraus hervorgegangenen Münzen. Seit dem 
Frühjar 1881 trat der Nubier Muhammed Achmed aus Dongola 
in dem durch die ägyptische Misswirthschaft tief erregten Sudan 
als Messias, Mahdi, auf und gewann bald solche Macht, dass er 
alle gegen ihn ausgesandten ägyptisch-englischen Expeditionen 
zurückschlug oder sogar völlig vernichtete. Auch Gordon Pascha 
wurde bekanntlich Ende März 1884 in Chartum eingeschlossen 
und fiel bei der Eroberung der Stadt durch den Mahdi am 
26. Januar 1885. Während der Belagerung sah sich Gordon 
gezwungen, Kassenanweisungen als Nothgeld auszugeben und 
zwar Scheine zu 100 und zu 20 Piastern. Diese sind in schlechter 
Lithographie angefertigt, handschriftlich nummerirt und mit der 
Unterschrift nebst dem Siegelstempel Gordons versehen, der ara- 
bische Text verspricht die Rückzahlung des Betrages aus der Staats- 
kasse von Chartum oder Kairo nach Verlauf von 6 Monaten. — 
Nach dem Falle Chartums war der Mahdi unbeschränkter 
Herrscher des ganzen Sudan und unternahm es als solcher, nun 
auch eigene Münzen zu prägen : ein Goldstück zu 100 Piastern, 
eine genaue Nachbildung eines türkischen Goldpfundes ohne ein 
besonderes Merkmal des Mahdi, und ein 20-Piasterstück in Silber, 
das bereits einen neuen, eigenen Typus zeigt. Auf der Vf. steht: „Auf 
Befehl des Mahdi" zur Tughraform verschlungen; die Rf. ent- 
hält die Angabe des Datums: das Regierungsjahr 5 neben dem 
Hidschrajahr 1302. — Bereits am 22. Juni 1885 starb der Mahdi 
Muhammed Achmed; sein Nachfolger (Chalife) war Abdallah 
et-Taaischi aus einem der mächtigen Baggärastämme. Er ver- 
mochte es zunächst, die ungeheure Macht aufrecht zu erhalten 
und durch seine Feldherren die verschiedenseitigen Angriffe 
siegreich abzuschlagen. Im August 1889 erlitt sein Heer jedoch 
durch General Grenfell bei Tpski eine vollständige Niederlage. 
Ob sich das mahdistische Reich in dem verwüsteten Lande noch 
lange wird halten können, ist sehr fraglich. — Auch der Chalife 
Abdallah liess in seiner Residenz Omdurmän eigene Münzen 



— 7 — 

prägen, doch nur aus Silber: 20-, 10-, 5- und 1-Piasterstücke. 
Wegen vielfacher Fälschungen und anderer Misstände soll der 
Chalife jedoch die Prägung bald wieder eingestellt haben. — 
Der Vortragende legte die genannten Münzen des Mahdi und 
des Chalifen, sowie Photographien zweier Gordonschen Nothan- 
weisungen vor. — Herr Stadtbaurath Bratring sprach über die 
Medaillen des Hauses Croy, welches durch die Heirath einer 
Tochter Bogislaus XIII., Anna, mit Herzog Ernst von Croy in 
verwandtschaftliche Beziehung zu der pommerschen Herzogs- 
Familie getreten ist. Diese Anna kehrte 1620 nach dem Tode 
ihres Gemahls nach Pommern zurück, wo sie 1660 mit Hinter- 
lassung eines Sohnes Ernst Bogislaus starb, der nachmals zum 
Bischof von Eammin postulirt wurde. Mit ihm starb 1684 diese 
Linie aus. Von Anna giebt es drei Begräbnissmedaillen, während 
wir von Ernst Bogislaw acht verschiedene Schaustücke kennen. 
Alle diese, zum Theil sehr schönen Medaillen rühren von dem 
berühmten Stempelschneider J. Höhn in Danzig her; die Mehr- 
zahl von ihnen zeigte Herr Bratring aus seinem Besitze vor. 

Im Anschlüsse hieran legte Herr Dr. Bahr fei dt das neu 
erschienene Werk von Th. Pyl: „Die Ent Wickelung des pommer- 
schen Wappens" vor, bemerkenswerth wegen des reichen Inhalts 
an historischem, besonders heraldischem und sphragistischem 
Material. Auch die neuesten pommerschen Münzforschungen sind 
berücksichtigt — Darauf hielt Herr Dr. Bahrfeldt einen 
Vortrag über das mittelalterliche Münzwesen in den anhal- 
tischen Ländern. Die ältesten Münzurkunden rühren aus den 
Jahref 993 und 1000 her, durch die König Otto III. dem Abte 
Adaldag bezw. Eggihard von Nienburg das Münzrecht in 
Hachenrode (Harzgerode) verleiht. Münzen aus dieser Zeit 
sind nicht nachweisbar. Denn der Denar nach Muster der 
Otto- Adelheid-Pfennige, den man Eggihard beigelegt hat, gehört 
dem um 990 urkundlich auftretenden sächsischen Grafen 
Eilard (Menadier: Deutsche Münzen I, S. 175). Im Jahre 1035, 
unter Abt Albuin, soll die Münze von Hachenrode nach Nienburg 
verlegt worden sein. Dennoch kommt auch nach dieser Zeit 
noch die erstere Prägestätte urkundlich vor. Dem Abte Adalbert 
von Nienburg, 1130—1133, theilte man einen Denar (Halb- 
brakteaten) zu, der vielfach die numismatischen Federn in Be- 



— 8 — 

wegung gesetzt hat und späterhin für den Abt Adalbert v. Corvey, 
geprägt in Croppenstedt , beansprucht, neuerdings aber für 
Albrecht den Bären aus der Münzschmiede Wegeleben ge- 
sichert worden ist. (P. J. Meier: Arch. f. Brakteatenkunde II, 
73 fg.) Auch im XIII. Jahrhundert scheint nach den Urkunden 
in Nienburg geprägt worden zu sein. Der Frauenabtei Gern- 
rode im Anhaltischen hat man drei Denare und einen Brakteaten 
überwiesen (Stenzel: Numismat. Studien S. 2/3. Posern -Klett 
Tat 44, 11), letzteren für die Äbtissin Hedwig IIL, 1118-1152. 
Indessen ist die Prägegerechtigkeit dieser Abtei nirgends be- 
glaubigt, und von dem genannten Brakteaten ist als erwiesen 
zu betrachten, dass er nach Nordhausen gehört. Festen Boden 
gewinnt man erst bei den weltlichen Münzstätten im Anhaltischen. 
Die älteste dürfte Ballenstedt sein. Hier hat ohne Frage 
Albrecht der Bär um die Mitte des XU. Jahrhunderts einen Theil 
seiner prächtigen Brakteaten schlagen lassen. Sie fallen in die 
Blüthezeit der Brakteaten prägung und lassen eine ausserordentlich 
hohe Stufe der Vollendung in der Stempelschneidekunst erkennen. 
Die brandenburgischen und anhaltischen Brakteaten Albrechts 
sind nicht überall mit Sicherheit von einander zu trennen. Zu 
den letzteren gehören hauptsächlich die des Freckleber Fundes 
(Stenzel: Der Fund von Freckleben). Der schönste Brakteat 
Albrechts des Bären ist der, auf welchem er mit seiner Ge- 
mahlin Sophia dargestellt ist (Bahrfeldt : Münzwes. d. Mk. Bran- 
denburg Taf. I, 20), einer Tochter des Grafen von Winzenburg 
und der Hedwig von Waltingerode , nicht aus hohenstaufischem 
Geschlechte. Sie starb 1160. Wichtig ist auch der Brakteat, auf 
dem der Fürst sich ADELBERTVS MARCHIO ANEHALDENSI(S) 
nennt, — das erste Vorkommen des Namens Anhalt. (Stenzel: Freck- 
leben No. 1.) Albrechts jüngster Sohn Bernhard prägte in Anhalt 
von 1170—1180, als Herzog von Sachsen von 1180—1212. Seine 
zweiseitigen Prägungen, soweit sie stumm sind oder den Namen 
ohne Titel tragen, lassen sich nicht zuverlässig von einander 
scheiden. Er ist sehr fruchtbar in der Prägung von Brakteaten 
schönen, künstlerischen Stils gewesen. Seine Reihen übertreffen 
an Reichhaltigkeit die seines Vaters. Den Prägeort Cöthen 
nennen zwei seiner Münzen: ein Brakteat mit BERNHARDVS 
DENARIVS COTNE (Elze: Die Brakt. Bernhards Taf. I, 7) 



— 9 — 

und ein Denar mit KOTENE CIVITAS (Posern-Klett Taf. 46, 16). 
Ein Rückgang in der Stempelschneidekunst macht sich sehr 
bemerkbar unter Bernhards Sohn und Nachfolger in Anhalt 
Heinrich I. 1212—1250. Besonders der Gerbstedter Fund (Sten- 
zel: Num. Studien S. 28) hat Gepräge dieses Fürsten gebracht, 
darunter das Leitstück für die ganze Reihe mit HE COM = 
HENRICVS COMES. In diese Zeit etwa fällt auch ein jüngst 
ins Egl. Münzkabinet in Berlin gelangter, stilistisch von den 
andern Anhaltern ganz abweichender grosser Brakteat mit dem 
anhaltischen Helm mit zwei Pfauenwedeln. Ausser den bisher 
genannten Münzwerkstätten sind noch Aschersleben, münz- 
urkundlich zuerst 1262, und Zerbst, urkundlich als Münze 
seit Anfang des XIII. Jahrhunderts, zu nennen. Unter Hein- 
richs I. Söhnen, Bernhard, Siegfried, Heinrich II., werden 
die Brakteaten noch geringer in künstlerischer Beziehung. Sie 
zerfallen in zwei Hauptgruppen: solche, die durch ihre Fabrik 
den brandenburgischen und sächsischen Nachbargeprägen sich 
anschliessen , und solche mit kleinerem Schrötling, stärkerem 
gewölbtem Blech ; letztere besonders aus dem Funde von Schade- 
leben (Schönemann: Zur vaterl. Münzkde S. 41). Eine ausser- 
ordentliche Erscheinung unter diesen Stücken ist der vom 
Redner früher bekannt gemachte Brakteat mit dem zwei Helme 
tragenden Fürsten (Bahrfeldt: Münzfund v. Aschersleben Taf. III, 
139). Unter diesen Regenten beginnt auch die Prägung kleiner 
Denare fast durchweg nach brandenburgischem Muster. Über 
die gesammte anhaltische Denarprägung ist vom Vortragenden 
bereits bei Veröffentlichung des Aschersleber Fundes gehandelt 
worden (S. 23). Zweimal nur nennen diese anhaltischen Denare 
aufschriftlich ihren Prägeherrn Albrecht: auf Aschersleben No. 127 
in lateinischer Form ALBE(rtus) und No. 128 deutsch ALBRECHT. 
Welchen Begenten der verschiedenen Linien die stummen Denare 
zuzutheilen sind, wird wohl unermittelt bleiben. Erst im 3. 
Viertel des XV. Jahrhunderts treten dann neue Münzen auf: 
Hohlpfennige mit dem Landeswappen, darüber öfter ein 6, das 
indessen nicht auf Georg I. (f 1474) als Prägeherrn gedeutet 
werden darf, sondern Prägestätte oder Münzmeister bezeichnet, 
die beide allerdings unbekannt sind. Den Schluss macht ein 
kleiner kupfriger Pfenning mit Wappen und 6, ziemlich 



— 10 - 

selten. — Redner unterstutzte seinen Vortrag durch Vorle- 
gung einer grossen Zahl der behandelten Münzen aus seiner 
Sammlung. — 

Sitzung vom 5. Februar 1894. 

Mehrere Herren legten eine grosse Anzahl interessanter, den 
verschiedensten Zeiten und Völkern angehörender Gepräge unter 
Hinzufügung der erforderlichen Erklärungen vor: Landtags-Ab- 
geordneter van Vleuten eine bei Bonn gefundene „in palatio" 
geprägte merowiningische Goldmünze eines noch unbekannten 
Münzmeisters LEV . . ., Baurath Fischer-Dieck Denare der 
deutschen Kaiser und Könige Ludwig I., Otto III., Heinrich II., 
Dr. Bahr fei dt neuentdeckte Brakteaten von Regenstein aus dem 
13. und 15. Jahrhundert, ein Münzzeichen mit dem Kottbuser 
Krebs von 1692, einen schlesischen Jetton unbekannter Her- 
kunft, Herr Meyer einen kostbaren dreifachen Thaler des Bis- 
thums Eichstädt von 1596, einen Doppelthaler des Breslauer 
Bischofs Karl Ferdinand von 1631 und einen halben Dukaten 
des Erzherzogs Karl von Österreich, Bischofs von Breslau und 
Brixen, von 1618, endlich zwei merkwürdige, in Spanien hergestellte 
Fälschungen englischer Sovereignes in Piatina. Zu letzteren 
Stücken machten die Herren Kontreadmiral Strauch und Re- 
gierungsrath Friedensburg Mittheilungen über spanische 
Fälschungen von Goldmünzen. Herr Hauptmann Brause besprach 
die Thaler, welche die Stadt Thorn 1629 aus Anlass der glück- 
lich überstandenen Belagerung durch die Schweden hat prägen 
lassen, und legte vier verschiedene Stempel davon, darunter ein 
Unikum, vor; ebenso die bei der Belagerung von Leipzig im 
schmalkaldischen Kriege 1 547 geprägten silbernen und goldenen 
Nothmünzen. — Herr Dr. Weil hielt einen Vortrag über die 
Falschmünzerei des Alterthums und das damals angewandte 
Verfahren, die falschen Münzen subaerat herzustellen, d. h. mit 
einem bronzenen oder eisernen Kern („anima"), der in Silber- 
blech eingehüllt ist. Dem Privatmann, der unbefugter Weise 
eine solche Prägung unternahm, drohte die antike Gesetzgebung 
überall die Todesstrafe an. Dagegen haben Staatsbehörden in 
Zeiten finanzieller Krisis sich gar nicht gescheut, von diesen 
Verfahren Gebrauch zu machen: so z. B. sind die Silbermünzen des 



— 11 — 

Königs Pausanias (391/90 v. Chr.) gewöhnlich subaerat. Selt- 
samer Weise ist auch von den Stateren, die Themistokles als 
Herr von Magnesia am Maeander geprägt hat, das eine der 
beiden bekannt gewordenen Exemplare subaerat, so dass man 
mit der Möglichkeit zu rechnen hat, es handle sich auch hier 
um eine offiziell betriebene Fälschung. Aus dem zweiten Jahr- 
hundert vor Christo ist eine Inschrift aus Dyme in Achaia er- 
halten, in der Aber eine ganze Falschmünzerbande das Todes- 
urtheil verhängt wird. Die Urkunde stammt zweifellos aus einer 
Zeit wirtschaftlichen Verfalls, denn von den vier Delinquenten 
ist nur einer ein Einheimischer, die anderen Fremdlinge, deren 
Namen nicht einmal sicher von den Richtern hatten festgestellt 
werden können. Der römischen Eaiserzeit war es vorbehalten, 
Zustände, wie sie bis dahin immer nur vorübergehend einge- 
treten waren, im 3. Jahrhundert über das ganze römische Welt- 
reich auszubreiten, bis endlich an die Stelle des Silberüberzugs 
nur noch das weissgesottene Kupfer tritt. — Der Umstand, dass 
im früheren Alterthum die Münzpräge, wenigstens in den 
griechischen Freistaaten, vielfach an Unternehmer verpachtet 
wurde, die, nachdem ihre Pacht abgelaufen war, auch wohl 
anderwärts eine solche Pacht übernahmen, hat dazu geführt, dass 
in Kreta wenigstens der Münzer bei seinem Abgange gelegentlich 
einen Münzstempel mitgenommen und anderwärts wieder ver- 
wandt hat. Denn so nur erklärt es sich, wenn in Eleuthernae 
und Hierapytna ein Zeuskopf aus gleichem Stempel zu finden ist. 
Herr v. der Heyden besprach die Gelegenheitsmünzen, 
welche die Hohenzollerschen Kurfürsten der Mark in grosser 
Zahl hinterlassen haben. Vor Friedrich Wilhelm sind wohl kaum 
solche Stücke geschlagen worden, insbesondere scheint jene 
Münze Joachims H von 1569 und 1570, die man auf die Mit- 
belehnung mit Preussen bezogen hat, Kourantmünze zu sein. 
Der Vortragende legte aus seiner reichen Sammlung branden- 
burgischer Münzen eine Reihe von Stücken der bezeichneten Art 
vor, beginnend mit dem Sterbethaler und Viertelthaler Georg 
Wilhelms 1640 und endigend mit dem Doppeldnkaten auf den 
1683 erfolgten Tod der Schwiegertochter des Grossen Kurfürsten, 
Elisabeth Henriette von Hessen-Kassel. Besonderes Interesse 
erregten eine Reihe grosser Goldmünzen auf den Sieg bei 



— 12 — 

Warschau (1656), sowie ein Doppelthaler und mehrere Thaler 
auf den von Fehrbellin (1675). — Herr Landgerichtsrath Dannen- 
berg legte die Abbildungen zu dem nächstens erscheinenden 
II. Bande seiner „Deutschen Münzen der sächsischen und fränki- 
schen Kaiserzeit tt vor und erläuterte einige der wichtigsten davon, 
so namentlich die Gepräge des Herzogs Giselbert von Lothringen 
(915—939), den Eammericher Denar Ottos des Grossen, die 
reiche Reihe der Bischöfe von Yerdun und Lüttich, sowie der 
Grafen von Stade, späteren Markgrafen der Nordmark, die erst 
kürzlich entdeckten Gepräge von Bonn und des Grafen Dietmar, 
Sohnes des Sachsenherzogs Bernhard I., von Arnstadt und von 
Aquileja (Patriarch Poppo oder Wolfgang 1019—1042). Insbe- 
sondere ging er ein auf die Nachahmungen fremder Gepräge, 
in denen sich die damaligen Stempelschneider so vielfach ge- 
fielen. Sie haben theilweise nach altrömischen Mustern ge- 
arbeitet, theilweise nach byzantinischen oder gleichzeitigen eng- 
lischen und böhmischen, ja auf einem Pfennige Kaiser Heinrichs II. 
einen Dirhem eines spanischen Chalifen sklavisch nachgeahmt. 
Nicht minder bemerkenswerth aber ist es, wie man so häufig 
engen Anschluss an beliebte Gepräge der grössten Handelsplätze 
gesucht hat, eine Thatsache, die ja für das ganze Mittelalter gilt. 
— Herr Dr. Nütze 1 gab eine kurze Darstellung der Anfänge des 
muhammedanischen Münzwesens, insonderheit der Entwickelung 
desselben in Syrien von der Eroberung des Landes durch die 
Araber, die zunächst das geltende byzantinische Münzsystem 
und die byzantinischen Münztypen sogar mit den christlichen 
Symbolen, beibehielten und nur allmählich Änderungen ' daran 
vornahmen, bis zu der grossen Münzreform des omajjadischen 
Chalifen Abdulmelik im Jahre 77 d. H. = 696 n. Chr., durch 
welche alle bildlichen Darstellungen von den Münzen entfernt 
und durch arabische Aufschriften ersetzt wurden. Der Vortrag 
wurde durch eine grosse Anzahl von Gypsabdrücken byzantinischer 
Vorbilder und muhammedanischer Nachprägungen nach Originalen 
des Königlichen Münzkabinets veranschaulicht. 

Sitznng vom 5. März 1894. 

Herr Meyer legte eine grosse Reihe französischer Richt- 
stücke (Stale, Piedforts) von Heinrich III. und IV., Ludwig XIII. 



— 13 — 

und XIV., nebst einem solchen des Tumosen von Johann dem 
Guten, sowie die ganze Folge der Probemünzen Georgs III. von 
England von 1831, 15 Stücke in Gold, Silber und Kupfer, vor. 
— Herr Hauptmann Brause besprach die Nothmünzen', die der 
kaiserliche General Johann von Bauschenberg 1610 bei der 
Belagerung von Jülich aus seinem Tafelsilber hat schlagen lassen, 
und zeigte eine Anzahl dieser seltenen Stücke, die durch ihre 
unregelmässige Form und die noch vielfach sichtbaren Spuren 
von gravirten Verzierungen ihren Ursprung deutlich verrathen. — 
Herr v. Jacobs a. G. wies auf ein neu erschienenes Werk von 
Lehmann hin, in welchem der Nachweis des Zusammenhanges 
zwischen dem babylonischen und dem griechischen Gewichtssystem 
geführt wird, und gab interessante Aufschlüsse über die Art und 
Weise, wie die alten Babylonier ihre Messungen und Wägungen 
angestellt haben. — Herr Dr. Nützet berichtete über die Bildniss- 
münzen, welche die mohammedanischen Dynastien der Zengiden 
und Ortokiden von Mitte des 12. bis Anfang des 13. Jahr- 
hunderts im nördlichen Mesopotamien und in Syrien älteren 
Vorbildern nachprägten. Da in Folge des Bilderverbots im Islam 
bis dahin keine Bilder auf Münzen vorkamen, und daher die 
Stempelschneider noch sehr ungeübt in der darstellenden Kunst 
waren, so benutzten sie vielfach alte Vorbilder, und zwar nahmen 
sie diese ganz wahllos, wie sie ihnen unter die Hand kamen. 
So finden sich u. a. griechische, seleucidische, römische, byzan- 
tinische Typen bis aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. nachgebildet, 
sogar das Bildniss Christi erscheint darunter. Der Vortragende 
legte in einer grösseren Anzahl von Gypsabdrücken nach den 
Originalen des Königlichen Münzkabinets in Berlin diese moham- 
medanischen Nachprägungen, zusammengestellt mit den nach- 
weisbaren Vorbildern, vor. 

Herr Landgerichtsrath Dannenberg zeigte einen noch 
unbekannten, in Arnstadt geprägten Denar des Kaisers Heinrich III. 
vor, denen des nahen Erfurt durchaus ähnlich. Jene jetzt im 
Fürstenthum Seh warzburg - Sondershausen belegene Stadt, die 
schon 954 einen Reichstag in ihren Mauern sah» war bisher 
mit älteren Geprägen nicht vertreten als mit solchen der Äbte 
von Hersfeld, die hier von 1180 bis zum Ende des 13. Jahr- 
hunderts gemünzt haben, und der Grafen von Schwarzburg, die 



— 14 — 

zuerst Miteigen thümer, 1332 auch den Antheil der Äbte an sich 
kauften und sowohl Brakteaten aus dem 14. Jahrhundert, als 
auch aus dem Ende des 15. Jahrhunderts Groschen hinterlassen 
haben. Hierauf gab derselbe Vortragende an der Hand der 
kürzlich erschienenen „Numismatique Luxembourgeoise" von 
R. Serrurre eine Übersicht über das luxemburgische Münzwesen. 
Die Prägung beginnt hier Anfang des 11. Jahrhunderts unter dem 
Grafen Friedrich, ruht dann aber bis zur Mitte des folgenden 
Jahrhunderts, wo Heinrich IV. kleine Denare schlug, mit deren 
Prägung seine Nachfolger fortfuhren, bis Graf Heinrich VII., der 
später auf den Thron Deutschlands gelangte, die ersten Groschen 
schlug, denen sich Halbe- und Viertelgroschen anschlössen. 
Gleichzeitig vermehrten sich auch die Münzstätten und sind als 
solche unter ihm und seinen Nachfolgern ausser der Hauptstadt 
selbst zu nennen : Arlon, Bastogne, Damvillers, Durbuy, Marche- 
en-Faienne, Meraude (jetzt Poilvache), la Roche, Thionville und 
Ivoix (heute Carignan). Besonders schwungsvoll wurde das Münzen 
unter Heinrichs VII. Sohn, Johann dem Blinden, König von Böhmen, 
betrieben, der aber in der Nachahmung beliebter fremder Gepräge, 
namentlich der englischen Sterlinge, weit über das Maass des 
Erlaubten hinausschritt. Bemerkenswerth im guten Sinne ist 
seine Regierung durch die Münzverträge, die er mit Heinrich, 
Grafen von Bar, wie mit Lüttich und Namur abschloss, während 
sein Sohn Wenzel I. eine solche Münzvereinigung mit den Erz- 
bischöfen von Trier einging. Dessen Neffe und Nachfolger 
Wenzel II. prägte als deutscher König mit dem Reichsadler, und 
nicht minder zahlreich sind uns hinterblieben die Münzen seiner 
Nachfolger Jodocus, Elisabeth von Görlitz, Anton von Burgund, 
Johann von Bayern, Philipp von Burgund, worauf aber eine Pause 
eintritt, bis nach mehreren Jahrzehnten Kaiser Max I. als Ver- 
treter seines Sohnes Philipp des Schönen 1487 die Prägung 
wieder aufnimmt, die Philipp selbst, Karl V. und Philipp II. 
fortsetzen. Nach ihm haben nur noch Albert und Isabella 1615 
und Philipp IV. gemünzt, 1644 aber wurde die Luxemburger 
Münze dauernd geschlossen und nur ab und zu Landesmünzen 
im Auslande geschlagen. Erst die französische Belagerung von 
1795 gab zur Anfertigung von Nothmünzen Anlass, und in 
unserer Zeit wurden für das 1839 neu errichtete Grossherzog- 



— 15 — 

thum Luxemburg dort iu deu Jahren 1854 — 1870 Kupfermünzen 
ausgebracht. Ein Theil der besprochenen Gepräge wurde 
vorgelegt. 

Herr Dr. Bahrf eldt hielt den ersten Theil eines Vortrags über 
das Münzwesen Stendals in landesherrlicher wie in städtischer 
Prägestätte. Stendal tritt schon 1022 in die Geschichte ein. 
Um Mitte des 12. Jahrhunderts erhielt es Marktrecht und wohl 
auch Stadtrecht durch Albrecht den Bären. Von ihm, 1123 bis 
1170, und seinem Sohne Otto L, 1170—1184, sind sichere 
Münzen aus Stendal nicht nachzuweisen. Erst unter Otto IL, 
1184—1205, haben wir einen höchst seltenen Brakteaten zu ver- 
zeichnen mit der Umschrift MABCHIO STENDALE, den man 
zu Unrecht an Albrecht IL, 1205—1220, hat geben wollen. 
Letzterer hat uns mit einer grösseren Reihe von Denaren von 
Stendal, die aus dem Daeliefunde, dem Funde von Letzlingen 
und einem noch nicht publizirten von Chüden gekommen sind, 
bereichert Sie tragen, in mehreren Typen, die Aufschriften 
ALBERT C(omes) STENDALE und ähnlich, theils nur Albrechts 
Namen, theils sind sie stumm. Nach einer Pause lassen sich 
erst wieder unter Otto IV., 1266—1308, durch Namen gesicherte 
markgräfliche Pfennige aus Stendal sehen, darunter die seltenen 
mit STENDALESCHE (zu ergänzen: „Münze"). Stendalisches 
Silber, Maass, Gewicht, stendalische Gildestatuten wurden auf 
viele märkische und aussermärkische Städte übertragen. 1266 
erscheint urkundlich der erste Stendaler Münzmeister Albert, 
1277 Münzmeister Herbord, 1292 Meister Heiso. In die Jahre 
1333 — 1840 fallen die verderblichen Verpachtungen der mark- 
gräflichen Münze in Stendal, die 1369 den Ankauf der Münze 
seitens der Stände und Städte im Stendaler Bezirke um 5700 Mark 
Silber nach sich ziehen. Die Käufer erwerben damit das 
Recht Pfennige zu schlagen, die der alljährlichen Umwechslung 
(um Jacobi) nicht mehr bedurften; man nannte dies das Recht 
des ewigen Pfennigs. Alleinige Münzschmiede des Bezirks blieb 
Stendal, und von hier ab tritt nun Stendaler Stadtgeld auf, doch 
scheint anfangs dessen Schlag nur schwach betrieben worden zu 
sein. Erst unter den Hohenzollern ist der städtische Münzbetrieb 
reger geworden durch Ausgabe von Hohlpfennigen mit dem Stadt- 
wappen, das einen halben Adler und vier Steine zeigt, wie das 



- 16 - 

geschnitzte Wappen von 1462 in der alten Gildestube zu Stendal. 
Die Kurfürsten schlagen Adlerhohlpfennige in Stendal bis ins 
16. Jahrhundert hinein. 1488 revoltirten die Gilden der Tuch- 
macher, Leineweber, Kürschner, Schuster und Bäcker wegen 
Erhöhung der Bierziese. Znr Strafe dafür wurde die Stadt in 
ihrer Münzfreiheit vom Kurfürsten wesentlich beschränkt, was 
bald ein Eingehen des städtischen Betriebes nach sich zog. 
1508 wird Simon Preger, 1509 Georg Füge als Münzmeister 
vom Kurfürst Joachim I angestellt, mit der Anweisung Pfennige 
zu schlagen, nicht mehr hohl wie bisher, sondern „glatt" und 
mit Scepter- und Adlerschild im Bild. Die Groschenprägung 
begann 1460 in der Mark, in Stendal treten die ersten Groschen 
erst 1509 auf: die Angabe solcher von 1501 und 1503 ist irrig. 
Die Stendaler Groschen tragen bis 1525 Georg Fuges Zeichen, 
einen Adlerkopf, seit 1531 des Münzmeisters Hans Thornow 
Zeichen, ein Thürmchen. Von Halbgroschen dieser Zeit giebt 
es zwei Typen ; der seltenere Typus ist eine getreue Nachahmung 
der markgräflich brandenburgischen Fünferlein, die auf Grund 
der Münzvereinigung von 1495 zwischen Bamberg, Pfalz und 
Brandenburg i. F. geschlagen worden sind. 

Sitzung Tom 2. April 1894. 

Die Herren Dr. Weil und Landgerichtsrath Dannenberg 
legten die bisher erschienenen drei Bände der Beschreibung der 
antiken Münzen des hiesigen Königlichen Münzkabinets vor. 
Dieselben umfassen Italien (mit Ausnahme von Lukanien und 
Bruttium sowie den Inseln), den taurischen Chersones, Sarmatien, 
Dacien, Pannonien, Mösien, Thracien, Päonien, Macedonien und 
die macedonischen Könige bis auf Perdikkas III. Die aus diesen 
Ländern vorhandenen fast 6000 Gepräge sind genau beschrieben 
und, soweit erforderlich, kritisch behandelt, 38 Tafeln und 222 
in den Text eingefügte Zinkdrucke geben die schönsten und in- 
teressantesten Stücke wieder. Die Vortragenden wiesen auf 
die Reichhaltigkeit dieser herrlichen Reihen und ihren hohen 
Werth für alle künstlerischen und geschichtlichen Zwecke hin. 
In ersterer Beziehung wurde aus dem zuletzt erschienenen, von 
dem Direktorial-Assistenten Dr. Dressel bearbeiteten Bande her- 
vorgehoben, dass das Königliche Kabinet allein von Tarent 626 



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Stöcke, darunter 39 goldene, besitzt, und dass diese und einige 
andere Reihen die des britischen Museums weitaus übertreffen. 
Als besonders interessant fanden die grossen Barren des 
italischen aes grave mit Darstellungen des Pegasus (Inschrift 
ROMANOM), des Merkurstabes, des Dreizacks u. a. m. Beachtung, 
wegen seiner hervorragenden Schönheit ein Goldstück von Tarent 
mit dem zu seinem Vater Neptun flehenden Tarasknaben. — Herr 
Landgerichtsrath Danneuberg überreichte ausserdem für die 
Bibliothek der Gesellschaft das Verzeichniss der „Schulmünzen 
im ehemaligen Kurhessen tf , welches von Dr. Knabe im dies- 
jährigen Osterprogramm der Oberrealschule zu Kassel zusammen- 
gestellt und erläutert ist; unter den hier vertretenen Schulen 
befinden sich nicht weniger als vier Universitäten (Fulda, Rin- 
teln, Kassel, Marburg). 

Herr v. Jakobs legte einige neuere Münzen mit Stempel- 
fehlern, Herr Baurath Fischer-Dieck einen 1661 geprägten 
Thaler von Besan<jon mit dem Bilde Karls V. vor, dessen An- 
bringung auf einer so späten Münze ihr Gegenstück in zahl- 
reichen italienischen Geprägen des 14. Jahrhunderts findet, die 
in ihren Umschriften die Namen längst verstorbener hohen- 
staufischer Kaiser nennen. — Herr Hauptmann Brause sprach 
über die Belagerung von Wismar durch die Schweden im Jahre 
1715 und zeigte eine bei dieser Gelegenheit aus Kanonengut 
verfertigte sehr seltene Nothmünze zu 16 Schilling. — Herr Re- 
gierungsrath v. Kühlewein sprach über die Zuweisung der 
brandenburgischen Mittelaltermünzen an bestimmte Prägestätten 
und betonte in Uebereinstimmung mit mehreren Herren, die zu 
seinem Vortrage das Wort ergriffen, die Schwierigkeit des Nach- 
weises einer bestimmten Heimath dieser Münzen. Wenn man 
z. B. die Pfennige mit dem markgräflichen Helme nach Spandau 
zu legen pflege, so sei es doch nicht ausgeschlossen, dass man 
nicht auch anderswo mit diesem Zeichen geprägt haben könnte, 
auch andere Prägebilder, wie der Stern, der für Perleberg, und 
das Zwillingsfadenkreuz, das für Stendal angenommen werde, 
6eien nicht zweifellos. Am sichersten erkennbar seien immer 
noch die Münzen von Salzwedel (Schlüssel), Berlin (Bär), Frank* 
fürt (Hahn). Der Vortrag wurde durch eine Reihe zum Theil 

sehr seltener Brakteaten und Denare aus den Münzstätten 

2 



— 18 — 

Köpenick (Jakza), Brandenburg, Stendal, Salzwedel, Spandan, 
Perleberg, Kyritz, Berlin, Frankfurt und des Bischofs Eonrad 
von Lebus erläutert. — Herr Adolf Meyer zeigte einen Jetton 
(Dukatenabschlag in Silber), geprägt auf die Eröffnung der neuen 
Wiener Münze im Jahre 1753, bei der angeblich der Kaiser zu- 
gegen gewesen ist und durch Drehen einer Kurbel eine Anzahl 
thalerförmige Schaustücke selbst geprägt hat. Der Vortragende 
bezweifelte die Richtigkeit dieser Erzählung und sprach unter 
Vorlegung einer grossen Anzahl der in Rede stehenden Stücke 
(Dukaten, Thaler, Gulden- und Goldabschläge) di& Vermuthung 
aus, dieselben möchten der Münze zu Antwerpen entstammen, 
wo man ganz ähnliche Schausücke, versehen mit der Antwerpener 
Münzmarke, der Hand, geprägt habe. 

Herr Dr. Bahrfeld t beendete seinen in der März- 
sitzung begonnenen Vortrag über das Münzwesen Stendals in 
ländesherrlicher und städtischer Prägestätte. Auf die zuletzt 
besprochenen kleinen Münzsorten unter Joachim I. folgen 
die groben Sorten: Thaler, Halbthaler, Viertelthaler, von denen 
nur die letzteren 1524 und 1525 in Stendal geschlagen worden 
sind, während sie im übrigen in der Mark gleichzeitig mit den 
Thalern 1521 auftreten. Sie waren zu 29 aus der lllöthigen 
Mark ausgebracht und hatten einen Kurs von 14 Kreuzern. Be- 
sonders merkwürdig sind die Engelgroschen, über die der Vor- 
tragende jüngst an anderer Stelle seine Forschungen niedergelegt 
hat Diese Gepräge sind das Ergebniss einer im ersten Viertel 
des 16. Jahrhunderts beabsichtigten Münz Vereinigung zwischen 
Brandenburg und Sachsen. Auch Stendal hat neben Brandenburg 
und Frankfurt a. 0. einen Typus dieser Engelgroschen geliefert, 
von dem nur zwei Exemplare heute bekannt sind. Goldgulden, 
die nach der kurfürstlichen Verordnung in Stendal durch den 
Münzmeister Georg Füge 1509 zu 71 Stück aus der 18 Kar. 
3 Gr. feinen Mark geschlagen werden sollten, sind nicht bekannt 
geworden. Zu Ende der Regierung Joachims I. gingen alle 
kurfürstlichen Münzschmieden der Mark ein bis auf Berlin und 
Stendal. Daselbst sollten nach einer Verfügung Joachims II. 
von Hans Thornow Groschen, Halbgroschen, Thaler, Halbthaler 
und Goldgulden gefertigt werden, deren Schrot und Korn genau 
vorgeschrieben war. Die letzten beiden Sorten sind aus Stendal 



— 19 — 

im Original noch nicht aufgetaucht. Groschen giebt es aus den 
Jahren 1538, 1539, 1542. Halbgroschen von 1538, 1539, 1542, 
1543 und Thaler > von 1542, 1543, 1544. Fast alle sind sie 
heute sehr selten. Der Thaler des letzten Jahres beschloss die 
Thätigkeit Thornows, der sich beim Münzbetriebe Unregelmässig- 
keiten hatte zu Schulden kommen lassen und deshalb seines 
Amtes entsetzt ward. Erst 1553 bei Einführung der Dreier- 
prägung (224 aus der knapp 41öthigen Mark, 84 => 1 Gulden) 
wurde die stendalische Münze wieder geöffnet. Unter ausführ- 
lichem Beweise erklärte der Redner den Dreiertypus Joachims II. 
mit Helm auf der einen und Scepter- nebst Adlerschild auf der 
anderen Seite für stendalisch, dagegen den mit je einem der 
Schilde auf einer Seite als berlinisch. Die Grundlage hierfür 
ist in den von ihm in den Archiven aufgefundenen Münzmeister- 
bestallungen, verschiedenen anderen urkundlichen Nachrichten 
und in den Siegeln der Münzmeister zu sehen. Die Reihenfolge 
der letzteren, von denen bisher nur wenige bekannt waren, ist 
folgende im 16. Jahrhundert: 1508 Simon Preger; 1509 — 1525 
Georg Füge, Münzzeichen: Adlerkopf; 1526, 1527 ruhte der 
Münzenschlag in Stendal; 1528 — 1531 unbekannte Münzmeister 
mit Zeichen Kreuz und Blatt; 1531—1544 Hans Thornow, 
Münzzeichen: Thurm; 1545 Hans Krapp; 1545—1553 ruhte der 
Münzhammer; 1553 — 1559 Georg Kurt der Jüngere, Zeichen: 
zwei gekreuzte Zainhaken; 1560, 1561 kein Münzbetrieb; 1562 
bis 1564 Martin Huxer aus Goslar, Zeichen: Hirschkopf und 
Hirsch; 1564 Hans Kronner aus Magdeburg; 1564 — 1565 Hermann 
von Fuhrden, Zeichen: Kleeblatt. Dieser hat in Stendal auch 
1564 Groschen nach der Art der sächsischen geschlagen, von 
denen jüngst das erste, einzige Stück in einem Funde bei 
Würzen zum Vorschein gekommen ist. 1568 wird noch der 
kurfürstliche Münzmeister, ohne Namensnennung, von Stendal 
erwähnt, und damit scbliesst dann die landesherrliche Münz- 
thätigkeit dort ab. Die Stadt Stendal machte sich noch zwei- 
mal mit ihrer Münzschmiede bemerkbar. Das geschah 1594, 
als ihr der Kurfürst gestattete, Pfennige, 16 auf einen Groschen, 
mit dem Kurscepter und dem Stadtwappen zu schlagen, die aber 
vom Generalmünz wardein Christian Biener auf dem Münzprobations- 

tage zu Frankfurt a. 0. 1595 zu gering befunden und deshalb 

2* 



— 20 - 

verboten wurden. Endlich hat die Stadt auch in der trüben 
Kipperperiode im Jahre 1621 mit vielen anderen deutschen 
Städten kleine Kupferpfennige ausgehen lassen. Damit endet 
der Münzenschlag in Stendal für alle Zeiten. Zur Erläuterung 
seines Vortrages legte der Redner die verschiedenen Typen der 
stendalischen Münzgepräge von etwa dem Jahre 1200 bis 1621 
aus seiner Sammlung vor. 

Sitzung vom 7. Hai 1894. 

Der Vorsitzende, Herr Regierungsrath Friedensburg, ge- 
dachte mit ehrenden Worten des am 2. Mai verstorbenen lang- 
jährigen Mitgliedes der Gesellschaft, Herrn Adolf Meyer, dem 
die Wissenschaft mehrere werthvolle Arbeiten über die Münzen 
der Stadt Dortmund (1883), der Familien Rantzau (1882) und 
Eggenberg (1888), Albrechts von Wallenstein (1885) und die 
brandenburgisch-preussischen Gepräge für Afrika (1885) verdankt. 
Die Anwesenden ehrten das Andenken des Verstorbenen durch 
Erheben von den Sitzen. — Herr Kontreadmiral Strauch hielt 
einen Vortrag über die ersten chinesischen Münzen nach euro- 
päischem Muster, welche seit 1890 in Kanton auf Veranlassung 
des Generalgouverneurs der Provinzen Kwang-tung und Kwang* 
hsi nach Genehmigung „des Thrones* geprägt werden. Diese 
Münzen entsprechen dem eigens für Ostasien geprägten soge- 
nannten mexikanischen Dollar und seinen Theilwerthen, da China 
selbst einen eigenen Münzfuss nicht hat, sich vielmehr des Ge- 
wichts des reinen Silbers als Werthmessers bedient: 1 Liang 
(= l 1 /, Unze) = 10 Tschien = 100 Fen == 1000 Lih, Namen, 
die im Verkehr mit Ausländern durch die Werthe: Tael, Mace, 
Gandareen, Kash ersetzt werden. Der mexikanische Dollar 
wurde = 7 Mace 2 Gandareens gesetzt und so lauten denn 
die Werthbezeichnungen der in Rede stehenden Münzen auf 
diesen Betrag, auf 3 Mace 6 Candareens (7s Dollar), 1 Mace 
4,4 Candareens (20 Cents), 7,2 Candareens (10 Cents) und 
.3,6 Candareens (5 Cents). Diese Werthbezeichnungen und der 
Name der Provinz Kwang-tung, beides in englischer Sprache, 
bilden die Inschrift der einen Seite, auf welcher sich als Gepräge 
der Kaiserliche Drache, jedoch mit 4, statt, wie es auf Münzen, 
die durch die Regierung genehmigt sind, wohl richtiger wäre, 



- 21 — 

mit 5 Krallen befindet. Die andere Seite zeigt in der Mitte 
einige, von dem europäischen Stempelschneider nicht verstandene 
und daher unleserlich ausgefallene mongolische Buchstaben, darum 
herum chinesische Schriftzeichen, welche die offizielle Bezeichnung 
der gegenwärtigen Regierungsperiode (Kwang-sü = glänzende 
Nachfolge), die Gewichtsangabe u. s. w. darstellen. Derselbe 
Gouverneur Hess ausser diesen fünf Sorten Silbermünzen auch 
noch im Jahre 1889 Bronzemünzen nach chinesischer Art, rund, 
mit einem viereckigen Loch in der Mitte anfertigen; doch sind 
diese ebenfalls geprägt, während die bisherigen chinesischen 
Bronzemünzen gegossen waren. Sie zeigen auf beiden Seiten 
chinesische und mongolische Schriftzeichen, welche den Namen 
der Provinz, die Münzbezeichnung u. s. w. enthalten, und wurden 
zunächst auf den Werth von 1 / 100 o Tael (Käsch) geprägt. Da 
aber bis dahin erst etwa 1350 solcher Bronzemünzen auf den 
Tael gerechnet worden waren, so wurden diese neuen Münzen 
von der Bevölkerung nicht genommen und man sah sich ge- 
nöthigt, leichtere Stücke, 1350 auf 1 Tael auszugeben. — Der- 
selbe Vortragende legte eine sehr selten gewordene kleine Kupfer- 
medaille vor, welche Herr A. Tautenberg in Auckland im Jahre 
1875 bei Gelegenheit der Anwesenheit S. M. S. „Gazelle 44 hat 
prägen lassen und die auf der einen Seite den gut gearbeiteten 
Kopf eines Maori mit der charakteristischen Bemalung, auf der 
anderen die Widmungsinschrift enthält. — Herr v. d. Heyden 
besprach einen im Handel aufgetauchten Halbthaler Joachims IL 
von Brandenburg von 1541 und legte mehrere Medaillen mit 
religiösen Darstellungen von schöner Arbeit vor. — Herr Re- 
gierungsrath Friedensburg zeigte eine geprägte ovale Medaille 
des Fürsten Wenzel von Lobkowitz mit dessen gut gearbeitetem 
Brustbild in Harnisch und Feldbinde. Die Rückseite trägt eine 
allegorische Darstellung : im Meere ein aufrechter Korallenbaum, 
darüber die Worte: „Tempore durescit 1 ' unter einer Krone. Wenzel 
von Lobkowitz wurde 1609 geboren, trat 1629 in den öster- 
reichischen Staats« und Kriegsdienst, wurde 1646 mit dem 
Fürstenthum Sagan belehnt und starb 1677. Die Medaille ist 
bei Miltner und Neumann auf Tafel 29 abgebildet. 



— 22 — 

Sitzung Tom 4. Juni 1894. 

Herr Landgerich tsrath Dannenberg überreichte für die 
Bibliothek der Gesellschaft den eben erschienenen zweiten Band 
seiner „deutschen Münzen der sächsischen und fränkischen 
Kaiserzeit.* Dieser Band enthält nur Nachträge zu dem vor 
18 Jahren erschienenen ersten; wie reichhaltig diese aber, haupt- 
sächlich infolge neuer glücklicher Funde sind, das beweist schon 
der Umstand, dass die Zahl der Abbildungstafeln sich von 61 auf 
100 und die der behandelten Münzen von 1390 auf 1866 er- 
höht hat, wobei jedoch zu bemerken ist, dass die zahlreichen 
wichtigeren Spezialarten (unwichtige sind überhaupt grundsätz- 
lich ausgeschlossen) den fortlaufenden Zahlen mit Buchstaben 
angereiht sind, so dass im ganzen etwa 2500 Gepräge aus der 
Zeit von 919 bis 1137 beschrieben und erklärt, mit geringen 
Ausnahmen auch abgebildet worden sind. Diese Abbildungen 
rühren von des Verfassers eigener Hand her, was ihnen den 
Vorzug verständnissvoller Treue sichert. Die Bedeutung der 
hier gebotenen Nachträge wird u. a. durch die grosse Zahl der 
neu eingeführten Münzstätten ins Licht gesetzt, als Gambray, 
St. Omer, Lens, Alost, Eenham, Tournay, Luxemburg, Bonn, 
Prüm, Rhynsburg, Ballenstädt, Braunschweig, Gittelde, Bursfelde» 
Nordheim, Helmershausen , Marsberg, Arnstadt, St. Gallen, 
Aquileja und die ungenannte Münzstätte des durch den grossen 
Fund von Rakwitz in Mähren (1886) überhaupt erst hinzuge- 
tretenen Osterreich. Als besonders wichtig sind ferner die 
Münzen des zweiten lothringischen Herzogs Giselbert (915—939) 
und des Billunger Grafen Dietmar, eines Sohnes des Sachsen- 
herzogs L Bernhard I., zu nennen, nicht minder die Gittelder 
Pfennige mit den ältesten deutschen Münzaufschriften, die wir 
kennen, und der einige Jahrzehnte spätere Braunschweiger mit 
dem ebenfalls deutschen Greve Egbertus (1068—1090). Auch 
die Artikel Stade und Nordheim, die sich bereits zu umfang- 
reichen Münzgeschichten dieser bisher in der Numismatik nicht 
vertretenen Grafengeschlechter erheben, verdienen ebenso be- 
sondere Erwähnung, wie der im baierischen Stil gehaltene Denar 
des Patriarchen Poppo von Aquileja, der die bisher bezweifelte 
Urkunde von 1028 über die Verleihung des Münzrechts an das 
genannte Stift über alle Zweifel erhebt. Diese und viele andere 



— 23 — 

wichtige Erscheinungen kennzeichnen die Bedeutung des Werkes 
für die vaterländische Geschichte und Alterthumskunde, und die 
Kgl. Akademie der Wissenschaften verdient grössten Dank für 
die auch bei diesem Bande gewährte Beihülfe. — Im Anschluss 
an diesen Vortrag legte Landgerichtsrath Dannenberg auch 
noch einen vollkommen erhaltenen silbernen Halsschmuck vor, der 
aus mehreren zusammengeflochtenen gedrehten Ringen besteht, 
und vor Jahren mit Münzen des 11. Jahrhunderts zusammen 
gefunden wurde. — Herr v. d. Hey den besprach die von Kur- 
fürst Joachim I. in Frankfurt a. 0. geschlagenen Goldgulden mit 
dem Bilde des heiligen Paulus und legte solche Stücke von 1518 
und 1519 im Original, ferner den Abguss eines Guldens von 
1516 vor. Er zeigte dann den von ihm in der vorigen Sitzung 
besprochenen, jüngst von ihm erworbenen halben Thaler Kurfürst 
Joachims II. von 1541. 

Herr Kontreadmiral Strauch zeigte die Abbildung einer 
kürzlich erschienenen privaten Medaille zur Erinnerung an 
den deutsch-russischen Handelsvertrag, auf der zum ersten 
Male das Bild des jetzigen Reichskanzlers dargestellt ist, 
und hielt dann einen Vortrag über die Münzen von Sansibar. 
Diese werden seit dem Jahre 1299 d. H. (1881/82) geprägt und 
bestehen aus Stücken in Gold zu 5 Rial (Dollar), z. Z. 20 Rupees 
werth, in Silber zu 1 Rial, z. Z. 2 9 /a Rupee werth, und aus 
kupferen Paissas im Werthe der 1 / 4 anna-Stücke des ostindischen 
Rupee-Systems. Soweit festzustellen ist, sind 5 Rial* und 1 Rial- 
Stücke nur im Jahre 1299 d. H. (1881/82) geprägt, und zwar 
2119 bezw. 1000 Stück. (2 1 /, Rial-Stücke sind nicht geprägt 
worden.) Die goldenen Fünfrials haben einen Durchmesser von 
22 mm, die silbernen Rials einen solchen von 38 mm, die In- 
schrift ist — mit Ausnahme der Werthzahlen 5 und 1 — auf 
beiden Münzen gleichlautend, nämlich: 5 (1) Rial, Münze des 
SaKd im Jahre 1299 und: Mit Gott, Sultanie Said Sohn Burg- 
hosch's Sohn des Sultans Hadzar. Letztere Inschrift haben 
auch die kupfernen Paissas, auf der anderen Seite befindet sich 
eine Waage als Zeichen einer guten, richtigen Münze und die 
Jahreszahl. Kupfermünzen sind seit 1882 fast in jedem Jahre bei 
Heaton in Birmingham und in Brüssel geprägt worden, die Gold- 
und Silbermünzen 1882 in Brüssel. Herr Strauch besprach ferner 



- 24 — 

die Münzen, die 1890 für die unter französischer Schutzherr- 
schaft stehende Inselgruppe der Komoren (die jetzt den Namen 
„Sultanat d'Anjouan" erhalten hat), auf Veranlassung der die Insel 
Gross-Comoro ausbeutenden Gesellschaft und unter Genehmigung 
des Unterstaatssekretärs der Oolonien vom 11. Oktober 1894 
in Paris geprägt sind. Die Münzen bestehen in Fünffrank- und 
Zehn- und Fünfcentimes-Stücken, von demselben Feingehalt und 
Gewicht und gleicher Abmessung wie die Münzen dieser Werthe des 
französischen Systems. Das Fünffrankstück hat auf der Vorderseite 
die arabische Umschrift: Said Ali, Sohn des Said Omar. Möge der 
Grosse Gott ihn beschützen; im Felde in ungeschickter Zusammen- 
stellung einen arabischen Dolch, einen Säbel, einen Bogen, zwei 
Pfeile, einen Revolver und ein Kanonenrohr, an der rechten 
Seite des Feldes das Jahr der Prägung (1308 d. H.) 1890. 
Die Rückseite trägt oben die Inschrift: Protectorat der ruhm- 
reichen französischen Regierung und in einem Kranz von Palmen 
und Lorbeerzweig die französische und komorische Flagge, da- 
runter: Dynastie Anghezidia. Möge Gott sie beschützen. Im Ab- 
schnitt das Münzzeichen A (Paris). Die Zehn- und Fünfcentimes- 
Stücke haben unter Fortfall der Waffenzusammenstellung fast 
dieselben Inschriften wie das Fünffrankenstück. — Herr Stadt- 
baurath Brat ring sprach im Anschluss an seinen in der Fest- 
schrift der Gesellschaft erschienenen Aufsatz über die pommerschen 
Herzogsmünzen des 16. Jahrhunderts über die Münzen des 
Herzogs Philipp Julius von Wolgast 1592 — 1625, indem er seinen 
Vortrag durch Vorlegung einer grossen Reihe zum Theil höchst 
seltener Gepräge dieses Herrn erläuterte. Herzog Philipp Julius hat 
uns sehr zahlreiche Münzen hinterlassen: Dukaten, Goldgulden, 
Doppelthaler, Thaler, dessen Theilstücke und zahlreiche kleinere 
Sorten bis zum Pfennig hinunter, ganze, halbe, Viertel und Achtel 
Sterbethaler. Es unterliegt, wie in der an dem Vortrage sich an- 
schliessenden Besprechung anerkannt wurde, keinem Zweifel, dass 
diese über den Bedarf seines kleinen Ländchens weit hinausgehende 
Münzung hauptsächlich eine, allerdings recht bedenkliche Finanz- 
massregel war, wie sie damals so gut wie überall geübt wurde. 
Kein Reichsstand bcheute sich, gute Münzen einzuwechseln und 
einzuschmelzen und dafür immer geringhaltigeres Geld aus- 
zugeben. 



— 25 - 

Sitzung vom 2. Juli 1894. 

Der Vorsitzende, Herr Regierungsrath Friedensburg, 
widmete dem jüngst verstorbenen Pastor Stenzel, dem Vorsteher 
des Herzoglichen Münzkabinets zu Dessau, einen Nachruf und 
rühmte sowohl die grosse Liebenswürdigkeit seines Wesens 
wie seine Verdienste um die Wissenschaft. Die Anwesenden 
erhoben sich zu Ehren des Dahingeschiedenen von ihren Sitzen. 
— Herr Landgerichtsrath Dannenberg legte mehrere vor 
längeren Jahren bei Beizig gefundene noch unbekannte Magde- 
burger Brakteaten des 12. Jahrhunderts mit dem Bilde des 
heiligen Moritz, sogenannte Moritzpfennige, vor und ferner 12 
andere solche unbekannten Fundortes. Er nahm hieraus Anlas?, 
sich über diese so zahlreiche und im allgemeinen häufig vor- 
kommende Münzklasse zu verbreiten, von der vielfach ange- 
nommen wird, sie sei nicht von den Erzbischöfen und in Magde- 
burg selbst, sondern in Halle von Schutzvögten (den Burggrafen 
Querfurter Geschlechts) oder von Münzpächtern oder von der 
Stadt Magdeburg, der man vermuthungsweise ein Pacht- oder 
Pfandrecht an der Münze zuschreibt, geschlagen worden, und 
sprach sich gegen die Zulässigkeit aller dieser Ansichten aus. 
Vögte würden die Rechte der mächtigen Erzbischöfe nicht 
usurpirt haben, die Balken auf dem Schilde des auf einigen 
dieser Stücke dargestellten Kriegers könnten mit Rücksicht auf 
die Zeit, um die es sich handle (erste Hälfte des 12. Jahr- 
hunderts), nicht als das Querfurter Wappen angesehen werden, 
sondern seien als der Schildbeschlag aufzufassen, und gegen 
Halle als alleinigen Prägeort dieser Münzen spreche der Um- 
stand, dass einzelne von ihnen wieder Magdeburg als Prägestätte 
nennten und dass zwei mit dem Namen von Halle bezeichneten 
Stücke vorhanden seien, von denen das eine zwar das Bild des 
heiligen Moritz, das andere dagegen das des Erzbischofs Wich- 
mann und dessen Namen trage. Auch walte ein ganz ähnliches 
Verhätniss in dem benachbarten Halberstadt vor, wo die nur mit 
dem Namen des heiligen Stephan versehenen Brakteaten die 
mit dem Namen des Bischofs bezeichneten weitaus überwiegen , 
ohne dass deshalb bis jetzt jemand darauf verfallen wäre, sie 
den Bischöfen abzusprechen. Der Vortragende, ohne zu leugnen, 
dass eine Anzahl Münzen in Halle geschlagen sein möge, erklärte 



- 26 — 

es doch, namentlich im Hinblick auf das Magdeburger Münz- 
wesen des 11. Jahrhunderts, für unangebracht, die Moritz- 
pfennige den Erzbischöfen zu entziehen, möchte vielmehr in 
ihnen das gewöhnliche Magdeburger Geld sehen, während die 
Brakteaten mit des Erzbischofs Bild oder Namen besonderen, 
uns freilich unbekannten Veranlassungen ihr Dasein verdanken 
könnten, ohne dass man sie jedoch deshalb alle als Denkmünzen 
anzusprechen brauche. — Herr Dr. Weil besprach die kürzlich 
aufgetauchte Handschrift eines Bandes des v. Madaischen Thaler- 
kabinets, welche sich durch eine grosse Anzahl sauberer Ab- 
bildungen auszeichnet. — Herr Regierungsrath Friedensburg 
legte Proben eines kürzlich gemachten Münzfundes aus dem 
11. Jahrhundert vor, der neben Münzen von Goslar, Hildesheim, 
Münster (Hälfte eines noch unbekannten Denars von Bischof 
Burkard) namentlich sehr interessante, zum Theil noch nicht 
veröffentlichte niederländische Münzen enthält. Es ist Hoffnung 
vorhanden, dass der ganze Fund der Wissenschaft gerettet wird. 
— Herr Stadtbaurath Bratring gelangte in der Reihe seiner 
Vorträge über die neueren pommerschen Münzen zu Herzog 
Philipp IL zu Stettin (1606 bis 1618), von dem im Gegensatz 
zu seinem Vorgänger sehr viele grosse Münzen, aber nur zwei 
Sorten kleine (Groschen und Dreier) vorhanden sind. Philipp II. 
war ein vielseitig gebildeter' und kunstsinniger Fürst, unter ihm 
ist bekanntlich auch der berühmte „Pommersche Kunstschrank" 
(im Kunstgewerbemuseum) entstanden. Infolgedessen zeichnen 
sich seine Münzen ebenso durch schöne Arbeit wie durch die 
Mannichfaltigkeit der darauf angebrachten allegorischen Vor- 
stellungen und Sinnsprüche aus. Wir kennen von ihm Gold- 
gulden (keine Dukaten) von 1612, 13, 14, 15, 16, 17 (letztere 
auf die 100jährige Jubelfeier der Reformation geprägt) und 18, 
theils mit dem Wappen, theils mit David bei den Schafen 
(„Ego tuli te de grege"), mit einer Schnecke („Lente sed 
attente'), mit Simson und dem Löwen („De ore leonis") u. a. m. 
Die Thaler, zu denen sich auch doppelte und dreifache, halbe 
und viertel Thaler gesellen und von denen einer den Münzmeister 
Daniel Sievers nennt, zeigen drei verschiedene Auffassungen des 
Brustbildes und beziehen sich zum Theil auf das Reformations- 
fest, den Tod des Herzogs, seiner Stiefmutter Anna und seines 



— 27 - 

Bruders Georg. Auch sie tragen vielfach allegorische Dar- 
stellungen. Endlich sind noch mehrere Medaillen zur Er- 
innerung an die Eintracht des Herzogs mit seinen Brüdern, an 
das Reformationsfest und an den Tod des Herzogs vorhanden. 
Der grösste Theil der besprochenen, meist sehr seltenen Stücke 
wurde in Originalen aus der Sammlung des Vortragenden, die 
übrigen in Abbildungen vorgelegt. 

Herr Kontre-Admiral Strauch besprach zunächst die 
Münzen Napoleons I. aus der Zeit von 1804 bis 1808 und wies 
nach« dass der scheinbare Widerspruch ihrer Aufschriften: 
„Räpublique fran<jaise u und „Napoleon empereur" weder aus 
einem Versehen bei der Prägung noch aus der Absicht, die re- 
publikanischen Gefühle des Volkes zu schonen, zu erklären ist, 
wie man häufig annimmt, sondern den massgebenden Sätzen das 
französischen Staatsrechtes genau entspricht. So heisst es in 
Art 1 des Senatsbeschlusses vom 18. Mai 1804: Le gou verne- 
in ent de la Räpublique est confiä k un Empereur, qui prend le 
titre „Empereur des Francis". Erst durch Dekret vom 22. Oktober 
1808 wurde das „R6publique fran<jaise a durch „Empire fran$ais" 
ersetzt, und obwohl diese Bestimmung erst mit dem 1. Januar 1809 
in Kraft treten sollte, finden sich doch schon Napoläonsd'ors mit der 
neuen Aufschrift und der Jahreszahl 1808. Derselbe Herr hielt 
sodann einen Vortrag über die neueren marokkanischen Münzen, 
- die in Silberstücken zu 5, 2% 1 und \ Unze (Dirhem) und rohen 
gegossenen Kupfermünzen zu 4 und 2 Flus und 1 Fils bestehen, 
während Gold nicht mehr gemünzt wird. — Herr Dr. Nützel 
besprach die Münzen des Grossmoghuls Dschehängir von 
Hindostan (1605—1628 n. Chr.). Entgegen dem Bilderverbot des 
Islam liess der Herrscher auf einigen Goldmünzen sich selbst 
darstellen in prachtvoller Gewandung, mehrfach sogar einen 
Weinbecher in der Hand haltend. Auf der Rf. dieser Münzen 
erscheint einigemal das Bild eines Löwen mit der hinter ihm 
aufgehenden Sonne (die Sonne im Sternbild des Löwen) oder 
die Sonne allein. Wahrscheinlich haben diese das religiöse Ge- 
fühl der muhammedanischen Bevölkerung tief verletzenden Bild- 
münzen nicht sowohl als Courantgeld, sondern vielmehr als eine 
Art Medaillen gedient. Dagegen wurden zweifellos als ersteres 
die sogenannten Zodiakalmünzen gebraucht, die zweite Reihe der 



— 28 - 

Bildmünzen Dschehängirs : Gold- (Mohurs) und Silbermünzen 
(Rupien), auf denen je einzeln sämmtliche Bilder des Thier- 
kreises dargestellt sind. Die Legende, dass diese Zodiakalmttnzen 
auf Befehl der Gemahlin des Kaisers, Nür-dschehän, geprägt 
seien, die sich von ihrem Gemahl die Herrschaft auf einen Tag 
habe abtreten lassen, wird durch die volle acht Jahre ergebende 
Datirung der Münzen wie durch Dschehängirs eigene Aufzeich- 
nungen widerlegt. Der Vortragende legte Gipsabgüsse der 
beiden Münzreihen vor, die das Königl. Münzkabinet in nur 
noch vom British Museum erreichter Vollständigkeit besitzt 

Sitzung vom 3. September 1894. 

Der Vorsitzende, Herr Regierungsrath Friedensburg, ge- 
dachte mit warmen Worten des jüngst verstorbenen Mitgliedes 
der Gesellschaft, des Generals v. Winterfeldt, der viele Jahre 
hindurch mit Eifer an den Sitzungen theilgenommen und sich 
durch sein liebenswürdiges Wesen die besondere Verehrung der 
Mitglieder erworben hatte. Die Anwesenden ehrten sein Ge- 
dächtniss durch Erheben von den Plätzen. Dann hielt Herr 
Landgerich tsrath Dann enberg einen längeren Vortrag über die 
auf Mittelaltermünzen vorkommenden Münzbenennungen, die im 
Gegensatze zu dem Gebrauche der Neuzeit die seltene Aus- 
nahme bilden. In den ersten Jahrhunderten fehlen sie ganz, 
aber schon im elften begegnen wir mehrfach dem Worte 
„denarius" (einmal sogar in der deutschen Form: pening und 
einmal auch ebenso auf nordisch) das allerdings nicht nur 
den grössten damals geprägten Münzwerth (7*o des karo- 
lingischen Pfundes), sondern überhaupt jedes Geldstück, gleich- 
viel welcher Grösse und welchen Metalls, bezeichnet. Auch die 
einseitigen Münzen, die etwa seit Mitte des 12. Jahrhunderts 
in Deutschland geschlagenen Brakteaten, bezeichnen sich als 
„denarius": Der Verkehr unterschied nicht zwischen dem ein- 
und dem zweiseitigen Geldstücke. Seit Mitte des 13. Jahr- 
hunderts wurden die Münzen mannigfaltiger. Im Jahre 1252 
schlug man zuerst in Florenz Goldstücke im Werthe von 
240 Silberpfennigen, d. i. eines Pfundes, nach ihrem Gepräge, 
der florentinischen Lilie, Florenen genannt, und seit 1258 in 
Frankreich unter Ludwig IX. Silbermünzen im Werthe von 



— 29 — 

12 Pfennigen (einem solidus oder Schilling), die „Turnosen" 
hiessen, da sie zur Bezeichnung der Münzstätte die Inschrift: 
TVRONVS CIVIS trugen. Auch hiessen sie denarii grossi oder 
grossi schlechthin, weil sie wesentlich dicker waren als die bis- 
herigen Münzen. Beide Münzsorten wurden schnell allgemein 
beliebt und deshalb anderwärts viel nachgeprägt, der Floren, 
bisweilen mit der Bezeichnung FLORenus, in ganz Westeuropa, 
der Turnose in den Niederlanden, Rheinland und Westfalen meist 
mit dem ursprünglichen Turonus civis. Gleichen Werthes mit 
den Turnosen (12 Pf.) waren die Münzen, die König Wenzel II. 
von Böhmen in Prag seit 1300 und nach ihm seine Nachfolger 
mit der Inschrift GROSSI PRAGENSES prägen Hessen, von 
denen sowohl das deutsche Wort Groschen als auch der Volks- 
ausdruck „Böhm" sich herschreiben. Diese Groschen, die in- 
folge steter Verschlechterung des für ihre Prägung verwendeten 
Metalles an Werth immer mehr sanken, wurden zuerst in 
Meissen, dann im übrigen Deutschland, vielfach mit der Be- 
zeichnung grossns, nachgeprägt und bildeten das hauptsächlichste 
Zahlmittel. In Süddeutschland (Neumarkt, Nürnberg, Oettingen) 
und einmal in Trier unter Erzbischof Werner (solidus novus auf 
einein bereits sehr unterwerthigen Stücke) nennen sie die Auf- 
schriften zuweilen solidus, während das deutsche Schilling nicht 
vorkommt. Gleich den Groschen büsste auch der Floren in 
Deutschland mehr und mehr an Werth ein und ging namentlich 
am Rhein auf weniger als drei Viertel des ursprünglichen zurück, 
so dass nun der „ rheinische Gulden" als besonderer Münzwerth 
neben den vollwichtigen oder ungarischen Gulden tritt, der mit 
dem von der Umschrift der venetianischen Stücke dieser Art 
(Sit tibi, Ghriste, datus, quem tu regis, iste ducatus) entlehnten 
Worte „Dukaten" bezeichnet wird. Dieser Name kommt aber 
erst im 16. Jahrhundert auf Münzen vor. Die Gulden sind 
endlich auch für die Thalerprägung insofern massgeblich ge- 
worden, als man bei der Zunahme der Silberausbeute gegen 
Ende des Mittelalters daran ging, den Werth des rheinischen 
Guldens in einem Silberstücke auszuprägen, das man „Gülden- 
groschen M nannte: ein Thaler des Bremer Erzbischofs Johann 
Yon 1511 bezeichnet sich dementsprechend ausdrücklich als 
Moneta nova Status floreni rhenensis. Etwa gleichzeitig ist die 



- 30 - 

Ausprägung des Markgewichts der wendischen Städte in grossen 
Silberstücken mit der Inschrift: Status (semis u. dergl.) marce 
Lubicensis. Neben diesen wenigen grossen Münzen sind nament- 
lich aus Frankreich zahlreiche kleinere Sorten mit inschriftlich 
vorkommenden Namen zu erwähnen: duplex turonus Francie, 
Turonus simplex, parvus Turonus, moneta duplex, auch mit 
hinzugefügtem alba, moneta regalis und duplex regalis, Burgensis 
fortis und novus, obolus, auch mit simplex oder in Erinnerung 
an das Turonus civis sinnlos mit civis verbunden, meal petita, 
dosini delphina (Humbert II. v. d. Dauphin 6 1333/49) u. a. m. 
In Deutschland finden wir ebenfalls kleine Groschen: grossiculi 
in Köln, parvi Pragenses und Misnenses, dagegen nicht den 
Obulus, wohl aber das deutsche Heller auf einer Neisser Münze 
aus König Wenzels IV. Zeit. Von den Namen, die der Volks- 
mund zahlreichen Münzsorten gab (Botdrager, Bauerngroschen, 
Snaphahn u. a.), sind nur wenige auf Münzen verewigt worden: 
„denarius simplex nominatus grifonus" haben die holländischen 
und brabantischen Greifengroschen Maximilians L und seines 
Sohnes Philipp zur Aufschrift, neben sie stellt sich ein „duplex 
Patardus fabricatus in Brabancia". Endlich sind noch einige 
ganz vereinzelte Münzbezeichnungen zu erwähnen: tercia ducalis 
und quarta tercenarii in Sizilien, in Spanien und Akkon die 
Pugeza, in Portugal der Cruzatus, dazu noch Anglicus Franc- 
fordensis und Sterlingus Trevirensis (Erzbischof Werner) auf 
deutschen nach englischem Muster geprägten Stücken. In der 
Besprechung wurde u. a. die Frage erörtert, aus welchen 
Gründen wohl die Münzbezeichnung so oft in der Pluralform 
(denarii, grossi, parvi u. s. w.) statt, wie man erwarten sollte, 
im Singular erscheine. Die Versammlung neigte zu der Ansicht, 
dass hierin nicht ein Versehen des Stempelschneiders oder eine 
Sprachwidrigkeit liegen könne, da dieser Gebrauch sich schon 
früh in verschiedenen Münzstätten (z. B. in Jever schon im 
11. Jahrhundert, bei Jakza im 12. Jahrhundert) nachweisen 
lasse und in Prag auf sonst tadellos geprägten Münzen Jahr- 
hunderte hindurch festgehalten worden sei. — Herr Kontre- 
Admiral Strauch besprach das nordamerikanische Münzwesen 
im Anschluss an ein jüngst erschienenes Buch von G. Evans, 
das in dankens- und nachahmenswerter Weise vollständigen 



— 31 — 

und genauen Aufschluss über den gesammten Betrieb der Münz- 
stätten der Vereinigten Staaten giebt, das Verfahren beim 
Schmelzen, Reinigen, Prüfen und Prägen von Gold und Silber 
erläutert und eine grosse Fülle statistischer, geschichtlicher, 
biographischer und anderer Nachrichten enthält. Beigegeben 
sind Abbildungen aller von den Vereinigten Staaten geprägten 
Münzen, unter denen als grösste Seltenheit der Silberdollar von 
1804 zu nennen ist. In dem Buche wird auch ein Adler er- 
wähnt, der in der Münze von New- York sechs Jahre lang als Mo- 
dell für die Stempelschneider gehalten wurde und der so zahm 
war, dass er frei ausflog und Abends pünktlich vor Schluss der 
Münze wieder heimkehrte. Der Vortragende besprach dann noch 
die neuen, *uf Grund des Gesetzes vom 6. Februar 1892 ge- 
prägten Münzen von Ceylon. Sie zeigen auf der einen Seite 
eine Talipot-Palme, auf der anderen den Werth in englischer, 
singhalesischer und tamulischer Sprache und stellen die Werthe 
'/<» 7s > 1) 5, 10, 25, 50 Cents so dar, dass die Münze zu 
50 Cents der halben Rupie entspricht, also auffallender Weise 
das Ganzstück der Reihe nicht vertreten ist. 

Sitzung vom 1. Oktober 1894. 

Herr Regierungsrath v. Kühlewein legte den bereits in 
der Sitzung vom 2. Juli d. J. von Herrn Dr. Weil erwähnten 
angeblichen handschriftlichen Nachtrag zu v. Madais Tbaler- 
kabinet vor. Dem Vortragenden ist von den Nachkommen des be- 
rühmten Sammlers und Forschers in dankenswerthem Entgegen- 
kommen die Einsicht in das aus losen Blättern bestehende, 77 
Pappfutterale füllende Manuskript gestattet worden und es hat 
sich dabei herausgestellt, dass es sich nicht um einen Nachtrag, 
wie früher mehrfach vermuthet worden war, sondern um die 
Handschrift des Thalerkabinets selbst handelt. Jedes Blatt ent- 
hält eine überaus saubere Zeichnung, dann die Beschreibung der 
betreffenden Münze, letztere von v. Madais Hand selbst her- 
rührend. Eine Abtheilung dieses hochinteressanten Manuskripts, 
das aber bei dem heutigen Stande der Numismatik nur noch 
von verhältnismässig geringem wissenschaftlichen Werthe ist, 
wurde vorgelegt. 

Herr Regierungsrath Friedensburg besprach einen bisher 



— 32 — 

nur in einem Exemplare bekannt gewesenen schlesischen Denar 
mit Eberkopf und schreitendem Adler, den man früher immer 
an Heinrich III. von Glogau gegeben hat. Ein dem Vortragenden 
kürzlich zugekommenes zweites Stück dieser Art beweist die 
Irrthümlichkeit dieser Annahme, indem es die Inschrift Ii DVX 
SLÖSIQ — statt, wie man bis jetzt ergänzt hatte: Glogovie — 
sicherstellt. Mit Rücksicht auf den Eberkopf ist anzunehmen, 
dass die Münze in Schweidnitz von Heinrich von Jauer, dem 
zweiten Sohne Bolkos I., der zuerst mit seinen Brüdern gemein- 
sam geprägt hat, geschlagen worden ist. — Herr v. d. Hey den 
legte eine Reihe von Medaillen auf brandenburgische Heerführer 
vor, insbesondere solche mit den wohlgelungenen, zum Theil 
künstlerisch ausgeführten Bildnissen von Derfflinger, Otto 
Christoph v. Sparr, Friedrich v. Schomburg und Mikrander. 
Dazu eine solche mit dem Bildniss Marlboroughs zur Erinnerung 
an die Schlacht bei Hochstädt, wo bekanntlich auch branden- 
burgische Truppen unter Leopold von Anhalt-Dessau mitfochten, 
und zwei andere mit den Bildnissen der Grafen Wladislaus und 
Johann Ernst v. Sparr, der erstere Generalwachtmeister, letzterer 
Oberst in Kaiserlichen Diensten. Derselbe Vortragende zeigte 
auch die 1706 zur Erinnerung an die Vermählung des Kron- 
prinzen Friedrich Wilhelm von Preussen mit Sophie Dorothea 
von Hannover geschlagenen Goldmünzen zu 1, V« und Vi Dukat 
mit den Bildnissen des Brautpaares und der Inschrift: Primi 
Regni Prussiae Heredis Conjugium Felix und legte ein jüngst 
von ihm erworbenes Vierteldukatenstück vor, das sich dieser 
kleinen Reihe anschliesst. Es hat dieselbe Rückseite, zeigt aber 
auf der Hauptseite die Brustbilder des Kronprinzen und seines 
Vaters mit der höchst auffälligen Umschrift: Frid. Wilh. Rex 
Borussiae. Die Versammlung neigte zu der Annahme, dass 
man es hier mit einem Versehen des Stempelschneiders zu 
thun habe. 

Herr Kontre-Admiral Strauch zeigte das von ihm bereits 
in der Junisitzung d. J. erwähnte Fünffrankenstück der 
Komoren-Inseln, das auf der Hauptseite in kindischer Ausführung 
eine Anzahl Waffen, als Revolver, Speer, Pfeil, Dolch, Geschütz* 
alles in derselben Grösse, zur Darstellung bringt, ferner das 
goldene Fünfdollarstück des verstorbenen Sultans von Sansibar, 



— 33 - 

Said ibn Burghosch, und zwei unter der Verwaltung des Herrn 
v. Möllendorf geprägte koreanische Silbermünzen, im Aeusseren 
den chinesischen Eäsch ähnlich, aber statt des viereckigen 
Loches auf der Rückseite mit einem Emailleplättchen versehen, 
das die Fälschung verhindern soll. Diese Münzen erwiesen sich 
als ganz unpraktisch. Die Anbringung des Emailleplättchens 
vertheuerte die Anfertigung der Münzen ausserordentlich, wegen 
des fast ganz reinen zur Verwendung gelangten Silbers ver- 
schwanden sie auch in kurzer Zeit aus dem Verkehr. Später 
sind mit modernen Prägemaschinen in der Hauptstadt Söul 
Kupfermünzen zu 20 und 10 „Mun a geprägt worden, deren 
Stempel von dem Stempelschneider Held in Magdeburg her- 
rühren; auch diese Prägung ist sehr bald eingestellt worden. 
In einem kürzlich veröffentlichten Erlass des Königs von Korea 
ist jedoch eine Neuregelung des Münzwesens in Aussicht gestellt 
worden. — Herr Hauptmann Brause legte die sehr seltene 
Thalerklippe vor, die Albrecht Graf von Mansfeld 1547, ver- 
mutlich zur Bezahlung seiner Söldner, hat prägen lassen, sowie 
den Doppelthaler und Thaler, der 1534 von den Wiedertäufern 
in Münster geschlagen ist, und verlas die auf diese Stücke be- 
züglichen Abschnitte aus seinem demnächst erscheinenden Werke 
über Noth- und Belagerungsmünzen. 

Sitzung vom 5. November 1894. 

Herr Regierungsrath Friedensburg legte zwei ebenso 
seltene wie schöne Medaillen auf berühmte Schlesier vor. Die 
eine stellt den im Jahre 1576 geborenen, 1622 gestorbenen 
Breslauer Patrizier Nikolaus Haunold, der in Wien als kaiser- 
licher Rath und Kammersekretär lebte, vor und zeigt in lebendiger 
Darstellung das Bildniss mit grosser Halskrause und Gnaden- 
kette geschmückt, während die Rückseite das Haunold sehe 
Wappen in zierlicher Einfassung giebt. Das zweite Stück ist 
zu Ehren des Breslauer Arztes Johannes Krato von Kraftheim 
geprägt, eines Mannes von bescheidener Herkunft, der nicht nur 
um die medizinische Wissenschaft als erster Erforscher der 
„Pest" grosse Verdienste hat, sondern dem auch die Sammlung 
und Erhaltung der Tischreden Luthers verdankt wird. Geboren 
1519 widmete er sich anfänglich der Theologie, ging aber dann 

3 



— 34 - 

zur Medizin über, wurde Breslauer iStadtphysikus und Leibarzt 
Kaiser Ferdinands und seiner Nachfolger. Trotz seines evan- 
gelischen Glaubens wusste er sich die Zuneigung der Kaiser, 
namentlich des milden Maximilian II., zu erhalten, so dass seine 
Grabschrift mit Recht von ihm rühmen darf: Caesaribus placuisse 
tribus non ultima laus est, und es wird vielfach die freundliche Be- 
handlung der Protestanten in jenen Zeiten auf seinen Einfluss zurück- 
geführt. Er starb 1585, nicht ohne schliesslich doch noch die Un- 
beständigkeit der Fürstengunst erfahren zu haben. Es giebt 
yier Medaillen mit seinem Bildniss: eine zeigt auf der Rückseite 
das Portrait Kaiser Maximilians, die andere Kratos Wappen, 
zwei endlich haben eine Darstellung Simsons, der den Löwen 
niederzwingt, und die Umschrift: Jrae modereris et ori, die 
möglicherweise eine medizinische Bedeutung hat, da man in alter 
Zeit heftig auftretende Krankheiten unter dem Bilde eines Löwen 
symbolisirte. Die eine dieser Medaillen ist ziemlich flüchtig 
geprägt und befindet sich im Kabinet der Stadt Breslau, die 
andere ist ein feiner Guss im Besitze des Verfassers und zeigt 
am Armabschnitt die bisher unerklärten, auf den Verfertiger 
des Stückes zu beziehenden Buchstaben AN. — Herr Kontre- 
admiräl Strauch machte einige Mittheilungen über Preise, 
die auf der zu Frankfurt a. M. stattgehabten Versteigerung der 
Bücher Sammlung des verstorbenen Mitgliedes der Gesellschaft, 
Adolf Meyer, erzielt wurden, und zeigte alsdann einige über- 
seeische Münzen von ungewöhnlicher Prägeweise: Ein- und 
Zweicentsstücke von Liberia (1847 und 1862) mit vertiefter 
Schrift, die Münzen des Kongostaates zu 10, 5, 2 und 1 Cent 
und das Einmilstück von Hongkong, letztere mit rundem Loch 
in der Mitte. Endlich legte er die von der British East-Africa- 
Company geprägten Münzen zu 1, 7a> 7* Rupie und 2 Annas 
in Silber und l U Anna (Paissa) in Kupfer vor, die sämmtlich den 
Namen der Stadt Mombasa nennen. — Herr Wardein Assistent 
Brinkmann zeigte die soeben von der Deutschen Neu-Guinea- 
Kompagnie geprägten Fünf- und Zweimarkstücke mit Werthan- 
gabe und etwas stark „geschmeicheltem" Paradiesvogel, deren 
im Gegensatz zu unseren ostafrikanischen Münzen auf den 
deutschen Münzfuss erfolgte Prägung von der Versammlung 
freudig begrüsst wurde. — Herr Stadtbaurath Bratring setzte 



— 35 - 

seinen Vortrag über die neueren pommerschen Münzen fort und 
besprach die Gepräge der Söhne Bogislaws XIIL, Franz (1600 
bis 1620) und Ulrich (1618—1620). Von Franz besitzen wir 
einen höchst seltenen Goldgulden von 1618 und einen nicht 
minder seltenen Thaler, sowie die Begräbnissmünzen seiner 
Muhme Anna Maria und des Herzogs selbst und kleine Münzen 
vom Doppelschilling bis zum Dreier, sowie zwei getriebene, ebenso 
rohe wie seltene Medaillen, die eine mit seinem, die andere mit 
seinem und seiner Gattin, einer geborenen Herzogin von Sachsen, 
Brustbildern. Ulrich hat uns keine Goldmünzen, sondern neben 
seinen eignen und seiner Gemahlin Begräbnissmünzen nur einen 
halben und einen viertel Thaler von 1622, sowie eine ganze 
Anzahl zum Theil sehr interessanter und seltener kleiner 
Münzen verschiedener Werthe hinterlassen. Die meisten der be- 
sprochenen Stücke konnte der Vortragende aus seiner Sammlung 
vorlegen, insbesondere den Thaler und die Medaillen von Franz. 
Herr Dr. Bahrfei dt berichtete über einen auf der Feldmark 
Leissower Mühle bei Göritz a. 0., Bezirk Frankfurt a. 0., unlängst 
gehobenen grossartigen Silberfund. Der Mühlenbesitzer Grabe 
stiess beim Pflügen auf eine Urne, die leider zertrümmert wurde, 
deren Inhalt sich aber bei näherer Untersuchung als ein Schatz 
von etwa 20 Pfund Silber entpuppte. Der Fund ist in seinem 
ganzen Umfange beisammen geblieben und wird demnächst eine 
wissenschaftliche Bearbeitung in einer besonderen Schrift er- 
fahren, deren münzkundlicher Theil vom Vortragenden verfasst 
werden wird. Der Schatz enthielt etwa 2100 Gramm Hacksilber, 
1900 Gramm Schmuckstücke, 6000 Gramm Münzen! Der Schmuck 
setzt sich zusammen aus dreizehn geflochtenen, mit verzierten 
Schliessen versehenen Halsringen von verschiedener Stärke, einem 
massiven Armring, verschiedenen Schläfen-, Finger- und Ohr- 
ringen, Schliesstheilen von Gürteln, den bekannten, in derartigen 
Funden oft vorkommenden Filigranschmuckstücken , Drahtge- 
flechten, Zierrathen mit phantastischen Gebilden, darunter Thier- 
köpfe, Pferdchen u. dergl. mehr — alles in Silber. Die Münzen 
des Fundes, auf etwa 6000 Stück geschätzt, gehen bis in das 
zweite Jahrzehnt des XL Jahrhunderts hinunter und geben ein 
fibersichtliches Bild des damaligen Geldumlaufes. Als älteste 

Münzen fanden sich darin je ein Denar des römischen Kaisers 

3* 



- 36 - 

Domitian, des Marc Aurel, seines Mitregenten Lucius Verus, der 
Crispina, Gemahlin des Kaisers Commodus, also aus der Zeit 
von 81—192 n.Chr. In den Funden des X. und XI. Jahr- 
hunderts ist das Vorkommen von römischen Kaiserdenaren nicht 
selten, wie das die Funde von Obersitzko, Stolp, Kawallen, 
Ragow, Schöningen, Ra witsch, Yossberg u. a. bezeugen. Byzan- 
tinische Münzen fanden sich von Konstantin X. und Romanus II. 
(948—959), Johannes! Zimisces (969 — 976), Basilius IL und 
Konstantin XI. (976 — 1025). An orientalischen Münzen waren 

9 

vorhanden Dirhems der Dynastien der Abbasiden, Samaniden, 
Hamdaniden, Merwaniden, Okailiden, Bujiden und der Chane 
der Wolga-Bulgaren. Der Norden hat beigesteuert durch Denare 
von Schweden, Norwegen, Dänemark, England; weitere nicht- 
deutsche Länder sind vertreten durch Gepräge von Polen, 
Böhmen, Pavia, Verona. Den Hauptstamm bilden natürlich 
die deutschen Denare und Obole aus folgenden Ländern und 
Prägestätten: Remiremont, Metz, Toul, V er dun, Flandern, 
St. Omer, Lüttich, Maestricht, Köln, Trier, Deventer, Thiel, 
Corvey, Dortmund, Sachsen. Aus letzterer Landschaft sind zu- 
nächst die Gruppe der Wenden- (Sachsen-) Pfennige der ältesten 
Sorten bis einschliesslich der Nachahmungen der Magdeburger 
Gepräge mit dem Spruche In nomine Domini Amen zu nennen, 
dann aber, und zwar als Hauptmasse des Fundes, mehrere 
Pfund Otto -Adelheid -Denare. Bezüglich dieser mag bei der 
brennenden Frage, ob sie von Otto I. (936—73) oder Otto III. 
(983 — 1002) herrühren, erwähnt sein, dass viele Hunderte des 
Typus mit Kreuz und Kirchengebäude, nur wenige Denare mit 
dem Kopfe, kein Obol mit dem Kopfe, zwei Stück mit AMEN 
neben der Umschrift Dei gracia Rex, nur ein Stück mit AMEN 
allein auf der Bückseite vorhanden sind. Sächsische Dynasten- 
Denare erscheinen im Funde von Graf Eilard, Graf Wichmann IIL, 
Gräfin Adela; femer solche von Bernhard I. von Sachsen, von 
Magdeburg, Quedlinburg, Halberstadt, Hildesheim, Mundburg, 
Stade, Mainz, Speier, Worms, Würzburg, Meissen, Breisach, 
Strassburg, Villingen (?) , Chur, Konstanz, Zürich, Augsburg, 
.Regensburg , Cham, Nabburg, Neuburg, Salzburg, endlich 
eine grosse Zahl von Denaren, die noch der Entzifferung 
und näheren Bestimmung harren. Wie bei dem Umfange 



- 37 — 

des Schatzes zu erwarten, der zu den grössten dieses 
Zeitraumes gehört, die jemals untersucht worden sind, bringt 
er eine stattliche Anzahl höchst seltener Münzen und nicht 
wenige ganz neue Erscheinungen ans Licht. Es ist nicht 
möglich, auch nur einen Theil dieser Stücke, die vom Vor- 
tragenden in der Sitzung in seinen Originalen vorgelegt wurden, 
hier wiederzugeben, es muss dies vielmehr der Eingangs er- 
wähnten Bearbeitung an anderer Stelle vorbehalten bleiben. Die 
Yergrabung des Silberschatzes von Leissower Mühle setzt 
Dr. Bahrfeldt in die Zeit von etwa 1010 — 1015. Diese Annahme 
rechtfertigt sich dadurch, dass der Fund Münzen enthielt von Jaromir 
von Böhmen (1003—1012), Theodorich von Metz (1005—1046), 
Bruno von Augsburg (1006—1029), Adalbert von Trier (1008 
bis 1016), von Heinrich IL nur Königsmünzen (1002—1014), 
während keine von letzterem als Kaiser (1014—1024), auch 
keine von Knut von England (1016—1035), Ulrich von Böhmen 
(1012—1037) vorhanden waren. Der Schatz muss also nach 
1008 in die Erde gekommen sein, kann aber, besonders wegen 
der fehlenden, sonst nicht seltenen Kaisermünzen Heinrichs II. 
nicht viel nach 1014 vergraben sein; daraus ergiebt sich seine 
Bergung etwa 1010 — 1015 und damit auch zugleich, was aus 
den Schmuckstücken allein niemals festzustellen ist, für diese 
die jüngste Zeitgrenze. — Im Anschlüsse an diesen Vortrag 
machte Herr Landgerichtsrath Dannenberg Mittheilungen über 
den von ihm untersuchten Theil desselben Fundes und gelangte 
dabei zu der gleichen Ansicht bezüglich der Vergrabungszeit. 
Alsdann führte er aus, dass auch dieser Fund wieder die Richtig- 
keit der Zuweisung der Adelheidspfennige an Otto HI. bestätige, 
denn weil diese Münzen hier zu Tausenden in völlig gleich- 
massigen , weder in Prägung noch Erhaltung verschiedenen 
Exemplaren vertreten seien, könnten sie unmöglich in die Zeit 
vor Ottos I. Tod fallen. 

Sitzung vom 3. Dezember 1894. 

Herr Hauptmann Brause legte zwei seltene Klippen vor: 
die eine, in Silber, 1551 bei der Belagerung von Magdeburg 
aus dem Silbergeschirr der Bürger zur Bezahlung der zur Ver- 
teidigung der Stadt angenommenen Söldner geprägt und auf 



— 38 — 

der Rückseite mit einer offenbar gleichzeitigen niederdeutschen 
Inschrift zur Erinnerung an jene stürmische Zeit versehen, die 
andere, von Kupfer, bei Gelegenheit des am 23. Juli 1676 zu 
Dresden abgehaltenen Schützenfestes geschlagen, bei dem die 
Kurfürstin Magdalene Sibylle „Vogelkönigin" wurde, in ihrer 
Art vermuthlich ein Unikum, da der Stempel nach Abprägung 
einiger goldener und silberner Exemplare bei Herstellung des 
ersten Kupferstückes gesprungen sein soll. — Herr Kontreadmiral 
Strauch zeigte einen japanischen Zinsschein zu 20 Sen (= 
Vs Dollar), der in zierlicher Anordnung und schöner Ausführung 
die japanischen Wappenbilder (Chrysanthemum, Drachen, Pfauen 
u.s.w.) aufweist. — Herr Regierungsrath Friedensburg be- 
sprach die Münzen des Breslauer Fürstbischofs Johann V. aus 
dem ungarischen Geschlecht der Turzo (1506 bis 1520). Man 
kannte von diesem Herrn bisher Groschen aus den Jahren 1506 
bis einschliesslich 1509 und eine thalerförmige geprägte Medaille 
von 1508, die sich in zwei Exemplaren im kaiserlichen Münzkabinet 
zu Wien und in der städtischen Sammlung zu Breslau erhalten hat 
und vermuthlich bei Gelegenheit des Aufenthalts des böhmischen 
Königs Wladislaw in Neisse zur Ausgabe gelangt ist. Auch 
wusste man, dass der Bischof unter dem 31. August 1515 von 
Kaiser Maximilian das Recht, Goldmünzen zu prägen, erhalten 
hat, zweifelte aber, ob er davon Gebrauch gemacht habe, da 
bisher noch kein Dukat von ihm bekannt geworden war. Nun 
ist in diesem Jahre, angeblich in einem holländischen Funde, 
ein Dukat des Johannes Turzo, und zwar von 1513, aufgetaucht 
und in die Sammlung des Vortragenden gelangt. Das zweifel- 
los echte Stück zeigt das in dem späteren Privileg vorge- 
schriebene Gepräge: Wappen und St. Johannes, letzteren mit der 
Umschrift MVNVS CAESARIS MAXIMILIANI, und ist wohl 
ein Probestück, geprägt in Erwartung der kaiserlichen Be- 
gnadung; wissen wir doch aus einem Briefe des diplomatischen 
Agenten des Bischofs in Wien, Kaspar Ursinus Velius, dass das 
Privileg erst nach langen Bemühungen ertheilt worden ist. Vor- 
gelegt wurden ausser dem Dukaten und einem Abdruck der er- 
wähnten Medaille eine reiche Auswahl der Groschen, darunter 
auch die höchst seltenen Stücke von 1506 mit dem Heiligen in 
ganzer Figur und bezw. dem langen, die Umschrift theilenden 



— 39 - 

Wappen. — Herr Stadtbaurath Bratring setzte seine Vorträge 
über die pommerschen Herzogsmünzen durch Besprechung der 
groben Sorten Bogislaws XIV. fort. Dieser Herzog, der letzte 
seines Stammes, regierte seit 1606 in Rügenwalde, seit 1620 zu 
Stettin, war auch seit 1622 Bischof zu Kaminin; er starb am 
10. März 1637, und ward erst 1654, nach Beendigung der 
Streitigkeiten um sein Erbe, auf Kosten des Kurfürsten Friedrich 
Wilhelm von Brandenburg und der Königin Christine von Schweden 
feierlich beigesetzt. Er ist trotz der schweren Zeiten, in die 
seine Regierung fällt, einer der münzreichsten Fürsten. Wir 
besitzen von ihm Goldgulden von 1628 und 1629 mit seinem 
Brustbild, 22/ Wappen, bezw. Greif, und Dukaten von 1631 und 
1634 bis 1636, sowie ohne Jahr, die sämmtlich den Fürsten in 
ganzer Figur und das Wappen zeigen, ferner Thaler von 1628 
bis 1637 in etwa 100 verschiedenen Stempeln, sämmtlich auf 
der HJ. das Brustbild, auf der 22/ das Wappen oder den Greif 
zeigend. Unter ihnen zeichnet sich durch Schönheit und Selten- 
heit ein medaillenartiges Stück von 1635 aus, das den Herzog 
zu Pferde vor einem hallenartigen Gebäude darstellt und mög- 
licherweise eine besondere geschichtliche Bedeutung hat, die 
uns allerdings unbekannt ist. Doppelthaler kommen von 1633 
und 34, halbe von 1628, 33, 34, 35 vor, von letzterem Jahre 
auch ein Viertelthaler. Diese Stücke entstammen den Münz- 
stätten zu Stettin, Rügenwalde und Köslin und sind zum Theil 
mit den Namensbuchstaben der Eisenschneider Ulrich Buttkau 
in Stettin (1633 bis 63), Karsten Wilke in Köslin (1631) und 
des unbekannten G. T. (1628 bis 37 und 1654) bezeichnet. Bei 
Gelegenheit der Beisetzung im Jahre 1654 wurde ebenfalls eine 
grosse Anzahl verschiedenartiger Denkmünzen zu 1, Vi Dukat, 
4, 3, 2, 1, 7* 7« und 7s Thaler geschlagen, von denen ein 
Theil das Bildniss des Herzogs, andere das schwedische und 
brandenburgische Wappen, noch andere einen Todtenkopf und 
sonstige sinnbildliche Darstellungen zeigen. Herr Bratring er- 
läuterte seinen Vortrag wiederum durch Vorlegung einer unge- 
wöhnlich vollständigen Reihe der besprochenen Münzen aus 
seiner Sammlung. — Herr Dr. Nützel berichtete über die 
ältesten mohammedanischen Prägungen in Persien. Vom Jahre 
635 n. Chr. an begannen die Chalifen Persien, das seit 226 



— 40 — 

n. Chr. unter der Herrschaft der Sassaniden gestanden hatte, zu 
erobern, 643 wurde das ganze Reich eingenommen und der letzte 
Sassanide Jezdegerd vertrieben. Die Araber behielten jedoch 
den landesüblichen Münztypus (Brustbild mit geflügelter Tiara, 
Rf. Feueraltar) sowie die Pehlewisprache der Umschriften bei, 
nur setzten sie eine kurze religiöse Formel in arabischer Schrift 
hinzu, auch gaben sie die Datirung nach der arabischen Zeit- 
rechnung. Ein Fortschritt in der Arabisirung der persischen 
Münzen trat unter dem Statthalter el-Haddschädah ibn Jusuf 
ein, der seinen Namen in arabischer Schrift anbrachte und das 
vollständige muslimische Glaubensbekenntniss beifügte. Im 
Jahre 81 d. H. = 700 n. Chr. hören diese chalifischen Pehlewi- 
prägungen auf, indem auch in Persien die Münzreform Abdulmeliks 
durchgeführt wurde. Nur in der Provinz Taberistan hielt sich 
das alte Gepräge noch etwa hundert Jahre länger. Die dort 
herrschenden Dynasten (die sogen. Ispehbeden) standen nur in 
loser Abhängigkeit von dem Chalifen und prägten nach sassa- 
nidischem Typus weiter mit einer eigenen Zeitrechnung, die 
651 n. Chr. beginnt, dem Jahre, in welchem nach der Er- 
mordung Jezdegerds das Sassanidenreich völlig vernichtet wurde. 
Diese Prägung dauert bis etwa 760 n. Chr., von da an wurde 
Taberistan durch arabische Statthalter verwaltet, die zwar den 
Typus und die Zeitrechnung beibehielten, doch ihren Namen in 
Pehlewi-, später in arabischer Schrift beifügten. Mit dem 
Jahre 794 hört auch diese Prägung auf, von 806 ist uns die 
älteste rein arabische Münze aus Taberistan erhalten, wo jedoch 
von da an nur noch sehr selten geprägt wurde. Der Vortrag 
wurde durch Vorlegung einer grossen Anzahl von Gipsabgüssen 
nach den Originalen des Königlichen Münzkabinets unterstützt. 
— Herr A. v. d. Heyden legte einen Teil der auf den Grossen 
Kurfürsten bezüglichen Medaillen seiner Sammlung vor. Zu- 
nächst eine kleine Reihe von gegossenen Medaillen, ferner 
mehrere getriebene holländischen Ursprungs, ausserdem sieben 
Medaillen, einen Doppelthaler und sechs Thaler auf den Sieg 
bei Fehrbellin, einzelne davon mit einer Darstellung der Schlacht, 
die auch den Tod des Stallmeisters Froben zeigt, sowie sechs 
Medaillen auf das Ableben des Kurfürsten. — Herr Dr. Bahr- 
feldt berichtete über zwei Münzenfunde, die ihm zur Unter- 



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suchung vorgelegen haben: 1) den Fund von Gross-Kordshagen 
bei Stralsund, enthaltend pommersche und mecklenburgische 
Witten, darunter besonders bemerkenswerth ein Greifswalder 
Witten mit dem Kopfe auf beiden Seiten, kein Fehlschlag, 
sondern eine ganz neue Erscheinung; 2) den Denarfund von 
Brandenburg a. H., bestehend aus ca. 800 Stück märkischen 
Denaren, untermischt mit einzelnen solchen der Nachbarländer. 
Die Münzen reichen von Johann IL bis zu Waldemar. Der 
Fund muss im ersten Fünftel des 14. Jahrhunderts vergraben sein. 



Druck Ton W. Por metter in Berlin. 



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